Durchsuchen nach
Schlagwort: Märtyrer

Joseph Schaitberger – Salzburgerlied

Joseph Schaitberger – Salzburgerlied

Ich bin ein armer Exulant
Also muß ich mich schreiben,
Man thut mich aus dem Vaterland
Um Gottes Wort vertreiben.

Doch weiß ich wohl, Herr Jesu mein,
Es ist dir auch so gangen,
Jetzt soll ich dein Nachfolger sein,
Mach’s, Herr, nach dein’m Verlangen.

Ein Pilgrim bin ich auch nunmehr,
Muß reisen fremde Straßen:
Drum bitt‘ ich dich, mein Gott und Herr!
Du wollst mich nicht verlassen.

Ach steh mir bei, du starker Gott!
Dir hab‘ ich mich ergeben;
Verlaß mich nicht in meiner Noth
Wenn’s kosten soll mein Leben.

Den Glauben hab‘ ich frei bekannt,
Deß darf ich mich nicht schämen;
Ob man mich einen Ketzer nannt,
Und thut mir’s Leben nehmen.

Ketten und Band war mir ein‘ Ehr,
Um Jesu willen zu dulden:
Denn dieses macht die Glaubenslehr‘
Und nicht mein bös Verschulden.

Ob mir der Satan und die Welt
All mein Vermögen rauben,
Wenn ich nur diesen Schatz behält:
Gott und den rechten Glauben.

Herr, wie Du willst, ich geb mich d’ren,
Bei dir will ich verbleiben,
Ich will mich gern dem Willen dein
Geduldig unterschreiben.

Muß ich gleich in das Elend dort,
So will ich mich nicht wehren,
Ich hoffe doch, Gott wird mir dort
Auch gute Freund‘ bescheeren.

Nun will ich fort in Gottews Nam‘,
Alles ist mir genommen,
Doch weiß ich schon die Himmelskron‘
Werd‘ ich einmal bekommen.

So geh‘ ich heut‘ von meinem Haus,
Die Kinder muß ich lassen,
Mein Gott, das treibt mir Thränen aus
Zu wandern fremde Straßen.

Ach führ‘ mich Gott, in eine Stadt,
Wo ich dein Wort kann haben,
Damit will ich mich früh und spat
In meinem Herzen laben.

Soll ich in diesem Jammerthal
Nach lang‘ in Armuth leben,
Gott wird mir dort im Himmelssaal
Ein‘ bessere Wohnung geben.

Wer dieses Liedlein hat gemacht,
Der wird hier nicht genennet,
Des Papstes Lehr‘ hat er veracht‘
Und Christum frei bekennet.

Galerie der Reformatoren der christlichen Kirche, ihrer Freunde, Beschützer und Gegner; von Luther bis auf unsre Zeit von Aurel Reinhard Eduin Bauer Zweiter Band. Meißen, Druck und Verlag von C.E. Klinkicht und Sohn. 1843

Wilhelm von Keysel – Köln am Rhein

Wilhelm von Keysel – Köln am Rhein

„Ein ander Marterlied von Jörg Ladenmacher und Wilhelm von Keysel. Im Thon, Ich such den Herren von Falckenstein, Oder, Es gieng ein Fräulein mit dem krug.“

Zu singen wil ich heben an
deß Herren wunderthaten,
Der Herr geb, daß es jederman
zum besten mög gerathen.

2. Herr, thu mir auff die Lefftzen mein,
daß mein mund mög verkünden
Das lob und preiß in deiner gmein
jetzt und zu allen stunden.

3. Nun merckt: Zu Cöllen an dem Rein
thet man mich kürtzlich greiffen
Wol umb die rechte Warheit rein,
davon wolt ich nicht weichen.

4. Als man schrieb zwey und sechtzig jar,
ward ich allso gefangen,
Ist manchem kundt‘ und offenbar,
bin willig mit gegangen.

5. Sie führten mich auff einen Thorn,
thet doch nit lang drauff bleiben,
Da merckt ich erst deß Drachen zorn,
den er thet mit mir treiben.

6. Man thet mich bald am hellen tag
ins Grafen Keller führen,
Da auch noch ein gefangner lag,
mein Bruder in dem Herren.

7. Da ward manch netz und strick gelagt,
zu fangen unser leben:
Dem Herren sey der preiß gesagt,
er hat sie lassen fehlen.

8. Vom Kindertauff war ihr geschrey,
den solten wir recht preisen,
Ohn Gottes wort mit Sopghisterey
wolten sie jn beweisen.

9. Eins mals theten sie schmeylen thun,
eins mals gar schärplich drewen
Mit pein und todt: aber davon
theten wir uns erfrewen.

10. Sie sungen süß, sie sungen sawr,
es mogt uns nicht bewegen,
Dann unser Hertz stund wie ein mawr,
der Herr thet unser pflegen.

11. Der Graff verhieß auch Jörgen gelt,
sein magd zu einem weibe,
So fern er nur abweichen wölt:
bey der warheit wolt er bleiben.

12. Er sprach: Dein magd, dein gut und gelt
mag mich zu Gott nit bringen,
Ein bessers hab ich mir erwelt,
darnach hoff ich zu ringen!

13. Es war ein kluger geist an mir,
wolt mich in England führen,
Der hett mich auch gestürtzet schier,
Gott aber thet es wehren.

14. Als nun hertrang die letzte zeit,
darnach uns thet verlangen,
Daß wir zum Opffer würden breit,
dem Herren wir lob sangen.

15. Da theten sie uns beyd herauß
vons Grafen Keller führen
Zu einem Saal in seinem hauß
deß nachts zu einer uhren.

16. Da trieb man mit uns manche red,
man thet uns satzen eben:
Jörgen darzu stillschweigen thet,
kein antwort thet ich geben.

17. Das wehrt die halbe nacht durchauß,
biß es anfieng zu tagen,
Da thet man auß des Grafen hauß
zum Rein still mit uns jagen.

18. Da man nun also mit uns lief
heimlich zum Rein so schnelle,
Allda Jörgen zum Grafen rieff
mit lauter stim so helle:

19. Herr Graf, wo ist ewre zusag,
die ihr uns habt gegeben,
Da ihr sagt, daß ihr uns bey tag
wolt bringen von dem leben?

20. Niemand kehrt sich an solche wort,
man thet mit uns fortbringen,
Biß daß man uns bracht an den ort,
da man uns wolt umbringen.

21. Hie sind auch fein erfüllt die wort,
die David spricht, merck eben:
Unschuldig leut heimlich ermort,
der Herr wols jnn vergeben.

22. Ja, Herr, ich bitt von hertzen grund,
thus jnn zur sünd nit rechen,
Die doch nit wissen, was sie thund,
drumb thus an jnn nit rechen.

23. Sie meynen dir zu dienen dran
und dich damit zu ehren:
Herr, gib dus jnn recht zu verstahn,
daß sie sich zu dir kehren!

24. Da man uns nun auffs wasser bracht,
hab ich mich außgezogen,
Mein händ auffs gfüß glegt und gedacht,
ich wolt bald kommen oben.

25. Da dacht ich nun selber bey mir,
ich solt recht Priester werden
Und bringen das recht opffer dir
und kommen von der Erden.

26. Diß ward mir aber abgeschlagn,
mocht mir nicht widerfahren,
Mann hieß mich ziegn die Kleyder an
und hieß mich länger harren.

27. Allda thet Jörgen vorhin gan,
daß er opffert sein leben;
Deß fridens kuß bot er mir an,
den hab ich jm auch geben.

28. Drauff legt er seinen Hut gleich ab
und ist also gestorben;
Der Rein ward seinem fleisch ein grab,
die Kron hat er erworben.

29. Da sprach der Hencker zu mir schnell:
thu dein kleyder anlegen!
Zum landt ich dich nun führen wil
und dir den Kopf absegen.

30. Da war ich willig und bereyt,
der preyß der sey deß Herren!
Ich sprach: Was Gott zulest alzeit,
mögt ir mit mir verkehren.

31. Als wir nun kamen an das landt,
hond sie mich frey gelassen,
Der Hencker sprach zu mir zuhandt:
geh nun hin deine strassen!

32. Ach lieber Gott und Vatter mein,
wie sol ich dir doch dancken,
Daß du mich hast erhalten sein,
auff daß ich nit thet wancken!

33. Also ward nur ein Schäflein gschlacht,
das ander länger beydet,
Biß das es feister würd gemacht,
mit Gottes wort geweydet.

34. Also hand wir mit Lewen wilt
und mit Wölffen gerungen,
Der Herr war unser schutz und schild,
darumb ist uns gelungen.

35. Drumb, liebe Brüder und Schwester mein,
thut euch mit fleiß bereyten,
Damit ihr auch geschickt mögt seyn,
mit solchem feind zu streiten!

36. Bittet auch Gott vor mich mit fleiß,
daß er mich woll erhalten,
Biß an das end zu seinem preiß
von jm bleib ungespalten.

37. Nun börgen sie fast gern die that,
thuns mit lügen außstreichen,
Sie sprechen, in der letzten not
hab Jörgen wollen weichen.

38. Sie sagen auch, daß ich am endt
die warheit hab auffgeben,
Hab mich von Gottes wort gewendt,
drumb sey ich noch im leben.

39. Die laß man immer liegen hin,
sie habens keinen frommen!
Laßt uns dem Herren dancken drinn,
sein wort ist zu uns kommen.

40. Die Phariseer, das ist war,
wollten mit lügen demmen
Die aufferstendtnuß Christi klar,
deß mußten sie sich schemen.

41. O Cöllen, Cöllen an dem Rein!
wann wiltu eins satt werden
Des bluts der Heilgen Gottes fein,
die du tödest auff erden?

42. Ihr thut noch zieren immerdar
die Gräber der Propheten,
Die gräber auch der Grechten klar,
wie ewre Eltern theten.

43. Ihr sprecht: Hetten wir do gelebt,
da man sie thet ermorden,
Wir wolten haben widerstrebt,
ihrs bluts nit theilhafft worden.

44. Damit gebt ihr je zeugnuß klar,
daß jr seid Mörder kinder,
Darumb brewt Christus weh, weh gar,
wo jr nit laßt von Sünden.

45. Drumb laß von deinem wüten ab
und thu dein Sund bekennen,
Sonst wirt die Hell werden dein grab,
ewig fewr wirt dich brennen!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Unbekannt – Kürzlich hab ich mich bsunnen

Unbekannt – Kürzlich hab ich mich bsunnen

„Ein schön geistlich lied zuo Gminden gemacht in großer triebsal.“

Im ton: Ich stuond an einem morgen.

1 Kürzlich hab ich mich bsunnen
in meines herzens grund,
daß ich mit meinem munde
mein briedern mache kund,
wie alle welt ietz toben tuot
wider die gottes knechte;
man raubt inen leib und guot!

2 Got tet auß gnaden sechen
auf aller menschen kind;
groß lob wir im verjechen:
wir waren alle blind,
sein heiligs wort er zu uns sandt;
dem solen wir auch glauben,
ablegen allen tant.

3 Das wort teten bekenen
vil leit in deutschem land,
liesen sich christen nenen,
vermainten, ir sind und schand
sol inen unverwisen sein,
es wär gnug an den worten;
sie fierten ein guten schein.

4 Darnach tet es sich siegen,
da es Gott daucht rechte zeit,
sein wort kan nit betriegen,
wie Esaias schreibt,
es tut sein werk vollenden schon,
nit lär es wider keret,
es fiert auf rechte ban,

5 last nit zu schanden werden,
die herzlich trauen drauf,
die man auf diser erden
schmechet mit dem widertauf,
als ob sie wären gefallen ab,
von Gott abtrinig worden,
bekert zum Belial.

6 Die doch von herzen begeren,
was Gott geboten hat,
und mit der tat bewären,
o vil Gott sein gnad zu lat,
mießen ietz wiedertaufer sein!
O Gott, tu uns erretten,
die sach ist ainig dein!

7 Willig tun sie verzeichen
von herzen iederman,
den armen sie gern leichen
und hoffen nicht darvon;
füer ire feind sie bitten tun,
das hab ich wol gesechen,
in ires todes stund.

8 Kürzlich ist es geschechen,
daß man sie bewäret hat,
iren glauben hat man gsechen
zuo Gmindt wol in der stat;
ob wol der feind sucht manchen list,
daß er sie möcht ab fueren,
im nit gelungen ist.

9 Einen knaben teten sie fachen,
der was umb sechzechen jar,
mit im den turen machten,
ist kund und offenbar,
daß er darinen gelegen ist
ganz hörtiglich gefangen
gar nachent ein jares frist.

10 Noch blib er unbeweget,
als oft man zuo im kam.
Zuo im wurden geleget
noch andere sechs christen man,
gefangen umb ir leben frei;
den herren teten sie loben –
der ist in gstanden bei.

11 Als es nun zeit ist gwesen,
auß diser welt zuo gan,
hat man inen vorglesen,
ob sie darvon wolten stan;
so sollten sie unbekumert sein,
zuo iren weib und kinden
widerumb keren haim.

12 Frölich teten sie jechen
zuo iren feinden gschwind:
„Wir haben Gott ergeben,
weib und auch unser kind;
der selbig sie wol erneren kan,
des haben wir kein zweifel,
wir wollen willig dran.“

13 Es kam auch her geritten
zuom knaben in den ring
ein edler, tet in bitten
und sprach: „Mein liebes kind,
ste du von disem irtumb ab,
ein pfriend wil ich dir geben
und dich allweg bei mir han.“

14 „Solt ich mein leben lieben,
und Gott darumb verlan,
auß disem creuz mich schieben?
es stuond mir übel an.
Dein guot uns beiten nit helfen mag;
ich wil eins bößern warten,“
sprach der jung unverzagt.

15 „In meines vaters reiche,
der mich erwelet hat,
werden all ding wol gleiche,
darumb so laß darvon!
der mich all zeit erhalten hat;
dem wil ich ghorsam laisten
ietz in der letzsten not.

16 „Zuo dem wir sollen schreien
auß unsers herzens grund,
daß er uns gnad verleiche,
wan es nun darzuo kumbt,
ja wan wir solten schaiden ab,
daß wir von im nit weichen,
erlangen die ewig kron.“

17 In dem wart angefangen
von trumen ein groß getön.
mit spießen und mit stangen
war es ein großes hör;
dem vater aufgeopfert ward
das bluot seiner gerechten,
wie ers verortnet hat.

18 Das alles ist ergangen,
das sag ich euch fir war,
da man hat angefangen
zelen ain und dreißig jar
und auch finfzechen hundert damit,
nach gepurt Christi des herren,
der halt uns in seinem frid!

Wagner, Georg – Hilf uns, herzliebster Vater

Wagner, Georg – Hilf uns, herzliebster Vater

Den Vater woll’n wir loben,
der uns erlöset hat
im Himmel hoch dort droben
durch seines Sohnes Tod.
Welchen er hat gegeben
zu versöhnen unsre Sünd‘,
daß wir im Glauben leben
als sein gehorsam Kind.

Im Sohn hat er uns g’lassen
ein Vorbild, merket wie,
daß wir auch solcher maßen
geduldig leiden sie.
Ihm die Schmach helfen tragen,
wie uns die Schrift beweist,
zu’n Hebräern tut sagen
durch den Heiligen Geist.

Er red’t mit sanften Worten,
demütig und gesund,
daß wir an allen Orten
ihn bekennen mit dem Mund.
So sind wir rechte Erben
des Sohn’s vom Himmelreich,
so wir mit Christo sterben
und sein’m Tod werden gleich.

Wer Gottes Wort recht fasset
und in dem Herzen glaubt,
all Sünd und Bosheit hasset,
der ist dem Raub erlaubt;
die Wahrheit muß g’fangen liegen,
dazu werden verjagt.
Jesajas hat’s geschrieben,
Gott hat mir’s selbst gesagt.

So wir um Christi willen
Allhier gefangen sein,
den G’horsam tun erfüllen
als seinee Kinder fein;
Er spricht: Acht‘ nicht geringe,
mein Kind, des Vaters Zucht,
und bleib in dem Gedinge,
als ich dich heimgesucht.

Ganz lieblich sind die Worte,
die Christus reden tut.
Schaut, daß ihr’s wohl bewahret,
sie stärken uns den Mut.
Ueb’r uns so freundlich wachet,
steht uns in Trübsal bei,
drum sehet, daß ihr wachet
und niemand schläfrig sei.

Das Kleinod ist gestecket,
seht, wie ihr’s bekommen mögt!
Lebet hier unbeflecket
und werdet nicht bewegt,
sondern tut richtig laufen,
daß ihr’s erlangen könnt,
daß wir es nicht verschlafen,
seid wacker, liebe Freund‘!

Hilf uns, herzliebster Vater,
der du uns hast erwählt,
in aller Pein und Marter!
Die Welt uns g’fangen hält.
Gib, daß wir mögen siegen
wohl durch des Lämmleins Blut,
daß wir nicht unterliegen,
halt uns, o Herr, in Hut.

So wird er uns erheben
in der herrlichen Freud,
die er aufdecket eben
wohl zu der letzten Zeit.
Wenn er ganz wundersame
seine Heil’gen sammeln wird,
dann werden wir zum Lamme
in unsre Heimat g’führt.

Von Herzen tu ich grüßen,
all die in Gott bestehn.
Laßt jedermann genießen,
die Christum lieben tun.
Gott, der uns hat gegeben,
das Pfand, den Heil’gen Geist,
nach seinem Will’n zu leben,
der sei ewig gepreist.

Wer mit mir will zum Herren,
der mag kommen hernach,
es ist ja mein Begehren,
drum trag ich die Schmach.
Wiewohl ich nicht drum hoffe,
ihr‘ Herrlichkeit ist’s nicht wert
Christus ist vorgelaufen,
der hat’s uns all’s gelehrt.



Milton, John – Räch‘, Herr, der Heil’gen Mord! ach, ihr Gebein,

Milton, John – Räch‘, Herr, der Heil’gen Mord! ach, ihr Gebein,

Miltons Waldenserlied auf das Jahr 1655

Räch‘, Herr, der Heil’gen Mord! ach, ihr Gebein,
Auf kalten Alpenfelsen liegt’s erstarrt.
Den alten Glauben hat dies Volk bewahrt,
Als unsre Väter beteten vor Holz und Stein.

Vergiß sie nicht, gedenke ihrer Plag‘! –
Ach, in der Hürd‘, von alters her bewohnt,
Erwürgte Deine Schaf‘ das Heer von Piemont,
Daß Mutter bei dem Kind zerschmettert lag.

Von Berg und Tal zu Dir der Jammer fleht!
Sä‘ auf Italia der Opfer Blut,
Wo dreifach Tyrannei noch fest besteht;

Daß komme ein Geschlecht, so groß als gut,
Ein Volk, das Deine Wege willig geht,
Das zeitig flieht vor Babels Weh und Wut.

Zutphen, Heinrich von – Hilf Gott, daß mir gelinge

Zutphen, Heinrich von – Hilf Gott, daß mir gelinge

1. Hilf Gott daß mir gelinge,
du edler Schöpfer mein,
die Silben reimen zwingen
zu Lob den Ehren dein,
daß ich mag fröhlich heben an
von deinem Wort zu singen.
HErr du wollst mir beistahn.

2. Ewig dein Wort thut bleiben
wie Esaias meldt.
In seinem Buch thut schreiben,
eh würd vergehn die Welt,
und was Gott selber je beschuf,
sollt es alles verderben,
er thät kein Widerruf.

3. Jesus das Wort des Vaters
ist kommen in die Welt
mit großen Wunderthaten.
Verkauft um schnödes Geld
durch Judas seiner Jünger ein,
ward er in Tod gegeben,
Jesus das Lämmelein.

4. Nachdem sie hatten geßen,
vernehmd, das Osterlamm,
da thät er nicht vergeßen,
das Brot in sein Hand nahm,
sprach: Eßt, das ist mein Leichnam lind,
der für euch wird gegeben
zu V’rgebung euer Sünd.

5. Reicht ihn auch dar zu trinken
im Wein sein Blut so roth.
Sein Tod sollt ihr verkünden,
Paulus beschrieben hat.
Wer würdig ißt von diesem Brot
und trinket von dem Kelche,
wird nicht sehen den Tod.

6. Jesus wusch ihn ihr Füße
wol zu der selben Stund,
lehrt sie mit Worten süße
aus seinem göttlich’n Mund:
Liebet einander allezeit,
dabei wird man erkennen,
daß ihr mein Jünger seid.

7. Christus der HErr im Garten
da er gebetet hat,
der Jüden thät er warten.
Von ihn gebunden hart
sie führten ihn zum Richter dar,
gegeißelt und gekrönet,
zum Tod verurtheilt ward.

8. Hoch an ein Kreuz gehangen
der hochgeborne Fürst,
nach uns thät ihn verlangen.
Darum sprach er: Mich dürst,
vernim, nach unser Seligkeit,
darum ein Mensch geboren
von einer reinen Magd.

9. Mit seinem Haupt geneiget
er seinen Geist aufgab,
als uns Johannes zeiget.
Er ward genommen ab
vom Kreuz, ins Grab ward er gelegt,
am dritten Tag erstanden,
wie er vor hatt gesagt.

10. Und in den selben Tagen
Jesus sein Jünger lehrt,
allein sein Wort zu tragen,
predgen in aller Welt.
Wer gläuben thut und wird getauft,
der hat das ewig Leben,
ist ihm durch Christ erkauft.

11. Lucas thut gar schön schreiben
von seiner Himmelfahrt.
Doch allweg bei uns bleiben,
wie er versprochen hat,
vernim durch sein göttliches Wort.
Wider das kann nicht siegen
kein G’walt der Höllenpfort.

12. Ein Tröster thät er senden,
das war der Heilig Geist.
Von Gott thät er sie leuden
in Wahrheit allermeist.
Denselben wolln wir rufen an,
der wird uns nicht verlaßen
und uns treulich beistahn.

13. Recht laßt uns alle bitten
Christum für Oberkeit,
ob wir schon von ihn litten
Gewalt, auch für all Feind,
daß ihn Gott woll genädig sein.
Hat Heinrich Müller g’sungen
in dem Gefängnis sein.

Die Urheberschaft dieses Liedes ist umstritten – wenn ich es weiterhin Heinrich von Zutphen zuschreibe, dann weil ich hier – wie auch in anderen Fällen – der Tradition folge.

Gruß & Segen,

Andreas

Maler, Martin – Auß herzlichen muot und eufer

Maler, Martin – Auß herzlichen muot und eufer

„Ein tröstlich lied von unsern lieben und getreuen bruoder Martin Maler, welcher selb sübender zuo Gminden im Schwabenland umb der göttlichen warheit wilen mit dem schwert hingericht worden im 1531 jar.“

„Im ton: Ich stuond an einem morgen etc.“

1
Auß herzlichen muot und eufer
kan ich nit underlon,
– die liebe tuot mich treiben –
daß ich fang singen an,
Gottes wundertat zuo bringen her,
zuo einem neuen muote,
zuo pflanzen Gottes er,

2
nachdem nun Gott der herre
sein macht bewisen hat,
in nahent und in fere
offenbart sein getlichen rat
durch frome zeugen Jesu Christ
umb der menschen hail wegen,
wie oft geschehen ist

3
von anfang dieser welte,
von alen zeiten her,
allen menschen firgstelet
sein große macht und ler,
den weg zuor ewigen säligkeit,
ire selen vom verderben
bringen zuor ewigen freid;

4
wirt aber nit angenomen,
wie guot es maint der herr;
niemand wil zuor hochzeit komen,
verachten rat und ler;
seine boten sie erwirgen ton,
durch feuer, waßer und schwerte
gibt in die welt den lon.

5
Wie solches auch geschehen,
als man gezelet hat
ain tausent und fünf hundert
ain und dreißig, ich sag,
daß man hat gfangen gnumen
süben rechte steife helten
umb göttlich warhait schon.

6
Ein getreuer lerer grechte,
diener des worts Gottes schon,
bezeugt die warhait rechte,
Martin Maller mit nam,
tet man in gfenknus legen balt
sambt seinen lieben bruedern
ganz tieranischer gstalt.

7
Vil tet man in handieren
mit betrug und argen list,
ob sie ’s mechten verfieren,
wie Eva gschehen ist
mit der vergüften, falschen schlang;
mit vil lesterung und lugen
treibens vast ein jar lang.

8
Aber die christlichen helten
waren steif und herzhaft,
in Gott gar wol gesterket;
der gab in geistes kraft,
auch mund und weisheit also frei,
daß ir glaub sei zuom leben
und die rechte warheit sei.

9
Dargegen ir glaub und leben
gottlos und heidnisch ist,
der warheit ganz entgegen,
beweist die ler Jesu Christ;
sollen nur selbis bei zeit absten
von iren gottlosen leben,
wolten sie in geraten han.

10
Aber die gottlos rotte
hielten streng und häftig an:
solen absten on spote,
iren glauben verlaugnen ton;
demnoch sollen züehen hin
zuo irem weib und kinde,
wolten sie laßen gan.

11
„Das wel Gott nimermere!“
antworten sie wol getröst,
„wolen lieber erlich sterben,
ist uns das allerbest;
bevelhen unser weib und kind
unserm lieben Gott und herren,
dem sie vertrauet sind.“

12
Als sie nun bständig waren
in iren steifen muot,
auf iren glauben zuo beharren,
setzten dran leib und bluot,
waren die gottlosen balt bedacht,
durch das schwert hinzuorichten,
hat man das urtl brach.

13
Dan hieltens nit lange stille,
stelten es ins werk gar bald,
nach Satans rat und wilen
fuoren sie fort dergstalt,
namens von der gefenknus herauß
und fierten sie von dannen
biß zuo iren rathaus,

14
da vil volk versamlet waren,
zuo sehen, was werden wolt;
da hat die gottlos schare
ir urtl verlesen balt
mit falschen, verkerten worten vil,
die brueder teten heren,
schwigen darzuo nit still.

15
Ser manlich antwort gaben,
ganz unerschrockner gstalt,
daß falsch wer ir anklagen,
es sei ein lauter gwalt:
„Ir miest vor Gottes angesicht
darumben antwort geben
wol an dem jüngsten gricht!“

16
Weil aber die unschuld zware
gilt bei den wolfen nicht,
ir tichten und trachten gare
ist nur zuom wirgen gricht,
dahin stet all ir sünn und muot,
die warhait außzuoreiten,
zuo vergießen unschuldigs bluot.

17
Also ist’s auch ergangen,
fierten die brueder balt
mit schwerter, spieß und stangen
all süben mit gwalt
hinauß zuor richtstatt zuo dem tod,
vil volks zuogegen waren
in irer letsten not.

18
Der diener dazuomale
red zuo sein bruedern schon
und tet sie Got bevelen
in seinem himelstron,
und baten Gott von herzengrund,
daß er in wel beistane
in irer letsten stund.

19
Der diener red noch mere
im außfieren zuomal;
ein bruckelen war nit fere,
darüber sie giengen all,
sprach er gar laut vor meniglich:
„Das tuo ich euch allen sagen,
wil euchs vorhalden nit:

20
„Ir fiert uns über d’brucken
zuom tod umb unschuld wil;
welt euer sünd nit schmucken!
wirt euch nit helfen vil;
ir werd kein fromen nimermer
fieren über diese brucken,
sag ich so frei daher.“

21
Das gschah auch balt, un lange,
daß es geschehen ist:
ein schrecklichs weter kame,
wind, waßer zuo diser frist;
das rüß die brucken auß dem grund
und tet gar nichts dran bleiben,
daß man etwas mer fund.

22
Auf die richtstatt ist man komen,
do stuond das volk herumb
und machten ein umrüngen;
das sahen die brueder fromb;
der jüngst auß inen, ein milnerknab
bei sechzehen jaren alte,
der fieng nun an und sprach

23
mit lauter stim on zagen
zuom volk und meiniglich:
„Secht, stehet von sünden abe,
ein ieder bekere sich
zuo dem glauben in Jesum Christ!
er ist allein der wege,
den er selber vorgangen ist.“

24
Ein edler herr, wie ich sage,
rit in den ring hinein,
wol zuo dem milnerknabe,
sprach: „Lieber sone mein,
ich bit dich, volge mir dißmal,
ste ab von deinem glauben;
ich wil dich versorgen wol.

25
„Ein pfriend wil ich dir geben,
solt al zeit bei mir sein,
erhalt dein junges leben,
widerruef den irtumb dein!
so soltu haben guote tag
alle zeit deines lebens;
bedenk eben, was ich sag.“

26
Der knab antwortet mere
und redt gar inüglich:
„Das wolt Gott nimermere!
er tuo behieten mich,
ein solche torheit zuo begen,
das zeitlich guot zuo lieben
und vom glauben absten.

27
„Meinen Gott zuo verlaßen,
das stuend mir übel an,
mich zeitlichs guot anmaßen,
das mir nit helfen mag,
das sei von mir gar weit und fer!
eines beßern tuo ich warten,
das verhaist mir Gott der herr.

28
„Darumb will ich lieber sterben,
steif bleiben biß ans end;
das wirt mir gnad erwerben
bei Gott und seinen kind,
damit das leiden Jesu Christ
an mir auch werd erfunden,
der fier mich gstorben ist.“

29
Der knab war jung an jaren,
aber im glauben alt;
das sein recht graue hare,
macht dem fromen schene gstalt,
ein kron der ewigen säligkeit,
wen grau ist der verstande,
gegründt in der warhait.

30
Also haben sie alle süben
die warhait steif bekent
und aufrecht bständig bliben,
namen ein säligs end;
durch das schwert hingerichtet sein,
enthauptet, wie ich sage,
als schäflein Gottes rain.

31
Ir bluot habens vergoßen
mit unserm herren Jesum Christ
und ir leben gelaßen,
wie er uns vorgangen ist,
und haben erlangt der marterer cron,
die er i wird aufsezen
in seinem reich so schon.

32
Noch mer wirt hie erzelet,
was sich begeben hat,
wie Gott wunder firgstellet
zuo Gminden bei der stat,
da die brueder gerichtet warn,
meinten, es wer am orte
und sei nun also gar:

33
Do keret das volk umbe
und gieng iederman haim
und kam daher der abent
und auch schon spat tet sein,
da zoch ein wandersman die straß,
wist nit, was da gschehen ware
und was firgangen was.

34
Als er nun dahin kame
von der richtstat nit weit,
heret er so ser schön singen,
loset mit großer freid,
als er ei engl von himmelstron
mi ganz lieblicher stime
holtselig zuo heren an.

35
Stuond also gleich da stille,
sinnet dem wunder nach
und was da werden wolle,
auch was da sei die sach;
ab es gewiß und warhaftig wer,
das tat er recht erkennen
und hat kein zweifel mer.

36
Tet auch mit augen sehen
süben helle liechtlein klar;
des wundert er sich sere,
wist nit, was geschehen war;
ward im ser lieblich zuo der stund,
ward im tröstlich von herzen,
sagt er auß seinem mund.

37
Das kund er nit verschweigen,
was er gehert und gsehen hat,
verkundigt es den leiten
wol in derselben stat.
Das ward lautprecht zuor selben stund,
es kam auch fir den rate,
die forscheten auch den grund.

38
Weil es nun verdächtig ware,
ganz einer mordat gleich,
war inen ein schlechte ere,
kundens vernemen leicht,
beruefen balt den wandersman,
teten mit im handieren,
daß er solt schweigen ton.

39
Also tuot der gottlos haufen;
wo ein liecht wolt aufgan,
tuon balt zuosamen laufen,
solches zuo verhündern schon,
gleich wie die auferstehung Jesu Christ,
die pfaffen also eilten,
stileten zuor selben frist.

40
Nun aber Gott der herre
wirt es machen offenbar,
man wirt ims nit erweren,
wirt komen ans liecht so klar,
wie sie verstockt gewesen sind
in irer großen boshaite,
wie sie waren so blind.

41
Wie es zuom tail schon gschehen,
wie angezeiget ist,
hat sich noch mer begeben,
das merk ein ieder christ:
die selbigen urtlsprecher all
ein schwäres end genomen,
wie man solches weiß gar wol.

42
Vorlengest und iezunder
erzaigt sich Gott der herr
mit zeichen und mit wunder
von anfang der welt biß her
mit großer kraft und wundertat –
hilft aber ales nichte
biß an den heutigen tag!

43
Christus troet gar schwere,
die seine boten verachtet han
und sie nit wolten heren,
denen wirt es gar übl gan,
erger als Sodoma, Gomora gleich,
die mießen geworfen werden,
gar in den feurigen tei.

44
Das hab ich welen berichten
die lieben brueder mein
und schwestern auch desgleichen,
welche noch eufrig sein,
daß sie nit ablaßen in iren muot
sonder steif und standhaft bleiben,
biß sie erlangen das ewige guot.

45
Ir alerliebsten meine,
merkent zuo tausentmal,
was das fir helten seine,
die solche prob zuomal
ja als das guote, reine golt
in der hechsten not beweret,
es kost nun, was es wolt.

46
Sein sieben guldene leichter
und süben klare stern;
die süben guldenen amplen
leichten im haus des herren
und auch am jenen tag zuogleich
werden ire angesicht leichten
wie die sonne ins vattern reich.

47
Wir büten Gott den herren
umb sein hilf und beistand,
daß er uns gnad vermere
und hilft uns allen samen,
daß wir auch manlich streiten gleich
durch Jesum Christum. Amen.
D helf uns in sein reich!

Luther, Martin – Ein neues Lied

Luther, Martin – Ein neues Lied

Ein neu Lied von den zweyen Marterern Christi, zu Brüssel von den Sophisten zu Löwen verbrannt.

1. Ein neues Lied wir heben an,
Des wallt Gott, unser Herre,
Zu singen, was Gott hat getan
Zu seinem Lob und Ehre.
Zu Brüssel in dem Niederland
Wohl durch zween junge Knaben
Hat er sein Wundermacht bekannt,
Die er mit seinen Gaben
So reichlich hat gezieret.

2. Der Erst recht wohl Johannes heißt
So reich an Gottes Hulden,
Sei Bruder Heinrich nach dem Geist,
Ein rechter Christ ohn Schulden.
Von dieser Welt geschieden sind,
Sie han die Kron erworben,
Recht wie die frummen Gotteskind
Für sein Wort sind gestorben,
Sein Marter sind sie worden.

3. Der alte Feind sie fangen ließ,
Erschreckt sie lang mit Dräuen,
Das Wort Gotts er sie leugne hieß,
Mit List auch wollt sie täuben.
Von Löwen der Sophisten viel,
Mit ihrer Kunst verloren,
Versammlet er zu diesem Spiel.
Der Geist macht sie zu Toren,
Sie kunnten nichts gewinnen.

4. Sie sungen süß, sie sungen saur,
Versuchten manche Listen,
Die Knaben standen wie ein Maur,
Verachten die Sophisten.
Den alten Feind das sehr verdroß,
Daß er war überwunden
Von solchen Jungen, er so groß;
Er ward voll Zorn von Stunden,
Gedacht sie zu verbrennen.

5. Sie raubten ihn das Klosterkleid,
Die Weib sie ihn auch nahmen.
Die Knaben waren des bereit,
Sie sprachen fröhlich Amen.
Sie dankten ihrem Vater Gott,
Daß sie los sollten werden
Des Teufels Larvenspiel und Spott,
Darin durch falsche Bärden
Die Welt er gar betreuget.

6. Da schickt Gott durch sein Gnad also,
Daß sie recht Priester werden,
Sie selbst ihm mußten opfern do
Und gehn im Christusorden,
Der Welt ganz abgestorben sein,
Die Heuchelei ablegen,
Zum Himmel kommen frei und rein,
Die Möncherei aussegen
Und Menschentand hie lassen.

7. Man schrieb ihn vor ein Brieflein klein,
Das hieß man sie selbst lesen.
Die Stück sie zeichten alle drein,
Was ihr Glaub war gewesen.
Der höchste Irrtum dieser war:
Man muß allein Gott glauben,
Der Mensch leugt und treugt immerdar,
Dem soll man nichts vertrauen.
Des mußten sie verbrennen.

8. Zwei große Feur sie zundten an,
Die Knaben sie her brachten.
Es nahm groß Wunder jedermann,
Daß sie solch Pein verachten.
Mit Freuden sie sich gaben drein,
Mit Gottes Lob und Singen.
Der Mut war den Sophisten klein
Vor diesen neuen Dingen,
Da sich Gott ließ so merken.

9. Noch lassen sie ihr Lügen nicht,
Den großen Mord zu schmücken.
Sie geben vor ein falsch Gedicht,
Ihr Gwissen tut sie drücken.
Die Heilgen Gotts auch nach dem Tod
Von ihn gelästert werden,
Sie sagen: In der letzten Not
Die Knaben noch auf Erben
Sie sollen han umkehret.

10. Die laß man lügen immerhin,
Sie habens kleinen Frommen.
Wir sollen danken Gott darin,
Sein Wort ist wiederkommen.
Der Sommer ist hart vor der Tür,
Der Winter ist vergangen,
Die zarten Blümlein gehn herfür;
Der das hat angefangen,
Der wird es wohl vollenden.

11. Der Schimmel sie nun gereuet hat,
Sie wolltens gern schön machen.
Sie dürfen nicht rühmen sich der Tat,
Sie bergen fast die Sachen.
Die Schand im Herzen beißet sie
Und klagens ihrn Genossen,
Doch kann der Geist nicht schweigen hie:
Des Abels Blut vergossen,
Es muß den Kain melden.

12. Die Aschen will nicht lassen ab,
Sie stäubt in allen Landen.
Hie hilft kein Bach, Loch, Grub noch Grab,
Sie macht den Feind zuschanden.
Die er im Leben durch den Mord
Zu schweigen hat gedrungen,
Die muß er tot an allem Ort
Mit aller Stimm und Zungen
Gar fröhlich lassen singen.

Cerfas, Mattheiß – Abschied vom Leben.

Cerfas, Mattheiß – Abschied vom Leben.

„Ein ander lied hat Mattheiß Cerfas im Gefengnuß gemacht, welcher zu Cöllen mit dem Schwert gericht Anm. 1555. Und geht im Thon, Ein feste burg ist.“

1. Mitt angst und not ruff ich dich an,
o Gott, thu mich geweren!
Wollest doch nun fest bey mir stohn
durch Christum unseren Herren,
Weil ich wird in die prob gestalt,
das reich leidt gewalt,
der weg, O Herr, ist schmal,
wer es einnehm soll,
mag wol beten und fasten.

2. Ach Gott, nun züchtig mich zu recht
mit vätterlichen schlägen!
Ich hab wie ein unnützer knecht
verlassen deine wegen
Und bin allso ohn dich gewest,
wie man das ließt:
wer darab thut, O Herr,
bleibt nit in deiner lehr,
keinn Gott wirt er nit haben.

3. Trew wirstu aber, Her, den sein,
dich sich von Hertzen bekehren,
Ergeben sich wie Kinder dein
und folgen deiner lehre,
All Creatur wirt werden loß,
steht vor dir bloß: hie bin ich, Her!
was ist dein bger?
die wirstu zu dir nehmen.

4. Hastu mir nit dein hand gerecht
gereycht und thun erlösen,
da ich noch war der sünden knecht
und lebt in allem bösen?
Das war mir so ein schere last,
ich hatt kein rast tag und nacht,
hat mir viel trauern bracht,
biß du mir, Herr, thetst helffen.

5. Ein grosse freud ich da entpfieng,
darumb ich dir noch danke.
Ich bitt dich, nun richt meine geng,
daß ich von dir nit wancke,
Daß ich, O Herr, zum Schlachtschaf dein
mög wirdig sein,
ein Opffer rein,
ein zeug der leiden dein,
und verharren biß ans ende!

6. Steh du, O Gott, nit fern von mir!
ein groß streit ist vorhanden:
Mach mich wirdig, zu sehn bey dir,
daß ich nit komm zu schanden!
Dann du, mein Gott, mein Felß und schloß,
mein zuverlöß,
es kost nun hell
leib oder Seel,
ach hilff, mein feind abschlagen!

7. Kreutz und leiden ist mir bereyt,
mach michs wirdig zu tragen,
Daß ich darumb von dir nit scheyd,
sie thun hart auff mich schlagen,
Es wirt geschossen manch tausent pfeil
nach meiner Seel,
manch Netz gestelt
so weit hinauß ins felt,
mit listen mich zu fangen!

8. Du aber bist, ein starcker Gott,
das hab ich wol vernommen,
Ein schirm und trost in aller not,
ein Schatten aller frommen,
Du machst mich also starck im streit,
daß ich auch nit
ger abzustohn
sondern hindurch zu gohn,
biß ich die statt einneme.

9 Ruff ich zu dir, so gistu mir
Weißheit und Mund zu sprechen,
Deß glaubens krafft dabey ich spür
mits Geistes Schwerdt zu feschten.
Den schilt des Glaubens muß man han
sol man bestohn,
an füssen sein
geschuhet seyn
mit dem Evangelio deß fridens.

10 Unser wapffen mögen nit fleischlich sein,
sonder kräfftig von geiste,
Mit gedult von Gott bekleydet sein,
zu streiten allermeiste
Gegen den Fürsten dieser welt,
der sich sawrr stelt
mit falschem schein
in den kindern sein
und mein mich zu erschleichen.

11 Wie muß ich dir, O Vatter mein,
so rein geleuter werden,
Ich muß nur seyn ein Wörmlein klein
ein Narr auff dieser Erden.
Der Versucher tritt umb mich her
mit starcker wehr,
die Füchslein klein
graben so tieff hinein,
dein weinberg zu verderben.

12 Wenn ichr anschlag nit will fortgohn
mit bitten noch mit drewen
Und wir ihr Glerten weisen von,
daß sie sich nit erfrewen,
Dan kommen sie mit Keyers gebott,
weisen zum todt,
so wir daran
kein schrecken han,
hond sie uns peingt sere.

13 Und Gott hat unsern mund verwahrt,
dafür wir im noch dancken;
Wiewohl die pein war also hart,
ließ er uns doch nit wanecken,
Er hat uns mit gedult bekleidt,
wirr waren bereit,
in todt zu gohn,
vor unser Brüder zu stohn,
wollten sie nit besagen.

14 O Gott, wir stohn in angst und pein
wie ein befrüchte frawe,
Mit schmerzen muß geboren sein,
das wirt uns nit gerawen:
So wir der arbeit mechtig seyn
durch die krafft dein
geberen sein,
so sol bald sein
all schmertz in freud verkehret.

15 Nachdem, O Gott Vatter und Herr,
du uns selbst hast verheissen,
Daß du die deinen nimmermehr
verlassen wolst als weysen,
Die hie so gar verlassen seind,
wie es ietzt scheint
vor den menschen kind,
daß wir so gar verlassen sind
vom weg der warheit ferre.

16 O Gott, wir dancken aber dir
auß grosser trew allgmeyne!
Wir haben keinen irthum für,
es ist die warheit reyne,
Es ist das recht war fundament,
das Petrus bekendt,
der war eckstein,
wissen auch anders kein,
dar durch wir sehlig werden!

17 Trew bistu, Herr, also muß dir
ein jeder trewlich dienen;
Er das nicht thut auß hertzen gut,
mag wohl klagen und weinen.
Vil nemens wort mit freuden an,
die nicht bestahn
wie man solt,
wen der Glaub klar gleich wie das golt
sol rein geleutert werden.

18 Trew Knecht, O Herr, ist mein beger,
wolst deinen Kindern geben,
Die ein rein hertz bereyten dir
in lehr und auch im leben,
Und nim alle gutdüncken hin
auf irem sin,
auff daß, O Herr,
dir wird die ehr,
niemand im selbst gefalle!

19 Ein recht verstand mit leiebe sein,
bit ich von dir ob allen,
Schreib in das Hertz der Kinder dein,
laß fir mein bitt gefallen;
Mit glaubens früchten allermeist
durch deinen geist
in friedens band
führ sie zuhandt
all, die dir, Herr, gefallen!

20 Ein recht verstand mit liebe sein,
bit ich von dir ob allen,
Schreib in das Hertz der Kinder dein,
laß dir mein bitt gefallen;
Mit glaubens früchten allermeist
durch deinen geist
in fridens band
führ sie zuhandt
all, die dir, Herr, gefallen!

20 Noch eins, O Herr, ist mein beger,
daß muß ich dir noch klagen:
Ich steh vor dir unwirdig sehr,
weiß doch nit anders zu sagen,
Dann: O lieber Herr und Vatter mein,
der wille dein
woll ich mir reyn
geschehen sein,
gantz bin ich dir ergeben!

21 Nit anders find ich nun bey mir,
deß danck ich dir von hertzen!
Dann was du wilt, das gscheh von dir,
es sey freud oder schmertzen.
Und wie vil ich hab volbracht,
wie ich dan acht,
viel fehlet mir:
ich steh vor dir,
genugsam straff zu nehmen!

22 Es will nun an ein scheyden gohn,
ich bfehl euch all dem Herren!
Alles beger ich zu verlohn,
zu meinem Gott mich kehren.
Mein Brüder, Mutter, weib und kindt,
die mir lieb seyn
im hertzen mein,
willig muß es verlassen seyn,
zu letzt mein eygen leben!

23 Muß es dan hie gescheyden sein,
so wolt doch unser dencken!
Wir trincken hie den sauren wein,
der unsern leib thut krencken,
Aber der Herr macht es gantz licht!
diß ist gedicht
im gsengnuß mein:
lobt Gott, er wirt noch sein
uns helffen biß ans ende!

AMEN.

Ausbund