Ringwald, Bartholomäus – Ein Gebet nach dem Evangelio am Palmsonntage.

Im Ton: Es ist das Heil uns kommen her.

1. Du starker Palmbaum, Jesu Christ,
Du Ölzweig der Genaden,
Der du allhier erschienen bist
Zu heilen unsern Schaden,
Den wir betrübte Menschen all
Vor’s Teufels Neid durch Adams Fall
Auf uns geerbet haben.

2. Wir danken dir, dass du zu uns
Auch frei bist eingefahren
Und uns dein Wort aus sonder Gunst
Hast lassen offenbaren,
O HErr, wend dich nicht wieder ab,
Bleib doch bei uns mit deiner Gab,
Bis wir von hinnen scheiden.

3. Du König aller Königen,
Tu dich an nichtes kehren;
Lass dein Wort weit verkündigen
Wider der Welt Beschweren.
Zieh ein mit deiner Wahrheit rein
Und offenbar den falschen Schein
Der abgöttischen Kirchen.

4. Regier mit deinem Zepter frei,
Lass dich gewaltig hören
Und tu des Teufels Tyrannei
Mit voller Macht zerstören,
Auf dass dein Reich auf dieser Erd
Ohn Hindernis erweitert werd
Zu deines Namens Ehre.

5. Hilf auch, die wir der Krone dein
Ein Eid geschworen haben,
Dass wir dich, unsern König rein,
Mit Lieb und Ehr begaben
Und als getreue Untertan
Festhalten bei der roten Fahn,
Bis wir im Glauben siegen. Amen.

Ringwald, Bartholomäus – Ein Gebet nach dem Evangelio am Sonntage Sexagesimä.

Im Ton: Es ist das Heil uns kommen her.

1. O Gott, du frommer Ackermann,
Weil man in deinem Namen
Zu säen jetzt wird fangen an
Dein Wort, den edlen Samen,
So gib dein Gnad und Kraft dazu,
Dass solches wohl geraten tu
Zu Stärkung unsers Glaubens.

2. Mit deinem Geist die Herzen pflüg
Und innerlich durchtreibe,
Dass dein Wort in uns haften mög,
Aufgeh und wohl bekleibe,
Und in Geduld, Lieb, Ehr und Zucht
Vor allen Menschen bringe Frucht
Dem Namen dein zu Ehren.

3. Den Weg und harten Fels gewinn,
Hack aus das Dorngeräusche,
Auf dass uns nicht des Fleisches Sinn
In Irrtum führ noch täusche,
Sondern dass wir als Kinder dein
Bis an das End beständig sein
Im rechten Glauben. Amen.

Ringwald, Bartholomäus – Ein Gebet nach dem Evangelio am Sonntage Septuagesimä.

Im Ton: Wo Gott, der Herr, nicht bei uns hält.

1. O du getreuer Jesu Christ,
All unser Trost und Leben,
Der du der rechte Weinstock bist
Und wir sind deine Reben,
Ernähr und doch mit deinem Saft
Und hilf uns durch deins Geistes Kraft
In dir viel Frucht zu bringen.

2. Ohn dich verwelken wir gar bald
Und werden Wasserranken.
Durch dein Wort uns fest an dir halt,
Dass wir von dir nicht wanken.
Dem Vater uns durchs Kreuz behack1beschneide
Und alles Übrigs von uns zwack,
Dass wir gereinigt werden.

3. Hilf auch, dass wir in deinem Berg,
Im christlichen Weingarten,
Uns allweg fleißen guter Werk
Und unser Amt recht warten.
Und darin nichtes suchen mehr,
Als deines Namens Lob und Ehr
und unsers Nächsten Frommen. Amen.

Ringwald, Bartholomäus – Ein Gebet nach dem Evangelio am Tage St. Matthiä.

Im Ton: Ach Gott, vom Himmel sieh darein.

1. HErr Christe, Gottes Ebenbild,
Des Vaters eigen Herze,
Der du von allen haben willt,
Die da mit Seelenschmerze
Beladen sind, dass sie zu dir
Allein solln tragen ihr Begier,
Du wollest sie erquicken.

2. Hilf uns durch deine Wunden rot
Von allen unsern Sünden,
Auf dass wir in der höchsten Not
Fried im Gewissen finden
Und in dir haben wahren Trost,
Wenn uns der Tod ans Herze stoßt
In unsrer letzten Stunden.

3. Gib Gnad, dass wir nicht mit der Welt
Dein Wort aus Frevel hassen,
Sondern von dir, dem klugen Held,
Uns wohl berichten lassen,
In welchem alle Weisheit steht,
Die aus dem Schatz der Gottheit geht,
Uns Menschen gar verborgen.

4. Hilf auch, dass wir mit Herz und Mund
Dich lehren und bekennen,
Und in dem Kreuz nicht gehn zu Grund,
Wenn uns die Feind anrennen
Von wegen solcher Weisheit klar,
Die von der tollen Kirchenschar
Wird heftig angefochten.

5. Schütz uns vor ihrer Bitterkeit,
Vor ihrem grausam Morden;
Sieh doch, wie sie in kurzer Zeit
So grimmig ist geworden.
Sie will uns schlechts vertilgen gar.
O starker Christ, nimm unser war
Und mach ihr Tun zu nichte. Amen.

Ringwald, Bartholomäus – Ein Gebet am neuen Jahre.

Im Ton: Ein Kindelein so löbelich.

1. Gott Vater, der du deinen Sohn
In unser Fleisch gesenket,
Und ihn als deines Hauptes Kron
Aus Lieb uns hast geschenket,
Dass er der Menschen Sünd und Schuld
Mit dir in sich versühnen sollt
Und das Gesetz erfüllen,
Auf dass sein Fluch, samt aller Bürd
Der Höllen aufgehoben würd
Um seines Leidens willen.

2. Gib Gnad, dass wir die Ehrung dein
Mit Lust und Dank annehmen
Und uns im Kreuz des Namens sein
In keinen Läuften schämen,
Sondern dieselben mit dem Mund
Zur Seligkeit aus Herzensgrund
Vor aller Welt bekennen,
Und zu ihm in der höchsten Not.
Es sei im Leben oder Tod,
Mit wahrem Glauben rennen.

3. Bescher uns auch ein fröhlich Zeit
Zu diesem neuen Jahre,
Und deine arme Christenheit
Vors Feindes Schwert bewahre,
So wohl vor Wasser, Pest und Feur,
Vor Hagel und vor Brötung teur1Teuerung,
Vor Mördern und vor Dieben,
Vor schnellem Tod, Sünd, Hass und Neid,
Dass wir in Fried und Einigkeit
Einander mögen lieben.

4. Der Obrigkeit nach allem Stand
Mit deiner Gnaden walte,
Die Prediger in unserm Land
Bei reiner Lehr erhalte.
Kirch, Rathaus, Schul und ganz Gemein
Lass dir, o Herr, befohlen sein,
Samt Weib, Gesind und Kinden;
Daneben schütz auch unser Vieh
Und was wir sonst mehr haben hie,
Dass es nicht mög verschwinden.

5. Wo unser ein in diesem Jahr
Ein Unfall soll bekommen,
Oder aus diesem Leben gar
Zu dir würd aufgenommen,
So gib Geduld eim jedermann,
Dass er sein Kreuz ertragen kann,
Und in dem Glauben siege,
Und mit dem Blut des Sohnes dein
Besprengt in seinem Kämmerlein
Ganz wohl bewahret liege. Amen.

Ringwald, Bartholomäus – Ein Gebet nach dem Evangelio am Sonntag nach dem Christtage.

Im Ton: Es ist das Heil uns kommen her.

1. Herr Christe, weil in deinem Reich
Das liebe Kreuz muss schweben
Und wir dir müssen werden gleich
In diesem armen Leben,
Auf dass wir in der Klarheit dein
Dir wieder mögen ähnlich sein
Als Glieder deines Leibes.

2. Verleih uns Kraft und starken Mut,
Ganz ritterlich zu kämpfen,
Wenn uns die Welt an Gut und Blut
Will deinetwegen dämpfen,
Dass wir aus Lieb des Wortes dein
Verachten alle Angst und Pein
Und fröhlich auf dich sterben.

3. Gib uns Geduld in allem Leid,
Hilf uns das Kreuze tragen,
Dass wir aus Fleisches Blödigkeit
Nicht übrig mögen zagen,
Sondern durch deinen Geist gerüst
Dasjenig, was uns wider ist,
Im Glauben überwinden.

4. Tu dich auch an den Feinden dein,
Die dir stets widersprechen
Und hoch betrüben dein Gemein,
Mit starken Armen rächen;
All ihren Frevel ihnen zahl
Und stürz sie in die ewig Qual,
Dem Namen dein zu Ehren. Amen.

Ringwald, Bartholomäus – Ein Gebet nach dem Evangelium am 4. Advent.

Im Ton: Nun freut euch, liebe Christen gmein.

1. O Jesu Christ, des Vaters Glanz,
Ein Licht der armen Heiden,
Gib, dass wir unsre Herzen ganz
In deiner Fülle weiden,
Und stracks auf dich, dein Wort und Tod
Uns halten in der letzten Not
Und fröhlich darauf sterben.

2. Denn du bist durch dein Gerechtigkeit
In deiner Kraft und Stärke
Ein Ursach unsrer Seligkeit,
Nicht unser Tun und Werke;
Du, du allein mit deinem Blut
Hast uns von Sünd und Höllenglut
Gewaltiglich erlöset.

3. Hilf, dass solch Amt und Ehre dein
Wird allenthalb gerühmet,
Und nicht durch losen Heuchelschein
So jämmerlich vertümet1verwerfen, verdammen,
Als wohl der Papst aus stolzem Mut
Mit seinen Jesuiten tut,
Die hin und wieder schleichen.

4. Behüt uns, HErr, vor ihrem Gift,
Vor ihrem Mord und Lügen,
Und gib, dass wir an Pauli Schrift
uns lan allein genügen,
Die uns dein Knecht Lutherus klar,
Welcher der deutsch Elias war,
Recht gründlich hat erkläret. Amen.

Ringwald, Bartholomäus – Ein Gebet nach dem Evangelium am 3. Advent.

Im Ton: Es ist das Heil uns kommen her.

1. O du getreuer Jesu Christ,
Wahr Gott in unserm Fleische,
Der du der recht Messias bist,
Der ganzen Welt verheißen,
Und außer dir kein ander Held
zu warten steht auf dieser Welt,
Als wohl die Juden sagen.

2. Hilf, dass wir dich als Diener treu
Mit Herz und Mund bekennen,
Und uns von dir kein Lieb noch Scheu
Durch Ärgernis lan trennen,
Sondern stracks bei dem Worte dein
Verharren und drauf schlafen ein,
Wie Sankt Johann der Täufer.

Rinkart, Martin – Kreuz-Gebetlein.

1. Ach Gott, mein treuer Gott,
Darf ich mein Elend klagen?
Und wie mir’s ist ums Herz,
Wie kannst du mich so plagen,
Mich dein betrübt Geschöpf,
Und schwache Kreatur,
Die voller Elend schon
Und Jammer von Natur.

2. Und muß noch solche Pein
Und große Schmerzen tragen,
Die du viel besser weißt,
Als ich sie weiß zu sagen,
Wo ist dein treues Wort
Und alter Vaters-Ruhm?
Was hilft mir denn zuletzt
Mein Glaub und Christentum?

3. Ach solltest du dein Kind
Dich lassen nicht erbitten,
Und deines Eifers Grimm
Vielmehr auf Leute schütten,
Die dich und deinen Sohn,
Und sein Heilwertig Wort
Erkannt und unerkannt
Verlästern fort und fort.