Henrich Knaust – Der Hund, Christlich verendert

auf den hellischen hund, der wie ein brüllender Lewe uns allen nachstellet, suchende, welchen er möge verschlinden, D. H. K.

DEr Hundt mir für dem licht umbgeht,
fru und auch spet
hab ich kein ruh, wie ich ihm thu:
das richtet alls der Sathan zu.

Thu was ich wöll, so haßt er mich,
viel harter stich
gibt mir geschwindt sein Judas kindt,
an dem mann kein trew aber find.

Dem Sathan ist es leidt vorwar
wol immerdar,
daß ich ein stundt sein unuerwundt,
so feind ist mir der hellisch hund.

Umb uns er gehet rund umbher,
sucht mit gefehr
einn frommen Mann, macht sich daran,
ob er ihn nit verschlinden kan.

Vil böser leut bringt auff die bahn,
setzt zu im an,
ist sein gesind: kein fried mann find,
wo diese Buben erhaben sind.

So wehret doch dem Sathan Gott
und seiner rot,
daß nichts böß kan werden gethan,.
wann auff Gott trawt ein frommer Man.

Demnach ich hoff ein gute zeit,
die mich erfriet!
hab keinen grauß, unfall sei auß,
mein Katz, wils Gott, fecht auch ein mauß!

Quelle

Hermann Vespasius – Itz scheiden bringet my swer, rc. Geistlick,

Is eines Christen Ledt, de umme Gades Wordes willen, van der geselschap der Christlyken Kercken jndt elende vöriaget werdt.

Itz scheiden bringet my swer,
unde macket gantz trurich my,
Dat ick nu wodt van der,
de offt erfröwet my:
Idt was in groten smerten
myn seel by er gantz wol bewart,
erst werdt ick kranck van Harten
wenn ick gedencke der henneuardt.

Satan dörch synen nydt
hefft sülcks tho wege gebracht
In disser lesten tydt,
darin man Godt vöracht:
Darum drag ick groth lyden
und bedröue van Harten my,
dath ick de Kercke moth myden,
O Godt, dat klage ick dy!

Kum my tho hülpe unde trost,
O Christ, du Heylandt myn!
Denn du heffst my erlöst,
dörch dynen Dodt und pyn:
Moth ick denn syn gescheyden
van dyner Kercken dar,
so werstu my beleyden
thor hillygen Engel schar.

Quelle

Hermann Vespasius – Ick armes Megtken klage my seer rc. Geistlick,

Is ein Klageledt eines armen Sünders.

ICk arme Sünder klage my seer,
wo wil my nu gescheen,
Denn de gerechte Godt, myn HEr,
hefft myne bößheit geseen,
De my all lust uznd fröwdt vördrifft
und mäckt my bang up Erden;
wenn ich gedenck, wo idt nu geith,
myn Harte in grotem truren steidt,
ick kan nicht frölick werden.

O ryker Godt, giff my dath gelück,
dath, wo ick vhaer im Lande,
Bewaret sy myn Seel und Lyff
vör laster und vor schande!
So wil ich jümmer dancken dy
Dach, NAcht unde alle stunde;
wenn ick gedencke, wo idt dem geith,
de, HERE, in dynen gnaden steidt,
so is myn leidt vörswunden.

Na dynem willen leyde my,
myn Harte mäck dy tho egen!
Vele godes ick my vörsee tho dy,
werst my dyn gnade ertögen!
Neen valscheit werdt an dy erkandt,
an dynem Wordt und Eyde;
so leef is my dyn Heylsam Wordt,
nhem nicht daruor des Keysers goedt,
darup wil ick stedts truwen.

Quelle

unbekannt – Vom geistlichen Ackermann

WAs wöllen wir aber heben an?
von einem hübschen Ackersman,
der uns den Acker thut mehren:
Gott der Vatter, Son, heiliger Geist,
der wirdt uns wol ernehren.

Er hat uns seine genade gethan,
hat uns geschencket sein einigen Son:
laß faren, laß faren, die starck sein,
Wir wöllens den selbigen Ackersman
bey seinem rechte lassen.

Jhesus war selber der Ackersman,
er hat sich selbs gespannet an,
er hat doch weder Roß noch Wagen,
Er hat gezogen biß in den todt
gar tieff in seine wunden.

Da Jhesus an dem Creutze hieng,
ein blinder Jüde vor uber ging,
er sprach zu seinem Knechte:
Knecht, stich dem Herrn sein hertzlein ab,
verkürtz jm seinen schmertzen.

Da Jhesus an dem Creutze stundt,
verblichen was jm sein roter mund,
er hub auch an zu schwitzen;
Er schwitzet das Wasser unnd auch das blut,
der gantzen Christenheit zu gut.

Da Jhesus an dem Creutze hieng,
ein rede auß seinem munde gieng:
ach Gott, mein Himlischer Vatter,
Befehl ich dir meinen Geist
in deine Göttliche hende!

Wer ist der uns das Liedlein dicht?
er hats auch von jm selber nicht,
Gott hats jm ein gegeben.
Ey, geb uns Gott nach dieser zeit
die freud das ewige leben! Amen.

Quelle

unbekannt – Nach dem Tisch zu singen.

SIngen wir auß hertzen grund,
loben Gott mit unserm mund,
Wie er seine güt an uns beweist,
so hat er uns auch gespeist,
Wie er Thier und Vögel ernert,
so hat er uns auch beschert,
welchs wir jetzundt haben verzert.

Loben wir jn als seine Knecht,
das sind wir jhm schuldig von recht,
Erkennen, wie er unns hat geliebt,
den Menschen auß genaden gibt,
Das er von bein, fleysch und von haut
artlich ist zusamen gebawt,
das er des tages liecht an schawt.

Als bald der mensch sein leben hat,
seine Kuchen vor ihm stat,
Inn dem leyb der Mutter sein
ist er zu gerichtet fein,
Aber es ist ein kleines kindt,
mangel doch an nirgent es findt,
biß es an die Welte kümpt.

Gott hat die Erden zugericht,
lest an narung mangeln nicht,
Berg und thal die macht er naß,
das dem Vieh auch wechst sein graß,
Auß der Erden Wein und Brodt
schaffet Gott und gibts jm satt,
das der Mensch sein leben hat.

Das Wasser das muß geben Visch,
die lest Gott tragen zu Tisch,
Eyer, von Vögelein gelegt,
werden junge drauß geheckt,
Müssen der Menschen speyse sein,
Hirschen, Bären, Rinder und Schwein
schaffet Gott und gibts allein.

Dancken wir sehr, bitten wir ihn,
das er gebe des Geistes sinn,
Das wir solches recht verstehn,
stets nach seynen geboten gehn,
Seinen Namen machen groß,
inn Christo on unterloß,
so singen wir recht das Gratias.

Amen.

Quelle

unbekannt – Waket up!

WAket up, gy Christen alle,
wackt up mit grotem vlith
In düssen yamerdalen!
wackt up! tys meer den tidt!
De HERE wertbalde kamen,
de dach wil ein auent haen,
de Sünders wert he verdömen:
wol mach vor eem bestan?

Geldt, Gudt kan emm nicht baten,
uns helpt noch hoge modt:
Du moest ydt korts vorlaten,
went dar kumpt de bitter dodt.
All bistu schön van varuen,
all bistu junck unde rick:
Godt kan dy balde vorderuen
in einem ogenblick tidt.

Darumme, gy Christen alle,
de hyr tho sammende syth,
Latet juwen homodt fallen
unde wachet up juwe tidt!
Wille gy by Gade leeuen,
so söket dath Ewige gudt!
he wert juw ricklick geuen
unde helpen uth aller nodt.

Gads Wordt ys uns gegeuen
uth groter barmherticheit,
Dat wy dar na schöllen leeuen
unde maken unsen wech bereidt:
So lath uns dat nu vaten
und kleeuen mit dem herten daran!
will wy dat nu vorlaten,
so ist mit uns gedan!

Och, wer he nicht gebaren,l
de Gades Wordt voracht!
Dat ys mit eem vorlaren,
he wandert all in der nacht
Vul laster unde vul schande,
und spottet mit Gades Wort:
O we dem groten eelende!
syn Seel wert Ewichliken vormort.

De armen, de by iuw wanen,
wilt dar juwe ogen upslaen,
Se werden juw vorschamen,
wen gy vor dem strengen Ordel stan.
Dat werde gy seker woll weeten,
dat Got nicht thouergelden steit,
unde de dem armen hefft gudt gedaen,
de wert syn loen entfaen.

Quelle

unbekannt – Die Sequentia, Sancti Spiritus adsit nobis gratia

up Düdesch up den Pingesten

NU kum, werder Hilliger Geist,
erlücht unse herte aldermeist
mit dynem Gödtliken glantz.

Kum, Vader der armen, her,
mit dynen gaven uns tzyr,
der herten hell unde klar.

Du högeste trost in aller noth,
der Seelen gantz leeve gast
und vorquiker in der last.

Im dem arbeyd rouwe fyn,
in der hytten ein kolder Wyn,
im weenende ein söter trost.

O salig Gödtlike glantz,
erfülle de herten gantz
der, de gelöven an dy, Godt!

Ane dyne gunst unde gnade
nichtes Gade an uns behaget,
sünder ys synde dorch unde dorch.

Böge dat stiff ys unde hart,
verdörret ys make nat,
wat vorerret, bringe tho recht.

Hele dat vorwundet ys,
werme dat vorfraren ys,
scheppe dat vorkamen ys.

Gitff dynen gelövigen,
de sick gantz vortruwen,
dyner hilligen gaven riken schat.

Tzir mit dögeden unde gudt
unse herten, sin unde modt,
giff ein frölik ende, fröwde unde frede!

Quelle

unbekannt – Ein gsang auff Weihennachten

EIn kindelein so lobenlich
ist uns geboren heüte
Von einer jungfraw selberlich
zu trost uns armen leute.
Wer uns das kindlin nicht geborn,
so weren wir all zmal verlorn,
das heil ist unser allen!
O du süsser Jesu Christ,
das du mensch geboren bist,
behüt uns vor der hellen!

Die zeit die ist nun freüdenreich
zu lobe Gottes namen,
Das Christus von dem himelreich
vff erden ist gekumen.
Es ist ein groß demütigkeit,
die Gott von himel bey uns thet,
ein knecht ist er geworden,
On alles sünde uns geleich,
dardurch wir werden ewig reich,
tragt unser sünde bürde.

Wol dem, der diß gelauben ist
mit gantzem hertzen trawen!
Dem wirt die säligkeit gewiß,
wol den, die darauff bawen,
Das Christus hat genug gethan
für uns, darumb er uß gegon
von Gott dem ewigen Vatter.
O wunder über wunderthat!
Christ trägt unser missethat
und stillet unsern hader!

Des danck ihm alle Christenheit
für solche grosse güte,
Und bitte sein barmhertzigkeit,
das er uns fürhin bhüte
Vor falscher leer unnd bösem won,
darinn wir sind lang zeit geston!
er wöll uns das vergeben!
Gott vatter, sun und heilger geyst,
wir bitten von dir allermeist:
las uns inn friden leben!

Quelle

unbekannt – A solis ortus cardine.

LAßt uns von hertzen singen all,
laßt loben mit frölichem schall!
Von auffgang biß zu nydergang
ist Christ geburt worden bekandt.

Sey uns wilkommen, kindlin zart!
welche lieb zwang dich also hart?
Ain Herre aller creatur
scheynt schlechter dann ains armen burt!

Zayg an in unser hertzen grund,
das uns der Hayland werde kund,
Das wir mit dir so new geborn
dein werck befinden unverlorn,

Maria, muter, deine frucht,
die uns benimpt fraw Euen sucht,
Wie Gabriel verkündet hat
und Johannes der Prophet sagt.

Des himels taw vons vaters tron
schwingt isch owl in die junckfraw schon,
Des wirt die zarte gnaden vol
ins hertzen grund da alzumal.

Frewt euch, jr Engel, solcher ding!
jr hyrten und jr frembdeling,
Gebt Gott im höchsten preyß und syg,
den menschen auff der erden frid.

Hie leyt er in dem Krippelein,
gewunden in die tüchelein,
Geseüget so gar kümmerleich,
der da herrschet im himmelreich!

Des dancken wir dir, vatter Gott,
dir Sun, die Gayst, ain ewigs gut,
Welchs uns vergottet durch seyn wort,
yetz vermenschet durch sein geburt.

Quelle

unbekannt – Veni creator spiritus

KUmm hailiger gayst, Gott schöpffer,
such haym die gmutt deiner diener,
Erfüll mitt deiner gnaden glast
die hertzen, die erschaffen hast!

Der du, tröster hayliger gayst,
des höchsten Gottes gabe hayst,
Ain brunn des lebens, lieb und fewr,
die gaystlich salbung Gottes thewr.

Dein gab auch sibenfältig ist,
der ghrechten Gottes Finger bist,
Du machst die kelen reden süß
durchs vatters wort, das er verhieß.

Zünd an dein liecht in unserm synn,
dz unser hertz vor liebe brinn!
Die schwachait unsers leibs du merck,
mit deiner krafft ewigklich sterck!

Treyb den feynd weyt von uns hindan
und gib uns den frid von stundan
Unnd für uns durch dein gnad unnd huld,
das wir vermeyden alle schuld.

Gib uns der frewden globten lon,
gib uns der gnaden gaben schon!
Zerreiß des haders hand in grund,
verbind mit uns den frides bund!

Gib uns, das wir erkennen nun
durch dich den vatter und den sun
Und dich, der bayder gayst, glauben
zu aller zeyt ain Gott, Amen!

Quelle