Gottfried Arnold – Die allein selig führende Liebe.

O mein Herz, zeuch dein Begehren
Tief in die Verborgenheit,
Außer Ort, Person und Zeit
Alle Liebe zu verzehren
In dem Quell, der ewig bleibt,
Dem du ganz bist einverleibt!

Sprich: wo hast du Ruh‘ gefunden?
Was hat, außer Gottes Bild
Deinen Hunger ganz gestillt?
Hat dich Etwas überwunden,
Was nicht Jesus selber ist,
Der Geist, Seel‘ und Leib durchsüßt?

Niemand kann sein Lieben stehlen;
Es bat allzutiefen Grund,
Wird durch keine Schlange wund.
Bei’m Versöhnen unsrer Seelen
Kann die Seele sicher sein,
Wenn sie in Ihn dringet ein.

Dieser reinen Liebe Kräfte
Bringen jedes and’re Band
Auch zu einem reinen Stand,
Töten fleischliche Geschäfte,
Zieh’n den liebedurst’gen Sinn
In das Leben Gottes hin.

Lass Vernunft und Heuchelwesen
Tadeln den Gehorsamsweg:
G’nug, dass ich dies Zeugnis heg‘:
Uns hat Christus auserlesen,
Dass kein Herz sich mehr verirrt,
Wenn sein Herr ihm alles wird!

Jesu Geist bleibt unser Führer,
Dessen Aug‘ auf’s Wesen schaut;
Wem er dieses Licht vertraut,
Der bleibt nicht sein Selbstregierer.
Was Sein Wort verleiht und spricht,
Hindert seine Liebe nicht.

O, wie frei kann ein Gemüte
Bei der Weisheit Führung sein!
Spricht die Kreatur auch drein,
Herrscht doch Gottes stille Güte!
Menschenurteil fällt schon hin,
Denn ist nicht Gottessinn!

Treuste Weisheit, meine Lieder
Sollen Dir stets klingen fort!
Denn nur Dein untrüglich Wort
Bringet das Verlorne wieder.
Nimm von deinem Eigentum
Weisheit, Stärke, Dank und Ruhm!

Gottfried Arnold – Sieg der ewigen Liebe.

Nun muss ich Ihn lieben, nun muss ich allein
Der göttlichen Liebe Verbundener sein.
Ihn lieben ist Freude und Seligkeit g’nug,
Drum folg‘ ich mit Wonne dem Heiligen Zug!

Was bringet die irdische Liebe, als Tod?
Was wirken die Lüste des Fleisches, als Not?
Wie bald ist ein Schimmer der Freude vorbei!
Da sieht man, wie flüchtig die Eitelkeit sei.

Der göttliche Funke kann nimmermehr ruh’n,
Als wenn er zum Urquell sich wieder kann tun;
Da findet er Freude, da gibt er sich ein,
Da wächset sein Leuchten vom lieblichsten Schein.

Und wenn er nun wächset, so mehrt sich die Kraft,
Die Gottes erquickende Liebe verschafft;
Dann stirbet das Fleisch, dann erstehet der Geist,
Den Christus sein Kind und sein Eigentum heißt!

Hier öffnet sich die paradiesische Lust,
Dabei den Erwählten nur Reinheit bewusst.
Da kämpfet und sieget vereinigte Stärk,
Und gürtet sich fröhlich zum göttlichen Werk.

Bewegst du, o Jesu, den innersten Grund,
So öffne des Glaubens erweiterten Grund;
Erfülle das Herz mit Liebe zu Dir,
Und bleibe in Schmerz und Freude bei mir!

Du hast ja die Fülle der Liebe für mich!
Drum such‘ ich bei Dir und bei Andern nicht;
Und kann ich unmöglich mehr ohne Dich sein,
Dann sink‘ ich in Deine Vollkommenheit ein!

Rinkart, Martin – O Jesu, meine Lieb!

1. O Jesu, meine Lieb!
Wie soll ich dir vergelten!
Du könntest billig mich
Verdammen, strafen, schelten,
So machest du mich los
Von Sünde, Höll und Tod!
Und warnest über das
Mich noch vor solcher Not.

2. O Jesu, meine Lieb!
Wie soll ich dir bezahlen,
Was von Schreckbildern du
Mir lässest nur vormalen!
Ach bild‘ und schreibe sie
Selbst meinem Herzen ein;
Und laß die Lieb an mir
Ja nicht verloren sein.

3. O Jesu, meine Lieb!
Wie soll ich dir verdanken
Der Liebe Wissenschaft,
Erlösung und Gedanken!
Laß alle Kreatur
Mir schreiben in mein Herz:
Daß Himmel, Höll und Tod
Kein Kinderspiel noch Scherz.

Blaul, Georg Friedrich – Ich habe dich je und je geliebt.

Mel. Herzlich thut mich verlangen.

Mich je und je geliebet
Mit großer Freundlichkeit
Hast du, den ich betrübet
Durch Sünden jederzeit.
Mit wundersamer Güte
Nahmst du dich meiner an,
Dein freundliches Gemüthe
Hat stets mir wohlgethan.

So oft ich auch gesündigt
An dir, mein Gott und Hort,
Ward dennoch mir verkündigt‘
Die Gnad‘ aus deinem Wort.
Du kamst mir stets entgegen
Mit treuer Vaterhand,
Und hast mit deinem Segen
Dich nie von mir gewandt.

Aus Noth und Kümmernissen,
Aus Trübsal, Angst und Pein
Hat Niemand mich gerissen,
Als du, mein Gott, allein.
Da, wo ich ängstlich klagte,
Warst du als Tröster nah,
Und wenn ich gar verzagte,
Standst du als Retter da.

So hast du überwunden
Den trotzig harten Sinn,
Und ich hab nun empfunden,
Wie arm und bloß ich bin.
Im Abgrund deiner Güte
Erkannt‘ ich meine Schuld,
Ich sah, wer mich behüte
Mit Langmuth und Geduld.

Du warst mein treuer Hüter,
Du, der mir Alles gab,
Von dem ich alle Güter
Und allen Segen hab‘,
Der seinen Eingebornen
Zum Heiland mir gesandt:
Du warst’s, der den Verlornen
Geführt an deiner Hand.

Wie soll ich würdig preisen
Dein Lieben, deine Treu‘?
Wie soll ich dir beweisen,
Dass ich dir dankbar sei?
Ich will mich dir ergeben,
Will ganz dein eigen sein,
Will dir mein ganzes Leben,
All meine Liebe weihn.

Hilf, Herr, lass wohl gelingen!
Du Geist des Raths, der Kraft,
Der Wollen und Vollbringen
In unsern Seelen schafft,
Kehr ein in meiner Seele
Steh‘ du mir mächtig bei,
Damit ich nimmer fehle,
Und ewig dankbar sei.

Claudius, Matthias – An Frau Rebecca bei der silbernen Hochzeit, den 15. März 1797.

Ich habe Dich geliebet, und ich will Dich lieben,
So lang‘ Du goldner Engel bist;
In diesem wüsten Lande hier und drüben,
Im Lande, wo es besser ist.

Ich will nicht von Dir sagen, will nicht von Dir singen;
Was soll uns Loblied und Gedicht?
Doch muss ich heut‘ der Wahrheit Zeugnis bringen,
Denn unerkenntlich bin ich nicht.

Ich danke Dir mein Wohl, mein Glück in diesem Leben.
Ich war wohl klug, dass ich Dich fand
Doch ich fand nicht. GOTT hat Dich mir gegeben;
So segnet keine and’re Hand.

Sein Tun ist je und je großmütig und verborgen;
und darum hoff‘ ich fromm und blind,
Er werde auch für uns’re Kinder sorgen,
Die unser Schatz und Reichtum sind.

Und werde sie regieren, werde für sie wachen,
Sie an sich halten Tag und Nacht,
Dass sie wert werden, und auch glücklich machen,
Wie ihre Mutter glücklich macht.

Uns hat gewogt die Freude, wie es wogt und flutet
Im Meer, so weit und breit und hoch! –
Doch, manchmal auch hat uns das Herz geblutet,
Geblutet . . . Ach, und blutet noch.

Es gibt in dieser Welt nicht lauter gute Tage,
Wir kommen hier zu leiden her;
Und jeder Mensch hat seine eigne Plage,
Und noch sein heimlich Grève-coeur((Herzschlag)).

Heut‘ aber schlag‘ ich aus dem Sinn mir alles Trübe,
Vergesse alle meinen Schmerz;
Und drücke fröhlich Dich, mit voller Liebe,
Vor Gottes Antlitz an mein Herz.

Arndt, Ernst Moritz – Immer Liebe.

Und klingst du immer Liebe wieder?
Und immer nur denselben Ton?
Und weißt du keine andern Lieder
Als Gottes Sohn, von Gottes Sohn?
Muß er dein Licht, dein Glanz, dein Schein,
Muß er dein Alles, Alles seyn?

Ja er allein: in diesem Namen,
In diesem allerschönsten Ton,
Klingt aller Himmel Himmel Amen,
Das Heilig! Heilig! klingt vom Sohn,
Und Cherubim und Seraphim
Anbetend knien sie hin vor ihm.

Ja er allein: So weit die Winde
Das grüne Erdenrund umwehn,
Muß nun im Klang vom hohen Kinde,
Das Mensch ward, aller Jubel gehn,
Es klinget kein so süßer Ton
Als von dem Sohn und aus dem Sohn.

Nein, nimmer lernt es andre Lieder
Das arme sündenkranke Herz,
Nein, nimmer klingt es Andres wieder
Als jener Sehnsucht süßen Schmerz
Vom Menschensohn, vom Gottessohn,
Dies bleibt das Lied, der Klang, der Ton.

Du bleibst das Lied, du liebste Liebe,
Du bleibst die Sehnsucht, schönstes Bild,
Du Licht der Lichter, Trieb der Triebe,
Aus dem der Himmel Wonne quillt:
Mein Herz klingt deine Herrlichkeit
Von nun an bis in Ewigkeit.

Arndt, Ernst Moritz – Der Liebe Unaussprechlichkeit

O könnt‘ ich doch von Liebe sprechen,
Wie Liebe unergründlich ist,
Wie sie in Adern, Quellen, Bächen
Und Strömen jede Brust durchfließt!
Dann würde dieses Herz ein Schall,
Der klänge durch das weite All.

O könnt‘ ich doch von Liebe klingen,
Wie Liebe süß von Tönen klingt,
Wie sie, das ew’ge Wort, den Dingen
Geheimnißvoll das Leben bringt!
Dann würde dieses Herz ein Klang
Vom Aufgang bis zum Niedergang.

O könnt‘ ich doch von Liebe girren,
Wie Liebe zärtlich lockt und girrt,
In Lerchenliedern aufwärts schwirren,
Wie’s nur in mir lebendig wird!
Dann würd‘ ich bald im süßen Schall
Die hellste Liebesnachtigall.

O süße Liebe, fromme Liebe,
Die auf die Welt hernieder kam,
Aus unermeßlich reichem Triebe
Für uns den Tod am Kreuze nahm,
O süße Liebe, sel’ge Brunst!
In dir zerrinnet jede Kunst.

O süße Liebe, fromme Liebe!
O ungestillter Sehnsucht Schmerz!
Die gern uns all‘ auf einmal hübe
Empor an deines Vaters Herz,
Ich fühle deines Athems Wehn,
Und Wort und Stimme muß vergehn.

 

unbekannt – Meine Zukunft ist die Liebe

Meine Zukunft ist die Liebe,
Die für mich in’s Elend kam,
Und aus ewig-treuem Triebe
Schuld und Strafen übernahm,
Die den Tod für mich geschmecket,
Die der Höll‘ ein Schrecken ward,
Die sich nach mir ausgestrecket,
Die verschonend mein geharrt.

2. Meine Zuflucht ist die Liebe,
Die mich endlich zu sich zog,
Und durch ihre Allmachtstriebe
Meinen Jammer überwog;
Die mich gnädig überwunden,
Mich der falschen Lust entrückt,
Mich an’s sanfte Joch gebunden,
Und mich an ihr Herz gedrückt.

3. Meine Zuflucht ist die Liebe,
Die mich hebet, die mich trägt,
Die die allerzartsten Triebe,
Um mich zu vollenden, hegt,
Die mich Tag und Nacht bewachet,
Die ohn‘ End‘ an meiner Statt
Sorget, wirket, Alles machet,
Und mein Heil vor Augen hat!

4. Meine Zuflucht ist die Liebe,
Die der Trübsal Schmerzen stillt,
Die vom Reichthum ihrer Triebe
Mich mit süßem Trost erfüllt,
Die das Leiden dieser Zeiten
Auf’s Vollkommenste besiegt,
Und durch reine Seligkeiten
Unvergleichlich überwiegt.

5. Meine Zuflucht ist die Liebe,
Die in Noth und Tod besteht,
Die mit unumschränktem Triebe
Auf die Ewigkeiten geht,
Die mich bis zum Throne bringet,
Die mein freigemachter Mund
Dann mit ew’gem Dank besinget.
Jesu, denk an deinen Bund!

Johannes Baptista von Albertini – Unzähmbare Mutterliebe

Unzähmbare Mutterliebe,
Die im Auge naß und trübe,
Wie im hellen heitern Blicke,
Rastlos trägt der Kindlein Glücke!
Feuerflammen, Mordgefahren,
Wasserflutben, Reih’n von Jahren,
Tausend Meilen, tausend Kämpfen
Beutst Du Trotz, wer mag Dich dämpfen?

2. Sel’ge Ewigkeit, verkünd‘ es:
„Kann die Mutter ihres Kindes
Je vergessen? kann Erbarmen
Weichen aus der Mutter Armen?“
„Ob es könnte“ spricht die Liebe
„Nimmer weichen meine Triebe!
Nie kann meine Kraft veralten,
Niemals meine Brust erkalten!“

Friedrich Adolf Lampe – O Liebesgluth, wie soll ich dich

O Liebesgluth, wie soll ich dich
Nach Würdigkeit besingen?
Dein ew’ger Abgrund muß ja mich,
Du tiefe See, verschlingen!
Es flammet Gottes Herrlichkeit,
Es brennt die ganze Ewigkeit;
Bleibt noch mein Herz erkaltet?

2. Der in sich selbst vergnügte Gott,
Das allerreinste Wesen,
Hat sich die schnöde Sünder-Rott
Zu lieben auserlesen.
Schweig still, Vernunft, gib Gott die Ehr‘!
Gott wollt‘ unendlich lieben mehr,
Als du begreifen solltest.

3. O Liebe, die Gott seinen Sohn
Aus seinem Schoß genommen!
Er ist von dem gestirnten Thron
Zu uns herab gekommen.
Sein Mangel, Knechtschaft, Kreuz und Grab
Sie malen uns vor Augen ab,
Wie stark Gott lieben könne!

4. Was war die Welt, die Schlangenbrut,
Die sich nicht mehr ließ zähmen,
Daß sie Dir, o Du Höchstes Gut,
Dein Kleinod sollte nehmen?
Was war ich mehr als Belial
Und dessen Engel allzumal,
Die Du zum Abgrund stießest?

5. Hör‘ auf zu grübeln, glaub‘ allein,
Kannst du dies Meer nicht gründen,
So wirf dich blindlings da hinein,
Mit allen deinen Sünden!
Laß Dem dein Herze sein gewährt,
Der dir sein ganzes Herz beschert,
Gib Herz für Herz zum Opfer.

6. O, liebster Vater, nimm mich bin,
Gib Kraft mir, Dich zu lieben!
Herz und Begierden, Muth und Sinn,
Sie seien Dir verschrieben.
Vertilg‘ in mir all‘ arge Lust,
Laß ewig nichts in meiner Brust,
Als deine Liebe glühen!