Ambrosius – Hymnus beim Hahnenruf

O Ew’ger! Der das All‘ erschuf,
Der Nächte so wie Tage lenkt,
Und mild der Zeiten Wechsel schenkt,
Erhöre unsrer Herzen Ruf!

Schon schallt der Hahn im Flügelschwung,
Der in der Stille tiefer Nacht,
Ein nächtlich Licht der Pilger wacht,
Und trennt der Nächte Dämmerung.

Sein Ruf erweckt den Morgenstern,
Der nun der Pole Dunkel scheucht;
Das Heer der bösen Geister fleucht,
Vom Licht‘ geschreckt, zum Abgrund fern.

Der Schiffer athmet neuen Muth,
So wie des Tages Herold ruft,
Die See befächelt milde Luft,
Das Licht vertilgt der Sünden Fluth.

Denn Nacht und Finsterniß entweicht;
Erscheint die Sonne hell und klar;
Die Sünde, so die Nacht gebar,
Erlischt, von Gottes Licht gebleicht.

D’rum lassen wir des Lagers Flaum;
Die Schlummernden erweckt der Hahn,
Er klaget die Verläugner an,
Und gibt den Lässigen nicht Raum.

Die Hoffnung kehret: singt der Hahn,
Den Kranken kehret neues Heil,
Es birgt sich schnell des Mörders Pfeil,
Und neu erglänzt des Glaubens Bahn.

Die Schwachen sieh, o Herr! mit Huld,
Es stärke, Jesu! uns Dein Blick;
Wir sinken, lenkest Du zurück,
In Thränen sühne sich die Schuld!

Gib, unsrer Sinne Licht! Dich kund,
Entscheuch‘ den Schlummer unsrer Brust,
Und stimme, unsrer Seele Lust!
Zu Lobgesängen unsern Mund:

Daß laut er Gott den Schöpfer preis’t,
Dich Lichtglanz, der im Vater glüht,
Ein Lichtquell selbst, der ewig sprüht,
Und gleichen Gott, des Trostes Geist.

Weitere Texte des Ambrosius von Mailand in der „Glaubensstimme“

Ambrosius – Biographie

Ambrosius, geboren ums fahr 340, wahrscheinlich zu Trier, wo sein Vater, römischer Statthalter in Gallien, seinen Sitz hatte, starb als Bischof in Mailand 597. Er war ein großes Licht der Kirche, voll Glaubens und Heiligen Geistes, dessen Namen in unvergänglichen Ehren steht, und hat auch große Verdienste um den Kirchengesang. Einer alten Sage nach wurde das Te deum laudamus, der ambrosianische Lobgesang Nr. 1, bei Augustins Taufe von ihm und diesem – denn beide wurden erst in ihrem Mannesalter getauft, unverabredet und wechselweise vor der versammelten Gemeinde zu Mailand gesungen, wo Ambrosius Bischof war. Dies kann gelten, neben der richtigeren Nachricht, dass Ambrosius diesen Gesang aus dem Griechischen übersetzt habe. Es wurden ihm dreißig Hymnen zugeschrieben. Er war im Jahre 370 Statthalter zu Mailand, und wurde 374, ehe er getauft war, und ungeachtet seines Widerstrebens und Entfliehens, zum Bischofe gewählt, als ein Kind in der Kirche gerufen haben soll ‚Ambrosius Bischof!‘ welchem Rufe alle Parteien augenblicklich beistimmten. Er war ein Muster eines Bischofes für alle Zeiten, streng gegen sich und furchtlos, selbst Kaisern gegenüber, und starb wahrscheinlich am 4. April 397. Die deutsche Übersetzung des ambrosianischen Lobgesangs ist von Dr. Luther.