Clausnitzer, Tobias – Zum Ende des Gottesdienstes

Nun, Gott lob! Es ist vollbracht
Singen, lehren, beten, hören;
Gott hat alles wohl gemacht,
Drum laßt uns sein Lob vermehren;
Unser Gott sey hoch gepreiset,
Weil er uns so herrlich speiset.

Weil der Gottesdienst ist aus,
Und uns mitgetheilt der Segen,
So gehn wir mit Freud nach Haus,
Wandeln fein auf seinen Wegen;
Gottes Geist uns ferner leite,
Und uns alle wohl bereite.

Unsern Ausgang segne Gott,
Unsern Eingang gleichermaßen;
Segne unser täglich Brodt,
Segne unser Thun und Lassen,
Segne uns, mit sel’gem sterben,
Und mach uns zu Himmelserben.

Mecklenburgisches Kirchen-Gesangbuch

Clausnitzer, Tobias – Liebster Jesu, wir sind hier

1. Liebster Jesu, wir sind hier,
dich und dein Wort anzuhören.
Lenke Sinnen und Begier
auf die süßen Himmelslehren,
dass die Herzen von der Erden
ganz zu dir gezogen werden!

2. Unser Wissen und Verstand
ist mit Finsternis umhüllet,
wo nicht deines Geistes Hand
uns mit hellem Licht erfüllet.
Gutes denken, tun und dichten
wollst du selbst in uns verrichten!

3. O du Glanz der Herrlichkeit,
Licht vom Licht aus Gott geboren,
mach uns allesamt bereit,
öffne Herzen, Mund und Ohren!
All dies Bitten, Flehn und Singen
Laß, Herr Jesu, wohl gelingen.

Mecklenburgisches Kirchen-Gesangbuch

Clausnitzer, Tobias – Herr Jesu, deine Angst und Pein

1. Herr Jesu, deine Angst und Pein
und dein betrübtes Leiden
lass mir vor Augen allzeit sein,
die Sünde zu vermeiden.
Lass mich an deine große Not
und deinen herben, bittren Tod,
solang ich lebe, denken.

2. Du hast verlassen deinen Thron,
bist in das Elend gangen,
ertrugest Schläge, Spott und Hohn,
musstest am Kreuze hangen,
auf dass du für uns schaffest Rat
und unsre schwere Missetat
bei Gott versöhnen möchtest.

3. Drum will ich jetzt in Dankbarkeit
von Herzen dir lobsingen,
und wenn du zu der Seligkeit
mich wirst hinkünftig bringen,
so will ich daselbst noch viel mehr
mitsamt dem ganzen Himmelsheer
dich ewig dafür loben.

Claudius, Matthias – Kriegslied

s ist Krieg! ’s ist Krieg! O Gottes Engel wehre,
Und rede du darein!
’s ist leider Krieg – und ich begehre
Nicht schuld daran zu sein!

2. Was sollt ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen
Und blutig, bleich und blaß,
Die Geister der Erschlagnen zu mir kämen,
Und vor mir weinten, was?

3. Wenn wackre Männer, die sich Ehre suchten,
Verstümmelt und halb tot
Im Staub sich vor mir wälzten, und mir fluchten
In ihrer Todesnot?

4. Wenn tausend tausend Väter, Mütter, Bräute,
So glücklich vor dem Krieg,
Nun alle elend, alle arme Leute,
Wehklagten uber mich?

5. Wenn Hunger, böse Seuch‘ und ihre Nöten
Freund, Freund und Feind ins Grab
Versammleten, und mir zu Ehren krähten
Von einer Leich herab?

6. Was hülf mir Kron‘ und Land und Gold und Ehre?
Die könnten mich nicht freun!
’s ist leider Krieg – und ich begehre
Nicht schuld daran zu sein!

Claudius, Matthias – Der Mond ist aufgegangen

Der Mond ist aufgegangen,
die goldnen Sternlein prangen
am Himmel hell und klar;
der Wald steht schwarz und schweiget,
und aus den Wiesen steiget
der weiße Nebel wunderbar.

Wie ist die Welt so stille
und in der Dämmrung Hülle
so traulich und so holt
als eine stille Kammer,
wo ihr des Tages Jammer
verschlafen und vergessen sollt.

Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen
und ist doch rund und schön.
So sind wohl manche Sachen,
die wir getrost belachen,
weil unsre Augen sie nicht sehn.

Wir stolze Menschenkinder
sind eitel arme Sünder
und wissen gar nicht viel;
wir spinnen Luftgespinste
und suchen viele Künste
und kommen weiter von dem Ziel.

Gott, laß dein Heil uns schauen,
auf nichts Vergänglichs bauen,
nicht Eitelkeit uns freun;
laß uns einfältig werden
und vor dir hier auf Erden
wie Kinder fromm und fröhlich sein.

Wollst endlich sonder Grämen
aus dieser Welt uns nehmen
durch einen sanften Tod;
und wenn du uns genommen,
laß uns in Himmel kommen,
du unser Herr und unser Gott.

So legt euch denn, ihr Brüder,
in Gottes Namen nieder;
kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott, mit Strafen
und laß uns ruhig schlafen
und unsern kranken Nachbar auch.

Claudius, Matthias – Der Mensch lebt und bestehet

Der Mensch lebt und bestehet
Nur eine kleine Zeit;
Und alle Welt vergehet
Mit ihrer Herrlichkeit.
Es ist nur Einer ewig und an allen Enden,
Und wir in Seinen Händen.
Und der ist allwißend, Halleluja!

Erster Chor.

Halleluja
Und der ist heilig!

Zweiter Chor.

Halleluja
Und der ist allmächtig!

Dritter Chor.

Halleluja!
Und der ist barmherzig.

Alle Chöre.

Ist barmherzig – Halleluja! Amen!
Halleluja ewig ewig ewig seinem Namen
Ist barmherzig – Halleluja! Amen!

Claudius, Matthias – Das schöne große Taggestirne

Das schöne große Taggestirne
Vollendet seinen Lauf;
Komm wisch den Schweiß mir von der Stirne,
Lieb Weib, und denn tisch auf!

2. Kannst hier nur auf der Erde decken,
Hier unterm Apfelbaum;
Da pflegt es abends gut zu schmecken,
Und ist am besten Raum.

3. Und rufe flugs die kleinen Gäste,
Denn hör, mich hungert´s sehr;
Bring auch den kleinsten aus dem Neste,
Wenn er nicht schläft, mit her.

4. Dem König bringt man viel zu Tische;
Er, wie die Rede geht,
Hat alle Tage Fleich und Fische
Und Panzen und Pastet;

5. Und ist ein eigner Mann erlesen,
Von andrer Arbeit frei,
Der ordert ihm sein Tafelwesen
Und präsidiert dabei.

6. Gott laß ihm alles wohl gedeihen!
Er hat auch viel zu tun,
Und muß sich Tag und Nacht kasteien,
Daß wir in Frieden ruhn.

7. Und haben wir nicht Herrenfutter;
So haben wir doch Brot,
Und schöne, frische, reine Butter,
Und Milch, was denn für Not?

8. Das ist genug für Bauersleute,
Wir danken Gott dafür,
Und halten offne Tafel heute
Vor allen Sternen hier.

9. Es präsidiert bei unserm Mahle
Der Mond, so silberrein!
Und kuckt von oben in die Schale
Und tut den Segen h´nein.

10. Nun Kinder esset, eßt mit Freuden,
Und Gott gesegn es euch!
Sieh, Mond! ich bin wohl zu beneiden,
Bin glücklich und bin reich!

Claudius, Matthias – Bei dem Grabe meines Vaters

1. Friede sei um diesen Grabstein her!
Sanfter Friede Gottes! Ach, sie haben
Einen guten Mann begraben,
Und mir war er mehr;

2. Träufte mir von Segen, dieser Mann,
Wie ein milder Stern aus bessern Welten!
Und ich kann´s ihm nicht vergelten,
Was er mir getan.

3. Er entschlief; sie gruben ihn hier ein.
Leiser, süßer Trost, von Gott gegeben,
Und ein Ahnden von dem ew´gen Leben
Düft um sein Gebein!

4. Bis ihn Jesus Christus, groß und hehr!
Freundlich wird erwecken – ach, sie haben
Einen guten Mann begraben,
Und mir war er mehr.

Claudius, Matthias – Bauernlied (Im Anfang war´s auf Erden)

Der Vorsänger:
Im Anfang war´s auf Erden
Nur finster, wüst, und leer;
Und sollt was sein und werden,
Mußt es woanders her.

Refrain:
Alle gute Gabe
Kam oben her, von Gott,
Vom schönen blauen Himmel herab!

Vorsänger:
2. So ist es hergegangen
Im Anfang, als Gott sprach;
Und wie sich´s angefangen,
So geht´s noch diesen Tag.

Refrain:
Alle gute Gabe
Kam oben her, von Gott,
Vom schönen blauen Himmel herab!

Claudius, Matthias – Alle gute Gabe

Wir pflügen und wir streuen
den Samen auf das Land,
doch Wachstum und Gedeihen
steht in des Himmels Hand;
der tut mit leisem Wehen
sich mild und heimlich auf
und träuft, wenn heim wir gehen,
Wuchs und Gedeihen drauf.

Alle gute Gabe kommt her von Gott, dem Herrn,
drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt,
und hofft auf ihn.

Er sendet Tau und Regen
und Sonn und Mondenschein
und wickelt seinen Segen
gar zart und künstlich ein
und bringt ihn dann behende
in unser Feld und Brot;
es geht durch unsre Hände,
kommt aber her von Gott.

Alle gute Gabe…

Was nah ist und was ferne,
von Gott kommt alles her,
der Strohhalm und die Sterne,
das Sandkorn und das Meer.
Von ihm sind Büsch‘ und Blätter
und Korn und Obst, von ihm
das schöne Frühlingswetter
und Schnee und Ungestüm.

Alle gute Gabe…

Er läßt die Sonn aufgehen,
er stellt des Mondes Lauf;
er läßt die Winde wehen
und tut die Wolken auf.
Er schenkt uns so viel Freude,
er macht uns frisch und rot;
er gibt dem Viehe Weide
und seinen Menschen Brot.

Alle gute Gabe…

Er gehet ungesehen
im Dorfe um und wacht,
und rührt, die herzlich flehen,
im Schlafe an bei Nacht.
Darum, so woll’n wir loben,
und loben immerdar
den großen Geber oben.
Er ist’s! Und er ist’s gar!