Friedrich Philipp Hiller – Wir warten dein, o Gottes Sohn,

Wir warten dein, o Gottes Sohn,
Und lieben dein Erscheinen;
Wir wissen dich auf deinem Thron
Und nennen uns die Deinen.
Wer an dich glaubt,
Erhebt sein Haupt
Und siehet dir entgegen,
Du kommst uns ja zum Segen.

2. Wir warten deiner mit Geduld
In unsern Leidenstagen;
Wir trösten uns, dass du die Schuld
Für uns am Kreuz getragen.
So können wir
Nun gern mit dir
Uns auch zum Kreuz bequemen,
Bis du’s hinweg wirst nehmen.

3. Wir warten dein; du hast uns ja
Das Herz schon hingenommen.
Du bist zwar unserm Geiste nah,
Doch wirst du sichtbar kommen;
Da willst uns du
Bei dir auch Ruh,
Bei dir auch Freude geben,
Bei dir ein herrlich Leben.

4. Wir warten dein, du kommst gewiss,
Die Zeit ist bald vergangen;
Wir freuen uns schon über dies
Mit kindlichem Verlangen.
Was wird geschehn,
Wenn wir dich sehn,
Wenn du uns heim wirst bringen,
Wenn wir dir ewig singen!

Friedrich Philipp Hiller – Die Gnade sei mit Allen,

Die Gnade sei mit Allen,
Die Gnade unsers Herrn,
Des Herrn, dem wir hier wallen,
Und sehn sein Kommen gern.

2. Auf dem so schmalen Pfade
Gelingt uns ja kein Tritt,
Es gehe seine Gnade
Denn bis zum Ende mit.

3. Auf Gnade darf man trauen;
Man traut ihr ohne Reu;
Und wenn uns je will grauen,
So bleibts: der Herr ist treu.

4. Die Gnade, die den Alten
Half zwei Weh überstehn,
Wird die ja auch erhalten,
Die in dem dritten flehn.

5. Wird stets der Jammer größer,
So glaubt und ruft man noch:
Du mächtiger Erlöser,
Du kommst, so komme doch.

6. Damit wir nicht erliegen,
Muss Gnade mit uns sein;
Denn sie flößt zu dem Siegen
Geduld und Glauben ein.

7. So scheint uns nichts ein Schade,
Was man um Jesum misst;
Der Herr hat eine Gnade,
Die über Alles ist.

8. Bald ist es überwunden,
Nur durch des Lämmleins Blut,
Das in den bös’sten Stunden
Die größten Taten tut.

9. Herr, lass es dir gefallen,
Noch immer rufen wir:
Die Gnade sei mit Allen!
Die Gnade sei mit mir!

Philipp Friedrich Hiller – Wir wissen weder Tag noch Stunde,

Wir wissen weder Tag noch Stunde,
Woran des Menschen Sohn erscheint.
Wer nun nicht wacht aus diesem Grunde,
Ist seiner eignen Seele feind.
Der Herr befiehlt auf alle Zeit,
Bis das er kommt, die Wachsamkeit.

2. Wenn jemand tausend Jahre wachte,
Und er käm erst im letzten an,
So wärs, ob gleich der Spötter lachte,
Doch klug und nicht umsonst getan.
Und wer nicht an dem Tage wacht,
Der schläft gewiß auch bei der Nacht.

3. Herr, mache du mich alle Tage,
Auf alle Stunden recht bereit,
Dass ich mein Öl stets bei mir trage,
Und sei zum Brauttag angekleid’t.
Wenn du schon kommst, so ist der Rat,
Sich erst zu rüsten, allzuspat.

4. Ach mache das Gefäß der Seele
Mit einem Glaubensvorrat voll,
Damit mirs in der Zeit nicht fehle,
Wenn ich entgegen gehen soll;
So schließt du mich vom Hochzeithaus
Nicht in der letzten Stunde aus.

5. Lehr jetzt mich, was mir not ist, kaufen,
So brennt die Lampe stets bei mir,
Dass ich nicht erst umher darf laufen;
Ich such es aber nur bei dir.
Wer bei dir sucht, dem schenkest du,
Und schließt dein Haus vor ihm nicht zu.

Philipp Friedrich Hiller – Der Herr kommt

„Der Herr kommt! “ ist ein wichtig Wort
Für Christi Untertanen;
Es soll die Seinen immerfort
An seine Zukunft mahnen.
So werden sie in Angst erfreut,
So werden sie vor Sicherheit
Durch ihren Herrn bewahret.

2. Der Herr kommt allen in der Kraft,
Gerechte zu erlösen;
Er kommt zugleich zur Rechenschaft
Und Strafe allen Bösen.
Auf diesen Tag ist aufzusehn,
Da wird die Änderung geschehn
Der Dinge dieses Lebens.

3. Herr, lass dies Wort auch immerzu
Mir im Gedächtnis bleiben;
So wird michs, was ich leid‘ und tu,
Zur Furcht und Freude treiben,
Zur Freude unter langem Kreuz,
Zur Furcht vor Wollust, Stolz und Geiz,
Und was die Welt sonst übet.

4. Lass mich sowohl auf Zorn als Huld
In deiner Zukunft merken;
Lass stets dein Wort mich mit Geduld,
Und in dem Glauben stärken;
Und lehre mich in Einem Geist
Mit Allen, die du gläubig heißt,
Auch sprechen: „Komm, Herr Jesu!“

Philipp Friedrich Hiller – Seelen, laßt uns Gutes tun,

Seelen, laßt uns Gutes tun,
Gutes, und nicht müde werden!
Wann es Zeit ist, wird man ruhn,
O wie sanft, von den Beschwerden!
Aber ruhen nicht allein,
Dort wird auch die Ernte sein.

2. O dass wir an unsrer Zeit
Auf die Ewigkeit hin lernten!
Wer hier kärglich ausgestreut,
Wird auch wieder kärglich ernten;
Wer hier reichlich Gutes tut,
Sammelt dort auch reiches Gut.

3. O dass nach dem Augenschein
Keiner bloß das Säen richte!
Manches Körnlein scheinet klein,
Und trägt zehenfältig Früchte.
Klein gesät und dennoch dicht,
Fehlet in der Ernte nicht.

4. Lehr, o Gott, mich Gutes tun
Und im Treusein nicht erliegen;
Denn die Zeit dazu ist nun
Und sie wird so schnell verfliegen;
Wenn man gleich was Kleines tut:
Ist’s nur gut, so ist es gut!

5. Stelle mir die Ernte für,
Dass ich darf auf Hoffnung säen!
Was wir tun und tun es dir,
Läss’st du nicht umsonst geschehen;
Hat man kein Verdienst davon,
Gibt die Gnade dennoch Lohn.

Hiller, Philipp Friedrich – Die Beschwerden dieser Erden

Die Beschwerden
Dieser Erden
Häufen sich noch immer zu,
Und im Streiten
Dieser Zeiten
Hat man nirgends wahre Ruh.
Wo ist Friede
Für uns Müde?
Du bists, treuer Jesu, du!

2. Sünden schmerzen
Oft im Herzen,
Und kein Fried ist im Gebein.
Unverbunden
Sind die Wunden;
Jesu, dein Blut heilt allein,
Dein Versühnen
Macht uns grünen;
Du mußt unser Friede sein!

3. In der Eile
Fahren Pfeile
Oft vom Argen auf uns dar.
Jesus schützet,
Glaube nützet
Als ein Schild uns in Gefahr.
So wird Frieden
Uns beschieden,
Weil der Heiland Sieger war.

4. Uns bekriegen
Hass und Lügen
Zwar von Außen in der Welt;
Doch von Innen
Kanns gewinnen,
Wer Geduld und Glauben hält.
Nichts heißt Schade,
Wenn nur Gnade
Unser Herz zufrieden stellt.

5. O Erlöser
Noch viel größer
Ist der Friede jener Stadt.
Da sind Psalmen,
Da sind Palmen,
Die ein Überwinder hat;
Nimm mich Müden
Hin in Frieden,
Dort wird Niemand Lebens satt.

Philipp Friedrich Hiller – Singet Gott, denn Gott ist Liebe,

Singet Gott, denn Gott ist Liebe,
Liebe, die da ewig währt;
Singe durch des Geistes Triebe,
Wer es an sich selbst erfährt!
Wenn sein Eifer muss entbrennen,
Brennt er bis zum Höllengrund;
Wenn er sich lässt Liebe nennen,
Wird es allen Himmeln kund.

2. Liebe, die er im Erkenntnis
Seines Sohnes uns bezeugt;
Liebe, welche das Verständnis
Aller Menschen übersteigt:
Du bist weit: ob allen Kindern,
Du währst lang: auf alle Zeit,
Du reichst tief: zu armen Sündern,
Du führst hoch: zur Herrlichkeit!

3. Liebe, die mein Herz darf glauben,
Wenn sie mein Verstand nicht fasst,
Lass den Feind mich dir nicht rauben,
Der uns als Geliebte hasst!
Liebe, lass es mir gelingen,
Dich zu kennen, wie du bist!
Liebe, lehr mich ewig singen,
Wie es Gottes würdig ist!

Philipp Friedrich Hiller – Wie lieblich klingt’s den Ohren

Wie lieblich klingt’s den Ohren,
Dass du bist Mensch geboren,
Und mein Erlöser bist!
Wie lieblich, wie erquickend,
Wie selig, wie entzückend
Ist doch dein Name, Jesus Christ!

2. Wie groß ist deine Stärke,
Wie herrlich deine Werke,
Wie heilig ist dein Wort;
Wie ist dein Tod so tröstlich,
Wie ist dein Blut so köstlich,
Mein Fels des Heils, mein Lebenshort!

3. Wie reich sind deine Gaben!
Wie hoch bist du erhaben
Auf deinem Königsthron!
Es singen, jauchzen, dienen
Dir alle Seraphinen,
Du wahrer Gott und Menschensohn.

4. Wie bist du von den Banden
Des Grabes auferstanden,
Hast Höll‘ und Tod besiegt,
Bist unter Himmelsscharen
So herrlich aufgefahren,
Bis Alles dir zu Füßen liegt!

5. Wie süß ist deine Lehre!
Wie groß ist deine Ehre!
Wie herrschest du allein!
Wer wollte nicht, o König,
In Ehrfurcht untertänig,
Und gern in deiner Gnade sein?

6. Erweitert Tor‘ und Türen!
Lasst Ehrenpforten zieren,
Empfangt ihn in der Welt;
Geht jauchzend ihm entgegen,
Dieweil zu eurem Segen
Der Ehrenkönig Einzug hält!

7. Wer ist’s, wer läßt sich hören
Als König aller Ehren? –
Der Herr der Herrlichkeit!
Der ist es, der kommt prächtig,
Der Herr, der stark und mächtig,
Der Herr, der Sieger ist im Streit.

8. Erhöhet Tor‘ und Türen,
Den König einzuführen!
Wer ist’s, der Einzug hält?
Der König aller Ehren!
Der Herr von Gottes Heeren,
Der Ehrenkönig aller Welt!

9. Preis dir von allen Frommen!
Du kommst, sey uns willkommen,
Im Namen unsern Herrn.
Der Herr ist Gott, der Eine,
Der uns erleucht’t alleine
Als unser Licht und Morgenstern!

Philipp Hiller – Wie gut ist’s, von der Sünde frei!

Wie gut ist’s, von der Sünde frei!
Wie selig, Christi Knecht!
Im Sündendienst ist Sklaverei,
Bei Christo Kindesrecht.

2. Im Sündendienst ist Finsternis,
Den Weg erkennt man nicht;
Bei Christo ist der Gang gewiss,
Man wandelt in dem Licht.

3. Im Sündendienst ist Hass und Leid,
Man plagt, und wird betrübt;
In Christi Reich ist Freudigkeit,
Man liebt und wird geliebt.

4. Die Sünde gibt den Tod zum Lohn,
Das heißt ja schlimm gedient!
Das Leben aber ist im Sohn,
Der uns mit Gott versühnt.

5. O Heiland, dir nur dien‘ ich gern,
Denn du hast mich erkauft;
Ich weiß und will sonst keinen Herrn;
Auf dich bin ich getauft.

6. Wen du frei machst, der ist recht frei,
Du schenkst ihm alle Schuld;
Und darum dank‘ ich deiner Treu‘,
Und rühme deine Huld.

7. Ich bete an, Herr Jesu Christ,
Und sage: ich bin dein;
Nimm mich zu dir, denn wo du bist,
Soll auch dein Diener sein!

Philipp Friedrich Hiller – Gott, Herrscher über alle Thronen

Gott, Herrscher über alle Thronen!
Das ist ein weiser Rath von dir:
Den Menschen, die auf Erden wohnen,
Setz’st du die Obrigkeiten für,
So dass man nun an deiner Statt
Auch Sterbliche zu Richtern hat.

2. Dass ich mein Brot darf ruhig essen,
Und wandeln mag auf sichrer Bahn,
Dass mich das Mordschwert nicht darf fressen,
Der Räuber nicht entkleiden kann,
Der Lästrer mir vergeblich dräut:
Das schaffst du durch die Obrigkeit.

3. Dass wir dein Wort im Frieden hören,
Die Kirche Tauf und Nachtmahl hat,
Dass man uns nicht die Schrift darf wehren,
Noch ehrlich Grab zur Ruhestatt:
Das schaffst du, Gott, der unser denkt,
Und Christen uns zu Fürsten schenkt.

4. Die Obrigkeit durch deine Güte
Ist deines Thrones Dienerin;
Die ganze Welt ist dein Gebiete,
Da stellst du Richterstühle hin.
Es lobe dich, es bete an,
Was Richter heißt und Untertan!

5. O Herr der Herren, schau‘ hernieder
Auf unsers Fürsten Reich und Thron!
Führ‘ ihn und deines Volkes Glieder
In deiner Gnad‘, o Gottes Sohn,
Dass deine Weisheit, Lieb‘ und Treu‘
Im ganzen Land die Sonne sei!

6. Die Frucht des Friedens wird gesäet
In Frieden und Gerechtigkeit.
Dein Heil, das alle Welt umfähet,
Wehr‘ allen Tücken, allem Streit,
Und lasse Fürst und Volk zugleich
In Liebe zieh’n zu deinem Reich!