Philipp Friedrich Hiller – Wie lieblich klingt’s den Ohren

Wie lieblich klingt’s den Ohren,
Dass du bist Mensch geboren,
Und mein Erlöser bist!
Wie lieblich, wie erquickend,
Wie selig, wie entzückend
Ist doch dein Name, Jesus Christ!

2. Wie groß ist deine Stärke,
Wie herrlich deine Werke,
Wie heilig ist dein Wort;
Wie ist dein Tod so tröstlich,
Wie ist dein Blut so köstlich,
Mein Fels des Heils, mein Lebenshort!

3. Wie reich sind deine Gaben!
Wie hoch bist du erhaben
Auf deinem Königsthron!
Es singen, jauchzen, dienen
Dir alle Seraphinen,
Du wahrer Gott und Menschensohn.

4. Wie bist du von den Banden
Des Grabes auferstanden,
Hast Höll‘ und Tod besiegt,
Bist unter Himmelsscharen
So herrlich aufgefahren,
Bis Alles dir zu Füßen liegt!

5. Wie süß ist deine Lehre!
Wie groß ist deine Ehre!
Wie herrschest du allein!
Wer wollte nicht, o König,
In Ehrfurcht untertänig,
Und gern in deiner Gnade sein?

6. Erweitert Tor‘ und Türen!
Lasst Ehrenpforten zieren,
Empfangt ihn in der Welt;
Geht jauchzend ihm entgegen,
Dieweil zu eurem Segen
Der Ehrenkönig Einzug hält!

7. Wer ist’s, wer läßt sich hören
Als König aller Ehren? –
Der Herr der Herrlichkeit!
Der ist es, der kommt prächtig,
Der Herr, der stark und mächtig,
Der Herr, der Sieger ist im Streit.

8. Erhöhet Tor‘ und Türen,
Den König einzuführen!
Wer ist’s, der Einzug hält?
Der König aller Ehren!
Der Herr von Gottes Heeren,
Der Ehrenkönig aller Welt!

9. Preis dir von allen Frommen!
Du kommst, sey uns willkommen,
Im Namen unsern Herrn.
Der Herr ist Gott, der Eine,
Der uns erleucht’t alleine
Als unser Licht und Morgenstern!

Gerhard Tersteegen – O Jesu, göttlich Wunderkind

O Jesu, göttlich Wunderkind,
Das mir mein ganzes Herz entzünd’t,
Du woll’st mich nicht verschmähen!
Ich seh‘ mich sanft in stillem Sinn,
Im Geist zu deiner Krippe hin,
Und will dich recht besehen.
Lass dein‘ Aug’lein
Mich anblicken, In mich drücken
Deine Klarheit,
Und dein Kinderbild in Wahrheit.

O Unschuld, mehr als engelrein,
Du läss’st kein Sündenstäubchen ein,
O Spiegel ohne Flecken!
Du kleines Lamm nichts Arges denkst,
Bist Allen hold und Keinen kränkst,
Und musst den Tod doch schmecken.
Jesu, Wie du
Lass mich werden, Noch auf Erden;
Fremd dem Bösen,
Rein, unschuldig sei mein Wesen.

Die Einfalt leucht’t dir im Gesicht,
Du bist ganz Wahrheit, Recht und Licht,
Nichts Falsches kann sich regen.
Du suchst, mein Kindchen, nichts für dich,
Du meinst den Vater lauterlich
Ohn‘ eig’nes Überlegen.
Jesu, Wie du
Lass mich werden, Noch auf Erden,
Dass ich meine
Schlecht und recht nur dich alleine.

Du großer Schöpfer aller Ding‘,
Liegst da so klein und ganz gering‘,
O aller Demut Wunder!
Du hältst verborgen deinen Schein,
Du willst veracht’t und niedrig sein;
Wie läss’st du dich herunter!
Jesu, Wie du
Lass mich werden, Noch auf Erden,
Dass ich gerne
Von dir deine Demut lerne.

Dein Herz ist voller Gütigkeit,
Ich kann die süß’ste Freundlichkeit
Aus deinen Augen lesen.
Holdselig du dich Allen zeigst,
Und Allen deine Gnade reichst,
Du sanftes Kinderwesen.
Jesu, Wie du
Lass mich werden, Noch auf Erden,
Allen gütig,
Ganz gebrochen und sanftmütig.

Wie liegst du so gelassen, ach,
In Elend, Kält‘ und Ungemach,
Du lässest mit dir machen;
Man mag dich legen wie man will,
Du bleibst zufrieden, froh und still,
Die süßen Aeug’lein lachen.
Jesu, Wie du
Lass mich werden, Noch auf Erden,
Still, gelassen,
Was du schickest, zu umfassen.

Du liegst so unbekümmert da,
Und bist so schwach und dürftig ja,
Ein And’rer muss dich halten.
Du läss’st die Hände wickeln ein,
Und willst so recht abhängig sein,
Den Vater läss’st du walten.
Jesu, Wie du
Lass mich werden, Noch auf Erden,
Stets verborgen,
Auf dich trauen ohne Sorgen.

O ewig’s Wort, nun schweigest du,
Dein Geist, der ist in höchster Ruh,
Wie still sind deine Lippen!
Die Schaar der Engel bet’t dich an,
Die Hirten haben’s auch getan,
Doch schweigst du in der Krippen.
Jesu, Wie du
Lass mich werden, Noch auf Erden,
Lehr mich schweigen,
Und im Geist vor dir mich beugen.

Wie bist du nicht ein armes Kind,
Das keinen Raum im Hause find’t,
Bist mit dem Stall zufrieden.
Mich dünkt, dein ganzes Wesen spricht:
Weg Geld und Gut, ich will euch nicht,
Ich halt mich abgeschieden.
Jesu, Wie du,
Lass mich werden, Noch auf Erden,
Armut lieben,
Stets mich im Verleugnen üben.

Da liegst du so veracht’t und schlecht,
Gottes Sohn, gleichwie ein Knecht,
Von einer Magd geboren.
Die Hoheit, Ehr‘ und Herrlichkeit
Verleugnest du als Eitelkeit,
Hast lieber Schmach erkoren.
Jesu, Wie du,
Lass mich werden, Noch auf Erden,
Und begehren
Lieber Schmach als Lob und Ehren.

Du bist wohl recht ein Leidenskind;
Jetzt büßest du schon meine Sünd‘,
Es zeigen’s deine Tränen.
Du willst schon früh im Leiden sein
Und willig dich zu Kreuz und Pein
Von Mutterleib gewöhnen.
Jesu, Wie du,
Lass mich werden, Noch auf Erden,
Wollst mir eben
Solchen Leidenssinn auch geben.

Du schönes, liebes Engelein,
Ich müsst ein harter Felsen sein,
Wenn ich dich nicht sollt‘ lieben.
Was an dir ist, ist liebenswert,
Du bist es, den mein Herz begehrt,
Es sei dir ganz verschrieben.
Jesu, Nur du
Bist’s alleine, Den ich meine,
Lass auf Erden
Mich dein liebes Kind noch werden.

Mein Jesu, ich umarme dich,
Komm, drück‘ dein Kinderbild in mich,
Lass mich dir ähnlich werden.
Ein klein, unschuldig Kindelein,
So geh‘ ich in den Himmel ein
Noch weil ich leb‘ auf Erden;
Lebe, Schwebe
Abgeschieden, Still im Frieden,
Werd‘ auch droben
Dich in Unschuld ewig loben.

Michael Weiße – Geburt des Herrn Jesu Christi.

Lobet Gott, o liebe Christen,
Singet ihm mit dem Psalmisten
Ein neu fröhlich Lied,
denn aus großer Lieb‘
Macht Gott mit uns einen ewigen Fried!
Der Sohn Gottes ist gekommen,
Hat unser Fleisch angenommen,
Ist hie erschienen, uns zu versühnen
Und ewige Klarheit zu verdienen.
Er ist kommen, uns zu heilen
Und sein Gut mit uns zu teilen,
Uns zu entbinden von allen Sünden,
Wie uns sein‘ Engel fröhlich verkünden.
Danksagung sei Gott, der mit uns durch seinen Sohn
Solche Barmherzigkeit hat getan!

Frohlockt ihr Jungen und Alten,
Denn Gott hat sein Wort gehalten,
Besucht sein Erbteil, aufgericht’t sein Heil,
Gesandt den verheiß’nen Emanuel.
Wer mag was Besseres erdenken,
Das uns Gott hätt mögen schenken,
Als diesen Heiland, der Jesus genannt
Und ein recht‘ Seligmacher wird erkannt?
Wer hätt uns sonst können helfen
Und unsern Feind niederwerfen,
Uns benedeien und Gnad‘ verleihen,
Dadurch uns von allem Übel befreien?
Lob sei Gott! denn er hat sein Volk nicht verstoßen,
Sondern sein’n Sohn ihm helfen lassen.

Freut euch heut‘, ihr Auserkor’nen!
Dankt Gott, o ihr Neugebor’nen!
Denn ihr habt erkannt den wahren Heiland,
Und seine Gnad‘ ist ganz zu euch gewandt,
Er hat euch Freundschaft erweiset,
Seine Lieb‘ an euch gepreiset;
Ihr waret verflucht, er hat euch besucht
Und benedeit durch sein‘ einige Frucht.
Er hat nicht ewig gedreuet1gedroht,
Sondern euch höchlich erfreuet,
Lässt nun verkünden Ablass der Sünden
Und sich barmherzig und mild erfinden.
Dank und Preis sei Gott, dem Vater, zu aller Zeit,
Der sein Volk durch Christum benedeit.

Preiset Gott, o liebe Kinder,
Und Christum, den Trost der Sünder,
Der euch aus Torheit geführt zur Wahrheit,
Verheißt und gibet ewige Klarheit!
Lobsinget dem Herrn mit Freuden
Und preiset das Licht der Heiden,
Das am dunkeln Ort leuchtet durch sein Wort,
Den Auserwählten zur neuen Geburt!
Rühmet Gott, alle Gemeinen,
Habt Lust an Christo, dem Reinen,
Lasst ihm den Vorgang, sagt ihm Lob und Dank,
Und singet fröhlich der Engel Gesang:
„Preis sei Gott! Auf Erden sei Fried‘, und uns allen
In Christo herzlich Wohlgefallen!“ Amen.

Gottfried Arnold – Das innere Weihnachtsfest.

Bisher hab‘ ich geglaubt, Maria sei allein
Die Mutter meines Herrn, und ich dürft Ihm vereinet
Durch Liebe wie ein Freund etwa dem andern sein,
Bis mir das größeste Geheimnis nun erscheinet:
Dass Christus ist in uns mit seiner Menschheit Kraft,
Der Fleisch in uns annimmt, gewinnt Gestalt mit Schmerzen,
Ein Lebenswort, das uns ein neues Wesen schafft;
So wohnt der neue Mensch in Gottes Tempelherzen;
Der gilt in Christo nur, den sieht und fühlt der Geist,
Macht’s Andern kundbar groß, als aller Wunder fülle,
Weil Gott im neuen Leib selbst offenbaret heißt,
So wächst dies Gotteskind an Alter in der Stille,
Bis es zum Jüngling wird, und zum vollkommnen Mann.-
Gib mir, o Herr, dass ich das ganz erleben kann!

Johann Baptist von Albertini – Ehre sei

„Ehre sei
Ehre sei Gott in der Höh,
an den Menschen Wohlgefallen,
Fried‘ im Erdental voll Weh!“
Menschenkinder, hört ihr’s schallen?
strahlet euch der Engel Heeresmacht
durch die Nacht?

„Mach‘ dich auf!
werde Licht!“ – ruft Gott vom Thron –
„Erd‘ in Finsternis begraben!
sieh, Ich sende Meinen Sohn,
reich gesalbt mit Geist und Gaben:
schau ihm froh in’s lichte Angesicht
werde Licht!“

Hirten, eilt
Hirten, eilt nach Bethlehem –
betet an den Himmelsknaben!
an der Botschaft angenehm
lasset Alles Anteil haben!
gehet hin, verkündigt’s unverweilt —
Hirten, eilt!

Ehr ist nun
Ehr ist nun Gott in der Höh,
an den Menschen Wohlgefallen,
Fried‘ im Erdental voll Weh!
Menschen, lasst uns niederfallen!
lasst uns um das Friedenskindelein
selig sein!

Johann Baptist von Albertini – Leuchte hell im finstern Stalle

Leuchte hell im finstern Stalle,
Gottespracht!
Seht, sie macht
ihn zum Himmelssaale!
klingt hernieder, Friedenstöne!
jauchzet Ihm,
Cherubim!
betet, Erdensöhne!

Euch ist’s Wunderkind geboren:
Gottes Sohn
kommt vom Thron
retten, was verloren.
Königszeptern, Hirtenstäben
gilt Er gleich:
Himmelreich
will Er Allen geben,

Nimm uns hin, Du Wunderbarer,
groß von Rat,
stark von Tat,
neuen Bund’s Bewahrer!
Ewigvater, Held im Kriegen,
Friedefürst!
Du, Du wirst
unsern Tod besiegen.

Johann Anastasius Freylinghausen – So ist denn nun die Hütte aufgebauet.

Johannes 1,14.

Eigene Weise.

1. So ist denn nun die Hütte aufgebauet,
Die Hütte, die der Cherubinen Heer
Und was sich sonst von Engeln findet mehr
Mit wundervoller Freud und Luft beschauet,
Weil ihres Gleichen diese weite Welt
An Herrlichkeit und Schmuck nicht in sich hält.

2. Zwar das Vernunftsaug weiß hier nichts zu preisen,
Der Schein ist schlecht, der sich von außen zeigt;
Das macht, dass der Vernunft ihr Urteil treugt,
Sie richtet nur nach den gewohnten Weisen.
Die Trefflichkeit ist hier gar sehr versteckt,
Ohn Gottes Licht bleibt sie unaufgedeckt.

3. Die Gottheit selbst hat schöners nichts gesehen,
So lange diese Erd und Himmel steht.
Seht, wie die Lust zu diesem Bau nur geht,
Vor ihm muss jene Hütte untergehen,
Weil, was dort nur in dunkeln Schatten war,
Sich hier im Wesen zeiget offenbar.

4. Die Menschheit ist die Hütte, die ich meine,
Die sich das Wort in Gnaden auserkiest,
(Das Wort, davon man schon im Mose liest)
Dass es mit ihr persönlich sich vereine,
Und seiner Gottheit Pracht und Majestät
An ihr ein Zelt, ein Haus und Tempel hätt.

5. Nicht Menschenhand, Gott selbst hat sie erbauet,
Die Werkstatt war der keuschen Jungfraun Leib;
Maria ist das benedeite Weib,
Der sich der Geist in reiner Zucht vertrauet.
Des Wortes keusche Überschattung macht,
Dass dieser Bau wird an das Licht gebracht.

6. O großes Werk, Geheimnis sonder Gleichen!
Wer hat doch, frag ich, jemals dies gehört,
Dass Gott bei Menschen also eingekehrt?
Vernunft, sei still, du wirst es nicht erreichen;
Verehre nur die unumschränkte Kraft,
Die Allmacht, die dies große Wunder schafft.

7. Gesegnet seist du, allerschönste Hütte!
Die ganze Füll der Gottheit wohnet hier,
Sie weichet nun und nimmermehr von dir,
Des Vaters Wort bleibt stets in deiner Mitte;
Und ob dich gleich der Tod in Stücken bricht,
So weicht nach solchem Bruch das Wort doch nicht.

8. Man riecht an dir die edlen Spezereien,
Des Geistes übertrefflichs Balsamöl,
Mit welchem dich dein Gott nach Leib und Seel
Zu seiner Hütte hat gewollt einweihen.
Dir ist kein Maß der Gaben angesetzt,
Was dir geschenkt, ist ohne Maß geschätzt.

9. Hier findet man den rechten Altar stehen
Zusamt dem Opfer, das uns Gott versöhnt,
Der von uns Sündern schändlich ist verhöhnt;
Das Opfervieh muss nun bei Seite gehen.
Hier ist der Born, draus Lebenswasser springt,
Das unsern Geist zur Reinigung durchdringt.

10. Hier siehet man ohn Unterlass aufsteigen
Vom Räuchaltar das priesterlich Gebet;
Man findet Brot an dieser heilgen Stätt;
Der güldne Leuchter ist nicht zu verschweigen,
Der hier mit seinen sieben Lampen brennt
Und aller Welt die lichten Strahlen gönnt.

11. Hier ist der Thron der Heiligkeit und Gnaden,
Den Engel auch gelüstet anzuschaun;
Der Glaube tritt hinzu ohn Furcht und Graun,
Empfänget Heil und Stärk für Adams Schaden.
Was Gottes Wohlgefallen an uns sei,
Wird hier durchs Licht und Recht entdecket frei.

12. Mit einem Wort: das Wort, das Fleisch geworden,
Des höchsten Vaters eingeborner Sohn,
Der in der Ewigkeit hat seinen Thron
Und huldreich sich vermählt mit unserm Orden,
Hat, was ehmals in Bildern eingehüllt
Verborgen war, in und durch sich erfüllt.

13. Gelobet sei, Jehovah, deine Treue,
Die Gnad und Wahrheit nunmehr hergestellt,
Wodurch, was Satan vormals hat gefällt,
Gerettet wird; o Seele, dich des freue!
Stimm mit der Engel Chor ein Danklied an,
Erhebe ihn um das, was er getan!

14. Du aber, der du vormals angenommen
Dies Fleisch, die arme menschliche Natur,
(O nie verspürte Heils- und Liebesspur!)
Und aus der Höh zu uns herab gekommen,
Lass auch, bitt ich, bewegen deinen Sinn
Und nimm mein Herz zu deiner Hütte hin.