Nikolaus Hermann – Am sechsundzwanzigsten Sonntag Trinitatis. Vom jüngsten Gericht. Matth. 25.

Weil in der argen bösen Welt:
Viel falsch Urteil werden gefällt,
Und Manchem viel zu kurz geschicht,
Der sein Recht kann bekommen nicht,
Und manche böse Bubenstück
Werden getragen überrück;

2. Drum will Gott halten ein Gericht,
Und Alles bringen an das Licht,
Davon jetzund Niemand mucken tar,
Wird er Alls machen offenbar,
Und wird kein Gwalt mehr gehn für Recht,
Wie jetzt klagt mancher arme Knecht.

3. Für diesem letzten, strengen Gricht,
Wird sich kein Mensch verbergen nicht,
Da wird Rechenschaft Jedermann
Von Allem, was er hat getan
Allhie in diesem zeitlich Leben,
Dem Richter Christo müssen geben.

4. Wenn Menschen Sohn nun kommen wird
Mit sein Engeln, der treue Hirt,
In seiner göttlichen Herrlichkeit,
Und in seiner wahren Menschheit,
Dann wird er die unflätigen Böck
Scheiden von den Schäfelein;

5. Die für sein Schäflein werdn erkannt,
Wird er stellen zur rechten Hand,
Und die Böck wird er heißen gehn
Beiseits, und zu der Linken stehn,
Und wird sagen zun Schäfelein:
Kommt her, ihr lieben Brüder mein.

6. Ihr Gsegneten, ererbt das Reich,
Das von Anfang der Welt ist euch
Bereitet von dem Vater mein,
Drin ihr sollt mein Miterben sein;
Ihr habt mich gespeiset und getränkt,
Da mich der Durst und Hunger kränkt.

7. Da ich ein Gast war und elend,
Reicht ihr mir eure milden Händ,
Und nahmt mich auf zur Herberig,
Da ich war nacket, kleidt ihr mich,
In meiner Krankheit ihr mir bracht
Labsal, das gab mir eine Kraft.

8. Da ich war ein Gefangner Mann,
Nahmt ihr euch mein gar treulich an,
Erzeigt euch gegen mir christlich,
Ihr kamt zu mir und tröstet mich,
Und teilt mir mit ein guten Rat,
Halft mir mit Worten und der Tat.

9. Alsdann werden antworten sie:
Herr, wann hab wir dich gsehen je
Hungrig, durstig, nacket und bloß,
Krank, gfangen und in Armut groß?
Wann hab wir dir die Treu beweist,
Die du jetzund rühmst und preist?

10. Dann wird der Köng antworten ihr:
Was ihr getan habet vorhin
Dem allergringsten Bruder mein,
Das hab ich also gemerket fein,
Und nehm mich des so treulich an,
Als ob ihr mirs hätt selbst getan.

11. Dann wird er auch sagen zu den,
Die ihm zu seiner Linken stehn:
Ihr Verfluchten, geht hin von mir,
Ins höllisch Feur gehöret ihr,
Welches dem Teufel ist bereit;
Und seinen Engeln der Bosheit.

12. Ich bin gewesen hungerig,
So habt ihr nicht gespeiset mich,
Desgleichen, da ich durstig war,
Reicht ihr mir kein Trunk Wasser bar;
Da ich war fremd, elend und bloß,
Sein Haus für mir jeder zuschloss.

13. Und da ich war ein gfangner Mann,
Keiner unter euch zu mir kam.
Dann werben sie entschuldigen sich:
Herr, wann han wir gesehen dich.
Durst leiden und in Hungersnot,
Und dir versagt Wein, Bier und Brot?

14. Wann bist du je gewest ein Gast?
Und um Herberg gebeten hast?
Von deiner Gfängnis und Krankheit,
Wann hab wir je gewusst Bescheid?
Wer hat uns der Ding eins bericht,
Und wir han dir gedienet nicht?

15. Darauf wird er ihn zeigen an:
Alles, was ihr nicht habt getan
Dem allergringsten Bruder mein,
Beim Leben in den Nöten sein,
Das habt ihr mir auch nicht getan,
Drum nehm ich kein Entschulding an.

16. Dann werden sie gehn in die Pein
Und ewiglich verdammet sein,
Den Grechten aber wird er geben
Im Himmelreich das ewige Leben.
Hilf uns, Herr Christ, du treuer Heiland,
Dass wir nicht stehen zur linken Hand.

Amen.

Nikolaus Hermann – Ein geistlich Lied von der Toten Auferstehung und dem ewigen Leben. Aus dem 15ten Capitel der ersten Epistel Pauli an die Corinther.

Sankt Paulus die Corinthier
Hat unterweist in rechter Lehr,
So bald er aber von ihn kam,
Da fingen sich viel Sekten an.

2. Es stunden auf, die predigten
Viel Irrtum zu Corinthien,
Darunter war ein falsche Lehr,
Dass nach dem Tod kein Leben wär.

3. Wir stürben hin gleich wie das Vieh,
Kein Auferstehung gleubten sie,
Solchs wurd St. Paulo kund getan;
Das jammert sehr den heilgen Mann.

4. Ein Brief er schrieb und strafet sehr
Darin die falschen Prediger,
Darnach zeigt er ihn hell und klar
Von der Urständ1Auferstehung die rechte Lahr,

5. Beweist durch Schrift, dass Jesus Christ
Der erst vom Tod erstanden ist;
Daraus er schleußt, dass wir dergleich
Erstehen solln zum ewigen Reich.

6. Es wär sonst falsch des Glaubens Lehr,
So Christus nicht erstanden wär;
Auch die entschlafen wärn zuvorn,
Die müssten alle sein verlorn.

7. Auch wär die Sünd noch unser Herr,
So er nicht wiedr erstanden wär;
Desgleichen auch der Tod sein Macht
Hätt über uns noch und sein Kraft.

8. Denn wie der Tod durch einen Mann
Sein Recht über als Fleisch bekam,
So sei das Leben durch die Macht
Der Urständ Christi wieder bracht.

9. Drum werden wir, wie Christus ist,
Erstehn vom Tod, das ist gewiss
In seiner Ordnung Jedermann,
Wie Christus hat gefangen an.

10. Denn so kein Auferstehung wär,
Was dürften wir in Kreuz und Gfähr
In Angst und Not uns hie begebn,
So nach dem wär kein ander Lebn?

11. Gleichwie ein Weizeskörnelein
Gesät wird in den Acker hnein,
Stirbt und vermodert ganz und gar,
Und grünt doch wiedr im selben Jahr:

12. So wird der irdisch Leib ins Grab
Verscharrt, und wird zu Asch und Staub,
Und wächst daraus ein Körper klar,
Der mit Gott lebet immerdar.

13. Denn (das natürlich ist gewest)
Im Grab nun alles ist verwest,
So wächst ein geistlich Bild daraus,
Das ewig wohnt in Gottes Haus.

14. Und was man sät in Sterblichkeit,
Das wird aufgehn in Herrlichkeit,
Und was begraben wird ohn Macht
Das wird erstehn in großer Kraft.

15. Han wir das Bild des Irdischen
Getragen und des Sterblichen,
So werden wir des Himmlischen
Auch tragen und des Ewigen.

16. Das Fleisch und Blut nicht erben kann
Gotts Reich, drum muss zu Boden gahn,
Und muss vermodern Haut und Haar,
Auf dass es werd spannen und klar.

17. Doch werden wir nicht sterben an,
Sondern zu der Posaunen Schall
Verwandelt in eim Augenblick,
Darauf sich nu ein jeder schick,

18. Auf dass er wart derselben Seit
In Gduld und aller Freudigkeit,
Auf dass, wenn kommet Gottes Sohn,
Erwarten mög mit Freud sein Lohn.

19. Und ob uns gleich die Welt macht bang,
So währt doch Kreuz und Angst nicht lang.
Drum tröst wir uns, das künftig ist;
Darzu hilf uns, Herr Jesu Christ.

20. Da wird die Zähr der Heiligen
Der Herr abwischen und ihr Trän,
Und sie alls Leids ergötzen zwar,
Dann wird das rechte Jubeljahr.

21. Hilf unser Schwachheit, lieber Gott,
Dass wir durchs Kreuz, durch Angst und Tod
Gehn mögen durch die enge Pfort,
Auf dass wir mit dir leben dort

22. In deinem Reich in Ewigkeit,
Anschauen die Dreifaltigkeit,
Samt dem ganzen himmlischen Heer
Dir singen stets Lob, Preis und Ehr.

Amen.

Nikolaus Hermann – Vom jüngsten Gericht. Aus dem Evangelio des 2. Sonntags im Advent Luk. 21.

Christus wird kommen zu Gericht,
Ehe sich die rohe Welt versicht,
Plötzlich, wie uns die Schrift zeigt an,
Darnach richt sich ein Jedermann.

2. Man predigt das göttliche Wort
zu breitem Blick an allem Ort.
Das Zeichen soll und sein gewiss.
Das End der Welt nicht fern mehr ist.

3. Himmel und Erd in einen Klos
Zerschmettern wird ein Wetter groß.
Balds Feur die ganz Welt verzehrt,
Wird Gott schaffen neu Himmel und Erd.

4. Denn werden zur Posaunenschau
Die Toten aufstehn allzumal.
Auch die noch leben hie auf Erdn,
Im Augenblick verwandelt werdn.

5. Da wird in einer Wolken klar.
Christ kommen mit der Engel Schar,
Und wir werd ihm entgegen gehn,
Und für seim Richtstuhl alle stehn.

6. Alsdenn sein Lämmer scheiden wird
Von den Böcken der treue Hirt,
Und wird sein Auserwählten gebn
Im Himmelreich das ewige Lebn.

7. Und wird ein schreckliche Urteil fälln
Über die Teufel und ihre Gselln;
Und die zu seiner Linken stehn.
Werden ins höllisch Feur gehn.

8. Drum Jedermann fein wacker sei,
Hüt sich mit Fleiß für Füllerei1Völlerei;
Denn der Tag wird wie ein Fallstrick
Übr uns kommen im Augenblick.

9. Auf dein Zukunft, Herr, warten wir,
Seufzen und tragen groß Begier.
O Herr, komm bald und uns erlös,
Denn die Welt ist gottlos und bös.

Amen.

Rinkart, Martin – Testament- Schlaf- Valet- und Sterbe-Gebetlein.

1. In deiner Gnaden-Hand
Steht beides Tod und Leben,
In deine Gnaden-Hand
Will ich es beides geben.
In deiner Gnaden-Hand
Steht Glück- und Unglücks-Zeit:
Mit deiner Gnaden-Hand
Zu beiden mich bereit.

2. Und weil ich doch einmal,
So lang ich auch mag leben,
Die schwache Lebensburg
Den Würmern muss aufgeben,
Befehl ich Leib und Seel
In deine Gnaden-Hand:
Die Seel in deinen Schoß,
Den Leib in frischen Sand.

3. Was du erlöset hast,
Zu ewig süßen süßen Freuden,
Mein ewig-treuer Gott,
Durch ewig-kräftig Leiden,
Und diesen meinen Sinn
Erhalt mir bis ans End,
Dass dieses bleib und sei
Mein letztes Testament.

Rinkart, Martin – Vorbitter-Gebetlein für der Jüden Bekehrung.

1. O Jesu, der du selbst
Aus Davids Stamm und Samen,
Lass nicht verdorren gar
Den Davids-Stamm und Namen,
Zeuch ab, zeuch ab einmal
Den Eifer deiner Hand,
Und setze Davids Volk
In alten Ehrenstand.

2. O Jesu, der du auch
Für sie dein Blut vergossen,
Und deine Tränen-Bach
Aus Lieb hinein geflossen,
Lass ab, lass endlich ab
Vom Eifer deiner Hand,
Und lege sie doch nur
In Kirchen-Gnaden-Stand.

3. O Jesu, Gottes Sohn,
Soll noch allhier auf Erden
Nach deinem Wort ein Hirt
Und eine Herde werden,
So in liebe doch
Den Eifer deiner Hand,
Und bringe sie und uns
Ins rechte Vaterland.

Rinkart, Martin – Christ-tröstliche Antwort.

1. Was ist das liebe Kreuz
Als eine Vaters-Rute,
Die Gottes Kinderlein
Tut wunder-viel zu gute?
Sie treibet uns zu Gott,
Zur Andacht und Gebet,
Sie steuret böser Lust
Sie straft und züchtiget.

2. Sie macht uns mürb und reif,
Dass wir uns drein ergeben,
Und streben inniglich
Nach einem andern Leben,
Da weder Not noch Tod,
Da weder Kreuz noch Pein,
Da weder Ach noch Weh
In Ewigkeit wird sein.

3. Lob sei dir ewiglich
Du Heiland aller Frommen,
Der du das Helden-Joch
Allein auf dich genommen,
Und uns geleget auf
Ein augenblicklich Leid,
Und bringest uns zuletzt
In ewig Himmels-Freud.

Zinzendorf, Nikolaus Ludwig Graf von – Danksagung für Christi Leiden.

Jesu, meines Lebens Bürge,
O, mein Licht!
Dass mich nicht
Höll‘ und Tod erwürge:
Ach, das hab‘ ich Dir zu danken!
Nimm mich an,
Denn ich kann
Nicht mehr von Dir wanken.

Kreuz und Dornen, Strick‘ und Bande,
Heiße Angst,
Drin Du rangst,
Ruten, Schmach und Schande,
Jammer, schmerzliche Beschwerden,
Sünd‘ und Tod,
Alle Not
Trugest Du auf Erden.

Ohne Dich wär‘ ich versunken;
Plag‘ und Pein
Schlügen drein,
Herz und Geist wär‘ trunken
Und von Schrecken eingenommen;
Ohne Dich
Wäre ich
Nicht dem Zorn entkommen.

Hast Du nun Dein teures Leben
An den Pfahl
Voller Qual
Also hingegeben:
So sei ebenfalls das meine,
Edler Hort,
Hier und dort
Nun und ewig Deine!

(1719 in Paris gedichtet.)

Zinzendorf, Nikolaus Ludwig Graf von – Am Grabe des Lebensfürsten.

Ach, Leben, liebest Du den Tod?1Ursprünglicher Anfang: Ein Menschenmund an Gottesmund
Ei, Liebe! töte mich.
Doch, nein! Du lebst nun Beides, Gott
Und Menschen ewiglich.

Des Manns, der überall zu Haus,
Zu Allem gnugsam ist,
Der’s Leben bringt vom Tod heraus,
Und tötet, wenn Er küsst;

Der Leben geben, nehmen kann,
Der ewig es dann gibt,
Der einst starb, wie ein and’rer Mann,
Nun lebt uns ewig liebt:

Des Grab ward einst aus Gnad‘ und Recht
Zu diesem Zweck geweiht,
Dass Er das menschliche Geschlecht
Vom Tod auf ewig scheid‘!

(Um 1754)

Zinzendorf, Nikolaus Ludwig Graf von – Der Schächer neben Christo.

Kann der arme Schächer glauben,
Dass sein Nachbar Christus sei,
Und der Priester wildes Schnauben
Treibet mit ihm Spötterei?
Ja, für Seine Qualen sorgen
Sie bis an Sein Ende noch.
Ist den Klugen Gott verborgen,
Sehen Ihn die Kinder doch.

Dieser hatte Dich betrachtet
Als das wahre Gotteslamm,
Und indem Du halbverschmachtet
Hingest am verfluchten Stamm,
Wollt er Dich nicht schmähen lassen,
Strafte den Verächter hart,
Wusste Dich so wohl zu fassen,
Dass Dein Herz ihm gnädig ward.

O wie kräftig ist Dein Sterben,
Dass dadurch Dein Höllenkind,
Frei und ledig vom Verderben,
Schnell des Himmels Wonne find’t!
Glaube, welcher mit Vertrauen
In die Vaterarme fällt!
Glaube, du kannst Schlösser bauen,
Du bist stärker, als die Welt!

Wo ist denn der Andre blieben?
Sah er nicht, was da geschah?
Konnt‘ er nicht, wie Jener, lieben?
Hing er Dir nicht auch so nah?
Ja, er hört und sah die Zeichen,
Doch er war und blieb verstockt.
Gnade muss das Herz erweichen,
Wenn das Wort zum Kreuze lockt!

Sünder! die ihr mit dem Schächer
Ach euch in den Himmel denkt:
Meinet ihr, der höchste Rächer
Hab‘ euch euren Lohn geschenkt?
Nein, der Schächer muss verbluten,
Er erträgt der Strafe Last,
Und Gott stäupet noch mit Ruten,
Die er nicht auf ewig hasst.

Zinzendorf, Nikolaus Ludwig Graf von – Die Herrlichkeit der Erlösung.

Das Buch der göttlichen Gericht und Rechte
Steht Niemand offen, als dem weisen Knechte,

Dem, der als Gott im Rate mitgesessen,
Als man der Menschen Elend ausgemessen;

Und Nichts, das Gott genug war, ausgefunden,
So dass die Hoffnung auf Ersatz verschwunden,

Bis jener hohe Rat in Gottes Throne,
Der Vorsatz in dem eingebornen Sohne,

Nach seiner tiefen Einsicht ausgefunden
Das herrliche Verdienst der Todeswunden,

Wenn man sie einem Menschensohne schlüge,
Der Nichts, als eine fremde Last ertrüge,

Und der mit Gott doch auch in Gleichheit wäre:
Gott, gleichen Wesens, und Gott, gleicher Ehre;

Damit der Abgrund der Barmherzigkeiten
Den Sieg von dem Gerichte könnt erstreiten.

Das hat der Sohn, der große Sohn verstanden,
Und zwar allein in allen Gotteslanden.

Anstatt dass wir Verlor’ne so was wüssten,
Blieb’s bei den Engeln selber ein Gelüsten. (1. Ptr. 1,12.)

Und Gott wollt ihnen erst Gemeinen bauen,
Darin das große Wunder zu beschauen. (Eph. 3,10.)

Er hat sich alsobald dazu erboten,
Das Leben zu erneuern in den Toten,

Zu bringen Gnad‘ und Rettung den Verfluchten,
Die, eh‘ Er sie besucht, Ihn niemals suchten,

Und die Ihm heute noch die Ehre rauben,
Statt dankerfüllt an Sein Verdienst zu glauben.

Er lässet sich von Millionen schmähen,
Die Seine Treu‘ und Liebe nicht verstehen,

Und senkt sich in die Menschheit gern hernieder,
Und bringt dadurch die ganze Menschheit wieder;

So dass kein Menschenkind, um von dem Bösen
Befreit zu sein, bedarf ein neu Erlösen.

Die Rechnung, womit Satan einst geprahlet,
Ist ihm an Jesu Kreuze ganz bezahlet,

Getilget und vernichtet und entkräftet,
Mit dem Gekreuzigten an’s Kreuz geheftet.

Was ist’s nun Wunder, dass dem Lamm gegeben,
Für seine Marter ewiglich zu leben?

Und nun zum Lohne des erworb’nen Heiles,
Die Menschen hinzunehmen Seines Teiles,

Nicht, weil er Gottes Sohn von Ewigkeiten,
Nein, weil er Fleisch geworden in den Zeiten!

Drum brennen sieben Fackeln vor dem Throne,
Wann einst die Erde stürzt im Donnertone;

Wann vor Ihm fliehen alle Himmelslichter,
Vor Ihm, der Toten und Lebend’gen Richter;

Und das: weil Er, den Seelen zum Genesen,
So lange Zeit ein armer Mensch gewesen;

Weil Ihn die Glut des Feuerzorns getaufet,
Als Er mit Seinem Blut die Welt erkaufet.

Ja, weil von Ihm der Todesschweiß geflossen,
Ist Ihm das Lebensbuch nun aufgeschlossen,

Das allen Menschen und dem Himmelsheere
Sonst ein versiegelt Buch geblieben wäre.

Es stehet nun in diesem Buche drinne
So manch Gericht, bestimmt vom Anbeginne,

So manch Geheimnis, das stets zugewesen,
Bis Jesu Blick es hell heraus gelesen.

Nimm’s, Lamm! und lies dem Vater alle Namen.
Von dem Dir ewig zugedachten Samen,

Und lies uns unter diesen selgen Scharen!
Dann lassen wir all‘ andre Dinge fahren,

Bis jedes Herz das große Wort gefunden:
„Die Himmel drehen sich um Jesu Wunden!“