Zinzendorf, Nikolaus von – Liebe zu Jesu und Sehnsucht nach Ihm.

Jesu! Deiner zu gedenken,
Kann dem Herzen Freude schenken;
Doch mit welchen Himmelstränken,
Labt uns Deine Gegenwart!

Lieblicher hat Nichts geklungen,
Holder ist noch Nichts gesungen,
Sanfter Nichts in’s Herz gedrungen,
Als mein Jesus, Gottes Sohn;

Tröstlich, wenn man reuig stehet,
Herzlich, wenn man vor Dir flehet,
Lieblich, wenn man zu Dir gebet,
Unaussprechlich, wenn Du da!

Du erquickst das Herz von innen,
Lebensquell und Licht der Sinnen!
Freude muss vor Dir zerrinnen;
Niemand sehnt sich gnug nach Dir!

Schweigt, ihr ungeübten Zungen!
Welches Lied hat Ihn besungen?
Niemand weiß, als Der’s errungen,
Was die Liebe Christi sei.

Mit Maria will ich flehen,
Ich will früh zum Grabe gehen,
Und Ihm nach dem Herzen sehen
Mit den Augen des Gemüts.

Ich erfüll‘ das Grab mit Tränen,
Und den Ort mit Ach und Stöhnen;
Hingebückt mit heißem Sehnen,
Wind‘ ich mich um Seinen Fuß.

Jesu, wunderbarer König,
Dem die Völker untertänig!
Alles ist vor Dir zu wenig:
Du allein bist liebenswert!

Lieber HErr! bleib‘ in der Nähe,
Dass Dein Licht im Geist entstehe,
Und die Finsternis vergebe,
Und wir schmecken Deine Kraft!

Wenn Du uns trittst vor’s Gesichte,
Wird es in dem Herzen lichte,
Alles Eitle wird zunichte,
Und die Liebe glühet auf.

Ach, Du hast für uns gelitten,
Wolltest all Dein Blut ausschütten,
Hast vom Tod uns losgestritten
Und zur Gottesschau gebracht!

Guter Jesu, lass mir’s glücken!
Deine Fülle mich erquicken;
Und die Glorie mich erblicken,
HErr, durch Deine Gegenwart!

Sich in Deine Liebe hüllen,
Kann die Seel‘ auf ewig stillen,
Sonder allem Ekel füllen,
Und doch hungert sie nach Dir!

Hunger kriegen, die Dich schmecken;
Dein Genuss pflegt Durst zu wecken,
Sehnsucht, sich nach Nichts zu strecken,
Als nach Dem, den’s Herze meint.

Tausendmal geht mein Verlangen,
HErr, nach Dir, Dich zu empfangen:
Aber wann kommst Du gegangen,
Und ersättigst mich mit Dir?

Deine Liebe ist unendlich,
Meine Sehnsucht unabwendlich;
Süßer Freund, Du bist mir kenntlich
Als der ew’ge Lebensbaum.

Jesu, Deine Wundergüte
Ist zu hoch für mein Geblüte:
Aber Kraft für mein Gemüte.
Deine Liebe binde mich!

An Dein Berz sich zu gewöhnen,
Macht der Seel ein ewig Sehnen,
Aus den Augen presst es Tränen,
Aus dem Herzen: Kyrie!

Wo ich lebe auf der Erde,
Such‘ ich Dich, o Hirt der Herde:
Fröhlich, wenn ich finden werde,
Selig, wenn ich Dich erhalt‘.

Dann will ich Dich recht genießen,
Und Dein Arm wird mich umschließen:
Innig will ich Dich dann küssen!
Aber, ach! wie lange währt’s?

Jetzt erst seh‘ ich, was ich sollte,
Jetzt empfang‘ ich, was ich wollte,
Da mir Trän‘ um Träne rollte,
Und mein Herz erzitterte!

Kann man Jesum also fühlen,
Wird die Liebe nicht erfühlen,
Oder je zum Ende zielen,
Sondern wächst und flammet auf.

O du seligstes Erglühen,
O du feuriges Bemühen,
Gottes Sohn in’s Herz zu ziehen!
Süßes Seelen-Abendmahl!

König! würdig aller Kränze,
Quell der Klarheit ohne Grenze,
Komm der Seele näher, glänze!
Komm, Du längst Erwarteter!

Durch Dich wird das Herz erquicket,
Und zur Liebe hingezücket,
Und die Welt dem Fluch entrücket.
Du bist meiner Seele Ruhm!

Jesu, Glorie der Zeiten!
Gehst Du? ich will Dich begleiten!
Bleibt mein Herz nur Dir zur Seiten,
O so raubt Dich Niemand mir!

Du, den ich in’s Herz mir hefte,
Der nach Seinem Siegsgeschäfte
Sitzt zur rechten Hand der Kräfte:
Komm, geneuß des Freudenreichs!

Himmelsbürger, kommt gezogen!
Öffnet eurer Tore Bogen,
Ruft, von Freuden überwogen:
„Holder König, sei gegrüßt!“

„Brunnen der Barmherzigkeiten,
Licht der unumschränkten Weiten,
Treibe weg die Dunkelheiten,
Gib uns Deiner Klarheit Blick! “

„Dich erhöh’n des Himmels Heere,
Dich besingen unsre Chöre:
Du bist unsre Macht und Ehre,
Du hast uns mit Gott versöhnt!“

Jesus herrscht in großem Frieden;
Er bewahrt Sein Volk hienieden,
Dass, bis es Ihm nachgeschieden,
Es hier selig warten kann.

Jesus ist zum Vater gangen,
Hat den vorigen Glanz empfangen;
Über meines Geist’s Verlangen
Ist Ihm dorthin nachgeeilt.

Jesus, den wir jetzt mit Loben
Und mit Psalmen hoch erhoben,
Jesus hält aus Gnaden droben
Uns die Stätte schon bereit.

(1730; nach dem Jubilus Bernhardi.)

Gottfried Arnold – Macht der Gottesliebe.

Ich kann von Dir nicht schweigend sein,
O Liebe, die Du mich hinein
In Gott gezogen hast,
Auch immer stärker in mich bringst,
Bis Du in Dir mich völlig bringst,
Zur ew’gen Sabbatsrast!

Die Liebe, die vom Schöpfer fließt,
Und wieder ihre Wellen gießt
Zu ihrem Quell hinein,
Ist ihrem Ursprung ähnlich ganz,
Und zeigt der Kräfte hohen Glanz,
Die göttlichstark und rein.

Wo Liebe baut des Herzens Haus,
Da treibt sie falsche Neigung aus,
Die sonst unbändig ist.
Die Weisheit in der Liebe Reich
Hat männlich und doch sanft zugleich,
Ein Ernst, mit Lust versüßt.

Natur, und wär‘ sie noch so mild,
Bis obenan mit Lieb erfüllt,
Mag hier nicht gültig sein,
Noch wen’ger selbstgemachte Lieb‘,
Wo sich bei falschem Wort und Trieb
Verstellung menget ein.

Was kein Gesetz, kein Regiment
Der eignen Kräfte bringt zum End‘,
Der Seel zu schaffen Ruh‘:
Das wirket Gott durch seinen Sohn,
Wenn diesem Er den Liebesthron
Im Herzen rüstet zu.

Sein Thron ist Liebe, sanft und hehr;
Was Gott hier nicht selbst tät und wär‘,
Das müsst‘ verbannet sein.
Die Stoppeln werden ganz verzehrt,
Das laut‘re Gold allein bleibt wert,
Das Herz wird völlig rein.

Die Seele sucht in Gott nun sich,
Und in sich Gott ganz wunderlich,
Weil beide Eines sind.
Wer trennt, was Gott vereinigt hat?
Wer scheidet, wenn Er in der Tat
Sich selbst mit uns verbind’t?

Wie hungert, Liebe, mich nach Dir!
Wie schäm‘ ich mich, dass ich in mir
Dir noch so ferne bin!
Ach, lass mich diesem Himmelreich
Gewalt antun, und ziehe gleich
Mich ewig in Dich hin!

Gottfried Arnold – Triumph der ewigen Liebe.

Holdsel’ges Gotteslamm,
Sieh hoch gebenedeiet,
Dass du die Lieb erneuet
Als unser Bräutigam!
Die Lieb‘ wird triumphieren,
Und uns mit Kronen zieren,
Weil sie vom Himmel kam,
Holdsel’ges Gotteslamm!

Vereinte Liebe siegt,
Schwebt über alle Höhen,
Wird überwunden sehen
Den Feind, der sie bekriegt.
Die Siegespsalmen klingen,
Dem König Dank zu bringen,
Vor dem die Welt erliegt!
Vereinte Liebe siegt!

Nach wohl vollbrachtem Streit
Rechtfertigt sich das leben,
Das uns die Lieb‘ gegeben,
In ew’ger Jubelfreud‘.
Steh‘ auf, du Fürst der Deinen,
Siegprächtig zu erscheinen
In deiner Lieblichkeit,
Nach lang geführtem Streit!

Du nur bist liebenswert!
Man wird Dich ewig müssen
In sel’ger Liebe grüßen,
So lang die Liebe währt!
Die Liebe wird bestehen,
Wann Alles wird vergehen,
Wie uns dein Mund gelehrt.
Du nur bist liebenswert

Ein festes Liebesband
Ist uns von dir gebunden,
Sobald uns aufgefunden
Des treuen Hirten Hand.
Komm, lass in deinen Armen
Uns, edler Hirt, erwarmen!
Wir sind Dir nah‘ verwandt
Durch festes Liebesband!

Mit einem Herz und Mund
Soll in uns unser Meister
Dich, Vater aller Geister,
Hoch preisen alle Stund,
Frohlocken, jubilieren,
In Liebe triumphieren.
Sei Du der neue Bund
Zu einem Herz und Mund!

Der heil’gen Engel Chor
Verkündigt deine Taten,
O Held, voll Kraft und Raten,
Und hebt dein Lob empor!
Zeuch her in deiner Stärke,
Lass deine Liebeswerke
Siegprächtig ge’hn hervor,
So tönt der Himmel Chor!

Der Ält‘sten ganze Schar,
Die vor dem Throne wohnen,
Die werfen ihre Kronen
Zu deinen Füßen dar.
Wir fall’n mit ihnen nieder,
und singen Lobeslieder;
„Heil Ihm, der ist und war!“
So ruft der Ält‘sten Schar.

Die Liebesharmonie
Soll immer süßer spielen,
Je mehr sie Kraft wird fühlen,
Ohn Ende dort und hie.
Dein Reich muss in uns bleiben,
Vermischte Kraft vertreiben
Der eiteln Phantasie
Durch Liebesharmonie.

So wächst dein Leben mehr
Zur vollen Mannesstärke,
Wenn alle deine Werke
Dir bringen Preis und Ehr.
Lieb‘ ist’s, die Engel machet;
Lieb‘ ist’s, die still verlachet
Der Feinde ganzes Heer,
Denn ihre Zier ist Er!

Dank, Weisheit, Stärk‘ und Pracht,
Lob, Herrlichkeit und Leben
Sei unserm Gott gegeben,
Der uns zur Lieb‘ gebracht!
Das Lamm, das uns befreiet,
Sei hoch gebenedeiet,
Ihm sei Lob, Preis und Macht
Dank, Weisheit, Stärk‘ und Pracht!

Gottfried Arnold – Die allein selig führende Liebe.

O mein Herz, zeuch dein Begehren
Tief in die Verborgenheit,
Außer Ort, Person und Zeit
Alle Liebe zu verzehren
In dem Quell, der ewig bleibt,
Dem du ganz bist einverleibt!

Sprich: wo hast du Ruh‘ gefunden?
Was hat, außer Gottes Bild
Deinen Hunger ganz gestillt?
Hat dich Etwas überwunden,
Was nicht Jesus selber ist,
Der Geist, Seel‘ und Leib durchsüßt?

Niemand kann sein Lieben stehlen;
Es bat allzutiefen Grund,
Wird durch keine Schlange wund.
Bei’m Versöhnen unsrer Seelen
Kann die Seele sicher sein,
Wenn sie in Ihn dringet ein.

Dieser reinen Liebe Kräfte
Bringen jedes and’re Band
Auch zu einem reinen Stand,
Töten fleischliche Geschäfte,
Zieh’n den liebedurst’gen Sinn
In das Leben Gottes hin.

Lass Vernunft und Heuchelwesen
Tadeln den Gehorsamsweg:
G’nug, dass ich dies Zeugnis heg‘:
Uns hat Christus auserlesen,
Dass kein Herz sich mehr verirrt,
Wenn sein Herr ihm alles wird!

Jesu Geist bleibt unser Führer,
Dessen Aug‘ auf’s Wesen schaut;
Wem er dieses Licht vertraut,
Der bleibt nicht sein Selbstregierer.
Was Sein Wort verleiht und spricht,
Hindert seine Liebe nicht.

O, wie frei kann ein Gemüte
Bei der Weisheit Führung sein!
Spricht die Kreatur auch drein,
Herrscht doch Gottes stille Güte!
Menschenurteil fällt schon hin,
Denn ist nicht Gottessinn!

Treuste Weisheit, meine Lieder
Sollen Dir stets klingen fort!
Denn nur Dein untrüglich Wort
Bringet das Verlorne wieder.
Nimm von deinem Eigentum
Weisheit, Stärke, Dank und Ruhm!

Gottfried Arnold – Sieg der ewigen Liebe.

Nun muss ich Ihn lieben, nun muss ich allein
Der göttlichen Liebe Verbundener sein.
Ihn lieben ist Freude und Seligkeit g’nug,
Drum folg‘ ich mit Wonne dem Heiligen Zug!

Was bringet die irdische Liebe, als Tod?
Was wirken die Lüste des Fleisches, als Not?
Wie bald ist ein Schimmer der Freude vorbei!
Da sieht man, wie flüchtig die Eitelkeit sei.

Der göttliche Funke kann nimmermehr ruh’n,
Als wenn er zum Urquell sich wieder kann tun;
Da findet er Freude, da gibt er sich ein,
Da wächset sein Leuchten vom lieblichsten Schein.

Und wenn er nun wächset, so mehrt sich die Kraft,
Die Gottes erquickende Liebe verschafft;
Dann stirbet das Fleisch, dann erstehet der Geist,
Den Christus sein Kind und sein Eigentum heißt!

Hier öffnet sich die paradiesische Lust,
Dabei den Erwählten nur Reinheit bewusst.
Da kämpfet und sieget vereinigte Stärk,
Und gürtet sich fröhlich zum göttlichen Werk.

Bewegst du, o Jesu, den innersten Grund,
So öffne des Glaubens erweiterten Grund;
Erfülle das Herz mit Liebe zu Dir,
Und bleibe in Schmerz und Freude bei mir!

Du hast ja die Fülle der Liebe für mich!
Drum such‘ ich bei Dir und bei Andern nicht;
Und kann ich unmöglich mehr ohne Dich sein,
Dann sink‘ ich in Deine Vollkommenheit ein!

Rinkart, Martin – O Jesu, meine Lieb!

1. O Jesu, meine Lieb!
Wie soll ich dir vergelten!
Du könntest billig mich
Verdammen, strafen, schelten,
So machest du mich los
Von Sünde, Höll und Tod!
Und warnest über das
Mich noch vor solcher Not.

2. O Jesu, meine Lieb!
Wie soll ich dir bezahlen,
Was von Schreckbildern du
Mir lässest nur vormalen!
Ach bild‘ und schreibe sie
Selbst meinem Herzen ein;
Und laß die Lieb an mir
Ja nicht verloren sein.

3. O Jesu, meine Lieb!
Wie soll ich dir verdanken
Der Liebe Wissenschaft,
Erlösung und Gedanken!
Laß alle Kreatur
Mir schreiben in mein Herz:
Daß Himmel, Höll und Tod
Kein Kinderspiel noch Scherz.

Blaul, Georg Friedrich – Ich habe dich je und je geliebt.

Mel. Herzlich thut mich verlangen.

Mich je und je geliebet
Mit großer Freundlichkeit
Hast du, den ich betrübet
Durch Sünden jederzeit.
Mit wundersamer Güte
Nahmst du dich meiner an,
Dein freundliches Gemüthe
Hat stets mir wohlgethan.

So oft ich auch gesündigt
An dir, mein Gott und Hort,
Ward dennoch mir verkündigt‘
Die Gnad‘ aus deinem Wort.
Du kamst mir stets entgegen
Mit treuer Vaterhand,
Und hast mit deinem Segen
Dich nie von mir gewandt.

Aus Noth und Kümmernissen,
Aus Trübsal, Angst und Pein
Hat Niemand mich gerissen,
Als du, mein Gott, allein.
Da, wo ich ängstlich klagte,
Warst du als Tröster nah,
Und wenn ich gar verzagte,
Standst du als Retter da.

So hast du überwunden
Den trotzig harten Sinn,
Und ich hab nun empfunden,
Wie arm und bloß ich bin.
Im Abgrund deiner Güte
Erkannt‘ ich meine Schuld,
Ich sah, wer mich behüte
Mit Langmuth und Geduld.

Du warst mein treuer Hüter,
Du, der mir Alles gab,
Von dem ich alle Güter
Und allen Segen hab‘,
Der seinen Eingebornen
Zum Heiland mir gesandt:
Du warst’s, der den Verlornen
Geführt an deiner Hand.

Wie soll ich würdig preisen
Dein Lieben, deine Treu‘?
Wie soll ich dir beweisen,
Dass ich dir dankbar sei?
Ich will mich dir ergeben,
Will ganz dein eigen sein,
Will dir mein ganzes Leben,
All meine Liebe weihn.

Hilf, Herr, lass wohl gelingen!
Du Geist des Raths, der Kraft,
Der Wollen und Vollbringen
In unsern Seelen schafft,
Kehr ein in meiner Seele
Steh‘ du mir mächtig bei,
Damit ich nimmer fehle,
Und ewig dankbar sei.

Claudius, Matthias – An Frau Rebecca bei der silbernen Hochzeit, den 15. März 1797.

Ich habe Dich geliebet, und ich will Dich lieben,
So lang‘ Du goldner Engel bist;
In diesem wüsten Lande hier und drüben,
Im Lande, wo es besser ist.

Ich will nicht von Dir sagen, will nicht von Dir singen;
Was soll uns Loblied und Gedicht?
Doch muss ich heut‘ der Wahrheit Zeugnis bringen,
Denn unerkenntlich bin ich nicht.

Ich danke Dir mein Wohl, mein Glück in diesem Leben.
Ich war wohl klug, dass ich Dich fand
Doch ich fand nicht. GOTT hat Dich mir gegeben;
So segnet keine and’re Hand.

Sein Tun ist je und je großmütig und verborgen;
und darum hoff‘ ich fromm und blind,
Er werde auch für uns’re Kinder sorgen,
Die unser Schatz und Reichtum sind.

Und werde sie regieren, werde für sie wachen,
Sie an sich halten Tag und Nacht,
Dass sie wert werden, und auch glücklich machen,
Wie ihre Mutter glücklich macht.

Uns hat gewogt die Freude, wie es wogt und flutet
Im Meer, so weit und breit und hoch! –
Doch, manchmal auch hat uns das Herz geblutet,
Geblutet . . . Ach, und blutet noch.

Es gibt in dieser Welt nicht lauter gute Tage,
Wir kommen hier zu leiden her;
Und jeder Mensch hat seine eigne Plage,
Und noch sein heimlich Grève-coeur((Herzschlag)).

Heut‘ aber schlag‘ ich aus dem Sinn mir alles Trübe,
Vergesse alle meinen Schmerz;
Und drücke fröhlich Dich, mit voller Liebe,
Vor Gottes Antlitz an mein Herz.

Arndt, Ernst Moritz – Immer Liebe.

Und klingst du immer Liebe wieder?
Und immer nur denselben Ton?
Und weißt du keine andern Lieder
Als Gottes Sohn, von Gottes Sohn?
Muß er dein Licht, dein Glanz, dein Schein,
Muß er dein Alles, Alles seyn?

Ja er allein: in diesem Namen,
In diesem allerschönsten Ton,
Klingt aller Himmel Himmel Amen,
Das Heilig! Heilig! klingt vom Sohn,
Und Cherubim und Seraphim
Anbetend knien sie hin vor ihm.

Ja er allein: So weit die Winde
Das grüne Erdenrund umwehn,
Muß nun im Klang vom hohen Kinde,
Das Mensch ward, aller Jubel gehn,
Es klinget kein so süßer Ton
Als von dem Sohn und aus dem Sohn.

Nein, nimmer lernt es andre Lieder
Das arme sündenkranke Herz,
Nein, nimmer klingt es Andres wieder
Als jener Sehnsucht süßen Schmerz
Vom Menschensohn, vom Gottessohn,
Dies bleibt das Lied, der Klang, der Ton.

Du bleibst das Lied, du liebste Liebe,
Du bleibst die Sehnsucht, schönstes Bild,
Du Licht der Lichter, Trieb der Triebe,
Aus dem der Himmel Wonne quillt:
Mein Herz klingt deine Herrlichkeit
Von nun an bis in Ewigkeit.

Arndt, Ernst Moritz – Der Liebe Unaussprechlichkeit

O könnt‘ ich doch von Liebe sprechen,
Wie Liebe unergründlich ist,
Wie sie in Adern, Quellen, Bächen
Und Strömen jede Brust durchfließt!
Dann würde dieses Herz ein Schall,
Der klänge durch das weite All.

O könnt‘ ich doch von Liebe klingen,
Wie Liebe süß von Tönen klingt,
Wie sie, das ew’ge Wort, den Dingen
Geheimnißvoll das Leben bringt!
Dann würde dieses Herz ein Klang
Vom Aufgang bis zum Niedergang.

O könnt‘ ich doch von Liebe girren,
Wie Liebe zärtlich lockt und girrt,
In Lerchenliedern aufwärts schwirren,
Wie’s nur in mir lebendig wird!
Dann würd‘ ich bald im süßen Schall
Die hellste Liebesnachtigall.

O süße Liebe, fromme Liebe,
Die auf die Welt hernieder kam,
Aus unermeßlich reichem Triebe
Für uns den Tod am Kreuze nahm,
O süße Liebe, sel’ge Brunst!
In dir zerrinnet jede Kunst.

O süße Liebe, fromme Liebe!
O ungestillter Sehnsucht Schmerz!
Die gern uns all‘ auf einmal hübe
Empor an deines Vaters Herz,
Ich fühle deines Athems Wehn,
Und Wort und Stimme muß vergehn.