Herberger, Valerius – Valet will ich Dir geben

Valet will ich dir geben,
Du arge, falsche Welt;
Dein sündlich böses Leben
Durchaus mir nicht gefällt.
Im Himmel ist gut wohnen,
Hinauf zieht mein Begier;
Da wird Gott herrlich lohnen
Dem, der ihm dient allhier.

Rat mir nach deinem Herzen,
O Jesu, Gottes Sohn!
Soll ich ja dulden Schmerzen,
Hilf mir, Herr Christ, davon.
Verkürz mir alles Leiden
Stärk meinen blöden Mut;
Laß selig mich abscheiden
Setz mich in dein Erbgut.

In meines Herzen Grunde
Dein Nam und Kreuz allein
Funkelt all Zeit und Stunde,
Drauf kann ich fröhlich sein.
Erschein mir in dem Bilde
Zum Trost in meiner Not,
Wie du, Herr Christ, so milde
Dich hast geblut’t zu Tod.

Verbirg mein Seel aus Gnaden
In deiner offnen Seit,
Rück sie aus allem Schaden
Zu deiner Herrlichkeit;
Der ist wohl hier gewesen,
Und kommt ins Himmels Schloß;
Der ist ewig genesen,
Wer bleibt in deinem Schoß.

Schreib meinen Nam aufs Beste
Ins Buch des Lebens ein
Und bind mein Seel fein feste
Ins schöne Bündelein
Der’r, die im Himmel grünen
Und vor dir leben frei,
So will ich ewig rühmen,
Daß dein Herz treue sei.

Valerius Herberger – Biographie

Valerius Herberger wurde 1562 zu Fraustadt in Großpolen geboren, wo sein Vater Kürschner war, und schon als kleines Kind dazu bestimmt, einmal Prediger zu werden. Leider verlor er schon als neunjähriger Knabe seinen Vater, und wenn sich nicht nachmals sein Pate, der Pastor Martin Arnold, seiner angenommen hätte, so hätte er wohl nie studieren können, da seine Mutter in drückender Armut leben musste. Allein dieser schickte ihn 1579 nach Freistadt in Schlesien, wo er seine Studien begann und drei Jahre lang mit dem größten Eifer ihnen oblag. Von da ging er auch noch auf die Universitäten Frankfurt an der Oder und Leipzig. In einem Alter von 22 Jahren, im Jahre 1584, wurde er Diakonus und sechs Jahre später Pfarrer in seiner Vaterstadt. Er war ein treuer und unermüdlicher Streiter Christi und ausgezeichneter Kanzelredner, hatte aber sein Lebelang gar mancherlei Kreuz und Herzeleid zu erfahren. Namentlich musste er viel von den Katholiken leiden, die in Polen eine evangelische Kirche um die andere wegzunehmen suchten. Auch in Fraustadt gelang es ihnen im Jahre 1604, so dass die evangelische Gemeinde ihr Gotteshaus den Katholiken abtreten und in ein kleines Bethaus sich zurückziehen musste. Außerdem fiel in seine Zeit ein großer Brand zu Fraustadt, der drei Vierteile der Stadt in Asche legte, und im Jahre 1613 die furchtbare Pest, welche in den ersten Wochen 740 und überhaupt mehr als 2000 Menschen hinraffte und siebzehn Jahre lang bis 1630 währte. So schwer aber auch diese lange Drangsalszeit war, Herberger blieb der unermüdete und treue Helfer seiner bedrängten Gemeinde, obgleich mehrfache ehrenvolle Rufe aus andern Städten zu ansehnlichen Kirchenämtern an ihn ergingen. Um aber das Maß seiner Prüfungen und Leiden voll zu machen, musste er auch noch die Schrecken des dreißigjährigen Krieges erleben; doch auch hierbei bewährte er seine Glaubensfreudigkeit und Ergebung in Gottes Willen. Er starb 1627 allgemein und tief betrauert. Die Leichenpredigt hielt sein Freund Pribisch in Glogau über den von Herberger selbst gewählten Text, Luc. 10, 20: „Freut euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.“