Herman, Nikolaus – Ein Lied vom Amt der Schlüssel und Kraft der heiligen Absolution.

Für die Kinder im Jochimsthal.

1. So wahr ich leb, spricht Gott der Herr,
Des Sünders Tod ich nicht begehr,
Sondern daß er bekehre sich,
Thu Buß und leb auch ewiglich.

2. Drum Christ, der Berr, sein Jüngr aussandt,
Geht hin, predigt in alle Land,
Vergebung der Sünd Jedermann,
Dems leid ist, glaubt und will ablan.

3. Wem ihr die Sünd vergeben werd,
Soll ihr los fein auf dieser Erd,
Wem ihr sie bhalt im Namen mein.
Dem sollen sie behalten sein.

4. was ihr bindt, soll gebunden sein,
Was ihr auflöst, das soll los sein.
Die Schlüssel zu dem Himmelreich
Hiemit ich euch geb allen gleich.

5. Wenn ihr verkündigt diesen Trost,
Daß er durch mein Blut sei erlöst;
Bhält dieß Zeugniß im Herzen sein,
Derselb ist los von Schuld und Pein.

6. Wenn uns der Priester absolvirt,
Sein Amt der Herr Christ durch ihn führt,
Und spricht uns selbst von Sünden rein,
Sein Werkzeug ist der Diener allein.

7. Und wenn die Sünd wär noch so groß,
So werden wir derselben los
Durch Kraft der Absolution,
Die verordnet hat Gottes Sohn.

8. Wem der Priester auflegt sein Hand,
Dem löst Christ auf der Sünden Band,
Und absolvirt ihn durch sein Blut,
Wers gläubt, aus Gnad hat solches Gut.

9. Das ist der heilgen Schlüssel Kraft,
Sie bindt und wieder ledig macht,
Die Kirch trägt sie an ihrer Seit,
Die Hausmutter der Christenheit.

10. Wen nun sein Gwissen beißt und nagt,
Die Sünd quält, daß er schier verzagt,
Der halt sich zu dem Gnadenthron,
Zum Wort der Absolution.

11. Lob sei dir, wahrer Gottessohn,
Für die heilig Absolution,
Drin du uns zeigst dein Gnad und Güt;
Für Ablaßbrief, Herr, uns behüt.

Behm, Martin – Nach Empfahung des Sacraments um den rechten Segen.

O Jesu, hoch gebenedeit,
Der uns von Gottes Fluch befreit,
Du theilst den Segen reichlich mit,
Wer dich im Glauben herzlich bitt.

Jetzt hab ich dich gefaßt, mein Held,
Den nicht begreift die ganze Welt.
Nun hab ich, den mein Seele liebt,
Der Leibs und Seelen Segen giebt.

Ich greif dich fest, wie Jacob, an,
Will dich kurzum nicht von mir lan,
Bis mir dein Segen wird zu Theil
Zu meiner armen Seele Heil.

O Herr, mich segne und behüt,
Dein Antlitz leucht mir durch dein Güt;
Dein Angesicht wollst auf mich hebn
Und mir den rechten Segen gebn.

Mein Leib und Seel wollst du mir segn
Zum Heil und Wohlfahrt auf mein Wegn,
Daß all mein Thun, Gebür und Pflicht
Wohl durch dein Segen werd verricht.

Deim Segen ich mich untergeb,
Weil ichh auf Erden kriech und schweb;
Dein Segen tröst mich an meim End,
Daß sich mein Seel zum Himmel wend.

Stell mich dort nicht zur linken Seitn,
Weil da stehn die Vermaledeitn,
Heiß mich gehn zu der rechten Hand,
Allda ist der Gesegnetn Stand.

Führ mich mit hin im klaren Licht,
Darin man schaut dein Angesicht,
Daß ich dein Segen mit genieß,
Den du uns hier verheißt gewiß.

Amen.

Behm, Martin – Danksagung und Gebet nach dem Abendmahl.

Ich dank dir herzlich, Jesu Christ:
Dein Treu nicht zu ergründen ist,
Daß du dein Fleisch und Blut uns giebst
Im Sacrament, weil du uns liebst;
Drum sind wir dein Leib, Fleisch und Bein,
Das mag ein groß Geheimniß sein.

Mein Herr, hilf, daß ich dein stets bleib,
Und mich kein Unglück von dir treib,
Daß ich an dir fest hang und kleb,
So lang ich hier auf Erden leb.
Gieb mir Geduld und Trost im Leid,
Der Tod mich auch nicht von dir scheid.

Meins Thuns und Lassens also walt,
Daß ichs nicht mit dem Satan halt,
Noch mit der Welt im argen lieg,
Mein Fleisch und Blutr mich nicht betrieg.
Laß mich das Bös forthin vermeidn,
Daß ich von dir bleib ungeschiedn.

O Herr, du wollst mein eigen sein,
Ich schließ dich in meins Herzensschrein,
Wohn und wirk drinnen für und für,
Und mich mit schönen Gaben zier.
Dies ist meins Herzens Trost und Freud,
So lob ich dich in Ewigkeit.

Amen.

Pfeil, Christian Karl Ludwig von – Wir kommen von dem roten Meer

1.) Wir kommen von dem roten Meer,
Dem Abendmahl des Lammes her,
In Kleidern, rein und hell und weiß
Und singen Christo Lob und Preis.

2.) Mit seinem Blut bezeichnen wir
Vor dem Würgengel unsre Tür,
Das hat uns von der Dienstbarkeit
Der Sündensklaverei befreit.

3.) Das Fleisch des wahren Osterlamms
Am Holz des harten Kreuzesstamms
Geopfert für die Sünde ist
Der Leib des Herren Jesu Christ.

4.) O, würd’ges Opfer, dessen Wert
Der Hölle Reich und Schloss zerstört,
Das die gefang’ne Schar befreit
Und ew’ge Seligkeit verleiht!

5.) Als Sieger stieg aus seinem Grab
Er in die Hölle selbst hinab
Und band den Satan, schloß darauf
Das Paradies uns wieder auf.

6.) O, Ursprung aller Seligkeit,
Wir bitten dich zu dieser Zeit
Durch deine Todesangst und Not,
Bewahr uns vor dem ew’gen Tod.

7.) Gelobet seist du, Jesu Christ,
Der du vom Tod erstanden bist!
Ja, Gott der Vater, Sohn und Geist
Sei ewiglich von uns gepreist.

Pfeil, Christian Karl Ludwig von – Zum Vater ging der Heil’ge Christ

1.) Zum Vater ging der Heil’ge Christ,
Zum Haupt, das in dem Himmel ist,
Gehören auch die Glieder.
Drum sandt‘ er, dass von seinem Leib
Kein einzig‘ Glied zurücke bleib,
Den Heil’gen Geist hernieder:
Amen, Amen,
Glück zum Werke,
Seiner Stärke
Zum Bemühen,
Alles Jesu nachzuziehen.

2.) Der Geist, der in dem Heil’gen thront,
Ist kein unreines Haus gewohnt,
Wie steht’s in deinem Herzen?
Sprich nicht zu ihm: Kehr bei mir ein,
Wenn du nicht auch willst heilig sein,
Er lässt nicht mit sich scherzen.
Klarheit, Wahrheit,
Reine Triebe,
Lust und Liebe,
Lautres Wesen
Hat er sich zum Sitz erlesen.

3.) Der Tröster spricht dem Herzen zu:
‚Komm, such in Jesu Wunden Ruh‘,
Sein Blut wascht deine Flecken
Und macht, was du gesündigt, gut,
Iss seinen Leib und trink sein Blut
Und lass die Kost dir schmecken.
Alle, alle
Deine Sünden,
Die zu finden,
Sind vergeben,
Ich bin Zeuge: Du sollst leben!‘

Joachim Neander – Nach dem Gebrauch des H. Abendmahls.

Auff, auff! mein Geist, erhebe dich zum Himmmel,
Weich von dem Unbeständigen getümmmel,
Dadurch die Welt ihr blindes Volk betriegt;
Ich habe nun vom Himmels Manna gessen,
Bin an des guten Hirten Tisch gesessen,
Der alte Feind zu meinen Füssen liegt.

Was frag‘ ich nun nach Ehre, Lust und Schätzen?
Ein Lebens-strom der kan mich gnug ergätzen,
Der Durst ist hin, wie bin ich so erquickt!
Nun wird die Seel‘ in Wollust fetter werden,
Den Vorschmack hab ich schon auff dieser Erden,
Doch mache mich, o JEsu, mehr geschickt!

Gebeut als HErr dem theur erkaufften Kinde;
Gib, dass ich Krafft in dir als König finde;
Sey mein Prophet, so werd ich GOtt gelehrt;
Bist du mein Haupt, dann hab ich dich zum Führer;
Bist du mein Mann, so bist du mein Regierer;
Als Hoherpriester ist dein Opffer wehrt.

Was will ich mehr als diesen Himmels-Fürsten?
Ich werd hinfort in Ewigkeit nicht dürsten,
Weil mich der tränckt, der selbst das Leben ist.
Kein Hunger wird forthin die Seele pressen,
Dann mir ein Theil vom Manna zugemessen,
Das du allein, o süsser JEsu, bist.

Ich lebe nun, und wil mich GOtt ergeben,
Doch nicht ich, sondern CHristus ist mein Leben.
So lebe dann in mir, O GOttes Sohn;
Ich bin gewiss, dass droben und auff Erden
Barmhertzigkeit und Güte folgen werden,
Als ein durchs Blut des Lams erworb’ner Lohn.

Des Seligen Herren
Joachim Neanders
Berühmten Reformirten Predigers zu Bremen,
Geistreiche
Glaub- Liebes
und
Bundes-Lieder.

Gedruckt in Amsterdam, zu finden
Bey Samuel Schoonwald,
Buch-händler in der Kalberstrasse. 1725