Rinkart, Martin – O Jesu, meine Lieb!

1. O Jesu, meine Lieb!
Wie soll ich dir vergelten!
Du könntest billig mich
Verdammen, strafen, schelten,
So machest du mich los
Von Sünde, Höll und Tod!
Und warnest über das
Mich noch vor solcher Not.

2. O Jesu, meine Lieb!
Wie soll ich dir bezahlen,
Was von Schreckbildern du
Mir lässest nur vormalen!
Ach bild‘ und schreibe sie
Selbst meinem Herzen ein;
Und laß die Lieb an mir
Ja nicht verloren sein.

3. O Jesu, meine Lieb!
Wie soll ich dir verdanken
Der Liebe Wissenschaft,
Erlösung und Gedanken!
Laß alle Kreatur
Mir schreiben in mein Herz:
Daß Himmel, Höll und Tod
Kein Kinderspiel noch Scherz.

Blaul, Georg Friedrich – Ich habe dich je und je geliebt.

Mel. Herzlich thut mich verlangen.

Mich je und je geliebet
Mit großer Freundlichkeit
Hast du, den ich betrübet
Durch Sünden jederzeit.
Mit wundersamer Güte
Nahmst du dich meiner an,
Dein freundliches Gemüthe
Hat stets mir wohlgethan.

So oft ich auch gesündigt
An dir, mein Gott und Hort,
Ward dennoch mir verkündigt‘
Die Gnad‘ aus deinem Wort.
Du kamst mir stets entgegen
Mit treuer Vaterhand,
Und hast mit deinem Segen
Dich nie von mir gewandt.

Aus Noth und Kümmernissen,
Aus Trübsal, Angst und Pein
Hat Niemand mich gerissen,
Als du, mein Gott, allein.
Da, wo ich ängstlich klagte,
Warst du als Tröster nah,
Und wenn ich gar verzagte,
Standst du als Retter da.

So hast du überwunden
Den trotzig harten Sinn,
Und ich hab nun empfunden,
Wie arm und bloß ich bin.
Im Abgrund deiner Güte
Erkannt‘ ich meine Schuld,
Ich sah, wer mich behüte
Mit Langmuth und Geduld.

Du warst mein treuer Hüter,
Du, der mir Alles gab,
Von dem ich alle Güter
Und allen Segen hab‘,
Der seinen Eingebornen
Zum Heiland mir gesandt:
Du warst’s, der den Verlornen
Geführt an deiner Hand.

Wie soll ich würdig preisen
Dein Lieben, deine Treu‘?
Wie soll ich dir beweisen,
Dass ich dir dankbar sei?
Ich will mich dir ergeben,
Will ganz dein eigen sein,
Will dir mein ganzes Leben,
All meine Liebe weihn.

Hilf, Herr, lass wohl gelingen!
Du Geist des Raths, der Kraft,
Der Wollen und Vollbringen
In unsern Seelen schafft,
Kehr ein in meiner Seele
Steh‘ du mir mächtig bei,
Damit ich nimmer fehle,
Und ewig dankbar sei.

Claudius, Matthias – An Frau Rebecca bei der silbernen Hochzeit, den 15. März 1797.

Ich habe Dich geliebet, und ich will Dich lieben,
So lang‘ Du goldner Engel bist;
In diesem wüsten Lande hier und drüben,
Im Lande, wo es besser ist.

Ich will nicht von Dir sagen, will nicht von Dir singen;
Was soll uns Loblied und Gedicht?
Doch muss ich heut‘ der Wahrheit Zeugnis bringen,
Denn unerkenntlich bin ich nicht.

Ich danke Dir mein Wohl, mein Glück in diesem Leben.
Ich war wohl klug, dass ich Dich fand
Doch ich fand nicht. GOTT hat Dich mir gegeben;
So segnet keine and’re Hand.

Sein Tun ist je und je großmütig und verborgen;
und darum hoff‘ ich fromm und blind,
Er werde auch für uns’re Kinder sorgen,
Die unser Schatz und Reichtum sind.

Und werde sie regieren, werde für sie wachen,
Sie an sich halten Tag und Nacht,
Dass sie wert werden, und auch glücklich machen,
Wie ihre Mutter glücklich macht.

Uns hat gewogt die Freude, wie es wogt und flutet
Im Meer, so weit und breit und hoch! –
Doch, manchmal auch hat uns das Herz geblutet,
Geblutet . . . Ach, und blutet noch.

Es gibt in dieser Welt nicht lauter gute Tage,
Wir kommen hier zu leiden her;
Und jeder Mensch hat seine eigne Plage,
Und noch sein heimlich Grève-coeur((Herzschlag)).

Heut‘ aber schlag‘ ich aus dem Sinn mir alles Trübe,
Vergesse alle meinen Schmerz;
Und drücke fröhlich Dich, mit voller Liebe,
Vor Gottes Antlitz an mein Herz.

Arndt, Ernst Moritz – Immer Liebe.

Und klingst du immer Liebe wieder?
Und immer nur denselben Ton?
Und weißt du keine andern Lieder
Als Gottes Sohn, von Gottes Sohn?
Muß er dein Licht, dein Glanz, dein Schein,
Muß er dein Alles, Alles seyn?

Ja er allein: in diesem Namen,
In diesem allerschönsten Ton,
Klingt aller Himmel Himmel Amen,
Das Heilig! Heilig! klingt vom Sohn,
Und Cherubim und Seraphim
Anbetend knien sie hin vor ihm.

Ja er allein: So weit die Winde
Das grüne Erdenrund umwehn,
Muß nun im Klang vom hohen Kinde,
Das Mensch ward, aller Jubel gehn,
Es klinget kein so süßer Ton
Als von dem Sohn und aus dem Sohn.

Nein, nimmer lernt es andre Lieder
Das arme sündenkranke Herz,
Nein, nimmer klingt es Andres wieder
Als jener Sehnsucht süßen Schmerz
Vom Menschensohn, vom Gottessohn,
Dies bleibt das Lied, der Klang, der Ton.

Du bleibst das Lied, du liebste Liebe,
Du bleibst die Sehnsucht, schönstes Bild,
Du Licht der Lichter, Trieb der Triebe,
Aus dem der Himmel Wonne quillt:
Mein Herz klingt deine Herrlichkeit
Von nun an bis in Ewigkeit.

Arndt, Ernst Moritz – Der Liebe Unaussprechlichkeit

O könnt‘ ich doch von Liebe sprechen,
Wie Liebe unergründlich ist,
Wie sie in Adern, Quellen, Bächen
Und Strömen jede Brust durchfließt!
Dann würde dieses Herz ein Schall,
Der klänge durch das weite All.

O könnt‘ ich doch von Liebe klingen,
Wie Liebe süß von Tönen klingt,
Wie sie, das ew’ge Wort, den Dingen
Geheimnißvoll das Leben bringt!
Dann würde dieses Herz ein Klang
Vom Aufgang bis zum Niedergang.

O könnt‘ ich doch von Liebe girren,
Wie Liebe zärtlich lockt und girrt,
In Lerchenliedern aufwärts schwirren,
Wie’s nur in mir lebendig wird!
Dann würd‘ ich bald im süßen Schall
Die hellste Liebesnachtigall.

O süße Liebe, fromme Liebe,
Die auf die Welt hernieder kam,
Aus unermeßlich reichem Triebe
Für uns den Tod am Kreuze nahm,
O süße Liebe, sel’ge Brunst!
In dir zerrinnet jede Kunst.

O süße Liebe, fromme Liebe!
O ungestillter Sehnsucht Schmerz!
Die gern uns all‘ auf einmal hübe
Empor an deines Vaters Herz,
Ich fühle deines Athems Wehn,
Und Wort und Stimme muß vergehn.

 

unbekannt – Meine Zukunft ist die Liebe

Meine Zukunft ist die Liebe,
Die für mich in’s Elend kam,
Und aus ewig-treuem Triebe
Schuld und Strafen übernahm,
Die den Tod für mich geschmecket,
Die der Höll‘ ein Schrecken ward,
Die sich nach mir ausgestrecket,
Die verschonend mein geharrt.

2. Meine Zuflucht ist die Liebe,
Die mich endlich zu sich zog,
Und durch ihre Allmachtstriebe
Meinen Jammer überwog;
Die mich gnädig überwunden,
Mich der falschen Lust entrückt,
Mich an’s sanfte Joch gebunden,
Und mich an ihr Herz gedrückt.

3. Meine Zuflucht ist die Liebe,
Die mich hebet, die mich trägt,
Die die allerzartsten Triebe,
Um mich zu vollenden, hegt,
Die mich Tag und Nacht bewachet,
Die ohn‘ End‘ an meiner Statt
Sorget, wirket, Alles machet,
Und mein Heil vor Augen hat!

4. Meine Zuflucht ist die Liebe,
Die der Trübsal Schmerzen stillt,
Die vom Reichthum ihrer Triebe
Mich mit süßem Trost erfüllt,
Die das Leiden dieser Zeiten
Auf’s Vollkommenste besiegt,
Und durch reine Seligkeiten
Unvergleichlich überwiegt.

5. Meine Zuflucht ist die Liebe,
Die in Noth und Tod besteht,
Die mit unumschränktem Triebe
Auf die Ewigkeiten geht,
Die mich bis zum Throne bringet,
Die mein freigemachter Mund
Dann mit ew’gem Dank besinget.
Jesu, denk an deinen Bund!

Johannes Baptista von Albertini – Unzähmbare Mutterliebe

Unzähmbare Mutterliebe,
Die im Auge naß und trübe,
Wie im hellen heitern Blicke,
Rastlos trägt der Kindlein Glücke!
Feuerflammen, Mordgefahren,
Wasserflutben, Reih’n von Jahren,
Tausend Meilen, tausend Kämpfen
Beutst Du Trotz, wer mag Dich dämpfen?

2. Sel’ge Ewigkeit, verkünd‘ es:
„Kann die Mutter ihres Kindes
Je vergessen? kann Erbarmen
Weichen aus der Mutter Armen?“
„Ob es könnte“ spricht die Liebe
„Nimmer weichen meine Triebe!
Nie kann meine Kraft veralten,
Niemals meine Brust erkalten!“

Friedrich Adolf Lampe – O Liebesgluth, wie soll ich dich

O Liebesgluth, wie soll ich dich
Nach Würdigkeit besingen?
Dein ew’ger Abgrund muß ja mich,
Du tiefe See, verschlingen!
Es flammet Gottes Herrlichkeit,
Es brennt die ganze Ewigkeit;
Bleibt noch mein Herz erkaltet?

2. Der in sich selbst vergnügte Gott,
Das allerreinste Wesen,
Hat sich die schnöde Sünder-Rott
Zu lieben auserlesen.
Schweig still, Vernunft, gib Gott die Ehr‘!
Gott wollt‘ unendlich lieben mehr,
Als du begreifen solltest.

3. O Liebe, die Gott seinen Sohn
Aus seinem Schoß genommen!
Er ist von dem gestirnten Thron
Zu uns herab gekommen.
Sein Mangel, Knechtschaft, Kreuz und Grab
Sie malen uns vor Augen ab,
Wie stark Gott lieben könne!

4. Was war die Welt, die Schlangenbrut,
Die sich nicht mehr ließ zähmen,
Daß sie Dir, o Du Höchstes Gut,
Dein Kleinod sollte nehmen?
Was war ich mehr als Belial
Und dessen Engel allzumal,
Die Du zum Abgrund stießest?

5. Hör‘ auf zu grübeln, glaub‘ allein,
Kannst du dies Meer nicht gründen,
So wirf dich blindlings da hinein,
Mit allen deinen Sünden!
Laß Dem dein Herze sein gewährt,
Der dir sein ganzes Herz beschert,
Gib Herz für Herz zum Opfer.

6. O, liebster Vater, nimm mich bin,
Gib Kraft mir, Dich zu lieben!
Herz und Begierden, Muth und Sinn,
Sie seien Dir verschrieben.
Vertilg‘ in mir all‘ arge Lust,
Laß ewig nichts in meiner Brust,
Als deine Liebe glühen!

Behm, Martin – Dein Lieb, Herr Christ, muß brünstig sein

1. Dein Lieb, Herr Christ, muß brünstig sein,
Daß du für uns trugst solche Pein
Und uns erwarbst das himmlisch Gut,
Welchs uns ewig erfreuen thut.

2. Solchs Gut schenkst du aus bloßer Gnad
Dem, der nach dir Verlangen hat;
Giebst dem durch Wort und Sacrament,
Der sich im Glauben zu dir wendt.

3. Dafür die Christenheit dich preist,
Dir nach Vermögen Dank beweist,
Welchs ich auch jetzt mit Freuden thu,
Weil ich durch dich hab ewig Ruh.

4. Ich bitt, dein guten Geist mir gieb,
Daß ich bedenk dein herzlich Lieb,
Mich halt zum Wort und Sacrament,
Da dein groß Gut wird ausgespendt.

5. Zünd auch den Glauben in mir an,
Daß ich solch Gut ergreifen kann
Und glaub, daß du mich hast erlöst,
Und deiner Gnad mich herzlich tröst.

6. Hilf, daß ich auf mein Werk nicht bau,
Auf dein Verdienst allein vertrau,
Denn unsre Werk sind viel zu schlecht,
Daß ein Mensch würd dadurch gerecht.

7. Laß mich die Mittel nicht verschlagn,
Die mir erworbnes Gut antragn;
Denn wer die Mittel leicht veracht,
Der ist nicht auf sein Seel bedacht.

8. Gieb mir ein starke Zuversicht,
An deiner Gnad zu zweifeln nicht,
Daß ich beständig an dir hang
Und dort das himmlisch Gut erlang.

Amen.

Lange, Ernst – Gott ist die wahre Liebe

Gott ist die wahre Liebe,
Die ihn ohn‘ Maß und Ende treibt;
Ihr Blick wird dem nicht trübe,
Der sie umfaßt und in ihr bleibt.
Sie ist dazu erschienen
Und Menschen kund gemacht,
Daß sie sich deß bedienen,
Was sie hervorgebracht.
Sie leuchtet aus dem Sohne,
Den er zu uns gesandt,
Der ist ihr Glanz und Krone
Und ihr Versichrungspfand.

Er ist ein Mensch geboren,
Der Gottes Herz und einig Kind;
Sonst gingen die verloren,
Die mit ihm eines Fleisches sind.
Sie sollen durch ihn leben
Und Gott versöhnet sein;
Doch sich ihm wieder geben,
Denn er will nicht allein
Vom Untergang‘ sie retten,
Er schenkt auch seinen Geist,
Damit sie Alles hätten,
Was dieser Bund verheißt.

Bedenket dies, ihr Lieben,
Wo trefft ihr etwas Größ’res an?
Er hat sich euch verschrieben
Und bleibet ewig fest daran.
Was fordert er dagegen?
Auch eure Lieb‘ und Treu,
Woran euch selbst gelegen,
Er wohnt euch darin bei;
Ihr könnet reicher werden,
Sofern ihr darnach strebt,
Als welcher hier auf Erden
Viel tausend Schätze gräbt.

Der liebt nach seinem Willen,
Der gegen Gott in Liebe brennt;
Er kann die Glut nicht stillen,
Bis sie sich auch zum Nächsten wend’t;
Dem wird er so geneiget,
Wie er sich selber ist,
Daß er ihm Dienst erzeiget
Und keine Pflicht vergißt.
Es ist ein kindlich Zeichen,
Wenn man die Brüder liebt,
Der Vater thut desgleichen,
Der alles Gute giebt.

Drum laßt uns auf ihn sehen,
Und folget ihm mit Eifer nach;
Ihr wisset, was geschehen:
Wir hatten Unglück, Sünd‘ und Schmach,
Nach Freiheit kein Verlangen;
Noch hat er uns befreit,
Er ist uns nachgegangen,
Hat aus Barmherzigkeit
Sich unser angenommen;
Wir waren in der Flucht,
Er ist uns vorgekommen,
Hat unser Heil gesucht.

Ach, lasset uns ihn lieben,
Denn er hat uns zuerst geliebt,
Ist immer treu geblieben,
Wie viel wir wider ihn verübt.
Nun hat er uns gefunden,
Wir ihn im Sohn‘ erkannt,
Er sich mit uns verbunden,
Und wir sind ihm verwandt.
Wollt ihr ihn alle kennen,
So thut, was ihm gefällt;
Ach, laßt die Herzen brennen
In Lieb‘ vor aller Welt!