Balthasar Münter – Jesus kommt, von allem Bösen

Jesus kommt, von allem Bösen
uns, seine Christen, zu erlösen,
er kommt mit Macht und Herrlichkeit.
Dann an seinem großen Tage
verwandelt sich der Frommen Klage
in ewige Zufriedenheit.
Sei fröhlich, Volk des Herrn!
Er kommt, er ist nicht fern,
dein Erretter.
Dein Los ist kaum
ein Morgentraum;
auf ihn folgt ewig, ewig Heil!

2. Augenblicke dieser Leiden,
was seid ihr gegen jene Freuden
der unbegrenzten Ewigkeit?
Seht die Kron‘ am Ziele prangen
und kämpft und ringt, sie zu erlangen,
die ihr so hoch begnadigt seid!
Euch hält in eurem Lauf
kein Schmerz des Lebens auf,
Überwinder!
Das Ziel ist nah!
Bald seid ihr da,
und eure Leiden sind nicht mehr.

3. Der sich euch zum Volk erwählte,
der eure Tränen alle zählte,
stritt auch mit ungebeugtem Mut.
Wie hat Jesus nicht gerungen!
wie tief war er von Angst durchdrungen!
wie seufzt er laut und schwitzte Blut!
Doch sah’n die Feinde nicht
auf seinem Angesicht
bange Schrecken.
Gestärkt von Gott,
litt er den Tod;
da jauchzten alle Himmel ihm.

4. Mitgenossen seiner Leiden
sind wir; einst ernten wir auch Freuden
mit ihm, dem Überwinder, ein.
kämpfen, lasst uns ringen,
mit unserm Haupt hindurch zu dringen
und seines Himmels wert zu sein!
Der Hilf‘ uns schafft, ist er!
Sein großer Nam‘ ist:
Herr, unsre Stärke!
Die ihm vertraun,
die werden schaun,
welch eine feste Burg er ist.

5. Ja, du kommst, von allem Bösen
uns, deine Christen, zu erlösen;
des sind wir froh und danken dir.
Herr, in allen trüben Tagen
soll unser Herz doch nicht verzagen,
auf deine Zukunft hoffen wir.
Wir wissen, wer du bist,
wer dein Erlöster ist,
und sind stille.
Wenn Gott uns hält,
vergeh‘, o Welt, stürz‘ ein auf uns!
wir zagen nicht!

Balthasar Münter g. 1735 + 1793.

Ernst Gottlieb Woltersdorf. – Sünder, freue dich von Herzen

Sünder, freue dich von Herzen
Über deines Jesu Schmerzen;
Lass bei seinem Blutvergießen
Stille Freudentränen fließen.
Er hat sich für dich gegeben!
Such in seinem Tod das Leben;
Nur von seinem Kreuze quillet,
Was dein Herz auf ewig stillet.

2. Ach wie groß ist dein Verderben!
Ohne Jesum musst du sterben:
Blind und tot sind deine Kräfte,
Sünde tun ist dein Geschäfte.
Dein Verdienst ist Zorn und Rache;
Es ist aus mit deiner Sache!
Ja, im Himmel und auf Erden
Kann dir nicht geholfen werden.

3. Nichts kann all dein Opfer gelten
Vor dem Richter aller Welten.
Den der Dornenkranz gekrönet,
Gottes Sohn hat dich versöhnet;
Seine Tränen, seine Wunden
Haben Rat für dich gefunden,
Und ihm bleibt allein die Ehre,
Dass er deinen Tod zerstöre.

4. Fühlst du nun die Macht der Sünden,
Wie sie deine Seele binden,
Wie sie dein Gewissen quälen,
Wie der Jammer nicht zu zählen:
so komm mit deinen Ketten,
Wage nicht, dich selbst zu retten;
Sieh am Kreuze Jesum hängen,
Er muss deine Fesseln sprengen!

5. Sünder macht der Heiland selig;
Seine Gnaden sind unzählig!
Er gibt Buße, er gibt Glauben
Auch den Blinden, Lahmen, Tauben.
Wer sich nur will retten Lassen,
Der soll das Vertrauen fassen:
Gnade strömt aus Jesu Wunden,
Gnad‘ ist auch für mich gefunden!

6. Glaube nur dem Wort der Gnade,
O so heilet bald dein Schade,
Und des Mittlers zarte Liebe
Schafft in dir ganz eue Triebe!
Sind die Sünden erst vergeben,
Dann kannst du auch heilig leben,
Und der Gnade treues Walten
Wird dich fördern und erhalten.

7. O so gib dem Sohn die Ehre,
Dass ihm aller Ruhm gehöre!
Suche nicht erst zu verdienen,
Was am Kreuz vollbracht erschienen;
Suche nicht, was schon gefunden!
Preise fröhlich seine Wunden
Und bekenn es bis zum Grabe,
Dass er dich erlöset habe!

Philipp Hiller – Wie gut ist’s, von der Sünde frei!

Wie gut ist’s, von der Sünde frei!
Wie selig, Christi Knecht!
Im Sündendienst ist Sklaverei,
Bei Christo Kindesrecht.

2. Im Sündendienst ist Finsternis,
Den Weg erkennt man nicht;
Bei Christo ist der Gang gewiss,
Man wandelt in dem Licht.

3. Im Sündendienst ist Hass und Leid,
Man plagt, und wird betrübt;
In Christi Reich ist Freudigkeit,
Man liebt und wird geliebt.

4. Die Sünde gibt den Tod zum Lohn,
Das heißt ja schlimm gedient!
Das Leben aber ist im Sohn,
Der uns mit Gott versühnt.

5. O Heiland, dir nur dien‘ ich gern,
Denn du hast mich erkauft;
Ich weiß und will sonst keinen Herrn;
Auf dich bin ich getauft.

6. Wen du frei machst, der ist recht frei,
Du schenkst ihm alle Schuld;
Und darum dank‘ ich deiner Treu‘,
Und rühme deine Huld.

7. Ich bete an, Herr Jesu Christ,
Und sage: ich bin dein;
Nimm mich zu dir, denn wo du bist,
Soll auch dein Diener sein!

Leopold Franz Friedrich Lehr – Mein Heiland nimmt die Sünder an

Mein Heiland nimmt die Sünder an,
Die unter ihrer Last der Sünden
Kein Mensch, kein Engel trösten kann;
Die nirgends Ruh noch Rettung finden!
Sie, denen selbst die Welt zu klein,
Die bang des Richters Auge scheu‘n,
Sie, denen längst der Stab gebrochen,
Die schon der Hölle zugesprochen,
Seh’n diese Freistatt aufgetan:
Mein Jesus nimmt die Sünder an!

Sein mehr als mütterliches Herz
Trieb Ihn von Seinem Thron auf Erden;
Ihn drang der Sünder Weh und Schmerz,
An ihrer Statt ein Fluch zu werden!
Er senkte sich in ihre Not
Und schmeckte für sie Angst und Tod.
Nun, da Er denn Sein eignes Leben
Zur teuren Zahlung hingegeben
Und Seinem Vater g’nug getan,
So heißt’s: Er nimmt die Sünder an!

Nun findet man in seinem Schoß
Ein sich‘res Schloss gejagter Seelen;
Er spricht sie von der Strafe los
Und tilgt ihr jammervolles Quälen.
Es wird ihr ganzes Sündenheer
Ins unergründlich tiefe Meer
Durch seinen Mittlertod versenken,
Und ihnen Gottes Geist geschenket,
Durch den man Vater! rufen kann.
Mein Heiland nimmt die Sünder an.

So bringt er sie zum Vater hin
In seinen blutbeflossnen Armen,
Und dieses neigt des Vaters Sinn
Zu lauter ewigem Erbarmen.
Er nimmt sie auf an Kindes statt,
Ja alles, was er ist und hat,
Wird ihnen eigen übergeben,
Und selbst die Tür zum ewgen Leben
Wird ihnen huldreich aufgetan.
Mein Heiland nimmt die Sünder an.

O könntest du Sein Herz nur sehn,
Wie sich’s nach armen Sündern sehnet,
Sowohl, wenn sie noch irre gehn,
Als wenn ihr Auge vor Ihm tränet!
Wie eilt Er in Zachäus Haus,
Und streckt die Hand nach Zöllnern aus!
Wie stillt er jener Magdalenen
Den wilden Guss erpresster Tränen
Denkt des nicht mehr, was sie getan!
Mein Heiland nimmt die Sünder an!

Wie freundlich blickt er Petrum an,
Obgleich er noch so tief gefallen!
Und dies hat er nicht nur getan,
Da er auf Erden musste wallen,
Nein, er ist immer einerlei,
Gerecht und fromm und ewig treu.
Und wie er unter Schmach und Leiden,
So ist er auf dem Thron der Freuden
Den Sündern liebreich zugetan.
Mein Heiland nimmt die Sünder an.

So komme denn, wer Sünder heißt,
Und wen sein Sündengräu’l betrübet,
Zu dem, der keinen von sich weist,
Der sich gebeugt zu ihm begibet.
Wie, willst du dir im Lichte stehn
Und ohne Not verloren gehn?
Willst du der Sünde länger dienen,
Da dich zu retten Er erschienen?
O nein, verlass die Sündenbahn!
Mein Heiland nimmt die Sünder an!

Komm nur mühselig und gebückt,
Komm nur, so gut du weißt zu kommen!
Wenn gleich die Last dich niederdrückt,
Gebeugt wirst du gern angenommen.
Sieh, wie Sein Herz dir offen steht
Und wie Er dir entgegen geht!
Wie oft hat er nicht voll Verlangen
Gesucht, dich gnädig zu umfangen!!
So komm denn, armes Herz, heran,
Mein Heiland nimmt die Sünder an!

Sprich nicht: Ich hab’s zu arg gemacht,
Und alle Güter Seiner Gnaden
Do Lang und schändlich durchgebracht,
Er hat mich oft umsonst geladen.
Wenn du es jetzt nur redlich meinst
Und deinen Fall mit Ernst beweinst,
So soll Ihm nichts die Hände binden,
Und du sollst jetzt noch Gnade finden;
Er hilft, wenn sonst nichts helfen kann!
Mein Jesus nimmt die Sünder an!

Doch sprich auch nicht: „Es ist noch Zeit,
Ich muss erst diese Lust genießen;
Gott wird ja eben nicht gleich heut
Die off‘ne Gnadenpforte schließen.
Nein, weil Er ruft, so höre du
Und greif mit Glaubenshänden zu!
Wer diesen Tag sein Heil verträumet,
Hat eine Gnadenzeit versäumet,
Die wohl nie wieder kommen kann.
Heut komm, heut nimmt dich Jesus an!

Ja, zeuch du selbst uns recht zu dir,
Holdselig süßer Freund der Sünder.
Erfüll mit sehnender Begier
Auch uns und alle Adamskinder.
Zeig uns bei unserm Seelenschmerz
Dein nur von Liebe wallend Herz.
Und wenn wir unser Elend sehen,
So lass uns ja nicht stille stehen,
Bis dass ein jeder sagen kann:
Gottlob, auch mich nimmt Jesus an!

Christian Ludw. Scheidt – Aus Gnaden soll ich selig werden!

Aus Gnaden soll ich selig werden!
Herz, glaubst dus oder glaubst dus nicht?
Was willst du dich so blöd gebärden?
Ists Wahrheit, was die Schrift verspricht,
So muss auch dieses Wahrheit sein:
Aus Gnaden ist der Himmel dein.

Aus Gnaden! Hier gilt kein Verdienen:
Die eignen Werke fallen hin.
Gott, der aus Lieb im Fleisch erschienen,
Hat diese Ehre zum Gewinn:
Dass uns sein Tod das Heil gebracht
Und uns aus Gnaden selig macht.

Aus Gnaden! Merk dies Wort: aus Gnaden!
So oft dich deine Sünde plagt,
So oft dir will der Satan schaden,
So oft dich dein Gewissen nagt:
Was die Vernunft nicht fassen kann,
Das beut dir Gott aus Gnaden an.

Aus Gnaden kam sein Sohn auf Erden
Und übernahm die Sündenlast.
Was nötigt ihn, dein Freund zu werden?
Sprich, wenn du was zu rühmen hast?
Wars nicht, dass er dein Bestes wollt
und dir aus Gnaden helfen sollt?

Aus Gnaden! Dieser Grund wird bleiben,
So lange Gott wahrhaftig heißt.
Was alle Knechte Jesu schreiben,
Was Gott in seinem Wort anpreist,
Worauf all unser Glaube ruht,
Ist: Gnade durch des Lammes Blut.

Aus Gnaden! Doch du, sichrer Sünder,
Denk nicht: wohlan, ich greife zu!
Wahr ists: Gott rufet Adams Kinder
Aus Gnaden zur verheißnen Ruh;
Doch den geht seine Gnad nicht an,
Der noch auf Gnade sündgen kann.

Aus Gnaden! Wer dies Wort gehöret,
Tret ab von aller Heuchelei.
Denn wenn der Sünder sich bekehret,
Dann lernt er erst, was Gnade sei;
Beim Sündgen schien die Gnad gering:
Dem Glauben ists ein Wunderding!

Aus Gnaden bleibt dem blöden Herzen
Das Herz des Vaters aufgetan,
Wenns unter den Verzweiflungs-Schmerzen
Nichts sieht und nichts mehr hoffen kann.
Wo nähm ich oftmals Stärkung her,
Wenn Gnade nicht mein Anker wär?

Aus Gnaden! hierauf will ich sterben,
Ich fühle nichts, doch mir ist wohl,
Ich kenn mein sündliches Verderben,
Doch auch den, der mich heilen soll.
Mein Geist ist froh, die Seele lacht,
Weil mich die Gnad schon selig macht.

Aus Gnaden! Dies hör Sünd und Teufel!
Ich schwinge meine Glaubensfahn
und geh getrost trotz allem Zweifel
Durchs rote Meer nach Kanaan:
Ich glaub, was Jesu Wort verspricht,
Ich fühl es oder fühl es nicht.

Franck, Johann – Loblied auf Christum und sein Erlösungswerk.

Eigne Weise.

Jesu, Schlangenzertreter,
Jesu, Hoffnung der Väter,
Der du hast Fleisch und Blut an dich genommen
Und zu uns Sterblichen herab bist kommen;
Du Arzt kamst zu uns Kranken,
Du Lebensweg zu denen, die da wanken.
Wie sollen wir dafür dir immer danken?
Jesulein, Brüderlein deiner Geliebten,
Jesulein, Herzenslust aller Betrübten,
Freundlicher Heiland, du Schönster der Schönen,
Lass dir gefallen mein lallendes Tönen.

2. Jesu, Menschenerlöser,
Jesu, Sündenvernöser,
Lamm Gottes, der du dich mit deinem Blute
Selbst aufgeopfert hast für uns zu Gute:
Lass deiner Liebe Brennen,
O Liebe selbst, mit Dank bei uns erkennen,
Dass wir nach dir uns Kreuzgenossen nennen.
Lösegeld, Mittler, Versöhner der Sünder,
Blutbräut‘gam, Opfer für Alte und Kinder,
Deine fünf Wunden, dein blutiges Schwitzen
Müsse vor Sünden und Teufel uns schützen.

3. Jesu, Höllenbezwinger,
Jesu, Todesverschlinger,
Der du uns hast erlöst von Todesbanden,
Weil du aus eigner Macht bist auferstanden.
Was dürfen wir erschrecken,
Weil wir fortan den Tod nicht werden schmecken
Und du vom Grab uns wieder auf willst wecken.
Lebensherr, Siegesheld, Himmelsersteiger,
Ewigfürst, Menschenlust, Heilesbezeuger,
Welchen die Himmel der Himmel jetzt preisen,
Lehr‘ uns vom Tode zum Leben hin reisen.

4. Jesu, Freudenerreger,
Jesu, Herzensbeweger,
Der du und deinen Geist gesandt von oben,
Durch dessen Trieb und Kraft wir dich jetzt loben,
Lass ferner feine Gaben
Die Blödigkeit der schwachen Sinne laben,
Dass wir an ihm stets einen Tröster haben.
Segensmann, Heileshorn, Geber des Guten,
Flamme der wallenden brünstigen Gluten,
Kehre die Herzen in glühendes Eisen,
Zeitlich und ewig dich, Jesu, zu preisen.

Zinzendorf, Nikolaus Ludwig Graf von – Die Herrlichkeit der Erlösung.

Das Buch der göttlichen Gericht und Rechte
Steht Niemand offen, als dem weisen Knechte,

Dem, der als Gott im Rate mitgesessen,
Als man der Menschen Elend ausgemessen;

Und Nichts, das Gott genug war, ausgefunden,
So dass die Hoffnung auf Ersatz verschwunden,

Bis jener hohe Rat in Gottes Throne,
Der Vorsatz in dem eingebornen Sohne,

Nach seiner tiefen Einsicht ausgefunden
Das herrliche Verdienst der Todeswunden,

Wenn man sie einem Menschensohne schlüge,
Der Nichts, als eine fremde Last ertrüge,

Und der mit Gott doch auch in Gleichheit wäre:
Gott, gleichen Wesens, und Gott, gleicher Ehre;

Damit der Abgrund der Barmherzigkeiten
Den Sieg von dem Gerichte könnt erstreiten.

Das hat der Sohn, der große Sohn verstanden,
Und zwar allein in allen Gotteslanden.

Anstatt dass wir Verlor’ne so was wüssten,
Blieb’s bei den Engeln selber ein Gelüsten. (1. Ptr. 1,12.)

Und Gott wollt ihnen erst Gemeinen bauen,
Darin das große Wunder zu beschauen. (Eph. 3,10.)

Er hat sich alsobald dazu erboten,
Das Leben zu erneuern in den Toten,

Zu bringen Gnad‘ und Rettung den Verfluchten,
Die, eh‘ Er sie besucht, Ihn niemals suchten,

Und die Ihm heute noch die Ehre rauben,
Statt dankerfüllt an Sein Verdienst zu glauben.

Er lässet sich von Millionen schmähen,
Die Seine Treu‘ und Liebe nicht verstehen,

Und senkt sich in die Menschheit gern hernieder,
Und bringt dadurch die ganze Menschheit wieder;

So dass kein Menschenkind, um von dem Bösen
Befreit zu sein, bedarf ein neu Erlösen.

Die Rechnung, womit Satan einst geprahlet,
Ist ihm an Jesu Kreuze ganz bezahlet,

Getilget und vernichtet und entkräftet,
Mit dem Gekreuzigten an’s Kreuz geheftet.

Was ist’s nun Wunder, dass dem Lamm gegeben,
Für seine Marter ewiglich zu leben?

Und nun zum Lohne des erworb’nen Heiles,
Die Menschen hinzunehmen Seines Teiles,

Nicht, weil er Gottes Sohn von Ewigkeiten,
Nein, weil er Fleisch geworden in den Zeiten!

Drum brennen sieben Fackeln vor dem Throne,
Wann einst die Erde stürzt im Donnertone;

Wann vor Ihm fliehen alle Himmelslichter,
Vor Ihm, der Toten und Lebend’gen Richter;

Und das: weil Er, den Seelen zum Genesen,
So lange Zeit ein armer Mensch gewesen;

Weil Ihn die Glut des Feuerzorns getaufet,
Als Er mit Seinem Blut die Welt erkaufet.

Ja, weil von Ihm der Todesschweiß geflossen,
Ist Ihm das Lebensbuch nun aufgeschlossen,

Das allen Menschen und dem Himmelsheere
Sonst ein versiegelt Buch geblieben wäre.

Es stehet nun in diesem Buche drinne
So manch Gericht, bestimmt vom Anbeginne,

So manch Geheimnis, das stets zugewesen,
Bis Jesu Blick es hell heraus gelesen.

Nimm’s, Lamm! und lies dem Vater alle Namen.
Von dem Dir ewig zugedachten Samen,

Und lies uns unter diesen selgen Scharen!
Dann lassen wir all‘ andre Dinge fahren,

Bis jedes Herz das große Wort gefunden:
„Die Himmel drehen sich um Jesu Wunden!“

Rinkart, Martin – Wenn Gott uns nun einmal

1. Wenn Gott uns nun einmal
Wird ganz und gar erlösen
Vom Höllen-Pharao,
Welt, Fleisch und allem Bösen,
Und Sions Himmels-Burg
Wird haben eingeräumt,
Wird uns vor Freuden sein,
Als hätt es uns geträumt.

2. Da wird Abrahams Volk
Von Heil und Wunder sagen,
Und wir aus Japhets Haus
Sie Wunders wegen fragen;
Daß Gott uns durch die Tauf,
Und sie durchs rote Meer
Geführet: welches wohl
Sei größer Gnad und Ehr.

3. Was wir von Thränen jetzt
Auf Gottes Acker streuen,
Das werden wir alsdann
Mit Freudenschall abmeyen(abmähen)!
Wir streuen Handvoll aus
Die edlen Körnelein;
Und bringen Arme voll
Die Lebens-Garben ein.

Pfeil Christian Karl Ludwig von – So wahr ich lebe

„So wahr Ich lebe, spricht der Mann,
Der nichts als Wahrheit sagen kann,
Ich habe ein Gefallen nicht
Am Todesurteil und Gericht.

Die Sünde wirkt des Sünders Tod,
Mich aber freut nicht seine Not.
Ich wollte lieber, dass er sich
Bekehr und lebe ewiglich.

Wird nun ein Sünder todeswert
Von diesem großen Schwur belehrt,
Die Rache schreit nach Seinem Blut,
Wie wird ihm wohl dabei zu Mut?

Die Blutschuld drückt ihn hart und schwer,
Und er hat keine Hoffnung mehr,
Der Stab ist über ihm entzwei,
Gott spricht’s einmal und lässt’s dabei.

Der Sünder macht mit seinem Blut
Dazu bei Gott noch gar nichts gut,
Und würd er tausendmal gericht’t,
Das löschte Gottes Zorn noch nicht.

Das macht den armen Sünder arm,
Er schreit: „Ach, dass es Gott erbarm!
Ist denn für mich kein Retter mehr?
Ich hörte doch, dass Einer wär!

Weh mir, ich komm um Leib und Seel!
Wo ist denn der Imanuel,
Von dem man sagt: Er nehm sich’s für,
Dass Er die Seelen nicht verlier‘?

Der Teufel führt mich hin am Strick,
Wie ein im Spiel gewonn’nes Glück
Und legt mir seine Fesseln an,
Dass ich ihm nicht entkommen kann.

Mit Ketten großer Finsternis
Sind mir gebunden Händ‘ und Füß‘,
Weil ich so unbarmherzig war,
So ist’s mit mir auch aus und gar.

O, wäre doch ein Retter da!“
Bald ist das Lämmlein Gottes nah,
Und fragt den Satanas: „Wohin
Mit diesem Raube und Gewinn?“

Der spricht: „Ich schlepp‘ ihn mit mir fort
An meinen und an seinen Ort;
Denn er ist mein leibeig’ner Knecht,
Den ich erwarb mit allem Recht.“

„Mit was für Recht?“ fragt Jesus Christ.
Der Satan spricht: „Mit Lust und List.“
„Was? sagt der Heiland, weiche du!
Ich hab ein größ’res Recht dazu.

Die Seelen, die gehören Mir,
Nicht Eine davon lass Ich dir.
Wenn sie mich um Erlösung flehn,
Den Augenblick lass diese gehn!“

Bald zeigt Er ihm des Blutes Preis,
Den ausgetropften heil’gen Schweiß.
Da ist’s um Satans Macht getan,
Den Sünder aber fasst Er an

Und spricht: „Du armer Sünder du,
Komm, sag Mir deine Seele zu;
Sie kostet Mich Mein teures Blut,
Was macht sie in der ew’gen Glut?

Davon hab‘ ich dich los gemacht,
Als man Mich an das Kreuz geschlacht’t,
Und dass man Mich getötet hat,
Geschahe Mir an deiner Statt.

Gott sah Mich als den Sünder an,
Der alle deine Sünd‘ getan;
Das Blut, das du vergossen hast,
Lag auch auf Mir wie eine Last.

Dafür vergoss ich auch mein Blut,
Und machte Gott dir wieder gut,
Denn ich, dein Bürge, nahm auf Mich
Die Mörderstrafe auch für dich.

Mein Blut, das um Barmherzigkeit
Auch jetzt für deine Seele schreit,
Das mach‘ dir doch dein Herze gleich
Um Gottes Liebe willen weich.

Wenn du nicht gern des Satans bist,
So bin Ich dir der heilge Christ.
Hier kannst du Meine Wunden sehn,
Und ew’ger Pein dadurch entgeh’n.

So viel hab ich getan für dich,
Was tust du wiederum für Mich?
Geh‘, mach mir und den Engeln doch
Mit deiner Buße Freude noch!

Wenn du mit deiner Sünde fast
Die ganze Welt geärgert hast,
So freut ob deiner Buße sich
Der ganze Himmel über dich.

So schenk, Gottes einig’s Kind,
Ermordet für all deine Sünd‘
Dir einen ewigen Pardon,
Und du gehst absolviert davon.

Dass du nicht Menschenblut verschont,
Wird dir hier mit dem Schwert gelohnt,
Eh‘ aber Gott dich ewig richt’t,
Schont Er viel lieber Meiner nicht.

Wenn dich die Welt von sich ausspeit
Und „weg mit diesem Menschen“ schreit,
So schwing ich über dich die Fahn‘
Und nehme dich mit Freuden an.

Man stößt dich aus der Welt hinaus,
Und ich führ dich in’s Vaterhaus.
Da sehet diese Mörderin,
Sprech ich, ist Mir ein Blutgewinn.
Und stell‘ dich da zum Schächer hin,
Als Meinen neuen Kreuzgewinn.“

O Seele! wie ist dir zu Mut?
Das Lämmlein Gottes ist so gut,
Dass wenn du ihm nur glauben wilt,
Dir alle diese Wahrheit gilt!

Gerhardt, Paul – Herr, der du vormals hast dein Land

  1. Herr, der du vormals hast dein Land
    mit Gnaden angeblicket
    und des gefangnen Volkes Band
    gelöst und es erquicket,
    der du die Sünd und Missetat,
    die es zuvor begangen hat,
    hast väterlich verziehen:
  2. Herr, der du deines Eifers Glut
    Zuvor oft abgewendet
    Und nach dem Zorn das süße Gut
    Der Lieb und Huld gesendet.
    Ach, frommes Herz, ach unser Heil,
    Nimm weg und heb auf in der Eil,
    Was uns betrübt und kränket!
  3. Lösch aus, Herr, deinen großen Grimm
    Im Brunnen deiner Gnaden,
    Erfreu und tröst uns wiederüm
    Nach ausgestandnem Schaden!
    Willst du denn zürnen ewiglich,
    Und sollen deine Fluten sich
    Ohn alles End ergießen?
  4. Willst du, o Vater, uns denn nicht
    nun einmal wieder laben?
    Und sollen wir an deinem Licht
    nicht wieder Freude haben?
    Ach gieß aus deines Himmels Haus,
    Herr, deine Güt und Segen aus
    auf uns und unsre Häuser.
  5. Ach, daß ich hören sollt das Wort
    erschallen bald auf Erden,
    daß Friede sollt an allem Ort,
    wo Christen wohnen, werden!
    Ach daß uns doch Gott sagte zu
    des Krieges Schluß, der Waffen Ruh
    und alles Unglücks Ende!
  6. Ach daß doch diese böse Zeit
    bald wiche guten Tagen,
    damit wir in dem großen Leid
    nicht möchten ganz verzagen.
    Doch ist ja Gottes Hilfe nah,
    und seine Gnade stehet da
    all denen, die ihn fürchten.
  7. Wenn wir nur fromm sind, wird sich Gott
    schon wieder zu uns wenden,
    den Krieg und alle andre Not
    nach Wunsch und also enden,
    daß seine Ehr in unserm Land
    und allenthalben werd erkannt,
    ja stetig bei uns wohne.
  8. Die Güt und Treue werden schön
    einander grüßen müssen;
    Gerechtigkeit wird einhergehn,
    und Friede wird sie küssen;
    die Treue wird mit Lust und Freud
    auf Erden blühn, Gerechtigkeit
    wird von dem Himmel schauen.
  9. Der Herr wird uns viel Gutes tun,
    das Land wird Früchte geben,
    und die in seinem Schoße ruhn,
    die werden davon leben;
    Gerechtigkeit wird dennoch stehn
    und stets in vollem Schwange gehn
    zur Ehre seines Namens.