Xylotectus, Johann – Wie Christus den Lazarum vom Todt aufferweckt hat.

Inn Hertzog Ernst thon

Christus rüffet mit lauter stimm (Johan.xi.)
Lazare kumb herauß
und der verstorbe kam herauß
gebunden mit grabtüchern an henden und füssen.

ACh Got verleyh mir dein genad
das ich dein grosse wunderthat
mit freuden mög verkünndenn.
Durch unnsern Herren Jhesum Christ
als im Johane geschriben ist
am ailfften wir das finden.
Es leyt ain stat in Jude
als ich das hab gelesen
die selbig hieß Bethania
ist Lazarus gewesen
der selb ein junger Christi was
wie es jhm aber weyter gieng
nun höret mich fürbaß.

Er ward auch krannck biß auff den todt
als er was in der gröstenn not
gar bald thet er da senden.
Biß in die stat Jerusalem
zum Herren das er zu jm kem
sein lebenn wolt er enden.
Jesus verzoch die selben fart
von wegen der umbstennder
vil volcks da zu ihm kommen war
auß allen stet und lender
als unns die schrifft das meldet klar
das Gotes krafft und herrlichkait
solt werdenn offenbar.

Als nun der annder tag verschin
da wolt er ziehenn auch dahin
het er jm fürgenommen
Das volck da zu dem Herren sprach
bist du nicht vor in ungemach
mit disem Juden kommen.
Jesus jm die antwort gab
red von dem rechtenn grunnde
warlich erschrick ich nicht darab
es seind im tag zwölff stunnde
welcher dann darinnen wandlen wirdt
der hat das liecht der ganntzen welt
das er sich nicht verirrt

Das urtayl Gottes Kainer erkanndt
es was jr grosser unverstand
das sy in wolten straffen.
Als er jn die meynung bricht
noch weyter er zu jnen spricht
und sagt er ist entschlaffen.
Darumb ich zu jm kommen wil
und will jn aufferwecken
damit ich Gotes werck erfüll
mein hand will ich außstrecken
ein grosse meng mit jhm gadt
die wort so er mit jnen redt
jr kain der verstat.

Als sy vom Herren hörten das
das Lazarus entschlaffenn was
da sprachenn sy mit freudenn.
Sein sach noch besser werdenn möcht
Jesus sagt jhn die meynung recht
und sprach er ist verscheyden.
Das bin ich gar von hertzen fro
das ich nicht was zu gegen
darumb ich des so lanng verzoch
allain von jrent wegen
wie jhr vor habt von mir gehört
das Gottes krafft und herrlichkait
dadurch geprysen werd.

Als er nah zu dem flecken kam
und Martha dise ding vernam
da lieff sy jm entgegen.
Die Maria dahaimen saß
und auch in grossem jammer wz
von jres Bruders wegen
Die Martha wz in kümernuß
und auch in hertzen leiden
Umb jren Bruder Lazarus
das er da was verscheiden
als sy Christum den Herren sach
von stund an sy jm entgegenn lieff
hört wie sy zu jm sprach.

Ja Herr den glauben hab ich fest
und werest du vor hie gewest
so wer er noch bey leben
Doch weiß ich wol in meiner not
was du begerst von deinem Gott
daselb wirdt er dir geben.
Jesus gab jr die antwort schon
das sag ich dir firware
dein Bruder der wirt aufferstan
dann wirdt dir offenbare
yetzund inn deiner grossen not
das alles stet inn Gottes gwald
das leben und der tod.

Jesus noch weyter redt mit jhr
ich bin fürwar das glaub du mir
die Urstend unnd das leben.
Yetzund erkenn ich das du bist
unser heylande Jesus Christ
der uns von Gott ist geben.
In dem sy jrer schwester rufft
als sie das her vernommen
das sie auffstünd eylends lieff
der Meister wer schon kommen
ehr ist auch selbs personlich hie
als sye zum Herren Jesus kam
fiel sy auff jre knye.

Denn Herren sye gar noch empfieng
der unnmutt jhr zu hertzen gienng
fienng an gar haiß zu weynen.
Ir gantze freundschaft bey jr was
nach dem sy hörten alles das
da weyntens all gemeine.
Auß liebe ward seyn hertz bewegt
gedult mit jhn zu habenn
er sprach wo hat man hingelegt
und wo ist er begraben
er zayget sein barmhertzigkait
die augen theten jm ubergon
auß grossem hertzen layd.

Sy fürten jn mit grosser klag
da Lazarus vergrabenn lag
als sy das hetten funden.

Ein grosser stain auff seinem grab
Jhesus d‘ sprach hebt jn herab
die Martha sprach zu stunde.
Nyemand jm yetzt helffen mag
vor laid möcht ich versinckenn
dann er ligt yetz am vierten tag
vnnd fecht schon an zu stincken
darumb so bemüh dich nit so sehr
ain klaine hoffnung hab ich mer
das er nun kumb wider her.

Nein sprach der Herr biß unverzagt
gedenck dz ich dir hab gesagt
wann du an mich wirst glauben.
So wirdt dein Bruder auferstan
daran solt du keinn zweifel han
Got wirt jn hoch begaben.
Er wirt sein kraft und herlichkeit
in diser stund beweysen
darumb wir jn in unserm leid
auch darumb sollen preissen
den stein legtenn sy an ein ort
der Herr sach bald gehn Hymmel auff
sagt mir ein eings wort.

Also sprach er mit lauter stimm
O Lazare sprach er zu jm
stehe auff zu diser stund.
Als er nun die wort vernam
gar bald er zu jhm fürher kam
sein hend waren gebunden.
Mit leynwatt was er schön beklaidt
damit er wz umbfangen
gleych wie man eins zum grab bereyt
also kam er gegangenn
Jesus auch seine Junger hieß
das sy jn solten lösen auff
was man jn ledig ließ.

Also end ich dise gschicht
als mich die schrifft des hat bericht
vnnd mir verstand hat geben.
Hört wie das wunder zeychenn bschach
so bald der Herr dz wort außsprach
da het er schon das leben.
Also hatt er sein Götlich krafft
vor allem volck bewisen
darumb er dise ding verschafft
darinnen Got wirt geprisen
darbey erkent ein yeder Christ
das Jesus Christus Gottes Sun
allein dz leben ist.

Amen.

Aus dem Original abgeschrieben

Selneccer, Nikolaus – Hymnus zum Preise Christi.

Nach eigener Melodie.

O Jesu, du verheißner Heiland,
Aus Gnaden uns gesandt
Von oben,
Dich wolln wir loben.

2. Du bist ohn Sünd empfangen,
Hast kein Böses begangen,
Sondern bist für unsre Sünde gestorben,
Hast uns erworben
Gnad und Gerechtigkeit
Zur ewigen Klarheit.

3. Du hast den Feind gebunden,
Den Tod überwunden,
Bist nun mit deinem Opfer vor Gottes Thron
Als ein lieber Sohn,
Nur um unsertwegen,
Des Vortritts zu pflegen.

4. Dir sei Lob und Preis,
O du Priester nach Melchisedecks Weis,
Der du, wie die Schrift ausweiset,
Dein Volk hast gespeiset,
Welches dich nun ewiglich preiset.

5. Es ist sonst Niemand,
Der mit seinem Opfer vor Gott erkannt,
Der himmlischen Hütte dienen,
Uns könnte versühnen,
Wie wir uns dein möchten rühmen.

6. O Emanuel,
Außer dir allein ist kein Heil.
Ohne deine Güte und Verdienst gilt kein Barmherzigkeit,
Ohne deine Gerechtigkeit
Gilt keine Seligkeit.

7. Du bist die Wahrheit
Und der Weg zur Freud und Klarheit.
Bei dir ist allein Vergebung der Sünden,
Und sonst nirgendwo zu finden,
Noch auf was zu gründen.

8. Du bist das lebendige Himmelsbrot,
Ein Lamm, welches wegnimmt der Welt Missethat,
Ein guter Hirt,
Und rechter Hauswirth.
Ein Haupt, aus dem die Gnad und Wahrheit fließt,
Welcher die Christenheit genießt.
Du bist der Brunn, der des Geistes Durst löschet,
Und die Seelen rein wäschet.

9. Das haben die Altväter wohl vernommen,
Darum gebeten, du wollest kommen,
Sich ihrer Sünden verklagt,
Und nach dir wehklagt.
Auf deine verheißene Zukunft vertrauet,
Und all ihr Thun darauf gebauet,
Auf daß sie in deiner Gerechtigkeit
Kommen zur Seligkeit

10. Du bist unser Trost,
Denn du allein hast uns vom Tod erlöst.
Du allein hast uns gebenedeyet,
Von Sünden gefreiet,
Deinen Geist gesandt,
Dadurch du erkannt
Und gepreiset wirst aller Welt Heiland.

11. Dir dienet dein Heer,
Dir singen all Engel Preis, Lob und Ehr.
Du regierst im Himmel und auf Erden.
Deinsgleichen kann nicht werden.
Darum rufen wir
Von Herzen zu dir,
Bitten, daß dein Geist den unsern regier.

12. O Jesu, schick uns deinen Geist zu,
Daß er dein Werk in uns thu.
Send uns herab alle gute Gab,
Und wend dich nicht von uns ab.
Entzünd unser Herz mit deiner Brunst,
Und lehr uns aus Gnad und Gunst
Dein allerheiligste Kunst.

13. Bewahr uns in deiner Heiligung,
Und leit uns nicht in Versuchung
Zur ewigen Verfluchung.

14. Verleih und Stärk und Kraft
In dieser Pilgerschaft,
Daß wir vollenden in heiliger Gemeinschaft,
Zu Lob, Preis und Ehren deinem Namen,
Gebenedeyet in Ewigkeit. Amen.

Selneccer, Nikolaus – Gebetlein, daß Christus wolle unser oberster Regent sein und bleiben.

Mel. Danket dem Herrn heut und allzeit.

Ohn dich gilt nichts, Herr Jesu Christ,
Ohn dich kein Ruh, kein Fried mehr ist,
Ohn dich ist alle Hoffnung aus,
Alls Unglück kommt zu Hof und Haus.

2. Wo du nicht selbst Regierer bist
Und stürzst des Satans Gewalt und List,
So sind wir nichts, vergehn allsammt
Und thun nichts Rechts in unserm Amt.

3. Darum hilf uns und steh uns bei,
Du allzeit unser Herzog sei.
Ach werd auch nun bald selbst der Herr,
Daß wir nicht Häupter bedürfen mehr.

4. Wenn du allein der Herr wirst sein,
Da wirds alles stehn wohl und fein.
Zermalm die Reiche dieser Welt,
Herr, es ist Zeit, wenn dirs gefällt.

5. Komm Jesu Christ, komm lieber Herr,
Nach dir steht all unser Begehr,
Der einig ewig Herr du bist,
Komm lieber Herr, komm Jesu Christ.

Rinkart, Martin – O Jesu, meine Lieb!

1. O Jesu, meine Lieb!
Wie soll ich dir vergelten!
Du könntest billig mich
Verdammen, strafen, schelten,
So machest du mich los
Von Sünde, Höll und Tod!
Und warnest über das
Mich noch vor solcher Not.

2. O Jesu, meine Lieb!
Wie soll ich dir bezahlen,
Was von Schreckbildern du
Mir lässest nur vormalen!
Ach bild‘ und schreibe sie
Selbst meinem Herzen ein;
Und laß die Lieb an mir
Ja nicht verloren sein.

3. O Jesu, meine Lieb!
Wie soll ich dir verdanken
Der Liebe Wissenschaft,
Erlösung und Gedanken!
Laß alle Kreatur
Mir schreiben in mein Herz:
Daß Himmel, Höll und Tod
Kein Kinderspiel noch Scherz.

Rinkart, Martin – O Jesu, meine Zier

1. O Jesu, meine Zier,
Du giebest Licht und Leben;
Du wollest Leben, Licht
Und Weisheit mir auch geben,
Daß ich im rechten Grund
Erkenne mich und dich,
So werd ich lieben dich
Allein, und hassen mich.

2. O Jesu, meine Zier.
Du prüfest Herz und Nieren,
Laß meiner Sünden Greul
Zu meinem Heil mich spüren,
Und was für Sünden-Straf
Ich habe bracht auf dich,
So werd‘ ich loben dich
Allein, und schelten mich.

3. O Jesu, meine Zier,
Laß deine Leuchte brennen,
Und deiner Gnaden Heil
Mich inniglich erkennen,
Und was ich hab und bin
Durch dich und ohne dich,
Werd‘ ich behalten dich
Allein, und lassen mich.

unbekannt – Christus, Lehrer und Vorbild der Genügsamkeit.

O Mensche, wollst bedenken
Mein bitter Leiden groß!
Ich will dir wieder schenken
Das Leben für den Tod.
Bey mir so sollt du bleiben;
Ich hab‘ dir durch mein Leiden
Den Himmel aufgethan.

Ich hab‘ sich nicht erlöset
Durch Silber noch durch Gold;
Hat mich mein Blut gekostet:
Wie bist du denn so stolz?
Auf Erden Schätz‘ zu ‚rwerben
In deiner Seel Verderben,
Gab ich dir auch die Lehr‘?

Wer zeitlich Gut begehret
für meine Gütigkeit,
Das dann der Rost verzehret,
Dem wird es ewig leid.
Wohl in des Himmels Throne
Da find’st du also schone
Den Schatz der Seligkeit.

Die Lilien auf dem Felde,
Wie zierlich sie da stahn!
Bezahlen nicht mit Gelde
Die Schönheit, die sie han.
Salomon in seinem Gewade
War nicht gleich einem Blade
Derselben Lilien eins.

Die Vöglein in den Lüften
Sich freuen ihrer Nest‘;
Die Füchs‘ in ihren Klüften
Haben von mir die Vest‘.
Ich hab‘ gar nichtes eigen,
Drauf ich mein Haupt mogt‘ neigen;
Was Gebrechen habt ihr denn?

Ist mein doch Himmel und Erde,
Und all’s was drinnen ist.
Mein Volk zu Fuß und Pferde
Hab‘ ich geführt ohn‘ List
Wohl aus Aegypten-Lande
In Starkheit meiner Hande
In das gelobte Land.

Es sollen nicht auf morgen
Die treuen Diener mein
für Speis und Kleider sorgen;
Die Sorg‘ ist mein allein.
Ich will euch all‘ ernähren,
Vor’m Hunger euch erwehren;
Fürwahr, ihr’s glauben sollt.

Darum laßt euch begnügen
Am selben, was ihr han;
Ich will euch wohl zufügen
Eur‘ Nothdurft sonder Wahn.
Ihr sollt gar nicht verzagen,
Wenn ihr am jüngsten Tage
Vor’m Sohn des Menschen stahn.

Weiße, Michael – Verlangen nach Jesu

O Herre Jesu Christ,
Der du ganz freundlich bist,
Ein Arzt von Gott gesandt,
Der sehr wohl hat erkannt,
Was unser Siechthum sey
Und was noth für Arzney,
Sieh heut an unser Dürftigkeit;
Und thu‘ mit uns Barmherzigkeit!

Adam bracht‘ uns den Tod,
Und Mose dein Gebot;
Aber du, Jesu Christ,
Bringest was besser ist,
Gnad‘ und Gerechtigkeit,
Leben und Seligkeit!
O wohl dem, der deß die geneußt,
Und dich mit seinem Wandel preist!

Wer mag seiner Seelen
Was bessers erwählen
Denn dich, o Jesu Christ,
Der du sehr tröstlich bist,
Den Seelen allermeist,
Die du durch deinen Geist
Verneuest, und aus Gnad‘ und Gunst
Entzündest mit heiliger Brunst?

Du bist heilig und rein,
Wir aber ingemein
Seynd voller Eitelkeit
Und Ungerechtigkeit.
Unser‘ Werk gelten nicht
Vor deinem Angesicht,
Es sey denn, daß du sie vorhin
Rechtfertigest nach deinem Sinn.

So bitten wir dich nu,
O gütiger Jesu,
Wolltest uns dir allein
Verfügen all‘ in Ein,
Waschen mit deinem Blut,
Unser Werk machen gut,
Daß wir mögten vor deinem Thron
Finden ein’n unvergänglich Lohn. (al. Kron)

O werther Gottes Sohn,
Denk was du hast gethan,
Wie du all unser‘ Schuld
Nicht mit Silber noch Gold,
Sonder mit bessrem Gut,
Mit deinem reinen Blut
Aus großer Lieb‘ bezahlet hast,
Und sey unser Arzt, Heil und Trost!

Thu mit uns deinen Fleiß,
Nach eines Arztes Weis‘,
Und hilf, daß wir gesund
Und stark in deinem Bund,
In Lieb‘ und Einigkeit
Zu unsrer Seligkeit
Deinem Namen gebenedeyt
Lob und Preis singen allezeit.

Arndt, Ernst Moritz – Jesus mein Licht

Wann ich traurig wanke
Und auch der Gedanke
Blind wird wie die Nacht,
Wann ich nichts kann finden,
Tappend unter Blinden,
Was mir’s helle macht,
Wer zündt dann
Das Licht mir an?

Das thust du, o Wonne
Meines Glaubens, Sonne
In der dunkeln Nacht;
Durch dich muß verschwinden,
Was im Thal der Sünden
Alles düster macht:
Du zündst an,
Was leuchten kann.

Das thust du, mein Leben,
Der das dumpfe Beben
Mit der Nacht verscheucht:
Alle Nebel fliehen,
Erd‘ und Himmel blühen
Und der Trug entweicht.
Du machst fest,
Du tröstest best.

Helles Licht der Herzen,
Sichrer Trost der Schmerzen,
Süßer Jesu Christ,
Das kannst du alleine,
Der vom Himmelscheine
Niederkommen ist:
Hort und Held
Und Licht der Welt.

Das kannst du alleine,
Der die Gnadenscheine
In uns niederstrahlt,
Daß sich selbst in Sünden
In den düstern Gründen
Goldne Hoffnung malt:
Du allein
Kannst Tröster jern.

O so bleibe, bleibe
Ewig in mir! schreibe
Mir es fest ins Herz!
Alles mag verschwinden,
Der Gedank‘ erblinden
In dem dunkeln Schmerz
Süßes Licht,
Du dunkelst nicht.

Simon Dach – Christi rede, da er vor die sünde der gantzen welt sterben sollte.

Die Zeit ist hie, das grosse leiden
Ist länger nun nicht zu vermeiden,
Die centner-schwere sündenlast,
So je die sterblichen auff erden
Begangen und begehen werden,
Lest mir nun länger keine rast.

Was war es groß, den himmel lassen,
Der hohen Gottheit aller massen
Sich eussern, und erniedrigt gehn?
Was war es grosses, sich nicht schämen
Des menschen wesen anzunehmen,
Mit fleisch und blut bekleidet stehn?

In sein selbst eigenthumb zu kommen
Und doch nicht werden auffgenommen,
In tieffster armut immerdar
Vernichtet und verachtet leben,
Sich müssen auff die Aucht begeben,
Erdulden kummer und gefahr?

Ietzt werden erst die grossen plagen
Recht über mich zusammenschlagen,
Gott, deines eiffers wilde flut
Wird seinen abgrundt auff mich stürtzen
Und meinen athem mir verkürtzen,
Mehr, als der winde wütten thut.

Ich seh‘ es kommen schon gezogen,
Herr, alle deine wasserwogen,
Wie stürmt dein eiffer doch so sehr!
Die grosse flut wil mich erseuffen,
Die ungezämbte wellen heuffen
Und stärcken sich je mehr und mehr.

Das strenge wütten deiner nasen
Wil wider mich ein feur auffblasen,
So alle meine lebens-krafft
Wird gar außdörren und außsaugen,
Biß meine glieder nicht mehr taugen,
Und ich werd‘ in den staub gerafft.

Es schärffen löwen ihre klauen
Und lassen wieder mich sich schauen,
Viel ochsen sind auff mich ergrimmt,
Ich seh‘ einhörner auff mich rennen,
Die zahl der feind‘ ist nicht zu nennen,
Die wieder mich zusammenstimmt.

Das ungeheure reich der hellen
Gedenckt am meisten mich zu fellen,
Der alte drache nimmt sein gifft,
Mir einen mordstreich beyzubringen,
Sein gantzes heer wil mich verschlingen,
Durch alles, was die seele trifft.

Sie wollen mich wie weitzen sichten,
Die pfeile, so sie auff mich richten,
Sind alle gifftig zugespitzt,
Gefiedert nur mit list und triegen,
Sie meinen stracks mir obzuliegen,
So sehr sind sie auff mich erhitzt.

Sie suchen ihre krafft zusammen,
Die eusserste gefahr der flammen,
Das allerärgste seelenweh‘
Als je gewest, sol mich versencken,
Man hoffet ganz mich zu ertrencken
Im tiefsten schlam der höllen-see.

Ich werde wie ein hirsch geplaget,
Der von den hunden wird gejaget,
Leufft schnell und furchtsam durch den wald,
Schreyt jämmerlich und suchet hecken,
Sich vor den winden zu verstecken,
Und find doch nirgends auffenthalt.

Die hunde wollen nicht ablassen
Und meinen jetzt nur anzufassen,
Das arme wild ist über das
Auch von der schlangen wund gebissen
Und sehnet sich nach kühlen füssen,
Biß daß es fellet müd‘ und laß.

Ierusalem, du wirst zu dancke
Mir werden meine marterbande,
Wie sehr hast du mir nachgestellt
Und deine zähn‘ auff mich gewetzet?
Ich werde darumb auch erhetzet
Und jämmerlich in dir gefellt.

Hie werd ich durch den stich der schlangen
Am holtze werden auffgehangen,
Hie wird das opffer abgethan,
Das alle welt von ihren sünden
Sol ledig machen und entbinden,
Hie stirbt der rechte pelican.

Der hohepriester wird sein leben
Hie selber zum schuldopffer geben,
In allerheiligst einzugehn,
Hie wird man mich am creutze tödten,
Doch wil ich, todt, auß deinen nöthen
Nach dreyen tagen anfferstehn.

Nun weistu, Gott, wie ich gewandelt,
Und ob ich wieder dich gehandelt;
Ich bin mir keiner schuld bewust,
Man such‘ in meine lehr‘ und worte,
Man forsche meines hertzens pforte,
Wie du, geliebter vater, thust.

Wird etwas nur in den gedancken
Von des gesetzes richtschnur wancken,
So wil ich ewig sein ein raub;
Es werde meiner gantz vergessen,
Der feind sol meine seele fressen,
Man mache mich zu spreu und staub.

Doch wil ich alles gerne dulden,
Ich wil bezahlen frembde schulden,
Man mag, mein leben und mein blut
Zu rauben, mich zur schlachtbanck führen,
Ich wil auch meinen mund nicht rühren,
Recht wie ein stummes lämblein thut.

Sie mögen fälschlich mich verklagen
Und eitel lügen auff mich sagen,
Sie gehen wieder mich zu rath,
Sie bringen auff mich falsche zeugen,
Ich aber wil zu allem schweigen,
Als der kein wiederreden hat.

Ich lasse mich mit dornen krönen,
Verspeyen, geisseln und verhönen,
Mit mördern gleich geschätzet stehn,
Ich wil mich auch zur erden bücken,
Mein creutz zu tragen auff dem rücken
Und so zu meiner wahlstat gehn.

Diß thu ich, vater, deinen willen
In allen stücken zu erfüllen;
Es schreibt dein weises buch von mir,
Ich hab‘ auch in den todes-schmertzen,
Herr, dein gesetz in meinem hertzen,
Und wil es halten für und für.

Nur las hiedurch dein grosses toben
Und heissen zorn sein auffgehoben,
Nim meine schafe wieder an,
Denn daß ich so geplaget werde,
Macht einig diese meine herde,
Von der ich gantz nicht lassen kan.

Was böses je von ihr geschehen,
Was sie verseumet und versehen,
Das bring‘ ich richtig wieder ein,
Und was bey ihr nicht wird gefunden,
Das schöpffet sie auß meinen wunden,
Die ihr zu gut geschlagen seyn.

Ich wil ertragen alle straffe,
Nur schone meiner armen schaffe,
Ich trette zwischen dich und sie,
Und wil sie vor den grossen blitzen
Und donnern deines wetters schützen,
Als ein sehr schwaches, zartes vieh,

Ein volck, das gentzlich mich verstehet,
Wie tieff es in dem irrthumnb gehet,
Ein hauffe, der sich selbst nicht kennt,
Der zu dem guten ist erstorben,
An leib‘ und seele gantz verdorben,
Der willig zu der hellen rennt.

Ihr aber, die ich vom verderben
Erlöse durch mein blut und sterben,
Ihr menschen, seht, wo meiner noth
Der höchste jammer was wird schencken,
So sol der kelch mich zweymal trencken,
Den Gott mir giebt auff meinem todt.

Wo wird gehöret und gelesen,
Daß jemand so geplagt gewesen
Und so verhönt, als ich muß seyn?
Nichts, was da lebt, hat solche wunden
An seiner seel‘, als ich, empfunden,
Nichts wird verglichen meiner pein.

Hiezu hat mich sonst nichts getrieben,
Als daß ich euch so sehr muß lieben;
Ich seh‘ in was für noth ihr seid,
Ich seh‘ euch ewiglich verlohren,
Die ihr zum leben seid erkohren,
Es sey, daß jemand euch befreyt.

So kompt nun her, in meinen banden
Sol eure freyheit sein vorhanden,
Von meiner scheuflichen gestalt
Solt ihr den besten ziehraht nehmen,
In meinem höchsten spott und schämen
Steht euer bester auffenthalt.

Mein grosser durst sol euren stillen,
Und euch mit lebens-wasser füllen,
Das rohr, die spitze dornen-krohn‘,
In der ich muß verächtlich sterben,
Macht euch zu meines reiches erben,
Mein staub gedeyet euch zum lohn.

Mein trauren dienet euch zur freuden,
Und meine blösse sol euch kleiden,
Mein darben ist eur höchstes gut,
Mein niedriggehn sol euch erheben,
Mein herber todt ist euer leben,
Und eure reinigung mein blut.

Ich schwer‘ euch bey dem falschen küssen,
Bey meinen durchgebohrten füssen,
Und was man kläglichs an mir schaut,
Bey meinem kümmerlichen heulen,
Und blutig unterlauffnen beulen,
Bey meiner ausgedehnten haut,

Ich schwer euch bey dem todesstreiten,
Bey meiner auffgespaltnen seiten,
Und dem, wodurch die böse rott‘
Ietzt wieder mich sich hat empöret,
Bey allem, welches mich unehret,
Bey meinem grossen hohn und spott,

Ich kan euch hertzlicher nicht lieben,
Noch euch zu gut was mehr verüben;
Nur kompt zu mir, damit ich euch
Durch meinen reichen trost erquicke,
Und dann gewünschet nach mir zücke
In Gottes, meines vatern, reich.

Wer aber auff mein freundlich locken
Nicht kömpt, und wil sein hertz verstocken,
Wer sich an mein verdienst nicht helt,
Den lass‘ ich in des sathans ketten,
Dieweil euch anders zu erretten
Es meinem vater nicht gefellt.

Franz Härter – Heimat meiner Liebe

Heimat meiner Liebe,
Ziel der heil’gen Triebe,
Ort der sel’gen Ruh,
wo mein Jesus weilet,
Friedensstadt, es eilet
dir mein Sehnen zu.
Herr wie lang
werd ich noch bang
an die Erdennot gebunden
zählen Tag und Stunden!

Doch ich geh so träge
auf dem Lebenswege
meinem Jesum nach,
dankend halb, halb zagend,
nach dem Ausgang fragend
und mit manchem Ach!
O wie schwer
ward mir bisher,
ganz mir abzusagen
und mein Kreuz zu tragen!

Lehr mich stiller gehen,
treuer auf dich sehen,
den ich oft betrübt!
Jesu, voll Erbarmen,
hast du ja mich Armen
je und je geliebt!
Lauter Güt‘
ist’s, die mich zieht
hin zum Ziel der heil’gen Triebe,
Jesu, meine Liebe.