Philipp von Zesen – Verachtung der Welt-Freude, und verlangen nach dem ewigen seeligen Leben.

1. Wann der Tag, das Kind der Sonnen,
aus dem güldnen Zimmer geht,
wann die Fackel ist entbronnen,
und das Feld entdecket steht,
wann die Vögel singen
und die Flügel schwingen,
ist mein Herze schon bereit,
dich, o Höchster, anzusprechen ;
meine Seufzer wollen brechen

2. Nach demselben mich verlanget,
das dem Himmel ist bewusst,
der mit solchen Sachen pranget,
da nur lauter Lieb‘ und Lust,
da die Cherubinen
ihrem Schöpfer dienen,
da die Engel allzumal
ihre Stimmen hoch erschwingen,
und die süßen Lieder singen
durch den großen Himmels-Saal

3. Da ist Freude, da ist Wonne,
da empfindt man keine Nacht,
da entspringt die Lebens Sonne,
die aus Trauern Freude macht,
da wir in dem leben
ewig werden schweben
und genießen solcher Lust ;
da die Lebensquelle fließen
und in Strome sich ergießen,
wie den Frommen ist bewußt .

4. Drum entweicht, ihr schnöden Sachen!
keine Lust ist auf der Welt,
die uns kann recht fröhlich machen,
sie ist nur ein Trauerfeld ;
ihre Freude weichet,
ihre Lust verbleichet,
alles ist nur eitel hier:
drum hab ich mich Gott ergeben,
und verhoffe, bald zu leben,
in verklärter Leibeszier.

Philipp von Zesen – Morgenlied

1. Die Nacht, das schreckensvolle Kind
Die schwarze Dämmerung zerrinnt,
Der frühe Tag sich zeiget;
Das gold‘ne Morgenrot entspringt,
Der Sonnen Glanz hernachher dringt
Und auf gen Himmel steiget,
Singet, Klinget!
Freudenlieder
Soll ein jeder
Gott zu ehren
Aus dem Munde lassen hören.

2. Wohlan, mein Herz, erhebe dich,
Und denke, wie der Höchste sich
Bemüht, für dich zu wachen!
Er hat behütet diese Nacht
Vor aller Angst und Kriegesmacht,
Vor Not und Tod uns Schwachen,
Singet, Klinget!
Freudenlieder
Soll ein jeder
Gott zu danken,
Schütten aus des Herzens Schranken.

3. Brich an, du Sonne meiner Seel‘
In meines finstern Herzens Höhl‘,
Du goldner Glanz der Freuden!
Erquicke mich mit deinem Geist‘,
Und mir gewünschten Beistand leist‘
In meinem Tun und Leiden!
Aus Not Und Tod
Hilf mir Armen
Mit Erbarmen!
Mein Hantieren
Lass mich vollends wohl ausführen!

4. Ach, brich hervor, du Trost und Licht,
Wann mich der Sünden Wurm anficht
Und mein Gewissen naget!
Nimm weg die schwere Sündenlast,
Dieweil du sie gebüßet hast,
Und dich für mich gewaget!
Aus Not Und Tod
Hilf mir Armen
Mit Erbarmen!
Mein Hantieren
Lass mich vollends wohl ausführen!

Philipp von Zesen – O Fürstenkind aus Davids Stamm

O Fürstenkind aus Davids Stamm,
O meiner Seelen Bräutigam,
Mein Trost, mein Heil, mein Leben,
Wie soll ich ewig danken dir,
Daß du ins Elend kommst zu mir,
Was soll ich dir denn geben?
Es geht und steht außer Leiden
Nur in Freuden, was man siehet,
Weil der Friedefürst einziehet.

2. Ich selbsten bin der Freuden voll,
Ich weiß nicht, was ich schenken soll
Dem auserwählten Kinde.
Ach Herzenskind, nimm immer hin,
Nimm hin mein Herze, Mut und Sinn
Und mich mit Lieb entzünde.
Schleuß dich in mich, in mein Herze,
Daß ich herze dich und küsse,
Dich auch ewig lieben müsse.

3. Bleib, höchster Schatz, o meine Zier,
O meine Wonne, bleib bei mir,
Du Hoffnung der Verzagten.
Du Himmelstau, befruchte mich,
Du schönstes Mann, zeige dich
Den Armen und Verjagten.
Laß nicht dein Licht hier auf Erden
Dunkel werden, laß den Deinen
Hie dein Wort noch weiter scheinen.

Quelle: Hymns of the 1912 Lutheran Hymnal for Church, School and Home Evangelical Lutheran Synod of Wisconsin and other States