Bienemann, Kaspar – Ergebung in Gott

Herr, wie du willt, so schick’s mit mir
Im Leben und im Sterben!
Allein zu dir steht mein‘ Begier;
Laß mich, Herr, nicht verderben!
Erhalt mich nur in deiner Huld;
Sonst wie du willt, gieb mir Geduld,
Denn dein‘ Will‘ ist der beste.

Zucht, Ehr‘ und Treu‘ verleih‘ mir, Herr,
Und Lieb‘ zu deinem Worte!
Behüt‘ mich, Herr, für falscher Lehr‘,
Und gieb mir hier und dorte
Was mir dienet zur Seligkeit!
Wend‘ ab all‘ Ungerechtigkeit
In meinem ganzen Leben!

Soll ich denn einmal nach dei’m Rath
Von dieser Welt abscheiden,
Verleih mir, Herr, nur deine Gnad‘,
Daß es gescheh‘ mit Freuden!
Mein’n Leib und Seel‘ befehl‘ ich dir;
O Herr, ein seligs End‘ gieb mir
Durch Jesum Christum, Amen!

Rambach – Anthologie christlicher Gesänge aus der neueren Zeit

Kaspar Bienemann (Melisander) – Biographie

Bienemann, Dr. Kaspar, der sich griechisch Melisander schrieb, ist zu Nürnberg im Jahre 1540 geboren. Zu Jena und Tübingen trieb er vorzüglich die griechische Sprache, und konnte deswegen von Kaiser Maximilian II. als Dolmetscher nach Griechenland gesendet werden, wo er seine Namens-Übersetzung vornahm. Anfangs war er Professor zu Lauingen, welches damais mit der sogenannten jungen Pfalz noch protestantisch gewesen ist, dann Abt zu Bahr und General-Superintendent zu Pfalz-Neuburg, welche Stelle er, schwerer Verfolgungen wegen, verlassen musste. In Jena erlangte er die philosophische Adjunctur und 1571 die theologische Doktorwürde, worauf ihn der Herzog Joh. Wilhelm als Informator seiner beiden Prinzen nach Sachsen-Weimar berief. Weil man ihn aber der flacianischen Irrlehre beschuldigte, musste er diese Stelle 1573 niederlegen. Im Jahre 1578 kam er als General-Superintendent nach Altenburg, und starb daselbst am 12. September 1591. Zu den während seiner Verfolgung verfassten 5 Liedern gehört Nr. 521: Herr, wie du willst, so schicks mit mir rc., ein rechtes Ergebungs- und Trostlied.