Arndt, Ernst Moritz – Noch ein Jesusgebet

Ich glaub‘ an dich, du höchster Geist,
Der Liebe ist und Liebe heißt,
Der ganz aus Gott geboren ist –
Ich glaub‘ an dich, Herr Jesus Christ.

Du Gottesglanz des hellsten Lichts,
O leuchte durch die Nacht des Nichts,
Durch Millionenlügenschein,
Mir himmelwärts und himmelein.

Was ich gewesen, sein soll, bin,
Mein Wie und Wann Woher Wohin
Das leuchte mir mit süßem Schein
Mein Licht, in Herz und Sinn hinein.

Dann bin ich bei dir und in dir,
Dann hab‘ ich schon den Himmel hier:
Denn Frieden hat und Lust und Licht,
Wer Jesus Christ im Glauben spricht.

Arndt, Ernst Moritz – Jesusgebet

Herr, du mein Licht, mein Heil, mein Leben!
Du süßer Heiland Jesus Christ!
Hilf Herr! hilf! laß mich nicht entschweben
Von dir, wo Seelenfreude ist,
Wo Einfalt ist, wo Frieden ist,
Bei dir, bei dir, Herr Jesus Christ!

Hilf! laß mich nicht im Schein verwildern
Der Welt, die tausendfarbig gleißt,
Die lockt die Wesen durchzubildern,
So weit das All die Bahnen kreist –
O gib mir deinen stillen Geist,
Deß Namen Lieb‘ und Demuth heißt!

O könnt‘ ich schaun aus deinem Bilde
Der Welten Ziel, der Menschen Seyn
Mit voller Klarheit, voller Milde,
Dann wäre schon der Himmel mein,
Dann täuschte mich kein Schein vom Schein,
Das Licht der Lichter wäre mein.

O Licht der Lichter! Bild der Bilder!
Du Gottesglanz, du Liebesglanz!
Du Stiller Treuer Frommer Milder,
Erleuchte mir die Seele ganz!
Dein Bild dies bilde ganz mir ein!
Und werde, bleibe ewig mein!

Arndt, Ernst Moritz – Friedensgebet

Gib Frieden, Herr, gib Frieden,
Du milder Liebeshort!
Einst bist du abgeschieden
Mit süßem Freudenwort:
Euch geb‘ ich meinen Frieden,
Wie ihn die Welt nicht gibt,
Verheißen und beschieden
Dem, der mich glaubt und liebt.

Gib Frieden, Herr, gib Frieden!
Die Welt will Streit und Krieg,
Der Stille wird gemieden,
Der Wilde hat den Sieg,
Und Unruh herrscht auf Erden
Und Lug und Trug und List.
Ach! laß es stille werden,
Du stiller Jesu Christ!

Gib Frieden, Herr, gib Frieden,
Du milder Liebeshort!
Dann wird es schon hienieden
Ein Paradiesesort,
Und Sorgen fliehn und Schmerzen
Aus jeder schweren Brust,
In Freuden blühn die Herzen,
In Lieb und Himmelslust.

Arndt, Ernst Moritz – Noch ein Gebet um das Gebet

Kann ich beten,
Ist in Nöthen
Alle Sorge leicht dahin,
Bald gefunden
Müssen Wunden,
Wodurch manche schwere Stunden
Ich so krank gewesen bin.

Kann ich beten,
Engel treten
Wunderfreundlich zu mir ein,
Lächeln, winken
Mir, zu trinken
Aus dem Born, worein versinken
Alle Sorgen groß und klein.

Kann ich beten,
Engel treten
Wunderfreundlich zu mir ein,
Ich muß trauen,
Ich kann schauen
Fröhlich zu des Himmels Auen,
Zu dem sel’gen Gnadenschein.

Doch verzaget
Und verwaget
Gar nichts mehr das arme Herz,
Dann muß schweigen
Und sich beugen
Vor der Sünde und sich neigen
Zu der dunkeln Nacht der Schmerz.

Doch verzaget
Und verklaget
Sich in mir das arme Herz,
Dann muß schwinden,
Wodurch linden
Sich der Jammer kann, zu finden
Ist kein Wort in solchem Schmerz.

Lehr‘ mich beten
Du, der treten
Wollte für die Sünde ein,
Süße Liebe,
Ewige Liebe,
Die die grimmen Seelendiebe
Sperrte in die Hölle ein.

Lehr‘ mich beten
Held in Nöthen,
Süßer Heiland Jesu Christ,
Hort der Gnade,
Der die Pfade
Zu dem Himmel macht gerade,
Der für mich gestorben ist.

Lehr‘ mich beten,
Alle Fehden
Meiner Sünden stille du,
Heil und Leben,
Lehr‘ mich schweben
Durch das Grauen Zweifeln Beben
Deinem frommen Vater zu.

Behm, Martin – Wenn ich zu dir, mein Herr und Gott

Wenn ich zu dir, mein Herr und Gott,
Von Herzen ruf in meiner Noth,
Daß ich nicht werd zu Schand und Spott,

So hilf, daß ich mein Kämmerlein
Zuschließ, das ist meins Herzen Schrein,
Damit nichts böses kann hinein.

Verleih mir, daß mein Seel und Leib
In Andacht ungeirret bleib,
Und ich kein Ungeberden treib.

Hilf, daß mein Haupt und Angesicht
Zu dir in Himmel sei gericht,
Und daß mein Herz nicht anders dicht.

Gieb Gnad, daß ich rein Händ aufheb,
Im Glauben an dir hang und kleb,
Mich in Gehorsam dir ergeb.

Wenn ich von Herzen zu dir schrei,
So mach mich alles Kummers frei,
Daß ich hier und dort fröhlich sei.

Tersteegen, Gerhard – Gebet

Herr, laß mich wandeln, wo ich bin,
vor deinem Angesicht:
Mein Tun und Lassen immerhin
sei lauter, rein und licht.
Dein Auge leite meinen Gang,
daß ich nicht irre geh‘;
Ach bleib‘ mir nah‘ mein Leben lang,
bis ich dich ewig seh‘.

Der Weg zum Glück
Ein Hausbuch für die christliche Familie
von Pfarrer Gustav Hofelich
C. Rieger’sche Verlagsanstalt. Stuttgart – München

Gerhard Tersteegen – Gebet

Bei aller Arbeit und Beschwerde
beförd’re du dein Werk in mir,
daß einst mein Ziel sei für und für,
daß ich mit dir vereinigt werde
noch auf der Erde.

Bis ich der Unruh überhoben
und, frei von Mühe, Furcht und Pein,
dies einzig mein Geschäft wird sein,
dich schauen, lieben, ehren, loben
auf ewig droben.

Der Weg zum Glück
Ein Hausbuch für die christliche Familie
von Pfarrer Gustav Hofelich
C. Rieger’sche Verlagsanstalt. Stuttgart – München

Dora Rappard – Eile, daß du betest!

Hast du zum Beten weder Lust noch Trieb,
dann eben sollst du beten.
In deiner Armut fleh: „O Vater, gib
mir Kraft, vor dich zu treten!“
Nicht hält die bittre Not den Bettler ab,
zu klopfen an die Pforte;
wohlan, so nimm auch du den Bettelstab,
gestützt auf Gottes Worte.

Warum doch gehn wir oft so trüb einher,
vor Mangel schier verzagend,
das Herz von Freud und Frieden leer,
den Menschen nutzlos klagend?
Und nahe bei uns ist der Überfluß,
ist unsres Gottes Fülle!
Hin, Seele, eile, wirf dich ihm zu Fuß,
daß er dein Dürsten stille.

O welchen Wandel kann doch eine Stund,
verbracht in Gottes Nähe,
im Herzen schaffen, das da matt und wund
sich sehnt, daß ihn es sehe!
Man kommt so arm und kehrt so reich zurück,
tot – und empfängt das Leben,
betrübt kommt man und findet Trost und Glück
Wer fleht, dem wird gegeben.

O wunderbares Vorrecht! Asch und Ton
darf mit dem Höchsten reden,
darf bitten, wie zum Vater spricht ein Sohn;
er hört und merkt auf jeden.
Drum brich hindurch, ob auch dein eigen Herz
dir wollt den Weg vertreten.
Acht nicht auf Lust und Trieb, blick himmelwärts
und eile, um zu beten!

Der Weg zum Glück
Ein Hausbuch für die christliche Familie
von Pfarrer Gustav Hofelich
C. Rieger’sche Verlagsanstalt. Stuttgart – München

Sigmund von Birken – Jesu, frommer Menschenherden

1. Jesu, frommer Menschenherden
Guter und getreuer Hirt,
Laß mich auch dein Schäflein werden,
Das dein Stab und Stimme führt.
Ach du hast aus Lieb dein Leben
Für die Schafe hingegeben,
Und du gabst es auch für mich,
Laß mich wieder lieben dich.

2. Herden ihre Hirten lieben,
Und ein Hirt liebt seine Herd,
Laß uns auch so Liebe üben,
Du im Himmel, ich auf Erd.
Schallet deine Lieb hernieder,
Soll dir meine schallen wieder;
Wenn du rufst: Ich liebe dich,
Ruft mein Herz: Dich liebe ich.

3. Schafe ihren Hirten kennen,
Dem sie auch sind wohlbekannt,
Laß mich auch nach dir nur rennen,
Wie du kamst zu mir gerannt.
Als des Höllenwolfes Rachen
Eine Beut aus mir wollt machen,
Riefest du: Ich kenne dich.
Ich auch rief: Dich kenne ich.

4. Herden ihre Hirten hören,
Folgen ihrer Stimm allein,
Hirten auch zur Herd sich kehren,
Wenn sie rufen groß und klein.
Laß mich hören, wenn du schreiest,
Laß mich laufen, wenn du dräuest,
Laß mich horchen stets auf dich.
Jesu, höre du auch mich.

5. Höre, Jesu, und erhöre
Meine, deines Schäfleins Stimm,
Mich auch zu dir schreien lehre,
Wenn sich naht des Wolfes Grimm.
Laß mein Schreien dir gefallen,
Deinen Trost hernieder schallen;
Wenn ich bete: Höre mich,
Jesu, sprich: Ich höre dich.

6. Höre, Jesu, und erhöre,
Wenn ich ruf, anklopf und schrei.
Jesu, dich nicht von mir kehre,
Steh mir bald in Gnaden bei.
Ja du hörst, in deinem Namen
Ist ja alles Ja und Amen.
Nun ich glaub und fühle schon
Deinen Trost, o Gottes Sohn.

Quelle: Hymns of the 1912 Lutheran Hymnal for Church, School and Home Evangelical Lutheran Synod of Wisconsin and other States

Pfeil, Christian Karl Ludwig von – O Land, Land, Land, wach auf

1.) O Land, Land, Land, wach auf,
Es steigt ein groß‘ Geschrei
Von dir zu Gott hinauf,
Ein Ruf von mancherlei
So schwerer und gehäufter Schuld,
Verachtung göttlicher Geduld,
Und dass die Zahl der Frommen
In dir so abgenommen.

2.) Meinst du, Gott sehe nicht?
Was hilft dir dieser Wahn,
Wenn er dir zum Gericht
Herniederfahren kann?
Wenn es die Engel Gottes sehn
Und was für Gräu’l in dir geschehn,
Den andern heil’gen Scharen
Im Himmel offenbaren?

3.) Weh dir, wenn du so sehr
Verstockt in deiner Sünd‘,
Dass ob dir nimmermehr
Im Himmel Freud‘ entstünd‘,
Wenn Hoffahrt, Vollauf in der Hand
Bei gutem Frieden in dem Land,
Geiz, Wollust unermessen
Wie Sodom dich besessen.

4.) Schau deine Schwester an:
So ging es in ihr zu,
Als Gott sie ausgetan,
Was aber machest du?
Du machst sie fromm noch neben dir,
Drum wird an jenem Tag es ihr
Erträglicher ergehen,
Als dir dort wird geschehen!

5.) Denn wär‘ in Sodom dies
Durch Jesum Christ geschehen,
Was wir von ihm gewiss
Gehöret und gesehen,
Es hätte drinnen jedermann
In Sack und Asche Buß‘ getan:
Wer ist, der dieses höre
und sich nicht heut‘ bekehre?

6.) Wer beten darf und kann,
Bleib stehen vor dem Herrn,
Denn sein Gericht bricht an,
Doch strafet er nicht gern.
Sein Herz ist zart und wird vielleicht
Durch Bitten diesmal noch erweicht,
Wenn Fromme sich gesellen
Und vor den Riss sich stellen.