Arnold, Gottfried – Erneuerung zum Bilde Gottes.

Wo mein Schatz liegt, ist mein Herze,
Was ich lieb‘, ernähret mich;
Wo es licht ist, brennt die Kerze
Des Verlangens brünftiglich.
Kann das Schwere von der Erden
Schon nicht leicht gezogen werden:
Ein Magnet doch ziehet an,
Was er nur erreichen kann.

Ach, dass dieses Herz zerfließen
Und wie Wachs zerschmelzen könnt‘,
Wenn es irgend darf genießen
Jesu Sonnen-Element!
O dass Er mich ganz erreichen
Könnte, und im Grunde erweichen!
Würde nicht der harte Sinn
Ganz zerschmolzen sinken hin?

Komm, o Herr, und sprich die Worte
Deines Geistes in mir aus;
Öffne mir die Liebespforte,
Leucht ins dunkle Seelenhaus,
Bis dein Strahl mich ganz durchdringet,
Und den Herzenswillen zwinget,
Dass er, frei vom eig’nen Weh,
liebend in Dir untergeh‘!

Jesu, aller Leben Leben!
Ist doch Nichts so starr und hart,
Dem Du nicht kannst Wärme geben,
Dass es werde lind und zart!
Wenn es nur sich Dir vertrauet,
Auf Dich im Gehorsam schauet:
Solltst Du mich nicht weg von mir
Ziehen können hin zu Dir?

O ich will so lange flehen,
Bis ich deinen starken Zug
In mir werde siegend sehen,
Zu befördern meinen Flug
Nach den Reih’n der Seraphinen,
Die in Liebe selig dienen,
Wenn dein Königsangesicht
Wirft auf ihren Dienst ein Licht!

Wie der Vater mich zum Sohne
Hat gezogen in der Buß‘,
Dass Er in mir ewig wohne,
Und in Ihm ich bleiben muss:
Also zeuch, o Jesu, wieder
Mich, und alle deine Glieder
Zu des Vaters Stärk‘ und Lieb‘
Durch erneuten Liebestrieb!

Denn das neugeborne Leben,
Dessen Quell und Herr Du bist,
Will zurück sich wieder geben
In den Brunn, der Gott nur ist.
So kannst Du, o Sohn der Ehren,
Deinen Vater recht verklären,
Wenn dein Geist Ihm wiedergibt
Ganz vollendet, was Er liebt!

Vater, kennst Du deinen Samen,
Der die reine Gottheit preist:
So verkläre deinen Namen,
Welcher Jesus in mir heißt,
Der sich wesentlich ausbreitet,
In dem Geist, den Du bereitet
Dir zur Freude, mir zum Heil!
Göttlich Leben sei mein Teil!

So find ich den Ursprung wieder,
Leb‘ in göttlicher Natur;
Nichts zeucht mehr zur Erde nieder
Die erneute Kreatur.
Seel‘ und Leib mag mir vergehen,
Gottes Sohn bleibt in mir stehen.
Selig, wer es fühlet frei,
Dass er Gottes Tempel sei!

Arnold, Gottfried – Hingabe an die ewige Liebe.

Tausendmal verlangte Liebe!
Komm zu mir, damit ich mich
Nur in Deinem Lieben übe
Und getrost ergeb‘ an Dich!
Ach, wie werd‘ ich dann genesen,
Wenn Dein Mund mir Lieb‘ einspricht,
Wenn statt Wörterschalls das Wesen
Deiner Lieb‘ in mir anbricht!
Lehr‘ mich lieben Dich allein,
Du, Du sollst mein Herze sein!

Manchen Ort hab‘ ich durchgangen,
Viele Dinge angeseh’n;
Keines stillte mein Verlangen,
Endlich aber ist’s gescheh’n,
Dass mich Jesus angeschauet!
Der bezwang mir Mut und Sinn;
Er hat mir sein Herz vertrauet
Und geschenket zum Gewinn.
Drum so lieb‘ ich Ihn allein,
Er nur soll mein Hirte sein!

Wenn ich mein Gemüte weide
An Dir, Liebster, hin und her,
Quälet mich vom alten Leide
Keine Kummersorge mehr.
Andres weiß ich nichts zu singen,
Als von Deiner Freundlichkeit,
Die mir kann mein Herz bezwingen,
Dass es immer nach Dir schreit:
Liebster, Bester, Du allein
Sollst mein Hoherpriester sein!

Alle Lieben, die Dich kennen,
Geben Dir den höchsten Preis,
Dass Du bist allein zu nennen,
Treu von Herzen, stark und weis‘;
Ach, es gibt noch viel Gemüter,
Deren Geist voll Falschheit ist,
Die missgönnen deine Güter
Solchem, dem Du alles bist!
Doch, o Treuer, Du allein
Wirst mein Freund der Seele sein.

Kann dein Lieben oft bewegen
Stolze Herzen, dass sie sich
Kindlich Dir zu Füßen legen:
Liebster, sag‘ mir, was soll ich?
Soll ich wachen oder schlafen,
Da Du bist so göttlich schön?
Nein, ich bin dazu geschaffen,
Wachend, liebend stets zu steh’n!
Drum, o König, Du allein
Sollst mein Fürst der Seele sein.

O ihr hohen Engelorden,
Helle Geister allzumal,
Die ihr lebt von Gottes Worten:
Nehmt mich in die heil’ge Zahl
Derer, die nur Liebe üben!
Wenn die Himmel auch vergeh’n,
Werden die doch weiter lieben,
Denn die Liebe bleibet steh’n!
Drum Jehovah soll allein
Mein Haupt, Hirt und König sein!

Arnold, Gottfried – Krankheit aus Liebe.

Ich weiß nicht, wie mir ist,
Vor großem, bitt’rem Schmerzen,
Der mir am Leben frisst,
Und geht so tief zu Herzen.
Wer bringet mir den besten Rat?
Wer ist’s, der für mich Rettung hat,
Weil meine Lieb‘ am Sterben ist?

Als ich mein ewig Heil
Nach ernster Buße funden
In Jesu, der mein Teil
Kraft seiner Todeswunden,
Und meine Heilung ward vom Tod:
Da sprach ich : „nun hat’s keine Not,
Weil Gottes Sohn mir gnädig ist!“

Fürwahr, es hat der Trieb
Des Vaters mich gezogen
Zum Sohn, und dessen Lieb‘
Im Geist mich überwogen.
Sein göttlich Licht facht‘ an in mir
Der Lieb‘ unendliche Begier
Im Herzen, das verwundet ist.

Ich kann ohn‘ Ihn nicht ruh’n,
Viel weniger selig leben;
Drum hab‘ ich eignem Tun
Und Frommsein mich ergeben:
Da lief ich aus mir hin und her,
Und forscht um Ihn bei Menschen sehr,
Ob Er bei Kreaturen ist?

Vom Laufen ward ich matt,
Ich sank in Ohnmacht nieder,
So dass mein Mund sich hat
Eröffnet an die Brüder:
„Ach wisst ihr meinen Liebsten wo,
So sagt Ihm, dass ich sterbe so,
Weil Er von mir entfernet ist!“

Bald war die Antwort da,
Im tiefsten Seelengrunde:
Das Wort ist dir so nah
Im Herzen und im Munde!
Was ist’s, das deine Liebe facht,
Und Liebesschmerzen dir gemacht? –
Ist’s nicht das Wort,
das in dir ist?

„Von armer Kreatur
Wirst du den Schatz nicht kaufen,
Wenn du auch alle Spur
Der Sekten willst durchlaufen.
Ach glaube du: sie taugen nicht!
Ihr Tun ist Schein und eignes Licht,
Weil ihre Leucht erloschen ist!

O Seele, Gott ist Licht,
Dazu man nicht kann kommen,
Wenn alle Sünden nicht,
Vollkommen weggenommen!
Drum such‘ Gott selber nur durch Gott,
Das Licht im Licht, bei Kreuz und Spott,
Weil Jesus dein Versöhner ist!

Darauf erschwang ich mich
Aus meinem eigenen Leben,
Und wollte dürstiglich
In Gott hin mich ergeben;
Ach aber, ich fand mich zu schwach,
Und schrie Ihm nach mit Weh und Ach:
Wo ist Er, der mein Leben ist?

Da fand ich zwischen mir
Und Gott viel Bilder stehen,
Die mich verhindert hier,
Ins Heiligtum zu gehen:
Und gleichwohl hatt‘ ich keine Kraft,
Bis Er sie selber aus mir schafft,
Mir statt der Vielheit Eines ist.

Nunmehr ist Er mir auch
Arzt und Arznei gewesen,
Und was ich sonsten brauch‘,
Darf ich aus Ihm erlesen.
Nun frag‘ ich nicht nach Kreatur;
Stirb hin, Vernunft, Will, Fleisch, Natur!
Gnug, dass Er Eins und alles ist!

Arnold, Gottfried – Wunden der Liebe.

Ich bin verwund’t
In meinem armen Herzen
Von mehr als tausend Schmerzen;
Im tiefsten Seelengrund
Ist Liebe, die mich quälet;
Das sei Dir nicht verhehlet,
Du ewigschöner Mund,
Der mich verwund’t!

Was heilt mich nun?
Wo ist mein Arzt zu finden,
Der mich kann recht verbinden,
Dass ich kann wieder ruh’n?
Wer kann mich nun erfreuen
Mit echten Arzeneien?
Ach, Niemand kann es tun!
Was heilt mich nun?

Nichts in der Welt
Kann meine Schmerzen heilen,
Noch meiner Seel‘ mitteilen,
Was ihr ganz wohlgefällt.
Es kann ihr Niemand geben
Der Liebe Kraft und Leben,
Weil sie nichts in der Welt
Für würdig hält.

Luft, Geld und Ehr‘
Kann mich nicht mehr vergnügen,
Noch mit dem Schein betrügen;
Ich hasse lose Lehr‘;
Es ekelt mir vor allen,
Als wie vor Gift und Gallen;
Ich liebe nimmermehr
Lust, Geld und Ehr‘.

Das scharfe Schwert,
Das mich so tief durchstochen
Und mir das Herz zerbrochen,
Das ist mir liebenswert;
Das macht mich ganz alleine
Gesund, vergnügt und reine;
Denn das hast Du begehrt,
Du scharfes Schwert!

Holdselig Kind,
Wie selig ist die Stunde,
Wo Du im tiefsten Grunde
Dich offenbarst geschwind!
Nun lass auch alles weichen
Und mich sonst nicht erreichen,
Als deinen süßen Mund,
Der mich verwund’t!

Du, meine Lust,
Und Bringer meiner Schmerzen,
Der Du die Liebeskerzen
Entflammt in meiner Brust:
Hast Du mich nun gefangen,
So still auch mein Verlangen,
Und mache mich gesund!
Ich bin verwund’t.

Dein Liebespfeil,
Der mich hat wundgeschossen,
Dass ich mein Blut vergossen,
Mach‘ auch mich wieder heil!
Du, den ich einst gemieden
Samt seinem Gottesfrieden,
Sei nun mein ewig Teil!
Mach‘ Du mich heil!

O süßer Schmerz!
Ich will zu allen Stunden
Gern solche Liebeswunden
Empfangen in mein Herz.
Auf solche Liebesleiden
Erfolgen hohe Freuden;
Drum blick ich himmelwärts
Mit meinem Schmerz!

Arnold, Gottfried – Alles im Einen.

O wer Alles hätt‘ verloren,
Auch sich selbst, und allezeit
Nur das Eine hätt‘ erkoren,
Welches Geist und Herz erfreut!

O wer Alles hätt‘ vergessen,
Und nichts wüsst‘, als Gott allein,
Dessen Güte unermessen
Macht das Herz still, ruhig, rein!

O wer Alles könnte lassen,
Dass er, frei vom Eiteln all,
Wanderte die Friedensstraßen
Durch dies tränenvolle Tal!

O wer Allem wär‘ entnommen,
Was uns lockt mit eitlem Glanz,
Und hält ab zu Gott zu kommen,
In dem alle Güt‘ ist ganz!

O dass wir Gott möchten finden
In uns durch der Liebe Licht,
Und uns ewig Ihm verbinden!
Alles and’re sättigt nicht.

O dass jeder Blick der Seelen
Stets nur ging‘ auf Gott den Herrn!
Alle Sorg‘ und alles Quälen
Träte dem Gewissen fern.

O du Abgrund aller Güte,
Zeuch durch’s Kreuz in Dich hinein,
Geist und Sinnen und Gemüte,
Ewig mit Dir Eins zu sein!

Arnold, Gottfried – Abschied von der Welt.

Entfernet euch, ihr matten Kräfte,
Von Allem, was noch irdisch heißt;
Wirf hin, die zeitlichen Geschäfte,
Mein g’nug geplagter, müder Geist!
Nun gute Nacht!
Es ist vollbracht;
Ich fang ein ander Wesen an,
Das sich mit Nichts vermengen kann.

Ihr Berg‘ und Thäler, helft mir singen,
Besingen meines Jesu Preis,
Der unter so geringen Dingen
Mich noch so treu zu schätzen weiß!
Habt gute Nacht!
Ich hab’s bedacht:
Es ist nun endlich hohe Zeit,
Zu fliehen die Vergänglichkeit.

Ihr seyd ja wohl, ihr grünen Auen,
Im Sommer lieblich anzuseh’n;
Doch wird man auch an euch bald schauen,
Wie alle Schönheit muß vergeh’n.
Drum gute Nacht!
Doch nimm in Acht,
Mein Herz: du liebest von Natur,
Ach, allzuviel die Kreatur.

Hast bu bisher noch was geliebet,
Das Kräfte dir und Zeit verzehrt,
So sey denn auch nicht mehr betrübet,
Wenn sein Genuß dir wird verwehrt.
Gib gute Nacht!
Dein Heiland wacht,
Und will daß Sein Erkaufter bleib‘
Ihm treu, und keusch an Seel‘ und Leib.

Hinweg, du schnöde Eigenliebe!
Laß künftig meine Seele leer!
Ich folge Christi Liebestriebe;
Nur ihm gebühret Ruhm und Ehr.
Nun, gute Nacht,
Du Stolz und Pracht!
Euch stoß‘ ich aus dem Herzen aus,
Sonst wird es nimmer Jesu Haus.

Herr, mach‘ mich los von allen Banden,
Reiß auch das feinste Netz entzwei;
Mach‘ aller Feinde Rath zu Schanden,
Daß ich dein treuer Jünger sey!
Hab‘ gute Nacht,
Du List und Macht,
Die mich so oft betrogen hat!
Ich flieh‘ in Christi freie Stadt!

Wie süß ist doch ein freier Wandel,
In reiner Abgeschiedenheit,
Wenn nun des Weltgeists irrer Handel
Uns keine Plage mehr bereit’t!
Ja, gute Nacht,
Du finstre Macht!
Mein Jesus nimmt nun Herz und Sinn
Auf ewig sich zu eigen hin!

Verbirg mich, gib mir deinen Frieden,
Und halte mich in deinem Schooß,
Daß ich von Allem abgeschieden,
In Dir, Herr, lebe kummerlos!
Welt, gute Nacht!
Die Liebe macht,
Daß ich mich selbst vergessen kann,
Und sehne mich nur himmelan.

Arnold, Gottfried – Um die Kräfte des Namens Jesu.

Wie herrlich ist des großen Namens Pracht,
Den Dir, o Herr, der Vater hat gegeben,
Als Du das Werk des Heils zu Stand gebracht!
Mir ist er Geist, Kraft, Seligkeit und Leben,
Sein bloßes Wort, kein Schall, vom Wind geweht,
Kein Buchstab, nur in Büchern eingeschrieben,
Davon man oft nur allzu flüchtig red’t; –
O nein! mir ist das Wesen selbst geblieben.

O Name du, der über alles ist!
Dich bet‘ ich an, Dir beug‘ ich Knie und Sinnen,
Dich ehrt und liebt mein Alles, Jesus Christ,
In Dir kann ich das höchste Gut gewinnen!

Du bist in mir ein ausgegoßnes Oel;
Des Geistes ganze Füde bat dein Wesen
Zum Priesterthum für die erstorb’ne Seel‘
Als König und Propheten auserlesen,
Und ganz gesalbt mit Freuden ohne Ziel,
Nicht tropfenweis, wie deine Reichsgenossen.
Drum hast Du, Haupt, auf deinen Leib so viel
Von dieser Kraft der Salbung ausgegossen,
Daß jedes Glied, in dem die Gabe bleibt,
Nicht mehr bedarf, daß es ein Andrer lehret,
Weil selbst dein Geist uns stets zur Quelle treibt,
Und zieht, und lehrt, und warnt, und Böses wehret.

Wie aber nun uns lehrt dein Geist und Sinn,
So ist es wahr, und nimmermehr erlogen;
Und wer Dir folgt, hat Alles zum Gewinn
Unmittelbar aus Deinem Quell gesogen.

Ach sanftes Oel, leucht‘ hell, und lindre mir
Und heile zu der Seele tiefen Schaden
Der Sünd und Schand‘! Es sind g’nug Wunden hier,
Und Dich, den Arzt, darf ja der Kranke laden!
Belebe mich mit deiner Menschheit Kraft,
Als reinem Oel; laß deine Salbung fließen,
Die milde, feine, stille Sinnen macht;
las mich im Geist Dein ewiglich genießen!

Arnold, Gottfried – An den heiligen Geist.

Süßer Tröster, liebster Gast,
Unsrer Seelen einzig Leben!
Sanfte Kühlung, süße Rast,
Die uns Trost in Noth kann geben;
Selges Licht, erfüll‘ die Sinnen
Derer, die dein Lob beginnen!

Ohne deine Majestät
Ist im Leben nichts, denn Sünde;
Wasch‘ mich, wenn ich zu Dir tret‘,
Und benetz‘ die dürren Gründe;
Heile mir die wunden Glieder,
Wärme das Erstarrte wieder!

Arnold, Gottfried – Das gütige Wort Gottes.

Ist dieß nicht meines Hirten Wort,
Der immerdar so gerne
Anklopft vor meines Herzens Pfort‘,
Und nicht nur steht von ferne?
Ja, ja, Er ist’s! Sein Gnadenlicht,
Das mir im Dunkeln stets anbricht,
Zeugt von dem Morgensterne.

Zuvor war mir der Unterscheid
Der rechten Stimm‘ Verborgen;
Des falschen Lichtes Trüglichkeit
Erweckte mir viel Sorgen.
Die Schlang‘ in englischer Gestalt
Macht, daß mein Aug zurückeprallt
Vorm Sonnenstrahl am Morgen.

Zuweilen hat Kleinmüthigkeit
Und Schrecken mich betrogen,
Bald Zweifel, Furcht und schwerer Streit
Den Glauben überwogen,
So daß mein Freund gar leise nur
Kund geben konnte seine Spur,
Und schien mir ganz entzogen.

Nun aber kenn‘ ich ganz genau
Des Liebsten eig’ne Reden,
Weil ich Ihn selber zu mir schau‘
Unmittelbar hintreten,
Wo ich Ihn ohn Mittel vör‘,
Und als ein Schaf den Hirten ehr‘
Mit Lieben, Folgen, Beten.

Und welche Kreatur kann auch
Mir solche Stimme schenken,
Die durch des Geistes Liebeshauch
Mir einkommt im Gedenken:
Wenn sich in meines Herzens Pfort‘
Eröffnet das wortlose Wort,
Den Sinn auf Ihn zu lenken?

Geist, Wahrheit, Kraft, Heil, Wesen ist,
Ja, Licht und ew’ges Leben,
Was dieß dein Wort, Herr Jesu Christ,
Den Schafen pflegt zu geben.
Das fühl ich wohl, drum ist mein Will‘
Bei deiner Lehre wach und still,
Daß er mög‘ in Dir weben.

Dieß ist das Zeichen und das Pfand,
Daran ich Dich erblicke,
So oft ich aus dem dunkeln Land
Die Augen aufwärts schicke.
Da läst’st Du Dich im Geiste seh’n,
Und mit Dir wie ein Mensch umgehn,
Daß sich mein Herz erquicke.

Herr, Du hast nirgends was gespart,
Mir wohlzuthun im Leben;
Seitdem ich Dir verbunden ward,
Hast Du Dich mir gegeben,
Versagest mir auch ferner nicht,
Was mir zum Seligseyn gebricht, –
Drum will ich Dich erheben!

Arnold, Gottfried – Untrüglichkeit des Wortes Gottes.

Frag deinen Gott, hör‘, was Er zeuget,
In seinem Wort, weil hier sein Geist
Nie seinen Willen dir verschweiget,
Wenn du ihn nicht von selber weißt.
Dämpf nicht des Geistes Unterricht,
Frag‘ deinen Gott, da hol Bericht!

Frag‘ deinen Gott, laß Ihn dich führen,
So wird die Morgenroth‘ aufgeh’n;
Du wirst ihr Leuchten reichlich spüren,
Und bald im Tageslichte steh’n.
Drum frage deinen Willen nicht;
Frag‘ deinen Gott, da hol Bericht!

Des höchsten Ausspruch kann nicht trügen,
Nichts Dunkles ist im Sonnenlicht!
Die Kreaturen können lügen,
Und lügt dein Herz oft selber nicht?
Was suchst du in und außer dir?
Frag‘ deinen Gott, sein Wort ist hier!

Wohl! wenn dein Wille mit dem Worte
Des Einzigweisen stimmet ein:
So kann in keinem Stand noch Orte
Sein Wille dir zuwider seyn!
Der Vater ist des Kindes Hort,
Das mit Ihm Eins wird durch sein Wort.