Cruciger, Elisabeth – Herr Christ, der einig Gott’s Sohn

Herr Christ, der einig Gott’s Sohn
Vaters in Ewigkeit,
Aus seinem Herz’n entsprossen,
Gleichwie geschrieben steht,
Er ist der Morgensterne,
Sein‘ Glänze streckt er
Für andern Sternen klar.

Für uns ein Mensch geboren
Im letzten Theil der Zeit,
Der Mutter unverloren
Ihr jungfräulich‘ Keuschheit;
Den Tod für uns zubrochen,
Den Himmel aufgeschlossen,
Das Leben wiederbracht.

Laß uns in deiner Liebe
Und Kenntniß nehmen zu,
Daß wir in Glauben bleiben,
Und dienen im Geist so,
Daß wir hie mügen schmecken
Dein‘ Süßigkeit im Herzen,
Und dürsten stets nach dir.

Du Schöpfer aller Dinge,
Du väterliche Kraft,
Regierst von End‘ zu Ende
kräftig aus eigner Macht.
Das Herz uns zu dir wende
Und kehr ab unser‘ Sinne,
Daß sie nicht irr’n von dir.

Ertödt‘ uns durch dein‘ Güte,
Erweck‘ uns durch dein‘ Gnade‘,
Den alten Menschen kränke,
Daß der neu‘ leben mag,
Wol hie auf dieser Erden
Den Sinn und all‘ Begerden
Und danken han zu dir.

Rambach – Anthologie christlicher Gesänge aus der neueren Zeit

Creutzer, Georg – Ein schön Kindergebett

Ein schön Kindergebett reimsweis allen frommen Predigerskindern, deren liebe Eltern, um christlicher Lehre willen, worden ins Elend gestoßen. Von einem frommen Hausvater seinen Kindern im Elend fürgeschrieben. 1581.

Ach Gott, Vater, wir bitten dich,
Wöllst uns erhören gnädiglich.
Wohn unserm lieben Vater bei
Und hilf, daß er beständig sey,
In diesem schweren, großen Streit,
In reiner Lehre und Wahrheit.
Gib ihm deinen freudigen Geist,
Der ihm tröstlichen Beistand leist‘,
Und durch deine väterliche Güt,
Vor allem Uebel ihn behüt.
Du wollst helfen auch den Andern,
Die jetzt im Elend müssen wandern,
Wiewohl sie es nicht han verschuldt.
Ach, lieber Gott, gib ihm Geduldt,
Auch die behüte und bewahr,
Die mit ihm sind in gleicher Gfar.

Ach, Herr Gott, hilf in dieser Zeit
Aller weltlichen Oberkeit,
Gib ihn in ihr Herz, Sinn und Mut,
Das sie es wohl betrachten thut,
Den Worten denke fleißig nach,
Die Jesus von dem Himmel sprach:
O Saul, Saul, was verfolgst du mich?
Wie schwer wirst du beladen dich.
Gedenk in welche Gfar dich steckst,
Wenn du wider den Stachel leckst.
Laß sie die Sach z’vor recht verhören
Eh denn sie jagen und verstören.

Wir bitten noch für eine Art,
Die jetzund fast die Wahrheit spart,
Im Rucken gute Leut verletzt,
Groß und auch kleine auf sie hetzt,
Die bessers hätten wohl verdient,
Das wird geschlagen in den Wind.
Doch wöllst es ihn vergeben all,
Und helfen auf von ihrem Fall.
Und bekehr, was ist zu bekehren,
Was aber nicht, dem wöllst du wehren.
Und gib deiner armen Christenheit
Wieder Fried, Ruh und Einigkeit,
Zu Lob und Ehr beim heil’gen Namen
Um Jesu Christi willen. Amen.

Cerfas, Mattheiß – Abschied vom Leben.

„Ein ander lied hat Mattheiß Cerfas im Gefengnuß gemacht, welcher zu Cöllen mit dem Schwert gericht Anm. 1555. Und geht im Thon, Ein feste burg ist.“

1. Mitt angst und not ruff ich dich an,
o Gott, thu mich geweren!
Wollest doch nun fest bey mir stohn
durch Christum unseren Herren,
Weil ich wird in die prob gestalt,
das reich leidt gewalt,
der weg, O Herr, ist schmal,
wer es einnehm soll,
mag wol beten und fasten.

2. Ach Gott, nun züchtig mich zu recht
mit vätterlichen schlägen!
Ich hab wie ein unnützer knecht
verlassen deine wegen
Und bin allso ohn dich gewest,
wie man das ließt:
wer darab thut, O Herr,
bleibt nit in deiner lehr,
keinn Gott wirt er nit haben.

3. Trew wirstu aber, Her, den sein,
dich sich von Hertzen bekehren,
Ergeben sich wie Kinder dein
und folgen deiner lehre,
All Creatur wirt werden loß,
steht vor dir bloß: hie bin ich, Her!
was ist dein bger?
die wirstu zu dir nehmen.

4. Hastu mir nit dein hand gerecht
gereycht und thun erlösen,
da ich noch war der sünden knecht
und lebt in allem bösen?
Das war mir so ein schere last,
ich hatt kein rast tag und nacht,
hat mir viel trauern bracht,
biß du mir, Herr, thetst helffen.

5. Ein grosse freud ich da entpfieng,
darumb ich dir noch danke.
Ich bitt dich, nun richt meine geng,
daß ich von dir nit wancke,
Daß ich, O Herr, zum Schlachtschaf dein
mög wirdig sein,
ein Opffer rein,
ein zeug der leiden dein,
und verharren biß ans ende!

6. Steh du, O Gott, nit fern von mir!
ein groß streit ist vorhanden:
Mach mich wirdig, zu sehn bey dir,
daß ich nit komm zu schanden!
Dann du, mein Gott, mein Felß und schloß,
mein zuverlöß,
es kost nun hell
leib oder Seel,
ach hilff, mein feind abschlagen!

7. Kreutz und leiden ist mir bereyt,
mach michs wirdig zu tragen,
Daß ich darumb von dir nit scheyd,
sie thun hart auff mich schlagen,
Es wirt geschossen manch tausent pfeil
nach meiner Seel,
manch Netz gestelt
so weit hinauß ins felt,
mit listen mich zu fangen!

8. Du aber bist, ein starcker Gott,
das hab ich wol vernommen,
Ein schirm und trost in aller not,
ein Schatten aller frommen,
Du machst mich also starck im streit,
daß ich auch nit
ger abzustohn
sondern hindurch zu gohn,
biß ich die statt einneme.

9 Ruff ich zu dir, so gistu mir
Weißheit und Mund zu sprechen,
Deß glaubens krafft dabey ich spür
mits Geistes Schwerdt zu feschten.
Den schilt des Glaubens muß man han
sol man bestohn,
an füssen sein
geschuhet seyn
mit dem Evangelio deß fridens.

10 Unser wapffen mögen nit fleischlich sein,
sonder kräfftig von geiste,
Mit gedult von Gott bekleydet sein,
zu streiten allermeiste
Gegen den Fürsten dieser welt,
der sich sawrr stelt
mit falschem schein
in den kindern sein
und mein mich zu erschleichen.

11 Wie muß ich dir, O Vatter mein,
so rein geleuter werden,
Ich muß nur seyn ein Wörmlein klein
ein Narr auff dieser Erden.
Der Versucher tritt umb mich her
mit starcker wehr,
die Füchslein klein
graben so tieff hinein,
dein weinberg zu verderben.

12 Wenn ichr anschlag nit will fortgohn
mit bitten noch mit drewen
Und wir ihr Glerten weisen von,
daß sie sich nit erfrewen,
Dan kommen sie mit Keyers gebott,
weisen zum todt,
so wir daran
kein schrecken han,
hond sie uns peingt sere.

13 Und Gott hat unsern mund verwahrt,
dafür wir im noch dancken;
Wiewohl die pein war also hart,
ließ er uns doch nit wanecken,
Er hat uns mit gedult bekleidt,
wirr waren bereit,
in todt zu gohn,
vor unser Brüder zu stohn,
wollten sie nit besagen.

14 O Gott, wir stohn in angst und pein
wie ein befrüchte frawe,
Mit schmerzen muß geboren sein,
das wirt uns nit gerawen:
So wir der arbeit mechtig seyn
durch die krafft dein
geberen sein,
so sol bald sein
all schmertz in freud verkehret.

15 Nachdem, O Gott Vatter und Herr,
du uns selbst hast verheissen,
Daß du die deinen nimmermehr
verlassen wolst als weysen,
Die hie so gar verlassen seind,
wie es ietzt scheint
vor den menschen kind,
daß wir so gar verlassen sind
vom weg der warheit ferre.

16 O Gott, wir dancken aber dir
auß grosser trew allgmeyne!
Wir haben keinen irthum für,
es ist die warheit reyne,
Es ist das recht war fundament,
das Petrus bekendt,
der war eckstein,
wissen auch anders kein,
dar durch wir sehlig werden!

17 Trew bistu, Herr, also muß dir
ein jeder trewlich dienen;
Er das nicht thut auß hertzen gut,
mag wohl klagen und weinen.
Vil nemens wort mit freuden an,
die nicht bestahn
wie man solt,
wen der Glaub klar gleich wie das golt
sol rein geleutert werden.

18 Trew Knecht, O Herr, ist mein beger,
wolst deinen Kindern geben,
Die ein rein hertz bereyten dir
in lehr und auch im leben,
Und nim alle gutdüncken hin
auf irem sin,
auff daß, O Herr,
dir wird die ehr,
niemand im selbst gefalle!

19 Ein recht verstand mit leiebe sein,
bit ich von dir ob allen,
Schreib in das Hertz der Kinder dein,
laß fir mein bitt gefallen;
Mit glaubens früchten allermeist
durch deinen geist
in friedens band
führ sie zuhandt
all, die dir, Herr, gefallen!

20 Ein recht verstand mit liebe sein,
bit ich von dir ob allen,
Schreib in das Hertz der Kinder dein,
laß dir mein bitt gefallen;
Mit glaubens früchten allermeist
durch deinen geist
in fridens band
führ sie zuhandt
all, die dir, Herr, gefallen!

20 Noch eins, O Herr, ist mein beger,
daß muß ich dir noch klagen:
Ich steh vor dir unwirdig sehr,
weiß doch nit anders zu sagen,
Dann: O lieber Herr und Vatter mein,
der wille dein
woll ich mir reyn
geschehen sein,
gantz bin ich dir ergeben!

21 Nit anders find ich nun bey mir,
deß danck ich dir von hertzen!
Dann was du wilt, das gscheh von dir,
es sey freud oder schmertzen.
Und wie vil ich hab volbracht,
wie ich dan acht,
viel fehlet mir:
ich steh vor dir,
genugsam straff zu nehmen!

22 Es will nun an ein scheyden gohn,
ich bfehl euch all dem Herren!
Alles beger ich zu verlohn,
zu meinem Gott mich kehren.
Mein Brüder, Mutter, weib und kindt,
die mir lieb seyn
im hertzen mein,
willig muß es verlassen seyn,
zu letzt mein eygen leben!

23 Muß es dan hie gescheyden sein,
so wolt doch unser dencken!
Wir trincken hie den sauren wein,
der unsern leib thut krencken,
Aber der Herr macht es gantz licht!
diß ist gedicht
im gsengnuß mein:
lobt Gott, er wirt noch sein
uns helffen biß ans ende!

AMEN.

Ausbund

Ringwaldt, Bartholomäus – Vom Jüngsten Gericht

In seinem eignen Ton, von Bartholomäus Ringwald gebessert.

1. Es ist gewisslich an der Zeit,
Dass Gottes Sohn wird kommen
In seiner großen Herrlichkeit,
Zu richten Bös und Frommen.
Dann wird das Lachen werden teur,
Wenn alles wird vergehn im Feur,
Wie Petrus davon schreibet.

2. Posaunen wird man hören gehn
An aller Werlet1Welt Ende,
Darauf bald werden auferstehn
All Toten gar behende;
Die aber noch das Leben han,
Die wird der HErr von Stunden an
Verwandeln und verneuen.

3. Danach wird, man ablesen bald
Ein Buch, darin geschrieben,
Was alle Menschen, jung und alt,
Auf Erden han getrieben;
Da denn gewiss ein jedermann
Wird hören, was er hat getan
In seinem ganzen Leben.

4. O weh demselben, welcher hat
Des HErren Wort verachtet
Und nur auf Erden früh und spat
Nach großem Gut getrachtet;
Er wird fürwahr gar kalt bestehn
Und mit dem Satan müssen gehn
Von Christo in die Hölle.

5. O Jesu, hilf zur selben Zeit
Von wegen deiner Wunden,
Dass ich im Buch der Seligkeit
Werd angezeichnet funden;
Daran ich denn auch zweifle nicht,
Denn du hast ja den Feind gericht
Und meine Schuld bezahlet.

6. Derhalben mein Fürsprecher sei,
Wenn du nun wirst erscheinen,
Und lies mich aus dem Buche frei,
Darinnen stehn die Deinen,
Auf dass ich samt den Brüdern mein
Mit dir geh in den Himmel ein,
Den du uns hast erworben.

7. O Jesu Christ, du machst es lang
Mit deinem jüngsten Tage;
Den Menschen wird auf Erden bang
Von wegen vieler Plage.
Komm doch, o komm, du Richter groß,
Und mach uns in der Gnaden los
Von allem Übel. Amen.

Harms, Claus – Übersetzung des „De die Iudicii“

Übertragung von Celanos „De die iudicii“

1. Zorntag, grösster aller Tage,
Aller Bibeln ernste Sage,
Mit dem Feuer, mit der Waage:

2. Welches Heulen, welches Weinen,
Wenn Du einmal wirst erscheinen
Plötzlich, da wir es nicht meinen!

3. Eine Stimm’ wird sich erheben;
Die dann todt sind, die dann leben,
Sollen Red’ und Antwort geben.

4. Beide fahren sie zusammen,
Sehen sich bei Feuerflammen:
Wird er euch und uns verdammen?

5. Müssen stehn vor einem Buch:
Ach, sind wir auch in der Suche?
Oder angemerkt zum Fluche?

6. Jetzo wird der Richter sprechen,
Alle Siegel wird er brechen,
Die geheimsten Thaten rächen!

7. Ach, wie fürcht’ ich seine Ruthe!
Zeugt nicht Einer mir zu Gute?
Reinen selbst ist bang zu Muthe.

8. O du König solcher Schrecken!
Gnade kann allein mich decken.
Ich will dein Erbarmen wecken!

9. Hattest mich doch einst erkoren,
Bist doch ja für mich geboren.
Und ich wäre jetzt verloren?

10. Hast dich müd’ um mich gegangen,
Bist für mich am Kreuz gehangen,
Und das sollte nichts verfangen?

11. Wärest du denn bloss ein Rächer?
Gar kein, gar kein Gnadensprecher
Ueber reuige Verbrecher?

12. Noch ist nicht mein Spruch gefället;
Eh’ derselbe mich zerschellet,
Hör’ die Bitt’ an dich gestellet!

13. Hast Maria angeblicket,
Hast den Schächer selbst entzücket
Ich soll bleiben unerquicket?

14. O du Guter, Milder, Treuer,
Rette vor dem ew’gen Feuer,
Den du hast erlöst so theuer!

15. Zwar nicht auf mein Bitten steh’ ich,
Nein, zu deiner Gnade fleh’ ich,
Halte sie mich, sonst vergeh’ ich.

16. Du wirst scheiden, bannen, aechten,
Reisse mich noch aus dem Schlechten,
Rechts von dir zu den Gerechten!

17. Wenn die Bösen überwiesen,
Und den Flammen zugewiesen,
Sei ich in die Freud’ gewiesen!

18. Ach, ich schau die Höllenbrände,
Rufe, ringe meine Hände:
Mach es wohl mit mir am Ende!

Liscoo – Dies Irae

Celano, Thomas von – De die Iudicii

Dies irae, dies illa
Solvet seclum in favilla
Teste David cum Sibylla.

Quantus tremor est futurus
Quando index est venturus
Cuncta stricte discussurus!

Tuba mirum spargens sonum
Per sepulcra regionum
Coget omnes ante thronum.

Mors stupebit et natura
Cum resurget creatura
Iudicanti responsura.

Liber scriptus proferetur
In quo totum continetur
Unde mundus iudicetur.

Judex ergo cum sedebit
Quidquid latet, apparebit
Nil inultum remanebit.

Quid sum miser tunc dicturus?
Quem patronum rogaturus
Dum vix iustus sit securus?

Rex tremendae maiestatis
Qui salvandos salvas gratis
Salve me, fons pietatis.

Recordare, Iesu pie
Quod sum causa tuae viae
Ne me perdas illa die.

Quaerens me sedisti lassus
Redemisti erucem passus
Tantus labor not sit cassus.

Iustae iudex ultionis
Donum fac remissionis
Ante diem rationis.

Ingemisco tanquam reus
Culpa rubet vultus meus
Supplicanti parce, Deus!

Que Mariam absolvisti
Et latronem exaudisti
Mihi quoque spem dedisti.

Preces meae non sunt dignae
Sed tu bonus fac benigne
Ne perenni cremer igne!

Inter oves locum praesta
Et ab hoedis me sequestra
Statuens in parte dextra!

Confutatis maledictis
Flammis acribus addictis
Voca me cum benedictis!

Oro supplex et acclini
Cur contritum quasi cinis
Gere curam mei finis.

Lacrymose dies illa,
Qua resurget ex favilla
Judcandus homo reus:

Huis ergo parce, Deus!
Pie Jesu, Domine,
Dona eis requiem!

Amen.

Quelle: Zeitschrift für die historische Theologie Zwölfter Band/ Neue Folge. Sechster Band. Leipzig 1843 Verlag von L. H. Bösenberg.

corrigiert und erweitert 10.11.2019

Capito, Wolfgang – Morgengebet

Die Nacht ist hin, der Tag bricht an,
Zu Gott ruf innig jedermann,
Daß er uns heut Herz, Mund und Hand
bewahr vor Sünd und Teufels Tand.

Die Zung regier mit Bescheidenheit,
Daß sie nicht anstift Herzenleid,
Die Augen halt in steter Hut,
Daß sie nicht blend der Welte Muth.

Ein rein Herz gib nach Glaubens Art,
Das allzeit schau die Gottheit zart,
Und mäßig leb, ohn falschen Wahn,
Dem stolzen Fleisch recht abzustan;

Auf daß wir all zu Nacht mit Fleiß,
Dir, Vater, sagen Ehr und Preis
Durch Christum mit viel minder Schuld
Und mit mehr deiner Gnaden Huld.

Gott Vater sei Lob, Ehr und Preis,
Darzu auch seinem Sohne weis,
Des heilgen Geistes Gütigkeit
Von nun an bis in Ewigkeit.

Capito, Wolfgang – Das lied, Ich bin ins flaysch zum todt geborn

(„Form und ordnung Gaystlicher Gesang und Psalmen rc. (Augsburg) M.D. XXXIII“)

ICh bin inns flaisch zum todt geborn,
auf mir blib fluch unnd Gottes zorn,
mein will unnd werck warn gar verlorn,
biß mich Jesus ernewet
Und rufft zur buß zur engen port;
der vatter tödt der sünden mord
durch Jesu todt, auß dem mir fort
vor pein der hell nit scheühet.
Sein gwalt, auffart und gaiste reyn
bracht hymlisch gburt, göttlichen schein,
sein selbs ankunft ins hertze mein
frümbkait, frid, frewd und leben.

Darumb, Jesu, schatz unnd berlin gutt,
du süsser ghruch unnd werdes blut,
ich trag dich stäts in meinem mut,
hör, mensch, was zeügt mein glauben;
Wer Jesum auch wil also hon,
der muß seinn aygen willen lon,
nach Jesu will inn wirckung ston,
in übung unnd in schawen.
Welchs hoffnung Jesus worden ist,
der achtet nitt was sunst gebrist,
all zeytlichait ist jm ain mist
auff sand kan er nit bawen.

Wer Creaturen verlassen hatt
unnd jr befleckung ledig stat,
sein hertz unnd mutt an Jesu lat,
der darff nitt weytter sorgen,
Dann Jesu gayst ain tröster ist,
aber nur deß, dem trost geprist,
dem sein Creütz bleibt mitt dult vermischt
und freüd in Gott verborgen.
On JEsum ist es alles nicht,
wer seinem wortt nitt widerspricht
und jn inn lieb und laid vergicht,
der hats vom vatter glernet.

Halt innig synn und ainigkait
außschwayffig menge sey dir layd,
schaw auff Jesum, dein zyl berayt,
deß krafft inns hertz bringt leben;
Glaub, lieb, vor Gott gerechtigkait
nymm ann, halt gaystlich underschayd,
wandle, wie dich der Sun Gotts layt,
der sich für dich hat geben,
Der dich durch sich erle+üchtet klar
unnd setzet in des himels schar:
ach, laß nit nemmen solche war
den Teüfel mit sein listen.

Ach Jesu Christ, verleych unns gnad,
das uns der feynd nitt bring zu schad,
das wir vor Gott durch dich im pfad
beharren biß ans ende!
Was krafft möcht sunst in diser not
beston? eyl, Herr, kumm nit zu spat,
auff das uns nit deß feyndes rat
hie und dort ewig schende.
Dir wöllen wir zur ghrechten hand
Gottes, der du uns hast für schand
erlöset, singen inn dem land
eer, preyß und alle glori.

Capito, Wolfgang – Bitte um Frieden

Gib Fried zu unser Zeit, o Herr,
Groß Noth ist jetzt vorhanden.
Der Feind begehrt nichts anders mehr
Dann daß er bring zu Schanden
Den Namen Christ
Und dämpf mit List
Wahren Gotts Dienst auf Erden.
Solchen erhalt
Aus deiner Gwalt
Du hilfst allein in Gfährden 1).

Gib Fried, den wir verloren han
Durch Unglaub und bös Leben!
Dein Wort hast uns geboten an,
Dem wir all widerstreben;
Denn wir zum Theil
Dieß unser Heil
Mit frevlem Gwalt austreiben,
Zum Theil ohn Grund
Bekennen rund,
Ohn herzlich Frommkeit bleiben.

Gib Fried, auch deinen Geist uns send,
Der unser Herz durch Reue
Und Leid um unser Sünd behend
In Jesu Christ erneue,
Auf das dein Gnad
All Schand und Schad,
All Furcht und Krieges Laste
Von uns abkehr,
Dadurch dein Ehr
Bei allem Volk erglaste 2). Amen.

—-

1) Gefahr
2) erglänze, erglühe

Brockhaus, Carl – Wo ist ein solcher Gott wie Du

Wo ist ein solcher Gott wie Du,
voll Langmut, Macht und Gnade!
Führst Sünder ein in Deine Ruh‘
von des Verderbens Pfade.
Durchdrangst mit Macht
der Sünde Nacht,
gabst hin den Eingebornen
zur Rettung der Verlorenen.

Wo ist ein solcher Gott wie Du,
wer kann Dein Lieben fassen!
Für Deine Feinde ließest Du
den Sohn im Tal erblassen.
Gerechtigkeit
ward unser Kleid;
Errettung, Licht und Leben
ward uns im Sohn gegeben.

Wo ist ein solcher Gott wie Du,
so treu in jeder Lage!
Wer hilft in Not, wer sorgt wie Du
ohn‘ Rast von Tag zu Tage!
O treuer Hort,
laß hier wie dort,
von Deiner Lieb‘ uns singen,
Lob, Ehr‘ und Dank Dir bringen!

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