Rinkart, Martin – Ich heb in Angst und Not

1. Ich heb in Angst und Not
Mein Augen auf zum Herren,
Von Bergen Israel
Ist Hilf und Heil nicht ferren:
Der Himmel, Erden, See
Und alles hat gemacht,
Der schläft noch schlummert nicht,
Hält Scharwacht Tag und Nacht.

2. Er wird dir deinen Fuß
Auf recht gebahnten Straßen,
Den breiten Glaubens-Fuß
Mit nichten gleiten lassen.
Der Hüter Israel
Lenkt Glück und Unglücks-Schein,
Daß sie ihm lobesam
Und dir erbaulich sein.

3. Der Herr behüte dich!
Dich und dein Leib und Seele,
Daß weder Sonn noch Mond
In Hitz und Kält‘ dich quäle.
Er führ‘ und leite dich
Gewahrsam ein und aus,
Und bringe dich zuletzt
Ins sichre Wohnungs-Haus.

Herman, Nikolaus – Ein christliches Lied, zu stärken den Glauben in Anfechtung.

Meim Lieben Gott ergeb ich mich
Gänzlich, weil er so väterlich
Allzeit gegen mir sich erzeigt,
Und zu helfen ist so geneigt.

2. Sein Hilf beut er mir selber an,
Und spricht: Ich will dich nicht verlan;
Ruf in der Noth getrost zu mir,
Mein Sohn Christus soll helfen dir.

3. Ach Gott, wie ist mein Glaub so schwach,
So will das Fleisch auch nicht hernach,
Dem Geist wills nicht sein unterthan,
Es will nur schlechts den Holzweg gahn.

4. Zweifeln betrübt mir oft mein Herz,
Das Gsetz erregt in mir viel Schmerz
Es treibt und mahnt ohn Unterlaß,
Jetzt forderts dies, bald forderts das.

5. Nun sind mein Kräft gar viel zu schwach,
Dem guten Willn zu setzen nach.
Ich bin leider zu sehr verderbt,
Die bösen Lüst hab ich ererbt.

6. Ah, wie ists doch so schwere Pein,
Nichts haben und viel schuldig sein;
Und da auch gar kein Hoffnung ist,
Daß man mög zahlen eine Frist.

7. Herr Gott, mein Schuld bekenn ich dir,
Vater, ins Gricht geh nicht mit mir.
Ich will dir setzen ein Vorstand,
Jesum dein Sohn, meinen Heiland.

8. O Vater, nimm den Bürgen an,
Denn er allein bezahlen kann,
Mit seim Ghorsam und großen Gduld,
Was Adam und wir han verschuldt.

9. Auf ihn setz ich mein Heil und Trost,
Der mich mit seim Blut hat erlost;
Ich weiß kein andre Grechtigkeit,
Vater, denn dein Barmherzigkeit,

10. Die mir dein Sohn Christ hat erworbn,
Da er für mich am Kreuz gestorbn.
Sein Opfer wöllst du sehen an,
Und mich seins Tods genießen lan;

11. Daß ich durch ihn der Sünden frei
In beim Reich sein Miterbe sei,
Und dir mit dem himmlischen Heer
Allzeit finge Lob, Preis und Ehr.

Amen.

Arndt, Ernst Moritz – Ermunterung.

Willst du sinken, nicht als sinken
Armes krankes Menschenherz?
Immer nur den Becher trinken,
Den dir füllet Sorg und Schmerz?
Immer alles nur in grauen
Schwarzen Erdenfarben seh’n?
Lerne doch nach oben schauen,
Wo die hellen Sterne geh’n.

Dahin schau! da ist dein Eigen,
Da dein altes Heimathland,
Dahin schau! und ferne steigen
Aus dem dürren Erdensand
Aus dem trüben Nebelstaube
Nimm den Flug und zittre nicht,
Glaube, was der Christenglaube
Schon zweitausend Jahre spricht.

Da hinauf! da ist dein Streiter,
Vor dem Noth und Tod zerfällt,
Dahin schau! und hell und heiter
Blüht dir wieder Gottes Welt;
Schaue, schau auf diesen Einen
Immer steht der Held bereit,
Der sein Himmelslicht läßt scheinen
Auf dein kurzes Erdenleid.

Ja, auf diesen Einen, deinen
Heiland schaue, halte fest
An dem Einen, der die Seinen
Nun und nimmermehr verläßt;
Auf ihn sollst allein du schauen,
Der vom Himmel niederkam,
Der hinweg des Todes Grauen
Und der Hölle Schrecken nahm.

Schaue, suche! du wirst finden,
Halt, was du gefunden hast,
Und so gib den leichten Winden
Alle schwere Erdenlast.
Muthig! denn der höchste Sieger
Schreitet dir im Streit voran,
Und die Loosung tönt dem Krieger:
Sei ein Christ und steh als Mann.

Arndt, Ernst Moritz – Klage und Trost.

O Erde, Land der Thränen,
Voll Unlust und voll Lust,
Voll Träumen und voll Sehnen
Der kranken Menschenbrust,
Voll Lichter und voll Schatten
Vielfacher Täuscherei,
Wo was wir heute hatten
Ist morgen schon vorbei.

Ja, bunter Gaukelschimmer
Ist diese bunte Welt,
Die mit der Kugel immer
Im Wechsel steigt und fällt,
Wo Blinde unter Blinden
Sich stoßen hin und her
Und Ruh und Frieden finden
Die Herzen nimmermehr.

Hier läufst du in der Irre,
Mensch, zwischen Nacht und Licht,
Und findest im Gewirre
Die rechte Straße nicht,
Auf tausend falschen Wegen,
Der bunten Täuschung Spiel,
Bald feige bald verwegen
Läufst du vorbei dem Ziel.

Und tiefer stets und weiter
Läuft fort die Biesterniß,
Kein Zeiger, kein Geleiter
Macht dich des Wegs gewiß;
Nur Einer hält den Faden,
Der durch die Wirren führt,
Er, der auf Sternenpfaden
Das große All regiert.

Drum nach den Sternenpfaden,
Nach oben mußt du schau’n,
Dort vor dem Licht der Gnaden
Entfliehen Nacht und Grau’n,
Von dort geht heller Morgen
Dir schon hienieden auf,
Vor Lug und Trug geborgen
Läuft klar dein Lebenslauf.

Dahin! dahin! von hinnen
Zum lichten Heimathland
Mit Herzen und mit Sinnen
Vom eitlen Erdentand!
So fliege, froher Flieger,
Empor im Muth des Lichts!
So schreite, tapfrer Sieger,
Hin durch die Nacht der Nichts!

Arndt, Ernst Moritz – Trost in Gott.

Und willst du gar verzagen,
Du armes Menschenherz
In Sorgen Ängsten Klagen
Im feigen Erdenschmerz?
Und missest doch nach Spannen
Dein kurzes Glück und Leid,
Das rinnt geschwinde dannen
Ins Meer der Ewigkeit.

Nach oben mußt du sehen,
Hier unten find‘st du’s nicht,
Nur in den Himmelshöhen,
Nur da ist Trost und Licht;
Was hier die Stunden bringen
Macht Muth der Stärksten scheu,
Von oben muß dir klingen
Der Klang von Gottes Treu.

Vom hohen Sterngewölbe
Herab erklingt der Klang
Stets gleich und stets derselbe
Bleibt Gottes Weltengang;
Dort in der heitern Bläue,
Dort steht die feste Welt,
Dort wohnt der Ewigtreue,
Der alles wohl bestellt.

Am hohen Sterngewölbe
Da strahlt in Sternenschrift D
er Gleiche und Derselbe,
Den nimmer Wechsel trifft;
Daß sich der Glaube freue,
Daß zittre Lug und Spott
Strahlt dort der Ewigtreue
Der Gute Fromme Gott.

Dahin! da ist dein Himmel,
Da ist dein Heimathland,
Das dir im Erdgewimmel
Verdunkeln Leid und Tand;
Da klingen Wunderklänge,
Die machen frisch und neu,
Da klingen die Gesänge
Von Gottes Lieb und Treu.

Dahin! dahin! und lerne
Was so hernieder klingt,
Was auf dem höchsten Sterne
Das Heilig! Heilig! singt;
Dann wird dir stets aufs neue
Aufgeh’n sein Gnadenschein,
Er selbst, der Ewigtreue
Mit in und bei dir sein.

Arndt, Ernst Moritz – Alterswehmuth.

O Erde, Land der Träume,
O Erde, Land des Trugs,
Willst du für hell’re Räume
Die Flügel meines Flugs
Mir immer wieder kürzen,
In deines Jammers Staub
Mich elend, niederstürzen,
In Jagd nach schlechtem Raub?

Es soll dir nicht gelingen,
Ich habe meinen Hort,
Der trägt auf Feuerschwingen
Mich durch die Himmel fort;
Ich habe meinen Meister,
Der Held und König ist
Er ist der Fürst der Geister
Und heißet Jesus Christ.

Er stieg vom Himmel nieder
Auf unsre Erdenau’n,
Damit wir Menschen wieder
Nach oben lernten schau’n,
Damit wir arme Wichte,
Von Wahn und Trug umstrickt,
Aufschauten nach dem Lichte,
Woraus die Gottheit blickt.

O König aller Liebe,
O Glanz der höchsten Lichts,
Wenn mir auch gar nichts bliebe,
Gar nichts in diesem Nichts,
Worum die Welt sich reißet,
Du bleibst mein Held und Hort,
Und was auch reißt und spleißet,
Nichts reist von dir mich fort.

So mag denn alles schweben
Im Wechsel hin und her,
Mir ist hinfort gegeben,
Was wechselt nimmermehr:
O Liebe Licht und Leben!
O süßer Gottesheld!
Du, du bist mir gegeben
Was frag‘ ich nach der Welt!

Arndt, Ernst Moritz – Ruf an den Geist.

Dich, Geist der Wahrheit, Geist der Kraft,
Dich, Hort der Christusritterschaft,
Der alle Blöden trösten kann,
Dich starken Tröster ruf‘ ich an.

Dich, Licht der Höhe, milden Stern,
Dich freundlich frommen Geist vom Herrn,
Der alles Dunkel lichten kann,
Dich, Licht der Höhe, ruf‘ ich an.

Tief sitz‘ ich in der dunkeln Nacht,
Wo mich die Sünd‘ hineingebracht,
Tief sitz‘ ich in der Finsterniß,
Wohin Verzweiflung mich verstieß.

Mein Jammer brauset wie ein Meer
Mit allen Stürmen um mich her,
Es saust und brauset immerzu
Und läßt mir Tag und Nacht nicht Ruh.

Drum komm, mein Hort, und rette mich,
Mein Tröster, komm, und tröste mich,
Mein Licht geh‘ auf mit deinem Schein
Und funkle durch die Nacht herein.

Komm, Helfer in dem Sündengraus,
Und sprich mir zu, und leg‘ mir’s aus,
Was ich nicht mehr begreifen mag,
Was Christus zu den Sündern sprach.

Sprich mir das Wort der Liebe zu,
Den rechten Klang verstehst nur du,
Das rechte Wort, den rechten Klang,
Des Glaubens Hoffnung und Empfang.

O Geist der Liebe, Geist des Herrn!
O Himmelslicht und Gnadenstern!
Geh‘ auf in mir mit deinem Schein!
So kann ich wieder fröhlich sein.

 

Arndt, Ernst Moritz – Jesus mein Licht

Wann ich traurig wanke
Und auch der Gedanke
Blind wird wie die Nacht,
Wann ich nichts kann finden,
Tappend unter Blinden,
Was mir’s helle macht,
Wer zündt dann
Das Licht mir an?

Das thust du, o Wonne
Meines Glaubens, Sonne
In der dunkeln Nacht;
Durch dich muß verschwinden,
Was im Thal der Sünden
Alles düster macht:
Du zündst an,
Was leuchten kann.

Das thust du, mein Leben,
Der das dumpfe Beben
Mit der Nacht verscheucht:
Alle Nebel fliehen,
Erd‘ und Himmel blühen
Und der Trug entweicht.
Du machst fest,
Du tröstest best.

Helles Licht der Herzen,
Sichrer Trost der Schmerzen,
Süßer Jesu Christ,
Das kannst du alleine,
Der vom Himmelscheine
Niederkommen ist:
Hort und Held
Und Licht der Welt.

Das kannst du alleine,
Der die Gnadenscheine
In uns niederstrahlt,
Daß sich selbst in Sünden
In den düstern Gründen
Goldne Hoffnung malt:
Du allein
Kannst Tröster jern.

O so bleibe, bleibe
Ewig in mir! schreibe
Mir es fest ins Herz!
Alles mag verschwinden,
Der Gedank‘ erblinden
In dem dunkeln Schmerz
Süßes Licht,
Du dunkelst nicht.

Monod, Adolphe – In Freude, Leid und Gnade

Als mir der Sonnenschein der Freude lachte
Und bange Sorge aus der Seele schied,
Ein Jubelklang in meiner Brust erwachte
Und was die Lippen fröhlich klingen machte:
Das war ein Lied, ein frohes Lied.

Und als in bittrem Weh ich wollte zagen,
Als alle Erdenwonne schien vorbei,
Da fand ich Worte nicht, um mein Leid zu sagen,
Und was ich flehend meinem Gott durft‘ klagen,
Das war ein Schrei, ein banger Schrei.

Doch als der Gnade Strahl die Nacht durchdrungen,
Als Himmelstau fiel auf die dürre Alm,
Da ist ein neues Saitenspiel erklungen,
Und was mein stilles Herze nun gesungen:
Das war ein Psalm, ein heilger Psalm.

Simon Dach – Was? Soll ein Christ sich fressen

Was? Soll ein Christ sich fressen
Und nur sein leid ermessen
Nicht auff den herren sehn?
Den aus dem creutze schliessen,
Ohn welchen, wie wir wissen,
Kein unglück kan geschehn?

Ohn Gott vermag uns allen
Kein härchen zu entfallen,
Kein finger weh zu thun;
Er kann nicht mehr, als wachen
Für seiner heerde sachen,
Wie vormals, so auch nun.

Solt er es anders meinen,
Als gut mit uns, den seinen?
Das glaub ich ewig nicht;
In trübnus uns verlassen
Und unbarmhertzig hassen,
Ist wider seine pflicht.

Er weiß sich anzustellen,
Als stürtz er uns zur hellen
Und wer uns spinnenfeind;
Bleibt doch in allen nöthen,
Ja, möcht er uns auch tödten,
Der allerbeste freund.

Er kan mit tausent leiden
Sich so und so verkleiden
In wilder löwen haut,
Ist aber treu an sinnen
Und wird bey ihm von innen
Ein vaterhertz geschaut.

Mit unbekandten wegen
Ist er uns überlegen,
Sein rath kömpt uns nicht bey,
Doch bleibt sein weiser handel
Und unerforschter wandel
Von allem, tadel frey.

Er pflegt nur seinen frommen
So grausam vorzukommen,
Wer weiß es, was er sucht?
Er leitet uns zum guten
Und helt durch scharffe ruten
Uns in der kinderzucht.

Drumb, o betrübte seelen,
Schaut aus den trauer-hölen
Auf seines trostes liecht,
Dem, der euch hat gequählet
Und wund geschlagen, fählet
Es auch an hülffe nicht.

Bedenckt, was dort geschrieben,
Uns, die wir Gott recht lieben,
Nutzt alles crentz und pein,
Das leid muß, unsre wonne,
Der regen unsre sonne,
Der todt das leben seyn.