Freylinghausen, Johann Anastasius – Triumphgesang.

Weise: Triumph, Triumph, des Herrn Gesalbter sieget.

1. Triumph, Triumph, der Herr ist auferstanden,
Er ist nicht hie, er ist nicht hie!
Der weiland lag in Todes Strick und Banden,
Der ist erstanden heute früh.

2. Er ist erstanden, hörts, ihr bösen Geister,
Der Sieg ist unsers Königs Sohn;
Er ist nun worden euer aller Meister,
Ihr müsst herab, herab vom Thron.

3. Wo ist dein Stachel, Tod? wo ist, o Hölle,
Dein Sieg? das Lamm hat in den Sieg
Euch ganz verschlungen, unsre Segensquelle
Hat euch erlegt in diesem Krieg.

4. Er ist erstanden, merks, du tolle Rotte,
Die Christum hat ins Grab gebracht;
Du wirst mit deiner List und Macht zu Spotte
Samt allen, die das Grab bewacht.

5. Was helfen deine Hüter, deine Riegel,
Du Otternzucht und Schlangenbrut?
Der Löw‘ von Judas Stamm zerbricht die Siegel
Und machet alles wieder gut.

6. Du magst nun wohl erschrecken und erbeben,
Weil der, den du erstochen hast,
Hat aus der Gruft herwiederbracht das Leben
Zu deiner Pein und schweren Last.

7. Willt du noch seinem Zorn und Grimm entfliehen,
So ist es Zeit, zu stehen auf,
So musst du dich dem Sündengrab entziehen
Und zu ihm richten deinen Lauf.

8. Er ist erstanden, merkts, ihr blöden Herzen,
Die ihr voll Angst und Schmerzen seid.
Ihr seid versöhnt durch seine Pein und Schmerzen,
Die Sünde kann euch tun kein Leid.

9. Lasst euren Geist wie Jakobs Geist erwecken:
Joseph lebt noch, er ist nicht tot!
Müsst ihr gleich seinen Tod in etwas schmecken,
So lebt ihr doch mit ihm in Gott.

10. Was mit ihm stirbt, muss wieder mit ihm leben,
Es kann nicht die Verwesung sehn.
Der Weinstock gibet Kraft und Saft den Reben,
Dass sie in vollen Früchten stehn.

11. Ihr dürft nun weder Tod noch Grab mehr scheuen,
Legt euch nur ohne Furcht hinein;
Christus wird euch durch seine Kraft verneuen,
Euch kann betreffen keine Pein.

12. Triumph, Triumph, der Herr ist auferstanden,
Er ist nicht hie, er ist nicht da!
Er liegt nicht mehr in Todes Strick und Banden,
Triumph, Triumph, Victoria!

Benjamin Schmolck – Oster- und Auffahrtslied.

Mel. Herzlich tut mich verlangen,

1. Ich geh zu deinem Grabe,
Du großer Osterfürst,
Weil ich die Hoffnung habe,
Dass du mir zeigen wirst,
Wie man kann fröhlich sterben
Und fröhlich auferstehn,
Auch mit des Himmels Erben
Ins Land des Lebens gehn.

2. Du liegest in der Erde
Und hast sie eingeweiht,
Wenn ich begraben werde,
Dass sich mein Herz nicht scheut,
Auch in den Staub zu legen,
Was Asch und Staub vermehrt,
Weil dir doch allerwegen
Die Erde zugehört.

3. Du schläfest in dem Grabe,
Dass ich auch meine Ruh
An diesem Orte habe;
Du drückt die Augen zu.
So soll mir gar nicht grauen,
Wenn mein Gesicht vergeht,
Ich werde den wohl schauen,
Der mir zur Seiten steht.

4. Dein Grab war wohl versiegelt,
Doch brichst du es entzwei:
Wenn mich der Tod verriegelt,
So bin ich dennoch frei.
Du wirst den Stein schon rücken,
Der auch mein Grab bedeckt;
Dann werd ich den erblicken,
Der mich vom Tode weckt.

5. Du führest in die Höhe
Und zeigest mir die Bahn,
Wohin ich endlich gehe,
Da ich dich finden kann,
Dort ist es sicher wohnen,
Wo lauter Glanz um dich;
Da warten lauter Kronen
In deiner Hand auf mich.

6. O meines Lebens Leben,
O meines Todes Tod,
Ich will mich dir ergeben
In meiner letzten Not.
Ich will mein Bette machen
In deine liebe Gruft;
Da werd ich schon erwachen,
Wenn deine Stimme ruft.

7. Du wirst den Ölberg zeigen,
wo man gen Himmel fährt,
Da will ich fröhlich steigen,
Bis dass ich eingekehrt
In Salems Friedenshäuser,
Da heißts: Victoria!
Da trägt man Siegesreifer:
Ach wär ich nur schon da!

Benjamin Schmolck – Osterpost und Trost. Am dritten heiligen Ostertage.

Mel. Gott des Himmels und der Erden.

1. Ach wie lieblich sind die Füße,
Welche durch die Türen gehn!
Ach wie klingt das Wort so süße,
Das die Jünger jetzt verstehn!
Ist der Gruß nicht freudenreich:
Friede, Friede sei mit euch?

2. Komm, du angenehmer Bote,
Weil mich auch nach Frieden dürst,
Du bist nun nicht mehr der tote,
Sondern der lebend’ge Fürst.
Aber ich bin tot vor dir,
Darum gib das Leben mir.

3. Grüße mich mit deinem Munde,
Der in deinem Worte spricht, –
Schleuß mich aus dem Friedensbunde
Deiner lieben Jünger nicht.
Trag, du reine Taube du,
Mir des Friedens Ölblatt zu.

4. Zwar ich sollte wohl erschrecken,
Weil ich nicht des Friedens wert,
Und viel Sünden in mir stecken,
Die mich von dir abgekehrt.
Ach mein Glaub ist gar zu klein,
Wie kann Friede in mir sein?

5. Doch du zeigest mir die Siegel
Deiner roten Wunden her;
Und ich seh in diesem Spiegel
Keinen Zorn und Feindschaft mehr.
Händ und Füße stellen mir
Lauter Siegeszeichen für.

6. War noch Zweifel dort zu merken,
Speisen deine Jünger dich;
Willst du meinen Glauben stärken,
Ach so speise lieber mich.
Es gibt mir dein Gnadentisch
Mehr, als Honigseim und Fisch.

7. Lehr mich Mosen, die Propheten
Und die Psalmen recht verstehn;
Also musste man dich töten,
Und du musstest auferstehn.
Alles, was sie vorgebildt,
Das ist auch an dir erfüllt.

8. Lass mich deinem Worte trauen,
Weil es so wahrhaftig ist,
Und mich Felsen darauf bauen,
Wenn du dich auf was beziehst;
Denn dein Name muss allein
Mein gewisses Amen sein.

9. Wenn die Predigt von der Buße
Auch in meinen Ohren tönt,
Ach so wirf mich dir zu Fuße,
Bis ich mit dir ausgesöhnt.
Alsdann schenkt mir deine Huld
Die Vergebung meiner Schuld.

10. Ging die Predigt deiner Jünger
Von Jerusalem erst an,
Ach so sind wir nicht geringer,
Weil man bei uns hören kann,
Wie dein Gruß so gnadenreich:
Friede, Friede sei mit euch!

Benjamin Schmolck – Österlicher Triumphbogen.

Mel. Christus, der ist mein Leben.

1. Willkommen, Held im Streite,
Aus deines Grabes Kluft,
Wir triumphieren heute
Um deine leere Gruft.

2. Hier liegen die Philister,
Die Simson hat erlegt,
Und deines Reichs Verwüster
Sind gänzlich ausgefegt.

3. Hier schwimmt in seinem Blute
Der Riese Goliath,
Und uns ist wohl zu Mute,
Weil er verspielet hat.

4. Hier ist der alten Schlange
Der harte Kopf zerknirscht,
Und uns ist nicht mehr bange
Bei dir, o Siegesfürst.

5. Dein Feind wird Schau getragen
Und heißt nunmehr ein Spott.
Wir aber können sagen:
Mit uns ist unser Gott!

6. In der Gerechten Hütten
Schallt schon das Siegeslied,
Du trittst selbst in die Mitten
Und bringst den Osterfried.

7. Ach teile doch die Beute
Bei deinen Gliedern aus;
Wir alle kommen heute
Deswegen in dein Haus.

8. Schwing deine Siegesfahne
Auch über unser Herz,
Und zeig uns einst die Bahne
Vom Grabe himmelwärts.

9. Lass unser aller Sünden
Ins Grab verscharret fein,
Und einen Schatz hier finden,
Der ewig kann erfreun.

10. Wir sind mit dir gestorben,
So leben wir mit dir.
Was uns dein Tod erworben,
Das stell uns täglich für,

11. Wir wollen hier ganz fröhlich
Mit dir zu Grabe gehn,
Wenn wir nur dorten selig
Mit dir auch auferstehn.

12. Der Tod kann uns nicht schaden,
Sein Pfeil ist nunmehr stumpf;
Wir stehn bei Gott in Gnaden
Und rufen schon Triumph.

Johann Franck – Dieses ist der Tag der Wonne.

In seiner eignen Weise.

Dieses ist der Tag der Wonne,
Dieses ist das Freudenfest,
Dran der Herr, die Lebenssonne,
Seine Strahlen schießen lässt.
Christus ist durchs Grab gedrungen
und hat nun den Tod verschlungen.

2. Tod, wo ist dein Stachel blieben?
Hölle, wo ist nun dein Sieg?
Deine Macht ist aufgerieben,
Nunmehr endet sich der Krieg.
Gott hat uns den Sieg gegeben,
Trotz, der uns will widerstreben!

3. Wohl, o wohl, ja wohl der Stunden,
Drei und drei und noch dreimal!
Denn das Lamm hat überwunden,
Weg, nur weg mit aller Qual!
Nunmehr wohnen, ohne Scheuen,
Schafe bei den grimmen Leuen.

4. Pharao samt Ross und Wagen
Liegt ins tiefe Meer gestürzt.
Die Philister sind geschlagen,
Ihre Bosheit ist verkürzt.
Unser Simson hat mit Prangen
Seine Siegsfahn‘ aufgehangen.

5. Goliath ist ganz erleget,
Unser David ist der Held,
Der ihn heut zu Boden schläget;
Gar kein Feind darf mehr ins Feld.
Jesus, der da ist erstanden,
Macht all‘ ihre Macht zu Schanden.

6. Geh und lass das Grab verriegeln,
O du blinde Jüdenschar,
Geh und lass den Stein versiegeln,
Stelle Hut und Wache dar.
Jesus, wenn er auf will stehen,
Kann durch Stein und Siegel geben.

7. Blecke, Tod, nur seine Zähne,
Brülle, Satan, noch so sehr,
Winsle, Höllenschlund, und stöhne,
Du hast keine Macht nicht mehr.
Wer mit Christo wird begraben,
Dem kannst du nichts angehaben.

8. Großes Fest, sei hochgeehret,
Sei geehrt, gewünschtes Licht,
Dran die Hölle ward zerstöret
Und der Tod ward hingericht’t.
Wir sind nun des Lebens Erben,
Weil der Tod hat müssen sterben.

Bartholomäus Ringwaldt – Ein Gebet nach dem Evangelio am Osterdienstage.

Im Ton: Es ist das Heil uns kommen her.

1. Du letzter Adam, Jesus Christ,
Wahr Gott und Mensch alleine,
Der du unsre Versühnung bist
Mit deinem Opfer reine
Und hast bezahlt die Schuld der Welt,
Zwar nicht mit Silber oder Geld,
Sondern mit deinem Blute.

2. Vors Teufels Gspenst und falscher Lehr,
Vor Schand und Leibesfahre,
Vor allem, was da deine Ehr
Verkleinert, uns bewahre,
Und hilf, dass wir mit sanftem Mut
Auf dein Verdienst und heilig Blut
Abscheiden, wenn wir sterben. Amen.

Blaul, Georg Friedrich – Osterlied

Mel. Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr.

Mein Gott und Herr, welch großer Noth
Hast du mich heut entnommen!
Heut, da dein Sohn auf dein Gebot –
Aus Tod und Grab gekommen.
Nun, da mein Heiland Jesus Christ
Den Tod bezwungen, o nun ist
Auch mein Tod überwunden.

Ich saß in dunkler Todesnacht,
In tiefen Finsternissen,
Nun bin ich an das Licht gebracht,
Ich bin dem Tod entrissen;
Mit Jesu Auferstehung bricht
Mir an des ew’gen Lebens Licht,
Nun bin ich wohl geborgen.

Auf den ich hier gebaut mein Heil,
Der ist ja auferstanden,
Ich hab‘ an ihm im Glauben Theil,
D’rum werd‘ ich nicht zu Schanden.
Er ist und bleibt mein Trost und Hort,
Ich hab‘ sein fest prophetisch Wort,
Das soll mir Niemand rauben.

Nun komm, du meines Leibes Tod!
Du sollst mich nicht erschrecken:
Mein Jesus wird in Todesnoth
Mit seinem Schild mich decken.
Tragt diesen Leib hinaus zur Ruh‘,
Die Seele eilt dem Himmel zu
Zu dem, der sie erlöset.

Behm, Martin – Am Ostermontage, um Erleuchtung, Beistand und Reigerung bis ans Ende

Herr Christ, wohn mir mit Gnaden bei,
Du bist der Osterlehrer,
Daß ich ein Osterschüler sei,
Ein fleißiger Zuhörer.
Hilf, daß ich dein Wort fleißig lern,
Daß ich nicht werd verführet,
Und daß ich mich laß weisen gern,
So ich je hätt geirret.

Wenn ich auf Erden geh herein
Und bin betrübt im Herzen,
So wollst du nicht fern von mir sein,
Tröst mich in allen Schmerzen,
Bis mein Gefährt, und bleib bei mir
Allhier auf meinen Straßen;
Dein göttlich Kraft mein Gang regier,
So bin ich unverlassen.

Durch deinen Geist mein Herz entzünd,
Daß es vor Andacht brenne,
Hilf, daß ich mich nicht durch die Sünd
Muthwilllig von dir trenne.
Thu mir mein Glaubensaugen auf,
Weil ich in Blindheit stecke,
Damit ich recht verricht mein Lauf
Und vor dir nicht erschrecke.

Mein Füß auf rechter Bahn bewahr,
Zu folgen deiner Lehre,
Daß ich gern geh zur frommen Schar
Und mich zu dir bekehre.
Thu auf mein Mund zu deiner Ehr,
Daß ich dich möge preisen,
Den Glauben in mir stärk und mehr,
Die Liebe zu beweisen.

O Fürst des Lebens, Jesu Christ,
Du wollst ja bei mir bleiben,
Dieweil es Abend worden ist,
Wollst mich nicht von dir treiben.
Wenn Kreuz und Trübsal kömmt herbei,
Des Todes Macht rein schleichet,
So wohn mir schwachen Menschen bei,
Daß mich dein Hülf erreichet.

Weil der Welt Abend rückt herein,
Da es will finster werden,
So wollst du nicht fern von mir sein,
Mich trösten in Beschwerden.
Erhalt bei mir dein heilges Licht
Bei diesen finstern Zeiten,
Laß uns dein WErk verlöschen nicht,
Sein Glanz wollst du ausbreiten.

Wenn ich dein darf und seh nach dir,
So wollst mir nnicht verschwinden.
Was hab ich, wenn ich dich verlier?
Drum wollst dich wieder finden.
Ins Todes Nacht verlaß mich nicht;
Wenn ich hier soll abscheiden,
Zünd an dein großes Osterlicht,
Und leucht mir ein mit Freuden.

Gerhardt, Paul – Nun freut euch hier und überall

1. Nun freut euch hier und überall,
ihr Christen, lieben Brüder!
Das Heil, das durch den Todesfall
Gesunken, stehet wieder.
Des Lebens lebet noch,
Sein Arm hat aller Feinde Joch
mit aller Macht zerbrochen.

2. Der Held, der alles hält, er lag
im Grab als überwunden,
Er lag, bis daß der dritte Tag
sich in die Welt gefunden;
Da dieser kam, kam auch die Zeit,
Da, der uns in dem Tod erfreut,
sich aus dem Tod erhube.

3. Die Morgenröte war noch nicht
mit ihrem Licht vorhanden,
und siehe, da war schon das Licht,
das ewig leucht, erstanden;
Die Sonne war noch nicht erwacht,
da wacht und ging in voller Macht
die unerschaffne Sonne.

4. Das wußte nicht die fromme Schar,
die Christo angehangen,
drum als nunmehr der Sabbat war
zu End hinabgegangen,
Begunnt Maria Magdalen
und andre mit auszugehn
und Spezerei zu kaufen.

5. Ihr Herz und Sinn ist hoch bemüht,
ein Salböl darzugeben
für Jesu, dessen teure Güt
uns salbt zum ewigen Leben.
Ach, liebes Herz, der seinen Geit
vom Himmel in die Herzen geußt,
Darf keines Öls noch Salben.

6. Ja du, o heilger Jungfrausohn,
bist schon gnug balsamieret
als König, der im Himmelsthron
und überall regieret!
Dein Balsam ist die ewge Kraft,
dadurch Gott Erd und Himmel schafft,
die läßt dich nicht verwesen.

7. Doch geht die fromme Einfalt hin
bald in dem frühsten Morgen,
Sie gehn, und plötzlich wird ihr Sinn
voll großer schwerer Sorgen.
Ei, sprechen sie, wer wälzt den Stein
vons Grabes Tür und läßt uns ein
zum Leichnam unsres Herren?

8. So sorgten sie zur selben Zeit
für das, was schon bestellet,
Es war der Stein ja allbereit
erhoben und gefället
Durch einen, der des Erdreichs Wucht
erbeben macht und in Flucht
des Grabes Hüter jagte.

9. Das war ein Diener aus der Höh,
von denen, die uns schützen,
Sein Kleid war weißer als der Schnee,
Sein Ansehn gleich den Blitzen,
der hat das fest verschlossne Grab
eröffnet und den Stein herab
vons Grabes Tür gewälzet.

10. Das Weiberhäuflein kam und ging
hinein ohn alle Mühe.
Hör aber, was für Wunderding
sich da begab! Denn siehe,
Das, was sie suchten, findt sich nicht
und wo ihr Herz nicht hingericht,
das ist allda zur Stelle.

11. Sie suchten ihrer Seelenhort
und finden sein Gewande,
Sie hören aus der Engelwort
Wies gar viel anderes Stünde,
als ihr betrübtes Herz gemeint:
Daß billig wär bisher geweint,
nun jauchzen soll und lachen.

12. Sie sehn das Grab entledigt stehn,
und als sie das gesehen,
Da läuft Maria Magdalen,
Zu sagen, was geschehen.
Die andere Schar ist Kummers voll
und weiß nicht, was sie machen soll,
Verharret bei dem Grabe.

13. Da stellen sich in heller Zier
zween edle Himmelsboten,
Die sprechen: ,Ei, was suchet ihr
Das Leben bei den Toten?
Der Heiland lebt! Er ist nicht hier!
Heut ist er, glaubt uns, Heute früh
ist er vom Tod erstanden.´

14. Gedenkt und sinnt ein wenig nach
Den Reden, die er triebe,
Du er so klar und deutlich sprach,
Wie er zwar würd aus Liebe
Den Tod ausstehn und große Plag,
jedennoch an dem dritten Tag
auch herrlich triumphieren.

15. Da dachten sie an Christi Wort
und gingen von dem Grabe
hin zu der elf Apostel Ort
und sagten, was sich habe
Erzeigt in ihrem Angesicht;
Man hielt es aber anderes nicht,
als ob es Märlein wären.

16. Maria, die betrübt´, sich gibt
in schnelles Abescheiden,
findt Petrum und den Jesus liebt,
erzählet allen beiden:
Ach, spricht sie, unser Herr ist hin,
und niemand ist, der, wo man ihn
hab hingelegt will wissen.

17. Der Hochgeliebte läuft geschwind
und kommt zuerst zum Grabe;
Er guckt, und da er nichts mehr findt
als Leinen, weicht er abe.
Da aber Simon Petrus kommt,
geht er ins Grab hinein und nimmt
das Werk recht in die Augen.

18. Er sieht die Leinen für sich dar,
zu voraus, wie mit Fleiße
gelegt und eingewickelt war
das Haupttuch zu dem Schweiße:
Da ging auch, der am Ersten kam,
hinein, wie Petrus tat und nahm,
was er da sah, zu Herze.

19. Da glauben sie nun dem Bericht,
weil sie mit Augen schauen,
Was sie zwar als ein Gedicht
gehöret von den Frauen;
Doch werden sie Verwunderns voll,
denn keiner weiß, das Christus soll
von Toten auferwachen.

20. Maria steht vorm Grab und weint,
und plötzlich wird sie innen,
Daß zween in weißen Kleidern sind
vor ihr im Grabe drinnen,
Die sprechen: ,Weib, was weinst du?´
Sie haben meines Herzensruh,
Sprach sie, hinweggenommen.

21. Mein Herr ist weg, und ich weiß nicht,
Wo ich soll suchen gehen.
Indessen wendt sie ihr Gesicht
und siehet Jesum stehen.
der spricht: ,O Weib, was fehlet dir?
Was weinest du, was sucht du hier?´-
Sie meint, der Gärtner rede.

22. Ach, spricht sie: ,Herr, hast du´s getan,
So sag es unverhohlen,
Wo liegt mein Herr? Wo komm ich an?
So will ich mir ihn holen.´
Der Herr spricht mit gewohnter Stimm:
Maria! Da wendt sie sich um
und spricht: Sieh du da, Rabbuni!´

23. Rühr mich nicht an! Ich bin noch nicht
zum Vater aufgefahren,
geh aber hin, sprach unser Licht,
Sage meiner Brüder Scharen:
Ich fahr als eures Todes Tod
zu meinem und zu eurem Gott
und unser aller Vater.

24. Maria ist das arme Weib,
von welcher unser Meister,
der starke Helfer, vormals treib
auf einmal lieben Geister.
Die, die ists, welcher Jesu Christ
zum ersten Mal erschienen ist
am heiligen Ostertage.

25. Nun, sie ging hin, täts denen kund,
die mit ihr Jesum liebten
und über ihn von Herzensgrund
sich grämten und betrübten.
kein einzger aber fiel ihr bei,
ein jeder hielts für Fantasei,
und wollt es niemand glauben.

26. Es gingen auch ins Grab hinein
die andere Schar der Frauen,
Da gab sich ihrem Augenschein
ein Jüngling anzuschauen
in einem langen weißen Kleid,
Der sprach: ,Habt Freud und Trost und seid
ohn alle Furcht und Strecken.

27. Ihr Sucht den Held von Nazareth,
der doch hier nicht vorhanden;
seht, das ist seines Lagers Stätt,
von der er auferstanden.
Geht schnell, sagts Petro und der Zahl
der andern Jünger allzumal:
ihr Herr und Meister lebe,-

28. Die Weiber eilen schnell davon,
den Jüngern Post zu bringen,
und siehe da, die Freudensonn,
nach der sie alle gingen,
Die geht daher, und sehen sie
im Leben, den sie also früh
als einen Toten suchten.

29. Sein süßer Mund macht all ihr Leid
mit seinem Grüßen süße,
Sie treten zu mit großer Freud
und greifen seine Füße.
Er aber spricht: ,Seid gutes Mute!
geht hin, sagt meinen Brüdern Guts,
Berichtet, was ihr sahet.

30. Sprecht, daß sie nunmehr also fort
in Galiläam gehen,
Allda will ich, Kraft meiner Wort,
vor ihren Augen stehen.-
Und hiermit Schloß er sein Gebot.
Die Weiber gehn und loben Gott,
Berichten, was befohlen.

31. O Lebensfürst, o starker Leu
aus Judä Stamm erstanden,
so bist du nun wahrhaftig frei
von Todes-Strick und Banden.
Du hast gesiegt und trägst zu Lohn
ein allzeit unverwelkte Kron
als Herr all deiner Feinde.

32. Was fragt du nach des Teufels Spott
und ungereimten Klagen!
Man hat, spricht er und seine Rott,
ihn heimlich weggetragen.
Die Jünger haben ihn bei Nacht
gestohlen und bei Seit gebracht,
indem wir feste schliefen.

33. O Bosheit! War dein Schlaf so fest,
Wie hast du können sehen?
Ist denn dein Auge wach gewest,
Wie läßt´st dus so geschehen,
daß durch der Jünger schwache Hand
der Stein und seines Siegelsband
wurd auf- und abgelöset?

34. Es ist dein hart verstockter Sinn,
der dich zum Lügen leitet,
So fahr auch nun zum Abgrund hin,
da dir dein Lohn bereitet!
Ich aber will, Herr Jesu Christ,
So lang ein Leben in mir ist.
Bekennen, daß du lebest.

35. Ich will dich rühmen, wie du seist
die Pest und Gift der Höllen,
Ich will auch, Herr, durch deinen Geist
mich dir zur Seiten stellen
und mit dir sterben, wie du stirbst,
und was du in dem Leid erwirbst,
Soll meine Beute bleiben.

36. Ich will von Sünden auferstehn,
Wie du vom Grab aufstehest:
Ich will zum andern Leben gehn,
Wie du zum Himmel gehest
Dies Leben ist doch lauter Tod,
drum komm und reiß aus aller Not
uns in das rechte Leben!

Gerhardt, Paul – Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld

Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld
der Welt und ihrer Kinder,
es geht und träget in Geduld
die Sünden aller Sünder;
es geht dahin, wird matt und krank,
ergibt sich auf die Würgebank,
entsaget allen Freuden;
es nimmt auf sich Schmach, Hohn und Spott,
Angst, Wunden, Striemen, Kreuz und Tod,
und spricht: Ich wills gern leiden.

Das Lämmlein ist der große Freund
und Heiland meiner Seelen;
den, den hat Gott zum Sündenfeind
und Sühner wollen wählen.
„Geh hin, mein Kind, und nimm dich an
der Kinder, die von Anfang an
verdient des Zornes Ruten;
die Straf ist schwer, der Zorn ist groß,
du kannst und sollst sie machen los
durch Sterben und durch Bluten.“

„Ja, Vater, ja, von Herzensgrund,
leg auf, ich will dies tragen;
mein Wollen liegt an deinem Mund,
mein Wirken ist dein Sagen.“
O Wunderlieb, o Liebesmacht!
Du kannst, was nie ein Mensch gedacht,
Gott seinen Sohn abringen.
O Liebe, Liebe! Du bist stark,
du strecktest den in Grab und Sarg,
vor dem die Felsen springen.

Du marterst ihn am Kreuzesstamm
mit Nägeln und mit Spießen
du schlachtest ihn als wie ein Lamm,
machst Herz und Adern fließen:
das Herze mit der Seufzer Kraft,
die Adern mit dem edlen Saft
des purpurroten Blutes.
O süßes Lamm, was soll ich dir
erweisen dafür, daß du mir,
erweisest so viel Gutes?

Mein Lebetage will ich dich
aus meinem Sinn nicht lassen,
dich will ich stets, gleich wie du mich,
mit Liebesarmen fassen;
du sollst sein meines Herzens Licht,
und wenn mein Herz in Stücke bricht,
sollst du mein Herze bleiben;
ich will mich dir, mein höchster Ruhm,
hiermit zu deinem Eigentum
beständiglich verschreiben.

Ich will von deiner Lieblichkeit
bei Nacht und Tage singen,
mich selbst auch dir zu aller Zeit
zum Freudenopfer bringen.
Mein Bach des Lebens soll sich dir
und deinem Namen für und für
in Dankbarkeit ergießen;
und was du mir zu gut getan,
das will ich stets, so tief ich kann,
in mein Gedächtnis schließen.

Erweitre dich, mein Herzensschrein,
du sollst ein Schatzhaus werden
der Schätze, die viel größer sein
als Himmel, Meer und Erden.
Weg mit dem Gold Arabia!
Weg Kalmus, Myrrhen, Kassia!
Ich hab ein Bessers funden:
Mein großer Schatz, Herr Jesu Christ,
ist dieses, was geflossen ist
aus deines Leibes Wunden.

Das soll und will ich mir zu nutz
zu allen Zeiten machen;
im Streite soll es sein mein Schutz,
in Traurigkeit mein Lachen,
in Fröhlichkeit mein Saitenspiel,
und wenn mir nichts mehr schmecken will,
soll mich dies Manna speisen.
Im Durst solls sein mein Wasserquell,
in Einsamkeit mein Sprachgesell,
zu Haus und auch auf Reisen.

Was schadet mir des Todes Gift?
Dein Blut, das ist mein Leben.
Wenn mich der Sonnen Hitze trifft,
so kann mirs Schatten geben.
Setzt mir der Wehmut Schmerzen zu,
so findt ich bei dir meine Ruh
als auf dem Bett ein Kranker.
Und wenn des Kreuzes Ungestüm
mein Schifflein treibet üm und üm,
so bist du dann mein Anker.

Wann endlich ich soll treten ein
in deines Reiches Freuden,
so soll dein Blut mein Purpur sein,
ich will mich darin kleiden;
es soll sein meines Hauptes Kron,
in welcher ich will vor den Thron
des höchsten Vaters gehen
und dir, dem er mich anvertraut
als eine wohlgeschmückte Braut
an deiner Seite stehen.