Rinkart, Martin – Testament- Schlaf- Valet- und Sterbe-Gebetlein.

1. In deiner Gnaden-Hand
Steht beides Tod und Leben,
In deine Gnaden-Hand
Will ich es beides geben.
In deiner Gnaden-Hand
Steht Glück- und Unglücks-Zeit:
Mit deiner Gnaden-Hand
Zu beiden mich bereit.

2. Und weil ich doch einmal,
So lang ich auch mag leben,
Die schwache Lebensburg
Den Würmern muss aufgeben,
Befehl ich Leib und Seel
In deine Gnaden-Hand:
Die Seel in deinen Schoß,
Den Leib in frischen Sand.

3. Was du erlöset hast,
Zu ewig süßen süßen Freuden,
Mein ewig-treuer Gott,
Durch ewig-kräftig Leiden,
Und diesen meinen Sinn
Erhalt mir bis ans End,
Dass dieses bleib und sei
Mein letztes Testament.

Recke, Elisabeth von der – Sterbelied.

Wie schnell verfließen sie, wie schnell
Die uns geliehnen Jahre!
Dem Frommen ist die Aussicht hell,
Er blicket seine Bahre,
Wie seinen Freund, so treulich an,
Ist froh in dieser Welt, froh, wann
Sein Gott hinaus ihn winket.

Die Jahre dieser Pilgerzeit
Sind uns zum Heil gegeben;
Wir sollen mit Zufriedenheit
Nach weiser Tugend streben;
Uns jeder Gabe Gottes freun,
Ihm unsre ganze Seele weihn,
Wie er die Menschen lieben.

Wenn wir sein göttliches Gebot
Gern zu befolgen eilen,
Wird er durch einen sanften Tod
Uns neues Glück erteilen;
Zu höhern Freuden gehen wir
Durchs Todestal, wenn wir schon hier
Die Tugend freudig übten.

Der Treubefundne jauchzt nun da,
Wo ewig Freude wohnet,
Und ist des Frommen Stunde nah,
Die sein Vertraun belohnet;
Die zu der kalten Todesgruft –
Nein! – zu dem bessern Leben ruft,
Wie froh kann er entschlummern!

Ja, dieser Stunde harr auch ich
Mit hoffnungsvoller Seele;
Sie führt zu einer Wonne mich,
Von der sich meine Seele
Nur schwach das Glück hier denken kann,
Das meiner wartet, und mir dann
Ein ewig Erbteil bleibet.

Blaul, Georg Friedrich – Freudigkeit im Sterben.

Mel. Wenn mein Stündlein vorhanden ist

Du hast mein Ziel mir nah gerückt,
Herr über Tod und Leben!
Ich fühl’s, und fühl mich ganz beglückt,
Und will darob nicht beben;
Nein, alles was ich von dir hab‘,
Leib, Seel und jede gute Gab‘
Sei dir zurückgegeben!

Nimm’s hin, mein Gott! ich bin bereit,
Sei’s heute oder morgen,
Bei dir ist’s ja vor allem Leid
Und Schaden wohl geborgen.
Und wer auch hier zurücke bleib‘,
Sei’s Vater, Mutter, Kind und Weib,
Du, Herr, wirst sie versorgen.

Fahr‘ hin denn, Erdenherrlichkeit!
Wer mag an dir noch hangen?
Komm, letztes Leiden dieser Zeit!
Mir soll vor dir nicht bangen.
Mit Freuden hör‘ ich deinen Ruf,
Mein Gott und Herr, der mich erschuf,
Nach dir steht mein Verlangen.

Mit Freuden, Herr, fahr‘ ich dahin,
Verlasse diese Erde,
Wo ich nur Gast und Pilger bin
Voll Kummer und Beschwerde.
Mit Freuden, Herr, fahr ich dahin
Weil ich durch dich erlöset bin,
Mit dir vereinet werde.

Herman, Nikolaus – Ein geistlich Lied, darin man bittet um ein seliges Stündlein

Aus dem Spruch Augustini: Turbabor, sed non perturbabor,
Quia vulnerum Christi recordabor.

Im Ton: Wie von der Sündflut,
Oder: Es ist das Heil uns kommen her.

Wenn mein Stündlein fürhanden ist
Und soll hinfahrn mein Straße,
So gleit du mich, Herr Jesu Christ,
Mit Hilf mich nicht verlasse.
Mein Seel an meinem letzten End
Befehl ich dir in deine Händ,
Du wollst sie mir bewahren.

2. Mein Sünd mich werden kränken sehr,
Mein Gwissen wird mich nagen.
Denn ihr sind viel, wie Sand am Meer,
Doch will ich nicht verzagen;
Gedenken will ich an dein Tod,
Herr Jesu, und dein Wunden rot,
Die werden mich erhalten:

3. Ich bin ein Glied an deinem Leib;
Des tröst ich mich von Herzen.
Von dir ich ungescheiden bleib
In Todes Nöten und Schmerzen.
Wenn ich gleich sterb, so sterb ich dir,
Ein ewigs Leben hast du mir
Mit deinem Tod erworben.

4. Weil du vom Tod erstanden bist,
Werd ich im Grab nicht bleiben.
Mein höchster Trost dein Auffahrt ist,
Todsfurcht kann sie vertreiben;
Denn wo du bist, da komm ich hin,
Dass ich stets bei dir leb und bin;
Drum fahr ich hin mit Freuden.

Amen.

Blaul, Georg Friedrich – Trost im Tode.

Christ, du stehst am Todestore
Unerquickt und unerfrischt,
Gleich dem ganz zerstoß’nen Rohre,
Gleich dem Docht, der bald erlischt;
Hast du denn an keiner Stelle
Je geseh’n die Lebensquelle?
Hast du denn für deine Wunden
Keinen Balsam noch gefunden?

Komm, ich will den Born dir zeigen,
Draus das ew’ge Leben quillt:
Unter Zions Palmenzweigen
Wird dein dürstend Herz gestilt.
Dort nur kannst du ganz gesunden,
Wo dein Herr voll Schmach und Wunden
Auch für dich am Kreuz gestorben,
Ew’ges Heil auch dir erworben.

Tritt ans Kreuz, er wird dich lehren,
Auch im Tod getrost zu sein,
Nichts wird fürder dich beschweren,
Wenn er ganz im Glauben dein.
D’rum, o Christ, vor deinem Ende
Hin zu deinem Herrn dich wende;
Such‘ ihn auf, er lässt sich finden,
Hilft den Tod dir überwinden.

Musst dein Herr nicht alles leiden,
Dass du selig könntest sein?
Und du möchtest gern vermeiden
Kreuz und Trübsal, Angst und Pein?
Du, den Schulden viel beschweren,
Willst ein besser Lor begehren,
Als dein Herr, der nichts verschuldet,
Und so viel für dich geduldet?

Fordre nicht, dass du verschonet
Seist mit Kreuz und Todesnot,
Der als Herr im Himmel thronet,
Führt zum Leben durch den Tod.
Warst bisher doch nur gefangen,
Wirst nun frei, und ganz zergangen
Sind die Tränen, und dein Hoffen
Sieht den Himmel selig offen.

Steh‘ getrost am Todestore
Neu erquickt und neu erfrischt,
Gleich‘ nicht dem zerstoß’nen Rohre,
Nicht dem Docht, der bald erlischt.
In der Stunde deines Scheidens
Denk des Lebens und des Leidens
Dessen, der für dich gestorben,
Ew’ges Heil auch dir erworben.

Selneccer, Nikolaus – Ein Lied um ein seliges Valetstündlein aus diesem Jammerthal.

Mel. Christ, der du bist der helle Tag.

Herr Jesu Christe, Gottes Sohn,
Der du sitzst in dem höchsten Thron,
Zu dir ruf ich aus Herzens Grund,
Verlaß mich nicht zur letzten Stund.

2. Wenn mein Stündlein fürhanden ist,
Mein Seel vom Leib will scheiden jetzt.
Mein Herz zubricht, mein Gsicht vergeht,
Aus meinem Mund kein Odem fährt.

3. Mein Gliedmaß fallen gar dahin,
Verfallen sind auch all mein Sinn,
Vernunft ist weg, der Leib stirbt ab
Und muß hinunter in das Grab.

4. So gleit mich Herr aus dieser Welt,
Führ mich in dein himmlisch Gezelt
Und in das ewig Vaterland,
Nimm meinen Geist in deine Hand.

5. Mein Sünd sind groß, mein Gwissen zag,
Ach Herr, in mir ich nichts vermag.
Allein das bitter Leiden dein
Hilft mir von aller Sünd und Pein.

6. O Herr, ich denk an deinen Tod,
An dein heilig fünf Wunden roth.
Du bist ja mein und ich bin dein,
An deinem Leib ein Gliedmaß klein.

7. Von dir ich ungeschieden bleib,
Obgleich der Tod würgt meinen Leib.
Wenn ich gleich sterb, so sterb ich dir
Ein ewigs Leben giebst du mir.

8. Du bist der Wahrheit rechter Steg,
Die Auferstehung und der Weg
Zur Seligkeit und Himmelsfreud,
Durch dich vergeht all unser Leid

9. Wer an dich glaubt und hält dein Wort,
Der bleibt wohl sicher hier und dort
Und bringt durch diesen Tod zu dir.
O Herr, den Glauben mehr in mir.

10. Im Grab will ich nicht bleiben zwar,
Denn wo du bist, da komm ich dar,
Daß ich stets bei dir leb und bin.
Darum fahr ich mit Freuden hin.

11. Mein Seel nimm hin in deinen Schooß,
Mein Leib im Grab nicht liegen laß,
Erweck ihn auf zur Herrlichkeit,
Daß ich dich lob in Ewigkeit.

12. Ade, ade zu guter Nacht,
Der Engel Gottes mich bewacht
Und trägt mein Seel zum Gnadenthron.
Hilf Jesu Christe, Gottes Sohn.

Gerhardt, Paul – So geht der alte liebe Herr nun auch dahin

  1. So geht der alte liebe Herr nun auch dahin:
    Nach dem er achtzig und drüber ist gelebet.
    Er geht zu Gott: Und legt und schlägt aus seinem Sinn
    Das, was noch, wies Gott weiß, uns überm Haupte schwebet.
  2. Die Kinder klagen ihn, ach Vater, unser Schutz!
    Die Ehgenossin läßt die Tränen häufig fließen.
    Was Kindeskinder sind, bedenken, was für Nutz
    Sie hiebevor gehabt und nun nicht mehr genießen.
  3. Und weinen bitterlich. Die werte Bürgerschaft
    Folgt ihrem Haupte nach und gibt ihm das Geleite
    Zu seinem Schlafgemach, dahin der Tod ihn rafft
    Gleich wie uns allzumal. Ich aber seh ihm heute
  4. Zu Ehren diese Schrift: Ein Mann von alter Treu
    Und deutscher Redlichkeit, ein Mann von vielen Gaben
    Und großer Wissenschaft, ein Mann, der frisch und frei
    Das Recht geschützt, die Stadt regiert, wird jetzt begraben.

Johann Heermann – Der Tod klopft bei mir an

Der Tod klopft bei mir an,
das zeigen meine Schmerzen;
doch ist nichts, das mich schrecken kann.
Ich trage den im Herzen,
der meinen Tod durch seinen Tod
getötet hat und mir bei Gott
Gnad’, Hilf‘ und Heil erworben.
Wer an ihn glaubt
und treu verbleibt,
der bleibet unverdorben.

Drum wenn mich Gott von hinnen nimmt,
so denke nicht mit Schmerzen,
er sei auf dich und mich ergrimmt;
er liebet uns von Herzen,
er liebet, sag‘ ich, dich und mich,
das glaub, o Liebste, sicherlich!
Werd‘ ich von dir genommen
auf kurze Zeit,
in Herrlichkeit
wirst du dort zu mir kommen.

Ach, hebt die Augen auf mit mir!
Den Himmel sah ich offen.
Ach. ach, wie schön ist meine Zier,
Gott hör‘ ich mir schon rufen:
Komm, treuer Knecht, o geh herein,
jetzt sollst du ewig bei mir sein
und meine Freude schmecken!
Hinfort soll dir
kein Feind bei mir
Gefahr und Furcht erwecken.

Wo bleibt Verfolgung, Angst und Qual?
Was soll ich Ärmster sagen
von Plünderung, die etlich‘ Mal
ich habe müssen tragen?
Was bringt nicht Krankheit für Gefahr,
die mir jetzt in die zwanzig Jahr
den matten Leib durchritten?
Was hab’ ich sonst
bei meiner Kunst
nicht da und dort erlitten?

Nun bringt mich Gott zur sichern Ruh’,
kein Unglück kann mich letzen,
er schließt die Türe nach mir zu,
nun mag der Teufel hetzen
mit seinen Hunden, wie er will;
und wären ihrer noch so viel,
soll er mir doch nicht schaden.
Ich bin bei Gott,
wo keine Not;
bei Gott bin ich in Gnaden.

Bald wird mir Gott selbst legen an
ein Kleid, das nicht veralten,
ein Kleid, das kein Dieb stehlen kann,
das mich nicht läßt erkalten.
Hier bin ich nur ein Wandersmann,
der nichts Erbeignes haben kann:
dort aber werd’ ich haben
das Vaterland
mir zugewandt
mit allen seinen Gaben.

Pfeil, Christian Karl Ludwig von – Mein Sterben ist ein Gang zum Leben

1.) Mein Sterben ist ein Gang zum Leben,
Ein Gang dahin, woher ich bin.
Die Welt mag vor dem Tod erbeben:
Mich schreckt er nicht, ich weiß, wohin,
Ich weiß, dass er mich dahin bring,
Wohin mein Heiland sterbend ging.

2.) Ich weiß, dass Gott auch mir zu Liebe
Den Sohn in diese Welt gesandt.
Dass ich auch nicht zurücke bliebe,
Zurücke von dem Vaterland,
Das ohne Jesum nimmermehr
Mein Vaterland geworden wär‘.

3.) Er, weiß ich, hat durch Blut und Wunden,
Durch schweren Todeskampf die Bahn,
Die Wege zu dem Leben funden.
Er ging auch selber mir voran
Und sandte mir den Heil’gen Geist,
Der auch im Tod ein Tröster heißt.

4.) Wer will den Trost im Tod mir rauben,
Den dieses Trösters Mund mir spricht?
er selbst versiegelt meinen Glauben,
So komm ich gar nicht in’s Gericht.
Er zieht mir an das Ehrenkleid
Der Unschuld und Gerechtigkeit.

5.) Des Satans Recht ist ganz vernichtet.
Mein Lebensrecht ist offenbar.
Der Fürst der Welt wird nun gerichtet
und mit ihm, was ihm dienstbar war.
Für mich ist lauter Seligkeit
Von Jesu Christo dort bereit’t.

6.) Was wir davon hienieden wissen,
Ist wenig und doch lässt der Geist
Uns einen Vorschmack oft genießen
Von dem, was noch zukünftig heißt.
Er nimmt’s aus Jesu reicher Füll‘
Und reicht es dar, wie Jesus will.

7.) So lass dir denn an meinem Ende,
Herr, meinen Geist befohlen sein!
Nimm, Jesu, mich in deine Hände!
Sprich, Heil’ger Geist, den Trost mir ein.
Dass ich so wahr zum Vater geh,
Als Jesus ihm zur Rechten steh‘.

Pfeil, Christian Karl Ludwig von – Zum Sterben ich bereitet bin

1.) Zum Sterben ich bereitet bin,
Mit Fried‘ und Freud‘ ich fahr dahin,
Gen Himmel in mein Vaterland
Zu dem, der meinen Bund verwandt!

2.) Der du mein Bruder worden bist,
Nimm mich nun auf, Herr Jesu Christ,
Wie du dich in mein Fleisch verhüllt
Und das Gesetz für mich erfüllt.

3.) Du hast mich teu’r und hoch erkauft,
Auf dein Geheiß wurd‘ ich getauft.
Drum kann es auch nicht anders sein,
Herr Christ, ich bin und bleibe dein!

4.) Wie, dass ihr Menschen dieser Zeit
Ob eurem Tod so furchtsam seid?
Ihr seht ihn so gar bitter an,
Dass nichts euch mehr erschrecken kann.

5.) So oft man seines Namens denkt,
Wird euer Herz und Sinn gekränkt
und klopft er nur an eure Tür,
Der ganze Leib euch bebt dafür.

6.) Wie übel sich ein Christ gleich stellt,
Wenn er vom Tod jetzt wird gefällt,
Liegt mit verkehrtem Angesicht,
So kommt’s doch von der Marter nicht.

7.) Für Freudenzeichen nehmt es an,
Weil er sich jetzt nicht hemmen kann.
Im Vorschmack seiner Seligkeit,
Die er erblicket allbereit.

8.) Wohl an, mein Leid ist auch vollbracht,
Die Schuld bezahlt und gut gemacht,
Drum ich zum Tod ganz willig bin,
Mit Fried‘ und Freud‘ ich fahr dahin!