unbekannt – Von der Geburt Jhesu Christi

VNs ist geborn ein Kindelein
von Maria, der Jungfraw rein.

Des Namen heist Emanuel,
wie vns verkündet Gabril.,.

Das ist so viel als: mit vns Gott,
der vns erlöst aus aller not.

Wer vns das kindlein nicht geborn,
so weren wir allzumal verlorn.

Die ENgel sich des frewen all,
vnd lobten Gott im höchsten Saal.

Den Hirten sagten sie die meer,
wie das Jhesus geboren wer,

Zu hülff vnd trost dem Sünder hie,
die jren vertrawen stellen auff jn.

Die Weisen von der Werlet end
erkandten an eim Stern behend,

Wie das ein Kind geboren wer,
ein König Himels vnd der Erd.

Sie kamen dar gehn Bethlehem,
dem Kindlein sie da opfferten rein,

Von Weyrach, Golt vnnd Myrhen fien,
zum zeuge, das das vnser Heiland sey.

Dem sollen wir auch opffern weis
Danckopffer, danck vnd ewigen preis.

Ehr sey dem Vater vnd dem Son,
sampt heiligen Geist in einem thun.

Welchs jm auch also sey bereit
von nu an bis in ewigkeit.

Quelle: Quelle in der Glaubensstimme

unbekannt – Allein auf Gottes wort

ALlein auff Gottes wort wil ich
mein grund und glauben bawen,
Das sol mein Schatz sein ewiglich,
dem ich allein wil trawen.
Kein Menschlich weisheit wil ich nicht
dem Göttlich wort vergleichen,
Was Gottes wort klar spricht vnd richt,
soll billich alles weichen.

Allein auff Gott vnd sein Wort rein,
mein Hertz sich sol verlassen,
Sein Wort soll mir ein Leuchte sein,
zu gehn auff rechter strassen.
O Gott, las mich kein falsche Lehr
von deiner warheit trennen,
Hilff mir vmb deines namens ehr
die Warheit zu bekennen.

Allein auff Gott verlas ich mich,
auff seine Gnad vnd Güte,
Ich hoff, er wird mich gnediglich
fürs Teuffelslist behüten.
Erhalt mich, Gott, bei deinem Wort,
vnd gönne mir solchs reine
Fürs Teuffels lügen, trug vnd mord,
für allem falschen scheine.

Alleine Christum, Gottes Son,
von Ewigkeit geboren
Vom Vater, Gott in gleichem thron,
hab ich zum trost erkoren,
Den hat Gott in die Welt gesand
allen Menschen auff Erden,
Für alle Sünd solch hohes Pfand
ein Opffer lassen werden.

Alleine Christus ist mein Trost,
der für mich ist gestorben,
Mich durch sein Blut vom Todt erlost,
die Seligkeit erworben,
Hat meine Sünd getragen gar,
bezalt an seinem Leibe,
Das ist für Gott gewislich war,
hilff Gott, das ichs fest glaube.

Alleine Christus hats gethan,
der mich mit Gott versünet,
KEin Menschlich werck mir helffen kan,
wie hoch und schön es scheinet.
Alleine Christus ist der Schatz,
der mir hat bracht das Leben,
Mein werck sind nur des Nechsten nutz,
die glaubens frucht mus geben.

Alleine Gott, der Heilig Geist,
gibt diese lehre reine
Vmb Christus willen allermeist
Der Christlichen gemeine:
Vernunfft, Verstandt, Kunst, Witz vnd Krafft
dis Wort nicht kan erlangen,
Der Freie will hie gar nichts schafft,
bleibt stets im jrrthumb hangen.

Alleine Gott durch seinen Geist
muß gutes in vns wircken,
Was wöllen vnd vollbringen heist,
erleuchten vnd auch stercken:
Der Mensch, zum Guten tod vnd blind,
kan sich zu Gott nicht lencken,
ISt gar verderbet durch die Sünd,
das er nichts guts kan dencken.

Alleine Gottes Geist vnd sterck
das Hertz zum guten rüret,
Die Newgeburt ist Gottes werck,
die zu der warheit führet.
O Gott, mein HErr, erleuchte mich,
mein Hertz auch zu dir wende,
Bey deinem Wort mich seliglich
erhalt bis an mein ende.

Gott Vater, Son vnd heilger Geist,
hilff, das mein Glaub dich preise,
Mein Fleisch dem Geist gehorsam leist,
des Glaubens frucht beweise.
Hilff, HErre Christ, aus aller not,
wenn ich von hinnen scheide,
Vnd führe mich auch aus dem Todt
zur Seligkeit vnd Freude.

Amen.

Quelle: Quelle in der Glaubensstimme

unbekannt – Brennende Liebe

BRünninde lieb, du Süeßer Flam,
du mein Gott vnd herre,
Du hast mich behiet in aller angst
hie vff diser Erden!
Du hilfst auß nott, mein lieber Gott,
du erheltest die bey dir bleiben,
darumb mich auch vf diser weltt
von dir nitz soll abtreiben.

Ach du mein Aller liebster Gott,
ich kan dich nit gnug loben!
Du hast mir geholffen vß aller not,
hast mich her reich begabet,
Dan du hast mich ja gnediglich
dein wunder sehen laßen,
darumb ich auch von hertzen sprich:
du bist mein brot vff erden!

Du hast mein herz besessen gar,
nach dir steht mein Verlangen!
Gleich wie die bluemlin vom Mayen thauw
vill eröffen thun vfgangen,
Also empfahet mein herz von dir
groß eren inn aller noth,
du bist meins herzen trost vnd zier,
du mein allerliebster Gott!

Wan ich gleich lebte Tausendt Jahr
vnd redt mitt tausent zungen,
So kundt ich nit erzelen gnug,
was gnatt ich hab von dir bekommen.
Dan es nit zuverzelen ist,
ich kans auch nit gnug sagen,
wie du, mein aller Herr Jesu Christ,
mich so hoch hast begabet!

Darumb o Gott, ich bitte dich,
wellest mich darbey erhaltten!
Dan du mein trost vnd hailandt bist,
dein gnad laß vber mich wallten,
Das nichz böß hersche über mich,
mit deiner gnad welstu mich fueren,
gib mir deine seelige Englin zu,
das sie mein Seel zue dir füeren!

Quelle: Quelle in der Glaubensstimme

unbekannt – Ein hubsch lied in Scheffers ton

O Herre got, ich ruff dich an,
thu der gerechtigkayt beystan,
Vnnd wendt vovn uns dein zoren:
wir seind verfurt worden!

Vnns hat verfurt die priesterschafft,
das wir so lanng waren behafft,
Wol durch ir falsche lere,
daran must wir vns kere.

Got hat ein münich außerkoren
wol in dem Augustiner orden
Dort in dem sachßner lande,
sagt münich vnd pfaffen ir schande.

Das sy so felschlich haben thon
vnd haben vverfürt den armen man
Mer dann vier hundert iare,
das glaubet fur ware.

Got mocht nit lenger sehen zu,
Martinus Luter het kein ru,
Es mocht nit in im pleiben,
die warheyt wolt er schreiben.

Er schreibet noch auff disen tag,
ist münicht vnd pfaffen ein grosse klag
In alle weite lande,
das er in sagt ir schande.

Sy hettens geren vndertruckt,
die sach, die hat vns recht gelückt,
Man ist das hinder kommen,
es pringt in keinen frummen.

Der guldin schlicker, pabst genant,
hat dem Luter ain brieff gesant:
Er well in darein setzen,
wol in als sein leids ergetzen,

Wöll im geben sein bests bistum;
ich mein, der bapst sey selbs nit frum,
Das er vnns wil betriegen:
der Luter der thut nit liegen.

Solt der Luter geirret han,
sein leib het gemust daran
Zu Wurms auff dem tage,
man thet in falsch verklage.

Das theten die obseruanzer,
sy sind des endecrist vorlauffer
Gewest vil manche tage,
das thut man von im sage.

Martinus ist ain redlich man:
er wolt sich gern bescheiden lan
In alle seinen sachen,
ob man ims falsch künd machen.

Martinus pald sein antwurt gab,
er sprach: was ich geschriben hab,
Darbey wil ich beleibe,
solts kosten meinen leibe.

Der sel kund er mir nichts than,
got wirt der gerechtigkayt bey stan!
Vor fürsten vnd vor herren
der Luter bestund mit eren.

Der kockcelus von wendelstein,
ein dechet zu Franckfurt an dem Mein,
Der kam gen Wurms mit gire,
wolt mit dem Luter disputire.

Er stund vor im recht wie ein fraw;
Graff von Manßfeld gab im ein saw:
Doctor, was welt ir euch zeihen,
ir kumbt mit fantaseyen!

Der doctor must in truaren stan,
schendtlich must er ziehen darvon,
Zug wider haim zu lande,
er bestund in grossen schande.

All doctor waren im vil zu schlecht,
der Luter ist der armen knecht:
Das wol der lieb got walten,
hertzog Fridrich thut ob im halten.

Er helt ob im zu aller frist.
der pabst der ist der antecrist,
Er siecht im wol geleiche:
er verspert vns das himelreiche.

Das vns cristus eroffnet hat
mit seinem pitterlichen tod,
Dar von wil er vns wende;
ich hoff es hab ein ende.

Hertzog Fridrich, ein edler fürst,
nach der gerechtigkayt in durst
An alles wider streben:
got behut im lang sein leben,

Das er so fürstlich hat gethan,
vnd hat beshcützt den gelerten man
So gar an manschem orte,
er lert das götlich worte.

Das schwert fürt er an seiner hand,
das thut dem gulden schlicker ant,
Thut feintlich daran wuten:
got wöll hertzog Fridrich behuten.

Vor aller tirannischer schar,
ich main die grossen pfaffen zwar,
Vnnd die dar wider kriegen,
sy müssen ytzund all liegen.

Vnnd die das liedlin haben dicht,
got hat sy all in seiner pflicht:
Ir keiner wil sich nennen,
got wirt vns all wol kennen.

Ob er vnns nit erkenne wirt,
das selb ein yetlicher wol spirt,
Das wir weren verloren
vnd het mir karthauser ordern.

Hiemit sol es geendet sein,
das liedlin ist gezogen ein
In ein gemeine thone:
got wil vns allen lone.

Quelle: Quellangabe Glaubensstimme

unbekannt – De Hymnus, Vexilla regis Prodeunt.

DEs Köninges bannern ghan herör,
de frucht des Crützes sweuet hoch her,
An dem de Schepper alles flesches
gehangen hefft ynn snöder wise.

Am suluen dartho seer vorwundt
mit einem scharpen spher thor negenden stundt,
Syne syde gaff water vnde blot
thor vordelginge der Helschen gloth.

Dat Dauid sang, ward do vorfült
mit lauesengen vm geiste gar milde,
Tho den minschen seggende also:
Godt herschet am holte aldar.

Des Crützes holdt getziret ys,
mit purpuren des Köninges Christ,
Als ein gantz gudt vtherwelt stamm,
de solcke ledtmate dragen kan.

Darane ys vtgerecket de heil,
dat lohn, vor welcker de werlt was veil,
Der sünde börden he vp sick nam,
der Helle roeff he herlick wan.

Solck Crütze billick tho lauen ys,
daran me Gades heimelicheit list,
Dar anne ligt aller Christen trost,
wente Godt vorbüt alle frömde lust.

Danck sy dy, Godt dreueldichlick,
all wat leuet priset darumme dick,
Dat du doch des frönen Crützes Dod
vnd heffst erlöst vth ewiger nodt. Amen.

Quelle

Salzburgerlied – Danklied

GOTT Lob! wir sind nun an dem Orth/
Wo man das lautre GOTTES-Wort
Kan hören/ lesen und verstehn/
Um recht auf ebner Bahn zu gehn.

Die Bibel/ ach/ der beste Theil!
Entdecket unsrer Seelen Heil/
Daß JESUS es alleine sey/
Der uns erzeigt die gröste Treu.

GOTT Lob und Danck! die Bibel ist
Darinnen sich ein jeder Christ
Erquicken kan in aller Noth/
Und auch nicht förchten darff den Tod.

GOtt Lob und Danck! die Bibel bleibt
Das edlest Buch/ weil GOtt es schreibt/
Und nicht nur aufs Papier allein/
Auch durch den Geist ins Herz hinein.

Die Bibel ist ein solches Buch/
Daß man darinnen fleissig such:
Es ist ein Buch das nicht betreugt/
Weil JESUS selbsten es bezeugt.

Das herrlich Bibel-Buch allein
Ist unter allen Büchern rein/
Weil es aus reiner Quell entspringt/
Und tieff in unsre Hertzen dringt.

Aus diesem Buch erlernet man/
Was unsern Abfall hindern kan;
Es wird darinnen hell und klar
Der Wille GOtttes offenbar.

Auc wie uns GOTT so hertzlich liebt/
Daß Er sein Ein’gen Sohn hingit,
Dann wer recht glaubet in der That/
Vorspruch zum ew’gen Leben hat.

Das Wort der Schrifft ist uns ein Schatz/
Der nur im Hertzen findet Platz;
So lang es nur im Hirn noch steckt
Der Seel es keinen Muth erweckt.

Ein Leit-Stern ists/ der uns regiert/
Und graden Wegs zu Christo führt;
Unsträflich kommt man an den Port
Wann man sich richtet nach dem Wort.

Es ist ein heller Morgen-Stern/
Der uns erleuchtet in dem HERRN/
Biß uns der helle Tag anbricht/
Da dann erscheint das volle Licht.

Es ist die allerbeste Cur/
Die uns mittheilt Göttlich Natur/
Wenn man verläßt die Lust der Welt/
Und sich allein zu CHristo hält.

Dann wer in diesem Weinstock bleibt/
Deß Reben gute Früchte treibt;
Und wird gereinigt mehr und mehr
Wann man nur folget Christi Lehr.

Denn daselbst will er kehren ein/
Das Hertz soll seine Wohnung seyn/
Sammt Vatter und dem Heil’gen Geist.
Wie durch Johannem ers verheißt.

GOTT Lob und Danck! wir leben noch/
Und tragen JESU sanfftes Joch:
Ein LAst/ so hier der Seel gibt Ruh/
Und dort den Himmel noch darzu.

Wol-meynende Erinnerung an alle Evangelische Christen/ (welche noch niemahlen Verfolgung betroffen)/ im Glauben beständig zu seyn/ nach dem Exempel der Saltzburgischen Emigranten.
Anno 1732

Salzburgerlied

Hier/ Jesu! geh ich in Gedancken
Auf disem stillen Feld allein/
Mein Geist schwebt frey aus seinen Schrancken/
Ich fühl mich aus mir selbst zu sein.
Ich leb und lebe doch nicht hier/
Mein Hertz ist immer nur bey Dir!

Es mag die Welt mir immer zeigen/
Was sie für hoch und schätzbar hält/
Doch läst sich mein Gemüth nicht neigen/
Weil ihm nichts Irrdisches gefällt.
Ich leb/ vnd lebe doch nicht hier/
Mein Herz ist immer nur bey Dir.

Was zeitlich ist/ erweckt nur Sorgen/
DerReichthum ist des Hertzens Strik/
Daran es langsam muß erworgen/
Und wehrt doch kaum ein Augenblick.
Ich leb/ vnd lebe doch nicht hier/
Mein Herz ist immer nur bey Dir.

Ob mich die Welt gleich drob verachtet/
Und mein Beginnen thöricht schilt/
Weil es nach ihrem Gut nicht trachtet/
So tröst ich mich mit deinem Bild;
Ich leb/ vnd lebe doch nicht hier/
Mein Herz ist immer nur bey Dir.

Ob in der stoltzen Welt Gedancken
Ich ein verachtes Lichtlein bin/
So will ich doch von dir nicht wancken/
Halt allen Schaden für Gewinn.
Ich leb/ vnd lebe doch nicht hier/
Mein Herz ist immer nur bey Dir.

Für Honig gibt die Welt mir Gallen/
Läßt ihren Stachel fühlen mich/
Weil Tag und Nacht mich überfallen
Empfindlich scharffe Weffzen-Stich.
Ich leb/ vnd lebe doch nicht hier/
Mein Herz ist immer nur bey Dir.

Mein Elend geht mit mir zu Bette/
Und steht deß Morgens mit mir auf/
Es plagt mich alles in die Wette/
Deß Jammers ist ein grosser Hauff.
Ich leb/ vnd lebe doch nicht hier/
Mein Herz ist immer nur bey Dir.

Ich höre nichts al Zanck und Pochen/
Man treibt und jagt mich hin und her/
Vor Kummer ist mein Hertz aussochen/
Es ist mir immer bang und schwer.
Ich leb/ vnd lebe doch nicht hier/
Mein Herz ist immer nur bey Dir.

Du fassest selber meine Thränen
In einen Sack/ du edlest sie;
Du kennest meines Hertzens Sehnen/
Wie ich mich kräncke spat und früh.
Ich leb/ vnd lebe doch nicht hier/
Mein Herz ist immer nur bey Dir.

Die gröste Plag ist/ die ich fühle/
Daß meine Sünden häuffen sich;
Ach JEsu! mein Gewissen kühle
Mit deinem Blut und Seiten-Stich.
Ich lebe leyder! sündlich hier/
Such aber wieder Trost bey Dir.

Ich trage ferner kein Verlangen/
O Welt! nach deiner schnöden Lust:
Ich hab der Thorheit satt begangen/
Schlag offt aus Reu an meine Brust.
Drum mag ich nimmer leben hier/
Und wünsch O JESU! mich zu Dir.

Ach/ könnt ich nur bald seelig sterben/
Wie frölich wolt ich fahren hin!
Nichts liebers könnt ich mir erwerben/
Der Tod ist einig mein Gewinn.
Laß mich nicht länger leiden hier/
Komm/ JEsu/ komm/ nimm mich zu Dir!

Wol-meynende Erinnerung an alle Evangelische Christen/ (welche noch niemahlen Verfolgung betroffen)/ im Glauben beständig zu seyn/ nach dem Exempel der Saltzburgischen Emigranten.
Anno 1732

unbekannt – Vom geistlichen Ackermann

WAs wöllen wir aber heben an?
von einem hübschen Ackersman,
der uns den Acker thut mehren:
Gott der Vatter, Son, heiliger Geist,
der wirdt uns wol ernehren.

Er hat uns seine genade gethan,
hat uns geschencket sein einigen Son:
laß faren, laß faren, die starck sein,
Wir wöllens den selbigen Ackersman
bey seinem rechte lassen.

Jhesus war selber der Ackersman,
er hat sich selbs gespannet an,
er hat doch weder Roß noch Wagen,
Er hat gezogen biß in den todt
gar tieff in seine wunden.

Da Jhesus an dem Creutze hieng,
ein blinder Jüde vor uber ging,
er sprach zu seinem Knechte:
Knecht, stich dem Herrn sein hertzlein ab,
verkürtz jm seinen schmertzen.

Da Jhesus an dem Creutze stundt,
verblichen was jm sein roter mund,
er hub auch an zu schwitzen;
Er schwitzet das Wasser unnd auch das blut,
der gantzen Christenheit zu gut.

Da Jhesus an dem Creutze hieng,
ein rede auß seinem munde gieng:
ach Gott, mein Himlischer Vatter,
Befehl ich dir meinen Geist
in deine Göttliche hende!

Wer ist der uns das Liedlein dicht?
er hats auch von jm selber nicht,
Gott hats jm ein gegeben.
Ey, geb uns Gott nach dieser zeit
die freud das ewige leben! Amen.

Quelle

unbekannt – Nach dem Tisch zu singen.

SIngen wir auß hertzen grund,
loben Gott mit unserm mund,
Wie er seine güt an uns beweist,
so hat er uns auch gespeist,
Wie er Thier und Vögel ernert,
so hat er uns auch beschert,
welchs wir jetzundt haben verzert.

Loben wir jn als seine Knecht,
das sind wir jhm schuldig von recht,
Erkennen, wie er unns hat geliebt,
den Menschen auß genaden gibt,
Das er von bein, fleysch und von haut
artlich ist zusamen gebawt,
das er des tages liecht an schawt.

Als bald der mensch sein leben hat,
seine Kuchen vor ihm stat,
Inn dem leyb der Mutter sein
ist er zu gerichtet fein,
Aber es ist ein kleines kindt,
mangel doch an nirgent es findt,
biß es an die Welte kümpt.

Gott hat die Erden zugericht,
lest an narung mangeln nicht,
Berg und thal die macht er naß,
das dem Vieh auch wechst sein graß,
Auß der Erden Wein und Brodt
schaffet Gott und gibts jm satt,
das der Mensch sein leben hat.

Das Wasser das muß geben Visch,
die lest Gott tragen zu Tisch,
Eyer, von Vögelein gelegt,
werden junge drauß geheckt,
Müssen der Menschen speyse sein,
Hirschen, Bären, Rinder und Schwein
schaffet Gott und gibts allein.

Dancken wir sehr, bitten wir ihn,
das er gebe des Geistes sinn,
Das wir solches recht verstehn,
stets nach seynen geboten gehn,
Seinen Namen machen groß,
inn Christo on unterloß,
so singen wir recht das Gratias.

Amen.

Quelle

unbekannt – Waket up!

WAket up, gy Christen alle,
wackt up mit grotem vlith
In düssen yamerdalen!
wackt up! tys meer den tidt!
De HERE wertbalde kamen,
de dach wil ein auent haen,
de Sünders wert he verdömen:
wol mach vor eem bestan?

Geldt, Gudt kan emm nicht baten,
uns helpt noch hoge modt:
Du moest ydt korts vorlaten,
went dar kumpt de bitter dodt.
All bistu schön van varuen,
all bistu junck unde rick:
Godt kan dy balde vorderuen
in einem ogenblick tidt.

Darumme, gy Christen alle,
de hyr tho sammende syth,
Latet juwen homodt fallen
unde wachet up juwe tidt!
Wille gy by Gade leeuen,
so söket dath Ewige gudt!
he wert juw ricklick geuen
unde helpen uth aller nodt.

Gads Wordt ys uns gegeuen
uth groter barmherticheit,
Dat wy dar na schöllen leeuen
unde maken unsen wech bereidt:
So lath uns dat nu vaten
und kleeuen mit dem herten daran!
will wy dat nu vorlaten,
so ist mit uns gedan!

Och, wer he nicht gebaren,l
de Gades Wordt voracht!
Dat ys mit eem vorlaren,
he wandert all in der nacht
Vul laster unde vul schande,
und spottet mit Gades Wort:
O we dem groten eelende!
syn Seel wert Ewichliken vormort.

De armen, de by iuw wanen,
wilt dar juwe ogen upslaen,
Se werden juw vorschamen,
wen gy vor dem strengen Ordel stan.
Dat werde gy seker woll weeten,
dat Got nicht thouergelden steit,
unde de dem armen hefft gudt gedaen,
de wert syn loen entfaen.

Quelle