Albert Zeller – O sagt euch freundlich guten Tag

O sagt euch freundlich guten Tag,
Umfasset euch mit warmen Händen!
Wer weiß, bis zu dem Abend mag
Das Blatt noch wunderbar sich wenden!

Noch sind die Sehnen stark und straff,
Ihr sonnet euch in Blütentagen,
Oft hängt am Abend welk und schlaff
Die Hand am Morgen ausgeschlagen.

O sagt euch freundlich gute Nacht,
Gebt euch den Bruderkuss, ihr Brüder!
Gar Mancher legt zum Todesschlaf
In seiner kurzen Ruh sich nieder.

Was euch entzweit, das seid nicht ihr,
Ihr könnet euch nur sehr und lieben;
So blickt euch an, es wird, es muss
Der Dämon in sein Nichts zerstieben.

Der Weg ist weit, den Menschen ziehn,
So sprecht: „Der Herr mög dich bewahren!“
Dem fremdsten Wandrer ruft man zu,
Er möge wohl und friedlich fahren.

Anna Schlatter – Mein Gott, in deinen Händen

Mein Gott, in deinen Händen
Liegt dieses Tages Los.
Du wirst mir Segen senden,
Du bist so gut und groß!
Und hast du eine Plage.
mir heute ausersehn,
So lehr mich ohne Klage
Auch finstre Wege gehn!

Für nichts hab‘ ich zu sorgen,
Als dafür nur allein,
Dir, Herr, mit jedem Morgen
Neu dieses Herz zu weihn.
Heil! wer nach deinem Worte
Verharret im Gebet,
Dabei an jedem Orte
Stets auf der Wache steht!

Bei dem wird das Geschäfte
Der Heiligung vollbracht,
Weil Christus seine Kräfte
Zum Streite tüchtig macht.
Hilf mir, o Herr, besiegen
Die Sünde, Fleisch und Welt:
Nie werd‘ ich unterliegen,
Wenn deine Hand mich hält.

Amen.

Nikolaus Ludwig von Zinzendorf – Am Morgen.

Seht, die Nacht vergehet!
Geist und Herz, erstehet!
Seid der Sonne gleich!
Gottes Güt‘ und Treue
Leuchtet nun auf’s Neue,
Kräftig, voll und reich.
Was ihr wollt, kann euch erfreuen:
Gnade, Leben und Gedeihen.

Ließ uns Gott im Blicke
List, Gewalt und Stricke
Unsrer Feinde seh’n;
Welche Fährlichkeiten
uns von allen Seiten
An die Seele geh’n;
Auch wie Er uns pflegt zu decken:
o wie würden wir erschrecken!

Seele, dass auch heute
Dir Gott sei zur Seite,
Darum bitte nun!
Bitt‘ um Heil und Segen
Heut‘ auf Deinen Wegen,
Und bei Deinem Tun!
Vörderst, für die Macht der Sünden
Rat und Widerstand zu finden.

Seufz‘ in heißem Geiste,
Dass Er Hilfe leiste,
Und sei Rat und Kraft;
Dass Dich Nichts verleite
Auf die linke Seite
Bei der Pilgrimschaft:
Weil so viel Gefährlichkeiten
Dich an Seel‘ und Leib begleiten!

Bete, ruf und bitte
Um gewisse Tritte
Unter deiner Last!
Deinen Weg zu finden
Und zu überwinden,
Was du vor dir hast;
Auch durch Ringen, Reisen, Kämpfen
Alle Hindernis‘ zu dämpfen.

Will die Welt dich haben,
Und mit ihren Gaben
Wieder zu sich zieh’n:
Sei du unempfindlich
Und in Liebe kindlich,
Dass du kannst entflieh’n.
Besser, sich auch töricht fassen,
Als von ihr gewinnen lassen.

Hast du nun gesehen,
Wie es Gott lässt gehen,
Was Er ausgeführt:
So fang‘ an zu singen,
Und Ihm Lob zu bringen,
Dem das Lob gebührt.
Such Ihn auch in neuen Weisen
Alle Tage mehr zu preisen!

Gottes Machtbeschützen
Lass dir dazu nützen,
Dass du treuer wirst!
Such‘ Ihm and dein Leben
Wirklich zu ergeben!
Er ist Lebensfürst.
Such‘ es ja vor allen Dingen
Im Gehorsam weit zu bringen:

Dass dir’s wohlgefället,
Wie dein Gott sich stellet,
Grausam oder gut,
Wenn Er straft und schläget,
Wenn Er küsst und träget:
Alles, was Er tut.
Dank‘ und rühme bei der Freude!
Lieb‘ und lob‘ Ihn auch im Leide!

(1720.)

Nikolaus Ludwig von Zinzendorf – Morgengedanken.

Glanz der Ewigkeit,
Gott und HErr der Zeit!
Sei von allen Kreaturen
Für die neu erregten Spuren
Deiner Gütigkeit
Hoch gebenedeit!

Diese finstre Nacht
Ist zum Schluss gebracht,
Und die Strahlen heitrer Sonne
Brechen zur gemeinen Wonne
Durch die dunkle Macht
Der vergangnen Nacht.

Sehen wir denn nicht
In dem Morgenlicht
Einen Strahl von größern Kräften
Und durchdringendern Geschäften?
Sehen wir Dich nicht,
Zions Sonnenlicht?

Eile doch herbei
Mit der Arzenei!
Räume weg die dicken Felle,
Mache unsre Augen helle.
Sonst ist unsre Not
Ärger als der Tod!

Komm, verkläre bald
Deine Lichtsgestalt!
Öffne die verschlossnen Siegel,
Brich den unvollkommnen Spiegel,
Und verkläre bald
Unsere Gestalt!

Doch wenn Dir’s gefällt,
Dass wir auf der Welt
Länger noch mit schwachen Füßen
Unsre Straße wandeln müssen:
o so zeig‘ uns nur
Die gerade Spur!

Richte unser Herz
Zeitlich himmelwärts,
Dass die Zeichen dieser Zeiten
Uns zur letzten Zeit bereiten;
Richte unsern Sinn
Auf das Ende hin.

Gibt es in der Zeit
Scheinvergnüglichkeit:
So verleide und ein Leben,
Das kein wahres Wohlsein geben,
Noch den letzten Tag
und versüßen mag!

Soll’s uns hart ergeh’n:
Lass uns feste steh’n,
Und auch in den schwersten Tagen
Niemals‘ über Lasten klagen;
Denn das ist der Weg
Zu dem Sternensteg.

Bricht der Hütte Tor:
Zeuch den Geist hervor!
Lass ihn zu den frohen Scharen
Der erlösten Geister fahren,
Dass er Deinen Tag
Ewig sehen mag!

Hilf uns dahinan
Auf der Bundesbahn!
Lass uns durch Dein nächtlich Leiden
Aus der Nacht der Erde scheiden,
Und durch Deinen Krieg,
Jesu, gib uns Sieg!

(Im Mai 1721 zu Berlin gedichtet.)

Freylinghausen, Johann Anastasius – Morgensegen.

Weise: Dir, dir Jehovah, will ich singen.

1. Der frohe Morgen kommt gegangen,
Das schöne Licht am Himmel bricht herfür;
Man spüret schon der Sonnen Prangen,
Das Dunkle weicht, der Tag ist vor der Tür,
Und was vorhin erstarrt und schlafend lag,
Das reget sich, ist munter frisch und wach.

2. Du auch, mein Geist, und meine Kräfte,
Ermuntert euch, gebt keiner Schlafsucht Platz;
Gott loben sei jetzt eur Geschäfte,
Gott, der Israels einger Schutz und Schatz,
Des Auge schläft noch schlummert nimmer nicht,
Weil es der Gottheit nie an Kraft gebricht.

3. Er ist der Herr der Tag und Nächte,
Er sprach: Es werde Licht, und es ward Licht.
Des Himmels Bau ist sein Gemächte,
Und was daran sich zeiget dem Gesicht,
Die Sonn, der Mond, das ganze Sternenheer
Erzählet dieses großen Schöpfers Ehr.

4. Die Luft und was darinnen schwebet,
Das Meer und alles, was es in sich hält,
Was auf dem Rund der Erden lebet,
Mit Einem Wort: Die ganze weite Welt
Ist schuldig, diesen Herrn mit Preis und Ruhm
Stets zu erhöhn in seinem Heiligtum.

5. Drum will ich auch jetzund nicht schweigen
Und, ob ichs gleich für mich nicht würdig bin,
Vor seiner Majestät mich beugen,
Dass ich ihr opfre Dank im Geist und Sinn;
Ja, ich will ihm mich selbsten ganz und gar,
So gut ich kann, zum Opfer stellen dar.

6. Er ist mein Vater, Gott und Schöpfer,
Von dem ich Leib und Seel und alles hab;
Ich bin sein Ton, er ist mein Töpfer,
Was gut an mir, ist alles seine Gab;
Er nährt, er pflegt, er schützt, er träget mich,
Und was noch mehr, er gibet selbst mir sich.

7. Zwar ging ich irr in finstern Wegen,
Er aber zeigte mir sein Angesicht;
Ich spürte seines Geistes Segen,
Ich kam zu seinem wunderbaren Licht,
Mir war, als wär ich aus dem Schlaf erwacht,
Wenn bei uns Abschied nimmt die finstre Nacht.

8. In Christo hat er mich geliebet,
Durch dessen Tod bin ich ihm ausgesöhnt;
Die Schuld der Sünden er vergibet,
Und wär er dadurch noch so hoch verhöhnt.
Ja, durch den Sohn bin ich sein Erb und Kind,
Das ewig vor ihm Gnad um Gnade findt.

9. Er hat mir seinen Geist geschenket
Zum Führer, Siegel, Licht und Unterpfand;
Der ists, der meinen Willen lenket
Und untertänig machet seiner Hand,
Der, wenn ich schwach, bedrückt und elend bin,
Mit Fried und Trost erquickt den blöden Sinn.

10. Nun, Vater, sei gebenedeiet,
Sei hoch gerühmt von mir in Ewigkeit
Für alles, womit mich erfreuet
Die Fülle deiner Güt hier in der Zeit,
Und was sie Guts mir dort hat zugedacht,
Wo uns die frohe Ewigkeit anlacht.

11. Dir will ich ferner mich ergeben
Und deiner Treu auf ewig anvertraun;
Ich heilge dir mein ganzes Leben,
Mein Auge lass beständig auf dich schaun,
Dass dieser Tag, mit dem ich bin erwacht,
Von mir durch dich in dir werd zugebracht.

12. Ja, segne, Vater, und behüte
Den ganzen1Tag mich und alles, was nur dein;
Das Antlitz deiner Lieb und Güte
Erleuchte mich mit seiner Klarheit Schein.
Ach, richt auf mich dein gnädigs Angesicht
Und gönne mir dein göttlich Friedenslicht.

Freylinghausen, Johann Anastasius – Morgenopfer

Weise: Fürwahr, mein Gott, du bist verborgen.
Oder: Weil ich nun seh die güldnen Wangen.

1. Gottlob, nun ist die Nacht verschwunden,
Die Finsternis ist überwunden,
Das Licht des Himmels triumphiert;
Das Erdreich, so die dunklen Schatten
Mit ihrer Macht umgeben hatten,
Der güldnen Sonnen Klarheit ziert.

2. Wach auf, wach auf, mein Geist, und singe!
Dem Vater aller Geister bringe
Preis, Lob, Ehr, Ruhm, Dank, Kraft und Macht.
Erkenne seine Huld und Treue,
Die alle Morgen sich aufs neue
Ausbreitet und dich stets bewacht.

3. O dass doch mit der äußern Erden
Mein Innerstes auch Licht möcht werden!
O dass mein Herz ein Himmel wär!
Ein Firmament, daran die Sonne,
Mein Jesus, meines Geistes Wonne,
Möcht scheinen zu des Schöpfers Ehr!

4. O dass der finstern Nacht Geschäfte
Durch dieser Sonnen neue Kräfte
Zerstreuet würden, und mein Sinn
Zu ihrem Licht sich stets erhübe!
O dass ihr Einfluss starker Triebe
Mich führte zu ihr selber hin!

5. Dies ist mein Wunsch und mein Begehren,
Du, Vater, wollst mich des gewähren,
Sprich Amen selbst und Ja dazu;
So werd ich auch nach diesen Tagen
Und überstandnem Leid und Plagen
Genießen dort des Lichtes Ruh.

Freylinghausen, Johann Anastasius – Die Nacht ist hin.

Weise: O Traurigkeit, o Herzeleid.
Oder: Der Tag ist hin, mein Geist und Sinn.

1. Die Nacht ist hin:
Mein Geist und Sinn
Sehnt sich nach jenem Tage,
Vor dem völlig weichen muss
Finsternis und Plage.

2. Der Tag ist da,
Das Licht ist nah,
Das Dunkle zu vertreiben:
Vor dir, Jesu, schönes Licht,
Kann nichts dunkel bleiben.

3. Der Sonnen Licht
Aufs neu anbricht:
O unerschaffne Sonne,
Brich mit deinem Licht hervor,
Mir zur Freud und Wonne.

4. Des Mondes Glanz
Verliert sich ganz,
Er muss dem größern weichen:
Mit dir, Glanz der Herrlichkeit,
Ist nichts zu vergleichen.

5. Der Sternen Pracht
Muss mit der Nacht
Vom Himmel Abschied nehmen:
Unsers Morgensternes Pracht
Darf sich niemals schämen.

6. Der Menschen Schar,
Die als tot war,
Greift jetzt zu ihren Werken:
Lass mich, Herr, bei meinem Werk
Dein Werk in mir merken.

7. Ein jeder will
Der süßen Stil
Und Ruhe Urlaub geben:
Jesu, deine stille Ruh
Sei des Geistes Leben.

Franck, Johann – Morgensegen

Weise: Herr, nicht schicke Deine Rache.

Seht, die Nacht, die uns erschreckte
Und mit Finsternis umdeckte,
Hat den trüben Lauf vollbracht
Und dem Lichte Raum gemacht;
Drauf nun hat das Gold der Sonnen.
Unsre Kugel schon umsponnen,
Alles steht den klaren Tag,
Was zuvor im Dunkeln lag.

2. Soll man denn im Schlaf der Sünden
Einzig dich noch länger finden,
Meine Seel‘? o komm an’s Licht
Und vergiss des Lobes nicht,
Das du deinem Gott sollst geben,
Weil er dir gefrist’t dein Leben
Und aus Schatten-trüber Nacht
Dich an’s Tageslicht hat bracht.

3. Sprich: 0 Gott, der du gebauet,
Was man hier mit Augen schauet,
Himmel, Erde, Luft und Meer,
Menschen, Fische, Vögel, Bär‘,
Es wird billig dir gesungen
Von der Schwachheit meiner Zungen
Ehr‘ und Ruhm, dieweil dein Schild
Mich vor Unfall hat verhüllt.

4. Ja, du hast bisher aus Gnaden
Mich mit Wohltat überladen,
Mich, der ich aus schwachem Sinn
Dir oft widerspenstig bin.
Hättest du nicht mein geschonet,
Und mir nach Verdienst gelohnet,
Wär‘ ich längst in stete Nacht
Und in’s Höllengrab gebracht.

5. Drum vergib mir meine Sünde,
Der ich mehr an mir befinde,
Als im Meer Sandkörnelein
Und am Himmel Sterne sein.
Lass auch deiner Engel Scharen
Mich noch ferner so bewahren,
Dass der schwarze Höllenmann
Mir mit List nicht schaden kann.

6. Leite mich auf deinen Wegen,
Lass mir das sein angelegen,
Was mein Stand und Wandel ist,
Wozu du mich hast erkiest.
Du, o Herr, wollst mein Studieren,
Meine Müh‘ und Fleiß regieren,
Dir zu Lob, zur Wahrheit Schutz
Und zu meines Nächsten Nutz.

7. Lenke meinen Mut und Sinnen,
Lass das üppige Beginnen
Gänzlich sein von mir verweist,
Gib mir einen reinen Geist;
Gib mir, Berr, gesunde Glieder,
Und was dir an mir zuwider,
Lass mich, bitt‘ ich, gänzlich nun
Durch dein‘ Hilfe von mir tun.

8. Gib, dass auch in fremden Landen
Gute Gönner sind vorhanden,
Die, wenn ich in Nöten sei,
Mir mit Hilfe springen bei.
Lass mich böse Leute fliehen,
Die mich von der Jugend ziehen,
Treib von mir der Wollust Sucht,
Gib mir Mäßigkeit und Zucht.

9. Endlich wenn die Zeit vorhanden,
Dass von’s Leibes Joch und Banden
Meine Seel durch’s Todes Hand
Jetzt soll werden ausgespannt:
So lass mich fein sanft verscheiden,
Führe mich zu Himmelsfreuden,
Da ich, samt der Engel Schar,
Dich kann loben immerdar.

Franck, Johann – Erwache mein Gemüte.

Weise: Ich dank‘ dir, lieber Herre.

Erwache, mein Gemüte,
Indem mein Leib erwacht,
Und rühme Gottes Güte,
Die er dir diese Nacht
Hat abermals erwiesen.
Ach, wahrlich, seine Treu,
Die nie gnug wird gepriesen,
Ist alle Morgen neu.

2. Ach, mit viel tausend Sünden
Lag hier dein Herz umklemmt,
Dein Leib schlief ohn‘ Empfinden,
Dein Sinnwerk stund gehemmt.
Wie bald konnt‘ es geschehen,
Dass drauf der Bösewicht
Dich ihm hätt‘ ausersehen
Und plötzlich hingericht’t?

3. Bedenk‘, auf wie viel Wege
Er manches Trauerspiel
Oft anzurichten pflege,
Gott aber steckt das Ziel;
Und führt rings um die Seinen
Der Engel Wacht heran,
Damit der Satan keinen
Derselben fällen kann.

4. Dein‘ Huld hat es gemachet,
O Vater in der Höh‘,
Dass ich, gesund erwachet,
Jetzt an mein‘ Arbeit geh‘.
Mein‘ übermachte Sünde
Hat es zwar nicht verdient,
Verzeih, Herr, deinem Kinde
Und bleibe mir versühnt.

5. Lass ferner deinen Segen
Auch künftig bei mir sein,
Dass ich auf rechten Wegen
Vor dir geh‘ aus und ein.
Lass Alles wohl gelingen,
Was ich anheb‘ und tu,
Send‘ auch vor allen Dingen
Mir deine Weisheit zu.

6. Lass mich dir fest vertrauen,
Ich sei dein liebes Kind,
Dass mir nicht möge grauen,
Wenn sich ein Unglück find’t.
Denn wenn du Notdurft schaffest,
Zeigt sich dein Vaterherz,
Und wied’rum, wenn du strafest,
So ist’s dein Vaterherz.

7. Drum, ob nach deinem Millen
und unerforschten Schluss,
Ich heut‘ auch Plag und Grillen
Erdulden soll und muss:
So hilf, dass die Beschwerde
Mit Labsal werd‘ umtauscht
Und bloß zum Wölklein werde,
Das bald vorüber rauscht.

8. Inmittelst lass den Meinen
Und mir auch selbst dazu
Die Gnadensonne scheinen,
Sprich unser Herz zur Ruh,
Und lass all mein Beginnen
Dir wohlgefällig sein,
Bis dass du mich von hinnen
Gen Himmel holest ein.

Franck, Johann – Morgenopfer

Weise: Zu dir von Herzensgrunde.

Auf, auf! mein Geist, zum Loben,
Auf auf! und werd‘ erhitzt,
Bedenke, wie von oben
Der Höchste dich beschützt.
Hätt‘ er dir nicht die Wache
Der Engel zugeschickt,
So hätte dich der Drache
Im tiefen Schlaf erstickt.

2. Dir, dir und deiner Güte,
Dir, dir, mein Gott, allein,
Dir, dir soll mein Gemüte
Von Herzen dankbar sein:
Dir, dir, der du mein Leben
Hast bis daher verlängt,
Und täglich auch daneben
Viel Wohltat eingeschenkt.

3. Du Herr der Himmelszelten,
Wie soll ich nach Gebühr,
Wie soll ich dir vergelten,
Was du getan an mir?
Ich bin zwar zu geringe,
Doch nimm dies Opfer hin,
Nimm hin, was ich dir bringe:
Ein’n dir ergebnen Sinn.

4. Nur weg mit Horn und Klauen,
Ich opfre Herz und Brust,
Ein kindliches Vertrauen,
Das, das ist deine Lust.
Das, das lass dir gefallen,
Wie schlecht es immer scheint,
So ist dennoch vor allen
Dies Opfer gut gemeint.

5. Verzeihe mir die Sünde,
Die ich bisher verübt,
Und die ich jetzt empfinde,
Wie sie mein Herz betrübt.
Verzeihe mir und dämpfe
All‘ üppige Begier,
Mit der ich täglich kämpfe,
O Herr, verzeihe mir.

6. Send‘ auch auf meinen Wegen
Mir deinen Engel zu,
Und sprich du selbst den Segen
Zu Allem, was ich tu.
Herr, sende du mir Kräfte
Von deiner Himmelshöh,
Auf dass all mein Geschäfte
Gewünscht von Statten geh‘.

7. Gib mir vor allen Dingen
Getrosten Mut und Geist,
Dies freudig zu vollbringen,
Was mein Beruf mich heißt.
Lass mich in guten Lagen,
Nicht übermütig sein,
Und lass mich auch nicht zagen,
Dringt gleich ein Kreuz herein.

8. Hilf, dass in meinem Stande
Ich tu, was dir gefällt,
Auch lass mich nicht in Schande
Geraten vor der Welt.
Richt‘, Herr, mein ganzes Leben
Nach deinem Willen ein,
Lass auch mein Haus daneben
Von dir gesegnet sein.

9. Gib, dass im Kreuz und Glücke
Ich stets so leben mag,
Dass ich all‘ Augenblicke
Denk‘ an den letzten Tag!
Und wann der ein wird brechen,
So gib, dass ich erfreut
Von Herzen könne sprechen:
Komm, Herr, ich bin bereit!