unbekannt – Der genaden Brunn thut fliessen.

DEr gnaden Brunn thut fliessen,
den soll man trincken!
O Sünder, du solt büssen,
dir thut Gott wincken
Mit seinen gütigen augen
vnd richt dir dreinen fuß
wol durch das wort des glaubens,
Christus allein dir helffen muß.

Dein thun ist zwar zu nichten
zum ewigen leben,
Auff Christum must du dich richten,
der wird dirs geben.
Der hat versönet den zoren
mit seinem theuren blut,
wir waren alle verlorn,
sein leiden ist dem glaubigen gut.

Du solt dir selbs nicht trawen,
zu tilgen deine sünd,
Auff menschen lehr nicht bawen,
vernunfft erdicht vil sünd,
Sathan thut dich anwehen,
möcht er dich stürtzen vmb,
das wort Gottes thut nicht schweigen
vnnd macht vil manchen Sünder fromm.

Mein seel die thut sehr dürsten
nach Gottes stimme,
Recht wie ein gejagten Hirschen
zum küülen brunne:
O Jhesus, thu mich laben
mit deinem heilsamen safft,
mein Seel wird mir verzagen,
sterck mich mit deiner Götlichen krafft!

Die sollichen durst empfinden,
die sollen kommen,
Die werden labung finden,
den Geist auch nemen,
Wer glaubet an den Herren,
ich mein an Jesum Christ,
wie vns die Schrifft thut leren,
ein solches wörtlein selig ist.

Das Wasser thut her quelen
vom Himel geben,
Er speiset vnser seele
ins ewig leben,
Er ist der Brunn der gnaden
vnd aller gütigkeit,
wescht ab den sündigen schaden
vnnd gibt die ewigen seligkeit.

Quelle: Quelle in der Glaubensstimme

unbekannt – Von der Geburt Jhesu Christi

VNs ist geborn ein Kindelein
von Maria, der Jungfraw rein.

Des Namen heist Emanuel,
wie vns verkündet Gabril.,.

Das ist so viel als: mit vns Gott,
der vns erlöst aus aller not.

Wer vns das kindlein nicht geborn,
so weren wir allzumal verlorn.

Die ENgel sich des frewen all,
vnd lobten Gott im höchsten Saal.

Den Hirten sagten sie die meer,
wie das Jhesus geboren wer,

Zu hülff vnd trost dem Sünder hie,
die jren vertrawen stellen auff jn.

Die Weisen von der Werlet end
erkandten an eim Stern behend,

Wie das ein Kind geboren wer,
ein König Himels vnd der Erd.

Sie kamen dar gehn Bethlehem,
dem Kindlein sie da opfferten rein,

Von Weyrach, Golt vnnd Myrhen fien,
zum zeuge, das das vnser Heiland sey.

Dem sollen wir auch opffern weis
Danckopffer, danck vnd ewigen preis.

Ehr sey dem Vater vnd dem Son,
sampt heiligen Geist in einem thun.

Welchs jm auch also sey bereit
von nu an bis in ewigkeit.

Quelle: Quelle in der Glaubensstimme

unbekannt – Allein auf Gottes wort

ALlein auff Gottes wort wil ich
mein grund und glauben bawen,
Das sol mein Schatz sein ewiglich,
dem ich allein wil trawen.
Kein Menschlich weisheit wil ich nicht
dem Göttlich wort vergleichen,
Was Gottes wort klar spricht vnd richt,
soll billich alles weichen.

Allein auff Gott vnd sein Wort rein,
mein Hertz sich sol verlassen,
Sein Wort soll mir ein Leuchte sein,
zu gehn auff rechter strassen.
O Gott, las mich kein falsche Lehr
von deiner warheit trennen,
Hilff mir vmb deines namens ehr
die Warheit zu bekennen.

Allein auff Gott verlas ich mich,
auff seine Gnad vnd Güte,
Ich hoff, er wird mich gnediglich
fürs Teuffelslist behüten.
Erhalt mich, Gott, bei deinem Wort,
vnd gönne mir solchs reine
Fürs Teuffels lügen, trug vnd mord,
für allem falschen scheine.

Alleine Christum, Gottes Son,
von Ewigkeit geboren
Vom Vater, Gott in gleichem thron,
hab ich zum trost erkoren,
Den hat Gott in die Welt gesand
allen Menschen auff Erden,
Für alle Sünd solch hohes Pfand
ein Opffer lassen werden.

Alleine Christus ist mein Trost,
der für mich ist gestorben,
Mich durch sein Blut vom Todt erlost,
die Seligkeit erworben,
Hat meine Sünd getragen gar,
bezalt an seinem Leibe,
Das ist für Gott gewislich war,
hilff Gott, das ichs fest glaube.

Alleine Christus hats gethan,
der mich mit Gott versünet,
KEin Menschlich werck mir helffen kan,
wie hoch und schön es scheinet.
Alleine Christus ist der Schatz,
der mir hat bracht das Leben,
Mein werck sind nur des Nechsten nutz,
die glaubens frucht mus geben.

Alleine Gott, der Heilig Geist,
gibt diese lehre reine
Vmb Christus willen allermeist
Der Christlichen gemeine:
Vernunfft, Verstandt, Kunst, Witz vnd Krafft
dis Wort nicht kan erlangen,
Der Freie will hie gar nichts schafft,
bleibt stets im jrrthumb hangen.

Alleine Gott durch seinen Geist
muß gutes in vns wircken,
Was wöllen vnd vollbringen heist,
erleuchten vnd auch stercken:
Der Mensch, zum Guten tod vnd blind,
kan sich zu Gott nicht lencken,
ISt gar verderbet durch die Sünd,
das er nichts guts kan dencken.

Alleine Gottes Geist vnd sterck
das Hertz zum guten rüret,
Die Newgeburt ist Gottes werck,
die zu der warheit führet.
O Gott, mein HErr, erleuchte mich,
mein Hertz auch zu dir wende,
Bey deinem Wort mich seliglich
erhalt bis an mein ende.

Gott Vater, Son vnd heilger Geist,
hilff, das mein Glaub dich preise,
Mein Fleisch dem Geist gehorsam leist,
des Glaubens frucht beweise.
Hilff, HErre Christ, aus aller not,
wenn ich von hinnen scheide,
Vnd führe mich auch aus dem Todt
zur Seligkeit vnd Freude.

Amen.

Quelle: Quelle in der Glaubensstimme

unbekannt – Brennende Liebe

BRünninde lieb, du Süeßer Flam,
du mein Gott vnd herre,
Du hast mich behiet in aller angst
hie vff diser Erden!
Du hilfst auß nott, mein lieber Gott,
du erheltest die bey dir bleiben,
darumb mich auch vf diser weltt
von dir nitz soll abtreiben.

Ach du mein Aller liebster Gott,
ich kan dich nit gnug loben!
Du hast mir geholffen vß aller not,
hast mich her reich begabet,
Dan du hast mich ja gnediglich
dein wunder sehen laßen,
darumb ich auch von hertzen sprich:
du bist mein brot vff erden!

Du hast mein herz besessen gar,
nach dir steht mein Verlangen!
Gleich wie die bluemlin vom Mayen thauw
vill eröffen thun vfgangen,
Also empfahet mein herz von dir
groß eren inn aller noth,
du bist meins herzen trost vnd zier,
du mein allerliebster Gott!

Wan ich gleich lebte Tausendt Jahr
vnd redt mitt tausent zungen,
So kundt ich nit erzelen gnug,
was gnatt ich hab von dir bekommen.
Dan es nit zuverzelen ist,
ich kans auch nit gnug sagen,
wie du, mein aller Herr Jesu Christ,
mich so hoch hast begabet!

Darumb o Gott, ich bitte dich,
wellest mich darbey erhaltten!
Dan du mein trost vnd hailandt bist,
dein gnad laß vber mich wallten,
Das nichz böß hersche über mich,
mit deiner gnad welstu mich fueren,
gib mir deine seelige Englin zu,
das sie mein Seel zue dir füeren!

Quelle: Quelle in der Glaubensstimme

Johannes Tauler – Von inwendige bloßheit, vnd gelassenheit vns selbst vnd aller dinge.

ICh wil von bloßheit singen neuwen sanck,
wan rechte lauterkeit ist onn gedanck,
Gedancken mögenn da nit seyn,
so ich verloren hab das mein.
Ich bin entworden,
der zumal entgeistet ist, der mag nit sorgen.

Mich irret nummer mer meyne vngelich,
ich byn so gerne arm vnd reich,
Mit bielden mag ich nit vmmegeen,
meins selbst muß ich ledig steen.
Ich bin entworden,
der zumal entgeistet ist, der mag nit sorgen.

Wilt ir wissen, wie ich von dem bielden kam?
do ich rechte eincheyt in mir vernam.
Das ist rechte einicheyt,
so mich entsetzt noch lieb noch leit.
Ich bin entworden,
der zumal entgeistet ist, der mag nit sorgen.

Wilt ir wissen, wie ich von dem geiste kam?
doch ich weder diß noch das in mir vernam,
Dan blosse gotheit vngegrundet,
do mogt ich langer schwygen nit: ich möstet kunden.
Ich bin entworden,
der zumal entgeistet ist, der mag nit sorgen.

Synt ich alsus verloren byn in den abgrunde,
do mocht ich langer reden nit, ich was ein stumme.
alsus hat mich die gotheit klar in sich verschlunden.
Ich bin entsetzet,
des hat mich dz finsternisse wol ergetzet.

Sint ich alsus durchkommen bin vor dem vrsprung,
da mag ich langer alden nit, ich muß da jungen.
alsus sint alle die krefte mein zumal verschwunden,
Vnd sein gestorben,
wer alsus entgeistet ist, der mag nitt sorgen.

So wer nu also verschwunden ist
vnd hat befonden ein finsternis,
Ist so rich on allen kummer.
alsus hat mich das lieben feür zumal verbrunnen,
Vnd bin erstorben,
wer alsus entgeistet wird, der mag nit sorgen.

Wer nu alsus erstorben ist vnd auch entworden,
der vatter ist jm offenbar,
Der sunn, der geyst jrer beyde,
in Christo Jesu ist alles guts wunne vnd weyde.
Er ist über alle massen,
wer noch ist vngelassen, den sol man straffen.

Quelle: Quelle in der Glaubensstimme

Johann Böschenstein – Ain new gedicht, durch Johann Böschenstain

GOt ewig ist, on endes frist,
sein wesen on zerissen,
Vnd doch Dabey, was gott selb sey,
das mag kain mensche wissen:
Got darff kain zeyt, alls ander leut,
kain stat noch auch kain stunde,
zu seiner stim kain munde;
Zu seinem gon, Auch zu seim ston
darff er kain süß, als ich hon müß,
er ist auch gar langsame
vnnd doch nit treg, dabey alweg
zichtig, keüsch, on all schame.

Got on anfang, er ist nit lang,
nit kurtz, groß oder klaine,
Nit da noch dört, vnnd auch nit hört,
als auff erd seind die staine;
Nit ler noch vol, nit ala ain wol
lind oder weyß gestalte,
auch weder jung noch alte,
Nit diß noch das, nit mer noch baß,
nit spat noch frü, noch ferr noch hie,
vnd ist doch überale,
ich bin bericht, das in irr nicht
kain perg noch auch kain tale.

Got ist nit schnel, auch nit sinwel,
vnd doch behend on eilen,
Got ist on zwanck, nit starck nit kranck;
richt sich auff vnderweilen,
Vnd hat kain haupt, als mancher glabt;
gott ist sich gar dick naigen
auch vast nider erzaygen,
Vnd hat kain knie, ich waiß nit wie
wandert der her, nit nach noch verr,
jn mag niemand bezwingen,
nit fleß nit saur, durch stain vnd maur
ist sein gewalt auß dringen.

Got ist nit blaw, nit grien noch graw;
vnglück in nit betriebet,
Nit laut noch still, wenig noch vil,
on müde er sich übet:
Wie zaig ich in menschlichem sin?
niemand mag in erkennen,
sein namen auch nit nennen;
Vnd auch dabey aller taylung frey,
nitt zwen noch drey, noch was er sey,
das mag kain zung außsprechen:
wer pricht sein gebot, sag ich on spot,
an dem wirt sich got rechen!

Noch ist berait götlich driualttigkait,
vnd ist doch nun ain wesen.
Hie laß ichs ston, nit weytter zu gon,
also hab ich geleßen:
Es wer vmb sunst, das ich mitkunst
solich sach wölt auß grinden,
das kain mensch ye mocht finden;
Kain weyß noch gstalt ward nie gemalt,
wie got der her gestaltet wer,
kain farb mag ihn auß weysen;
kain holtz noch stain, noch laim noch bain,
gold, silber, noch kain eyßen.

Got vngenant, auch vnbekant
allen geschöpften iste:
Sollt mein verstan got dar vmb lan?
das wer ain arger liste;
Ich wer auch tab, dann rechter gelab
sagt von macht, weyßhayt, güte
vnd wie vns gott behüte,
Auch seiner milt niemandt engilt:
gieng ich das irr, was solte mir
mein speher list zu prauchen?
darumb all die vns irrent hie,
müßent in kunsten strauchen.

Got klarer schein, hie laß ichs sein,
dein gothayt vnberüret:
Ker mein begir allain zu dir,
als künig dauid probieret.
Der spricht vns zu, das ware ru
alain in got werd funden
nach diesem ellend zu stunden;
Er zayget, das der recht weg was,
das wir on schuld, in der geduldt,
vnser sel hie besitzen:
was hilfft, das sunst wir on die kunst
vnser vernunfft ser spitzen?

Her got, ich pit, verlaß mich nit,
laß mich dein diener bleyben!
Allain in dich bin hoffen ich,
dein hilff von mir nit scheide!
Dan kain trost ist, wa dein hilff nit ist,
in himel vnnd auff erden
kain mensch salig mag werden.
On dein gnad wirt kaines rath:
so send vnns trat dein hilff vnd rat
vnd laß vns nit verderben,
in disem tal leid wir groß qual
mitt krieg vnd großem sterben.

Quelle: Quelle in der Glaubensstimme