Bartholomäus Ringwaldt – Ein Gebet zum heilgen Geist.

Im Ton: Nun freut euch, liebe Christen gmein.

1. Gott heilger Geist, hilf uns mit Grund
Auf Jesum Christ zu schauen,
Damit wir in der letzten Stund
Auf seine Wunden bauen,
Die er für uns nach Gottes Rat
Am‘ heilgen Kreuz empfangen hat
Zu Tilgung unsrer Sünde.

2. Durchs Wort in unsre Herzen schein
Und tu uns neu gebären,
Dass wir als Gottes Kinder rein
Vom bösen Wandel kehren
Und in dir bringen Früchte gut
So viel, als unser blöder Mut
In diesem Fleisch kann tragen.

3. In Sterbensnöten bei uns steh
Und hilf uns wohl verscheiden,
Dass wir fein sanft aus allem Weh
Hinfahren zu der Freuden,
Die uns der fromme Vater wert
Aus lauter Gnaden hat beschert
In Christo, seinem Sohne. Amen.

Bartholomäus Ringwaldt – Ein Gebet zum heiligen Geist.

Im Ton: Es ist das Heil uns kommen her.

1. O heilger Geist, du höchstes Gut,
In Gott die dritt Persone,
Der du ausgehst in gleichem Mut
Vom Vater und dem Sohne,
Bist wahrer Gott von Ewigkeit
Und wirst von aller Christenheit
Geehrt und angebetet.

2. Wir bitten dich, zeig uns doch an
Durch dein‘ gesalbten Knechte,
Was Gott der Vater hat getan
Beim menschlichen Geschlechte
In Jesu Christo, deinem Sohn,
Den er aus Lieb vom Himmelsthron
Uns Armen hat gesendet.

3. Mach uns dasselb Gehemnis klar,
Erleucht Herz, Mut und Sinne.
Dass wir den Schatz erfinden gar,
Der heimlich steckt darinne,
Und dessen uns getrösten fein,
Wenn wir in großen Ängsten sein,
Im Leben oder Sterben.

4. Bring uns die Weisheit in Verstand,
So uns sonst ist verborgen,
Dass wir getrauen Gottes Hand,
Den lassen für uns sorgen
Und ihn vollbringen, was er hat
In uns nach seinem guten Rat
Zu wirken angefangen.

5. Versiegel uns in seiner Gnad,
Dass wir sie recht erkennen,
Und Jesum Christum früh und spat
Ein HERRN des Lebens nennen,
So wohl ihn herzlich rufen an
Und seine Lehr vor jedermann
Bis in den Tod bezeugen.

6. Führ uns mit deiner Kraft gewiss
In einem neuen Leben,
Auf dass wir ja kein Ärgernis
Empfangen oder geben,
Weder mit Lehr, noch bösem Rat,
Sondern den Glauben mit der Chat
Vor aller Welt beweisen.

7. Teil uns dein Gnad all Stunden mit,
Salb uns mit deinem Öle,
Dazu mit Seufzen uns vertritt
Und tröst die arme Seele
Im Kreuz mit deiner süßen Gunst
Und gib uns wahre Gottesbrunst,
Einander recht zu lieben.

8. Verleih uns auch ein frischen Mut
Und hilf uns ernstlich kämpfen,
Dass wir die Welt und unser Blut
Mit ihrer Reizung dämpfen,
Und endlich selig schlafen ein,
Wenn unsre Stund wird kommen sein
Von hinnen abzuscheiden. Amen.

Arnold, Gottfried – An den heiligen Geist.

Süßer Tröster, liebster Gast,
Unsrer Seelen einzig Leben!
Sanfte Kühlung, süße Rast,
Die uns Trost in Noth kann geben;
Selges Licht, erfüll‘ die Sinnen
Derer, die dein Lob beginnen!

Ohne deine Majestät
Ist im Leben nichts, denn Sünde;
Wasch‘ mich, wenn ich zu Dir tret‘,
Und benetz‘ die dürren Gründe;
Heile mir die wunden Glieder,
Wärme das Erstarrte wieder!

Arndt, Ernst Moritz – Ruf an den Geist.

Dich, Geist der Wahrheit, Geist der Kraft,
Dich, Hort der Christusritterschaft,
Der alle Blöden trösten kann,
Dich starken Tröster ruf‘ ich an.

Dich, Licht der Höhe, milden Stern,
Dich freundlich frommen Geist vom Herrn,
Der alles Dunkel lichten kann,
Dich, Licht der Höhe, ruf‘ ich an.

Tief sitz‘ ich in der dunkeln Nacht,
Wo mich die Sünd‘ hineingebracht,
Tief sitz‘ ich in der Finsterniß,
Wohin Verzweiflung mich verstieß.

Mein Jammer brauset wie ein Meer
Mit allen Stürmen um mich her,
Es saust und brauset immerzu
Und läßt mir Tag und Nacht nicht Ruh.

Drum komm, mein Hort, und rette mich,
Mein Tröster, komm, und tröste mich,
Mein Licht geh‘ auf mit deinem Schein
Und funkle durch die Nacht herein.

Komm, Helfer in dem Sündengraus,
Und sprich mir zu, und leg‘ mir’s aus,
Was ich nicht mehr begreifen mag,
Was Christus zu den Sündern sprach.

Sprich mir das Wort der Liebe zu,
Den rechten Klang verstehst nur du,
Das rechte Wort, den rechten Klang,
Des Glaubens Hoffnung und Empfang.

O Geist der Liebe, Geist des Herrn!
O Himmelslicht und Gnadenstern!
Geh‘ auf in mir mit deinem Schein!
So kann ich wieder fröhlich sein.

 

Carl Johann Philipp Spitta – Geist des Glaubens, Geist der Stärke

Geist des Glaubens, Geist der Stärke,
Des Gehorsams und der Zucht,
Schöpfer aller Gotteswerke,
Träger aller Himmelsfrucht!
Geist, der einst der heil’gen Männer,
Kön’ge und Prophetenschar,
Der Apostel und Bekenner
Trieb und Kraft und Zeugniß war!

2. Rüste Du mit Deinen Gaben
Auch uns schwache Kinder aus,
Kraft und Glaubensmuth zu haben,
Eifer für des Herren Haus;
Eine Welt mit ihren Schätzen,
Menschengunst und gute Zeit,
Leib und Leben d’ran zu setzen
In dem großen, heil’gen Streit!

3. Gib uns Abraham’s gewisse,
Feste Glaubenszuversicht,
Die durch alle Hindernisse,
Alle Zweifel siegend bricht;
Die nicht bloß dem Gnadenbunde
Trauet froh und unbewegt,
Auch das Liebste jede Stunde
Gott zu Füßen niederlegt.

4. Gib uns Joseph’s keusche Sitten,
Wenn die Welt ohn‘ Scham und Zucht
Uns durch Dräuen, uns durch Bitten
In ihr Garn zu ziehen sucht.
Lehr‘ uns fliehen, lehr‘ uns meiden
Diese üppige Potiphar,
Ihren Haß geduldig leiden,
Gott getreu sein immerdar.

5. Gib uns Moses brünstiges Beten
Um Erbarmung und Geduld,
Wenn durch freches Uebertreten
Unser Volk häuft Schuld auf Schuld.
Laß uns nicht mit kaltem Herzen
Unter den Verdorb’nen steh’n,
Rein, mit Moses heil’gen Schmerzen
für sie seufzen, weinen, fleh’n,

6. Gib uns David’s Muth, zu streiten
Mit den Feinden Israel’s,
Sein Vertrau’n in Leidenszeiten sin,
Auf den Herren, seinen Fels;
Feindeslieb und Freundestreue,
Seinen königlichen Geist,
Und ein Herz, das voller Neue
Gottes Gnade sucht und preis’t.

7. Gib Elias Heil’ge Strenge,
Wenn den Götzen dieser Zeit
Die verführte blinde Menge
Tempel und Altäre weiht.
Daß wir nie vor ihnen beugen
Haupt und Knie, auch nicht zum Schein,
Sondern fest als Deine Zeugen
Dasteh’n, wenn auch ganz allein.

8. Gib uns der Apostel hohen,
Ungebeugten Zeugenmuth,
Aller Welt trotz Spott und Drohen
Zu verkünden Christi Blut;
Laß die Wahrheit uns bekennen,
Die uns froh und frei gemacht;
Gib, daß wir’s nicht lassen können,
Habe Du die Uebermacht!

9. Schenk‘ uns gleich dem Stephan Frieden
Mitten in der Angst der Welt,
Wenn das Los, das uns beschieden,
In den schwersten Kampf uns stellt.
In dem rasenden Getümmel
Schenk‘ uns Glaubensheiterkeit,
Oeffn‘ im Sterben uns den Himmel,
Zeig‘ uns Jesu Herrlichkeit!

10. Geist des Glaubens, Geist der Stärke,
Des Gehorsams und der Zucht,
Schöpfer aller Gotteswerke,
Träger aller Himmelsfrucht,
Geist, Du Geist der heiligen Männer,
Kön’ge und Prophetenschar,
Der Apostel und Bekenner
Auch bei uns werd‘ offenbar!

Carl Bernhard Garve – Geist Gottes, unerschaff’ner Geist

Geist Gottes, unerschaff’ner Geist!
Du, den kein Seraph würdig preist –
Licht, Leben, Kraft, Dir ewig gleich,
An Gaben unermeßlich reich!

2. Du füllst mit Leben Erd‘ und Meer,
Mit Geist und Kraft des Himmels Heer,
Glanz Gottes, dessen ew’ges Licht
In tausendfachen Strahlen bricht!

3. Licht, Weisheit, Feuer flößtest Du
Und Kraft der Sehern Gottes zu,
Der Wahrheit Zeugen Heldenmuth,
Den Assaphsliedern Himmelsgluth.

4. Vor allem liebst Du, göttlich rein
Kraft heil’ger Lieb‘ in uns zu sein,
Und kamst zu uns, aus Gott gesandt,
Der ew’gen Liebe Bundespfand.

5. Preis Dir und Dank, o Heil’ger Geist,
Der Gottes Weg uns Sündern weis’t,
Der Gottes Bild in uns erneut
Nach Jesu Christi Aehnlichkeit!

6. Du, dessen stiller Unterricht
An’s stille Herz vernehmlich spricht,
Und, wo der Sünder sich versteckt,
Sein Herz mit Donnerstimme schreckt:

7. Gib Du uns selbst zu aller Zeit
Ein leises Ohr und Sorgsamkeit!
Denn Heiligtreu ist dein Bemühn,
Uns Gott zu Kindern zu erziehn.

8. O würden wir dein lauter Preis
Für deiner Pflege treuen Fleiß!
O möchten wir Dich, Groß und Klein,
An Geistesfrüchten reich, erfreun!

Georg Friedrich Fickert – O daß doch bald Dein Feuer brennte

O daß doch bald Dein Feuer brennte,
Du unaussprechlich Liebender!
Es bald die ganze Welt erkennte,
Daß Du bist König, Gott und Herr!
Zwar brennt es schon in heller Flamme,
Bald hier, bald da, in Ost und West,
Dir, dem aus lieb‘ erwürgten Lamme,
Ein herrlich Pfingst- und Freudenfest.

2. Und noch entzünden Himmelsfunken
So manches kalte, todte Herz,
Und machen Durst’ge freudetrunken,
Und heilen Sünd‘ und Höllenschmerz,
Verzehren Stolz und Eigenliebe,
Und sondern ab, was unrein ist,
Und mehren jener Flamme Triebe
Die nur den großen Einen küßt.

3. Erwecke, läutre und vereine
Des ganzen Christenvolkes Schar!
Und mach‘ in Deinem Gnadenscheine
Dein Heil noch jedem offenbar.
Du unerschöpfter Quell des Lebens,
Allmächtig starker Gotteshauch,
Dein Feuermeer strömt nicht vergebens
Entzünde unsre Herzen auch!

4. Schmelz‘ Alles, was sich trennt, zusammen,
Und baue Deinen Tempel aus;
laß leuchten Deine heil’gen Flammen
Durch Deines Vaters ganzes Haus!
Dann tönen Dir von Millionen
Der Liebe Jubelharmonien,
Dann strahlt Dein Ruhm in allen Zonen,
Und Deiner Kinder Herzen glühn!

Carl Bernhard Garve – Preis Dir, denn wir sind nicht verwaist

Preis Dir, denn wir sind nicht verwaist,
Geist Jesu, seines Bundes Geist!
Du Geist der Gnade, Geist der Kraft,
Der in uns alles Gute schafft!

2 Komm, schmücke Christi heil’ges Haus
Zur Stätte Deiner Wohnung aus!
Komm, weihe Geist, Seel und Gebein,
Weih‘ uns zu Deinen Tempeln ein!

3. Komm, walt und wandle selbst darin,
Und salb‘ uns mit dem Priestersinn,
Der Deines Heiligthumes pflegt,
Und Weihrauch auf den Altar legt.

4. Zünd‘ uns das heil’ge Feuer an,
Das keine Zeit verlöschen kann,
Das allen eitlen Sinn verzehrt,
Und unsers Glaubens Gold bewährt.

5. Und wenn durch Wort und Lobgetön
Wir Gottes Ehr‘ und Ruhm erhöh’n,
Weih unser Wort, füll‘ unsern Mund,
Und thu‘ durch uns Dich selber kund!

6. Durch Dich sei unser Lebensgang,
Gott, unser bester Lobgesang!
O, Deine Kraft verlaß uns nicht,
Bis unser Herz und Auge bricht!

7. Dann stell in Deiner Treuen Schar
Uns unserm Gott geheiligt dar!
Dann stimm‘ uns, in des Himmels Reihn
Sein ewig, ewig Lob zu sein!

Johann Frank – O komm, du milder Regen

O komm, du milder Regen,
Durchdringe meinen Sinn!
Komm, schütt auch deinen Segen
Auf alle Frommen hin!
laß deine Ströme fließen,
Denn wir sind matt und schwach;
Laß unser Herz begießen,
So wird der Frühling wach!

2. Du lehrst die Stummen reden,
Du gibst den Müden Kraft,
Freimüthigkeit den Blöden,
Den Thoren Wissenschaft,
Den Tiefbetrübten Wonne,
Den Kranken Arzenei,
Den Blinden Aug‘ und Sonne;
Du schaffest Alles neu!

3. Du kannst die Herzen lenken
In Einem Blick und Nu;
Wenn Menschen Arges denken,
So sprichst Du Nein dazu.
Du eilst, den Stolz zu brechen,
Machst seinen Rath zu Spott,
Daß jeder Mensch muß sprechen:
Seht, das thut unser Gott!

4. Wer still in Leid und Wehe
Zu Jesu Füßen sinkt,
Den hebst Du bald zur Höhe,
Wo Licht und Friede winkt;
Doch wer sich trotzig blähet
Im Schein des eignen Lichts,
Und Deine Kraft verschmähet,
Den machest Du zu Nichts.

5. Oft, wenn es mit den Deinen
Gar scheinet aus zu sein,
Und Christi Feinde meinen,
Sie herrschen nun allein;
Dann hilfst Du Gottes Kindern
Zum Siege wunderbar,
Und machst zu Ueberwindern,
Was schier zertreten war.

6. Wohlan! ich will Dir trauen,
Du werdest bei mir steh’n,
Und aller Feinde Grauen,
Vorüber lassen geh’n.
Scheint es um mich geschehen
In dieser argen Welt,
Dann laß die Allmacht sehen,
Die mich umfangen hält!