Blaul, Georg Friedrich – Ich habe dich je und je geliebt.

Mel. Herzlich thut mich verlangen.

Mich je und je geliebet
Mit großer Freundlichkeit
Hast du, den ich betrübet
Durch Sünden jederzeit.
Mit wundersamer Güte
Nahmst du dich meiner an,
Dein freundliches Gemüthe
Hat stets mir wohlgethan.

So oft ich auch gesündigt
An dir, mein Gott und Hort,
Ward dennoch mir verkündigt‘
Die Gnad‘ aus deinem Wort.
Du kamst mir stets entgegen
Mit treuer Vaterhand,
Und hast mit deinem Segen
Dich nie von mir gewandt.

Aus Noth und Kümmernissen,
Aus Trübsal, Angst und Pein
Hat Niemand mich gerissen,
Als du, mein Gott, allein.
Da, wo ich ängstlich klagte,
Warst du als Tröster nah,
Und wenn ich gar verzagte,
Standst du als Retter da.

So hast du überwunden
Den trotzig harten Sinn,
Und ich hab nun empfunden,
Wie arm und bloß ich bin.
Im Abgrund deiner Güte
Erkannt‘ ich meine Schuld,
Ich sah, wer mich behüte
Mit Langmuth und Geduld.

Du warst mein treuer Hüter,
Du, der mir Alles gab,
Von dem ich alle Güter
Und allen Segen hab‘,
Der seinen Eingebornen
Zum Heiland mir gesandt:
Du warst’s, der den Verlornen
Geführt an deiner Hand.

Wie soll ich würdig preisen
Dein Lieben, deine Treu‘?
Wie soll ich dir beweisen,
Dass ich dir dankbar sei?
Ich will mich dir ergeben,
Will ganz dein eigen sein,
Will dir mein ganzes Leben,
All meine Liebe weihn.

Hilf, Herr, lass wohl gelingen!
Du Geist des Raths, der Kraft,
Der Wollen und Vollbringen
In unsern Seelen schafft,
Kehr ein in meiner Seele
Steh‘ du mir mächtig bei,
Damit ich nimmer fehle,
Und ewig dankbar sei.

Blaul, Georg Friedrich – Verwirf mich nicht.

Mel. Ach bleib‘ mit deiner Gnade.

O Herr, dem Tod und Leben
Im himmlischen Gericht
Vom Vater übergeben,
O Herr, verwirf mich nicht!

Wohl kenn ich meine Sünden
Und meinen harten Sinn,
Weiß, dass ich Gnad‘ zu finden
Vor dir nicht würdig bin.

Doch kenn‘ ich auch dein Lieben,
Das dich voll Heldenmuth
Einst in den Tod getrieben,
Den Sündern all‘ zu gut.

Ich kenne dein Erbarmen,
Und deine Huld und Treu‘,
Weiß, du vergibst dem Armen,
Der kommt voll Leid und Reu‘.

So komm‘ ich denn als Armer
Voll Trauer, Leid und Reu‘,
D Jesu, du Erbarmer,
Mach‘ deine Gnade neu!

Hilf mir zu neuem Leben,
Dass ich, von Sünden frei,
Dir ganz und gar ergeben,
Ganz deiner würdig sei.

Und sollt ich wieder wanken,
Gib deines Geistes Licht,
Und lenke die Gedanken,
O Herr, auf dein Gericht.

Und wenn des Leibes Hütte
Im Todeskampf zerbricht,
Dann höre meine Bitte:
O Herr, verwirf mich nicht!

Dein freundlich Antlitz kehre
Nicht von mir im Gericht.
Mein Flehen nur erhöre:
O Herr, verwirf mich nicht!

Blaul, Georg Friedrich – Osterlied

Mel. Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr.

Mein Gott und Herr, welch großer Noth
Hast du mich heut entnommen!
Heut, da dein Sohn auf dein Gebot –
Aus Tod und Grab gekommen.
Nun, da mein Heiland Jesus Christ
Den Tod bezwungen, o nun ist
Auch mein Tod überwunden.

Ich saß in dunkler Todesnacht,
In tiefen Finsternissen,
Nun bin ich an das Licht gebracht,
Ich bin dem Tod entrissen;
Mit Jesu Auferstehung bricht
Mir an des ew’gen Lebens Licht,
Nun bin ich wohl geborgen.

Auf den ich hier gebaut mein Heil,
Der ist ja auferstanden,
Ich hab‘ an ihm im Glauben Theil,
D’rum werd‘ ich nicht zu Schanden.
Er ist und bleibt mein Trost und Hort,
Ich hab‘ sein fest prophetisch Wort,
Das soll mir Niemand rauben.

Nun komm, du meines Leibes Tod!
Du sollst mich nicht erschrecken:
Mein Jesus wird in Todesnoth
Mit seinem Schild mich decken.
Tragt diesen Leib hinaus zur Ruh‘,
Die Seele eilt dem Himmel zu
Zu dem, der sie erlöset.

Blaul, Georg Friedrich – Der jüngste Tag.

(Am letzten Abende des Jahres 1836.)

So ist es um das Jahr der Sorgen
Mit diesem letzten Glockenschlag,
Noch tagte nicht der ernste Morgen,
Noch brach nicht an der jüngste Tag.
Da die Posaunen noch nicht schallen,
Und zögert der Verwüstung Graus,
So deucht uns armen Menschen allen,
Die Gnad‘ des Herrn sei noch nicht aus.

Noch blickt auf uns die Schaar der Sterne,
Wie einst auf Jesum selbst herab,
Noch sind die Schnitterengel ferne,
Noch öffnet sich kein dunkles Grab.
Nein, freundlich kam uns erst entgegen
Der Christ in unser Herz und Haus;
Uns deucht, wenn wir dies überlegen,
Die Gnad‘ des Herrn sei noch nicht aus.

Wer mag der Zukunft Thor entriegeln?
Den Schleier heben, der sie deckt?
Sie ist ein Buch mit sieben Siegeln,
Der Inhalt noch kein Mensch entdeckt.
Lasst die Vergangenheit uns fragen,
Seht in die Gegenwart hinaus!
Sie und das Buch des Lebens sagen,
Die Gnad‘ des Herrn sei noch nicht aus.

Was sollen wir doch darum sorgen,
Zu welcher Zeit er hält Gericht?
Der Herr hat Tag und Stund‘ verborgen,
Die wissen selbst die Engel nicht.
Und lasst nur wachsam sein und beten,
Bestellen unser Herz und Haus,
Und glauben, wann wir vor ihn treten,
Die Gnad‘ des Herrn sei noch nicht aus.

Blaul, Georg Friedrich – Christbescheerung.

Mel. Herzlich thut mich verlangen.

Was soll ich dir denn bringen,
Du Kindlein Jesu Christ?
Dir, der von guten Dingen
Der reichste Geber ist.
Was hab‘ ich, dich zu ehren?
Ich bin so arm und bloß,
Und noch dazu beschweren
Mich Schulden übergroß.

Dich würdig zu verehren,
Wie fang‘ ich das doch an?
Sag‘ selbst, was ich bescheeren,
Was ich dir bringen kann.
Du willst nicht ird’sche Gaben,
Nicht Weihrauch oder Gold?
Mein Herz nur willst du haben,
Den Herzen bist du hold?

Du willst dies Herz erfüllen
Mit Freuden ohne Zahl?
Willst Thrän‘ und Seufzer stillen,
Willst lindern alle Qual?
Willst alle Schmerzen heilen,
Selbst meinen Sündenschmerz?
D Jesu, ohn‘ Verweilen
Nimm hin mein ganzes Herz!

Zur Krippe bin ich kommen
Beladen und gebückt,
Du hast mir abgenommen,
Was nieder mich gedrückt.
Nun geh‘ ich reich beladen,
Doch nicht gedrückt, beschwert,
Den Reichthum deiner Gnaden
Hast du mir, Herr, bescheert.

Blaul, Georg Friedrich – Weihnacht.

Mel. Es ist das Heil uns kommen her.

Sei mir gegrüßt, du heil’ge Nacht,
Geweiht vor allen Nächten,
Du, die der Welt das Heil gebracht,
Der Welt von Sündenknechten.
Sei mir gegrüßt, du Nacht des Herrn,
In dir geht auf mein schönster Stern,
Der Stern zu Gottes Rechten.

Was durch der sel’gen Engel Schaar
In frohem Jubeltone
Den Hirten einst verkündet war
Von Gottes Gnadenthrone,
Das hat auch mir die heil’ge Nacht.
Als Freudenbotschaft überbracht,
Die Botschaft von dem Sohne.

Nun ist es um mich hell und klar,
Der Sünde Nacht muss schwinden,
Der diese Nacht geboren war,
Hilft mir sie überwinden.
Nun auf; o Seele! auf zum Herrn!
Es leuchtet schon der Morgenstern,
Das Heil ist nun zu finden.

Du bist mein Stern, Herr Jesu Christ,
Das Licht auf meinen Wegen.
Dir trag‘ ich nun, so wie es ist,
Mein ganzes Herz entgegen.
Weih‘ du’s zu deinem Tempel ein,
Dein eigen soll es ewig sein,
Erfüll’s mit deinem Segen.

Blaul, Georg Friedrich – Adventlied.

Mel. Kommt her, spricht Christus rc.

Mach‘ auf dein Thor, du Sünderwelt,
Es kommt des Friedens starker Held,
Das Heil dir zu gewähren.
Zeuch mit des Friedens Palmen aus,
Ruf in dein Herz, ruf in dein Haus
Den großen Herrn der Ehren.

Zeuch, ein, zeuch ein, du Gottessohn,
Mach‘ unser Herz zu deinem Thron,
Du großer Fürst des Lebens!
Ohn‘ dich ist unser Kampf und Streit,
Das Ringen nach der Reinigkeit
Des Herzens all‘ vergebens.

Nur du mit deiner Gotteskraft,
Du bists, der reine Herzen schafft,
Nach Gottes Ebenbilde.
D’rum bleib‘ nicht langer draußen stehn,
Gesegneter des Herrn, wir fleh’n:
Zeuch ein mit deiner Milde!

Und wenn du zu uns kommen bist,
Bleib‘ bei uns dann, Herr Jesu Christ,
Erhalt und rein von Sünden,
Dass wir an deiner Führerhand
Den Weg aus unserm dunkeln Land
Zum Himmel sicher finden.

Blaul, Georg Friedrich – Diese Drei

Mel. Tugend, o wie schön bist du.

Welt, du fragst, was hier im Staub?
Schön und bleibend sei?
Nichts, als Hoffnung, Lieb‘ und Glaub,
Nichts, als diese drei.

Christenglaube ist ein Gut,
Wie kein Gut der Welt.
Wer ihn hat, trägt hohen Muth,
Ist ein starker Held.

Wer in schwerem Kampfe liegt,
Sei’s mit welcher Noth,
Sei getrost, der Glaub‘ besiegt
Sünde, Welt und Tod.

Denn der Glaube hält am Herrn,
Ohne Wandel fest,
Und er weiß, dass jener gern
Hilft und nie verlässt.

Christenhoffnung ist ein Trost,
Der nicht sinken lässt.
Christ, wenn dich die Welt verstoßt,
Halt die Hoffnung fest!

Unter Trübsal, Kreuz und Leid,
Unter Schmach und Spott
Suche hoffend allezeit
Deinen Herrn und Gott.

Ewig Leben hoff, o Christ,
In der Todesstund‘,
Jesu Auferstehung ist
Deiner Hoffnung Grund.

Christenlieb ist eine Zier,
Wie kein Schmuck der Welt;
Gottes Abbild wird in ihr
Wieder hergestellt.

Christenliebe eifert nicht,
Treibt nicht Hohn, noch Spott,
übt mit Freuden ihre Pflicht,
Alles nur um Gott.

Glaubt und hoffet unverrückt,
Duldet unverzagt;
Selbst wenn Leid sie niederdrückt,
Murrt sie nicht und klagt.

Liebe ist vor allem groß,
Weil sie ewig währt,
Einst sich in des Vaters Schooß
Noch erhöht, verklärt.

Selbst der Glaube wird vergehn,
Wenn wir hell und klar
Einst im Himmelslichte sehn,
Was hier dunkel war.

Hoffnung weicht, wenn einst gescheh’n,
Was der Herr verspricht,
Alles, Alles wird vergehn,
Nur die Liebe nicht.

D’rum, mein Gott und Vater, sei
Jetzt mein letztes Wort:
Diese drei, nur diese drei
Gib mir hier und dort!