Sigmund v. Birken – Lasset uns mit Ihm ziehen!

Lasset uns mit Jesu ziehen,
Seinem Vorbild folgen nach,
In der Welt der Welt entfliehen
Auf der Bahn, die er uns brach;
Immerfort zum Himmel reisen,
Irdisch noch, schon himmlisch sein,
Glauben recht und leben fein,
In der Lieb den Glauben weisen.
Treuer Jesu, bleib bei mir,
Gehe vor, ich folge dir.

Lasset uns mit Jesu leiden,
Seinem Vorbild werden gleich;
Nach dem Leide folgen Freuden,
Armut hier macht dorten reich.
Tränensaat die erntet Lachen,
Hoffnung tröstet mit Geduld;
Es kann leichtlich Gottes Huld
Aus dem Regen Sonne machen.
Jesu, hier leid ich mit dir:
Dort teil deine Freud mit mir.

Lasset uns mit Jesu sterben;
Sein Tod uns vom andern Tod
Rettet und vom Seelverderben,
Von der ewiglichen Not.
Lasst uns töten, weil wir leben,
Unser Fleisch, ihm sterben ab:
So wird er uns aus dem Grab
In das Himmelsleben heben.
Jesu, sterb ich: sterb ich dir,
Dass ich lebe für und für.

Lasset uns mit Jesu leben;
Weil er auferstanden ist,
Muss das Grab uns wieder geben:
Jesu, unser Haupt du bist.
Wir sind deines Leibes Glieder,
Wo du lebst, da leben wir:
Ach, erkenn uns für und für,
Trauter Freund, für deine Brüder.
Jesu, dir ich lebe hier,
Dorten ewig auch bei dir.

Sigismund von Birken – Jesu, deine Passion

1. Jesu, deine Passion
Will ich jetzt bedenken;
Wollest mir vom Himmelsthron
Geist und Andacht schenken.
In dem Bild jetzund erschein,
Jesu, meinem Herzen,
Wie du, unser Heil zu sein,
Littest alle Schmerzen!

2. Meine Seele sehen mach
Deine Angst und Bande,
Deine Speichel, Schläg und Schmach,
Deine Kreuzesschande,
Deine Geißel, Dornenkron,
Speer- und Nägelwunden,
Deinen Tod, o Gottessohn,
Und den Leib voll Schrunden!

3. Doch so laß mich nicht allein
Deine Marter sehen,
Laß mich auch die Ursach fein
Und die Frucht verstehen!
Ach, die Ursach war auch ich,
Ich und meine Sünde;
Diese hat gemartert dich,
Nicht das Heidengsinde.

4. Jesu, lehr bedenken mich
Dies mit Buß und Reue;
Hilf, daß ich mit Sünden dich
Martre nicht aufs neue!
Sollt ich dazu haben Lust
Und nicht wollen meiden,
Was Gott selber büßen mußt
Mit so großem Leiden?

5. Wenn mir meine Sünde will
Machen heiß die Hölle,
Jesu, mein Gewissen still,
Dich ins Mittel stelle!
Dich und deine Passion
Laß mich gläubig fassen;
Liebet mich sein lieber Sohn,
Wie kann Gott mich hassen?

6. Gib auch, Jesu, daß ich gern
Dir das Kreuz nachtrage,
Daß ich Demut von dir lern
Und Geduld in Plage,
Daß ich dir geb Lieb um Lieb!
Indes laß dies Lallen
Besser Dank ich dorten geb,
Jesu, dir gefallen!

Quelle: Hymns of the 1912 Lutheran Hymnal for Church, School and Home Evangelical Lutheran Synod of Wisconsin and other States

Sigmund von Birken – Jesu, frommer Menschenherden

1. Jesu, frommer Menschenherden
Guter und getreuer Hirt,
Laß mich auch dein Schäflein werden,
Das dein Stab und Stimme führt.
Ach du hast aus Lieb dein Leben
Für die Schafe hingegeben,
Und du gabst es auch für mich,
Laß mich wieder lieben dich.

2. Herden ihre Hirten lieben,
Und ein Hirt liebt seine Herd,
Laß uns auch so Liebe üben,
Du im Himmel, ich auf Erd.
Schallet deine Lieb hernieder,
Soll dir meine schallen wieder;
Wenn du rufst: Ich liebe dich,
Ruft mein Herz: Dich liebe ich.

3. Schafe ihren Hirten kennen,
Dem sie auch sind wohlbekannt,
Laß mich auch nach dir nur rennen,
Wie du kamst zu mir gerannt.
Als des Höllenwolfes Rachen
Eine Beut aus mir wollt machen,
Riefest du: Ich kenne dich.
Ich auch rief: Dich kenne ich.

4. Herden ihre Hirten hören,
Folgen ihrer Stimm allein,
Hirten auch zur Herd sich kehren,
Wenn sie rufen groß und klein.
Laß mich hören, wenn du schreiest,
Laß mich laufen, wenn du dräuest,
Laß mich horchen stets auf dich.
Jesu, höre du auch mich.

5. Höre, Jesu, und erhöre
Meine, deines Schäfleins Stimm,
Mich auch zu dir schreien lehre,
Wenn sich naht des Wolfes Grimm.
Laß mein Schreien dir gefallen,
Deinen Trost hernieder schallen;
Wenn ich bete: Höre mich,
Jesu, sprich: Ich höre dich.

6. Höre, Jesu, und erhöre,
Wenn ich ruf, anklopf und schrei.
Jesu, dich nicht von mir kehre,
Steh mir bald in Gnaden bei.
Ja du hörst, in deinem Namen
Ist ja alles Ja und Amen.
Nun ich glaub und fühle schon
Deinen Trost, o Gottes Sohn.

Quelle: Hymns of the 1912 Lutheran Hymnal for Church, School and Home Evangelical Lutheran Synod of Wisconsin and other States

Siegmund von Birken – Biographie

Birken, Sigmund v. (Betulius), stammte aus dem zu seiner Zeit noch meist protestantischen Böhmen, in welchem Österreich die evangelische Lehre bekanntlich unterdrückt hat. Er ist der Sohn eines Geistlichen, geboren zu Wildenstein bei Eger am 25. April 1626. In der zartesten Kindheit musste er mit seinem Vater, der Religion wegen, fliehen, kam nach Nürnberg und besuchte das Gymnasium zu Sct. Ägidien. Dann wollte er sich zu Jena dem Studium der Rechte widmen, wendete sich aber, auf Bitten seines Vaters, dem geistlichen Stande zu. Durch den Nürnberger Harsdörfer, der ihn seiner Dichtergaben wegen liebte, wurde er 1644 unter dem Namen Florian in den peguesischen Blumen-Orden1Der Patrizier und Ratsherr G. Ph. v. Harsdörfer, und der gekrönte Dichter und Pfarrer J. Klai haben diesen Orden 1644 gestiftet,, einen Verein für Poesie und Sprachbildung zu Nürnberg, der noch besteht, aufgenommen, wurde dessen Vorstand, und trat 1658 auch in den größeren, ähnlichen Verein der fruchtbringenden Gesellschaft ein. Nachdem er von 1645 an Informator zweier Wolfenbüttlischer Herzoge und einer Mecklenburgischen Prinzessin zu Danneberg gewesen war, beehrte ihn Kaiser Ferdinand 1654, wegen eines gut aufgeführten Schauspieles in Nürnberg, mit seinem kaiserlichen Bilde an einer goldenen Kette. Dann wurde er 1679 in die Akademie zu Padua aufgenommen und endlich kaiserlicher adelicher Hof- und Pfalzgraf, so wie gekrönter Poet. Auf Piccolominis Auftrag war er Festordner, Redner und Dichter beim westphälischen Friedensfestmahle 1650 zu Nürnberg. Er starb, 55 Jahre alt, am 12. Juni 1681 zu Nürnberg. Aus mehreren seiner Werke sind 52 Lieder in verschiedenen Gesangbüchern aufgenommen worden. Auf seiner Flucht ans Böhmen fand der Knabe ein Blättchen Papier, auf welchem das Vater-unser stand, und worin ein Pfennig eingewickelt war, und reichte dies seinem unruh- und sorgenvollen Vater zu dessen großen Beschämung und Glaubensstärkung, worauf sie voll Trostes weiter zogen.