Joachim Lange – O Jesu süßes Licht

Weise : O Gott du frommer Gott.

O Jesu süßes Licht
nun ist die Nacht vergangen,
nun hat dein Gnadenglanz
aufs Neue mich umfangen.
Nun ist was an mir ist
vom Schlafe aufgeweckt
und hat nun in Begier
zu dir sich ausgestreckt.

2. Was soll ich dir denn nun
mein Gott für Opfer schenken?
Ich will mich ganz und gar
in deine Gnad einsenken,
mit Leib, mit Seel, mit Geist,
heut diesen ganzen Tag.
Das soll mein Opfer sein,
weil ich sonst nichts vermag.

3. Drum siehe da mein Gott,
da hast du meine Seele.
Sie sei dein Eigentum,
mit ihr dich heut vermähle
in deiner Liebeskraft.
Da hast du meinen Geist,
darinnen wollst du dich
verklären allermeist.

4. Da sei denn auch mein Leib
zum Tempel dir ergeben,
zur Wohnung und zum Haus.
Ach allerliebstes Leben,
ach wohn, ach leb in mir,
beweg und rege mich.
So hat Geist Seel und Leib
mit dir vereinigt sich.

5. Dem Leibe hab ich jetzt
die Kleider angeleget,
lass meiner Seelen sein
dein Bildnis eingepräget
im güldnen Glaubensschmuck,
in der Gerechtigkeit,
so allen Seelen ist
das rechte Ehrenkleid.

6. Mein Jesu schmücke mich
mit Weisheit und mit Liebe,
mit Keuschheit und Geduld
durch deines Geistes Triebe.
Auch mit der Demut mich
vor allem kleide an.
So bin ich wohl geschmückt
und köstlich angetan.

7. Lass mir dich diesen Tag
stets vor den Augen schweben.
Lass dein Allgegenwart
mich wie die Luft umgeben,
auf dass mein ganzes Tun
durch Herz durch Sinn und Mund
dich lobe inniglich
mein Gott zu aller Stund.

8. Ach segne was ich tu,
ja rede und gedenke.
Durch deines Geistes Kraft
es also führ und lenke,
dass alles nur gescheh
zu deines Namens Ruhm,
und dass ich unverrückt
verbleib dein Eigentum.

Philipp von Zesen – Morgenlied

1. Die Nacht, das schreckensvolle Kind
Die schwarze Dämmerung zerrinnt,
Der frühe Tag sich zeiget;
Das gold‘ne Morgenrot entspringt,
Der Sonnen Glanz hernachher dringt
Und auf gen Himmel steiget,
Singet, Klinget!
Freudenlieder
Soll ein jeder
Gott zu ehren
Aus dem Munde lassen hören.

2. Wohlan, mein Herz, erhebe dich,
Und denke, wie der Höchste sich
Bemüht, für dich zu wachen!
Er hat behütet diese Nacht
Vor aller Angst und Kriegesmacht,
Vor Not und Tod uns Schwachen,
Singet, Klinget!
Freudenlieder
Soll ein jeder
Gott zu danken,
Schütten aus des Herzens Schranken.

3. Brich an, du Sonne meiner Seel‘
In meines finstern Herzens Höhl‘,
Du goldner Glanz der Freuden!
Erquicke mich mit deinem Geist‘,
Und mir gewünschten Beistand leist‘
In meinem Tun und Leiden!
Aus Not Und Tod
Hilf mir Armen
Mit Erbarmen!
Mein Hantieren
Lass mich vollends wohl ausführen!

4. Ach, brich hervor, du Trost und Licht,
Wann mich der Sünden Wurm anficht
Und mein Gewissen naget!
Nimm weg die schwere Sündenlast,
Dieweil du sie gebüßet hast,
Und dich für mich gewaget!
Aus Not Und Tod
Hilf mir Armen
Mit Erbarmen!
Mein Hantieren
Lass mich vollends wohl ausführen!

Heinrich Puchta – Morgenlied

O Gott der Gnade, treu und voll Erbarmen,
Du warst mein Schutz in der vergang‘nen Nacht;
Ich lag, bedeckt von deinen starken Armen,
Ich schlief, von deinem Angesicht bewacht.
Ich durfte Sorg und Müdigkeit vergessen,
Und alle Last und Arbeit von mir tun;,
Du treuer Vater hast gesorgt indessen,
Dein Werk ruht nicht, wenn unsre Hände ruh‘n.

In stiller Nacht, wenn sich kein Laut lässt hören,
Wenn alles Treiben auf der Erde schweigt,
Da wirkst du fort, du lässest dich nicht stören,
Wenn alle Welt sich in den Schlummer neigt.
Und wenn dein Licht erweckt den neuen Morgen,
Wenn das geschäftige Geräusch erwacht,
Dann geht dein Werk am lauten Tag verborgen,
Doch rastlos fort, wie in der Mitternacht.

Herr! lass auch uns nach deinem Bilde wandeln,
Gib uns des Geistes Kraft und Freudigkeit,
Um ungesäumt zu wirken und zu handeln,
Und Frucht zu schaffen zur gesetzten Zeit.
Gib uns ins Herz Geduld und frohen Mut,
Lass Kraft und Stärke wohnen in den Gliedern;
Nimm allen Schlaf aus unsern Augenlidern,
Und alle Trägheit weg aus Fleisch und Blut.

Lass uns nicht nach vergänglichem Gewinn,
Nach flücht’ger Lust und eitler Ehre ringen;
Wer seinen Schatz erstrebt in solchen Dingen,
Der hat auf Erden seinen Lohn dahin.
Vergänglich ist, womit die Welt sich schmückt,
Woran ihr Herz und Auge sich entzündet;
Nur was das Lob des Heiligen verkündet,
Dem ist ein ewig Siegel aufgedrückt.

Der kleinste Dienst, nach Gottes Wort getan,
Gleicht einem Korn, das sechzigfältig blühet;
Wer um den Lohn der Zukunft sich bemühet,
Der legt sein Pfund zu höchsten Zinsen an.
Lass unsre Augen auf das Künft’ge schauen,
Ein Werk des Lebens gib in unsre Hand;
Mit Gold und Edelsteinen lass uns bauen,
Auf einen Felsen und nicht auf den Sand.

Herr! deine Kraft ist mächtig in den Schwachen,
Du schmückst das Niedrige mit Ruhm und Zier;
Was wir verschmähen, kannst du herrlich machen,
Was wir verachten, das ist groß vor dir.
Die Gnade wirket mehr, als tausend Hände,
Sie ist der Grund, der Gottes Werke trägt;
Wer darauf steht, der blickt getrost ans Ende
Und auf den Tag, der alle Taten wägt.

Anna Schlatter – Morgenlied

In deinem Namen, Jesus Christ,
Steh ich vom Lager auf;
Zu dir, der allenthalben ist,
Richt ich mein Herz hinauf.
Nun wartet wiederum auf mich
Viel Arbeit, Sorg und Müh;
O lieber Herr, ich bitte dich,
Lehr mich vollenden sie!

O lehr mich tun nach deinem Sinn
Das kleinste, größte Werk;
Sei, wenn ich im Gedränge bin,
Nur du mein Augenmerk.
Du siehest, Herr, ich habe nicht
Zum Beten lange Zeit;
Doch du verstehst’s, wenn’s Auge spricht;
Ach, Herr, ich bin im Streit!

Ja, stärke, Herr, mich in dem Streit
Mit dem, was dir missfällt!
Ich werde wieder siegen heut,
Wenn deine Hand mich hält.
Und drängt mich der Geschäfte Last,
Will ich entlaufen dir:
Der du den Sturm gestillet hast,
Still auch den Sturm in mir!

Lehr mich in Allem dich verstehn,
Nur sehn auf deinen Wink;
Heiß’st du mich auf den Wogen gehn,
So halt mich, wenn ich sink!
Ach, lass im Sinken, Herr, mich nicht!
Du weißt’s, ich bin ja dein;
Und wenn mir’s heut an Mut gebricht,
So ruf mir: du bist mein.
Amen!

Carl Gerok – Morgenlied

In dieser Morgendämmerung,
Wie fühl ich mich so stark,
An Leib und Seele frisch und jung,
Erquickt bis in das Mark!
Wie süß die reine Morgenluft
Die Schläfe mir umhaucht,
Als wär in Edens Rosenduft
Ihr kühler Strom getaucht!

Wie friedlich glänzt am Himmelssaum
Der blasse Morgenstern,
Dieweil die Welt im dumpfen Traum
Noch schlummert nah und fern!
Und schau! wie nun im Purpurlicht
Die Sonne blitzt hervor!
Ist das des Himmels Pforte nicht
Und Edens goldnes Tor?

So musst auf seiner Wanderschaft
Dem Pilger Jakob sein,
Als er, gestärkt in Gottes Kraft,
Erwacht auf Bethels Stein.
„Wie heilig ist die Stätte hier,“
So rief er schaudernd aus,
Hier ist fürwahr des Himmels Tür
„Und hier ist Gottes Haus!“

Ja wie im Traum der Schläfer dort
Den Himmel offen sah,
So war der Engel Schutz und Hort
Auch mir im Schlummer nah;
So stiegen, da mein Leib geruht,
Die Engel niederwärts
Und gossen frischen Pilgermut
Ins abgelebte Herz.

Drum wird auch mir zum Heiligtum
Dies stille Kämmerlein,
Drum soll auch mir die Welt ringsum
Ein großes Bethel sein.
Drum schließ auch ich zu dieser Stund
Wie Jakob dort aufs Neu,
Mein Gott und Herr, mit dir den Bund
Der Kindeslieb und Treu.

Gib mir, wie du verheißen hast,
Mein Brot und mein Gewand,
Und führ in Tages Hitz und Last
Mich treulich an der Hand:
So will ich heut in Lust und Not
Dein frommer Pilgrim sein,
Und fröhlich dir am Abendrot
Mein Lob- und Danklied weihn.

Michael Prätorius – Morgenandacht.

Ich dank dir schön durch deinen Sohn,
Gott, für deine Güte,
Dass du mich heint in dieser Nacht
So gnädig hast behütet;
In welcher Nacht ich lag so hart
Mit Finsternis umfangen,
Von aller Sünd geplaget ward,
Die ich mein Tag begangen.

Darum bitt ich aus Herzen Grund,
Du wollest mir vergeben
All mein Sünd, die ich hab begunnt
Mit meinem bösen Leben;
und wollest mich auch diesen Tag
In deinem Schutz erhalten,
Dass mir der Feind nicht schaden mag
Mit Listen mannigfalten.

Regier mich nach dem Willen dein;
Lass mich in Sünd nicht fallen,
Auf dass dir mög das Leben mein
Und all mein Tun gefallen.
Denn ich befehl dir Leib und Seel
und alls in deine Hände:
In meiner Angst und Ungefäll,
Herr, mir dein Hilfe sende!

Auf dass der Fürste dieser Welt
Kein Macht an mir mög finden;
Denn wo mich nicht dein Gnad erhält,
Ist er mir viel zu gschwinde.
Ich hab es all mein Tag gehört:
Menschenhilf ist verloren;
Drum steh mir bei, du treuer Gott!
Zur Hilf bist du erkoren.

Allein Gott in der Höh sei Preis,
Samt seinem eingen Sohne
In Einigkeit des heilgen Geists,
Der herrscht ins Himmels Throne.
Er herrschet so gewaltiglich
Vom Anfang bis zu Ende:
Gott Vater, Sohn und heilger Geist,
Bscher uns ein selig Ende. Amen.

unbekannt – Täglicher Morgen- und Abendsegen.

Des Morgens wenn ich früh aufsteh,
und des Abends zu Bette geh,
Sehn meine Augen, Herr, auf dich,
Herr Jesu! Dir befehl ich mich.

In den heilgen fünf Wunden dein
Da kann ich ruhn und sicher sein
Mit Leib und Seele, Hab und Gut:
Mein Schatz ist nur dein heilges Blut.

Denn, o Herr Christ! am Kreuzesstamm
Dein heilges Blut die Sünd hinnahm;
Drum ich wach oder schlafe ein,
Wollst du, Herr, allzeit bei mir sein.

Dein Engel mir stets halte Wacht;
Drum ich Tod, Teufel, Höll nicht acht,
Denn wo ich bin, bist du bei mir:
Mein Glück und Kreuz kommt alls von dir.

Ich leb odr sterb, so bin ich dein;
Darum ich dir die Seele mein
Befehl jetzund und auch im Tod:
Nimm sie zu dir, o treuer Gott!

Albert Zeller – O sagt euch freundlich guten Tag

O sagt euch freundlich guten Tag,
Umfasset euch mit warmen Händen!
Wer weiß, bis zu dem Abend mag
Das Blatt noch wunderbar sich wenden!

Noch sind die Sehnen stark und straff,
Ihr sonnet euch in Blütentagen,
Oft hängt am Abend welk und schlaff
Die Hand am Morgen ausgeschlagen.

O sagt euch freundlich gute Nacht,
Gebt euch den Bruderkuss, ihr Brüder!
Gar Mancher legt zum Todesschlaf
In seiner kurzen Ruh sich nieder.

Was euch entzweit, das seid nicht ihr,
Ihr könnet euch nur sehr und lieben;
So blickt euch an, es wird, es muss
Der Dämon in sein Nichts zerstieben.

Der Weg ist weit, den Menschen ziehn,
So sprecht: „Der Herr mög dich bewahren!“
Dem fremdsten Wandrer ruft man zu,
Er möge wohl und friedlich fahren.

Anna Schlatter – Mein Gott, in deinen Händen

Mein Gott, in deinen Händen
Liegt dieses Tages Los.
Du wirst mir Segen senden,
Du bist so gut und groß!
Und hast du eine Plage.
mir heute ausersehn,
So lehr mich ohne Klage
Auch finstre Wege gehn!

Für nichts hab‘ ich zu sorgen,
Als dafür nur allein,
Dir, Herr, mit jedem Morgen
Neu dieses Herz zu weihn.
Heil! wer nach deinem Worte
Verharret im Gebet,
Dabei an jedem Orte
Stets auf der Wache steht!

Bei dem wird das Geschäfte
Der Heiligung vollbracht,
Weil Christus seine Kräfte
Zum Streite tüchtig macht.
Hilf mir, o Herr, besiegen
Die Sünde, Fleisch und Welt:
Nie werd‘ ich unterliegen,
Wenn deine Hand mich hält.

Amen.

Nikolaus Ludwig von Zinzendorf – Am Morgen.

Seht, die Nacht vergehet!
Geist und Herz, erstehet!
Seid der Sonne gleich!
Gottes Güt‘ und Treue
Leuchtet nun auf’s Neue,
Kräftig, voll und reich.
Was ihr wollt, kann euch erfreuen:
Gnade, Leben und Gedeihen.

Ließ uns Gott im Blicke
List, Gewalt und Stricke
Unsrer Feinde seh’n;
Welche Fährlichkeiten
uns von allen Seiten
An die Seele geh’n;
Auch wie Er uns pflegt zu decken:
o wie würden wir erschrecken!

Seele, dass auch heute
Dir Gott sei zur Seite,
Darum bitte nun!
Bitt‘ um Heil und Segen
Heut‘ auf Deinen Wegen,
Und bei Deinem Tun!
Vörderst, für die Macht der Sünden
Rat und Widerstand zu finden.

Seufz‘ in heißem Geiste,
Dass Er Hilfe leiste,
Und sei Rat und Kraft;
Dass Dich Nichts verleite
Auf die linke Seite
Bei der Pilgrimschaft:
Weil so viel Gefährlichkeiten
Dich an Seel‘ und Leib begleiten!

Bete, ruf und bitte
Um gewisse Tritte
Unter deiner Last!
Deinen Weg zu finden
Und zu überwinden,
Was du vor dir hast;
Auch durch Ringen, Reisen, Kämpfen
Alle Hindernis‘ zu dämpfen.

Will die Welt dich haben,
Und mit ihren Gaben
Wieder zu sich zieh’n:
Sei du unempfindlich
Und in Liebe kindlich,
Dass du kannst entflieh’n.
Besser, sich auch töricht fassen,
Als von ihr gewinnen lassen.

Hast du nun gesehen,
Wie es Gott lässt gehen,
Was Er ausgeführt:
So fang‘ an zu singen,
Und Ihm Lob zu bringen,
Dem das Lob gebührt.
Such Ihn auch in neuen Weisen
Alle Tage mehr zu preisen!

Gottes Machtbeschützen
Lass dir dazu nützen,
Dass du treuer wirst!
Such‘ Ihm and dein Leben
Wirklich zu ergeben!
Er ist Lebensfürst.
Such‘ es ja vor allen Dingen
Im Gehorsam weit zu bringen:

Dass dir’s wohlgefället,
Wie dein Gott sich stellet,
Grausam oder gut,
Wenn Er straft und schläget,
Wenn Er küsst und träget:
Alles, was Er tut.
Dank‘ und rühme bei der Freude!
Lieb‘ und lob‘ Ihn auch im Leide!

(1720.)