Rinkart, Martin – Testament- Schlaf- Valet- und Sterbe-Gebetlein.

1. In deiner Gnaden-Hand
Steht beides Tod und Leben,
In deine Gnaden-Hand
Will ich es beides geben.
In deiner Gnaden-Hand
Steht Glück- und Unglücks-Zeit:
Mit deiner Gnaden-Hand
Zu beiden mich bereit.

2. Und weil ich doch einmal,
So lang ich auch mag leben,
Die schwache Lebensburg
Den Würmern muss aufgeben,
Befehl ich Leib und Seel
In deine Gnaden-Hand:
Die Seel in deinen Schoß,
Den Leib in frischen Sand.

3. Was du erlöset hast,
Zu ewig süßen süßen Freuden,
Mein ewig-treuer Gott,
Durch ewig-kräftig Leiden,
Und diesen meinen Sinn
Erhalt mir bis ans End,
Dass dieses bleib und sei
Mein letztes Testament.

Rinkart, Martin – Vorbitter-Gebetlein für der Jüden Bekehrung.

1. O Jesu, der du selbst
Aus Davids Stamm und Samen,
Lass nicht verdorren gar
Den Davids-Stamm und Namen,
Zeuch ab, zeuch ab einmal
Den Eifer deiner Hand,
Und setze Davids Volk
In alten Ehrenstand.

2. O Jesu, der du auch
Für sie dein Blut vergossen,
Und deine Tränen-Bach
Aus Lieb hinein geflossen,
Lass ab, lass endlich ab
Vom Eifer deiner Hand,
Und lege sie doch nur
In Kirchen-Gnaden-Stand.

3. O Jesu, Gottes Sohn,
Soll noch allhier auf Erden
Nach deinem Wort ein Hirt
Und eine Herde werden,
So in liebe doch
Den Eifer deiner Hand,
Und bringe sie und uns
Ins rechte Vaterland.

Rinkart, Martin – Christ-tröstliche Antwort.

1. Was ist das liebe Kreuz
Als eine Vaters-Rute,
Die Gottes Kinderlein
Tut wunder-viel zu gute?
Sie treibet uns zu Gott,
Zur Andacht und Gebet,
Sie steuret böser Lust
Sie straft und züchtiget.

2. Sie macht uns mürb und reif,
Dass wir uns drein ergeben,
Und streben inniglich
Nach einem andern Leben,
Da weder Not noch Tod,
Da weder Kreuz noch Pein,
Da weder Ach noch Weh
In Ewigkeit wird sein.

3. Lob sei dir ewiglich
Du Heiland aller Frommen,
Der du das Helden-Joch
Allein auf dich genommen,
Und uns geleget auf
Ein augenblicklich Leid,
Und bringest uns zuletzt
In ewig Himmels-Freud.

Rinkart, Martin – Kreuz-Gebetlein.

1. Ach Gott, mein treuer Gott,
Darf ich mein Elend klagen?
Und wie mir’s ist ums Herz,
Wie kannst du mich so plagen,
Mich dein betrübt Geschöpf,
Und schwache Kreatur,
Die voller Elend schon
Und Jammer von Natur.

2. Und muß noch solche Pein
Und große Schmerzen tragen,
Die du viel besser weißt,
Als ich sie weiß zu sagen,
Wo ist dein treues Wort
Und alter Vaters-Ruhm?
Was hilft mir denn zuletzt
Mein Glaub und Christentum?

3. Ach solltest du dein Kind
Dich lassen nicht erbitten,
Und deines Eifers Grimm
Vielmehr auf Leute schütten,
Die dich und deinen Sohn,
Und sein Heilwertig Wort
Erkannt und unerkannt
Verlästern fort und fort.

Rinkart, Martin – Friedens-Gebetlein

1. Du Himmels- Friede-Fürst,
Der du von Gott gekrönet,
Und der du uns mit ihm
In Ewigkeit versöhnet,
Gib den Versöhnungs- Bund
Mir ja in Lieb und Leid
In mein betrübtes Herz,
So hab ich Fried und Freud.

2. Du Himmels- Friede-Fürst,
Der du für mich gestorben
Und mir den Friedens-Schatz
Und aller Welt erworben.
Nimm doch einmal von mir
Das Zank- und Hader-Joch,
Und laß mich doch zuletzt
Im Friede sterben noch

3. Du Himmels-Friede- Burg,
Hast dich uns aufgeschlossen,
Und Satans Reich und Heer
Zur Höllenburg verstoßen.
Laß bei mir nimmermehr
Den Frieden-Störer ein,
Und mich aus deinem Schloss
Unausgeschlossen sein.

Rinkart, Martin – Singestunden-Gebetlein.

1. O Jesu Gottes Söhnelein,
Du herzgeliebtes Brüderlein,
Dieweil von deiner Gnaden-Gunst
Herkommet alle Lehr‘ und Kunst:

2. So hilf, daß erst in uns dein Wort
Bekleib und bleibe fort und fort;
Und denn auch freier Künste Lehr
Zu unserm Heil und deiner Ehr;

3. Zumal die Kunst, die ewig bleibt,
Und uns den Trauer-Geist vertreibt:
So wollen wir dich allermeist
Samt Vater und dem heilgen Geist

4. Mit fröhlichem Klang und Gesang
Ansingen unser Leben lang:
Und dort erst in der Engel Schar
Recht herrlich preisen immerdar. Amen.

Rinkart, Martin – Zum Abendessen.

1. Der Mensch hat nicht allein
Vom bloßen Brot das Leben,
Gott muß die Lebenskraft
Dem Brot und Menschen geben,
Durch fein allmächtig Wort
Erhält er Seel und Leib;
Dieselbe Gottes-Kraft
In uns bekleib(fest zusammenhaltend, anhänglich) und bleib.

2. Der Mensch hat nicht allein
Vom Erden-Brot das Leben:
Gott hat uns auch dazu
Die Seelen-Speise geben.
Dasselbe Lebens-Wort
Erhält uns Seel und Leib;
Desselben Gottes Kraft
In uns bekleib und bleib.

3. Der Mensch hat nicht allein
Vom Seelen-Brot das leben:
Gott will uns dort einmal
Auch Englisch‘ Speise geben.
Damit sein Lebens-Wort
Zugleich an Seel und Leib
Hier und dort ewiglich
In uns bekleib und bleib.

Rinkart, Martin – Zu Mittage.

1. O Gott, du liebes Väterlein,
Segn‘ unsre Speis und Güterlein,
Schütz uns mit deinen Engelein,
Und laß sie ewig bei uns sein.

2. O Jesu, liebes Brüderlein,
Kehr ein in unsers Herzens Schrein,
Mach uns von allen Sünden rein,
Und laß uns in dir fröhlich sein.

3. O Heilger Geist, dein Gnadenschein
Segn unsre Stadt, Kirch und Gemein,
Erhalt uns Wort und Glauben rein,
Und laß uns ewig bei dir sein.

4. O Heilige Dreifaltigkeit,
Bescheer uns Fried‘ und Einigkeit,
Und mach uns allezeit bereit
Zu deiner Freud und Seligkeit. Amen.

Rinkart, Martin – Wenn Gott uns nun einmal

1. Wenn Gott uns nun einmal
Wird ganz und gar erlösen
Vom Höllen-Pharao,
Welt, Fleisch und allem Bösen,
Und Sions Himmels-Burg
Wird haben eingeräumt,
Wird uns vor Freuden sein,
Als hätt es uns geträumt.

2. Da wird Abrahams Volk
Von Heil und Wunder sagen,
Und wir aus Japhets Haus
Sie Wunders wegen fragen;
Daß Gott uns durch die Tauf,
Und sie durchs rote Meer
Geführet: welches wohl
Sei größer Gnad und Ehr.

3. Was wir von Thränen jetzt
Auf Gottes Acker streuen,
Das werden wir alsdann
Mit Freudenschall abmeyen(abmähen)!
Wir streuen Handvoll aus
Die edlen Körnelein;
Und bringen Arme voll
Die Lebens-Garben ein.