Adam Drese – Gläubige Zueignung der Liebe Christi.

Seelenbräutigam,
Jesu, Gottes Lamm,
Habe Dank für deine Liebe,
Die mich zicht aus reinem Triebe
Von der Sünden Schlamm,
Jesu, Gottes Lamm.

Deiner Liebe Glut
Stärket Mut und Blut.
Wenn du freundlich mich anblickest
und an deine Brust mich drückest:
Macht mich wohlgemut
Deiner Liebe Glut.

Wahrer Mensch und Gott,
Trost in Not und Tod:
Du bist darum Mensch geboren,
Zu ersehen, was verloren,
Durch dein Blut so rot:
Wahrer Mensch und Gott!

Meines Glaubens Licht
Lass verlöschen nicht;
Salbe mich mit Freudenöle,
Dass hinfort in meiner Seele
Ja verlösche nicht
Meines Glaubens Licht.

So werd ich in dir
Bleiben für und für;
Deine Liebe will ich ehren
und in dir dein Lob vermehren,
Weil ich für und für
Bleiben werd in dir.

Held aus Davids Stamm:
Deine Liebesflamm
Mich ernähre, und verwehre,
Dass die Welt mich nicht versehre,
Ob sie mir gleich gram:
Held aus Davids Stamm!

Großer Friedefürst:
Wie hast du gedürft
Nach der Menschen Heil und Leben
und dich in den Tod gegeben,
Wie du riefst: mich dürst!
Großer Friedefürst!

Deinen Frieden gib
Aus so großer Lieb
Uns, den Deinen, die dich kennen
und nach dir sich Christen nennen,
Denen du bist lieb:
Deinen Frieden gib.

Wer der Welt abstirbt,
Emsig sich bewirbt
Um den lebendigen Glauben:
Der wird bald empfindlich schauen,
Dass niemand verdirbt,
Der der Welt abstirbt.

Nun ergreif ich dich,
Du mein ganzes Ich!
Ich will nimmermehr dich lassen,
Sondern gläubig dich umfassen,
Weil im Glauben ich
Nun ergreife dich.

Wenn ich weinen muss,
Wird dein Tränenfluss
Nun die meinen auch begleiten
und zu deinen Wunden leiten,
Dass mein Tränenfluss
Sich bald stillen muss.

Wenn ich mich aufs neu
Wiederum erfreu,
Freuest du dich auch zugleiche,
Bis ich dort in deinem Reiche
Ewiglich aufs neu
Mich mit dir erfreu.

Hier durch Spott und Hohn:
Dort die Ehrenkron;
Hier im Hoffen und im Glauben:
Dort im Haben und im Schauen;
Denn die Ehrenkron
Folgt auf Spott und Hohn.

Jesu, hilf, dass ich
Allhier ritterlich
Alles durch dich überwinde,
Und in deinem Sieg empfinde,
Wie so ritterlich
Du gekämpft für mich.

Du mein Preis und Ruhm,
Werte Saronsblum:
In mir soll nun nichts erschallen,
Als was dir nur kann gefallen,
Werte Saronsblum,
Du mein Preis und Ruhm!

Salom. Liscovius – Jesus der beste Schatz.

Schatz über alle Schätze,
Jesu, liebster Schatz,
An dem ich mich ergötze,
Hier hab ich einen Platz
In meinem treuen Herzen Dir,
Schönster, zugeteilt,
Weil du mit deinen Schmerzen
Mir meinen Schmerz geheilt.

Ach Freude meiner Freuden,
Du wahres Himmelbrot;
Damit ich mich kann weiden,
Das meine Seelennot
Ganz kräftiglich kann stillen
Und mich in Leidenszeit
Erfreulich überfüllen
Mit Trost und Süßigkeit.

Lass, Liebster, mich erblicken
Dein freundlich Angesicht,
Mein Herze zu erquicken;
Komm, komm, mein Freudenlicht.
Denn ohne dich zu leben
Ist lauter Herzeleid:
Vor deinen Augen schweben
Ist wahre Seligkeit.

O reiche Lebensquelle,
Jesu, süße Ruh:
Du treuer Kreuzgeselle,
Schlag nach Belieben zu.
Ich will geduldig leiden,
und soll mich keine Pein
Von deiner Liebe scheiden
Noch mir beschwerlich sein.

Mein Herze bleibt ergeben
Dir immer für und für,
Zu sterben und zu leben,
und will vielmehr mit dir
Im tiefsten Feuer schwitzen,
Als, Schönster, ohne dich
Im Paradiese sitzen
Veracht und jämmerlich.

Herrlichkeit der Erden,
Dich mag und will ich nicht:
Mein Geist will himmlisch werden,
Und ist dahin gericht,
Wo Jesus wird geschauet;
Da sehn ich mich hinein,
Wo Jesus Hütten bauet;
Denn dort ist gut zu sein.

Nun, Jesu, mein Vergnügen,
Komm, hole mich zu dir,
In deinem Schoß zu liegen;
Komm, meiner Seelen Zier.
und setze mich aus Gnaden
In deine Freudenstadt:
So kann mir niemand schaden,
So bin ich reich und satt.

Christian Keymann – Meinen Jesum lass ich nicht!

Meinen Jesum lass ich nicht!
Weil er sich für mich gegeben,
So erfordert meine Pflicht,
Klettenweis an ihm zu kleben.
Er ist meines Lebens Licht;
Meinen Jesum lass ich nicht.

Jesum lass ich nimmer nicht,
Weil ich soll auf Erden leben,
Ihm hab ich voll Zuversicht,
Was ich bin und hab, ergeben.
Alles ist auf ihn gericht;
Meinen Jesum lass ich nicht.

Lass vergehen das Gesicht,
Hören, Schmecken, Fühlen weichen,
Lass das letzte Tageslicht
Mich auf dieser Welt erreichen;
Wenn der Lebensfaden bricht:
Meinen Jesum lass ich nicht.

Ich werd ihn auch lassen nicht,
Wenn ich nun dahin gelanget,
Wo vor seinem Angesicht
Meiner Väter Glaube pranget.
Mich erfreut sein Angesicht:
Meinen Jesum lass ich nicht.

Nicht nach Welt, nach Himmel nicht
Meine Seele wünscht und stöhnet,
Jesum wünscht sie und sein Licht,
Der mich hat mit Gott versöhnet,
Der mich freiet vom Gericht:
Meinen Jesum lass ich nicht.

Jesum lass ich nicht von mir,
Geh ihm ewig an der Seiten,
Christus lässt mich für und für
Zu dem Lebensbächlein leiten.
Selig, wer mit mir so spricht:
Meinen Jesum lass ich nicht.

Joh. Angelus – Ich will dich lieben!

Ich will dich lieben, meine Stärke,
Ich will dich lieben, meine Zier;
Ich will dich lieben mit dem Werke
und immerwährender Begier.
Ich will dich lieben, schönstes Licht,
Bis mir das Herze bricht.

Ich will dich lieben, o mein Leben,
Als meinen allerbesten Freund;
Ich will dich lieben und erheben,
So lange mich dein Glanz bescheint.
Ich will dich lieben, Gotteslamm,
Als meinen Bräutigam.

Ach, dass ich dich so spät erkennet,
Du hochgelobte Schönheit, du!
und dich nicht eher mein genennet,
Du höchstes Gut, und wahre Ruh!
Es ist mir leid und bin betrübt,
Dass ich so spät geliebt.

Ich lief verirrt und war verblendet;
Ich suchte dich und fand dich nicht.
Ich hatte mich von dir gewendet
und liebte das geschaffue Licht:
Nun aber ists durch dich geschehn,
Dass ich dich hab ersehn.

Ich danke dir, du wahre Sonne,
Dass mir dein Glanz hat Licht gebracht;
Ich danke dir, du Himmelswonne,
Dass du mich froh und frei gemacht;
Ich danke dir, du güldner Mund,
Dass du mich machst gesund.

Erhalte mich auf deinen Stegen
Und lass mich nicht mehr irre gehu:
Lass meinen Fuß in deinen Wegen
Nicht straucheln oder stille stehn.
Erleucht mir Leib und Seele ganz,
Du starker Himmelsglanz.

Gib meinen Augen süße Tränen,
Gib meinem Herzen keusche Brunst.
Lass meine Seele sich gewöhnen
Zu üben in der Liebeskunst.
Lass meinen Geist, Sinn und Verstand
Stets sein zu dir gewandt.

Ich will dich lieben, meine Krone,
Ich will dich lieben, meinen Gott;
Ich will dich lieben ohne Lohne,
Auch in der allergrößten Not;
Ich will dich lieben, schönstes Licht,
Bis mir das Herze bricht.

Verf. unbekannt – Altes Wallfahrts- und Pilgerlied.

Schönster Herr Jesu,
Herrscher aller Erden,
Gottes und Mariä Sohn:
Dich will ich lieben,
Dich will ich ehren,
Du meiner Seelen Freud und Kron!

Schön sind die Felder,
Noch schöner sind die Wälder
In der schönen Frühlingszeit;
Jesus ist schöner,
Jesus ist reiner,
Der unser traurig Herz erfreut.

Schön leucht die Sonne,
Noch schöner leucht der Monden
und die Sternlein allzumal:
Jesus leucht schöner,
Jesus leucht reiner
Als all die Engel im Himmelssaal.

Aus dem 12. Jahrhundert

Joh. Heinr. Schröder – Eins ist Not! ach Herr, dies Eine

Eins ist Not! ach Herr, dies Eine
Lehre mich erkennen doch!
Alles andre, wies auch scheine,
Ist ja nur ein schweres Joch,
Darunter das Herze sich naget und plaget,
und dennoch kein wahres Vergnügen erjaget.
Erlang ich dies Eine, das alles ersetzt,
So werd ich mit Einem in allem ergötzt.

Seele, willt du dieses finden,
Suchs bei keiner Kreatur;
Lass, was irdisch ist, dahinten:
Schwing dich über die Natur.
Wo Gott und die Menschheit in Einem vereinet,
Wo alle vollkommene Fülle erscheinet:
Da, da ist das beste, notwendigste Teil,
Mein Ein und mein Alles, mein seligstes Heil.

Wie Maria war beflissen
Auf des Einigen Genieß,
Da sie sich zu Jesu Füßen
Voller Andacht niederließ:
Ihr Herze entbrannte, dies einzig zu hören,
Was Jesus, ihr Heiland, sie wollte belehren;
Ihr Alles war gänzlich in Jesum versenkt,
Und wurde ihr alles in Einem geschenkt:

Also ist auch mein Verlangen,
Liebster Jesu, nur nach dir.
Lass mich treulich an dir hangen,
Schenke dich zu eigen mir.
Ob viel auch umkehrten zum größesten Haufen,
So will ich dir dennoch in Liebe nachlaufen;
Denn dein Wort, o Jesu, ist Leben und Geist:
Was ist wohl, das man nicht in Jesu geneußt?

Aller Weisheit höchste Fülle
In dir ja verborgen liegt.
Gib nur, dass sich auch mein Wille
Fein in solche Schranken fügt,
Worinnen die Demut und Einfalt regieret
und mich zu der Weisheit, die himmlisch ist, führet.
Ach, wenn ich nur Jesum recht kenne und weiß,
So hab ich der Weisheit vollkommenen Preis.

Nichts kann ich vor Gott ja bringen,
Als nur dich, mein höchstes Gut.
Jesu! es muss mir gelingen
Durch dein rosinfarbes Blut.
Die höchste Gerechtigkeit ist mir erworben,
Da du bist am Stamme des Kreuzes gestorben:
Die Kleider des Heils ich da habe erlangt,
Worinnen mein Glaube in Ewigkeit prangt.

Nun, so gib, dass meine Seele
Auch nach deinem Bild erwacht:
Du bist ja, den ich erwähle,
Mir zur Heiligung gemacht.
Was dienet zum göttlichen Wandel und Leben,
Ist in dir, mein Heiland, mir alles gegeben;
Entreiße mich aller vergänglichen Lust.
Dein Leben sei, Jesu, mir einzig bewusst.

Ja, was soll ich mehr verlangen?
Mich beschwemmt die Gnadenflut:
Du bist einmal eingegangen
In das Heilge durch dein Blut.
Da hast du die ewge Erlösung erfunden,
Dass ich nun der höllischen Herrschaft entbunden:
Dein Eingang die völlige Freiheit mir bringt,
Im kindlichen Geiste das Abba nun klingt.

Volles Gnügen, Fried und Freude
Jetzo meine Seel ergötzt,
Weil auf eine frische Weide
Mein Hirt, Jesus, mich gesetzt.
Nichts Süßers kann also mein Herze erlaben,
Als wenn ich nur, Jesu, dich immer soll haben;
Nichts, nichts ist, das also mich innig erquickt,
Als wenn ich dich, Jesu, im Glauben erblickt.

Drum auch, Jesu, du alleine
Sollst mein Ein und Alles sein;
Prüf, erfahre, wie ichs meine,
Tilge allen Heuchelschein.
Sieh, ob ich auf bösem betrüglichen Stege,
und leite mich, Höchster, auf ewigem Wege;
Gib, dass ich hier alles nur achte für Kot
Und Jesum gewinne: dies Eine ist not.

Joh. Andr. Rothe – Ich habe nun den Grund gefunden!

Ich habe nun den Grund gefunden,
Der meinen Anker ewig hält:
Wo anders, als in Jesu Wunden?
Da lag er vor der Zeit der Welt.
Den Grund, der unbeweglich steht,
Wenn Erd und Himmel untergeht.

Es ist das ewige Erbarmen,
Das alles Denken übersteigt;
Es sind die offnen Liebesarmen
Des, der sich zu den Sündern neigt,
Dem allemal das Herze bricht,
Wir kommen oder kommen nicht.

Wir sollen nicht verloren werden;
Gott will, uns soll geholfen sein:
Deswegen kam der Sohn auf Erden
Und nahm hernach den Himmel ein;
Deswegen klopft er für und für
So stark an unsre Herzenstür.

O Abgrund, welcher alle Sünden
Durch Christi Tod verschlungen hat!
Das heißt die Wunde recht verbinden;
Da findet kein Verdammen statt,
Weil Christi Blut beständig schreit:
Barmherzigkeit! Barmherzigkeit!

Darein will ich mich gläubig senken,
Dem will ich mich getrost vertraun
Und, wenn mich meine Sünden kränken,
Nur bald nach Gottes Herze schaun:
Da findet sich zu aller Zeit
Unendliche Barmherzigkeit…

Wird alles andre weggerissen,
Was Seel und Leib erquicken kann;
Darf ich von keinem Troste wissen
Und scheine völlig ausgetan;
Ist die Errettung noch so weit:
Mir bleibet doch Barmherzigkeit.

Beginnt das Irdische zu drücken,
Ja, häuft sich Kummer und Verdruss,
Dass ich mich noch in vielen Stücken
Mit eitlen Dingen mühen muss;
Ich werde ziemlich sehr zerstreut:
So hoff ich doch Barmherzigkeit.

Muss ich an meinen besten Werken,
Darinnen ich gewandelt bin,
Viel Unvollkommenheit bemerken,
So fällt wohl alles Rühmen hin;
Doch ist auch dieser Trost bereit:
So hoff ich auf Barmherzigkeit.

Es gehe mir nach dessen Willen,
Bei dem so viel Erbarmen ist.
Er wolle selbst mein Herze stillen,
Damit es das nur nicht vergisst;
So stehet es in Lieb und Leid
In, durch und auf Barmherzigkeit.

Bei diesem Grunde will ich bleiben,
So lange mich die Erde trägt.
Das will ich denken, tun und treiben,
So lange sich ein Glied bewegt.
So sing ich ewig höchst erfreut:
Abgrund der Barmherzigkeit.

Erdm. Neumeister – Jesus nimmt die Sünder an!

Jesus nimmt die Sünder an!
Saget doch dies Trostwort allen,
Welche von der rechten Bahn
Auf verkehrten Weg verfallen.
Hier ist, was sie retten kann:
Jesus nimmt die Sünder an.

Keiner Gnade bin ich wert;
Doch hat er in seinem Worte
Eidlich sich dazu erklärt;
Sehet nur, die Gnadenpforte
Ist hier völlig aufgetan:
Jesus nimmt die Sünder an.

Wenn ein Schaf verloren ist,
Suchet es ein treuer Hirte;
Jesus, der uns nie vergisst,
Suchet treulich das Verirrte,
Dass es nicht verderben kann:
Jesus nimmt die Sünder an.

Kommet alle, kommet her,
Kommet ihr betrübten Sünder;
Jesus rufet euch, und er
Macht aus Sündern Gottes Kinder.
Glaubt es doch und denkt daran:
Jesus nimmt die Sünder an.

Ich Betrübter komme hier
Und bekenne meine Sünden;
Lass, mein Heiland, mich bei dir
Gnade und Vergebung finden,
Dass dies Wort mich trösten kann:
Jesus nimmt die Sünder an.

Ich bin ganz getrosten Muts;
Ob die Sünden blutrot wären,
Müssen sie, kraft deines Bluts,
Sich dennoch in Schneeweiß kehren,
Da ich gläubig sprechen kann:
Jesus nimmt die Sünder an.

Mein Gewissen beißt mich nicht,
Moses darf mich nicht verklagen;
Der mich frei und ledig spricht,
Hat die Sünden abgetragen,
Dass mich nichts verdammen kann:
Jesus nimmt die Sünder an.

Jesus nimmt die Sünder an!
Er hat mich auch angenommen
und den Himmel aufgetan,
Dass ich selig zu ihm kommen
und auf den Trost sterben kann:
Jesus nimmt die Sünder an.

Christian Ludw. Scheidt – Aus Gnaden soll ich selig werden!

Aus Gnaden soll ich selig werden!
Herz, glaubst dus oder glaubst dus nicht?
Was willst du dich so blöd gebärden?
Ists Wahrheit, was die Schrift verspricht,
So muss auch dieses Wahrheit sein:
Aus Gnaden ist der Himmel dein.

Aus Gnaden! Hier gilt kein Verdienen:
Die eignen Werke fallen hin.
Gott, der aus Lieb im Fleisch erschienen,
Hat diese Ehre zum Gewinn:
Dass uns sein Tod das Heil gebracht
Und uns aus Gnaden selig macht.

Aus Gnaden! Merk dies Wort: aus Gnaden!
So oft dich deine Sünde plagt,
So oft dir will der Satan schaden,
So oft dich dein Gewissen nagt:
Was die Vernunft nicht fassen kann,
Das beut dir Gott aus Gnaden an.

Aus Gnaden kam sein Sohn auf Erden
Und übernahm die Sündenlast.
Was nötigt ihn, dein Freund zu werden?
Sprich, wenn du was zu rühmen hast?
Wars nicht, dass er dein Bestes wollt
und dir aus Gnaden helfen sollt?

Aus Gnaden! Dieser Grund wird bleiben,
So lange Gott wahrhaftig heißt.
Was alle Knechte Jesu schreiben,
Was Gott in seinem Wort anpreist,
Worauf all unser Glaube ruht,
Ist: Gnade durch des Lammes Blut.

Aus Gnaden! Doch du, sichrer Sünder,
Denk nicht: wohlan, ich greife zu!
Wahr ists: Gott rufet Adams Kinder
Aus Gnaden zur verheißnen Ruh;
Doch den geht seine Gnad nicht an,
Der noch auf Gnade sündgen kann.

Aus Gnaden! Wer dies Wort gehöret,
Tret ab von aller Heuchelei.
Denn wenn der Sünder sich bekehret,
Dann lernt er erst, was Gnade sei;
Beim Sündgen schien die Gnad gering:
Dem Glauben ists ein Wunderding!

Aus Gnaden bleibt dem blöden Herzen
Das Herz des Vaters aufgetan,
Wenns unter den Verzweiflungs-Schmerzen
Nichts sieht und nichts mehr hoffen kann.
Wo nähm ich oftmals Stärkung her,
Wenn Gnade nicht mein Anker wär?

Aus Gnaden! hierauf will ich sterben,
Ich fühle nichts, doch mir ist wohl,
Ich kenn mein sündliches Verderben,
Doch auch den, der mich heilen soll.
Mein Geist ist froh, die Seele lacht,
Weil mich die Gnad schon selig macht.

Aus Gnaden! Dies hör Sünd und Teufel!
Ich schwinge meine Glaubensfahn
und geh getrost trotz allem Zweifel
Durchs rote Meer nach Kanaan:
Ich glaub, was Jesu Wort verspricht,
Ich fühl es oder fühl es nicht.

Verf. unbekannt – Der Glaube macht allein gerecht.

Der Glaube macht allein gerecht
Durch Christum, ders erworben;
Kein Werk erwirbt das Himmelreich,
Weil alls an uns verdorben.
Doch ist ohn Lieb der Glaube tot;
Drum, willt du meiden ewge Not:.
Tu Buße, glaub und liebe.
Die Liebe sei des Nächsten Knecht;
Die tu aus gutem Herzen.
Dabei nur glaube recht und schlecht,
Dass bloß durch Christi Schmerzen
und seinen Tod du seist gerecht;
und flich, zu sein der Sünden Knecht.
Gott will uns all bekehren.