Durchsuchen nach
Autor: Andreas

Claudius, Matthias – Anfang der „Wandsbecker Romanze“

Claudius, Matthias – Anfang der „Wandsbecker Romanze“

Gesetzt, du wärst, dich zu erfreun,
Und ob des Leibes Stärke,
In Hamburg (Fleisch und Fisch und Wein
Sind hier sehr gut, das merke!)

Und hättest Wandsbeck Lust zu sehn,
Und bist nicht etwa Reiter;
So mußt du aus dem Thore gehn,
Und so allmählich weiter.

Zu Wagen kannst du freilich auch,
Das kann dir niemand wehren;
Doch mußt du erst nach altem Brauch
Des Fuhrmanns Meinung hören;

Und wenn der nichts dagegen hat,
So hab‘ ich nichts zu sagen.
Reit‘ oder geh‘, doch in der That
Am besten ist’s zu Wagen.

Nur siehe fleißig vor dich hin,
So wirst du schaun und sehen
Da einen Wald, wo mitten d’rin
Lang Thurm und Häuser stehen.

Ad vocem Thurm fällt mir gleich ein,
Daß einst im Pisa-Lande
Mit dreien Kindern, jung und fein!
Ein Mann von hohem Stande

Verriegelt worden jämmerlich;
’s ist schrecklich zu erzählen,
Wie da der Alte mußte sich,
Wie sich die Kinder quälen.

Wer nicht versteht Reim und Gedicht
Kann ihre Qual nicht sprechen;
Sie saßen da und hatten nicht
Zu beißen noch zu brechen,

Und hatten Hunger – ach, der Tod
War hier Geschenk und Gabe,
Drei Tage lang bat Gaddo Brod,
Dann starb der arme Knabe.

Um seine kleine Leiche her
Wankt Vater, wanken Brüder,
Und starben alle so wie er
Nur später – aber wieder

Zu kommen auf dem Thurm im Wald,
Den du thust schaun und sehen,
So merke nun auch wasgestalt
Mit dem die Sachen stehen.

Claudius, Matthias – Das Wandsbecker Liedchen

Claudius, Matthias – Das Wandsbecker Liedchen

Weihet euch nicht Gram und Leide
Ueber die Gebühr!
Unterm Mond ist viele Freude
Und die meiste hier.

Hier wachsen Büsch‘ und Bäume
Und Blumen überall,
Hier träumt man goldne Träume
Zum Lied der Nachtigall.

Die alte Sitte waltet
An keinem Orte mehr.
Die Unschuld geht hier umher
Als ein fein Liebchen gestaltet.

Mit ihr macht bunte Reihe
Sir Amor klein und zart,
Und alte deutsche Treue
Mit einem langen Bart.

Auch liegt zu unserm Vergnügen
Die große Stadt uns vorm Gesicht,
Wir sehn sie an und lassen sie liegen
Und neiden sie nicht.

Und ehren unsre Eichen
Nach altem guten Brauch
Und freu’n uns in Gesträuchen
Und zwischen Aehren auch.

So lang bis nach vielen frohen Tagen
Der freundlich kömmt, der mit der Hippe haut.
Ihr Herren, hört’s und laßt euch sagen!
Und, Andres, aufgeschaut!

Max von Schenkendorf – Immer muß ich wieder lesen

Max von Schenkendorf – Immer muß ich wieder lesen

Immer muß ich wieder lesen,
In dem alten Heil’gen Buch
Wie mein Herr so sanft gewesen,
Ohne List und ohne Trug;

2. Wie Er hieß die Kindlein kommen,
Wie Er hold sie angeblickt,
Und sie auf den Arm genommen,
Und sie an sein Herz gedrückt;

3. Wie Er Hülfe und Erbarmen,
Allen Kranken gern erwies,
Und die Blöden und die Armen
Seine lieben Brüder hieß,

4. Wie Er keinem Sünder wehrte,
Der bekümmert zu ihm kam;
Wie Er freundlich ihn belehrte,
Ihm den Tod vom Herzen nahm.

5. Immer muß ich wieder lesen,
Les‘ und freue mich nicht satt,
Wie Er ist so treu gewesen,
Wie Er uns geliebet hat.

6. Hat die Herde sanft geleitet,
Die sein Vater ihm verlieh’n.
Hat die Arme ausgebreitet,
Alle an sein Herz zu ziehn.

7. Laß mich knien zu Deinen Füßen,
Herr, die Liebe bricht mein Herz!
Laß in Thränen mich zerfließen,
Selig sein in Wonn‘ und Schmerz!

In manchen Liederbüchern wird dieses Lied Luise Hensel zugeschrieben – ich habe hier die Benennung aus Julius Köbners „Glaubemsstimme“ übernommen

Gottfried Arnold – Heiligster Jesus

Gottfried Arnold – Heiligster Jesus

Heiligster Jesus, Heiligungsquelle,
Mehr als Krystall rein, klar und helle,
Du laut’rer Strom der Heiligkeit!
Aller Glanz der Cherubinen,
Die Heiligkeit der Seraphinen
Ist gegen Dich nur Dunkelheit.
Ein Vorbild bist Du mir,
Ach, bilde mich nach Dir,
Du mein Alles!
Jesus, hilf Du!
Hilf mir dazu,
Daß ich auch heilig sei, wie Du.

2. O stiller Jesus! wie Dein Wille
Dem Willen Deines Vaters stille
Und bis zum Tod gehorsam war,
Also mach‘ auch gleichermaßen
Mein Herz und Willen Dir gelassen,
Ach, stille meinen Willen gar!
Mach mich Dir gleich gesinnt,
Wie ein gehorsam Kind,
Stille, stille.
Jesus, hilf Du!
Hilf mir dazu,
Daß ich fein stille sei, wie Du.

3. Wachsamer Jesus! ohne Schlummer,
In großer Arbeit, Müh‘ und Kummer
Bist Du gewesen Tag und Nacht;
Du mußtest täglich viel ausstehen,
Des Nachts lagst Du vor Gott mit Flehen,
Und hast gebetet und gewacht.
Gib mir auch Wachsamkeit,
Daß ich zu Dir allzeit
Mach‘ und bete.
Jesus, hilf Du!
Hilf mir dazu,
Das ich stets wachsam sei, wie Du.

4. Gütigster Jesus! ach wie gnädig,
Wie liebreich, freundlich und gutthätig
Bist Du doch gegen Freund und Feind!
Dein Sonnenglanz, der scheinet Allen,
Dein Regen muß auf Alle fallen,
Ob sie Dir gleich undankbar sind.
Mein Gott, ach lehre mich,
Damit hierinnen ich
Dir nacharte!
Jesus hilf Du!
Hilf mir dazu,
Daß ich auch gütig sei, wie Du.

5. Du sanfter Jesus, warst unschuldig,
Und littest alle Schmach geduldig,
Vergabst und ließ’st nicht Rachgier aus;
Niemand kann Deine Sanftmuth messen,
Bei der kein Eifer Dich gefressen,
Als der um Deines Vaters Haus.
Mein Heiland, ach, verleih‘
Mir Sanftmuth und dabei
Guten Eifer.
Jesus, hilf Du!
Hilf mir dazu,
Daß ich sanftmüthig sei, wie Du.

6. Würdigster Jesus, Ehrenkönig!
Du suchtest Deine Ehre wenig,
Und wurdest niedrig und gering;
Du wandeltst ganz vertieft auf Erden
In Demuth und in Knechtsgebärden,
Erhubst Dich selbst in keinem Ding.
Herr, solche Demuth lehr‘
Mich auch, je mehr und mehr
Stetig üben!
Jesus hilf Du!
Hilf mir dazu,
Daß ich demüthig sei, wie Du.

7. O keuscher Jesus, all‘ Dein Wesen
War züchtig, keusch und auserlesen,
Voll ungefärbter Sittsamkeit;
Gedanken, Reden, Glieder, Sinnen,
Gebärden, Kleidung und Beginnen
War voller lautrer Züchtigkeit.
O, mein Immanuel!
Mach‘ mir Geist, Leib und Seel
Keusch und züchtig
Jesus, hilf Du!
Hilf mir dazu,
So keusch und rein zu sein, wie Du.

8. Mäßiger Jesus, deine Weise
Im Trinken und Genuß der Speise
Lehrt uns die rechte Mäßigkeit.
Den Durst und Hunger Dir zu stillen,
War, statt der Kost, des Vaters Willen
Und Werk vollenden, Dir bereit‘.
Herr, hilf mir, meinen Leib
Stets zähmen, daß ich bleib‘
Dir stets nüchtern.
Jesus, hilf Du!
Hilf mir dazu,
Daß ich stets nüchtern sei, wie Du.

9. Nun, liebster Jesus, liebstes Leben!
Mach‘ mich in Allem Dir ergeben,
Und deinem heil‘gen Vorbild gleich.
Dein Geist und Kraft mich ganz durchdringe,
Daß ich viel Glaubensfrüchte bringe,
Und tüchtig werd‘ zu deinem Reich.
Ach, zeuch mich ganz zu Dir,
Behalt mich für und für,
Treuer Heiland!
Jesus, hilf Du,
Laß mich, wie Du,
Und wo Du bist, einst finden Ruh‘.

Garve, Carl Bernhard – O Du, der Völker Heil

Garve, Carl Bernhard – O Du, der Völker Heil

O Du, der Völker Heil,
Der Menschheit Ehr‘ und Sonne,
Des Bergens schönstes Theil,
Des Geistes Kraft und Wonne!
Welch‘ Werk der Engel malt,
Mit Himmelsfarbenlicht
Dein Bild, das Gottheit strahlt
Im Menschenangesicht!

2. Reiz vor jedem Reiz,
Das Aug‘ an Dir zu weiden,
Vom Stalle bis an’s Kreuz,
Im Leben, Wirken, Leiden!
Wie fromm, wie gut und mild,
Wie machtvoll, hehr und groß
Steht da vor mir Dein Bild,
Wie rein und fleckenlos!

3. Hier seh‘ ich Dich als Kind;
Wer kann’s nach Würden preisen?
So himmlisch treu gesinnt,
Ein Wunder selbst den Weisen.
Doch ruhst Du still daheim
In Demuth sanft und treu,
Und pflegst noch jeden Keim,
Bis er Baum Gottes sei.

4. Der Himmel öffnet sich.
Was sagt der Taube Schweben?
Geist Gottes kommt auf Dich
Und salbt dein Amt und Leben.
Und wie in Bußgestalt
Du schwörst den heil‘gen Bund
Welch‘ hehre Stimm‘ erschallt?
Sohn grüßt Dich Gottes Mund!

5. Schon seh‘ ich Dich in Kraft
Der heil’gen Taufe gehen,
Und, durch kein Weh‘ erschlafft,
Den langen Kampf bestehen.
Schon tönt dein Gotteswort,
Ein Wort voll Seligkeit,
Und tönt gewaltig fort
Bis an das Grab der Zeit.

6. Kommt, rufst Du, folget mir!
Und Vätern, Netzen, Schiffen
Enteilt man, folget Dir,
Vom Himmelswort ergriffen.
Verachtet, arm, gering
Tritt jetzt dein Schüler ein.
Bald wird, der Fische fing,
Ein Menschenfischer sein.

7. Der Satan eilt in Flucht
Vor deinem Gottheitsstempel;
Voll Eifers übst Du Zucht
In deines Vaters Tempel.
Doch o! wie lächelst Du
Mit namenloser Huld
Verzagten Sündern zu!
Und weg ist ihre Schuld.

8. Wie sinkt Dir jene dort
In heißem Dank zu Füßen!
Ihr Herz möcht ohne Wort
Zum Thränenbach zerfließen.
Und Du, wie sanft und lind
Nimmst Du Dich ihrer an!
Und Satans schnödes Kind,
Ist Gottes Ruhm fortan.

9. In Armuth wandelst Du,
So reich an tausend Segen;
Hast nicht, wohin zur Ruh‘
Dein müdes Haupt zu legen;
Doch welchem Menschenheer
Brichst Du dein Segensbrod!
Dir bleibt von Hülfe leer
Kein Elend, keine Noth.

10. Was wallt aus Nain her?
Schmerz glüht in Thränen nieder,
Du winkst: er glüht nicht mehr,
Der Jüngling lebet wieder.
Dort deckt Verwesungsgruft
Den Freund – dein Wort gebeut
Er athmet Lebensluft,
Er steht, in Kraft erneut!

11. Des Blinden Auge sieht,
Dank reden stumme Zungen,
Das schwerste Siechthum flieht,
Durch Blick und Wort bezwungen.
Wie jauchzen tief erregt
Dir Meng‘ um Menge zu!
Und jeder Busen schlägt:
Preis Dir! wer ist wie Du?

12. Dort beugst Du, wie ein Knecht,
Dich zu der Jünger Füßen,
Du, den mit höchstem Recht
Sie Herrn und Meister grüßen,
Du, dessen Majestät
Der Gottesglanz bezeugt,
Vor dem sich der Prophet,
Vor dem sich Moses beugt.

13. Laut schaut es: Welch ein Mann,
Dem Sturm und Wetter schweigen,
Der Todte wecken kann,
Dem sich die Geister neigen!
Und o! wie sinkst Du nun
So kraftlos in den Staub,
Und noch im Wunderthun
Bist Du der Bande Raub.

14. Du Fels der Aergerniß,
Kraft Gottes, Gotteswahrheit,
Dem Klügling nie gewiß,
Dem Glauben Himmelsklarheit,
Und doch, wer faßt Dich ganz,
Held reinster Liebe,
Der, wund vom Dornenkranz,
Am Schächerkreuz erblich?

Nikolaus Ludwig von Zinzendorf – Gott und Mensch

Nikolaus Ludwig von Zinzendorf – Gott und Mensch

Gott und Mensch floß einst zusammen,
Seligmachen war sein Plan!
Nicht die Seelen zu verdammen
Nahm die Knechtsgestalt Er an.

2. Hingehn und für Feinde sterben
Einen blutigen Kreuzestod,
Ihnen Gnade zu erwerben
Wer das thun mag, der ist Gott!

3. Ja, mein Gott ist Jesus Christus,
Wie der Heilige Geist mich lehrt!
Blick‘ in seinen Tod da siehst du’s;
Wer das nicht sieht, ist verkehrt.

4. Gottes Thorheit! Dich verehret
Jesu frohe Sünderschaar,
Die sonst keine Gottheit lehret,
Außer die in Christo war!

Albertini, Johann Baptista von – Morgenroth

Albertini, Johann Baptista von – Morgenroth

Morgenroth, du lichtes Morgenroth!
Du endest uns’re Noth.
Der Liebe Sonne
Geht auf, und strahlet Wonne
Doch ach! blutroth
Sinkt sie in Tod.

2. Schwind‘ uns nicht, du blutig’s Abendlicht!
Triumph! ihr Angesicht
Zeigt sie uns wieder,
Und sinkt nun nicht mehr nieder
Das ewige Licht
Verläßt uns nicht!

unbekannt – Dein holder König kommt zu Dir

unbekannt – Dein holder König kommt zu Dir

Dein holder König kommt zu Dir;
O Zion freue dich!
Sein Herz entbrennt in Lieb’sbegier;
Umfass‘ Ihn inniglich!

2. Er kehrt bei dir als Heiland ein
Mit seinem Hab‘ und Gut;
Er selbst und was Er hat, ist dein,
Sein Leib, sein Fleisch und Blut.

3. Er ist dein Hirte, Brod und Quell,
Dein Schmuck und Ehrenkleid;
In Freud‘ und Leiden dein Gesell,
Ja, deine Herrlichkeit.

4. Lab‘ dich an seinem Bruderherz
Vertraut und brüderlich;
Er kennt und fühlet deinen Schmerz,
Gewiß, Er liebet dich!

5. Er macht dich heilig durch sein Blut,
Von Sünden rein und los;
Er setzt dich in das höchste Gut
In seines Vaters Schoß.

6. Ach, hör aus seinem süßen Mund,
Wie dich der Vater liebt!
Wie Er aus eben diesem Grund
Dir seinen Liebling gibt!

7. Sprich: König, komm! besitze mich,
Beherrsche Leib und Seel.
Und nimm mich ewig Hin in Dich,
mein Immanuel!

J. B. v. Albertini – Wer faßt in seine Faust das Meer

J. B. v. Albertini – Wer faßt in seine Faust das Meer

Wer faßt in seine Faust das Meer?
Wer mißt es aus, der Himmel Heer,
Mit seiner Spanne Macht? wer hält
Die Waage fest, und wägt die Welt?
Ein Tropf am Eimer sind die Völker Ihm,
Die Inseln Staub, ein Scherf die Cherubim!

2. Zu klein ist Ihm zum Feuerheerd
Der Libanon, und ohne Werth
Zum Opfer all sein Bild zugleich!
Steigt auf’s Gebirge, rüstet euch;
Jerusalem und Zion, Rednerin,
Du Herold Gottes! auf, und melde Ihn!

3. Ruft hell den Städten Juda’s zu:
Er kommt! erwacht aus träger Ruh!
Er kommt und mit Ihm Straf‘ und Lohn
Stark herrscht sein Arm vom Königsthron!“
Sink in den Staub vor Ihm, untreue Braut!
Doch nein! erhebe dich und rühme laut!

4. „Trost meinem Volk!“ spricht Gott der Herr;
Vergeben ist der Sünden Heer!
Ich weide meine Heerd‘ als Hirt,
Der Lämmer Arzt, der Schafe Wirth.
So sprecht Jerusalem denn freundlich zu,
Nach schwerer Ritterschaft kommt süße Ruh.“

5. Bereite diesem Gott den Weg,
Mein Herz, mach‘ richtig seinen Steg!
O Abgrund der Barmherzigkeit!
Geheimniß der Gottseligkeit!
Mein Geist verstummt vor Dir, und hüllt sich ein
Mein Herz frohlockt in ew’gem Seligsein!

Julius Köbner – Die ganze Ehre, Gott, ist Dein

Julius Köbner – Die ganze Ehre, Gott, ist Dein

Die ganze Ehre, Gott, ist Dein!
Das Lob gebühret Dir allein!
Du schufst des Himmels Sternenzelt,
Du schufst in uns die Gnadenwelt.

2. Du Großer hast an uns gedacht
Und selbst die Rettung uns gebracht!
Schön ist die Schöpfung nah‘ und fern,
Viel schöner noch der Tod des Herrn!