Carl Johann Philipp Spitta – Geist des Glaubens, Geist der Stärke

Geist des Glaubens, Geist der Stärke,
Des Gehorsams und der Zucht,
Schöpfer aller Gotteswerke,
Träger aller Himmelsfrucht!
Geist, der einst der heil’gen Männer,
Kön’ge und Prophetenschar,
Der Apostel und Bekenner
Trieb und Kraft und Zeugniß war!

2. Rüste Du mit Deinen Gaben
Auch uns schwache Kinder aus,
Kraft und Glaubensmuth zu haben,
Eifer für des Herren Haus;
Eine Welt mit ihren Schätzen,
Menschengunst und gute Zeit,
Leib und Leben d’ran zu setzen
In dem großen, heil’gen Streit!

3. Gib uns Abraham’s gewisse,
Feste Glaubenszuversicht,
Die durch alle Hindernisse,
Alle Zweifel siegend bricht;
Die nicht bloß dem Gnadenbunde
Trauet froh und unbewegt,
Auch das Liebste jede Stunde
Gott zu Füßen niederlegt.

4. Gib uns Joseph’s keusche Sitten,
Wenn die Welt ohn‘ Scham und Zucht
Uns durch Dräuen, uns durch Bitten
In ihr Garn zu ziehen sucht.
Lehr‘ uns fliehen, lehr‘ uns meiden
Diese üppige Potiphar,
Ihren Haß geduldig leiden,
Gott getreu sein immerdar.

5. Gib uns Moses brünstiges Beten
Um Erbarmung und Geduld,
Wenn durch freches Uebertreten
Unser Volk häuft Schuld auf Schuld.
Laß uns nicht mit kaltem Herzen
Unter den Verdorb’nen steh’n,
Rein, mit Moses heil’gen Schmerzen
für sie seufzen, weinen, fleh’n,

6. Gib uns David’s Muth, zu streiten
Mit den Feinden Israel’s,
Sein Vertrau’n in Leidenszeiten sin,
Auf den Herren, seinen Fels;
Feindeslieb und Freundestreue,
Seinen königlichen Geist,
Und ein Herz, das voller Neue
Gottes Gnade sucht und preis’t.

7. Gib Elias Heil’ge Strenge,
Wenn den Götzen dieser Zeit
Die verführte blinde Menge
Tempel und Altäre weiht.
Daß wir nie vor ihnen beugen
Haupt und Knie, auch nicht zum Schein,
Sondern fest als Deine Zeugen
Dasteh’n, wenn auch ganz allein.

8. Gib uns der Apostel hohen,
Ungebeugten Zeugenmuth,
Aller Welt trotz Spott und Drohen
Zu verkünden Christi Blut;
Laß die Wahrheit uns bekennen,
Die uns froh und frei gemacht;
Gib, daß wir’s nicht lassen können,
Habe Du die Uebermacht!

9. Schenk‘ uns gleich dem Stephan Frieden
Mitten in der Angst der Welt,
Wenn das Los, das uns beschieden,
In den schwersten Kampf uns stellt.
In dem rasenden Getümmel
Schenk‘ uns Glaubensheiterkeit,
Oeffn‘ im Sterben uns den Himmel,
Zeig‘ uns Jesu Herrlichkeit!

10. Geist des Glaubens, Geist der Stärke,
Des Gehorsams und der Zucht,
Schöpfer aller Gotteswerke,
Träger aller Himmelsfrucht,
Geist, Du Geist der heiligen Männer,
Kön’ge und Prophetenschar,
Der Apostel und Bekenner
Auch bei uns werd‘ offenbar!

Carl Bernhard Garve – Geist Gottes, unerschaff’ner Geist

Geist Gottes, unerschaff’ner Geist!
Du, den kein Seraph würdig preist –
Licht, Leben, Kraft, Dir ewig gleich,
An Gaben unermeßlich reich!

2. Du füllst mit Leben Erd‘ und Meer,
Mit Geist und Kraft des Himmels Heer,
Glanz Gottes, dessen ew’ges Licht
In tausendfachen Strahlen bricht!

3. Licht, Weisheit, Feuer flößtest Du
Und Kraft der Sehern Gottes zu,
Der Wahrheit Zeugen Heldenmuth,
Den Assaphsliedern Himmelsgluth.

4. Vor allem liebst Du, göttlich rein
Kraft heil’ger Lieb‘ in uns zu sein,
Und kamst zu uns, aus Gott gesandt,
Der ew’gen Liebe Bundespfand.

5. Preis Dir und Dank, o Heil’ger Geist,
Der Gottes Weg uns Sündern weis’t,
Der Gottes Bild in uns erneut
Nach Jesu Christi Aehnlichkeit!

6. Du, dessen stiller Unterricht
An’s stille Herz vernehmlich spricht,
Und, wo der Sünder sich versteckt,
Sein Herz mit Donnerstimme schreckt:

7. Gib Du uns selbst zu aller Zeit
Ein leises Ohr und Sorgsamkeit!
Denn Heiligtreu ist dein Bemühn,
Uns Gott zu Kindern zu erziehn.

8. O würden wir dein lauter Preis
Für deiner Pflege treuen Fleiß!
O möchten wir Dich, Groß und Klein,
An Geistesfrüchten reich, erfreun!

Georg Friedrich Fickert – O daß doch bald Dein Feuer brennte

O daß doch bald Dein Feuer brennte,
Du unaussprechlich Liebender!
Es bald die ganze Welt erkennte,
Daß Du bist König, Gott und Herr!
Zwar brennt es schon in heller Flamme,
Bald hier, bald da, in Ost und West,
Dir, dem aus lieb‘ erwürgten Lamme,
Ein herrlich Pfingst- und Freudenfest.

2. Und noch entzünden Himmelsfunken
So manches kalte, todte Herz,
Und machen Durst’ge freudetrunken,
Und heilen Sünd‘ und Höllenschmerz,
Verzehren Stolz und Eigenliebe,
Und sondern ab, was unrein ist,
Und mehren jener Flamme Triebe
Die nur den großen Einen küßt.

3. Erwecke, läutre und vereine
Des ganzen Christenvolkes Schar!
Und mach‘ in Deinem Gnadenscheine
Dein Heil noch jedem offenbar.
Du unerschöpfter Quell des Lebens,
Allmächtig starker Gotteshauch,
Dein Feuermeer strömt nicht vergebens
Entzünde unsre Herzen auch!

4. Schmelz‘ Alles, was sich trennt, zusammen,
Und baue Deinen Tempel aus;
laß leuchten Deine heil’gen Flammen
Durch Deines Vaters ganzes Haus!
Dann tönen Dir von Millionen
Der Liebe Jubelharmonien,
Dann strahlt Dein Ruhm in allen Zonen,
Und Deiner Kinder Herzen glühn!

Carl Bernhard Garve – Preis Dir, denn wir sind nicht verwaist

Preis Dir, denn wir sind nicht verwaist,
Geist Jesu, seines Bundes Geist!
Du Geist der Gnade, Geist der Kraft,
Der in uns alles Gute schafft!

2 Komm, schmücke Christi heil’ges Haus
Zur Stätte Deiner Wohnung aus!
Komm, weihe Geist, Seel und Gebein,
Weih‘ uns zu Deinen Tempeln ein!

3. Komm, walt und wandle selbst darin,
Und salb‘ uns mit dem Priestersinn,
Der Deines Heiligthumes pflegt,
Und Weihrauch auf den Altar legt.

4. Zünd‘ uns das heil’ge Feuer an,
Das keine Zeit verlöschen kann,
Das allen eitlen Sinn verzehrt,
Und unsers Glaubens Gold bewährt.

5. Und wenn durch Wort und Lobgetön
Wir Gottes Ehr‘ und Ruhm erhöh’n,
Weih unser Wort, füll‘ unsern Mund,
Und thu‘ durch uns Dich selber kund!

6. Durch Dich sei unser Lebensgang,
Gott, unser bester Lobgesang!
O, Deine Kraft verlaß uns nicht,
Bis unser Herz und Auge bricht!

7. Dann stell in Deiner Treuen Schar
Uns unserm Gott geheiligt dar!
Dann stimm‘ uns, in des Himmels Reihn
Sein ewig, ewig Lob zu sein!

Johann Frank – O komm, du milder Regen

O komm, du milder Regen,
Durchdringe meinen Sinn!
Komm, schütt auch deinen Segen
Auf alle Frommen hin!
laß deine Ströme fließen,
Denn wir sind matt und schwach;
Laß unser Herz begießen,
So wird der Frühling wach!

2. Du lehrst die Stummen reden,
Du gibst den Müden Kraft,
Freimüthigkeit den Blöden,
Den Thoren Wissenschaft,
Den Tiefbetrübten Wonne,
Den Kranken Arzenei,
Den Blinden Aug‘ und Sonne;
Du schaffest Alles neu!

3. Du kannst die Herzen lenken
In Einem Blick und Nu;
Wenn Menschen Arges denken,
So sprichst Du Nein dazu.
Du eilst, den Stolz zu brechen,
Machst seinen Rath zu Spott,
Daß jeder Mensch muß sprechen:
Seht, das thut unser Gott!

4. Wer still in Leid und Wehe
Zu Jesu Füßen sinkt,
Den hebst Du bald zur Höhe,
Wo Licht und Friede winkt;
Doch wer sich trotzig blähet
Im Schein des eignen Lichts,
Und Deine Kraft verschmähet,
Den machest Du zu Nichts.

5. Oft, wenn es mit den Deinen
Gar scheinet aus zu sein,
Und Christi Feinde meinen,
Sie herrschen nun allein;
Dann hilfst Du Gottes Kindern
Zum Siege wunderbar,
Und machst zu Ueberwindern,
Was schier zertreten war.

6. Wohlan! ich will Dir trauen,
Du werdest bei mir steh’n,
Und aller Feinde Grauen,
Vorüber lassen geh’n.
Scheint es um mich geschehen
In dieser argen Welt,
Dann laß die Allmacht sehen,
Die mich umfangen hält!

unbekannt – Geist vom Vater und vom Sohn

Geist vom Vater und vom Sohn,
Weihe Dir mein Herz zum Thron!
Schenke Dich mir immerdar,
So wie einst der Jünger Schar!

2. Geist der Wahrheit, leite mich!
Eigne Leitung täuschet sich,
Da sie leicht des Wegs verfehlt,
und den Schein für Wahrheit wählt.

3. Geist des Lichtes! mehr in mir
Meinen Glauben für und für,
Der mich Christo einverleibt,
Und durch liebe Früchte treibt.

4. Geist der Andacht, schenke mir
Salbung, Inbrunst, Feu’r von Dir!
Laß mein Bitten innig, rein
Und vor Gott erhörlich sein.

5. Geist der liebe, Kraft und Zucht!
Wenn mich Welt und Fleisch versucht,
O dann unterstütze mich!
Daß ich ringe; rette mich!

6. Geist der Heiligung verklär‘
Jesum in mir mehr und mehr,
Und erquicke innerlich
Durch den Frieden Gottes mich!

7. Geist der Hoffnung, führe Du
Mich dem Himmels-Erbe zu!
Laß mein Herz sich Deiner freun,
Und in Hoffnung selig sein!

Carl Bernhard Garve – Geist Gottes! aus der Gottheit Fülle

Geist Gottes! aus der Gottheit Fülle
Zu unserm Geist herabgesenkt,
Der unbemerkt in heil’ger Stille
Gen Himmel Trieb und Andacht lenkt,
Der Davids Psalmenschwung beflügelt,
Den Sehern Aug‘ und Mund entsiegelt,
Ihr Herz mit Himmelsgluth durchdringt,
Uns Gottes Wort und Weisheit lehret,
Und seine Wahrheit hell verkläret
Gib uns ein Lied, das Dich besingt!

2. Du bist es, Quell der reinsten Liebe,
Die in das Herz lebendig quillt
Du bist es, der des Herzens Triebe
Mit heiliger Gotteskraft erfüllt.
Du bist das Pfand des ew’gen Lebens.
Du rufst o riefst Du nie vergebens!
Wenn sich die Seel zum Schlummer neigt.
Du bist es, der die Schwachheit stützet,
Des Pilgers Lauf ermannt und schützet,
Und ihm des Himmels Krone zeigt.

3. Durch Dich lebt in lebend’gen Steinen
Des Gotteshauses Heiligthum.
Du baust und mehrst des Herrn Gemeinen,
Erhöhst durch sie des Kreuzes Ruhm.
Du sprichst durch sie mit Feuerzungen,
Und beugst zu Herzenshuldigungen
Der Heiden überwund’ne Kraft;
Und Satans Reich muß Dir mit Beben
Heraus die Schar Gefang’ner geben,
Die er durch Sünden hält in Haft.

4. Wer kann, wie Du, mit Donnern reden,
Wenn Du im Schlaf den Sünder schreckst!
Wer tröstet, so wie Du, die Blöden,
Wenn Du die neue Sehnsucht weckst,
Wenn sie sich schnöd‘ und kraftlos schauen,
Und kaum dem Gnadenstuhle trauen,
Der sie mit Friedensgruß begrüßt?
Wer kann, wie Du, den Kummer stillen,
Wenn, willig nach des Vaters Willen,
Der Geist des Fleisches Schwäche büßt?

5. Du lehrst die Trübsalstunde beten,
Daß laut ihr Schrei die Wolken bricht.
Du lehrst zum Thron die Liebe treten,
Die Dank und Kraft und Demuth spricht.
Du läuterst mit dem Prüfungstiegel,
Du drückest der Bewährung Siegel
Den wohlgeprüften Seelen auf;
Du führst auf Blut- und Flammenwegen
Die Märt’rerschar der Palm entgegen,
Und führst sie im Triumph hinauf!

J. B. von Albertini – Nimm für Deine Mutterpflege

Nimm für Deine Mutterpflege,
Geist der Liebe, Dank und Ruhm!
Deine Sorg‘ ist immer rege
Für des Heilands Eigenthum.
Muttertrost von Dir empfangen,
Die an Ihm in Liebe hangen;
Laue werden, Geist der Zucht,
Strafend von Dir heimgesucht!

2. Ruf‘ o Geist, in unsern Seelen
„Abba, Vater!“ fröhlich aus;
Gib, daß wir getrost uns zählen
Zu der Kinder Schar vom Haus!
Kam nicht Er, der Erstgeborne,
Hoch herab für uns Verlorne?
Dient Er nicht um uns als Knecht,
Und verdient uns Bruderrecht?

3. Füll‘ uns, Geist der Kraft, mit Stärke,
Daß die Lippe Ihn bekenn‘!
Laß nicht ab vom Segenswerke,
Daß Ihm unser Herz entbrenn‘!
Mal‘ uns nur, Du Seelenmaler,
Ihn, den blutigen Bezahler,
Bis wir Ihm am Busen ruhn,
Und nichts mehr verlangen nun!