Anna Schieber – Laß schaffen mich

Laß schaffen mich, so lang es Tag,
auf deinem Feld mit Hack und Spaten.
Gib, daß ich froh mich regen mag,
und laß die Frucht für dich geraten.

Im Schweiß und Mühe laß mich nicht
am Übermaß vorzeit ermatten.
Und wenn die Mittagssonne sticht,
birg mich in deeinen kühlen Schatten.

Das Licht, das aus der Heimat winkt,
laß mich zur Dämmerstunde sehen.
Und laß mich, wenn die Sonne sinkt,
an deiner Hand nach Hause gehen.

Amen.

Franz Härter – Heimat meiner Liebe

Heimat meiner Liebe,
Ziel der heil’gen Triebe,
Ort der sel’gen Ruh,
wo mein Jesus weilet,
Friedensstadt, es eilet
dir mein Sehnen zu.
Herr wie lang
werd ich noch bang
an die Erdennot gebunden
zählen Tag und Stunden!

Doch ich geh so träge
auf dem Lebenswege
meinem Jesum nach,
dankend halb, halb zagend,
nach dem Ausgang fragend
und mit manchem Ach!
O wie schwer
ward mir bisher,
ganz mir abzusagen
und mein Kreuz zu tragen!

Lehr mich stiller gehen,
treuer auf dich sehen,
den ich oft betrübt!
Jesu, voll Erbarmen,
hast du ja mich Armen
je und je geliebt!
Lauter Güt‘
ist’s, die mich zieht
hin zum Ziel der heil’gen Triebe,
Jesu, meine Liebe.

Claudius, Matthias – An – als ihm die – starb

Der Sämann sät den Samen,
Die Erd‘ empfängt ihn, und über ein kleines
Keimet die Blume herauf –

Du liebtest sie. Was auch dies Leben
Sanft für Gewinn hat, war klein dir geachtet,
Und sie entschlummerte dir!

Was weinest du neben dem Grabe,
Und hebst die Hände zur Wolke des Todes
Und der Verwesung empor?

Wie Gras auf dem Felde sind Menschen
Dahin, wie Blätter! Nur wenige Tage
Gehn wir verkleidet einher!

Der Adler besuchet die Erde,
Doch säumt nicht, schüttelt vom Flügel den Staub, und
Kehrt zur Sonne zurück!

Claudius, Matthias – Als Daphne krank war

Endymion.

Fremder Mann! Weißt du keine Grabstätte für mich?

Der Fremde.

Jüngling, deine Seele liebt!
Sanfter Jüngling! Aber sei nicht betrübt!
Sieh! Der Frühling kommt nun wieder,
Und die Nachtigall,
Und die Blumen kommen wieder,
Und der Widerhall,
Und wir singen Frühlingslieder,
Und denn fallen in den Schall
Tausend weiße Blüten nieder.
Jüngling! Sieh, der Frühling kommt nun wieder,
Und die Nachtigall.

Endymion.

Fremder Mann! Weißt Du keine Grabstätte für mich?

Claudius, Matthias – Als der Hund tot war

Alard ist hin, und meine Augen fließen
Mit Tränen der Melancholie!
Da liegt er tot zu meinen Füßen!
Das gute Vieh!

Er tat so freundlich, klebt‘ an mir wie Kletten,
Noch als er starb an seiner Gicht.
Ich wollt‘ ihn gern vom Tode retten,
Ich konnte nicht.

Am Eichbaum ist er oft mit mir gesessen,
In stiller Nacht mit mir allein;
Alard, ich will dich nicht vergessen,
Und scharr‘ dich ein,

Wo du mit mir oft saß’st, bei unsrer Eiche,
Der Freundin meiner Schwärmerei. –
Mond, scheine sanft auf seine Leiche!
Er war mir treu.

Claudius, Matthias – Phidile

Ich war erst sechzehn Sommer alt,
Unschuldig und nichts weiter
Und kannte nichts als unsern Wald,
Als Blumen, Gras und Kräuter.

Da kam ein fremder Jüngling her,
Ich hatt‘ ihn nicht verschrieben,
Und wußte nicht wohin noch her;
Der kam und sprach von Lieben.

Er hatte schönes langes Haar
Um seinen Nacken wehen;
Und einen Nacken, als das war,
Hab‘ ich noch nie gesehen.

Sein Auge, himmelblau und klar!
Schien freundlich was zu flehen,
So blau und freundlich, als das war,
Hab‘ ich noch keins gesehen.

Und sein Gesicht, wie Milch und Blut!
Ich hab’s nie so gesehen,
Auch, was er sagte, war sehr gut,
Nur konnt‘ ich’s nicht verstehen.

Er ging mir allenthalben nach,
Und drückte mir die Hände,
Und sagte immer Oh und Ach,
und küßte sie behende.

Ich sah ihn einmal freundlich an,
Und fragte, was er meinte;
Da fiel der junge schöne Mann
Mir um den Hals und weinte.

Das hatte niemand noch getan,
Doch war’s mir nicht zuwider,
Und meine beiden Augen sahn
In meinen Busen nieder.

Ich sagt‘ ihm nicht ein einzig Wort,
Als ob ich’s übel nähme,
Kein einziges, und – er flohe fort;
Wenn er doch wieder käme!

Claudius, Matthias – Der Philosoph und die Sonne

Der Philosoph

Du edler Stern am hohen Himmelszelt,
Du Herr und König deiner Brüder!
Du bist so gut gesinnt – du wärmest uns die Welt,
Und schmückst mit Blumen uns das Feld,
Und machst den Bäumen Laub, den Vöglein bunt Gefieder;
Du machst uns Gold, das Wunderding der Welt,
Und Diamant, und seine Brüder;
Kömmst alle Morgen fröhlich wieder,
Und schüttest immer Strahlen nieder –
Sprich, edler Stern am hohen Himmelszelt,
Wie wachsen dir die Strahlen wieder?
Wie wärmest du? Wie schmückst du Wald und Feld?
Wie machst du doch in aller Welt
Dem Diamant sein Licht, dem Pfau sein schön Gefieder?
Wie machst du Gold?
Sprich, liebe Sonn‘, ich wüßt es gern.

Die Sonne.

Weiß ich’s? Geh, frage meinen Herrn.

Claudius, Matthias – Ein Lied, hinterm Ofen zu singen

Der Winter ist ein rechter Mann,
Kernfest und auf die Dauer;
Sein Fleisch fühlt sich wie Eisen an,
Und scheut nicht Süß noch Sauer.

War je ein Mann gesund, ist er’s;
Er krankt und kränkelt nimmer,
Weiß nichts von Nachtschweiß noch Vapeurs,
Und schläft im kalten Zimmer.

Er zieht sein Hemd im Freien an,
Und läßt’s vorher nicht wärmen;
Und spottet über Fluß im Zahn
Und Kolik in Gedärmen.

Aus Blumen und aus Vogelsang
Weiß er sich nichts zu machen,
Haßt warmen Drang und warmen Klang
Und alle warme Sachen.

Doch wenn die Füchse bellen sehr,
Wenn’s Holz im Ofen knittert,
Und um den Ofen Knecht und Herr
Die Hände reibt und zittert;

Wenn Stein und Bein vor Frost zerbricht
Und Teich‘ und Seen krachen;
Das klingt ihm gut, das haßt er nicht,
Denn will er sich tot lachen.

Sein Schloß von Eis liegt ganz hinaus
Beim Nordpol an dem Strande;
Doch hat er auch ein Sommerhaus
Im lieben Schweizerlande.

Da ist er denn bald dort bald hier,
Gut Regiment zu führen.
Und wenn er durchzieht, stehen wir
Und sehn ihn an und frieren.