Xylotectus, Johannes – Das drit Jacobs Lied.

WEr das ellend bawen wil
der mach sich auf und ziech dahin
wol auf des Herren Strasse
Gedult und glauben darff er wol
soll er die welt verlassen.

Den weg den er nun Wandern sol
der ist Ellennd unnd Trübsal vol
das nemens wol zu hertzen
freud unnd lust fere gar dahin
bleybt nicht dann leyden unnd schmertzen.

Das fleysch förcht sich und sicht sich umb
ob ynndert ein feinnd dort her kumb
der es möchte erlangen
Rauscht ain blat vom baum herab
er meint er sey schon gfangen.

Wenn nun schon das fleysch zu boden geet
unnd jm der todt entgegen steht
so schwebt der Gayst frey oben
zeygt unns an die arge welt
die uns halt lang betrogen.

So stehet der Bilgram auff dem land
der Herr reycht jhm die trewenn hannd
kan jm den weg recht weysen
Kain gefar jm schaden sol
von obenn her wil er jn preysen.

Da hebt sich dann ein Rauschen an
wer fort wil farn auf diser ban
der feind der find also vile
flaisch unnd blut vermag es nicht
das man die all kan stillen.

Wo nicht der Hauptmann wer bereyt
unnd unns zu helffenn het gebenn bschayd
so wer es schon verlorenn
Schreyt unnd rufft kombt her zu mir
seyt jr auß Gott geboren.

Nimb hin das Creutz zu aller stunnd
ich hab mit dir gemacht ain bund
darauff solt du vest bauwen
Bleyb nur stet schaw nit zuruck
es sol dich nicht gerewen.

Ich bin der weg und auch die thür
sonst kompt kain mensch herauff zu mir
der vatter muß jn ziehen
Kain gewalt ist auff der erd
er muß sein zorn fliehen.

Darumb sey keck auff diser ban
die ich vor lengst gebawen han
ich bin den furtgewaten
Glaubst du nur von hertzenn mir
es sol dir wol geraten.

Die forcht der welt laß faren hin
stell nitt nach gut unnd eytel gewin
du must es alles verlassen
leyb und gut schlag in die schantz
das heyst sich selber hassen.

Hab acht auff dich schauw eben auff
das dir niemands vor disem lauff
das zil laß dir nit rucken
Englisch klaider legt an der feind
versucht dich an allen stucken.

Der Munnd sol zu gesperret sein
hüt dich vor allem falschenn schein
hör deines Vatters stimme
Red still mit kurtzen wortenn
hüt dich vor seinem grimme.

Hörst du sein wort und folgest jm
fleüch aller Wölffen stimm
kenn jhn von hertzen alleine
Lebst in seiner forcht fort an
es wirdt dir alles raine.

Wenn du yetz schier kombst zu dem zil
erst hebt sich an ain Ennglisch spil
solt du das gstatt erlangen
eng und schlüpfferig ist der weg
mit fewr und wasser umbfangen.

Da geht dann angst und zittern an
das fleysch in der prob bestan
kain trost ist da zu finden
Gottes hand ist aber starck
kan alles sehr wol linden.

Hie ist alda der gayst bereyt
niemand ist der uns von Gott abschaidt
kain schwerdt noch last auff diser erd
Trag das Creütz biß an die stat
das klainer muß dir werden.

Hie fleüst dann her die ware rhu
inn der da ist kain spot spat noch fru
das ist das ewig lebenn
das du unns Herr versprochen hast
das wirst uns gewißlich geben.

Dem Vatter sey nun lob unnd ehr
der da was und ist ymmer Herr
und ewig helt sein namen
Christus der ist unser gott
des wir uns gar nit schamen.

Aus dem Original abgeschrieben

Xylotectus, Johann – Das ander Jacobs Lied

WElcher das ellend bawen wöll
sein Seel bewaren vor der Hell
der ziech auff Christus strassenn
Dann wer wie im das leben wil han
der muß die welt verlassen.

Er sech das ehr thu rechter buß
ain neuwer mensch er werden muß
von sünden sich bekeren
Wer glaubt inn Gott der helt sein gepot
durch Christum unsern Herren.

Der glaub on dwerck ist falscher schein
er muß durchs Creutz beweret sein
wie Gold im fewer probieret
Wer glauben rümbt
die werck nicht übt
der hat sich selbs verfüret.

Ein rechter Christ zeucht Christum an
er ist fürwar die rechte ban
die warhait unnd das leben
Wer also glaubt dem ist erlaubt
durch Christum die sünd vergeben.

Sein hauß bawt er auch rechten grund
die liebe ist sein höchster bund
die warhait allzeyt preyset
treybt unnd dringt
gutt werck sy bringt
den Glauben mit beweisen.

Ein rechter Christ der glaubig ist
der ist alzeit mit gedult gerist
kein ubels thut er rechen
Er lasset nach gibt Gott die rach
der wirt all ding außsprechen.

Also ist Christus Bilgerfart
fürwar seins Geyst inn solcher art
hatt unns ein fürbild glassen
das wir jm solten folgen nach
und bleiben auff der strassen.

Wer solchen Geyst bey jm nicht hatt
der such bey Got auch frü und spat
golt muß man von jm kauffen
Das höchste gut durch Christus blut
sonst hilfft kein walln noch lauffen.

Wer anders meynt zukommen dahin
der geht nit recht durch Christum ein
der thür hat er gefeelet
Ein dieb unnd mörder muß er sein
der alzeyt raubt und stelet.

Kain ander mitler noch heilant ist
der Apostel grunnd ist Jesus Christ
als sy uns selbs verkünden
Kein andern grund man legen mag
das leben sonst nicht finden.

Ein solcher weg ist unns berayt
der Bilger muß auch sein beklaydt
geschucht an seinen füssenn
Wer gnad unnd ablaß haben will
der muß sein sünd vor büssen.

Ein breyten hut den muß er han
den harnisch Gottes legen an
der Mantel der ihn decket
Vil böser wind jn wehen an
der feind jn hart erschrecket.

Ein Bilgerstab er habenn soll
das gaystlich schwerdt umbgürtenn wol
Gottes wort soll er wol fassenn
das außlesch die fewrig pfeyl
vom bößwicht werden geschossen.

Die flasch unnd Schüssel muß er han
speyß dir kompt von obenn herab
auß Christus leib thut fliessen
kein andre art auff diser fart
der Bilger mag geniessen.

Er sech das er gebeychtet hab
Christum der jm verzeihen mag
ja hie inn disem lande
Derweg ist weyt nach diser zeyt
kain büß mer ist verhanden.

Wacht auff jr Brüder uberal
wir haben ein hohen runtzenfal
durch den wir müssen lauffenn
das ist die welt mit jhrm geschell
thut uns schlahen und rauffen.

Der Bilger kompt mit seinnem trost
der unns am creutz mit blut erlost
der die welt hat verbunden
spricht leyt getrost und volgt mir nach
in diser letzten stunden.

Wer liebe hat der volgt jm nach
und sichs nicht an der Welte schmach
darbey wirdt glaub erkennet
wo dz nit ist
da ist kein Christ
wie offt man jn doch nennet.

Wer das nit glaubt der ist beraubt
fürwar ain Tauff ist jhm erlaubt
hie wil ichs lassen bleybenn
Doch welche recht Gottes kinder sind
sein Gayst wirdt sy wol treiben.

Aus dem Original abgeschrieben

Xylotectus, Johann – Jacobslied

WElcher das ellend bauwen wöll
der mach sich auff und rüst sich schnell
wol auff die rechten strassen
Vater muter ehr und gut
sich selbs muß er verlassen.

Stab und ruten muß er han
mit Dauid tröstlich ein her gan
im weg der Gottes gepoten
Der hefen Egypti achten nicht
des flaischs darinn gesoten.

Zum rechten brunnen muß er gan
die pfützen ungetruncken lan
will er der gsunndthait pflegen
Bewar sich mit speiß die nicht zerinn
sein burd muß er tragen.

Für und für hang er alle tag
on hindersich sehen als weyt er mag
sorg soll er lassenn faren
Gott der speyßt die vögel und thier
der wirdt in wol bewaren.

Findt er ain Bruder auff der ban
soll ehr nit lassen mangel han
sein speyß und tranck im geben
Gnad und ablaß diser fart
ist dort das ewig leben.

Aus dem Original abgeschrieben

Arnold, Gottfried – Abschied von der Welt.

Entfernet euch, ihr matten Kräfte,
Von Allem, was noch irdisch heißt;
Wirf hin, die zeitlichen Geschäfte,
Mein g’nug geplagter, müder Geist!
Nun gute Nacht!
Es ist vollbracht;
Ich fang ein ander Wesen an,
Das sich mit Nichts vermengen kann.

Ihr Berg‘ und Thäler, helft mir singen,
Besingen meines Jesu Preis,
Der unter so geringen Dingen
Mich noch so treu zu schätzen weiß!
Habt gute Nacht!
Ich hab’s bedacht:
Es ist nun endlich hohe Zeit,
Zu fliehen die Vergänglichkeit.

Ihr seyd ja wohl, ihr grünen Auen,
Im Sommer lieblich anzuseh’n;
Doch wird man auch an euch bald schauen,
Wie alle Schönheit muß vergeh’n.
Drum gute Nacht!
Doch nimm in Acht,
Mein Herz: du liebest von Natur,
Ach, allzuviel die Kreatur.

Hast bu bisher noch was geliebet,
Das Kräfte dir und Zeit verzehrt,
So sey denn auch nicht mehr betrübet,
Wenn sein Genuß dir wird verwehrt.
Gib gute Nacht!
Dein Heiland wacht,
Und will daß Sein Erkaufter bleib‘
Ihm treu, und keusch an Seel‘ und Leib.

Hinweg, du schnöde Eigenliebe!
Laß künftig meine Seele leer!
Ich folge Christi Liebestriebe;
Nur ihm gebühret Ruhm und Ehr.
Nun, gute Nacht,
Du Stolz und Pracht!
Euch stoß‘ ich aus dem Herzen aus,
Sonst wird es nimmer Jesu Haus.

Herr, mach‘ mich los von allen Banden,
Reiß auch das feinste Netz entzwei;
Mach‘ aller Feinde Rath zu Schanden,
Daß ich dein treuer Jünger sey!
Hab‘ gute Nacht,
Du List und Macht,
Die mich so oft betrogen hat!
Ich flieh‘ in Christi freie Stadt!

Wie süß ist doch ein freier Wandel,
In reiner Abgeschiedenheit,
Wenn nun des Weltgeists irrer Handel
Uns keine Plage mehr bereit’t!
Ja, gute Nacht,
Du finstre Macht!
Mein Jesus nimmt nun Herz und Sinn
Auf ewig sich zu eigen hin!

Verbirg mich, gib mir deinen Frieden,
Und halte mich in deinem Schooß,
Daß ich von Allem abgeschieden,
In Dir, Herr, lebe kummerlos!
Welt, gute Nacht!
Die Liebe macht,
Daß ich mich selbst vergessen kann,
Und sehne mich nur himmelan.

Herman, Nikolaus – Ein Bergreihen von Bescheidenheit und Sanftmuth.

Wer schnurrt und purrt allzeit im Haus,
Der richt damit sehr wenig aus.
Ein freundlich Wort mehr Frommen schafft,
Weib, Kind und Gsind es williger macht.

2. Im Regiment gehts auch so zu:
Wer sanft regiert, pflanzt Fried und Ruh.
Der allzeit schnarcht und fährt mit Gwalt,
Derselb hat ausregieret bald.

3. Ein Lehrer, der stets scharrt und pocht,
Der schafft beim Volk sehr wenig Frucht.
Braucht er kein Glimpf und sanften Muth,
Der Kirchen er viel Schaden thut.

4. Sanftmuth ein schöne Tugend ist,
Der sich selbs rühmt der Herre Christ;
Sanftmuth von ihm der lernen soll,
Wer will regiern und lehren wohl.

5. Sein besser Würz ist, denn das Salz,
Doch braucht man Honig, Zucker und Schmalz,
Wenn man ein Speis soll machen gut,
Übrig Salz Alles verderben thut.

6. Wer allzuscharf ein Waffen schleift,
Der lähmt sich selbst, so er drein greift.
Denn gar zu scharf macht Scharten viel,
Auch bricht, was Gwalt schnell biegen will.

7. Ein Maaß zu allen Ding ist gut.
Wohl dem, ders Mittel treffen thut;
Man sagt, zu viel sei ungesund,
Wers Maaß hält, der ist ein Ausbund.

8. Strafen hat auch sein Maaß und Ziel,
Wer allzeit poltern und schelten will,
Und allen Unflath regt und rührt,
Mit Schaden der lehrt und regiert.

9. Der oben aus und nirgend an,
Verfügt gar manchen theuren Mann;
Fahr schön, thu gmach und säuberlich,
So schaffst du Nutz bei männiglich.

10. Wer nicht bisweil durch d‘ Finger sieht,
Hört und hört nicht Alls, was geschieht,
Derselb oft Übel ärger macht,
Gmein, Fried und Nutz nicht wohl betracht.

11. Wer schlechts will mit dem Kopf hindurch,
Der gibt sich in groß Gfahr und Sorg,
Daß er sich nicht selber renn ab,
Und darnach Spott zum Schaden hab.

12. Wer Alls zu Pölzen(Pfeilen) drehen will,
Drei Kegel treffen alle Spiel,
Dem fehlts oft um ein Baurenschuh,
Ein Narr ists, der will sein zu klug.

13. O wie selig ist diese Stadt,
Die Lehrer und Regenten hat,
Die Glimpf und Ernst bequemer Zeit
Brauchen mit aller Bscheidenheit.

14. Wer sich selbs lehret und regiert,
Ein Ehrenkranz der billig führt,
Wer aber ist nur ein Webstein,
Des Ruhm und Preis ist gring und klein.

Herman, Nikolaus – Von angefangenem Gehorsam und neuem Leben.

Aus dem 15. Psalm.

Wer durch den Glauben ist gerecht,
Der muß nicht sein der Sünden Knecht.
Wer wohnen will in Gottes Haus,
Muß die alte Haut ziehen aus.

2. Dem Fleisch muß er sein Willn nicht lan,
Ein neues Leben fangen an.
Den alten Adam muß er tödten,
Und zum Ghorsam zwingen und nöthen.

3. Sein böse Lust die soll er dämpfen,
Und mit dem Geist darwider kämpfen,
Damit er sterb der Sünden ab,
Und sich zu bessern Willens hab.

4. Denn wer will sein ein rechter Christ,
Der mach seinen Beruf gewiß
Laß die Sünd in ihm herrschen nicht,
Wie er sich in der Tauf verpflicht.

5. Ein Christ geht ohn Wandel her,
Recht zu thun ist ad sein Begehr,
Und ob man ihm was Args zumißt,
Tausend Zeugen sein Gwissen ist.

6. Er tröstet sich seiner Unschuld,
Bös überwindt er mit Geduld,
Von Herzen er die Wahrheit liebt,
Mit Lügen er Niemand betrübt.

7. Sein Zung den nächsten nicht verletzt,
Die Leute nicht zusammen hetzt,
Kein Schmähwort geht aus seinem Mund,
Was er redt, geht von Herzensgrund.

8. Der Gottlosen er gar nichts acht,
Kein Bund, noch Freundschaft mit ihn macht,
Sondern ehrt und liebt allezeit
Die frommen, gottfürchtigen Leut.

9. Was er zusagt mit seinem Mund,
Hält er stets fest zu aller Stund;
Ja, ja und Nein ist sein Bescheid,
Als ob er schwür ein theuren Eid.

10. Sein Geld er nicht auf Wucher giebt,
Schnöder Gewinn ihm nicht geliebt.
Schlimme Vortheil und schwinde List
Fleucht er, dieweil er ist ein Christ.

11. Auch braucht er gar kein böse Ränk,
Läßt sich nicht stechen mit Geschenk,
Daß er dem Unschuldign sein Sach
Jemands zu Gfalln zu Wasser mach.

12. Wer also lebt, handelt und thut,
Und traut allein auf Christus Blut,
Der wird wohl bleiben ohne Leid,
Hier zeitlich, und in Ewigkeit.

Herman, Nikolaus – Von ungefärbter christlicher Liebe des Nächsten.

Ein wahrer Glaub Gotts Zoren stillt,
Daraus ein schönes Brünnlein quillt:
Die brüderliche Lieb genannt,
Dabei ein Christ recht wird erkannt.

2. Christus sie selbst das Zeichen nennt,
Dabei man sein Jünger erkennt.
In Niemands Herz man sehen kann,
An Werken wird erkannt ein Mann.

3. Ja, bei der Lieb man spüret frei,
Wer ein rechtschaffner Bruder sei.
Mit dem Herzen gläubt man an Gott,
Die Lieb fleißt sich seiner Gebot.

4. Die Lieb nimmt sich des Nächsten an,
Sie hilft und dienet Jedermann.
Gutwillig ist sie allezeit,
Sie lehrt, sie straft, sie gibt und leiht.

5. Die Lieb verhebt keim ihr Wohlthat,
Wem sie dient und geholfen hat;
Denn was sie thut, thut sie aus Pflicht,
Und thut sie viel, halb thut sies nicht.

6. Sie weiß, daß sie mehr schuldig ist,
Zu thun, und ihr noch viel gebrist(gebricht).
Drum rühmt sie nicht ihr Gütigkeit,
Sie hindert kein Undankbarkeit.

7. Obgleich ihr Viel erkennen nicht,
Was ihn oftmal zu gut geschicht,
Daran eim Christen wenig leit;
Die Lieb ist sein Schnur und Richtscheid.

8. Ein Christ seim nächsten hilft aus Noth,
Thut solchs zu Ehren seinem Gott,
Welcher von ihm solchs fordern thut,
Dank man ihm drum, so ists wohl gut.

9. Wo nicht, so kümmerts ihn nicht sehr,
Denn er sucht nicht sein Ruhm und Ehr.
Was sein rechte Hand reichet dar,
Deß wird die linke nicht gewahr.

10. Wer seim Nächsten dient auf Gewinn,
Der hat sein Lohn und Ruhm schon hin;
Denn solche auch Jüdn und Heiden thun,
Die nicht wissen von Gottes Sohn.

11. Den Lohn solln wir im Himmelreich
Warten, da wills Gott machen gleich,
Und Alls zahlen bei Carols Gwicht,
Was in seim Namen hie geschicht.

12. Wie Gott lässt scheinen seine Sonn,
Und regnen über Bös und Fromm,
So solln wir nicht allein dem Freund
Dienen, sondern auch unserm Feind.

13. Die Lieb ist langmüthig, freundlich,
Sie eifert nicht, noch blähet sich.
Gläubt, hofft, verträgt Alls mit Geduld,
Verzeiht gutwillig alle Schuld.

14. Sie wird nicht müd, fährt immerfort,
Kein sauern Blick, kein bitter Wort
Sie schießen lässt, nichts Args sie denkt,
Lügen und Unrecht sehr sie kränkt.

15. Dem Nächsten hält sie viel zu gut,
Ihrs Rechts sich oft verzeihen thut.
Sie bleibt standhaft in Ernst und Schimpf.
In böser Sach braucht sie ein Glimpf.

16. Sie kann verschweigen und verhörn,
Beschönt, was sie nicht kann erwehrn,
Gott geb, was man sag oder singt,
Zum Besten deut‘ sie alle Ding.

17. Darum die Lieb das Fürnehmst ist
Darauf sich fleißen soll ein Christ,
Dem Gsetz allein die Lieb gnug thut,
Dem Nächsten thut sie alles Guts.

18. O Herr Christ, deck zu unser Sünd,
Und solche Lieb in uns anzünd,
Daß wir mit Lust dem Nächsten thun,
Wie du uns thust, o Gottes Sohn.

Amen.

unbekannt – Nachfolge Christi.

Kommt her zu mir, sagt Gottes Sohn,
All, die ihr seyd beschweret nun,
Mit Sünden fast beladen,
Ihr Jungen, Alten, Frau und Mann!
Ich will euch geben, was ich han,
Und heilen euren Schaden.

Mein Joch ist süß, mein‘ Bürd‘ ist ring;
Wer’s nach mir trägt in dem Geding,
Daß er der Höll‘ entweiche,
Ich will ihm treulich helfen tragen;
Mit meiner Hülf‘ wird er erjagen
Das ewig‘ Himmelreiche.

Wie ich hab‘ than und gelitten hie
Mein’s Vaters Willen spat und früh,
Also sollt ihr’s erfüllen.
Was ihr gedenkt, ja red’t und thut,
Das wird euch alles werden gut,
Wenn’s g’schicht nach Gottes Willen.

Gern wollt‘ die Welt auch selig seyn,
Wenn nur nicht wär‘ die Schmach und Pein,
Die alle Christen leiden.
So muß es doch nicht anders seyn;
Darum ergebe sich nur drein,
Der ewig‘ Pein will meiden.

All Creatur’n bezeugen das;
Was lebt im Wasser, Lüft und Gras,
Durchs Leiden muß es enden.
Wer denn in Gottes Nam‘ nicht will,
Der muß zuletzt in’s Teufels Ziel
Mit schwerem Gewissen länden.

Heut ist der Mensch schön, jung und lang,
Und morgen wird er tödtlich krank;
Bald soll er auch gar sterben.
Gleichwie ein Blumen auf dem Feld,
Also wird diese schöne Welt
In einem Huy‘ verderben.

Dem Reichen hilft gar nicht sein Gut,
Dem Jungen nicht sein stolzer Muth;
Er muß aus diesem Mayen.
Wenn einer gäb‘ die ganze Welt,
Das Silber, Gold und alles Geld:
Noch muß er an den Reyen.

Was hilft den G’lehrten große Kunst?
Der weltlich Pracht? Es ist umsonst,
Sie müssen alle sterben;
Wer sich in Christum nicht ergeit. (d. i. ergiebt),
Dieweil noch ist der Gnaden Zeit,
Ewig muß er verderben.

Die Welt erzittert ob dem Tod;
Wenn jetzund kommt ihr große Noth,
Denn will sie erst fromm werden.
Der schaffet dis, der ander‘ das;
Sein selbst er aber ganz vergaß,
Dieweil er lebt auf Erden.

Und wenn er nimmer leben mag,
So hebt er an ein‘ große Klag,
Will sich erst Gott ergeben.
Ich sorg‘ fürwahr, daß Gottes Gnad‘,
Die er allzeit verspottet hat,
Ob ihm werd‘ schwerlich schweben.

Darum hört, merkt, ihr lieben Kind,
Die jetzund Gott ergeben sind:
Laßt euch die Müh‘ nicht reuen,
Halt’t vest am heiligen Gottes-Wort,
Das sey eu’r Trost und höchster Hort;
Gott wird euch schon betreuen. (al. erfreuen).

Nicht Uebel ihr um Uebel gebt,
Schaut, daß ihr hie unschuldig lebt;
Laßt euch die Welt nur affen.
Gebt Gott die Rach‘ und alle Ehr,
Den engen Steig geht immer her;
Gott wird die Welt fein strafen.

Wenn es euch gieng nach Fleisches-Muth
Mit Gunst und Gesund, mit großem Gut,
Würd’t ihr gar bald erkalten;
Darum schickt Gott die Trübsal her,
Damit eu’r Fleisch gezüchtigt werd‘,
Zur ewigen Freud‘ erhalten.

Ist euch das Kreuz so bitter und schwer?
Gedenkt, wie’s höllisch Feuer wär‘,
Darein die Welt muß rinnen;
Mit Leib und Seel‘ wird Leiden seyn,
Ohn‘ Unterlaß die ewig‘ Pein,
Und kann doch nicht verbrinnen.

Ihr aber werd’t nach dieser Zeit
Mit Christo haben ewig Freud;
Dahin sollt ihr gedenken!
Kein Zunge das aussprechen kann,
Die Glori uid den ewigen Lohn,
Die euch der Herr wird schenken.

Und was der ewig g’waltig‘ Gott
In seinem Geist versprochen hat,
Geschwor’n bey seinem Namen,
Das hält und giebt er g’wiß und wahr;
Der helf‘ uns an der Heiligen Schaar
Durch Jesum Christum. Amen!

Weiße, Michael – Nachfolge Christi

Kommt her, kommt her, ihr Erwählten,
Ihr Elenden und Gequälten,
Die ihr dem Herren dienen wollt
Um viel bessers denn Gold!
O kommt, weil er sich läßt finden,
Sucht Ablaß der Sünden,
Ergebt euch ihm aus Herzensgrund
In sein’n gnadreichen Bund!

Sagt ab, sagt ab dem Bösenwicht,
Der euch nur zu Sünden anficht,
Geht aus und fliehet von sei’m Heer;
Denn sein Fall ist sehr schwer.
Er verheißt ihm zwar, zu geben
Freud‘ und herrlich Leben,
Führet’s aber durch Eitelkeit
Zur Höllen Bitterkeit.

Macht euch her von der breiten Bahn,
Und hanget Christo treulich an;
Denn er verheißet und giebet
Allen, so er liebet,
Aus seiner Füll‘ Gnad‘ und Wahrheit,
Und nach treuer Arbeit
Führet er sie zur Herrlichkeit,
Giebt ihn’n Freud‘ und Klarheit,

Er giebet nicht Silber noch Gold,
Sonder gar viel ein’n bessern Sold;
Er begehrt auch nicht Schwerdt und Schild,
Wie es bey der Welt gilt,
Sonder ein’n herzlichen Glauben;
Und den müßt ihr haben,
Mit starker Lieb‘ und Zuversicht,
Wider den Bösenwicht.

Denn ihr müßt auf allen Seiten
Mit geistlichen Waffen streiten,
Den Irrthumen widerstreben,
Dem Fleisch nicht nachgeben,
Die Welt und ihr Wollust meiden,
Derhalben viel leiden,
Also den Leib aller Sünden,
Die Welt, überwinden.

Der König läßt Sold ausschreyen,
Spricht zu Knechten und zu Freyen:
Will sich mir jemand ergeben,
Er soll ewig leben;
Und niemand ist, der sein achtet,
Nach sei‘m Besten trachtet:
Ach Gott, was wirst du doch sprechen,
Wenn du kommst zu rächen?

Weltlichen Herr’n ist man bereit,
Lauft in Krieg, hat Müh‘ und Arbeit,
Bringet doch gar selten davon
Ein’n klein’n vergänglich Lohn:
Warum lauft man denn nit auch zu
Dem König Jesu,
Daß man in ihm überwinde,
Fried‘ und Ruh‘ erfinde?

O wohl dem, der zum Herren kümmt
Und sein’n Dienst von Herzen annimt,
Sein’n Eigenwillen läßt fahren,
Daß er mögt bewahren,
Was ihm lieb ist, zu Tag und Nacht
Von aller Kraft and Macht!
Denn die Freud‘ ewiger Klarheit
Ist ihm längest bereit.

Ey nu, König vom höchsten Thron,
Du wolltest uns auch Beystand thun,
Daß wir zu allen Stunden,
In dein’n Dienst befinden,
Deiner Gnad‘ mögen genießen
Im Geist und Gewissen,
Zuletzt von hinnen verscheiden
Zur ewigen Freuden!

Herman, Nikolaus – Ein Lied vom wahren Glauben, der allein selig macht und thätig ist durch die Liebe.

Wider die Heuchler und Maulchristen rc. Gemacht im Joachimsthal.

Man mags auch auf die Weise singen:
Wo Gott zum Haus nicht gibt rc.
Oder: Erhalt uns Herr rc.

Wer hie für Gott will sein gerecht,
Sein Kind und angenehmer Knecht,
Der trotzt nicht auf sein Frömmigkeit,
Noch aufs Gebet Gerechtigkeit.

2. Das Gsetz fordert von uns zu viel,
Herz, Seel, all Kräft es haben will.
Wer nun lebt unter seinem Joch,
Der bleibt ein Heuchler vor und noch.

3. Niemand dem Gsetz genug kann thun,
Denn Christ allein, wahr Gottes Sohn.
Mit seim Gehorsam und bittern Tod
Erfüllt ers Gsetz, versühnet Gott;

4. Und erwirbt uns ein Grechtigkeit,
Die steht in Gotts Barmherzigkeit.
Dieselb er uns im Wort verkündt,
Die ist Vergebung aller Sünd.

5. Den Schatz ergreift der Glaub allein,
Und macht das Herz von Sünden rein,
Traut nur auf Gotts Barmherzigkeit,
In Christo aller Welt erzeigt.

6. Das ist zum Heil der recht Anfang,
Wenn eim sein Sünd macht weh und bang,
Und ergreift im Wort Christi Blut,
Den theuern Schatz und höchste Gut.

7. Dann macht das Herz der Glaub gewiß,
Daß Gott mit ihm versühnet ist,
Und all sein Sünd vergeben sind,
Und Gott ihn aufnehm zu eim Kind.

8. Also wurd David nach seim Fall,
Gleichwie die Sünder allzumal,
Selig und ledig aller Schuld
Und erlangt Gottes Gnad und Huld.

9. Wer nun recht glaubt, daß Christus Blut
Ihm hab erworben solches Gut,
Und woll ihm auch das ewige Leben
Aus lauter Gnad und Güte geben;

10. Sollt der sich nit Christo zu Ehrn,
Für Sünd und Schand sträuben und wehen,
Und anfangen ein neues Leben,
Sein bösen Lüsten widerstreben?

11. Wo sich nicht ändert Herz und Muth,
Und wer jetuzt wie vor lebt und thut,
Wahrlich, deß Glaub ist noch nicht recht,
Beßre Frücht er sonst mit sich brächt.

12. Ein rechter Christ sich fleißt all Stund,
Daß nicht sein Gwissen werd verwundt;
Sein Fürsatz ist dahin gericht,
Daß die Sünd in ihm herrsche nicht.

13. Auf Christum werdn wir drum getäuft,
Daß in uns werd die Sünd ersäuft,
Und alle böse Lust gedämpft.
Die widern Geist stets ficht und kämpft.

14. Christus gibt uns sein heilgen Geist,
Der wirkt in uns, vermahnt und heißt,
Treibt uns zum Besten allezeit,
Daß wir absterben der Bosheit.

15. Mit Fleiß raunt er in unser Ohr:
Du bist ein Christ, leb nit wie vor,
Deim Fleisch und Lüsten widerstreb,
Christo, beim Herrn, gleichförmig leb.

16. Sonst schwebt dein Glaub nur bloß im Maul,
Wo du zur Lieb bist träg und faul,
Und wird bei Gott nicht gelten viel,
Herz, Mund und Händ er haben will.

17. Christus zu den Maulchristen spricht:
Hebt euch von mir, ich kenn euch nicht,
Denn Gleißnersart bin ich sehr feind,
Mir lieben, die recht Christen seind.

18. Das ist das rechte Hochzeitkleid,
Wer Christo gläubt mit dem Bescheid,
Daß er auf ihn all Zuversicht
Setzt, und sein Leben nach ihm richt.

19. Drum sich betrüg selbst Keiner nicht,
Wenn Christ wird kommen zu Gericht,
Wird er vergelten Jedermann,
Was er Guts oder Bös gethan.

Amen.