Gerhard Tersteegen – Jedes Herz will etwas lieben

Jedes Herz will etwas lieben;
Liebt’s nicht Jesum, kann’s nicht ruh’n:
Mein Herz, Herr, ist dir verschrieben;
Zu dir will’s, so nimm es nun!

Lass mich alle Welt verhöhnen,
Jesus soll mein Liebster sein:
Schönster unter allen Schönen,
Du gefällst mir nur allein.

Höchst anmutig und holdselig
Ist deins Angesichtes Glanz;
Du bist freundlich, süß und fröhlich,
Lieblich, und die Liebe ganz.

Da ich hasste, warst du günstig,
Gabst für mich dein teures Blut;
Liebst mich auch noch jetzt so brünstig;
Drum lieb ich auch dich, mein Gut.

Ich umfass mit dir dein Leiden,
Deine Armut, deine Schmach;
Ehre, Gut und alle Freuden
Dieser Welt, sind doch nur Plag‘.

Sonst will ich auf nichts mich wenden,
Wär‘ der Vorwand noch so fein,
Nicht die Liebeskraft verschwenden,
Dir gehört sie ganz allein.

Mach‘ dich mehr dem Herzen wichtig,
Täglich lieber, nimmer fern,
Alles Andre wahrlich nichtig,
Dass ich’s mag entbehren gern.

Halt bei dir mein Herz und Liebe,
Dass der Leib nur schwebe hier,
Bis ich, in so reinem Triebe,
Ewig Eines werd‘ mit dir.

Hardenberg, Georg Philipp Friedrich Freiherr von (Novalis) – Seligkeit in Jesu.

Wenn ich ihn nur habe,
Wenn er mein nur ist,
Wenn mein Herz bis hin zum Grabe
Seine Treue nie vergisst:
Weiß ich nichts von Leide,
Fühle nichts, als Andacht, Lieb und Freude.

2. Wenn ich ihn nur habe,
Lass‘ ich alles gern,
Folg‘ an meinem Wanderstabe
Treugesinnt nur meinem Herrn;
Lasse still die Andern
Breite, lichte, volle Straßen wandern.

3. Wenn ich ihn nur habe,
Schlaf‘ ich fröhlich ein,
Ewig wird zu süßer Labe
Seines Herzens Flut mir sein,
Die mit sanftem Zwingen
Alles wird erweichen und durchdringen.

4. Wenn ich ihn nur habe,
Hab‘ ich auch die Welt;
Selig, wie ein Himmelsknabe,
Der der Jungfrau Schleier hält.
Hingesenkt im Schauen
Kann mir vor dem Irdischen nicht grauen.

5. Wo ich ihn nur habe,
Ist mein Vaterland;
Und es fällt mir jede Gabe
Wie ein Erbteil in die Hard:
Längst vermisste Brüder
Find‘ ich nun in seinen Jüngern wieder.

Philipp Friedrich Hiller – Jesus Christus herrscht als König

Jesus Christus herrscht als König;
Alles wird ihm untertänig,
Alles legt ihm Gott zu Fuß.
Jede Zunge soll bekennen:
Jesus sei der Herr zu nennen,
Dem man Ehre geben muss!

2. Gott ist Herr, der Herr ist Einer,
Und demselben gleichet keiner,
Nein, der Sohn nur ist ihm gleich;
Dessen Stuhl ist unumstößlich,
Dessen Leben unauflöslich,
Dessen Reich ein ewig Reich.

3. Nur in ihm, o Wundergaben!
Können wir Erlösung haben,
Die Erlösung durch sein Blut.
Hörts! das Leben ist erschienen,
Und ein ewiges Versühnen
Kommt in Jesu uns zu gut.

4. Gebt, ihr Sünder, ihm die Herzen,
Klagt, ihr Kranken, ihm die Schmerzen,
Sagt, ihr Armen, ihm die Not!
Er kann alle Wunden heilen,
Reichtum weiß er auszuteilen,
Leben schenkt er nach dem Tod.

5. Allen losgekauften Seelen
Solls an keinem Gute fehlen,
Denn sie glauben, Gott zum Ruhm.
Werte Worte, teure Lehren!
Möcht doch alle Welt dich hören,
Süßes Evangelium!

6. Jauchz ihm, Menge heil‘ger Knechte!
Rühmt, vollendete Gerechte
Und du Schar, die Palmen trägt,
Und ihr Märt’rer mit der Krone,
Und du Chor vor seinem Throne,
Der die Gottesharfen schlägt!

7. Ich auch auf den tiefsten Stufen,
Ich will glauben, reden, rufen,
Ob ich schon noch Pilgrim bin:
Jesus Christus herrscht als König!
Alles sei ihm untertänig,
Ehret, liebet, lobet ihn!

Benjamin Schmolck – Jesus soll die Losung sein

1) Jesus soll die Losung sein,
da ein neues Jahr erschienen;
Jesu Name soll allein
denen als Paniere dienen,
die in seinem Bunde stehn
und auf seinen Wegen gehn.

2) Jesu Name, Jesu Wort
soll in den Gemeinden schallen;
und so oft wir an den Ort,
der nach Ihm genannt ist, wallen,
mache seines Namens Ruhm
unser Herz zum Heiligtum.

3) Sein Versühnen und sein Heil
wollen wir im Glauben ehren;
also wird es uns zuteil,
wird sich täglich bei uns mehren.
Auch fürs neue Jahr uns beut
Jesu Name Seligkeit.

4) Unsre Wege wollen wir
nur in Jesu Namen gehen.
Geht uns dieser Leitstern für,
so wird alles wohl bestehen
und durch seinen Gnadenschein
alles voller Segen sein.

5) Alle Sorgen, alles Leid
soll sein Name uns versüßen;
so wird alle Bitterkeit
uns zu Honig werden müssen.
Jesu Nam sei Sonn und Schild,
welcher allen Kummer stillt.

Aemilia Juliana, Gräfin zu Schwarzburg-Rudolstadt – Jesu! allerliebster Bruder!

Jesu! allerliebster Bruder!
ders am besten mit mir meynt;
Du mein Anker, Mast und Ruder,
und mein treu’ster Herzensfreund,
der du, ehe was geboren,
dir das Menschenvolk erkoren,
auch mich armen Erdengast
dir zu Lieb ersehen hast.

Du bist ohne Falsch und tücke,
dein Herz weiß von keiner List;
aber wenn ich nur erblicke,
was hier auf der Erden ist,
find ich alles voller Lügen;
wer am besten kann betrügen,
wer am schönsten heucheln kann,
ist der allerbeste Mann.

Ach! wie untreu und verlogen
ist die Liebe dieser Welt;
ist sie jemand wohl gewogen,
währts nicht länger als sein Geld:
Wenn das Glück uns fügt und grünet,
sind wir schön und hübsch bedienet;
kommt ein wenig Ungestüm,
kehrt sich alle Freundschaft inn.

Treib, Herr! von mir und verhüte
solchen unbeständ’gen Sinn;
hätt ich aber mein Gemüte,
weil ich auch ein Mensche bin,
schon mit diesem Kot besprenget,
und der Falschheit nachgehänget,
so erkenn ich meine Schuld,
bitt um Gnad und um Geduld.

Lass mir ja nicht widerfahren,
was du, Herr, zur Straf und Last
denen, die mir falschen Waren
handeln, angedräuet hast;
da du spricht: Du wollest scheuen,
und als Unflat von dir speyen,
aller Heuchler falsschen Mut,
der Guts vorgibt, und nicht tut.

Gib mir ein beständig Herze
gegen alle meine Freund;
auch dann, wenn mit Kreuz und Schmerze
sie von dir beleget seind,
dass ich mich nicht ihrer schäme,
sondern mich nach dir bequeme,
der du, da wir arm und bloß,
uns gesetzt in deinen Schoß.

Gib mir auch nach deinem Willen
einen Freund, in dessen Treu
ich mein Herze möge stillen,
da mein Mund sich ohne Scheu
öffnen und erklären möge,
da ich alles abelege,
nach dem Maße, das mir gnügt,
was mir auf dem Herzen liegt.

Lass mich Davids Glück erleben,
gib mir einen Jonathan,
der mir sein Herz möge geben,
der auch, wenn nun jedermann
mir nichts Gutes mehr will gönnen,
sich nicht lasse von mir trennen,
sondern fest in Wohl und Weh,
als ein Felsen bei mir steh.

Herr! ich bitte dich, erwähle
mir aus aller Mensschen Meng
eine fromme heil’ge Seele,
die an dir fest kleb und häng,
auch nach deinem Sinn und Geiste
mir stets Trost und Hilfe leiste;
Trost, der in der Not besteht,
Hilfe, die von Herzen geht.

Wenn die Zung und Mund nur liebet,
ist die Liebe schlecht bestellt:
Wer nur gute Worte giebet,
und den Hass im Herzen hält:
Wer nur seinen Kuchen schmieret,
und wenns Bienlein nichts mehr führet,
alsdenn gehet nach der Tür,
ey! der bleibe fern von mir.

Hab ich Schwachheit und Gebrechen,
Herr, so lenke meinen Freund,
mich in Güte zu besprechen,
und nicht als ein Löw und Feind.
Wer mich freundlich weiß zu schlagen,
ist, als der in Freudentagen
häufig auf mein Haupt mir geußt
Balsam, der von Hermon fleußt.

O wie groß ist meine Habe!
O wie köstlich ist mein Gut!
Jesu! wenn mit dieser Gabe
dein‘ Hand meinen Willen tut,
dass mich meines Freundes Treue
und beständigs Herz erfreue:
Wer dich fürchtet, liebt und ehrt,
dem ist solch ein Schatz beschert.

Gute Freunde sind die Stäbe,
da der Menschen Gang sich hält,
dass der schwache Fuß sich hebe,
wenn der Leib zu Boden fällt.
Wehe dem! der nicht zum Frommen
solches Stabes weiß zu kommen,
der hat einen schweren Lauf,
wenn er fällt, wer hilft ihm auf?

Nun, Herr! lass dirs wohlgefallen,
bleib mein Freund bis in mein Grab,
bleib mein Freund, und unter allen
mein getreuster stärkster Stab.
Wenn du dich mir wirst verbinden,
wird sich schon ein Herze finden,
das durch deinen Geist gerührt,
mir was Gutes gönnen wird.

Johann Christoph Schwedler – Wollt ihr wissen, was mein Preis

1. Wollt ihr wissen, was mein Preis?
Wollt ihr lernen, was ich weiß?
Wollt ihr sehn mein Eigentum?
Wollt ihr hören meinen Ruhm?1wollt ihr hören, was mein Ruhm?
Jesus, der Gekreuzigte!

2. Wer ist meines Glaubens Grund?
Wer stärkt und erweckt den Mund?
Wer trägt meine Straf und Schuld?
Wer schafft mir des Vaters Huld?
Jesus, der Gekreuzigte!

3. Wer ist meines Lebens Kraft?2in anderen Liederbüchern sind Saft und Kraft vertauscht
Wer ist meines Geistes Saft?
Wer macht rein mich und gerecht?3Wer macht mich gerecht und schlecht
Wer macht mich zu Gottes Knecht?
Jesus, der Gekreuzigte!

4. Wer ist meines Leidens Trost?
Wer schützt, wenn der Feind erbost?4wer schützt, wenn mich Sturm umtost
Wer erquickt mein mattes Herz?
Wer verbindet meinen Schmerz?5Wer heilt meines Leibes Schmerz
Jesus, der Gekreuzigte!

5. Wer ist meines Todes Tod?
Wer hilft in der letzten Not?
Wer versetzt mich in sein Reich?
Wer macht mich den Engeln gleich?
Jesus, der Gekreuzigte.

6. Und so wisst ihr, was ich weiß,
ihr wisst meinen Zweck und Preis.
Glaubt, lebt, duldet, sterbet dem,6Glaubt, lebt, duldt, sterbt, aber wem?
der uns vor Gott macht angenehm: 7so sind wir recht angenehm
Jesus, dem Gekreuzigten.

Fußnoten aus „Neues Hirschbergisches Gesangbuch“ von 1793 und Gesangbuch für Evangelische Gemeinden Schlesiens, nach 1878

Julius Sturm – Der HErr.

Du bist der Fels, der auf der Wüstenreise
Mit klarer Flut den matten Wandrer labt;
Der Mannatau, der ihn als Himmelsspcise
Mit täglich neuer Gotteskraft begabt.

Die Säule, die bei Tag und Nacht ihn leitet,
Damit er nicht verfehlt die rechte Bahn;
Der Fürst des Heers, der für ihn kämpft und streitet,
Bis er darf ruhn mit dir in Kanaan.

Burghard von Kramm – Christus, der Säemann.

Du bist der Säemann, Herr Jesu Christ,
Der, in der Hand den reichen Himmelssamen,
Auf unser irdisch Feld gekommen bist
In Deinem und in unsers Vaters Namen.

Du streuest aus, o Herr, das süße Wort,
Das von der Welten Anfang ist erklungen
Und das vor Gottes Throne fort und fort
Die Cherub und die Seraphim gesungen.

Du, Herr, eröffnest Deine Hand so reich,
Um alle Welt mit Samen anzufüllen,
Der, wenn er Wurzel in uns fasst, sogleich
Erhebt und heiligt Herz, Gemüt und Willen.

O lass den Teufel nicht mit schnöder List
Ausreißen jenen teuren Himmelssamen,
O gib dem Bösen keine lange Frist,
Zu pflanzen ein statt Deines seinen Namen.

O lass‘ das Herz nicht sein ein steinig Feld,
Auf dem in heller Lust entkeimt der Samen,
Dann aber bald, vom gift’gen Tau der Welt
Getränket, muss erschlaffen und erlahmen.

O lasse nicht Dein Wort, das teure Pfand,
Bei uns tief in die dichten Dornen fallen,
Die Dornen sind die Lust und eitler Tand,
An Gold und ird’scher Ehre groß Gefallen.

O lass die Dornen nicht das teure Wort
In unsers Herzens Schreine leicht ersticken, –
Nein, lass‘ es wuchern reichlich fort und fort,
Uns stark zu machen, himmlisch zu erquicken.

Du bist der Säemann, Herr Jesu Christ,
Du aber bist auch, der das Land bereitet,
Auf dessen Wink der Regen niederfließt,
Die Sonne scheint und Tau vom Himmel gleitet.

Herr, deshalb sich uns voll Mitleid an
Und mache unser Herz zu gutem Boden,
Weis‘ selbst uns an die vorgeschrieb‘ne Bahn
Und wache über uns mit Deinem Odem.

Da wird das Herz ein köstlich, fruchtbar Land
Und bringt hundertfältig volle Ähren
Und findet einst im wahren Vaterland
Durch Deine Gnade Himmelskron‘ und Ehren.

Salom. Liscovius – Jesus der beste Schatz.

Schatz über alle Schätze,
Jesu, liebster Schatz,
An dem ich mich ergötze,
Hier hab ich einen Platz
In meinem treuen Herzen Dir,
Schönster, zugeteilt,
Weil du mit deinen Schmerzen
Mir meinen Schmerz geheilt.

Ach Freude meiner Freuden,
Du wahres Himmelbrot;
Damit ich mich kann weiden,
Das meine Seelennot
Ganz kräftiglich kann stillen
Und mich in Leidenszeit
Erfreulich überfüllen
Mit Trost und Süßigkeit.

Lass, Liebster, mich erblicken
Dein freundlich Angesicht,
Mein Herze zu erquicken;
Komm, komm, mein Freudenlicht.
Denn ohne dich zu leben
Ist lauter Herzeleid:
Vor deinen Augen schweben
Ist wahre Seligkeit.

O reiche Lebensquelle,
Jesu, süße Ruh:
Du treuer Kreuzgeselle,
Schlag nach Belieben zu.
Ich will geduldig leiden,
und soll mich keine Pein
Von deiner Liebe scheiden
Noch mir beschwerlich sein.

Mein Herze bleibt ergeben
Dir immer für und für,
Zu sterben und zu leben,
und will vielmehr mit dir
Im tiefsten Feuer schwitzen,
Als, Schönster, ohne dich
Im Paradiese sitzen
Veracht und jämmerlich.

Herrlichkeit der Erden,
Dich mag und will ich nicht:
Mein Geist will himmlisch werden,
Und ist dahin gericht,
Wo Jesus wird geschauet;
Da sehn ich mich hinein,
Wo Jesus Hütten bauet;
Denn dort ist gut zu sein.

Nun, Jesu, mein Vergnügen,
Komm, hole mich zu dir,
In deinem Schoß zu liegen;
Komm, meiner Seelen Zier.
und setze mich aus Gnaden
In deine Freudenstadt:
So kann mir niemand schaden,
So bin ich reich und satt.

Albert Knapp – Jesus über Alles.

Eines wünsch ich mir vor allem Andern,
Eine Speise früh und spät;
Selig lässt im Tränental sichs wandern,
Wenn dies Eine mit uns geht:
Unverrückt auf einen Mann zu schauen,
Der mit blutgem Schweiß und Todesgrauen
Auf sein Antlitz niedersank
und den Kelch des Vaters trank.

Ewig soll er mir vor Augen stehen,
Wie er, als ein stilles Lamm,
Dort so blutig und so bleich zu sehen,
Hängend an des Kreuzes Stamm;
Wie er dürstend rang um meine Seele,
Dass sie ihm zu seinem Lohn nicht fehle,
Und dann auch an mich gedacht,
Als er rief: Es ist vollbracht!

Ja, mein Jesu, lass mich nie vergessen
Meine Schuld und deine Huld!
Als ich in der Finsternis gesessen,
Trugest du mit mir Geduld;
Hattest längst nach deinem Schaf getrachtet,
Eh es auf des Hirten Ruf geachtet,
und mit teurem Lösegeld
Mich erkauft von dieser Welt.

Ich bin dein! – sprich du drauf Amen!
Treuster Jesu, du bist mein!
Drücke deinen süßen Jesusnamen
Brennend in mein Herz hinein!
Mit dir alles tun und alles lassen,
In dir leben und in dir erblassen:
Das sei bis zur letzten Stund
Unser Wandel, unser Bund.