Benjamin Schmolck – Der beste Freund.

Mel. Wer nur den lieben Gott lässt walten.

1. Der beste Freund ist in dem Himmel,
Auf Erden sind die Freunde rar;
Denn bei dem falschen Weltgetümmel
Ist Redlichkeit oft in Gefahr.
Drum hab ichs immer so gemeint:
Mein Jesus ist der beste Freund.

„Die Menschen sind wie eine Wiege,
Mein Jesus stehet felsenfest,
Dass, wenn ich gleich darnieder liege,
Mich seine Freundschaft doch nicht lässt.
Er ists, der mit mir lacht und weint:
Mein Jesus ist der beste Freund.

3. Die Welt verkaufet ihre Liebe
Dem, der am meisten nützen kann;
Und scheinet denn das Glücke trübe,
So steht die Freundschaft hinten an.
Doch hier ist es nicht so gemeint:
Mein Jesus ist der beste Freund.

4. Er lässt sich selber für mich töten,
Vergeußt für mich sein eigen Blut.
Er steht mir bei in allen Nöten,
Er spricht für meine Schulden gut.
Er hat mir niemals was verneint:
Mein Jesus ist der beste Freund.

5. Mein Freund, der mir sein Herze gibet,
Mein Freund, der mein, und ich bin sein;
Mein Freund, der mich beständig liebet,
Mein Freund bis in das Grab hinein.
Ach hab ichs nun nicht recht gemeint?
Mein Jesus ist der beste Freund.

6. Behalte, Welt, dir deine Freunde,
Sie sind doch gar zu wandelbar;
Und hätt ich hunderttausend Feinde,
So krümmen sie mir nicht ein Haar.
Hier immer Freund und nimmer Feind:
Mein Jesus ist der beste Freund.

Benjamin Schmolck – Der Wandel im Himmel.

Mel. Wohlan, es geht nunmehr zu Ende.

1. Gottlob, der Weg ist mir gebahnet,
O triumphierender Herr Christ,
Dass sich mein Geist beweglich sehnet,
Zu sein, wo mein Erlöser ist.
Ich seufze täglich mit Begier:
Zeuch mich nach dir, zeuch mich nach dir!

2. Der Ölberg zeigt mir deine Füße,
Wie sie zur Himmelfahrt bereit;
Da gibest du die Abschiedsküsse
Den Jüngern zu der letzten Zeit.
Ach wende dich doch auch zu mir:
Zeuch mich nach dir, zeuch mich nach dir!

3. Du gibst den Jüngern harte Worte
Bei ihres Herzens Härtigkeit.
Der Glaube führt nur nach dem Orte,
Den uns dein Sieg hat eingeweiht
Drum sei der Zweifel weit von mir:
Zeuch mich nach dir, zeuch mich nach dir!

4. Du musstest erstlich auferstehen,
Alsdann folgt deine Himmelfahrt.
Lass mich vor aus dem Grabe gehen,
Darin die Sünde mich verwahrt;
Alsdann treff ich die Himmelstür:
Zeuch mich nach dir, zeuch mich nach dir!

5. Du lässt dein Wort bei uns zurücke,
Das soll hinfort gepredigt sein.
Das sind die rechten Liebesstricke,
Die ziehen uns zum Himmel ein.
Im Wort ist schon der Himmel hier:
Zeuch mich nach dir, zeuch mich nach dir!

6. In dieser Welt sind lauter Schlangen,
Man schenkt mir Gift für Labsal ein;
Drum lass mich bald dahin gelangen,
Wo es wird, ewig besser sein.
Ach reiche deine Hände mir:
Zeuch mich nach dir, zeuch mich nach dir!

7. Die Wolken wird dein Himmelswagen,
Mein Tod wird eine Wolke sein,
Die mich in deinen Schoß wird tragen,
Wo lauter Licht und Sonnenschein.
Komm unversehens auch zu mir:
Zeuch mich nach dir, zeuch mich nach dir!

8. Ich sehe dir mit Glaubensblicken
In deinen Freudenhimmel nach.
Du wirst mir auch schon Männer schicken,
Wie deinen Jüngern dort geschach,
Dass mich ihr Wort zum Himmel führ.
Zeuch mich nach dir, zeuch mich nach dir!

9. Ich frage nicht nach jener Höhe,
Wo deine Stapfen sollten sein;
Wenn ich nur fest im Glauben stehe,
Geh ich gewiss zum Himmel ein.
Denn dein Triumph ist mein Panier.
Zeuch mich nach dir, euch mich nach dir!

10. Du wirst doch einmal wieder kommen,
Gleich wie du hingefahren bist.
Alsdann so werd ich aufgenommen
Da, wo mein Bürgerrecht schon ist:
Indessen bleibt mein Wunsch allhier:
Zeuch mich nach dir, zeuch mich nach dir!

Benjamin Schmolck – Oster- und Auffahrtslied.

Mel. Herzlich tut mich verlangen,

1. Ich geh zu deinem Grabe,
Du großer Osterfürst,
Weil ich die Hoffnung habe,
Dass du mir zeigen wirst,
Wie man kann fröhlich sterben
Und fröhlich auferstehn,
Auch mit des Himmels Erben
Ins Land des Lebens gehn.

2. Du liegest in der Erde
Und hast sie eingeweiht,
Wenn ich begraben werde,
Dass sich mein Herz nicht scheut,
Auch in den Staub zu legen,
Was Asch und Staub vermehrt,
Weil dir doch allerwegen
Die Erde zugehört.

3. Du schläfest in dem Grabe,
Dass ich auch meine Ruh
An diesem Orte habe;
Du drückt die Augen zu.
So soll mir gar nicht grauen,
Wenn mein Gesicht vergeht,
Ich werde den wohl schauen,
Der mir zur Seiten steht.

4. Dein Grab war wohl versiegelt,
Doch brichst du es entzwei:
Wenn mich der Tod verriegelt,
So bin ich dennoch frei.
Du wirst den Stein schon rücken,
Der auch mein Grab bedeckt;
Dann werd ich den erblicken,
Der mich vom Tode weckt.

5. Du führest in die Höhe
Und zeigest mir die Bahn,
Wohin ich endlich gehe,
Da ich dich finden kann,
Dort ist es sicher wohnen,
Wo lauter Glanz um dich;
Da warten lauter Kronen
In deiner Hand auf mich.

6. O meines Lebens Leben,
O meines Todes Tod,
Ich will mich dir ergeben
In meiner letzten Not.
Ich will mein Bette machen
In deine liebe Gruft;
Da werd ich schon erwachen,
Wenn deine Stimme ruft.

7. Du wirst den Ölberg zeigen,
wo man gen Himmel fährt,
Da will ich fröhlich steigen,
Bis dass ich eingekehrt
In Salems Friedenshäuser,
Da heißts: Victoria!
Da trägt man Siegesreifer:
Ach wär ich nur schon da!

Benjamin Schmolck – Osterpost und Trost. Am dritten heiligen Ostertage.

Mel. Gott des Himmels und der Erden.

1. Ach wie lieblich sind die Füße,
Welche durch die Türen gehn!
Ach wie klingt das Wort so süße,
Das die Jünger jetzt verstehn!
Ist der Gruß nicht freudenreich:
Friede, Friede sei mit euch?

2. Komm, du angenehmer Bote,
Weil mich auch nach Frieden dürst,
Du bist nun nicht mehr der tote,
Sondern der lebend’ge Fürst.
Aber ich bin tot vor dir,
Darum gib das Leben mir.

3. Grüße mich mit deinem Munde,
Der in deinem Worte spricht, –
Schleuß mich aus dem Friedensbunde
Deiner lieben Jünger nicht.
Trag, du reine Taube du,
Mir des Friedens Ölblatt zu.

4. Zwar ich sollte wohl erschrecken,
Weil ich nicht des Friedens wert,
Und viel Sünden in mir stecken,
Die mich von dir abgekehrt.
Ach mein Glaub ist gar zu klein,
Wie kann Friede in mir sein?

5. Doch du zeigest mir die Siegel
Deiner roten Wunden her;
Und ich seh in diesem Spiegel
Keinen Zorn und Feindschaft mehr.
Händ und Füße stellen mir
Lauter Siegeszeichen für.

6. War noch Zweifel dort zu merken,
Speisen deine Jünger dich;
Willst du meinen Glauben stärken,
Ach so speise lieber mich.
Es gibt mir dein Gnadentisch
Mehr, als Honigseim und Fisch.

7. Lehr mich Mosen, die Propheten
Und die Psalmen recht verstehn;
Also musste man dich töten,
Und du musstest auferstehn.
Alles, was sie vorgebildt,
Das ist auch an dir erfüllt.

8. Lass mich deinem Worte trauen,
Weil es so wahrhaftig ist,
Und mich Felsen darauf bauen,
Wenn du dich auf was beziehst;
Denn dein Name muss allein
Mein gewisses Amen sein.

9. Wenn die Predigt von der Buße
Auch in meinen Ohren tönt,
Ach so wirf mich dir zu Fuße,
Bis ich mit dir ausgesöhnt.
Alsdann schenkt mir deine Huld
Die Vergebung meiner Schuld.

10. Ging die Predigt deiner Jünger
Von Jerusalem erst an,
Ach so sind wir nicht geringer,
Weil man bei uns hören kann,
Wie dein Gruß so gnadenreich:
Friede, Friede sei mit euch!

Benjamin Schmolck – Österlicher Triumphbogen.

Mel. Christus, der ist mein Leben.

1. Willkommen, Held im Streite,
Aus deines Grabes Kluft,
Wir triumphieren heute
Um deine leere Gruft.

2. Hier liegen die Philister,
Die Simson hat erlegt,
Und deines Reichs Verwüster
Sind gänzlich ausgefegt.

3. Hier schwimmt in seinem Blute
Der Riese Goliath,
Und uns ist wohl zu Mute,
Weil er verspielet hat.

4. Hier ist der alten Schlange
Der harte Kopf zerknirscht,
Und uns ist nicht mehr bange
Bei dir, o Siegesfürst.

5. Dein Feind wird Schau getragen
Und heißt nunmehr ein Spott.
Wir aber können sagen:
Mit uns ist unser Gott!

6. In der Gerechten Hütten
Schallt schon das Siegeslied,
Du trittst selbst in die Mitten
Und bringst den Osterfried.

7. Ach teile doch die Beute
Bei deinen Gliedern aus;
Wir alle kommen heute
Deswegen in dein Haus.

8. Schwing deine Siegesfahne
Auch über unser Herz,
Und zeig uns einst die Bahne
Vom Grabe himmelwärts.

9. Lass unser aller Sünden
Ins Grab verscharret fein,
Und einen Schatz hier finden,
Der ewig kann erfreun.

10. Wir sind mit dir gestorben,
So leben wir mit dir.
Was uns dein Tod erworben,
Das stell uns täglich für,

11. Wir wollen hier ganz fröhlich
Mit dir zu Grabe gehn,
Wenn wir nur dorten selig
Mit dir auch auferstehn.

12. Der Tod kann uns nicht schaden,
Sein Pfeil ist nunmehr stumpf;
Wir stehn bei Gott in Gnaden
Und rufen schon Triumph.

Benjamin Schmolck – Evangelische Wallfahrt zum Grabe Christi.

Am heiligen Ostertage Morgens.

Mel. Freu dich sehr, o meine Seele.

1. Herr des Todes, Fürst des Lebens,
Schwingst du deine Siegesfahn,
Und hat sich der Tod vergebens
Wider dich hervorgetan?
Ja man singt: Victoria!
Alle Feinde liegen da,
Du hast Satans Reich verheeret,
Seine Pforten umgekehret.

2. Hier steh ich bei deinem Grabe,
Bringe meine Spezerei.
Weil ich sonsten gar nichts habe,
Setz ich meine Tränen bei,
Die vor Freuden fließend sind,
Weil dein Heldenarm gewinnt,
Und der lebend mir erscheinet,
Den ich vor als tot beweinet.

3. Du hast deine Gruft verlassen,
Da der Sabbat war vorbei,
Dass wir wohl zu Herzen fassen,
Was der Tod der Frommen sei,
Nämlich eine Sabbatsruh.
Du schleußt unsre Gräber zu,
Und wenn wir daraus erstanden,
Ist ein Sabbat noch vorhanden.

4. Lass mich heut und alle Tage
Mit dir geistlich auferstehn,
Dass ich nicht Gefallen trage,
Mit der bösen Welt zu gehn,
Die in Sündengräbern lebt
Und an Eitelkeiten klebt,
Sondern mich der Ostern freue
Und mein Leben ganz verneue.

5. Bei der frühen Morgenröte
Gehst du aus der Gruft hervor,
Und die Sonne, dein Prophete,
Steigt in vollem Glanz empor.
Gottes Zorn hat eine Nacht
Voller Finsternis gemacht;
Da du aber auferstanden,
So ist Gnad und Licht vorhanden.

6. Wirf doch auch, du Ostersonne,
Deine Strahlen auf mein Herz,
Und erfülle mich mit Wonne,
Komm, vergrabe meinen Schmerz.
Treib der Sünde Nacht von mir,
Dass ich sei ein Licht in dir.
Wer so scheinet auf der Erden,
Soll dort gar zur Sonne werden.

7. Seh ich drei bemühte Frauen
Hier bei deinem Grabe stehn,
so hab ich das Vertrauen,
Auch mit ihnen hinzugehn.
Die gedritte Zahl stellt dir
Glaube, Lieb und Hoffnung für.
Diese sollen dich umfassen
Und auch in der Gruft nicht lassen.

8. Nun, wer wälzt mir von der Türe
Den so schweren Stein hinweg?
Doch der Kummer, den ich führe,
Hindert ja nicht meinen Zweck.
Als ich deine Gruft nur sah,
War kein großer Stein mehr da.
Ach lass mir die Last der Erden
Immer noch so leichte werden,

9. Aber noch ein neuer Kummer:
Hier ist nur ein leeres Grab.
Ist mein Auge voller Schlummer?
Oder nehm ich daraus ab,
Dass man dich gestohlen hat?
Nein der englische Legat
Heißt mich drüber nicht entsetzen,
Ich soll Jesum lebend schätzen.

10. Ach so lebst du nun, mein Leben?
Lebst du, mein Immanuel?
Was will ich mir Kummer geben
Über meines Grabes Höhl?
Du warst tot, jetzt lebest du,
Mein Tod bringt mich nun zur Ruh,
Weil ich ihn in deinem Grabe
Längstens überwunden habe.

11. Nun ist aus des Satans Morden,
Denn du bist der Höllen Pest
Und des Todes Gift geworden,
Heut erscheint das Siegesfest.
Glaube, Lieb und Hoffnung stellt
Hier das Zeichen auf das Feld,
Und lässt diese Losung hören:
Unserm Könige zu Ehren.

12. Halleluja, Gottes Kinder,
Freut euch, Jesus hat gesiegt.
Seht, wie diesem Überwinder
Alles jetzt zu Füßen liegt.
Kommet her zu seiner Gruft,
Merkt, was diese Stimme ruft:
Jesus, unser Haupt, lebt wieder,
Durch ihn leben seine Glieder.

Benjamin Schmolck – Beschluss.

Mel. Wer nur den lieben Gott lässt walten.

Ich schließe mich zu allen Stunden
In meines Jesu Wunden ein.
Hier hab ich immer Ruhe funden,
Da soll auch gar mein Himmel sein.
Und jagte man mich aus der Welt,
Hier ist der Ort, der mich behält.

2. In Jesu tiefe Wundenmale
Versenk ich meiner Sünden Schuld,
Aus Jesu roter Wundenschale
Schöpf ich auch seines Vaters Huld.
Bei Jesu Wunden, Blut und Tod
Vergess ich alle meine Not.

3. O wundervolle Jesuswunden,
Ich leb und sterbe nur um euch,
Und hab ich eure Kraft empfunden,
So dring ich durch in Gottes Reich,
Weil ihr die rechten Pforten seid
Zur allergrößten Herrlichkeit.

4. Gebt meiner Seelen eine Stelle,
Wenn sie wird in die Stille gehn,
Und werdet mir zur Gnadenquelle,
Wenn ich einmal vor Gott soll stehn,
Ja redet alsdann selbst aus mir,
Ihr teuren Jesuswunden ihr.

Benjamin Schmolck – Der mit Christo gekreuzigte Christ.

Mel. Jesu, deine tiefen Wunden.

1. Es sei ferne von mir rühmen,
Ohn in Christi Kreuz allein,
Seine Wunden, seine Striemen,
Seine Dornen, seine Pein,
Sind mein schönster Ehrenruhm,
Meines Glaubens Eigentum,
Meine Krone, die mich schmücket,
Und mein Trost, der mich erquicket.

2. Rühmt ihr Menschen eure Schätze,
Rühmet Gold und Edelstein,
Stricket in des Mammons Netze
Eurer Seelen Wohlfahrt ein.
Mein Schatz und mein höchstes Gut
Bleibet meines Jesu Blut,
Wenn ich dieses nur besitze,
Ist mir sonst kein Reichtum nütze.

3. Weg mit euch, ihr eiteln Lüste,
Die ihr Bahn zur Hölle macht.
Reiche, Wollust, deine Brüste
Dem, der keinen Himmel acht.
Dieses heiß ich meine Lust,
Was aus meines Jesu Brust
Durch die Wunden ist geronnen,
Das sind meine Liebesbronnen.

4. Welt, behalte Samt und Seide,
Prange, wie es dir gefällt,
Meines Jesu Purpurkleide
Weichet alle Pracht der Welt.
Ich verkleide mich in ihn,
Diamanten und Rubin
Kann sein Blutschweiß mir gewähren,
Wenn ich wollte Schmuck begehren.

5. Lasst euch große Titel geben,
Die ihr hoher Sinnen seid,
Ich verlange nicht zu streben
Nach dergleichen Eitelkeit.
Wer mich etwas nennen will,
Nenne mich des Kreuzes Ziel.
Denn es will mir sonst kein Rühmen,
Als in Christi Kreuz geziemen.

6. Nun, mein Jesu, deine Schmerzen,
Deine bittre Passion,
Deine Seelenangst im Herzen,
Deine scharfe Dornenkron,
Deine Bande, deine Not,
Deine Wunden, deinen Tod,
Nenn ich meinen Ruhm auf Erden,
Er wird es auch ewig werden.

Schmolck, Benjamin – Ich hab in Jesu Wunden das beste Teil gefunden.

Auf den Wahlspruch einer Liebhaberin des verwundeten Jesu.

Mel. Jesu, deine tiefen Wunden.

1. Jesu, deiner Wunden Höhle.
Zeiget mir das Paradies.
Da die Sünde Leib und Seele
Aus dem Garten Eden stieß,
Stellen deine Wunden mir
So viel offne Türen für,
Welche mich zu allen Zeiten
Zu dem Lebensbaume leiten.

2. Jesu, deiner Wunden Ritze
Müssen meine Freistadt sein,
Wenn mir des Gesetzes Blitze
Mit gerechtem Donner dräun.
Wenn ich wie ein Täublein bin,
Das dem Adler will entfliehn,
Kannst du mir in diesen Klüften
Eine sichre Wohnung stiften.

3. Jesu, deiner Wunden Quelle
Tränket mich mit Lebenssaft,
Wenn mir Sünde, Tod und Hölle
Alle Kräfte weggerafft.
Wenn mein Geist in Mattigkeit
Wie ein Hirsch nach Wasser schreit,
Kann ich meinen Durst hier stillen
Und mein Herz mit Labsal füllen.

4. Jesu, deiner Wunden Tiefe
Schließet meine Sünden ein.
Wenn ich alle Welt durchliefe,
Wird kein solcher Abgrund sein,
Welcher alle Schuld versenkt,
Dass man nicht mehr an sie denkt.
Doch hab ich in deinen Wunden
Ein so tiefes Meer gefunden.

5. Jesu, deiner Wunden Schätze
Sind mein Reichtum in der Welt,
Drauf ich mein Vertrauen setze
Über alles Gut und Geld.
Alles, was ich wünschen kann,
Treff ich überflüssig an,
Gnad und Himmel, Trost und Leben
Können deine Wunden geben.

6. Jesu, deiner Wunden Spiegel
Zeiget mir dein treues Herz
Und sind meines Heiles Siegel
Wider allen Sündenschmerz.
Wenn mein Herz und Auge weint,
Und der Himmel trübe scheint,
Blick ich nur in deine Wunden,
Bald ist Furcht und Angst verschwunden

7. Jesu, deiner Wunden Stimme
Überschreiet Abels Blut,
Dass dein Vater nicht ergrimme,
Sondern freundlich mit mir tut.
Wenn ich selbst nicht reden kann,
Ruf ich deine Wunden an,
Diese können mich im Beten
Unaussprechlich wohl vertreten.

8. Jesu, deiner Wunden Male
Sind im Streite mein Panier,
Wenn ich hier im Tränentale
Mit dem Feinde Kriege führ.
Denn besprenget mich dein Blut,
So bekomm ich tapfern Mut,
Dass ich keinen Fuß breit weiche,
Bis ich den Triumph erreiche.

9. Jesu, deiner Wunden Bäche
Müssen mir ein Jordan sein.
Wenn ich meinen Taufbund breche,
Waschen sie mich wieder rein.
Wenn die Sünde gleich blutrot,
Und das Herz voll Lasterkot,
Will dein Blut mich nur bestreichen,
Muss mir Schnee und Wolle weichen.

10. Jesu, deiner Wunden Pforten
Führen mich vor Gottes Thron.
Fehlt es mir an Kraft und Worten,
Durch dein Blut, o Gottes Sohn,
Brech ich deines Vaters Herz.
Wenn mein Herze voller Schmerz,
Ach so können diese Türen
Mich bald zur Erhörung führen.

11. Jesu, deiner Wunden Kammer
Zeiget mir die Lagerstatt,
Wo mein Herz nach vielem Jammer
Die gewünschte Ruhe hat.
Trifft das Täublein hier nicht an,
Wo es sicher ruhen kann,
Deine Seite zeigt den Kasten,
Wo es ungestört wird rasten.

12. Jesu, deiner Wunden Erbe
Bleibt mein allerbestes Teil,
Wenn ich lebe, wenn ich sterbe,
Geben sie mir Trost und Heil.
Schleuß mich stets darinnen ein,
Hier ist ewiglich gut sein;
Weg mit allen Lustpalästen!
Diese Häuser sind am besten.

Schmolck, Benjamin – Du Herr der Seraphinen

Du Herr der Seraphinen,
Dem tausend Engel dienen
Und zu Gebote steh’n,
Du übergroßer Meister
Der wunderschönen Geister,
Mein Mund soll deinen Ruhm erhöh’n.

Die engelischen Thronen,
Die in dem Himmel wohnen,
Giebst du zu meiner Wacht;
Sie seh’n dein Angesichte
In höchst vollkommnem Lichte
Doch nehmen sie mich auch in Acht.

Das sind die starken Helden,
Die deinen Rath vermelden,
Du Großfürst Michael;
Das sind die Feuerflammen,
Die schlagen stets zusammen
Um frommer Christen Leib und Seel‘.

Ich preise deine Güte
Mit dankbarem Gemüthe
Für diese Wunderschaar;
Ich rühme deine Rechte
Für diese Gnadenknechte
Bei denen ich ganz sicher war.

Gieb ferner diese Wache,
Daß sie zu einem Dache
Mir wider Alles sei;
Laß sie auf meinen Wegen
Die Hand mir unterlegen,
So ist mein Fuß vor’m Stoßen frei.

Den Feind laß sie erschrecken
Und mich beständig decken,
Wie dort den Gnadenthron;
Es sei mein ganzes Leben
Mit ihnen stet umgeben,
als wie das Bette Salomon.

Doch, sollen sie nicht weichen,
So laß mich ihnen gleichen
In wahrer Heiligkeit;
Wie sich die Kinder lieben
Und sich in Demuth üben,
So mach‘ auch mich dazu bereit.

Sie thun ja deinen Willen
Den laß mich auch erfüllen;
Sie leben keusch und rein,
O laß mich Nichts beflecken
Und mich an allen Ecken
Vor diesen reinen Geistern scheu’n.

Verhaue Händ‘ und Füße
Und was zum Aergernisse
Mir hier gereichen kann.
Wer ärgert diese Kleine,
Dem hangen schwere Steine
Zur ewigen Versenkung an.

Und endlich, wenn ich scheide,
So führe mich zur Freude
Auf ihren Armen ein;
Da werd‘ ich dich erst loben,
Und in dem Himmel droben
Dir und den Engeln gleiche sein.

Die alten lutherischen Kirchenlieder des neuen braunschweigischen Gesangbuches Neu-Erkerode bei Braunschweig Verlag der Buchhandlung der Idioten-Anstalt 1877