Thilo, Valentin – Mit Ernst, ihr Menschenkinder

Mit Ernst, ihr Menschenkinder
das Herz in euch bestellt,
damit das Heil der Sünder,
der große Wunderheld,
den Gott aus Gnad allein
der Welt zum Licht und Leben
gesendet und gegeben,
bei allen kehre ein.

Bereitet doch fein tüchtig
den Weg dem großen Gast,
macht seine Steige richtig,
laßt alles, was er haßt;
macht alle Bahnen recht,
die Thal‘ laßt sein erhöhet,
macht niedrig, was hoch stehet,
was krumm ist, gleich und schlecht.

Ein Herz, das Demuth liebet,
bei Gott am höchsten steht;
ein Herz, das Hochmuth übet,
mit Angst zu Grunde geht.
Ein Herz, das richtig ist,
und folget Gottes Leiten,
das kann sich recht bereiten,
zu dem kommt Jesus Christ.

Ach, mache du mich Armen
in dieser Gnadenzeit
aus Güte und Erbarmen,
Herr Jesu, selbst bereit!
Zeuch in mein Herz hinein
vom Stall und von der Krippen,
so werden Herz und Lippen
dir ewig dankbar sein.

Valentin Thilo – Kurzbiographie

Valentin Thilo gehörte dem Königsberger Dichterbunde an, zu dessen Bildung Opitz, das Haupt der ersten schlesischen Dichterschule, während seines Aufenthaltes in Preußen Veranlassung gegeben hatte. Die Häupter dieses Bundes waren Simon Dach, Robert Roberthin, geb. 1600, gest. 1648, und Heinrich Albert. Ihre Dichtungen zeichneten sich durch innige Wärme und natürliche Herzlichkeit aus. Thilo wurde 1607 zu Königsberg geboren, wo sein Vater Diakon war. Er studierte in seiner Vaterstadt und ward, nachdem er nach damaliger Sitte eine große Reise, namentlich nach Holland, unternommen hatte, 1643 Magister und noch in demselben Jahre Professor der Redekunst an der Universität zu Königsberg. Er starb 1662 als Königl. polnischer Geheimer Sekretär in Königsberg. Der Tod seiner „innigen allerliebsten Schwester“, die als blühende junge Frau vier Jahre nach geschlossener Ehe 1639 von einer giftigen Seuche weggerafft wurde, hatte auf ihn einen so gewaltigen und bleibenden Eindruck gemacht, dass er schon im kräftigsten Mannesalter an sein eigenes Ende dachte und sich darauf vorbereitete. Übrigens mag das Bild seiner in himmlischer Freude dahingeschiedenen Schwester ihm beim dritten Verse unsers Liedes vorgeschwebt haben.