O Jesu, göttlich Wunderkind,
Das mir mein ganzes Herz entzünd’t,
Du woll’st mich nicht verschmähen!
Ich seh‘ mich sanft in stillem Sinn,
Im Geist zu deiner Krippe hin,
Und will dich recht besehen.
Lass dein‘ Aug’lein
Mich anblicken, In mich drücken
Deine Klarheit,
Und dein Kinderbild in Wahrheit.
O Unschuld, mehr als engelrein,
Du läss’st kein Sündenstäubchen ein,
O Spiegel ohne Flecken!
Du kleines Lamm nichts Arges denkst,
Bist Allen hold und Keinen kränkst,
Und musst den Tod doch schmecken.
Jesu, Wie du
Lass mich werden, Noch auf Erden;
Fremd dem Bösen,
Rein, unschuldig sei mein Wesen.
Die Einfalt leucht’t dir im Gesicht,
Du bist ganz Wahrheit, Recht und Licht,
Nichts Falsches kann sich regen.
Du suchst, mein Kindchen, nichts für dich,
Du meinst den Vater lauterlich
Ohn‘ eig’nes Überlegen.
Jesu, Wie du
Lass mich werden, Noch auf Erden,
Dass ich meine
Schlecht und recht nur dich alleine.
Du großer Schöpfer aller Ding‘,
Liegst da so klein und ganz gering‘,
O aller Demut Wunder!
Du hältst verborgen deinen Schein,
Du willst veracht’t und niedrig sein;
Wie läss’st du dich herunter!
Jesu, Wie du
Lass mich werden, Noch auf Erden,
Dass ich gerne
Von dir deine Demut lerne.
Dein Herz ist voller Gütigkeit,
Ich kann die süß’ste Freundlichkeit
Aus deinen Augen lesen.
Holdselig du dich Allen zeigst,
Und Allen deine Gnade reichst,
Du sanftes Kinderwesen.
Jesu, Wie du
Lass mich werden, Noch auf Erden,
Allen gütig,
Ganz gebrochen und sanftmütig.
Wie liegst du so gelassen, ach,
In Elend, Kält‘ und Ungemach,
Du lässest mit dir machen;
Man mag dich legen wie man will,
Du bleibst zufrieden, froh und still,
Die süßen Aeug’lein lachen.
Jesu, Wie du
Lass mich werden, Noch auf Erden,
Still, gelassen,
Was du schickest, zu umfassen.
Du liegst so unbekümmert da,
Und bist so schwach und dürftig ja,
Ein And’rer muss dich halten.
Du läss’st die Hände wickeln ein,
Und willst so recht abhängig sein,
Den Vater läss’st du walten.
Jesu, Wie du
Lass mich werden, Noch auf Erden,
Stets verborgen,
Auf dich trauen ohne Sorgen.
O ewig’s Wort, nun schweigest du,
Dein Geist, der ist in höchster Ruh,
Wie still sind deine Lippen!
Die Schaar der Engel bet’t dich an,
Die Hirten haben’s auch getan,
Doch schweigst du in der Krippen.
Jesu, Wie du
Lass mich werden, Noch auf Erden,
Lehr mich schweigen,
Und im Geist vor dir mich beugen.
Wie bist du nicht ein armes Kind,
Das keinen Raum im Hause find’t,
Bist mit dem Stall zufrieden.
Mich dünkt, dein ganzes Wesen spricht:
Weg Geld und Gut, ich will euch nicht,
Ich halt mich abgeschieden.
Jesu, Wie du,
Lass mich werden, Noch auf Erden,
Armut lieben,
Stets mich im Verleugnen üben.
Da liegst du so veracht’t und schlecht,
Gottes Sohn, gleichwie ein Knecht,
Von einer Magd geboren.
Die Hoheit, Ehr‘ und Herrlichkeit
Verleugnest du als Eitelkeit,
Hast lieber Schmach erkoren.
Jesu, Wie du,
Lass mich werden, Noch auf Erden,
Und begehren
Lieber Schmach als Lob und Ehren.
Du bist wohl recht ein Leidenskind;
Jetzt büßest du schon meine Sünd‘,
Es zeigen’s deine Tränen.
Du willst schon früh im Leiden sein
Und willig dich zu Kreuz und Pein
Von Mutterleib gewöhnen.
Jesu, Wie du,
Lass mich werden, Noch auf Erden,
Wollst mir eben
Solchen Leidenssinn auch geben.
Du schönes, liebes Engelein,
Ich müsst ein harter Felsen sein,
Wenn ich dich nicht sollt‘ lieben.
Was an dir ist, ist liebenswert,
Du bist es, den mein Herz begehrt,
Es sei dir ganz verschrieben.
Jesu, Nur du
Bist’s alleine, Den ich meine,
Lass auf Erden
Mich dein liebes Kind noch werden.
Mein Jesu, ich umarme dich,
Komm, drück‘ dein Kinderbild in mich,
Lass mich dir ähnlich werden.
Ein klein, unschuldig Kindelein,
So geh‘ ich in den Himmel ein
Noch weil ich leb‘ auf Erden;
Lebe, Schwebe
Abgeschieden, Still im Frieden,
Werd‘ auch droben
Dich in Unschuld ewig loben.