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Kategorie: Tersteegen Gerhard

Tersteegen, Gerhard – NIchts soll mich und JEsum trennen.

Tersteegen, Gerhard – NIchts soll mich und JEsum trennen.

NIchts soll mich und JEsum trennen.
Nichts ist das uns scheiden kann.
Ihme soll mein Herze brennen.
Ihme bleib ich zugethan.
Solt auch Erd und Himmel brechen,
Dennoch will ich ohne Scheu
Immer gern und herzlich sprechen:
Lieber todt als ungetreu.

Er ist es, der mich gebildet,
Und mich biß hieher gebracht;
Der mich, da ich sehr verwildet,
Mit der Ruthe zahm gemacht,
Der mich väterlich getragen,
Seine Gnad war täglich neu.
O so soll ich billich sagen:
Lieber todt als ungetreu.

Er hat mich aus Todes Banden
Und Gefahren ausgeführt.
Oft war keine Hilf vorhanden,
Und ich wurde doch curirt.
Es geschah mich zu gewinnen.
Ruf und Zug war mancherley,
Bald von aussen, bald von innen.
Lieber todt als ungetreu.

Aus dem schnöden Laster-Leben
Hat Er mich nicht hingerafft,
Noch dem Satan übergeben,
Noch mit strengem Zorn gestrafft.
Nein, ich mußte mich bekehren
Von der Sünden-Sclavery,
Zu den Buß- und Glaubens-Lehren.
Lieber todt als ungetreu.

Habe Dank du Liebe-Wesen!
Daß du mich vom Schlaff erweckt.
Hilf zum völligen Genesen!
Mache mich ganz unbefleckt,
Rein von groben Laster-Trieben
Und subtilen Heucheley,
Dir zu glauben, Dich zu lieben.
Lieber todt als ungetreu.

Ich versprech mit Mund und Händen,
Daß ich Dir verbunden bin.
Satan soll mich nimmer blenden,
Auch nicht Welt und Fleisches Sinn,
Noch der Menschen Spott und Toben;
Nein, es bleibt, es bleibt dabey.
Ich muß Deinen Namen loben.
Lieber todt als ungetreu.

Es ist besser4 leiblich sterben,
Als, gleich einem wilden Schwein,
Mastung suchen zum Verderben,
Und ein Raub des Teufels seyn.
Aber wer zu JESU dringet,
Wird von Schuld und Sünde3n frey,
Daß er recht von Herzen singet:
Lieber todt als ungetreu!

Lieber Heiland! Wollt ich wanken,
(Ach was thut ein Sünder nicht!)
O so setze Du mir Schranken,
Daß mein Bund und Eyd nicht bricht!
Ende wende mein Beginnen.
Kommt mir Deine Zucht nicht bey,
O so hole mich von hinnen,
Lieber todt als ungetreu!

Gerhard Tersteegen – Nun ist es geschehen

Gerhard Tersteegen – Nun ist es geschehen

NUn ist es geschehen. Ich bin nicht mehr mein.
Ich hab mich beschlossen, des HErren zu seyn.
Er hat mich erschaffen, und nachmals erkauft.
Sein bin ich auch worden, als man mich getauft.

Nun ist es geschehen. Die Freyheit ist hin.
Weil ich ein Verlobter Immanuels bin.
Was Freyheit? Ich war ein leibeigener Knecht,
Der Welt und des Teufels. Jetzt komm ich zurecht.

Nun ist es geschehen. Jetzt werd ich erst frey,
Von Sünden und Schulden erlöset und neu.
Der Welt-Geist besitzet und treibet die Welt.
Ein Christ wird von CHristo in FReyheit gestellt.

Nun ist es geschehen. Nun bin ich verpflicht,
Gottselig zu leben. Ich weigre mich nicht.
Es bleibet (zwar werd ich noch täglich versucht)
Dem Heiland geschworen, die Sünde verflucht.

Nun ist es geschehen. Ihr Lüste hinaus!
Mein Herz wird ein Tempel und seliges Haus
Der heiligen Geistes. O herrlicher Gast!
Du bringest mir Frieden zur täglichen Last.

Nun ist es geschehen. Der HErr ist mein Heil,
Mein Meister auf Erden, im Himmel mein Theil.
Er schalte, Er walte mit Unglück und Glück,
So bin ich’s zufrieden. Ich geh‘ nicht zurück.

Nun ist es gеschehen. O wichtiger Bund!
Ich weyhe dem HErren Zung, Lippen und Mund,
Zum Reden und Schweigen nach seinem Geheiß,
Zum Beten und Singen dem Höchsten zum Preiß.

Nun ist es geschehen. Nun macht euch bereit,
Ihr Glieder und Sinnen! zum christlichen Streit,
Zu ruhen und wirken, nach Christi Gebott,
Dem Höchsten zu Ehren, dem Teufel zum Spott.

Nun ist es geschehen. Nun leb ich in Dir,
Mein Licht und mein Leben! Ach bleibe bey mir.
So folg ich, als Jünger, Dir immerdar nach
Durch süß und durch bitter, durch Ehre und Schmach.

Nun ist es geschehen. Nun sterb‘ ich auch gern.
Mein Michael treibet den Satanam fern.
Der Leib kommt vom Leiden und Arbeit zu Ruh!
Der Seelen Geist fahret dem Himmelreich zu.

Nun ist es geschehen. Zwar fehlet mir viel.
Ich strauchle noch öfters und weiche vom Ziel.
Doch laß ichs nicht gelten. Mein Heiland ist gut.
Er wird es schon machen. Diß stärket den Muth.

Nun ist es geschehen. Mein Heiland es gilt!
Hilf handlen und wandlen, wie Du es nur wilt!
Dir leb ich, Dir sterb ich, Dir bleib ich getreu.
O JEsu! Hilf halten! Es bleibe dabey.

Tersteegen, Gerhard – Nun, wie steht es, meine Seele

Tersteegen, Gerhard – Nun, wie steht es, meine Seele

So jemand den HErrn JESUM CHristum nicht lieb hat, der sey Anathema Maran atha.
1. Cor. 16,22.

Mel. O du Liebe meiner Liebe! rc.

1. NUn, wie steht es, meine Seele!
Geht es übel oder gut?
Hast du was vom Glaubens-Oele?
Fühlest du der Liebe Glut?
Sollte man wohl JEsum kennen,
Und sein Glied und Jünger seyn,
Und nicht auch in Liebe brennen?
Nein, o Seele! warlich Nein.

2. Wer, was uns die Bibel lehret,
Nicht für eine Fabel acht:
Wer von Christi Leiden höret,
Und sein Mittler-Amt betracht,
Der bleibt nimmer unempfindlich:
(Hitz und Schein gehört zum Licht)
Seine Liebe wachset stündlich.
Wer nicht liebt, der glaubt auch nicht.

3. Welch Geheimnis! GOttes Sohne
Wird ein schwaches Menschen-Kind.
Er saß auf dem Königs-Throne,
Und Er wird, wie Knechte sind.
Mein warum? Daß Er uns Böse,
Seine Feinde, von dem Feind
Und vom Höllen-Pfuhl erlöse.
Welch ein theurer Menschen-Freund!

4. Er, der überselig ware,
Wird gebohren. Wo? Im Stall.
Er trägt über dreyßig Jahre
Creutz und Leiden ohne Zahl.
Armuth, Arbeit, Menschen-Plage,
Satans-Pfeile, Undank, Schmach,
Kampf und Sorgen-volle Tage
Gieng Ihm als ein Schatte nach.

5. Sieh Ihn dort zu Tische sitzen
Als das rechte Osterlamm!
Sieh Ihn in dem Gartenschwitzen!
O welch ein Blut-Bräutigam!
Der für uns sein Blut verdämpfet,
Und den Zorn-Kelch GOttes trinkt,
Zittert, zaget, schreyt und kämpfet,
Und gleich als zur Höllen sinkt!

6. Sieh, wie Ihn die Häscher fassen,
Als Ihn der Verräther küßt,
Wie die Jünger Ihn verlassen,
Wie Er nun gebunden ist,
Wie man Ihn verhört und fraget
Für dem falschen Juden-Rath,
Anklagt, hönt, verspeyt und schlaget!
Was war seine Missethat?

7. Sieh Ihn zu Pilatus schleppen!
O wie ruft die tolle Rott
An der Gaß und auf der Treppen:
Creutz’ge, Creutze! welch ein Spott!
Sieh: Man geisselt Ihn mit Riemen.
Jetzt wird Er hervorgebracht,
Braun und blau von Blut und Striemen.
Ecce Homo! Mensch, hab acht!

8. Sieh, wie rasen jene Heyden.
Alles spricht dem Heiland Hohn.
Da sie Ihn mit Purpur kleiden,
Sticht Ihn eine Dörner-Cron.
Da sie Ihne kniend grüssen,
Schläget Ihn das Zepter-Rohr.
O wie muß die Unschuld büssen,
Als ein Unmensch, als ein Thor!

9. Sieh, nun wird Er ausgeführet
Unter seiner Creutzes-Last.
Da der Pöbel jubiliret,
Seufzet und zergeht Er fast.
Sieh jetzt nimmt man Ihm das Kleide
Auf dem bangen Golgatha.
O betrübte Augen-Waide!
Nackend steht der Heiland da.

10. Sieh, wie man Ihn will ermorden,
Und durch Händ und Füsse sticht!
Mitten unterm Schächer-Orden
Wird sein Galgen aufgericht.
Nun da hängt Er voller Wunden,
Als ein Lamm, das nichts verschuldt,
Angebellt von frechen Hunden,
Doch voll Langmuth und Geduld.

11. Sieh, wie klopft die Brust für Schmerzen.
Ach! Er blutet sich zu todt.
Aller Trost weicht aus dem Herzen,
Es kommt neue Seelen-Noth,
Sieh, wie Er sich krümmt und windet!
Eli, Eli! ruft sein Mund,
Und der Sonne Schein verschwindet.
O wann kommt die neunte Stund?

12. Sieh, jetzt muß das Leben sterben,
Und Er spricht: Es ist vollbracht!
Er ist todt, und wir sind Erben.
Nun ist alles wohl gemacht.
Aber wie? Läßt man Ihn hangen?
Wir Er gar zum Raaben-Aas?
Nein. Es ist die Nacht vergangen
Und des Leidens Stunden-Glas.

13. Zwar man spießt Ihm in die Seite;
Doch drauf löset man Ihn ab.
Reiche Raths- und Ehren-Leute
Tragen Ihne selbst zu Grab.
Und hier bleibt Er unverriegelt.
Er erwacht am dritten Tag.
Da wird Erd und Gruft entsiegelt.
Satan, welch ein Donnerschlag?

14. Sieh Ihn hin und her erscheinen.
Jetzt ist Tod und Höll besiegt.
Sieh, Er wandelt mit den Seinen.
O wie sind sie so vergnügt!
Sieh Ihn auch gen Himmel fahren.
Jetzt regiert Er hier und dort,
Als ein Fürst der Engel-Schaaren.
Glaub und folge seinem Wort!

15. Seele! Soll es kraftlos bleiben?
Kann dich Christi Creutzes-Lehr
Nicht zur Liebes-Einbrunst treiben:
O so liebst du nimmermehr.
Seele! willst du nicht verschmachten,
O so werd in Liebe heiß.
Laß nicht ab, Ihn zu betrachten..
Er zerschmelzet alles Eiß.

16. Denk, Er ist uns nachgegangen,
Da wir Seiner nicht begeht.
Er hat gern das Creutz umfangen,
Und sich nimmermehr beschwert.
O wer will uns einst erretten,
Wann wir ein so theures Blut
Mit Verachtungs-Füssen tretten?
O wer hemmt des Satans Wuth!

17. Hat St. Paulus nicht geschrieben:
(Welch ein Bann und Schrecken-Spruch)
Wer den Heiland nicht will lieben,
Sey Anathema, ein Fluch.
O dabey wirds freylich bleiben!
Seele, Seele! Lasse dich
Von dem Geist der Liebe treiben!
Seele, liebe brünstiglich!

18. Liebe-Licht, der Gottheit Wesen,
Ist der Christen Element.
Liebe muß sich auserlesen,
Wer den Namen Christi nennt.
Laßt uns Augustinum hören,
Er war auch mit Lieb erfüllt.
Liebe, spricht er, GOtt den HErren,
Und denn thue was du willt.

19. HERR, diß Feuer anzuzünden,
Ist dein Werk und deine Kunst.
Ach, die Höllen-Glut der Sünden
Hindert noch die Himmels-Brunst.
HERR, Du willst uns nicht verdammen,
Du bist unsern Seelen hold;
Taufe denn mit Liebes-Flammen,
Schenke mir des Glaubens Gold.

20. Geist des Glaubens und der Liebe!
Ach! ergiesse Dich in mich!
Deine Zucht und Friedens-Triebe
Fördern uns gar seliglich.
O du reine GOttes-Daube!
Fliege doch mit Macht herbey,
Daß ich glaub, und daß mein Glaube
Durch die Liebe thätig sey.

Gerhard Tersteegen – O liebe Seele, könnt’st du werden

Gerhard Tersteegen – O liebe Seele, könnt’st du werden

O liebe Seele, könnt’st du werden
Ein kleines Kindchen noch auf Erden,
Ich weiß gewiß, es käm‘ noch hier
Gott und sein Paradies zu dir.

O süße Unschuld! Kinderwesen!
Die Weisheit hab‘ ich mir erlesen:
Wer dich besitzt ist hochgelehrt,
Und in des Höchsten Augen wert.

O Kindheit, die Gott selber liebet,
Die Jesu Geist alleine gibet,
Wie sehnet sich mein Herz nach dir!
O Jesu, bilde Dich in mir!

O Jesu, laß mich noch auf Erden
Ein solch unschuld’ge Kindlein werden!
Ich weiß gewiß, so kommt schon hier
Gott und sein Paradies in mir.

Tersteegen, Gerhard – Gebet

Tersteegen, Gerhard – Gebet

Herr, laß mich wandeln, wo ich bin,
vor deinem Angesicht:
Mein Tun und Lassen immerhin
sei lauter, rein und licht.
Dein Auge leite meinen Gang,
daß ich nicht irre geh‘;
Ach bleib‘ mir nah‘ mein Leben lang,
bis ich dich ewig seh‘.

Der Weg zum Glück
Ein Hausbuch für die christliche Familie
von Pfarrer Gustav Hofelich
C. Rieger’sche Verlagsanstalt. Stuttgart – München

Gerhard Tersteegen – Gebet

Gerhard Tersteegen – Gebet

Bei aller Arbeit und Beschwerde
beförd’re du dein Werk in mir,
daß einst mein Ziel sei für und für,
daß ich mit dir vereinigt werde
noch auf der Erde.

Bis ich der Unruh überhoben
und, frei von Mühe, Furcht und Pein,
dies einzig mein Geschäft wird sein,
dich schauen, lieben, ehren, loben
auf ewig droben.

Der Weg zum Glück
Ein Hausbuch für die christliche Familie
von Pfarrer Gustav Hofelich
C. Rieger’sche Verlagsanstalt. Stuttgart – München

Gerhard Tersteegen – Mein Erlöser, schaue doch,

Gerhard Tersteegen – Mein Erlöser, schaue doch,

1.) Mein Erlöser, schaue doch,
Wie mein armer Geist, verstricket,
Mit geheimen Banden noch,
Ganz bedränget und bedrücket:
Will ich los, so sinkt mein Herz
Bald in Ohnmacht niederwärts.

2.) Meine Bande mannichfalt
Tiefe Seufzer aus mir zwingen:
Zions Hülfe, komm doch bald!
Laß es mir durch dich gelingen;
Mache mich einst völlig frei
Von der Lüste Sklaverei.

3.) Zwar es hat mich deine Gnad
Groben Sünden längst entrissen.
Ich hab auch nach deinem Rat,
Schon zu wandeln mich beflissen,
Daß vielleicht ein andrer wohl,
Mich für fromm schon halten soll.

4.) Aber dein genaues Licht
Zeigt mir tiefer mein Verderben;
Und wie ich, nach meiner Pflicht,
Muß mir selbst und allem sterben,
Und in wahrer Heiligkeit
Vor dir leben allezeit.

5.) Dies ist auch mein Wille wohl,
Aber, ach! es fehlt Vollbringen;
Was ich auch verrichten soll,
Thu ich noch mit Last und Zwingen:
Seh ich dann mein Bestes an,
So ist’s doch nicht rein gethan.

6.) Schau, wie ich entblößet bin,
Wie mein Geist im Kerker (Elend) stöhnet;
Wie so inniglich mein Sinn
Sich nach Deiner Freiheit sehnet.
Ach! zerreiß den Himmel doch;
Ach! zerbrich des Treibers Joch.

7.) Ach, wo ist der neue Geist,
Den du wolltst den Deinen geben,
Der den Sünden uns entreißt
Und uns bringt dein reines Leben,
Der mit Herzenslust und Kraft
Alles in und durch uns schafft.

8.) Jesu! ach erbarm dich mein,
Laß mich nicht im Elend hangen;
Mach mich gründlich, frei und rein,
Nimm mein Herz dir ganz gefangen:
Komm, und werd mir innig nah,
Du hast mich erkaufet ja.

9.) Ach, wann wird mein Herze frei
Über alles sich erheben,
Und, in reiner Liebestreu,
Nur von dir abhänglich leben,
Abgeschieden, willenlos,
Von mir selbst und allem bloß!

10.) Komm, du lang verlangte Stund!
Komm, du Lebensgeist von oben!
Ach! wie soll mein froher Mund,
Jesu! deine Treue loben,
Wenn mich deine Liebesmacht,
Dir zu dienen, frei gemacht.

11.) Laß dein Evangelium
Mir Gefang’nem Freiheit schenken:
Ich will als dein Eigenthum
Mich in dein Erbarmen senken;
Ich will hoffen, warten, ruhn;
Du wollst alles in mir tun.

12.) Eignes Wirken reicht nicht zu,
Du musst selbst die Hand anlegen;
Ich will still sein, wirke du;
Dämpfe, was sich sonst will regen:
Kehr zu meiner Seele ein,
So wird mir geholfen seyn.

Quelle: Geistliches Blumengärtlein inniger Seelen.
Dreizehnte Original-Auflage
Elberfeld 1826
bei Wilhelm Hassel

Komplettierte Fassung dieses Liedes

Gerhard Tersteegen – Danke dem Herren, o Seele, dem Ursprung der Güter

Gerhard Tersteegen – Danke dem Herren, o Seele, dem Ursprung der Güter

1.) Danke dem Herren, o Seele, dem Ursprung der Güter.
Der uns erquicket die Leiber und stärkt die Gemüter.
Gebet ihm Ehr: Liebet den Gütigen sehr;
Stimmet die dankenden Lieder!

2.) Du hast, o Güte! dem Leibe die Notdurft bescheret:
Lass doch die Kräfte im Guten nur werden verzehret.
Alles ist dein, (Seelen und Leiber) allein:
Werd auch durch beide geehret.

3.) Lebenswort! Jesu! komm, speise die schmachtenden Seelen;
Laß in der Wüste uns nimmer das Nöthige fehlen:
Gib nur, daß wir Innig stets dürsten nach dir,
Ewig zur Lust dich erwählen.

4.) Nimm die Begierden und Sinnen in Liebe gefangen,
Daß wir nichts neben dir, Jesu! auf Erden verlangen:
Laß uns mit dir Leben verborgen allhier,
Und dir im Geiste anhangen.

3.) Lass uns dein’n Lebens-Geist kräftig und innig durchdringen
Und uns dein göttliches Leben und Tugenden bringen;
Bis nur wird seyn In uns dein Leben allein;
Jesu! du kannst es vollbringen.

4.) Gütigster Hirte, du wollest uns stärken und leiten,
Und zu der Hochzeit des Lammes rechtschaffen bereiten:
Bleib uns hier nah, Bis wir dich ewig allda
Schmecken und schauen in Freuden.

Quelle: Geistliches Blumengärtlein inniger Seelen.
Dreizehnte Original-Auflage
Elberfeld 1826
bei Wilhelm Hassel

Komplettierte Fassung dieses Liedes

Gerhard Tersteegen – Nun so will ich denn mein Leben

Gerhard Tersteegen – Nun so will ich denn mein Leben

1. Nun so will ich denn mein Leben
Völlig meinem Gott ergeben;
Nun wohlan, es ist geschehn!
Sünd‘, ich will von dir nicht hören,
Welt, ich will mich von dir kehren,
Ohne je zurück zu sehn.

2. Ich will meine Augen schließen,
Und hinfort nicht mehr genießen,
Was die Kreatur anbeut:
Weg, du kurzes Scheinvergnügen!
Du sollst mich nicht mehr betrügen,
Deine Lust brings Last und Leid.

3. Ich will’s anders nun beginnen,
Fleisch, Vernunft, Natur und Sinnen,
Sollen in den Tod hinein:
Meine Lust soll abgeschieden,
Nur mit meinem Gott zufrieden,
Ganz in Geist gekehret seyn.

4. Hab ich sonst mein Herz getheilet,
Hab ich hie und da verweilet,
Endlich sey der Schluß gemacht,
Meinen Willen ganz zu geben,
Meinem Gott allein zu leben,
Ihm zu dienen Tag und Nacht.

5. Herr, ich opfre Dir zur Gabe,
All mein Liebstes, das ich habe.
Schau, ich halte nichts zurück;
Schau und prüfe meine Nieren;
Solltest Du was Falsches spürgen,
Nimm es diesen Augenblick.

6. Deinem armen Jesus-Leben
Will ich gänzlich mich ergeben:
Ich umfaß dein Kreuz und Schmach:
Nein, ich will mich selbst nicht achten,
Sollt auch Leib und Seel verschmachten;
Dir, dem Lamme folg ich nach.

7. Ich scheu keine Müh‘ und Schmerzen;
Gründlich, und von ganzem Herzen,
Will ich folgen Deinem Zug:
Kann ich stetig und in allen,
Deinen Augen nur gefallen,
Ach, so hab ich ewig g’nug.

8. Eines will ich nur betrachten,
Und nicht wissen, noch drauf achten,
Was sonst draußen mag geschehn:
Fremd der Welt und ihren Sorgen,
Will ich hier, in dir verborgen,
Als ein wahrer Pilger gehn.

9. Dich allein will ich erwählen;
Alle Kräfte meiner Seelen
Nimm nur ganz in Deine Macht:
Ja, ich will mich Dir verschreiben;
Laß es ewig feste bleiben,
Was ich Dir heut zugesagt!

10. Herr! ich bin so ganz elendig;
Soll mein Vorsatz seyn beständig,
So mußt du mein Helfer seyn.
O Durchbrecher aller Banden!
Laß mich werden nicht zu Schanden,
Denn ich trau in dich allein.

Quelle: Geistliches Blumengärtlein inniger Seelen.
Dreizehnte Original-Auflage
Elberfeld 1826
bei Wilhelm Hassel

Komplettierte Fassung dieses Liedes

Gerhard Tersteegen – Jesu, der du bist alleine

Gerhard Tersteegen – Jesu, der du bist alleine

1. Jesu, der du bist alleine
Haupt und König der Gemeine:
Segne mich, dein armes Glied;
Wollst mir neuen Einfluß geben
Deines Geistes, dir zu leben;
Stärke mich durch deine Güt.

2. Ach dein Lebensgeist durchdringe,
Gnade, Kraft und Segen bringe
Deinen Gliedern allzumal,
Wo sie hier zerstreuet wohnen
Unter allen Nationen,
Die du kennest überall.

3. O wie lieb ich, Herr, die Deinen,
Die dich suchen, die dich meinen!
O wie köstlich sind sie mir!
Du weiß’st, wie mich’s oft erquicket,
Wenn ich Seelen hab erblicket,
Die sich ganz ergeben dir.

4. Ich umfasse, die dir dienen;
Ich verein’ge mich mit ihnen,
Und vor deinem Angesicht
Wünsch ich Zion tausend Segen;
Stärke sie in deinen Wegen,
Führ sie selbst nach deiner Pflicht.

5. In der argen Welt sie rette,
Und den Satan bald zertrete
Gänzlich unter ihre Füß:
Tödte, durch den Geist von innen,
Fleischeslus, Natur und Sinnen;
Sey nur du den Deinen süß.

6. Die in Kreuz und Leiden leben,
Stärke, daß sie ganz ergeben
Ihre Seel in deine Hand;
Laß sie dadurch werden kleiner
Und von allen Schlacken reiner,
Lauterlich in dich gewandt.

7. Laß die Deinen noch auf Erden
Ganz nach deinem Herzen werden:
Mache deine Kinder schön,
Abgeschieden, klein und stille,
Sanft, einfältig, wie dein Wille,
Und wie du sie gern willst sehn.

8. Sonderlich gedenke derer,
Die es, Herr, von mir begehren,
Daß ich für sie beten soll:
Auf dein Herz will ich sie legen,
Gib du jedem solchen Segen,
Wie es not; du kennst sie wohl.

9. Ach besuch zu dieser Stunde
Ihre Herzen, und im Grunde
Sie erfreu in dir allein:
Zeuch, mit deinen Liebeszügen,
Ihre Lust und ganz Vergnügen
Wesentlich in dich hinein.

10. Ach! du haswt uns theur erworben,,
Da du bist am Kreuz gestorben;
Denke, Jesu! wir sind dein:
Halt uns fest, solang wir leben,
Und in dieser Wüste schweben;
Laß uns nimmermehr allein.

11. Bis ich einst mit allen Frommen,
Droben werd zusammen kommen,
Und, von allen Flecken rein,
Da vor deinem Throne stehen,
Uns in dir, dich in uns sehen,
Ewig Eins in dir zu seyn.

Quelle: Geistliches Blumengärtlein inniger Seelen.
Dreizehnte Original-Auflage
Elberfeld 1826
bei Wilhelm Hassel

Komplettierte Fassung dieses Liedes