Freylinghausen, Johann Anastasius – Gebet an den gekreuzigten Heiland.

Weise: O du Liebe meiner Liebe.

1. Unveränderliches Wesen,
Unbegreiflich höchstes Gut,
Von dem Vater auserlesen,
Dass du seines Zornes Glut
Und erweckten Grimm sollst stillen
Durch dein Gottesblut so rot
Und erfüllen seinen Willen
Im Gehorsam bis zum Tod.

2. Ich verehre deine Liebe,
Unbeflecktes Gotteslamm,
Die durch ihre Feuertriebe
Dich gebracht ans Kreuzes Stamm.
Ach, dass ich doch könnt durchschauen
Dein von Lieb durchglühtes Herz
Und im gläubigen Vertrauen
Dadurch lindern meinen Schmerz.

3. Zwar kann ich mich wert nicht schätzen,
Dass in meiner Seelenpein
Ich an dir mich soll ergetzen,
Ein so armes Würmelein;
Doch du bist ein Arzt der Schwachen,
Der betrübten Sünder Freund,
Pflegst den freundlich anzulachen,
Der mit Petro kläglich weint.

4. Drum sieh nicht auf meine Würde,
Lamm, das aller Würde wert;
Schau hingegen auf die Bürde,
Die den matten Geist beschwert.
Weißt du doch, wie dem zu Mute,
Welchen drückt der Sünden Last,
Weil du selbst im Schweiß und Blute
Dieses Joch getragen hast.

5. O wie hat es dich gedrücket,
Herzenslämmlein, frommes Schaf!
Du bist drunter tief gebücket
Gangen, aller Jammer traf
Deiner Menschheit zarte Glieder,
Unsre Schmach hat dich gehöhnt;
Aber so hast du uns wieder
Mit dem Vater ausgesöhnt.

6. Lass mich diese Freundschaft schmecken,
So auf ewig festgestellt;
Lass dein Blut die Schuld bedecken,
Das du hast zum Lösegeld
Deinem Vater dargegeben
Durch der Liebe Wundermacht,
Und dadurch du uns das Leben
Deiner Gottheit wiederbracht.

7. Lass dein Herz mir offen stehen,
Öffne deiner Seiten Tür,
Dahinein soll mein Herz gehen,
Wenn ich keine Kraft mehr spür.
Wie ein Hirsch in vollem Springen
Lass den ausgezehrten Geist
Hin zu deinen Wunden dringen,
Daraus Blut und Wasser fleußt.

8. Dieser Balsam müsse stärken
Geist und Seele, Mark und Bein;
Lass mich neue Kräfte merken,
Dir, o Lämmlein, treu zu sein.
Zeichne meines Herzens Pfosten,
Dass der Würger mich nicht rühr;
Lass mich wahre Freiheit kosten,
Die mich zu der Ruhe führ.

9. Lamm, du hast dich mir ergeben,
Dir ergeb ich wieder mich
Und verschreibe mich daneben,
Dein zu bleiben ewiglich.
Du bist nun erhöhet worden,
Liebster, zeuch mich dir bald nach,
Dass ich in der Engel Orden.
Deine Treu besingen mag.

Elisa von der Recke – Bitten.

Du, Vater, wollst mir geben,
Was mich in diesem Leben
Zu jenem tüchtig macht:
Ein mäßig Glück hienieden
Sei mir von dir beschieden,
O du, der für mein Bestes wacht!

Ein dir geweihtes Herze,
Das selbst im bängsten Schmerze
Dich dankbar ehrt und liebt.
Das im beglückten Leben,
Dir, seinem Gott ergeben,
Die Tugend treu und freudig übt.

Ein Herz voll edler Triebe,
Voll warmer Menschenliebe,
Entfernt von Hass und Neid;
Das nie den Nächsten kränket,
Auf Rache niemals denket,
Gern jedem dienet und verzeiht.

Ja, Herr, solch ein Gemüte
Gib mir nach deiner Güte,
Mir die nur darum fleht!
O stärk mich, deinen Willen
Stets freudig zu erfüllen:
Erhör, o Vater, dies Gebet!

Martin Behm – Gebet eines Paten.

1. Gott, himmlischer Vater mein,
Ich will jetzt vor dich treten,
Ich soll dies Kindleins Pate sein,
Ich bin darzu erbeten;
Ich ruf zu dir von Herzen Grund,
Du wollst dies Kind erwählen,
Dass es mit dir tret in den Bund,
Es zu den Frommen zählen;
Segn es an Leib und Seelen.

2. Ich bitt, wasch es von Sünden rein
Mit Jesu Christi Blute,
Und pflanz es in sein Wunden ein,
Die ihm kommen zu gute.
Verleih Gnad, dass mein lieber Pat
Allhier auf dieser Erden
Gottselig werd und wohl gerat
An Worten und Gebärden;
Dass ihm dein Huld mög werden.

3. So sich denn je mein Pat verirrt
Mit Sünden in seim Leben,
Hilf, dass er werd zurecht geführt,
Sollst ihm sein Sünd vergeben.
Ihn segne Vater und der Sohn,
Ihn segne Gott, der heilig Geist,
Dem sei Lob, Preis und Ehr getan,
Der uns allein den Himmel weist,
Drauf sprech ich fröhlich:

Amen.

Ringwald, Bartholomäus – Ein Gebet nach dem Evangelio am Palmsonntage.

Im Ton: Es ist das Heil uns kommen her.

1. Du starker Palmbaum, Jesu Christ,
Du Ölzweig der Genaden,
Der du allhier erschienen bist
Zu heilen unsern Schaden,
Den wir betrübte Menschen all
Vor’s Teufels Neid durch Adams Fall
Auf uns geerbet haben.

2. Wir danken dir, dass du zu uns
Auch frei bist eingefahren
Und uns dein Wort aus sonder Gunst
Hast lassen offenbaren,
O HErr, wend dich nicht wieder ab,
Bleib doch bei uns mit deiner Gab,
Bis wir von hinnen scheiden.

3. Du König aller Königen,
Tu dich an nichtes kehren;
Lass dein Wort weit verkündigen
Wider der Welt Beschweren.
Zieh ein mit deiner Wahrheit rein
Und offenbar den falschen Schein
Der abgöttischen Kirchen.

4. Regier mit deinem Zepter frei,
Lass dich gewaltig hören
Und tu des Teufels Tyrannei
Mit voller Macht zerstören,
Auf dass dein Reich auf dieser Erd
Ohn Hindernis erweitert werd
Zu deines Namens Ehre.

5. Hilf auch, die wir der Krone dein
Ein Eid geschworen haben,
Dass wir dich, unsern König rein,
Mit Lieb und Ehr begaben
Und als getreue Untertan
Festhalten bei der roten Fahn,
Bis wir im Glauben siegen. Amen.

Ringwald, Bartholomäus – Ein Gebet nach dem Evangelio am Sonntage Sexagesimä.

Im Ton: Es ist das Heil uns kommen her.

1. O Gott, du frommer Ackermann,
Weil man in deinem Namen
Zu säen jetzt wird fangen an
Dein Wort, den edlen Samen,
So gib dein Gnad und Kraft dazu,
Dass solches wohl geraten tu
Zu Stärkung unsers Glaubens.

2. Mit deinem Geist die Herzen pflüg
Und innerlich durchtreibe,
Dass dein Wort in uns haften mög,
Aufgeh und wohl bekleibe,
Und in Geduld, Lieb, Ehr und Zucht
Vor allen Menschen bringe Frucht
Dem Namen dein zu Ehren.

3. Den Weg und harten Fels gewinn,
Hack aus das Dorngeräusche,
Auf dass uns nicht des Fleisches Sinn
In Irrtum führ noch täusche,
Sondern dass wir als Kinder dein
Bis an das End beständig sein
Im rechten Glauben. Amen.

Ringwald, Bartholomäus – Ein Gebet nach dem Evangelio am Sonntage Septuagesimä.

Im Ton: Wo Gott, der Herr, nicht bei uns hält.

1. O du getreuer Jesu Christ,
All unser Trost und Leben,
Der du der rechte Weinstock bist
Und wir sind deine Reben,
Ernähr und doch mit deinem Saft
Und hilf uns durch deins Geistes Kraft
In dir viel Frucht zu bringen.

2. Ohn dich verwelken wir gar bald
Und werden Wasserranken.
Durch dein Wort uns fest an dir halt,
Dass wir von dir nicht wanken.
Dem Vater uns durchs Kreuz behack1beschneide
Und alles Übrigs von uns zwack,
Dass wir gereinigt werden.

3. Hilf auch, dass wir in deinem Berg,
Im christlichen Weingarten,
Uns allweg fleißen guter Werk
Und unser Amt recht warten.
Und darin nichtes suchen mehr,
Als deines Namens Lob und Ehr
und unsers Nächsten Frommen. Amen.

Ringwald, Bartholomäus – Ein Gebet nach dem Evangelio am Tage St. Matthiä.

Im Ton: Ach Gott, vom Himmel sieh darein.

1. HErr Christe, Gottes Ebenbild,
Des Vaters eigen Herze,
Der du von allen haben willt,
Die da mit Seelenschmerze
Beladen sind, dass sie zu dir
Allein solln tragen ihr Begier,
Du wollest sie erquicken.

2. Hilf uns durch deine Wunden rot
Von allen unsern Sünden,
Auf dass wir in der höchsten Not
Fried im Gewissen finden
Und in dir haben wahren Trost,
Wenn uns der Tod ans Herze stoßt
In unsrer letzten Stunden.

3. Gib Gnad, dass wir nicht mit der Welt
Dein Wort aus Frevel hassen,
Sondern von dir, dem klugen Held,
Uns wohl berichten lassen,
In welchem alle Weisheit steht,
Die aus dem Schatz der Gottheit geht,
Uns Menschen gar verborgen.

4. Hilf auch, dass wir mit Herz und Mund
Dich lehren und bekennen,
Und in dem Kreuz nicht gehn zu Grund,
Wenn uns die Feind anrennen
Von wegen solcher Weisheit klar,
Die von der tollen Kirchenschar
Wird heftig angefochten.

5. Schütz uns vor ihrer Bitterkeit,
Vor ihrem grausam Morden;
Sieh doch, wie sie in kurzer Zeit
So grimmig ist geworden.
Sie will uns schlechts vertilgen gar.
O starker Christ, nimm unser war
Und mach ihr Tun zu nichte. Amen.

Ringwald, Bartholomäus – Ein Gebet am neuen Jahre.

Im Ton: Ein Kindelein so löbelich.

1. Gott Vater, der du deinen Sohn
In unser Fleisch gesenket,
Und ihn als deines Hauptes Kron
Aus Lieb uns hast geschenket,
Dass er der Menschen Sünd und Schuld
Mit dir in sich versühnen sollt
Und das Gesetz erfüllen,
Auf dass sein Fluch, samt aller Bürd
Der Höllen aufgehoben würd
Um seines Leidens willen.

2. Gib Gnad, dass wir die Ehrung dein
Mit Lust und Dank annehmen
Und uns im Kreuz des Namens sein
In keinen Läuften schämen,
Sondern dieselben mit dem Mund
Zur Seligkeit aus Herzensgrund
Vor aller Welt bekennen,
Und zu ihm in der höchsten Not.
Es sei im Leben oder Tod,
Mit wahrem Glauben rennen.

3. Bescher uns auch ein fröhlich Zeit
Zu diesem neuen Jahre,
Und deine arme Christenheit
Vors Feindes Schwert bewahre,
So wohl vor Wasser, Pest und Feur,
Vor Hagel und vor Brötung teur1Teuerung,
Vor Mördern und vor Dieben,
Vor schnellem Tod, Sünd, Hass und Neid,
Dass wir in Fried und Einigkeit
Einander mögen lieben.

4. Der Obrigkeit nach allem Stand
Mit deiner Gnaden walte,
Die Prediger in unserm Land
Bei reiner Lehr erhalte.
Kirch, Rathaus, Schul und ganz Gemein
Lass dir, o Herr, befohlen sein,
Samt Weib, Gesind und Kinden;
Daneben schütz auch unser Vieh
Und was wir sonst mehr haben hie,
Dass es nicht mög verschwinden.

5. Wo unser ein in diesem Jahr
Ein Unfall soll bekommen,
Oder aus diesem Leben gar
Zu dir würd aufgenommen,
So gib Geduld eim jedermann,
Dass er sein Kreuz ertragen kann,
Und in dem Glauben siege,
Und mit dem Blut des Sohnes dein
Besprengt in seinem Kämmerlein
Ganz wohl bewahret liege. Amen.

Ringwald, Bartholomäus – Ein Gebet nach dem Evangelio am Sonntag nach dem Christtage.

Im Ton: Es ist das Heil uns kommen her.

1. Herr Christe, weil in deinem Reich
Das liebe Kreuz muss schweben
Und wir dir müssen werden gleich
In diesem armen Leben,
Auf dass wir in der Klarheit dein
Dir wieder mögen ähnlich sein
Als Glieder deines Leibes.

2. Verleih uns Kraft und starken Mut,
Ganz ritterlich zu kämpfen,
Wenn uns die Welt an Gut und Blut
Will deinetwegen dämpfen,
Dass wir aus Lieb des Wortes dein
Verachten alle Angst und Pein
Und fröhlich auf dich sterben.

3. Gib uns Geduld in allem Leid,
Hilf uns das Kreuze tragen,
Dass wir aus Fleisches Blödigkeit
Nicht übrig mögen zagen,
Sondern durch deinen Geist gerüst
Dasjenig, was uns wider ist,
Im Glauben überwinden.

4. Tu dich auch an den Feinden dein,
Die dir stets widersprechen
Und hoch betrüben dein Gemein,
Mit starken Armen rächen;
All ihren Frevel ihnen zahl
Und stürz sie in die ewig Qual,
Dem Namen dein zu Ehren. Amen.