Rinkart, Martin – Zum Abendessen.

1. Der Mensch hat nicht allein
Vom bloßen Brot das Leben,
Gott muß die Lebenskraft
Dem Brot und Menschen geben,
Durch fein allmächtig Wort
Erhält er Seel und Leib;
Dieselbe Gottes-Kraft
In uns bekleib(fest zusammenhaltend, anhänglich) und bleib.

2. Der Mensch hat nicht allein
Vom Erden-Brot das Leben:
Gott hat uns auch dazu
Die Seelen-Speise geben.
Dasselbe Lebens-Wort
Erhält uns Seel und Leib;
Desselben Gottes Kraft
In uns bekleib und bleib.

3. Der Mensch hat nicht allein
Vom Seelen-Brot das leben:
Gott will uns dort einmal
Auch Englisch‘ Speise geben.
Damit sein Lebens-Wort
Zugleich an Seel und Leib
Hier und dort ewiglich
In uns bekleib und bleib.

Rinkart, Martin – Zu Mittage.

1. O Gott, du liebes Väterlein,
Segn‘ unsre Speis und Güterlein,
Schütz uns mit deinen Engelein,
Und laß sie ewig bei uns sein.

2. O Jesu, liebes Brüderlein,
Kehr ein in unsers Herzens Schrein,
Mach uns von allen Sünden rein,
Und laß uns in dir fröhlich sein.

3. O Heilger Geist, dein Gnadenschein
Segn unsre Stadt, Kirch und Gemein,
Erhalt uns Wort und Glauben rein,
Und laß uns ewig bei dir sein.

4. O Heilige Dreifaltigkeit,
Bescheer uns Fried‘ und Einigkeit,
Und mach uns allezeit bereit
Zu deiner Freud und Seligkeit. Amen.

Rinkart, Martin – Wenn Gott uns nun einmal

1. Wenn Gott uns nun einmal
Wird ganz und gar erlösen
Vom Höllen-Pharao,
Welt, Fleisch und allem Bösen,
Und Sions Himmels-Burg
Wird haben eingeräumt,
Wird uns vor Freuden sein,
Als hätt es uns geträumt.

2. Da wird Abrahams Volk
Von Heil und Wunder sagen,
Und wir aus Japhets Haus
Sie Wunders wegen fragen;
Daß Gott uns durch die Tauf,
Und sie durchs rote Meer
Geführet: welches wohl
Sei größer Gnad und Ehr.

3. Was wir von Thränen jetzt
Auf Gottes Acker streuen,
Das werden wir alsdann
Mit Freudenschall abmeyen(abmähen)!
Wir streuen Handvoll aus
Die edlen Körnelein;
Und bringen Arme voll
Die Lebens-Garben ein.

Rinkart, Martin – Gott setzt‘ und pflanzte mich

1. Gott setzt‘ und pflanzte mich
Im Lenzen meiner Jugend
Ins Kirchen Paradies
Zum Palmen-Baum der Tugend,
Und gab mir Saft und Kraft
Den ganzen Sommer lang,
Bis ich ward hoch und stark;
Ihm sei Lob, Ehr und Dank.

2. Der Sommer lief dahin:
Nach ihm kam auch gegangen
Der edle Trauben-Mann,
Gott wartet mit Verlangen
Auf mein unreife Frucht
Den ganzen Herbest lang,
Begeußt auch selber noch:
Ihm sei Lob, Ehr und Dank.

3. Der Winter ist nicht weit,
O Jesu, edler Reben,
Dem ich gepfropfet ein,
Wo du nicht Kraft wirst geben
Zur späten Winter-Frucht,
So wird es allzulang.
Du weißt was zeitig ist;
Dir sei Lob, Ehr und Dank.

Rinkart, Martin – Nun laßt uns alle Gott

1. Nun laßt uns alle Gott
Mit Mund und Herzen ehren;
Der uns so väterlich
Und mildiglich thut nähren.
Denn seine Güt und Gnad
Die währet immerdar,
Er speiset alle Welt,
Und uns das ganze Jahr.

2. Daß alles Fleisch und Vieh,
Auch die unflüggen Raben,
Nach jeder Art Begier
Ihr Unterhaltung haben,
Wenn sie auf ihre Sprach
Ihn rufen ängstig an,
So hat er ihnen schon
Ihr Futter eingethan.

3. Roß-Arbeit, Mannes-Stärk,
Ohn Glauben, Laufen, Rennen,
und Sorgen Tag und Nacht,
Gar nichts ausrichten können,
Auch Gott gefallen nicht:
Das aber ihm beliebt,
Wenn man in allem Thun
Sich seiner Gnad ergiebt.

Rinkart, Martin – Lobt Gott, lobt alle Gott

1. Lobt Gott, lobt alle Gott!
Die Macht lobt seiner Feste,
Lobt ihn im Heiligtum,
Sein‘ Herrschaft ist die beste:
Lobt ihn in seinem Thun
Und Thaten weit und breit,
Lobt ihn in seiner Macht
Und großen Herrlichkeit.

2. Lobt ihn mit Jubelschall!
Er hilft aus allen Nöten,
Lobt ihn mit Saitenspiel,
Posaunen und Trompeten,
Mein Herz ist Harfen-art,
Es soll auch stimmen ein:
Lobt ihn mit Cymbalen,
Die klingen wohl und fein.

3. Lobt, lobet, lobet ihn
Mit Reigen, Pauken, Pfeifen,
Mit Mund und Saitenspiel,
Mit Blasen, Schlagen, Greifen!
Was Leben, Weben, Klang
Und Wind und Odem hat,
Soll mit und neben uns
Gott loben früh und spat.

Rinkart, Martin – Ich heb in Angst und Not

1. Ich heb in Angst und Not
Mein Augen auf zum Herren,
Von Bergen Israel
Ist Hilf und Heil nicht ferren:
Der Himmel, Erden, See
Und alles hat gemacht,
Der schläft noch schlummert nicht,
Hält Scharwacht Tag und Nacht.

2. Er wird dir deinen Fuß
Auf recht gebahnten Straßen,
Den breiten Glaubens-Fuß
Mit nichten gleiten lassen.
Der Hüter Israel
Lenkt Glück und Unglücks-Schein,
Daß sie ihm lobesam
Und dir erbaulich sein.

3. Der Herr behüte dich!
Dich und dein Leib und Seele,
Daß weder Sonn noch Mond
In Hitz und Kält‘ dich quäle.
Er führ‘ und leite dich
Gewahrsam ein und aus,
Und bringe dich zuletzt
Ins sichre Wohnungs-Haus.

Rinkart, Martin – Dir sei Lob, Ehr und Preis

1. Dir sei Lob, Ehr und Preis,
Du treuer Menschen-Hüter.
Du Heil- und Tröste-Gast
Der furchtsamen Gemüter.
Willkommen in mein Herz
Zu tausend, tausend Mal
Dort will ich danken dir
Im Himmels-Freuden-Saal.

2. Dir sei Lob, Ehr und Preis,
Du treuer Menschen-Pfleger,
Für deine Hut und Wacht
Und Engelisch Heer-Läger,
Und alles was du mit
Gebracht von Schätzen mir.
Nun bin ich Sorgen-frei,
Nun bin ich reich in dir.

3. Dir sei Lob, Ehr und Preis,
Du treuer Menschen-Schützer:
Sei und bleib ewiglich
Mein Haus- und Herzbesitzer:
So bin ich frank und frei
Für Sorgen, Angst und Not:
Nun schaffen nichts an mir
Sünd, Teufel, Höll und Tod.

Rinkart, Martin – Lob sei dem höchsten Gott

1. Lob sei dem höchsten Gott,
Der wohnet in der Höhe,
Er siehet, hört und weiß,
Wie’s allen Menschen gehe,
Beherrscht das ganze Rund,
Und will eins schaffen recht,
Zum mind’sten dort einmal,
Dem Herren als dem Knecht.

2. Lob sei dem wahren Gott!
Der näher zu uns kommen,
Ihm einen Gnaden-Stuhl
Im Heiligtum genommen.
Er herrschet und regiert
Hier in der Gnaden-Zeit,
Zu sonderm Heil und Trost
Der werten Christenheit.

3. Lob sei dem treuen Gott!
Der allernächst gekommen
Der Auserwählten Schar,
Ihr Herz-Burg eingenommen!
Die, die regieret Er
Genädigst hier und dort,
Darum hat nichts allhier
Der Höllen Macht und Pfort.