Selneccer, Nikolaus – Von der christlichen Kirche.

Aus Psalm 87.
Mel. Es ist das Heil uns kommen her.

Sie ist bewahrt die feste Stadt,
Auf Gottes Berg gegründet.
Der Herr liebt sie mit Rath und That,
Niemand sie überwindet.
Das Volk und Kirche Christi gut
Ist stets in Gottes Huld und Hut.
Trotz, wer ihr könne schaden.

2. Der Herr die Thor zu Zion liebt
Mehr denn all Jakobs Hütten.
Herrliche Ding darein er giebt,
Thut seine Gnad ausschütten.
Sein Nam darin gepredigt wird,
Zurecht gebracht was ist verirrt,
Gotts Stadt ist voller Gnaden.

3. Die Heiden kommen viel dazu,
Die Juden nicht alleine.
Auf ganzer Erd ist jetzt gut Ruh,
In aller Sprach gemeine.
Das Evangelium streckt sich weit
In alle Land zu jeder Zeit.
Der Höchst thut selbst solch Wunder.

4. Geboren werden Kinder viel,
Die Gott nun recht erkennen.
Sie ehren Christum sanft und still
Und ihn den Heiland nennen.
Durch ihn werden sie selig all
Und kommen aus des Todes Qual,
Haben das ewig Leben.

5. Darum loben den Herren Gott
Wir all in Freud von Herzen
In seiner Kirch, in aller Noth,
Es sei Luft oder Schmerzen.
O Gott, wir danken dir o Herr
Für deine Gnad und heilsam Lehr
Durch deinen Sohn gegeben.

6. Amen, Amen singen wir all.
Gott bleib bei uns mit Gnaden.
Erhalt dein Wort mit Lobes Schall,
Kein Rott und Sect laß schaden.
All unser Sünd vergieb uns Herr,
Von wegen deines Namens Ehr,
Erlös vom Uebel.

Amen.

Zinzendorf, Nikolaus Ludwig Graf von – Herz und Herz vereint zusammen

Herz und Herz vereint zusammen
Sucht in Gottes Herzen Ruh‘;
Lasset eure Liebesflammen
Lodern auf den Heiland zu!
Er das Haupt, wir Seine Glieder;
Er das Licht, und wir der Schein;
Er der Meister, wir die Brüder,
Er ist unser, wir sind Sein!

Kommt, ach kommt, ihr Gnadenkinder,
Und erneuert euren Bund!
Schwöret unserm Überwinder
Lieb‘ und Treu‘ von Herzensgrund:
Und wenn eurer Liebeskette
Festigkeit und Stärke fehlt,
O so flehet um die Wette,
Bis sie Jesus wieder stählt!

Tragt es unter euch, ihr Glieder,
Auf so treues Lieben an,
Daß ein Jeder für die Brüder
Leib und Leben lassen kann!
So hat uns der HErr geliebet,
So vergoß Er dort Sein Blut:
Denkt doch, wie es Ihn betrübet,
Wenn ihr selbst euch Eintrag thut!

Einer reize doch den Andern,
Kindlich, leidsam und gering
Unserm Heiland nachzuwandern,
Der für uns am Kreuze hing!
Einer soll den Andern wecken,
Alle Kräfte Tag für Tag
Nach Vermögen darzustrecken,
Daß man Ihm gefallen mag!

Nichts nur, als des Bräut’gams Stimme,
Sei die Regel unsrer That,
Weil Er nicht im Löwengrimme
Uns in Staub getreten hat,
Sondern mit gehäuften Strömen
Seines Bluts den Zorn ertränkt,
Ei! so muß sich Jedes schämen,
Das sich Ihm nicht willig schenkt.

Halleluja! welche Höhen,
Welche Tiefen reicher Gnad‘,
Daß wir Dem in’s Herze sehen,
Der uns so geliebet hat!
Daß der Vater aller Geister,
Der der Wunder Abgrund ist,
Daß Du, unsichtbarer Meister,
Uns so sichtbar nahe bist!

Ach Du holder Freund, vereine
Deine Dir geweihte Schaar,
Daß sie sich so herzlich meine,
Wie’s Dein letzter Wille war!
Ja, verbinde in der Wahrheit,
Die Du selbst im Wesen bist.
Alles, was von Deiner Klarheit
In der That erleuchtet ist!

So wird Dein Gebet erfüllet:
Daß der Vater alle die,
Denen Du Dein Herz enthüllet,
Auch in Seine Liebe zieh‘;
Und daß, wie Du Eins mit ihnen,
Also sie auch Eines sei’n,
Sich in wahrer Liebe dienen,
Und einander gern erfreu’n.

Liebe! hast Du es geboten,
Daß man Liebe üben soll:
O so mache doch die todten,
Trägen Geister lebensvoll,
Zünde an die Liebesflamme,
Daß ein Jeder sehen kann:
Wir, als die von Einem Stamme,
Stehen auch für Einen Mann!

Laß uns so vereinigt werden,
Wie Du mit dem Vater bist,
Bis schon hier auf dieser Erden
Kein getrenntes Glied mehr ist;
Und allein von Deinem Brennen
Nehme unser Licht den Schein;
Also wird die Welt erkennen,
Daß wir Deine Jünger sei’n!

(1725.)

Bibliander, Theodor – Ein Gedicht

Ein christenliche vermanung des aller edleysten grafen zuo Mirandula und Concordia, Herren Johann Franciscen Picus, an keiser Maximilian hochloblicher gedächtnus, das er die heilige christenheit rette von usseren und inneren finden – geschriben lateinisch im jar MD., aber in ein liet bracht, in der wys: Es stat ein hus in Oesterrych, im jar 1558 am XI. tag Julii.

Es stat ein hus uff erdtrich, das ist gar wol erbuwen
Uff Christum, küng im höchsten rych, dem es allein kann truwen.
Dann die uff dich, herr Jesu Christ, ir hilf und hoffnung setzend,
Mag nüt des tüfels gwalt noch list umbringen ald verletzen.
Der alt schlang hat zwar alls versuocht, das er dir näm die krone,
Bis er zuoletst hat z’wägen bracht den vatzenküng und throne,
Den stuol zuo Rom und antichrist, in den er hat ingossen
Sin macht, bosheit und allen list, und sich ganz in in gschlossen.
Das zeigend sine taten an, die er vil jar hat triben,
Als im klagt ouch manch wib und mann, wie er si hab umtriben
Mit falscher leer und ablasskron, mit bychten, büessen, lesen,
Mit rast, ruoss, waxs, bly, rouch und rom, wallfärt und falschen messen.
Das lass, o Herr, erbarmen dich, wach uff und nimm din waffen,
Zerstör des pabsts entchristisch rych, errett dine arme schaffe,
Die du mit dinem heilgen bluot erkouft hast und erlöset
Von sünd, tod, straf und hellengluot, unds grett von allem bösen,
Das si dich lobind ewiklich mit mund und frommem leben;
Darzuo willt inn das himmelrych uss dinen gnaden gäben.
Stand uff, herr Maximilian, du hochgelobter keiser,
Gryf Gottes find nun mannlich an; Gott will sin volk erlösen.
Trib uss Gotts schafstall grimme wölf, die seel und lib verderbend,
Mit Christus bluot und türen hilf vm gelt wie Judas werbend.
Hilf edler fürst von Österych, dass Gottes wort erschalle
Heiter und klar im tütschen rych und anderen landen allen,
Zuo lob und prys dem heilgen Gott, zuo trost uns armen lüten;
Das wort mag hälfen in der not und s‘ endtchrists pracht vernüten.
Gotts wort allein ist kräftig gnuog, zuo paschgen und zerbrächen
Wie ein irdinger wasserkruog den pabst und sin bös rechte.
Dann kann ein christlich oberkeit nach Gottes ordnung handlen,
Das wir in frid und heiligkeit vor Gott recht mögind wandeln.

 

Analecta Reformatoria
II. Biographien:
Bibliander – Ceporin – Johannes Bullinger
Emil Egli
Zürich
Druck und Verlag von Zürcher und Furrer
1901

Gellert, Christian Fürchtegott – Wenn Christus seine Kirche schützt:

Wenn Christus seine Kirche schützt:
So mag die Hölle wüten.
Er, der zur Rechten Gottes sitzt,
Hat Macht, ihr zu gebieten.
Er ist mit Hülfe nah;
Wenn er gebeut, steht’s da.
Er schützet seinen Ruhm,
Und hält das Christentum:
Mag doch die Hölle wüten!

Gott sieht die Fürsten auf dem Thron
Sich wider ihn empören;
Denn den Gesalbten, seinen Sohn,
Den wollen sie nicht ehren.
Sie schämen sich des Worts,
Des Heilands, unsers Horts;
Sein Kreuz ist selbst ihr Spott;
Doch ihrer lachet Gott.
Sie mögen sich empören!

Der Frevler mag die Wahrheit schmähn;
Uns kann er sie nicht rauben.
Der Unchrist mag ihr widerstehn;
Wir halten fest am Glauben.
Gelobt sei Jesus Christ!
Wer hier sein Jünger ist,
Sein Wort von Herzen hält,
Dem kann die ganze Welt
Die Seligkeit nicht rauben.

Auf, Christen! die ihr ihm vertraut,
Laßt euch kein Drohn erschrecken!
Der Gott, der von dem Himmel schaut,
Wird uns gewiß bedecken.
Der Herr Herr Zebaoth
Hält über sein Gebot,
Gibt uns Geduld in Not,
Und Kraft und Mut im Tod;
Was will uns denn erschrecken?

Speratus, Paul – Eyn gesang von der Christlichen Kirchen, und yhrer Kirchweyhung, ym vorgemeltem thon: Urbs beata Jherusalem

1. Christus unser Herr und heiland
der höchst priester recht genannt;
Seyn kirchen er selbst geweyht hat,
frey für teuffel, hell und todt,
Hat keyner andern grundtvest traut,
auff sich waren felß gebaut.

2. Dyser kirchen ist eynigs haupt
Christus, und der yhm recht glaubt
Wurd seyn solcher kirchen eyn gliedt,
und yn yhm haben seyn fried.
Solch kirch, geweyht mit seynem blut,
dy hell nit bezwingen thut.

3. Eyn gemeynschafft der heylgen ist,
und der selkeit wirt vergwyst,
Eyn braut Christi erlich gezyrt,
von seym wort geboren wirt,
Yn eynem geyst und glauben stet,
on makel zum breutgam get.

4. Ins lebens buch geschrieben sind
alle dyser kirchen kynd.
Sy wirt nur ym glauben erkant,
yhr keyn leyblich stat benant.
Wer dem nechsten vil guts beweyst,
wirt ynn dyser kirch gepreyst.

5. O herr, dyster kirchen ecksteyn,
mach uns glyd deyner gemeyn,
Davon nach deynes wortes ler
uns scheyd keyn peyn, schandt, noch eer;
Alleyn trawen deyn eyning wort,
das do ist des lebens pfort.

Cosack – Paul Speratus

Preiswerk, Samuel – Das ist der Gemeine Stärke

Das ist der Gemeine Stärke,
sie bekennt es laut und frei:
Daß zu ihrem großen Werke
sie vom Herrn erkoren sei.

Er hat festgelegt die Gründe,
er ist seines Werkes Hort,
Wir, umgeben noch von Sünde,
bauen, wie wir können, fort.

Unsre Tage sind gezählet,
unsre Kräfte schwinden hin;
Wir nicht haben ihn erwählet,
sondern sind erwählt durch ihn.

Darum gehn wir ohne Zagen
ruhig unsern Pilgergang,
Wollen Jesu Zeugnis tragen
unter Schmerz und Lobgesang.

Ob wir auch mit Schwachheit rangen,
ob auch manche Träne fiel,
Er, ders mächtig angefangen,
führt es herlich einst ans Ziel.

Kraus – Geistliche Lieder im 19. Jahrhundert

Preiswerk, Samuel – Volk des Herrn

Volk des Herrn! du hast hienieden
einen langen, schweren Streit;
Kämpfe sind dir hier beschieden,
Friede in der Ewigkeit.
Lege an die rechte Wehre,
und steh auf dem ewgen Fels,
daß dir Sieg und Heil beschere
er, der Heiland Israels!

Träumest du von guten Tagen,
oder wachst du auf zum Streit?
Wiegst du dich in alten Sagen,
oder kennst du deine Zeit?
Hörest du den Ruf der Wächter:
„glaubet ihr, so bleibt ihr stehn! –
aber wehe dem Verächter,
denn sein Trost wird untergehn!“

Volk des Herrn! du hast hienieden
einen langen, schweren Streit;
Nun, so suche keinen Frieden
in der bösen Zeitlichkeit!
Führe deines Gottes Kriege;
Jesu Kreuz ist das Panier;
unter diesem Zeichen siege!
seine Schmach sei deine Zier!

Kraus – Geistliche Lieder im 19. Jahrhundert

Zinzendorf, Nikolaus Ludwig Graf von – Der du noch in der letzten Nacht

1.) Der du noch in der letzten Nacht,

Eh‘ du für uns erblasst,
Den Deinen von der Liebe Macht
So schön gepredigt hast:

2.) Erinnre deine kleine Schar,
Die sich so leicht entzweit,
Was deine letzte Sorge war:
Der Glieder Einigkeit.

3.) Der du um unsre Seligkeit
Mit blutgem Schweiße rangst
Und durch der Tränen bangen Streit
Des Feindes Macht bezwangst.

4.) Erschüttre doch den trägen Sinn,
Der nichts von Arbeit weiß,
Und reiß ihn aus der Faulheit hin
Zu deinem Kampf und Schweiß!

5.) War zu der Herrlichkeit die Schmach
Dein ordentlicher Weg,
So geht dir deine Herde nach
Auch über diesen Steg.

6.) Drum leit auf deiner Leidensbahn
Uns selber bei der Hand,
Weil dort nur mitregieren kann,
Wer hier mit überwand.

Spangenberg, August Gottlieb – Die Kirche Christi

Mel. Nun bitten wir den heiligen Geist

Die Kirche Christi, die Er geweiht
Zu Seinem Hause, ist weit und breit
In der Welt zerstreuet, in Nord und Süden,
In Ost und West, und doch so hienieden,
Als droben, Eins.

Die Glieder sind sich meist unbekannt,
Und doch einander gar nah verwandt;
Einer ist ihr Heiland, ihr Vater Einer,
Ein Geist regiert sie, und ihrer keiner
Lebt mehr sich selbst.

Sie leben Dem, Der sie mit Blut erkauft
Und mit dem heiligen Geiste tauft,
Und im wahren Glauben und treuer Liebe
Gehn ihrer Hoffnung lebend’ge Triebe
Auf’s Ewige.

Wie sieht’s mit ihrer Versammlung aus?
Hier stehn sie nirgend in Einem Haus.
In Kirchen und Kirchlein getheilt, verschieden,
Sind alle vereint in Christi Frieden;
Ein Leib des Herrn!

Da tritt die Gemeine des Herrn hervor,
Wo Christi Feuer steigt hell empor,
Da wohnen die Seinen, Er in der Mitten,
Gnade und Wahrheit füllt solche Hütten,
Und Fried‘ und Freud‘.

Mit solchen Gemeinden ist unsre Zeit
Reichlich gesegnet, wir sind erfreut
Ueber Jesu Gnade, und bitte: mehre
Du, Geist des Herrn, Seine Gnadenheere
An Zahl und Kraft.

Schaff – Deutsches Gesangbuch

Löwenstern, Matthäus Apelles von – Christe, Du Beistand Deiner Kreuzgemeine

Christe, Du Beistand Deiner Kreuzgemeine,
Eile, mit Hülf‘ und Rettung uns erscheine!
Steure den Feinden, ihre Blutgerichte
Mache zu nichte!

Streite doch Selber für uns, Deine Kinder,
Wehre dem Teufel, seine Macht verhinder;
Alles, was kämpfet wider Deine Glieder,
Stürze darnieder!

Friede bei Kirch‘ und Schulen uns beschere,
Friede zugleich der Obrigkeit gewähre;
Friede dem Herzen, Friede dem Gewissen,
Gieb zu genießen!

Also wird zeitlich Deine Güt‘ erhoben,
Also wird ewig und ohn‘ Ende loben
Dich, o Du Wächter Deiner armen Heerde,
Himmel und Erde.

Schaff – Deutsches Gesangbuch