Arndt, Ernst Moritz – Immer Liebe.

Und klingst du immer Liebe wieder?
Und immer nur denselben Ton?
Und weißt du keine andern Lieder
Als Gottes Sohn, von Gottes Sohn?
Muß er dein Licht, dein Glanz, dein Schein,
Muß er dein Alles, Alles seyn?

Ja er allein: in diesem Namen,
In diesem allerschönsten Ton,
Klingt aller Himmel Himmel Amen,
Das Heilig! Heilig! klingt vom Sohn,
Und Cherubim und Seraphim
Anbetend knien sie hin vor ihm.

Ja er allein: So weit die Winde
Das grüne Erdenrund umwehn,
Muß nun im Klang vom hohen Kinde,
Das Mensch ward, aller Jubel gehn,
Es klinget kein so süßer Ton
Als von dem Sohn und aus dem Sohn.

Nein, nimmer lernt es andre Lieder
Das arme sündenkranke Herz,
Nein, nimmer klingt es Andres wieder
Als jener Sehnsucht süßen Schmerz
Vom Menschensohn, vom Gottessohn,
Dies bleibt das Lied, der Klang, der Ton.

Du bleibst das Lied, du liebste Liebe,
Du bleibst die Sehnsucht, schönstes Bild,
Du Licht der Lichter, Trieb der Triebe,
Aus dem der Himmel Wonne quillt:
Mein Herz klingt deine Herrlichkeit
Von nun an bis in Ewigkeit.

Arndt, Ernst Moritz – Der Liebe Unaussprechlichkeit

O könnt‘ ich doch von Liebe sprechen,
Wie Liebe unergründlich ist,
Wie sie in Adern Quellen Bächen
Und Strömen jede Brust durchfließt!
Dann würde dieses Herz ein Schall,
Der klänge durch das weite All.

O könnt‘ ich doch von Liebe klingen,
Wie Liebe süß von Tönen klingt,
Wie sie, das ew’ge Wort, den Dingen
Geheimnißvoll das Leben bringt!
Dann würde dieses Herz ein Klang
Vom Aufgang bis zum Niedergang.

O könnt‘ ich doch von Liebe girren,
Wie Liebe zärtlich lockt und girrt,
In Lerchenliedern aufwärts schwirren,
Wie’s nur in mir lebendig wird!
Dann würd‘ ich bald im süßen Schall
Die hellste Liebesnachtigall.

O süße Liebe, fromme Liebe,
Die auf die Welt hernieder kam,
Aus unermeßlich reichem Triebe
Für uns den Tod am Kreuze nahm,
O süße Liebe, sel’ge Brunst!
In dir zerrinnet jede Kunst.

O süße Liebe, fromme Liebe!
O ungestillter Sehnsucht Schmerz!
Die gern uns all‘ auf einmal hübe
Empor an deines Vaters Herz,
Ich fühle deines Athems Wehn,
Und Wort und Stimme muß vergehn.

unbekannt – Meine Zukunft ist die Liebe

Meine Zukunft ist die Liebe,
Die für mich in’s Elend kam,
Und aus ewig-treuem Triebe
Schuld und Strafen übernahm,
Die den Tod für mich geschmecket,
Die der Höll‘ ein Schrecken ward,
Die sich nach mir ausgestrecket,
Die verschonend mein geharrt.

2. Meine Zuflucht ist die Liebe,
Die mich endlich zu sich zog,
Und durch ihre Allmachtstriebe
Meinen Jammer überwog;
Die mich gnädig überwunden,
Mich der falschen Lust entrückt,
Mich an’s sanfte Joch gebunden,
Und mich an ihr Herz gedrückt.

3. Meine Zuflucht ist die Liebe,
Die mich hebet, die mich trägt,
Die die allerzartsten Triebe,
Um mich zu vollenden, hegt,
Die mich Tag und Nacht bewachet,
Die ohn‘ End‘ an meiner Statt
Sorget, wirket, Alles machet,
Und mein Heil vor Augen hat!

4. Meine Zuflucht ist die Liebe,
Die der Trübsal Schmerzen stillt,
Die vom Reichthum ihrer Triebe
Mich mit süßem Trost erfüllt,
Die das Leiden dieser Zeiten
Auf’s Vollkommenste besiegt,
Und durch reine Seligkeiten
Unvergleichlich überwiegt.

5. Meine Zuflucht ist die Liebe,
Die in Noth und Tod besteht,
Die mit unumschränktem Triebe
Auf die Ewigkeiten geht,
Die mich bis zum Throne bringet,
Die mein freigemachter Mund
Dann mit ew’gem Dank besinget.
Jesu, denk an deinen Bund!

Johannes Baptista von Albertini – Unzähmbare Mutterliebe

Unzähmbare Mutterliebe,
Die im Auge naß und trübe,
Wie im hellen heitern Blicke,
Rastlos trägt der Kindlein Glücke!
Feuerflammen, Mordgefahren,
Wasserflutben, Reih’n von Jahren,
Tausend Meilen, tausend Kämpfen
Beutst Du Trotz, wer mag Dich dämpfen?

2. Sel’ge Ewigkeit, verkünd‘ es:
„Kann die Mutter ihres Kindes
Je vergessen? kann Erbarmen
Weichen aus der Mutter Armen?“
„Ob es könnte“ spricht die Liebe
„Nimmer weichen meine Triebe!
Nie kann meine Kraft veralten,
Niemals meine Brust erkalten!“

Friedrich Adolf Lampe – O Liebesgluth, wie soll ich dich

O Liebesgluth, wie soll ich dich
Nach Würdigkeit besingen?
Dein ew’ger Abgrund muß ja mich,
Du tiefe See, verschlingen!
Es flammet Gottes Herrlichkeit,
Es brennt die ganze Ewigkeit;
Bleibt noch mein Herz erkaltet?

2. Der in sich selbst vergnügte Gott,
Das allerreinste Wesen,
Hat sich die schnöde Sünder-Rott
Zu lieben auserlesen.
Schweig still, Vernunft, gib Gott die Ehr‘!
Gott wollt‘ unendlich lieben mehr,
Als du begreifen solltest.

3. O Liebe, die Gott seinen Sohn
Aus seinem Schoß genommen!
Er ist von dem gestirnten Thron
Zu uns herab gekommen.
Sein Mangel, Knechtschaft, Kreuz und Grab
Sie malen uns vor Augen ab,
Wie stark Gott lieben könne!

4. Was war die Welt, die Schlangenbrut,
Die sich nicht mehr ließ zähmen,
Daß sie Dir, o Du Höchstes Gut,
Dein Kleinod sollte nehmen?
Was war ich mehr als Belial
Und dessen Engel allzumal,
Die Du zum Abgrund stießest?

5. Hör‘ auf zu grübeln, glaub‘ allein,
Kannst du dies Meer nicht gründen,
So wirf dich blindlings da hinein,
Mit allen deinen Sünden!
Laß Dem dein Herze sein gewährt,
Der dir sein ganzes Herz beschert,
Gib Herz für Herz zum Opfer.

6. O, liebster Vater, nimm mich bin,
Gib Kraft mir, Dich zu lieben!
Herz und Begierden, Muth und Sinn,
Sie seien Dir verschrieben.
Vertilg‘ in mir all‘ arge Lust,
Laß ewig nichts in meiner Brust,
Als deine Liebe glühen!

Behm, Martin – Dein Lieb, Herr Christ, muß brünstig sein

1. Dein Lieb, Herr Christ, muß brünstig sein,
Daß du für uns trugst solche Pein
Und uns erwarbst das himmlisch Gut,
Welchs uns ewig erfreuen thut.

2. Solchs Gut schenkst du aus bloßer Gnad
Dem, der nach dir Verlangen hat;
Giebst dem durch Wort und Sacrament,
Der sich im Glauben zu dir wendt.

3. Dafür die Christenheit dich preist,
Dir nach Vermögen Dank beweist,
Welchs ich auch jetzt mit Freuden thu,
Weil ich durch dich hab ewig Ruh.

4. Ich bitt, dein guten Geist mir gieb,
Daß ich bedenk dein herzlich Lieb,
Mich halt zum Wort und Sacrament,
Da dein groß Gut wird ausgespendt.

5. Zünd auch den Glauben in mir an,
Daß ich solch Gut ergreifen kann
Und glaub, daß du mich hast erlöst,
Und deiner Gnad mich herzlich tröst.

6. Hilf, daß ich auf mein Werk nicht bau,
Auf dein Verdienst allein vertrau,
Denn unsre Werk sind viel zu schlecht,
Daß ein Mensch würd dadurch gerecht.

7. Laß mich die Mittel nicht verschlagn,
Die mir erworbnes Gut antragn;
Denn wer die Mittel leicht veracht,
Der ist nicht auf sein Seel bedacht.

8. Gieb mir ein starke Zuversicht,
An deiner Gnad zu zweifeln nicht,
Daß ich beständig an dir hang
Und dort das himmlisch Gut erlang.

Amen.

Lange, Ernst – Gott ist die wahre Liebe

Gott ist die wahre Liebe,
Die ihn ohn‘ Maß und Ende treibt;
Ihr Blick wird dem nicht trübe,
Der sie umfaßt und in ihr bleibt.
Sie ist dazu erschienen
Und Menschen kund gemacht,
Daß sie sich deß bedienen,
Was sie hervorgebracht.
Sie leuchtet aus dem Sohne,
Den er zu uns gesandt,
Der ist ihr Glanz und Krone
Und ihr Versichrungspfand.

Er ist ein Mensch geboren,
Der Gottes Herz und einig Kind;
Sonst gingen die verloren,
Die mit ihm eines Fleisches sind.
Sie sollen durch ihn leben
Und Gott versöhnet sein;
Doch sich ihm wieder geben,
Denn er will nicht allein
Vom Untergang‘ sie retten,
Er schenkt auch seinen Geist,
Damit sie Alles hätten,
Was dieser Bund verheißt.

Bedenket dies, ihr Lieben,
Wo trefft ihr etwas Größ’res an?
Er hat sich euch verschrieben
Und bleibet ewig fest daran.
Was fordert er dagegen?
Auch eure Lieb‘ und Treu,
Woran euch selbst gelegen,
Er wohnt euch darin bei;
Ihr könnet reicher werden,
Sofern ihr darnach strebt,
Als welcher hier auf Erden
Viel tausend Schätze gräbt.

Der liebt nach seinem Willen,
Der gegen Gott in Liebe brennt;
Er kann die Glut nicht stillen,
Bis sie sich auch zum Nächsten wend’t;
Dem wird er so geneiget,
Wie er sich selber ist,
Daß er ihm Dienst erzeiget
Und keine Pflicht vergißt.
Es ist ein kindlich Zeichen,
Wenn man die Brüder liebt,
Der Vater thut desgleichen,
Der alles Gute giebt.

Drum laßt uns auf ihn sehen,
Und folget ihm mit Eifer nach;
Ihr wisset, was geschehen:
Wir hatten Unglück, Sünd‘ und Schmach,
Nach Freiheit kein Verlangen;
Noch hat er uns befreit,
Er ist uns nachgegangen,
Hat aus Barmherzigkeit
Sich unser angenommen;
Wir waren in der Flucht,
Er ist uns vorgekommen,
Hat unser Heil gesucht.

Ach, lasset uns ihn lieben,
Denn er hat uns zuerst geliebt,
Ist immer treu geblieben,
Wie viel wir wider ihn verübt.
Nun hat er uns gefunden,
Wir ihn im Sohn‘ erkannt,
Er sich mit uns verbunden,
Und wir sind ihm verwandt.
Wollt ihr ihn alle kennen,
So thut, was ihm gefällt;
Ach, laßt die Herzen brennen
In Lieb‘ vor aller Welt!

Dora Rappard – O Vater, dessen Liebe

O Vater, dessen Liebe
Umfaßt die ganze Welt,
Dir wird aus gläub’gem Triebe
Dies Kind hier dargestellt;
Dir sei’s von dieser Stunde
Zum Eigentum geweiht;
Erhalt’s in Deinem Bunde
Für Zeit und Ewigkeit.

O Jesu, treuer Heiland,
Blick gnädig Du es an,
Und segne es, wie weiland
Den Kleinen Du getan!
Du hast Dein Blut und Leben
Auch für dies Kindlein schon
Aus Liebe dargegeben;
So nimm’s zum Schmerzenslohn.

O Heil’ger Geist! Du bringest
Zurück, was wir verlor’n;
Wo Du ein Herz durchdringest,
Da wird es neu gebor’n!
O komm hernieder frühe
In dieses Kindleins Herz,
Und unaufhaltsam ziehe
Es selig himmelwärts!

In Deinen heil’gen Namen
Wird es getauchet ein;
Dreiein’ger Gott, sprich: Amen!
Sprich: Hinfort bist du mein!
Ja, wahrlich, es ist Deine;
Drauf kann der Glaube ruhn.
Was Du vermagst alleine,
Wir trau’n, Du wirst es tun.

Philipp Spitta – Wohl uns, der Vater hat uns lieb

Wohl uns, der Vater hat uns lieb
und wird an uns gedenken
und uns aus väterlichem Trieb,
was wir bedürfen, schenken!
Was fehlt uns doch
nun weiter noch,
da wir zum Vater haben
den Geber aller Gaben?

Wenn wir ohn’ Geld und Schätze gleich
die weite Welt durchzögen,
so ist doch unser Vater reich
an Liebe und Vermögen.
Wir sorgen nicht,
daß uns gebricht
auf unsrer Lebensreise
die Kleidung und die Speise.

Er, der so viel an uns gewandt
zu unserm Heil und Leben,
der zu uns seinen Sohn gesandt
und für uns hingegeben,
der so geneigt
sich Sündern zeigt —
wie sollte der denn minder
versorgen seine Kinder?

Wie können wir doch allezeit
frei vor sein Antlitz treten,
um Hilf’ in Not, um Trost in Leid,
um alles zu ihm beten!
Er hört uns an,
er will und kann
und wird uns gern gewähren,
was wir von ihm begehren.

Wie steht uns doch sein Vaterherz
in Jesu Christo offen!
Da fliehn wir hin, wenn uns ein Schmerz
und Unfall hat betroffen.
0, und da ruht
sich’s sanft und gut,
da ist man wohlgeborgen
und ledig allen Sorgen!

Und meint ihr, daß vor Tod und Gruft
uns bange sei und grause?
Nein, wenn uns unser Vater ruft,
so gehn wir gern nach Hause.
Da ist es doch
viel besser noch!
Oft seufzt man aus der Tiefe:
Ach, wenn der Vater riefe!

Er hat uns lieb: das ist genug,
uns ewiglich zu freuen;
er hat uns lieb: das ist genug.
Wir kennen ihn, den Treuen,
und wollen auch
nach Kinderbrauch
uns unablässig üben,
von Herzen ihn zu lieben.

J. J. Breithaupt – Jesus Christus, Gottes Lamm

1. Jesus Christus, Gottes Lamm,
Ist für unsre Schuld gestorben,
Hat bezahlt am Kreuzesstamm
Und die Freiheit uns erworben;
Wer die Sünde wohl bereuet,
Wird durch Christi Tod erfreuet.

2. Gott, der selbst die Liebe ist,
Preiset seiner Liebe Wunder,
Daß sein Sohn, der Herre Christ,
Starb für alle Feind und Sünder;
Sind wir durch dies Blut Gerechte,
Trifft der Zorn nicht mehr die Knechte.

3. Ja, so wir versöhnet sind,
Weil der Sohn sich hingegeben,
So wird das erstandne Kind
Noch vielmehr uns durch sein Leben
Selig machen, die er Brüder
Heißt und seines Leibes Glieder.

4. Aber nicht alleine dies,
Sondern weil wir sind im Sohne,
Welcher selbst den Schlangenbiss
Heilet, daß er in uns wohne,
Ei, so rühmen auch wir Sünder,
Daß wir nun sind Gottes Kinder.

5. Hochgelobet, sagen wir,
Vater in dem Himmel oben,
Siehe, wie die Sünd allhier
In uns will noch immer toben.
Wollest, Herr, den Geist uns geben,
Daß wir in dir ewig leben.

Quelle: Hymns of the 1912 Lutheran Hymnal for Church, School and Home Evangelical Lutheran Synod of Wisconsin and other States