Ringwald, Bartholomäus – Ein sehr tröstlich Lied und Vermahnung, an Gottes Wort allzeit fest zu halten.

Im Ton: Durch Adams Fall ist ganz verderbt.

1. Freuet euch all, die ihr Leide tragt
Allhie auf dieser Erden,
Harret des HErrn, seid unverzagt,
Ihr sollt getröstet werden;
Denn unser Gott
Lässt nicht in Spott,
Die seinem Wort getrauen,
Und obs schon scheint,
Als wär er Feind,
Laß man sich doch nicht grauen.

2. Der HErr hat an sich einen Brauch,
Tut ihn oft wiederholen:
Wen er lieb hat, den straft er auch
Und zeucht ihn durch die Kohlen,
Hält mit ihm Straußficht mit ihm einen Kampf aus1,
Hart überaus,
Als wollt er ihn nicht haben,
Und mit Gefahr
Ihm nehmen gar
All Gnad, Zusag und Gaben.

3. Aber, ihr Christen, merket frei,
Es geht ihm nicht von Herzen,
Sein ganzer Ernst ist nicht dabei,
Er tut nur mit euch scherzen,
Sich nur so stellt,
Sein Herz verhehlt,
Will euch ein wenig üben
Und mit der Zucht
Als unversucht
In euch den Glauben prüfen.

4. Gedenkt, wie er dem Abraham
Und Jacob, Isaacs Sohne,
Mit einer schweren Bürde kam,
Tat ihrer nicht verschonen;
Sie mussten auch
Im scharfen Strauch
Die Weg des HErren spüren,
Von welchem Joch
Sie Christus doch
Mit Wunder tat ausführen.

5. Marien dass auch widerfuhr,
Und dem heidnischen Weibe,
Uns zum Exempel und Figur,
Dass wir in allem Leide
An Gottes Wort,
So wir gehört,
Allweg fest sollen halten
Und kein Gewalt
Noch fremd Gestalt
Uns davon lassen spalten.

6. Was Gott im Wort verheißen hat
Und den Christen versprochen,
Das hat Nachdruck und geht von Statt,
Wird nimmermehr gebrochen,
Obschon dein Schmerz
Und eigen Herz
Dich anders wollten wiegen,
Kehr dich nicht dran,
Gott ist ein Mann
Der nimmermehr kann lügen.

7. An seinem Wort beständig bleib,
Dessen bis
sei2 hoch geflissen.
Dem HErrn kein Ziel noch Weg vorschreib,
Er wirds wohl selber wissen,
Wodurch er dich
Gewaltiglich
Zu seiner Zeit soll schützen,
Damit er dir
Und seiner Zier
Allhie und dort mög nützen.

8. Wart aus, steh fest, gleich wie ein‘ Maur,
Gib dich in Gottes Hände,
Und wo dir wird der Streit zu saur,
Dich zum Gebete wende
Und Christum bitt,
Dass er woll mit
Dem heiligen Geist dich stärken,
So wird er sich
Genädiglich
Mit Trost lassen vermerken.

9. Gott ist getreu und kennt gar wohl
Aller Menschen Gebrechen,
Und weiß, wie lang er warten soll
Uns wieder zuzusprechen.
Wenn er empfind,
Dass seinem Kind
Das Herz will untersinken,
So springt er zu,
Schafft Fried und Ruh
Und gibt ihm Wein zu trinken.

10. O HErr, in uns den Glauben mehr,
Dieweil wir sind auf Erden;
Durchs Kreuz uns deinen Willen lehr,
Dass wir klug und fromm werden.
Hilf und bewahr,
Bis du uns gar
Vollkommen wirst erfreuen,
Wenn deine Hand
Als ein Gewand
Den Himmel wird erneuen. Amen.

Arnold, Gottfried – Das gütige Wort Gottes.

Ist dieß nicht meines Hirten Wort,
Der immerdar so gerne
Anklopft vor meines Herzens Pfort‘,
Und nicht nur steht von ferne?
Ja, ja, Er ist’s! Sein Gnadenlicht,
Das mir im Dunkeln stets anbricht,
Zeugt von dem Morgensterne.

Zuvor war mir der Unterscheid
Der rechten Stimm‘ Verborgen;
Des falschen Lichtes Trüglichkeit
Erweckte mir viel Sorgen.
Die Schlang‘ in englischer Gestalt
Macht, daß mein Aug zurückeprallt
Vorm Sonnenstrahl am Morgen.

Zuweilen hat Kleinmüthigkeit
Und Schrecken mich betrogen,
Bald Zweifel, Furcht und schwerer Streit
Den Glauben überwogen,
So daß mein Freund gar leise nur
Kund geben konnte seine Spur,
Und schien mir ganz entzogen.

Nun aber kenn‘ ich ganz genau
Des Liebsten eig’ne Reden,
Weil ich Ihn selber zu mir schau‘
Unmittelbar hintreten,
Wo ich Ihn ohn Mittel vör‘,
Und als ein Schaf den Hirten ehr‘
Mit Lieben, Folgen, Beten.

Und welche Kreatur kann auch
Mir solche Stimme schenken,
Die durch des Geistes Liebeshauch
Mir einkommt im Gedenken:
Wenn sich in meines Herzens Pfort‘
Eröffnet das wortlose Wort,
Den Sinn auf Ihn zu lenken?

Geist, Wahrheit, Kraft, Heil, Wesen ist,
Ja, Licht und ew’ges Leben,
Was dieß dein Wort, Herr Jesu Christ,
Den Schafen pflegt zu geben.
Das fühl ich wohl, drum ist mein Will‘
Bei deiner Lehre wach und still,
Daß er mög‘ in Dir weben.

Dieß ist das Zeichen und das Pfand,
Daran ich Dich erblicke,
So oft ich aus dem dunkeln Land
Die Augen aufwärts schicke.
Da läst’st Du Dich im Geiste seh’n,
Und mit Dir wie ein Mensch umgehn,
Daß sich mein Herz erquicke.

Herr, Du hast nirgends was gespart,
Mir wohlzuthun im Leben;
Seitdem ich Dir verbunden ward,
Hast Du Dich mir gegeben,
Versagest mir auch ferner nicht,
Was mir zum Seligseyn gebricht, –
Drum will ich Dich erheben!

Arnold, Gottfried – Untrüglichkeit des Wortes Gottes.

Frag deinen Gott, hör‘, was Er zeuget,
In seinem Wort, weil hier sein Geist
Nie seinen Willen dir verschweiget,
Wenn du ihn nicht von selber weißt.
Dämpf nicht des Geistes Unterricht,
Frag‘ deinen Gott, da hol Bericht!

Frag‘ deinen Gott, laß Ihn dich führen,
So wird die Morgenroth‘ aufgeh’n;
Du wirst ihr Leuchten reichlich spüren,
Und bald im Tageslichte steh’n.
Drum frage deinen Willen nicht;
Frag‘ deinen Gott, da hol Bericht!

Des höchsten Ausspruch kann nicht trügen,
Nichts Dunkles ist im Sonnenlicht!
Die Kreaturen können lügen,
Und lügt dein Herz oft selber nicht?
Was suchst du in und außer dir?
Frag‘ deinen Gott, sein Wort ist hier!

Wohl! wenn dein Wille mit dem Worte
Des Einzigweisen stimmet ein:
So kann in keinem Stand noch Orte
Sein Wille dir zuwider seyn!
Der Vater ist des Kindes Hort,
Das mit Ihm Eins wird durch sein Wort.

Selneccer, Nikolaus – Um Erhaltung bei Gottes Wort.

Aus dem 84. Psalm.
Mel. Mensch, willst du leben seliglich.

Gleichwie sein Haus der Vogel baut,
Die Schwalbe auf ihr Nestlein schaut,
Also tracht ich nun ganz und gar,
Herr Jesu Christ nach deim Altar.
Kyrieleis.

2. Hilf mir, o Herr, durchs Jammerthal,
Gieb deinen Dienern überall,
Daß sie dein Brünnlein leiten recht,
Und wir behalten den Glauben schlecht.
Kyrieleis.

3. Viel besser ists in deiner Gemein
Der allergeringst und wenigst sein,
Denn sonst der herrlichst in der Welt,
Voll Reichthum, Glück, Ehr, Gut und Geld.
Kyrieleis.

4. Du bist der Herr, Licht, Sonn und Schild,
Giebst Gnad und Ehr, bist gut und mild.
Hilf Herr, den Glauben in uns mehr
Und unser Herz zu dir bekehr.
Kyrieleis.

5. Erhalt dein Kirch in allem Land,
Dein Nam sei überall bekannt.
Herr Christ, sei du das Fundament,
Gieb treue Lehrer bis ans End.
Kyrieleis.

6. Bleib bei uns gnädig, rett dein Ehr,
Erhalt dein Wort und heilsam Lehr.
Du hast doch all Gewalt und Macht,
Obgleich die Welt dein nicht viel acht.
Kyrieleis.

7. Was ist die Welt? Was ist ihr Kunst?
Was ihre Phantasei und Dunst?
Wer dein Wort hat, derselb besteht.
Gunst, Kunst, Trotz, Muth und Macht vergeht.
Kyrieleis.

8. Hilf, o Herr Christ, verbirg dich nicht.
Nach unsern Sünden uns nicht richt.
Denk wie kurz unser Leben sei.
Darum steh du uns allzeit bei.-
Kyrieleis.

9. Erhalt dein Kirch, eil zum Gericht.
Laß uns nun länger warten nicht.
Rett uns von aller Qual und Pein,
Und laß uns bei dir selig sein.
Kyrieleis.

10. Hilf uns recht gehn durchs rothe Meer
Und unsre Herzen zu dir kehr,
Daß wir entfliehn der Sünden Schand
Und kommen ins gelobte Land.
Kyrieleis.

Arndt, Ernst Moritz – Das Wort.

Was ist die Macht, was ist die Kraft,
Des Christen stolze Ritterschaft,
Der Schirm und Schild und Schmuck der Ehren,
Die ungebrochne Wehr der Wehren,
In jeder Noth und Fahr der Hort?
Das ist das Wort, das feste Wort.

Was kann wie ein zweischneidig Schwerdt,
Das blitzend aus der Scheibe fährt,
Mark und Gebein im Hui zerschneiden,
Die Geister und die Leiber scheiden?
Was hat so freißlich scharfen Ort?
Das ist das Wort, das feste Wort.

Was braust daher wie Windesbraut
Und überdonnert Donners Laut?
Was donnert in der Sünder Ohren,
Gleich einem Schwur von Gott geschworen?
Was ists, was durch die Seelen bohrt?
Das ist das Wort, das feste Wort.

Was säuselt wie ein Westenwind
Vom Frühlingshimmel sanft und lind?
Was säuselt lieblich durch die Herzen,
Ein Trost und Balsam aller Schmerzen?
Was wehet alle Sorgen fort?
Das thut das Wort, das feste Wort.

O Wort der Macht, o Wort der Kraft,
Das so gewaltig wirkt und schafft,
O Wort der Schrecken und der Freuden,
Zum Heilen mächtig und Zerschneiden!
Du warest eh’r als Zeit und Ort,
Du starkes Wort, du festes Wort.

O Wort der Macht, o Wort der Kraft,
Du meines Herzens Ritterschaft,
Wollst ewig in und bei mir bleiben,
Durch Donner und durch Säusel treiben
Zum rechten Kampfe fort und fort,
Mein starkes Wort, mein festes Wort.

Arndt, Ernst Moritz – Anrufung des Worts

O Gottes Wort, gewaltig Wort,
Wie führt dein Schwerdt so scharfen Ort!
Fast unsichtbar und zart und fein,
Doch bohrt er tief durch Mark und Bein.

O Gottes Wort, gewaltig Wort,
Du Seelenschrecken, Geisterhort!
Du ernst geheime Majestät,
Die still durch alle Welten geht.

Bald gleich dem Sturmwind wild und graus
Du fährst mit Blitz und Donner aus,
Bald freundlich, fröhlich, lieb und lind
Du hauchest gleich dem Maienwind.

O Wort so mächtig und so treu!
O ältstes Wort, doch ewig neu!
Laß deine Schrecken mich durchwehn,
Damit ich lerne Gott verstehn.

O Wort so freundlich und so lind!
Durchhauche mich wie Maienwind,
Laß deine Liebe mich durchwehn,
Damit ich lerne Gott verstehn.

Dann wird mir alles offenbar
Und sternenhell und himmelklar,
Dann liegt mein kurzes Erdenlos
Geborgen fromm in Gottes Schoß.

O Wort so mächtig und so treu!
O ältstes Wort, doch ewig neu!
Du Wort von Liebe, Wort von Licht!
Verlaß mich nun und nimmer nicht.

unbekannt – Was David sprach

Was David sprach,
Das sag‘ ich nach:
Dein Wort, Herr, ist mir lieber,
Als Centner Gold;
Ihm bleib‘ ich hold
Bis an das Grab, und drüber!

2. Das Gold vergeht,
Dein Wort besteht.
Mein Leib, der Staub, zerstäubet;
Die Erde weicht,
Der Himmel fleucht,
Doch, was Du sagst, das bleibet!

3. Es ist voll Geist;
Wie oft zerreißt
Es felsengleiche Herzen!
Den nichts bewegt,
O dem erregt
Es oft die bangsten Schmerzen.

4. Gott hat’s gesagt:
Wer nach ihm fragt,
Dem lehrt es seine Pflichten;
Es ist das Wort,
Nach dem auch dort
Gott will den Erdkreis richten.

5. Froh denk‘ ich d’ran,
Wie manchen Wahn
Es meiner Seel entrissen,
Mir Gott enthüllt,
Mein Herz gestillt,
Beruhigt mein Gewissen!

6. Ich rühm‘ es laut:
Ich darf vertraut
Vor den Erhab’nen treten.
Treu unterweis’t
Der Kindschaft Geist
Mich durch dies Wort im Beten.

7. So oft die Welt
Mir Netze stellt,
Und ich zu schwach mich merke,
Les ich dies Wort,
Bis mich ein Ort
In ihm beseelt mit Stärke.

8. Vom Sündengift
Heilt nur die Schrift,
Da, wo sie Christum lehret;
Mein Herz, voll Reu‘,
Wird kummerfrei,
Wenn es von Christo höret.

9. O Wort von Gott!
Kein Haß, kein Spott,
Kein Drohen, kein Versprechen
Soll je zu Dir
Die Lieb‘ in mir
Und den Gehorsam schwächen.

10 Wird’s Pflicht für mich,
Wort Gottes! dich
Vor Königen zu reden,
So soll mein Mund
Zu keiner Stund‘
Sich dieser Pflicht entblöden.

Heinrich Cornelius Hecker – Wort aus Gottes Munde,

Wort aus Gottes Munde,

Wort vom Friedensbunde,

Evangelium!

Brunnquell ew’ger Freuden!

Trost in allen Leiden,

Unser höchster Ruhm!

Gotteskraft,

Die Glauben schafft,

Süße Botschaft, uns zum Leben

Von dem Herrn gegeben!

 

  1. Was sein höchster Wille

In der Gnaden Fülle

Vor der Welt verseh’n,

Was der Opfer Schatten

Vorgebildet hatten,

Das ist nun gescheh’n.

Gottes Rath

Wird nun zur That,

Ist in Jesu Ja und Amen;

Preis sei seinem Namen!

 

  1. Alles ist vollendet,

Uns ist zugewendet

Freie Gnad‘ und Huld.

Jesus ist gestorben,

Jesus hat erworben

Tilgung unsrer Schuld.

Jesus thront

Bei Gott, und lohnt

Allen, die sich Ihm ergeben

Nun mit ew’gem Leben.

 

  1. Kommt, zerknirschte Herzen

Die in bittern Schmerzen

Das Gesetz zerschlug,

Kommt zu dessen Gnaden

Der, für euch beladen,

Alle Schmerzen trug!

Jesu Blut

Stärkt euren Muth;

Gott ist hier, der euch geliebet,

Und die Schuld vergibet.

 

  1. Dieser Grund bestehet;

Wenn die Welt vergehet,

Fällt er doch nicht ein,

Darauf will ich bauen,

So soll mein Vertrauen

Evangelisch sein;

Auch will ich

Nun würdiglich

In der Kraft, die mir gegeben,

Evangelisch leben.

 

  1. Jesu, deine Stärke,

Schaffet diese Werke;

Stehe Du mir bei!

Nichts soll uns nun scheiden;

Hilf, daß auch mein Leiden

Evangelisch sei.

Laß auch mich

Dereinst durch Dich,

Als ein Kind, mit Dir zu erben,

Evangelisch sterben!

Carl Bernhard Garve – Lob des Wortes.

Wort von Gotteskraft, durch dich

Wird das Herz sich aufgeschlossen,

Und ein Feld eröffnet sich,

Wo dem Himmel Ernten sprossen.

Keiner Weltmacht kann gelingen,

Was Du hilfst in Kraft vollbringen.

 

  1. Selig, die an Gottes Wort

Geist und Herz so gern erquicken,

Und vom Baum, der nie verdorrt,

Blätter der Gesundheit pflücken,

Und in seinen Bergwerksgründen

Immer neue Schätze finden!

Carl Bernhard Garve – Dein Wort, o Herr! ist milder Thau

Dein Wort, o Herr! ist milder Thau

Für trostbedürft‘ge Seelen.

Laß keinem Pflänzchen deiner Au

Den Himmelsbalsam fehlen!

Erquickt durch ihn,

laß jedes blüh’n,

Und in der Zukunft Tagen

Dir Frucht und Saamen tragen.

 

  1. Dein Wort ist, Herr, ein Flammenschwert,

Ein Blitz, der Felsen splittert,

Ein Feuer, das im Herzen zehrt,

Und Mark und Bein erschüttert.

O laß dein Wort

Noch fort und fort

Der Sünde Macht zerscheitern

Und alle Herzen läutern!

 

  1. Dein Wort ist uns der Morgenstern

für unsre Pilgerreise.

Es führt auch Thoren hin zum Herrn,

Und macht die Einfalt weise.

Dein Himmelslicht

Verlösch‘ uns nicht;

Es leuch‘ in jede Seele,

Daß keine Dich verfehle!