Carl Heinrich von Bogatzky – Vater, du mein Licht und Leben,

Vater, du mein Licht und Leben,
du meines Heiles einz’ger Quell;
dir bin ich einmal übergeben,
dir, dir gehört nun Leib und Seel‘.
Ich will mich nicht mehr selber führen,
der Vater soll sein Kind regieren;
so geh denn mit mir aus und ein.
Ach Herr, erhöre meine Bitten
und leite mich auf allen Tritten;
ich geh‘ nicht einen Schritt allein.

2. Du weißt allein die Friedenswege,
auch das, was mir den Frieden stört;
drum lass mich meiden alle Stege,
wo Welt und Sünde mich versehrt.
Ach, dass ich nimmer von dir irrte,
noch durch Zerstreuung mich verwirrte,
auch nicht beim allerbesten Schein!
O halte meine Seele feste,
hab‘ Acht auf mich aufs Allerbeste,
und lehre selbst mich wachsam sein!

3. Herr, mache du mich sanft und stille,
das ich dir immer folgen kann.
Nicht mein, nur dein vollkommner Wille
sei für mich Schranke, Ziel und Bahn.
Mir soll nichts ohne dich genügen;
lass mir nichts mehr am Herzen liegen,
als deines großen Namens Ruhm;
der sei allein mein Ziel auf Erden!
ach lass es nie verrückt mir werden,
denn ich bin ja dein Eigentum.

4. Lass deinen Geist mich täglich treiben,
Gebet und Flehen dir zu weihn!
Dein Wort lass mir im Herzen bleiben,
und in mir Geist und Leben sein!
Lass deinen Zuruf stets erschallen,
gerecht und fromm vor dir zu wallen!
Zieh ganz zu dir die Seele hin;
vermehr‘ in mir dein innres Leben,
dir unaufhörlich Frucht zu geben,
und bilde mich nach deinem Sinn.

5. So leb‘ und lieb‘ ich in der Stille
und ruh‘ als Kind in deinem Schoß.
Ich schöpfe Heil aus deiner Fülle,
mein Herz ist aller Sorgen los.
Ich sorge nur vor allen Dingen,
wie ich zum Himmel möge dringen,
und halt‘ im Glauben mich bereit.
Ach zieh mich, zieh mich weit von hinnen;
was du nicht bist, lass ganz zerrinnen,
o reiner Glanz der Ewigkeit!

Carl Heinrich vom Bogatzky – Mein Hoherpriester jener Güter

Mein Hoherpriester jener Güter
und Herr; du Herrscher über Gottes Haus;
du, unser Pfleger, unser Hüter,
ach! schütte deine Gaben reichlich aus,
die du für uns als unser Bürg‘ empfingst,
da du ins Heiligste zum Vater gingst.

2. Du hast da die Erlösung funden,
die ewig währt und ganz vollkommen ist,
so mach‘ in deinem Blut und Wunden
mich rein und frei von Satans Macht und List,
daß ich, von allen toten Werken frei,
dein treuer Knecht, dein Kind und Erbe sei.

3. Entstand ein äußres, reines Wesen
durch jener Tiere schlechtes Opferblut1Heb. 9,13.14;
so muss ich ja vielmehr genesen
durch deines reinen Blutes rote Flut.
Dein Blut gibt Reinigkeit und Lebenssaft,
die dir zu dienen Alles in mir schafft.

4. Wer will an Gnad‘ und Kraft verzagen,
da du den Geist so teu’r mit Blut erwarbst?
wer will wohl über Mangel klagen,
da du, mein reicher Herr und Heiland! starbst,
der mir mit Blut durch heißen Liebestrieb
sich selbst im Testament zum Schatz verschrieb.

5. O! da sind Schätze, Güter, Gaben,
o! da ist ja für Jeden Kraft genug.
O! möcht‘ ich größern Glauben haben,
so folgte wohl auch größre Besserung.
O, lebt‘ ich recht allein von deinem Blut2Joh. 6,54,
als wie von meinem eignen Hab‘ und Gut!

6. O ja, mein Element, mein Leben sei unverrückt
in deinem Blut allein, darinnen will ich leben,
schweben und stets damit vor Gott besprenget sein,
wie dort, nach jener alten Bundesart,
das ganze Volk mit Blut besprenget ward.

7. Man musst‘ es da auf Alles sprengen,
sogar auf Gottes Hausgerät und Buch;
die Schuld will sich in Alles mengen,
der Gottesdienst wird selber uns zum Fluch,
wenn das, was uns dabei noch stets befleckt,
mit deinem Opferblut nicht wird bedeckt.

8. Dein Blut soll Alles drum besprengen;
und da du dort für mich vor Gott erscheinst:
Lass keine Schuld das Herz beengen,
weil du es doch so treulich mit mir meinst,
ja immerdar dort meine Sache treibst
und wohl nichts selbst aufs Neu‘ ins Schuldbuch schreibst.

9. Die Sünd‘ ist einmal3Heb. 9,28 weggenommen,
so muss sie ewig von mir ferne sein;
lass mich stets Fried‘ und Kraft bekommen,
mein Herzog! hilf mir stündlich aus und ein,
ich warte auch auf dich zur Seligkeit;
o halt in jeder Stunde mich bereit.

Bogatzky, Carl Heinrich von – Du führst mich, Herr, ich kann nicht gleiten

1. Du führst mich, Herr, ich kann nicht gleiten,
dein Wort muss ewig feste stehn.
Du sprichst: „Mein Auge soll dich leiten,
Mein Angesicht soll vor dir gehn.“
Ja, deine Güt und dein Erbarmen
soll mich umfangen und umarmen,
so spür ich täglich deine Treu.

2. Gib Kraft, dass gläubig, treu und stille
ich immer dir, Herr, folgen kann,
Nur dein, nur dein vollkommner Wille
sei für mich Schranke, Ziel und Bahn!
Nichts soll mich ohne dich vergnügen;
lass mir nichts mehr am Herzen liegen,
als deinen Willen gern zu tun!

3. So lieb und lob ich in der Stille
und ruh als Kind in deinem Schoß!
Ich schöpf aus deiner Gnaden Fülle,
die Seele wird von Sünden los,
sie sorget nun vor allen Dingen,
wie sie zur Herrlichkeit mög dringen,
sie schmückt und hält sich dir bereit!

Weitere Texte des Autors in der „Glaubensstimme“

Bogatzky, Carl Heinrich von – Dein Wort befiehlt, o Herr

Mel. O Gott du frommer Gott

Dein Wort befiehlt, o Herr
Daß wir uns prüfen sollen,
Wenn wir zu deinem Mahl
uns würdig nahen wollen.
Nun, Herr, du weißt es wohl,
Ich will gehorsam seyn;
Ach! dring‘, o helles Licht
Nur selber in mich ein.

2. Ach! gib, o Herr nur Ernst;
Komm, deinen Geist zu senden,
Und steure Satans List,
Der mich nur will verblenden,
Es werde mir durchs Wort
mein innrer Grund entdeckt,
Und wo ich da und dort
Vor dir noch bin befleckt.

3. Denn ich bin viel zu blind,
Mich selber zu ergründen.
Drum zeige du mir an
Die unerkannten Sünden.
Ach! prüfe du mich selbst,
Und siehe wie ich steh,
Und ob ich hier und da
Auf rechtem Wege geh?

4. Wie lange kann uns hier
So viel verborgen bleiben?
Wie? kann der eigne geist
Uns hinters Licht hier treiben?
Will selber David nicht
Dem eignen Herzen trau’n;
Wie? sollt ich Blinder denn
Auf mein Erkenntniß bau’n?

5. Nimm mich in scharfe Zucht,
Um mir nichts zu verhölen!
Such‘ alle Winkel aus,
Den tiefsten Grund der Seelen.
Ach! deck‘, o Herr, mir auf,
Auch den verborgnen Bann,
Wo etwas noch versteckt,
Das endlich quälen kann.

6. Als ich das letzte mal
Bey deinem mahl gewesen,
So gabst du Gnad und Kraft.
Wie? bin ich treu gewesen?
Wo ist die Frucht davon?
Ach! zeige mir es an,
Du bist es auch allein,
Der alles bessern kann.

7. Ich weiß ja nicht, wie oft
Dies Mahl mich noch wird laben;
Drum gieb mir großen Durst,
Und alle Schätz und Gaben,
Die mir zu meinem Heil
Nur immer nöthig seyn,
Und mache nur mein Herz
In dir gewiß und rein.

8. O Zeige, was nachdem
Schon wieder eingeschlichen;
Thu ferner ab in mir,
Was einmal abgewichen;
Und was noch in mir steckt,
Das räum‘ auch jetzo aus,
Und fege dir nur selbst
Des Herzens Tempelhaus.

9. Was mir dein Licht entdeckt,
Hilf auch bereun und hassen,
Und gieb mir neue Kraft,
Forthin es auch zu lassen.
O! gieb mir Glaubenskraft,
Recht würdig hinzugehn;
Denn meine Würde soll
In deinem Blut bestehn.

10. O! prüfe selbst mich erst,
Ob ich im Glauben stehe:
Damit ich ja nur nicht
Unwürdig hinzugehe.
O Herr! es sey mein Geist
Mit deinem Blut geschmückt;
So mache du mich selbst
Recht würdig und geschickt.

11. Ich bin es wol nicht werth,
Daß ich dich hier genieße;
Doch hilf nur, daß ich mich
Stets selber richten müsse:
So richtest du mich nicht;
Du nimmst den Sünder an,
Den Sünder, der sich nur
Selbst vor dir richten kann.

12. So prüf‘, o Herr! uns doch
Auch bey den besten Dingen,
Daß wir sie mehr und mehr
Ins rein‘ und lautre bringen.
Schneid‘, was nicht lauter, ab,
Hat’s noch so guten Schein,
Und laß dein Wort allein
Des Wandels Richtschnur seyn.

Bernheim – Das Abendmahl des Herrn
Weitere Texte des Autors in der „Glaubensstimme“

Bogatzky, Carl Heinrich von – Wach auf, Du Geist der ersten Zeugen

Wach auf, Du Geist der ersten Zeugen,
die auf der Maur als treue Wächter stehn,
die Tag und Nächte nimmer schweigen
und die getrost dem Feind entgegengehn,
ja deren Schall die ganze Welt durchdringt
und aller Völker Scharen zu dir bringt.

O daß dein Feur doch bald entbrennte,
o möcht es doch in alle Lande gehn!
Ach Herr, gib doch in deine Ernte
viel Knechte, die in treuer Arbeit stehn.
O Herr der Ernt, ach siehe doch darein;
die Ernt ist groß, die Zahl der Knechte klein.

Dein Sohn hat ja mit klaren Worten
uns diese Bitt in unsern Mund gelegt.
O siehe, wie an allen Orten
sich deiner Kinder Herz und Sinn bewegt,
dich herzinbrünstig hierum anzuflehn;
drum hör, o Herr, und sprich: Es soll geschehn.

So gibt dein Wort mit großen Scharen,
die in der Kraft Evangelisten sei’n;
laß eilend Hilf uns widerfahren
und brich in Satans Reich mit Macht hinein.
O breite, Herr, auf weitem Erdenkreis
dein Reich bald aus zu deines Namens Preis.

Ach daß die Hilf aus Zion käme!
O daß dein Geist, so wie dein Wort verspricht,
dein Volk aus dem Gefängnis nähme!
O würd es doch nur bald vor Abend licht!
Ach reiß, o Herr, den Himmel bald entzwei
und komm herab zur Hilf und mach uns frei!

Ach laß dein Wort recht schnelle laufen,
es sei kein Ort ohn dessen Glanz und Schein.
Ach führe bald dadurch mit Haufen
der Heiden Füll zu allen Toren ein!
Ja wecke doch auch Israel bald auf
und also segne deines Wortes Lauf!

O beßre Zions wüste Stege
und, was dein Wort im Laufe hindern kann,
das räum, ach räum aus jedem Wege;
vertilg, o Herr, den falschen Glaubenswahn
und mach uns bald von jedem Mietling frei,
daß Kirch und Schul ein Garten Gottes sei.

Laß jede hoh und niedre Schule
die Werkstatt deines guten Geistes sein,
jasitze du nur auf dem Stuhle
und präge dich der Jugend selber ein,
daß treuer Lehrer viel und Beter sei’n,
die für die ganze Kirche flehn und schrein!

Du wirst dein herrlich Werk vollenden,
der du der Welten Heil und Richter bist;
du wirst der Menschheit Jammer wenden,
so dunkel jetzt dein Weg, o Heilger, ist.
Drum hört der Glaub nie auf, zu dir zu flehn:
du tust doch über Bitten und Verstehn.

Gesangbuch für evangelische Gemeinden, besonders in Schlesien
Weitere Texte des Autors in der „Glaubensstimme“

Carl Heinrich von Bogatzky – Biographie

Carl Heinrich von Bogatzky, geboren 7,9,1690 auf dem Rittergute Jankowe in Niederschlesien. Sein Vater war kaiserlicher Oberstlieutenant, und seine Mutter, eine geborne v. Kalkreuth, wie seine Großmutter, eine fleißige Beterin. Er genoss in seiner Jugend eine fromme Erziehung und kam als vierzehnjähriger Knabe als Page an den Hof zu Weißenfels. Hier las er während einer vierteljährigen Krankheit die ganze Bibel durch und fasste den Entschluss, hinfort sein Leben dem Dienste Gottes zu weihen und die Sünde zu meiden. Daher bereitete er sich zu Breslau auf die Universitätsstudien vor und bezog danach 1712 die Universität Jena, um sich den Rechtswissenschaften zu widmen, wo er so fleißig studierte, dass wohl in dieser Zeit der Grund zu seiner nachherigen Kränklichkeit und Schwachheit gelegt wurde. Auf den Rat seines Gönners des Grafen Reuß von Köstritz, Heinrichs XXIV., durch dessen Unterstützung er studieren konnte, reiste er nach Halle, um August Hermann Franke zu hören, und bald wurde er durch dessen Einfluss bestimmt, 1715 nach dort überzusiedeln, um Theologie zu studieren. Während dieser Zeit seines theologischen Studiums von 1716-1718 verfertigte er sein „güldenes Schatzkästlein“, das im Jahre 1718 zu Breslau erschien und eine Sammlung evangelischer Sprüche und Verheißungen enthielt, die schon vielen tausend Seelen eine rechte Herzerquickung und Herzstärkung geworden sind. Wegen seiner andauernden Kränklichkeit konnte er jedoch kein öffentliches Predigtamt annehmen; aber desto eifriger widmete er sich nun der Privatseelsorge und wirkte mit reichem Segen, namentlich auch in den höheren Ständen, auf Reisen, in Erbauungsstunden und durch Schriften. Nachdem er längere Zeit zu Glaucha in Schlesien, oft unter großer äußerer Not, da er alle seine Habe mit den Armen teilte, und nachmals seit 1734 in Saalfeld gelebt hatte, er 1746 in das hallesche Waisenhaus und war auch hier durch Abhaltung von regelmäßigen Erbauungsstunden für die Studierenden, sowie durch zahlreiche erbauliche Schriften für das Reich Gottes tätig. Seine letzte Schrift aus dem Jahre 1770 enthielt Gebete über das Schatzkästlein. Er starb im freudigen Aufsehen auf den Herrn am 15.6.1774.

Als Dichter verdient er große Anerkennung, und allenthalben weht uns aus seinen Liedern Geistesfeuer und Glaubenswärme an, obgleich sie öfter nicht volkstümlich genug und zu sehr in die alttestamentliche Bildersprache gekleidet sind. Sie erschienen seit 1725 erst einzeln zerstreut in seinen Erbauungsschriften, 1749 aber gesammelt unter dem Titel: „Übung der Gottseligkeit in allerlei geistlichen Liedern.“ Die dritte Auflage von 1771 enthielt 411 Lieder.