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Schlagwort: Täufer

Schlaffer, Hans – Ein neu Lied zur Erfindrung eines warhafftigen Christlichen lebens einfaltige betrachtung.

Schlaffer, Hans – Ein neu Lied zur Erfindrung eines warhafftigen Christlichen lebens einfaltige betrachtung.

In dem thon Ungenad beger ich nit von jr etc.

Ungnad beger ich nit von dir,
o Gott, wolst mir
mein sündt nit streng zuemessen.
Die weyl die selben Christus hat
genug erstatt,
er dann ich byn gewesen.
Ein feynd was ich, du liebest mich
unnd nambst mich an zu gnaden schon,
das mir zu gutt deins Sones plutt
von sündt und todt erlösen thut.

Wie wol ich noch empfind anstoß
von sunden groß
in meinem fleysch sich übet,
Das gutt ich nit volbringen kan,
das böß nicht lan
das mich so hartt betrübet:
Darumb schrey lautt ich arme haut
von hertzen gier: wer wirt mich schier
erlösen aus des jammers strauß
und helffen von dem todten hauß?

Danck sag ich durch Christum allein
dir, vatter mein,
der ist mein trost auff erden,
Dem, so ich glaub, bin ein gepflanzt,
das hoff ich ganz,
verdambt mag ich nit werden.
Der geyst wer bhrayt, dem fleysch ist layd
unnd ist so schwach, das es nit mag
gnug thun dem gsetz, biß das zu letzt
Christus durch seynen geyst ergetzt.

Wo menschen gsetz auff erdt regiert
da werden verfürt
die elenden gewissen,
Welcher allein herr Jhesus Christ
regirer ist:
es bleyb sonst ewig zrissen.
Was er nit paut, selbs darzu schaut,
mag nicht bestan, ja ob es schon
die wellt groß acht, hoch damit pracht,
so bleybt es doch vor Gott verschmacht.

Darumb so bitten wir mit ain,
allt jung, groß klayn,
das sich Gott unns erbarme,
Und sendt uns treue Prediger
und ausspenntter
seiner gaben uns armen,
Dardurch zuhandt all menschen tandt
wirdt außgereutt, dann es ist zeyt,
recht buß zu thon, vom ubel lan,
Gottes streng gericht ist auff der ban.

So lasst unns nun haben zuflucht
ins vatters zucht
von herzen gar ergeben,
Das er uns züchtig, seine kind;
die welt ist plint
erkent keyn Christlich leben.
Es ist ir scheuz, unnd fleucht das Creutz
unnd maint, es sey genug darbey,
so sie bauen schon reden kan,
und mit der that wil niemandt daran.

Wer nun ein rechter Christ wil sein,
O Bruder mein,
der muß Christum anlegen,
Seiner armen gstalt gleichfurmig werd
auff diser erdt,
darinn alles verwegen.
Es hilfft kein schein: nur lieb unnd peyn
umb Christis Nam, sich des nit scham,
dem er sich hat durchs wider padt
ergeben gar biß in seinn todt.

Es wird fur war nit anders draus:
des Herern haus
zuvor das gricht muß dulden;
Derhalben nembt der schrifften war,
wie sie so gar
außbricht und zalt ir schulden
Zu diser zeyt, und ist nit weyt
der welde plag; fleuch wer da mag
mit schneller eyl, nemb im kein weyl:
zuckt ist das Schwert, auff glegt die Pfeyl!

Ich main aber kain andre flucht,
denns Herrn zucht,
wie ich erst yetz erzellet,
Damit er uns als kinde sein
rechtfertigt fein,
dar zu uns außerwellet,
Und zaychet schon, das wir daran
gantz sein vergwisst, an argen lisst,
zum ewigen Reych, im werden gleich
und mit im leben ewigleich. Amen.

 

Luce 13
Nur allein ir bessert euch, sonst werdet ir mit sambt alle umbkommen:
1527

Unbekannt – Lebt friedsam, spricht Christus der Herr

Unbekannt – Lebt friedsam, spricht Christus der Herr

Scheidelied der Täufer

Lebt friedsam, spricht Christus der Herr
Zu seinen Auserkoren.
Geliebte, nehmt dies für ein‘ Lehr
Und wollt sein‘ Stimm gern hörn:
Das ist gefeit
Zu eim Abscheid
Von mir, wollt fest drin stehen,
Ob scheid ich gleich, Bleibts Herz bei euch
Bis wir zur Freud eingehen.

Ein Herzensweh mir überkam
Im Scheiden über d’Maßen,
Als ich von euch mein Abschied nahm,
Und damals mußt verlassen.
Mein Herz war bang,
Beharrlich bang,
Es bleibt noch unvergessen:
Ob scheid ich gleich, Bleibts Herz bei euch,
Wie sollt ich euch vergessen.

Nach dem Wesen Christi euch doch halt‘,
Gleichwie ihrs habt empfangen:
Gebaut auf’m Grund zu rechter G’stalt,
Sein‘ Wegen wollt anhangen.
Darin besteht
Mein Rath, weils geht
Auf ein Scheiden sehr traurig:
Ob scheid ich gleich, Bleibts Herz bei euch,
Bis an mein End gedaurig 1).

Es ist ja kund und offenbar
Wie friedsam wir zusammen
Gelebt han und einmüthig gar,
Gemäß dem Christusnamen:
Als Kinder Gotts, Lieblich guts Muths,
Da that mir weh das Scheiden.
Ob scheid ich gleich, Bleibts Herz bei euch,
Gotts Lob mehr auszubreiten.

Mein liebste Freunde, mancher Thran 2)
Ist mir um euch entfallen:
Dies hat die Lieb zu euch gethan,
Ihr bleibt auch mit euch allen
In Tag und Nacht
In mein‘ Obacht,
Der Herr woll euch bewahren.
Ob scheid ich gleich, Bleibts Herz bei euch,
Wollt nichts an Tugend sparen!

Und ihr Väter wollt tapfer sein,
Die Gemeine Gotts versorgen,
Die euch nun ist befohlen sein,
Auf daß ihr unverborgen
Die Ehrenkron
Zu einem Lohn
Auf eurem Haupt mögt tragen.
Ob scheid ich gleich, Bleibts Herz bei euch,
Um Gottes Wohlbehagen.

Seid klug und unterthänig fort
Ihr Jungen all im Leben:
In Eintracht, christlichem Accord3),
Wollt‘ nach dem Besten streben.
Habt eure Freud
In dieser Zeit
Stets im Gesetz des Herren.
Ob scheid ich gleich, Bleibts Herz bei euch,
Lebt doch nach Gotts Begehren!

Kommts doch von meinest Herzens Grund,
Mit Thränen ists gesungen:
Im Herzen bleibet doch gesund,
Ihr Alten und ihr Jungen:
Hüt‘ euch für Zwist,
Vor Satans List
Woll euch der Herr befreien.
Ob scheid ich gleich, Bleibts Herz bei euch,
Bis wir uns ewig freuen.

Gelobt sei Gott um dies sein Werk,
Das er kräftig gelenket:
Geht ihr zu dem Gebete sterk,
Dann meiner auch gedenket,
Im Beten rein,
Daß Gott allein
Mich wölle wohl berathen.
Ob scheid ich gleich, Bleibts Herz bei euch,
Gott wohn‘ euch bei in Gnaden!

—-

1) dauerhaft
2) Träne
3) Übereinstimmung

Sieben Brüder von Gmünd – Bitte um Kraft des heiligen Geistes.

Sieben Brüder von Gmünd – Bitte um Kraft des heiligen Geistes.

Diß Lied haben die Siben Brüder im Gefengnuß zu Gmünd gemacht, jeder ein gesetz. Und geht im Thon, Auß tieffer not schrey ich zu dir, Herr ec.“

1. Auß tieffer not schrey ich zu dir,
ach Gott, erhör mein ruffen.
Dein Heilgen Geist send du zu mir,
hilff uns in nöten tieffe,
Wie du, Christe, bißher hast thon,
auff dein befelch wir uns verlohn,
die Heyden wolln uns töden.

2. Das fleiscch ist schwach, das weistu wol,
es förcht ein kleinen schmertzen,
So füll uns nun deins geistes vol,
deß bittn wir dich von hertzen,
Daß wir ans end mögen bestahn,
und dapffer in das leiden gahn
und nit förchten den schmertzen.

3. Der geist ist breit und willig schon,
das leiden zu begeren,
Durch Jesum Christ, dein lieben Sohn,
wölst uns, o Herr, erhören.
Bitten dich auch vor unser feind,
die leyder gar unwissend seind,
dencken nit an dein zoren.

4. Wir bitten dich, Vatter und Herr,
als deine liebe kinder:
Durch Christ dein kleines heuflein mehr,
ein licht in jn anzünde!
Dasselb wer unsers hertzen lust,
darnach uns hüngert und auch dürst,
würd uns groß freude bringen.

5. In gnad hastu uns gnommen an,
zu dienen dir uns gmachte,
Das habn wir all mit willen thon,
mit deiner hilff volbrachte.
in deinem wort erhalt uns rein,
wir geren, dir ghorsam zu sein,
gib uns nur hilff und troste.

6. Du bist, Herr Gott, der schutze mein,
an dich wolln wir uns heben,
So ist es alls ein kleine pein,
wenn man uns nimpt das leben,
Du hast uns breyt in ewigkeit:
so wir hie leiden schmach und streych,
es wirt nit sein vergebens.

7. Leib, leben, Seel und glider auch
hond wir von dir entpfangen,
Die wolln wir dir auffopffern doch
zu lob und preiß deim namen;
Es ist doch nichst dan staub und kot,
den geist befehln wir dir, o Gott,
nim jn zu deinen handen.

Schneider, Liepolt – Mein Gott, dich wil ich loben

Schneider, Liepolt – Mein Gott, dich wil ich loben

Ein ander lied hat Liepolt schneider gemacht, Welcher Ann. 28. zu Augspurg enthauptt worden. Im thon, Es wohnet lieb bey liebe, Oder, wie man die tagweiß singt.

1. Mein Gott, dich wil ich loben
in meiner letzten stund,
Im Himmel hoch dort oben,
mit hertzen und mit mundt!
O Herr, du bist der reche zart,
sterck du mir meinen Glauben,
jetzt muß ich auff die fahrt!

2. In gnad thu mein gedencken
in disem letzten streit!
Mein Geist thu ich dir schencken,
zu dir hab ich ein freud!
Christe, hilff mir das creutz bestohn,
vergib inn, Vatter im Himmel,
sie wissen nicht, was sie thun!

3. Dein wort kan ich nicht lassen,
weil ich leb in der zeit,
Darumb thut man miich hassen,
nimpt mir die Seel vom leib:
So schrei ich, Herr, zu dir umb gnad,
in dich thu ich vertrawen,
kein andern tröster hab.

4. Gar klärlich fein geschriben
Marci am letzten staht,
Darwider nichts kan treiben,
es ist sein wunderthat:
Daß, wer da glaubt und wirt getaufft,
derselb sol sehlig werden!
wer es lißt, der merck drauff!

5. Was laßt ihr euch betrüben,
daß man helt Christi brauch?
In Gottes wort euch üben,
so werd ihr sehen auch,
Was Jesus Christus, Gottes Sohn,
uns allen hat befohlen,
was wir dan sollen thun.

6. Ich bitt euch all, ihr lieben,
vertrawet all in Gott!
Laßt euch auch nicht betrüben
allhie mein bittern todt!
Dann Gott wirts uns bezahlen wol,
wir müssen je von hinnen
aus disem jamerthal.

7. Der hie wil lebn in freude,
thut uns die Schrifft fein kundt,
Der wird dort haben leyde,
redt Gott auß seinem mund.
Wir müssen leiden mit gedult!
der Herr mehr uns den glauben,
daß gscheh ohn alle schuldt!

Wer hie sein gab wil legen
auff Christi altar schon,
Mit seinem Nechsten eben
sich soll versöhnen thun:
Der wegen bitt ich dich, O Gott,
wolst gnediglich verzeihen,
die mich geben in todt!

Mein geist und auch mein Seele
befehl ich in dein händt!
Hilff mir auß aller quele,
ach Gott, von mir nit wend!
Nim meinem fleisch sein grosse krafft,
daß ich mög überwinden,
in dir werden sieghafft!

Schiemer, Leonhard – Wir bitten dich, ewiger Gott

Schiemer, Leonhard – Wir bitten dich, ewiger Gott

Im Ton: „Nun welche hier ihr Hoffnung gar, auf“ usw. (1526/27)

Im Ton: „Nun welche hier ihr Hoffnung gar, auf“ usw. (1526/27)

 

Wir bitten dich, ewiger Gott,
neig zu uns deine Ohren,
heiliger Herr Zebaoth,
du Vierfürst der Heerscharen,
vernimm die Klag:
Ungemach und Plag
hat überhand genommen.
Der Behemoth
mit seiner Rott
ist in dein Erbteil kommen.

Es haben sich zu ihm verpflicht
viel der vermeinten Christen,
den wüsten Greuel aufgericht.
Sie toben und vernichten.
Das Heiligtum
de Christen fromm,
das haben sie zertreten.
Der wüst Unflat
in deiner Statt
läßt sich als Gott anbeten.

Dein heilig statt hond sie zerstört,
dein Altar umbgegraben,
darzu auch deine Knecht ermördt,
wo sie’s ergriffen haben.
Nur wir allein
dein heuflein klein,
sind wenig uberbliben,
mit schmach und schand
durch alle land
verjaget und vertriben.

Wir sind zerstewt gleich wie die schaf,
die keinen Hirten haben,
verlassen unser hauß und hooff
und sind gleich dem Nachtraben,
der sich auch offt
hewlt in steinklufft.
In Felsen und in klufften
ist unser gmach,
man stellt uns nach,
wie Vöglein in der lufften.

Wir schleichen in den Wälden umb,
man sucht uns mit den Hunden,
man führt uns als die Lemlein stum
gefangen und gebunden.
Man zeigt uns an
vor jedermann,
als weren wir Auffrürer,
wir sind geacht
wie Schaf zur schlacht
als Ketzer und verführer.

Vil sind auch in den Banden eng
an ihrem leib verdorben,
ettliche durch die marter streng
umbkommen und gestorben
on alle schuld;
hie ist gedult
der Heiligen auff erden.
Wir müssen all
durch viel Trübsal
also probieret werden.

Man hat sie an die bäum gehenkt,
erwürget und zzerhawen,
heimlich und öffentlich ertrenckt
vil Weiber und jungfrawen.
Die haben frey
ohn alle schew
der warheit zeugnuß geben,
daß Jesus Christ
die wahrheit ist,
der weg und auch das leben.

Noch tobt die Welt und ruhet nicht,
ist gar unsinnig worden,
vil lügen sie auff uns erdicht,
mit brennen und mit morden
thut sie uns bang.
O Herr, wie lang
willtu dazzu doch schweigen?
Richt den hochmut,
der heiligen bluth
laß wer dein Thron auffsteigen!

Wie köstlich ist der Heilgen Tod
vor deinem Angesichte!
Drum haben wir in aller Not
ein tröstlich Zuversichte
zu dir allein;
sonst nirgend kein
Trost, Fried noch Ruh auf Erden.
Wer hofft auf dich,
wird ewiglich
nimmer zu Schanden werden.

O Herr, kein Trübsal ist so groß,
die uns von dir abkehre.
So bitten wir ohn Unterlaß
durch Christum unsern Herren,
den du uns hast
zu einem Trost
aus deiner Gnaden geben,
der uns zeigt an
die schmale Bahn,
den Weg und auch das Leben.

Glorie, Triumph sei dir geseyt,
all Ehr sei dir auch geben,
von nun an bis in Ewigkeit!
Dein Gerechtigkeit daneben
bleib allezeit
gebenedeit
das Volk deim heilgen Namen,
durch Jesus Christ,
der kommend ist,
die Welt zu richten. Amen.


Anm.: Der rot geschriebene Text stammt aus einer späteren Überarbeitung des Textes - leider liegt mir nicht der ganze Text im Original vor.

Maler, Martin – Auß herzlichen muot und eufer

Maler, Martin – Auß herzlichen muot und eufer

„Ein tröstlich lied von unsern lieben und getreuen bruoder Martin Maler, welcher selb sübender zuo Gminden im Schwabenland umb der göttlichen warheit wilen mit dem schwert hingericht worden im 1531 jar.“

„Im ton: Ich stuond an einem morgen etc.“

1
Auß herzlichen muot und eufer
kan ich nit underlon,
– die liebe tuot mich treiben –
daß ich fang singen an,
Gottes wundertat zuo bringen her,
zuo einem neuen muote,
zuo pflanzen Gottes er,

2
nachdem nun Gott der herre
sein macht bewisen hat,
in nahent und in fere
offenbart sein getlichen rat
durch frome zeugen Jesu Christ
umb der menschen hail wegen,
wie oft geschehen ist

3
von anfang dieser welte,
von alen zeiten her,
allen menschen firgstelet
sein große macht und ler,
den weg zuor ewigen säligkeit,
ire selen vom verderben
bringen zuor ewigen freid;

4
wirt aber nit angenomen,
wie guot es maint der herr;
niemand wil zuor hochzeit komen,
verachten rat und ler;
seine boten sie erwirgen ton,
durch feuer, waßer und schwerte
gibt in die welt den lon.

5
Wie solches auch geschehen,
als man gezelet hat
ain tausent und fünf hundert
ain und dreißig, ich sag,
daß man hat gfangen gnumen
süben rechte steife helten
umb göttlich warhait schon.

6
Ein getreuer lerer grechte,
diener des worts Gottes schon,
bezeugt die warhait rechte,
Martin Maller mit nam,
tet man in gfenknus legen balt
sambt seinen lieben bruedern
ganz tieranischer gstalt.

7
Vil tet man in handieren
mit betrug und argen list,
ob sie ’s mechten verfieren,
wie Eva gschehen ist
mit der vergüften, falschen schlang;
mit vil lesterung und lugen
treibens vast ein jar lang.

8
Aber die christlichen helten
waren steif und herzhaft,
in Gott gar wol gesterket;
der gab in geistes kraft,
auch mund und weisheit also frei,
daß ir glaub sei zuom leben
und die rechte warheit sei.

9
Dargegen ir glaub und leben
gottlos und heidnisch ist,
der warheit ganz entgegen,
beweist die ler Jesu Christ;
sollen nur selbis bei zeit absten
von iren gottlosen leben,
wolten sie in geraten han.

10
Aber die gottlos rotte
hielten streng und häftig an:
solen absten on spote,
iren glauben verlaugnen ton;
demnoch sollen züehen hin
zuo irem weib und kinde,
wolten sie laßen gan.

11
„Das wel Gott nimermere!“
antworten sie wol getröst,
„wolen lieber erlich sterben,
ist uns das allerbest;
bevelhen unser weib und kind
unserm lieben Gott und herren,
dem sie vertrauet sind.“

12
Als sie nun bständig waren
in iren steifen muot,
auf iren glauben zuo beharren,
setzten dran leib und bluot,
waren die gottlosen balt bedacht,
durch das schwert hinzuorichten,
hat man das urtl brach.

13
Dan hieltens nit lange stille,
stelten es ins werk gar bald,
nach Satans rat und wilen
fuoren sie fort dergstalt,
namens von der gefenknus herauß
und fierten sie von dannen
biß zuo iren rathaus,

14
da vil volk versamlet waren,
zuo sehen, was werden wolt;
da hat die gottlos schare
ir urtl verlesen balt
mit falschen, verkerten worten vil,
die brueder teten heren,
schwigen darzuo nit still.

15
Ser manlich antwort gaben,
ganz unerschrockner gstalt,
daß falsch wer ir anklagen,
es sei ein lauter gwalt:
„Ir miest vor Gottes angesicht
darumben antwort geben
wol an dem jüngsten gricht!“

16
Weil aber die unschuld zware
gilt bei den wolfen nicht,
ir tichten und trachten gare
ist nur zuom wirgen gricht,
dahin stet all ir sünn und muot,
die warhait außzuoreiten,
zuo vergießen unschuldigs bluot.

17
Also ist’s auch ergangen,
fierten die brueder balt
mit schwerter, spieß und stangen
all süben mit gwalt
hinauß zuor richtstatt zuo dem tod,
vil volks zuogegen waren
in irer letsten not.

18
Der diener dazuomale
red zuo sein bruedern schon
und tet sie Got bevelen
in seinem himelstron,
und baten Gott von herzengrund,
daß er in wel beistane
in irer letsten stund.

19
Der diener red noch mere
im außfieren zuomal;
ein bruckelen war nit fere,
darüber sie giengen all,
sprach er gar laut vor meniglich:
„Das tuo ich euch allen sagen,
wil euchs vorhalden nit:

20
„Ir fiert uns über d’brucken
zuom tod umb unschuld wil;
welt euer sünd nit schmucken!
wirt euch nit helfen vil;
ir werd kein fromen nimermer
fieren über diese brucken,
sag ich so frei daher.“

21
Das gschah auch balt, un lange,
daß es geschehen ist:
ein schrecklichs weter kame,
wind, waßer zuo diser frist;
das rüß die brucken auß dem grund
und tet gar nichts dran bleiben,
daß man etwas mer fund.

22
Auf die richtstatt ist man komen,
do stuond das volk herumb
und machten ein umrüngen;
das sahen die brueder fromb;
der jüngst auß inen, ein milnerknab
bei sechzehen jaren alte,
der fieng nun an und sprach

23
mit lauter stim on zagen
zuom volk und meiniglich:
„Secht, stehet von sünden abe,
ein ieder bekere sich
zuo dem glauben in Jesum Christ!
er ist allein der wege,
den er selber vorgangen ist.“

24
Ein edler herr, wie ich sage,
rit in den ring hinein,
wol zuo dem milnerknabe,
sprach: „Lieber sone mein,
ich bit dich, volge mir dißmal,
ste ab von deinem glauben;
ich wil dich versorgen wol.

25
„Ein pfriend wil ich dir geben,
solt al zeit bei mir sein,
erhalt dein junges leben,
widerruef den irtumb dein!
so soltu haben guote tag
alle zeit deines lebens;
bedenk eben, was ich sag.“

26
Der knab antwortet mere
und redt gar inüglich:
„Das wolt Gott nimermere!
er tuo behieten mich,
ein solche torheit zuo begen,
das zeitlich guot zuo lieben
und vom glauben absten.

27
„Meinen Gott zuo verlaßen,
das stuend mir übel an,
mich zeitlichs guot anmaßen,
das mir nit helfen mag,
das sei von mir gar weit und fer!
eines beßern tuo ich warten,
das verhaist mir Gott der herr.

28
„Darumb will ich lieber sterben,
steif bleiben biß ans end;
das wirt mir gnad erwerben
bei Gott und seinen kind,
damit das leiden Jesu Christ
an mir auch werd erfunden,
der fier mich gstorben ist.“

29
Der knab war jung an jaren,
aber im glauben alt;
das sein recht graue hare,
macht dem fromen schene gstalt,
ein kron der ewigen säligkeit,
wen grau ist der verstande,
gegründt in der warhait.

30
Also haben sie alle süben
die warhait steif bekent
und aufrecht bständig bliben,
namen ein säligs end;
durch das schwert hingerichtet sein,
enthauptet, wie ich sage,
als schäflein Gottes rain.

31
Ir bluot habens vergoßen
mit unserm herren Jesum Christ
und ir leben gelaßen,
wie er uns vorgangen ist,
und haben erlangt der marterer cron,
die er i wird aufsezen
in seinem reich so schon.

32
Noch mer wirt hie erzelet,
was sich begeben hat,
wie Gott wunder firgstellet
zuo Gminden bei der stat,
da die brueder gerichtet warn,
meinten, es wer am orte
und sei nun also gar:

33
Do keret das volk umbe
und gieng iederman haim
und kam daher der abent
und auch schon spat tet sein,
da zoch ein wandersman die straß,
wist nit, was da gschehen ware
und was firgangen was.

34
Als er nun dahin kame
von der richtstat nit weit,
heret er so ser schön singen,
loset mit großer freid,
als er ei engl von himmelstron
mi ganz lieblicher stime
holtselig zuo heren an.

35
Stuond also gleich da stille,
sinnet dem wunder nach
und was da werden wolle,
auch was da sei die sach;
ab es gewiß und warhaftig wer,
das tat er recht erkennen
und hat kein zweifel mer.

36
Tet auch mit augen sehen
süben helle liechtlein klar;
des wundert er sich sere,
wist nit, was geschehen war;
ward im ser lieblich zuo der stund,
ward im tröstlich von herzen,
sagt er auß seinem mund.

37
Das kund er nit verschweigen,
was er gehert und gsehen hat,
verkundigt es den leiten
wol in derselben stat.
Das ward lautprecht zuor selben stund,
es kam auch fir den rate,
die forscheten auch den grund.

38
Weil es nun verdächtig ware,
ganz einer mordat gleich,
war inen ein schlechte ere,
kundens vernemen leicht,
beruefen balt den wandersman,
teten mit im handieren,
daß er solt schweigen ton.

39
Also tuot der gottlos haufen;
wo ein liecht wolt aufgan,
tuon balt zuosamen laufen,
solches zuo verhündern schon,
gleich wie die auferstehung Jesu Christ,
die pfaffen also eilten,
stileten zuor selben frist.

40
Nun aber Gott der herre
wirt es machen offenbar,
man wirt ims nit erweren,
wirt komen ans liecht so klar,
wie sie verstockt gewesen sind
in irer großen boshaite,
wie sie waren so blind.

41
Wie es zuom tail schon gschehen,
wie angezeiget ist,
hat sich noch mer begeben,
das merk ein ieder christ:
die selbigen urtlsprecher all
ein schwäres end genomen,
wie man solches weiß gar wol.

42
Vorlengest und iezunder
erzaigt sich Gott der herr
mit zeichen und mit wunder
von anfang der welt biß her
mit großer kraft und wundertat –
hilft aber ales nichte
biß an den heutigen tag!

43
Christus troet gar schwere,
die seine boten verachtet han
und sie nit wolten heren,
denen wirt es gar übl gan,
erger als Sodoma, Gomora gleich,
die mießen geworfen werden,
gar in den feurigen tei.

44
Das hab ich welen berichten
die lieben brueder mein
und schwestern auch desgleichen,
welche noch eufrig sein,
daß sie nit ablaßen in iren muot
sonder steif und standhaft bleiben,
biß sie erlangen das ewige guot.

45
Ir alerliebsten meine,
merkent zuo tausentmal,
was das fir helten seine,
die solche prob zuomal
ja als das guote, reine golt
in der hechsten not beweret,
es kost nun, was es wolt.

46
Sein sieben guldene leichter
und süben klare stern;
die süben guldenen amplen
leichten im haus des herren
und auch am jenen tag zuogleich
werden ire angesicht leichten
wie die sonne ins vattern reich.

47
Wir büten Gott den herren
umb sein hilf und beistand,
daß er uns gnad vermere
und hilft uns allen samen,
daß wir auch manlich streiten gleich
durch Jesum Christum. Amen.
D helf uns in sein reich!

Mantz, Felix – Mit Lust so will ich singen

Mantz, Felix – Mit Lust so will ich singen

Ein ander Lied, Felix Mantzen, der ersten Brüder einer, zu Zürich Anno 1526 ertränckt. Im Thon, Ich stuhnd an einem morgen.

1. Mit lust so will ich singen,
Mein Herz freut sich in Gott,
Der mir vil kunst thut bringen,
Daß ich entrinn dem Todt
Der ewiglich nimmet kein endt.
Ich preiß dich Christ von Himmel,
Der mir mein kummer wendt.

2. Den mir Gott thut zusenden
Zu eim vorbild und liecht,
Der mich vor meinem ende
Zu seinem Reich berüfft.
Daß ich mit ihm hab ewig freudt,
Und liebe ihn von Herzen,
Auch all sein grechtigkeit.

3. Der hie und dort wird gelten,
Wer will das Leben hon.
Sie läßt sich loben und schelten,
Ohn sie mag nichts beston,
Also zeigt auch die heilig Schrifft,
Wer ihr thut widerstreben,
Auch ander leut vergifft.

4. Dern man jetzt vil thut finden
Wohl auff der Erden weit,
Die Gottes wort verkünden,
Stehn doch in Haß und Neid,
Kein göttlich Liebe sie nicht hond,
Ihr bscheissen und betriegen,
Wird aller welt bekandt.

5. Als wir dann hond vernommen
In diser letzten Zeit,
Die in Schaffskleydern kommen,
Als reissend Wölff bereyt,
Hassen auff Erd die frommen all,
Wehren den weg zum leben,
Auch zum rechten Schaffstall.

6. Solchs thun die falsch Propheten,
Und Heuchler diser welt,
Die vil fluchen und bätten,
Ihr gbärd ist ganz verstellt.
Die Oberkeit sie ruffen an,
Daß sie uns solle tödten,
Dann Christ hat sie verlan.

7. Christum den will ich preisen,
Der alle gdult erzeigt,
Thut uns gar freundlich weisen
Mit seiner gnad geneigt,
Beweißt die lieb an jederman,
Nach seines Vatters arte,
Welchs kein falscher thun kan.

8. Wir müssen unterscheyden,
Nun mercket mich mit fleiß,
Die Schäfflein auff der Heyden
Die suchen Gottes preiß.
Daran daurt sie kein haab noch gut,
Durch Christum den vil reynen.
Der halts in seiner hut.

9. Christus thut niemand zwingen
Zu seiner Herrlichkeit,
Allein wirds dem gelingen,
Der willig ist bereit,
Durch rechten glauben und wahren Tauff
Würckt Buß mit reinem Herzen,
Dem ist der Himmel kaufft.

10. Durch Christi Blutvergiessen,
Welchs er hat willig thon,
Es thät ihn nit vertriessen,
Welchs er uns weist gar schon,
Begabet uns mit heilger krafft.
Dann wen sein lieb thut treiben,
Der wächst in Gottes safft.

11. Die Liebe wird zwar gelten,
Durch Christ zu Gott allein.
Kein bochen hilfft noch schelten,
Es mag nit anders seyn.
Darinn Gott ein gefallen hat,
Wer die nicht mag beweisen,
Find bey ihm keine statt.

12. Die Lieb in Christum reyne,
Verschonet hie dem feind,
Wer mit ihm Erb will seyne,
Dem wird auch das verkündt,
Daß er beweiß barmherzigkeit,
Nach seines Herren Lehre,
So wird er ewig erfreut.

13. Christ thut niemand verklagen,
Wie jetzt die falschen thun,
Die Christlich Lieb nicht tragen,
Sein wort auch nicht verston,
Noch wollens Hirten und Lehrer seyn,
Müssen zu letzt verzagen,
Ihr Sold ist ewig peyn.

14. Christus thut niemand hassen,
Auch seine Diener nit,
Bleiben auff rechter strassen,
Nach ihres Herren tritt.
Das liecht des Lebens hond sie bey ihm,
Freuen sich des von herzen,
Ist aller frommen sinn.

15. Die neid und haß erzeigen,
Mögen nit Christen seyn,
Und sich zum bösen neigen,
Schlagen mit Fäusten drein,
Lauffen vor Christo wie Mörder und Dieb,
Unschuldig Blut vergiessen
Ist aller falschen lieb.

Dabey soll mans erkennen
Die nit mit Christo stehnd,
Die Christlich Ordnung trennen,
Wie alle Belials kind.
Als Cain seinem Bruder that,
Als Gott zu Abels Opffer thät kehren,
Bracht ihn in grosse noht.

17. Hiemit will ichs beschliessen,
Merckt auff ihr Frommen all,
Es soll uns nit verdriessen
Zu betrachten Adams fall,
Der auch annahm der Schlangen raht,
Thät Gott ungehorsam bleiben,
Drum folget ihm der Todt.

18. So wirds dann auch geschehen,
Die Christo widerstohn,
Weltliche lust ansehen,
Kein göttlich lieb nit hon.
Also hat dieses lied ein endt,
Bey Christo will ich bleiben,
Der all mein noht erkenndt. Amen.

Ausbund

Hut, Hans – Gottes Werck und Willen

Hut, Hans – Gottes Werck und Willen

„Ein ander schön Lied hat Hans Hut zu Augspurg im Gefängnuß gemacht, darinnen er gestorben und darnach Ann 28. verbrendt. Geht im Thon wie man die siben wort singt, Oder JAcobs thon Oder Lieber vatter wie bist etc.“

O Almechtiger Herre Gott,
wie gar lieblich sind dein Gebott
Uber alles Gott so reyne!
du wirst geehrt alleyne
in deiner heilgen gmeyne.

Dein will der ist uns offenbar,
darinn leucht uns die warheit klar
In allen creaturen,
Gott hat uns ausserkohren,
darzu auch neugeboren.

Den Himmel und das Firmament
uns zeigen die werck seiner händt
Darzu sein grosse Ehre,
im landt und auff dem meere
thun wir erkennen lehre.

Die Wercke Gottes sind überal
auff hohem Berg und tieffem Thal
Darzu in ebnen Felden,
die Vögel in den Wälden
thun uns die Warheit melden.

Ein jedes werck thut preisen Gott,
wie ers so gut erschaffen hat;
Das thut der Mensch zerbrechen,
der Warheit widersprechen,
Gott wird es an im rechen.

Die Wercke Gotts sind wunderlich
in rechter ordnung ewiglich:
Der Mensch sol sie erfahren,
Gott wils im offenbaren,
er sol sie auch bewahren.

Drumb hat Gott seinen Sohn gesandt,
der uns die warheit macht bekandt
Und auch den weg zum leben:
so wir darnach thun streben,
sein Geist wil er uns geben.

Der zeygt uns an die Heilig Schrifft,
drinn Gott sein Testament gestifft
In seinem Sohn so reiche,
in aller welt zugleiche
niemand drumb von im weiche.

Den Todt er überwunden hat,
Ein rechter Mensch und wahrer Gott,
Mit krafft hat ers beweiset,
mit Warheit uns gespeiset,
darumb wirt er gepreiset.

Drumb sand er uns den heilgen geyst,
der aller blöden Tröster heyßt,
Ins Herz wil er uns schreiben,
daß wir in ihm beleiben,
all Sünd und laster meiden.

Der Heilig Geyst der ist das Pfandt,
der uns zum ERbtheyl ist gesandt,
Welchs Christus uns erworben,
als er am Creutz gestorben,
mit der Welt nit verdorben.

Dem Vatter sey nun lob und ehr,
der ewig bleibt und immermehr
Und ewig holt seinn Namen,
seinns Sohns wir uns nit schamen,
der helff uns ewig, Amen.

Ausbund

Cerfas, Mattheiß – Abschied vom Leben.

Cerfas, Mattheiß – Abschied vom Leben.

„Ein ander lied hat Mattheiß Cerfas im Gefengnuß gemacht, welcher zu Cöllen mit dem Schwert gericht Anm. 1555. Und geht im Thon, Ein feste burg ist.“

1. Mitt angst und not ruff ich dich an,
o Gott, thu mich geweren!
Wollest doch nun fest bey mir stohn
durch Christum unseren Herren,
Weil ich wird in die prob gestalt,
das reich leidt gewalt,
der weg, O Herr, ist schmal,
wer es einnehm soll,
mag wol beten und fasten.

2. Ach Gott, nun züchtig mich zu recht
mit vätterlichen schlägen!
Ich hab wie ein unnützer knecht
verlassen deine wegen
Und bin allso ohn dich gewest,
wie man das ließt:
wer darab thut, O Herr,
bleibt nit in deiner lehr,
keinn Gott wirt er nit haben.

3. Trew wirstu aber, Her, den sein,
dich sich von Hertzen bekehren,
Ergeben sich wie Kinder dein
und folgen deiner lehre,
All Creatur wirt werden loß,
steht vor dir bloß: hie bin ich, Her!
was ist dein bger?
die wirstu zu dir nehmen.

4. Hastu mir nit dein hand gerecht
gereycht und thun erlösen,
da ich noch war der sünden knecht
und lebt in allem bösen?
Das war mir so ein schere last,
ich hatt kein rast tag und nacht,
hat mir viel trauern bracht,
biß du mir, Herr, thetst helffen.

5. Ein grosse freud ich da entpfieng,
darumb ich dir noch danke.
Ich bitt dich, nun richt meine geng,
daß ich von dir nit wancke,
Daß ich, O Herr, zum Schlachtschaf dein
mög wirdig sein,
ein Opffer rein,
ein zeug der leiden dein,
und verharren biß ans ende!

6. Steh du, O Gott, nit fern von mir!
ein groß streit ist vorhanden:
Mach mich wirdig, zu sehn bey dir,
daß ich nit komm zu schanden!
Dann du, mein Gott, mein Felß und schloß,
mein zuverlöß,
es kost nun hell
leib oder Seel,
ach hilff, mein feind abschlagen!

7. Kreutz und leiden ist mir bereyt,
mach michs wirdig zu tragen,
Daß ich darumb von dir nit scheyd,
sie thun hart auff mich schlagen,
Es wirt geschossen manch tausent pfeil
nach meiner Seel,
manch Netz gestelt
so weit hinauß ins felt,
mit listen mich zu fangen!

8. Du aber bist, ein starcker Gott,
das hab ich wol vernommen,
Ein schirm und trost in aller not,
ein Schatten aller frommen,
Du machst mich also starck im streit,
daß ich auch nit
ger abzustohn
sondern hindurch zu gohn,
biß ich die statt einneme.

9 Ruff ich zu dir, so gistu mir
Weißheit und Mund zu sprechen,
Deß glaubens krafft dabey ich spür
mits Geistes Schwerdt zu feschten.
Den schilt des Glaubens muß man han
sol man bestohn,
an füssen sein
geschuhet seyn
mit dem Evangelio deß fridens.

10 Unser wapffen mögen nit fleischlich sein,
sonder kräfftig von geiste,
Mit gedult von Gott bekleydet sein,
zu streiten allermeiste
Gegen den Fürsten dieser welt,
der sich sawrr stelt
mit falschem schein
in den kindern sein
und mein mich zu erschleichen.

11 Wie muß ich dir, O Vatter mein,
so rein geleuter werden,
Ich muß nur seyn ein Wörmlein klein
ein Narr auff dieser Erden.
Der Versucher tritt umb mich her
mit starcker wehr,
die Füchslein klein
graben so tieff hinein,
dein weinberg zu verderben.

12 Wenn ichr anschlag nit will fortgohn
mit bitten noch mit drewen
Und wir ihr Glerten weisen von,
daß sie sich nit erfrewen,
Dan kommen sie mit Keyers gebott,
weisen zum todt,
so wir daran
kein schrecken han,
hond sie uns peingt sere.

13 Und Gott hat unsern mund verwahrt,
dafür wir im noch dancken;
Wiewohl die pein war also hart,
ließ er uns doch nit wanecken,
Er hat uns mit gedult bekleidt,
wirr waren bereit,
in todt zu gohn,
vor unser Brüder zu stohn,
wollten sie nit besagen.

14 O Gott, wir stohn in angst und pein
wie ein befrüchte frawe,
Mit schmerzen muß geboren sein,
das wirt uns nit gerawen:
So wir der arbeit mechtig seyn
durch die krafft dein
geberen sein,
so sol bald sein
all schmertz in freud verkehret.

15 Nachdem, O Gott Vatter und Herr,
du uns selbst hast verheissen,
Daß du die deinen nimmermehr
verlassen wolst als weysen,
Die hie so gar verlassen seind,
wie es ietzt scheint
vor den menschen kind,
daß wir so gar verlassen sind
vom weg der warheit ferre.

16 O Gott, wir dancken aber dir
auß grosser trew allgmeyne!
Wir haben keinen irthum für,
es ist die warheit reyne,
Es ist das recht war fundament,
das Petrus bekendt,
der war eckstein,
wissen auch anders kein,
dar durch wir sehlig werden!

17 Trew bistu, Herr, also muß dir
ein jeder trewlich dienen;
Er das nicht thut auß hertzen gut,
mag wohl klagen und weinen.
Vil nemens wort mit freuden an,
die nicht bestahn
wie man solt,
wen der Glaub klar gleich wie das golt
sol rein geleutert werden.

18 Trew Knecht, O Herr, ist mein beger,
wolst deinen Kindern geben,
Die ein rein hertz bereyten dir
in lehr und auch im leben,
Und nim alle gutdüncken hin
auf irem sin,
auff daß, O Herr,
dir wird die ehr,
niemand im selbst gefalle!

19 Ein recht verstand mit leiebe sein,
bit ich von dir ob allen,
Schreib in das Hertz der Kinder dein,
laß fir mein bitt gefallen;
Mit glaubens früchten allermeist
durch deinen geist
in friedens band
führ sie zuhandt
all, die dir, Herr, gefallen!

20 Ein recht verstand mit liebe sein,
bit ich von dir ob allen,
Schreib in das Hertz der Kinder dein,
laß dir mein bitt gefallen;
Mit glaubens früchten allermeist
durch deinen geist
in fridens band
führ sie zuhandt
all, die dir, Herr, gefallen!

20 Noch eins, O Herr, ist mein beger,
daß muß ich dir noch klagen:
Ich steh vor dir unwirdig sehr,
weiß doch nit anders zu sagen,
Dann: O lieber Herr und Vatter mein,
der wille dein
woll ich mir reyn
geschehen sein,
gantz bin ich dir ergeben!

21 Nit anders find ich nun bey mir,
deß danck ich dir von hertzen!
Dann was du wilt, das gscheh von dir,
es sey freud oder schmertzen.
Und wie vil ich hab volbracht,
wie ich dan acht,
viel fehlet mir:
ich steh vor dir,
genugsam straff zu nehmen!

22 Es will nun an ein scheyden gohn,
ich bfehl euch all dem Herren!
Alles beger ich zu verlohn,
zu meinem Gott mich kehren.
Mein Brüder, Mutter, weib und kindt,
die mir lieb seyn
im hertzen mein,
willig muß es verlassen seyn,
zu letzt mein eygen leben!

23 Muß es dan hie gescheyden sein,
so wolt doch unser dencken!
Wir trincken hie den sauren wein,
der unsern leib thut krencken,
Aber der Herr macht es gantz licht!
diß ist gedicht
im gsengnuß mein:
lobt Gott, er wirt noch sein
uns helffen biß ans ende!

AMEN.

Ausbund

Blaurock, Jörg – Schreien zu Gott und Fürbitte

Blaurock, Jörg – Schreien zu Gott und Fürbitte

Diß Lied hat Jörg Blaurock gemacht, zu Clausen im Etschland, mit einem, Hans von der Reve genandt, verbrant AD 1528. Im Thon, wie man die Tagreiß singt.

Herr Gott, dich will ich loben
von jetzt biß an mein endt,
Daß du mir gabst den glauben
durch den ich dich erkendt,
Dein heilges wort sendst du zu mir,
welchs ich auß lauter gnaden
bey mir befind und spür.

Von dir hab ichs genommen,
wie du, O Herr, wol weyst,
Nicht leer wirts widerkommen,
hoff ich, und sterck meinen geist,
Daß ich erkenn den willen dein,
deß thu ich mich erfreuen
in meines hertzen schrein.

Gar sehr thets mich erschrecken,
da ichs befand in mir,
Ein bürd wolt mich erstecken:
werstu nicht kommen schier
Mit deinem wort, der gnaden schein,
het ich müssen erligen
und leiden ewig pein.

Hierauff so wil ich loben
und preisen ewiglich
Dein Namen hoch dort oben,
daß du erzeygest dich
Allzeit, wie sichs ein Vatter zimt,
wolst mich doch nicht verstossen,
wehl mich zu deinem kindt.

Zu dir, Herr, thu ich schreien,
hilff, Gott und Vatter mein,
Daß ich auß lieb und treuen
ein kindt und Erb sey dein!
O Herr, sterck mir den glauben sehr,
sonst gieng der bau zu drümmern,
wo dein hülff nicht da wer.

Vergiß mein nicht, O Herre,
wolst allzeit bei mir seyn!
Dein geist mich schütz und lehre,
daß ich im leiden mein
Getröstet werd zu aller zeit
und ritterlich erober
den sieg in disem streit!

Der feind hat auff mich gschlagen
im feld, darinn ich lig,
Wolt mich darauß verjagen,
Herr, du gabst mir den sieg!
Mit scharffer wehr er auff mich trang,
daß all mein leib thet zittern
vor falscher lehr und zwang.

Deß liest dich, Herr, erbarmen,
durch dein gnad, hilff und krafft
Halffst deinem Sohn, mir armen,
und maches mich sieghafft.
O Herr, wie bald du mich erhörtst,
kamst starck mit deiner hilffe,
den Feinden selber wehrst.

Darumb so wil ich singen
zu lob dem Namen dein,
Und ewiglich verkünden
die gnad, die mir erschein.
Nun bitt ich dich vor all dein kindt,
wolst uns ewig bewahren
vor allen Feinden gschwindt.

Auff fleisch kan ich nicht bauen,
es ist zu schwacher art:
In dein wort wil ich trauen,
das sey mein trost und hort,
Darauff ich mich verlassen thu,
wirt mir auß allen nöten
helffen zu deiner rhu.

Die stund deß letzten tagen,
so wir nun müssen dran,
Wolst uns, Herr, helffen tragen
das Creutz wol auff dem plan,
Mit aller gnad dich zu uns wend,
daß wir mögen befehlen
den geist in deine händ.

Hertzlich thu ich dich bitten
vor alle unsere feind,
Wolst in, O Herr, mit sitten,
wie vil doch deren seind,
Nit rechnen ihre missethat!
das gescheh nach deinem willen,
deß bitt ich dich, O Gott.

Allso wil ich mich scheyden
sampt den gefehrden mein,
In gnad woll uns Gott leyten
wol in das reiche sein,
Das wir im glauben ohn zweifel seind,
sein heilges werck volenden,
der geb uns krafft ins endt.

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