Vespasius, Hermann – NA lust heb ick my vtherwelt

NA lust heb ick my vtherwelt
dy mynes Harten ein trösterin,
In rechter leue tho dy geselt
ahn argen whan Hart, modt vnd sinn.
Tho fröschen dick gantz flytichlick
heffstu alltydt geuunden mick
na dynem gbodt gantz wyllichlick,
dat werdt ick ock geneten stedichlick.

Veel langer wyl heb icch vörwar,
wenn ick tho lesen vindt neen tydt,
Denn my na dy vörlanget ghar
vör allen andern Böken wyth.
Doch modt nicht syn im Olden schyn,
do man de Bibel hefft vöracht,
de nu Godt hefft heruör gebröcht:
ehm sy daruör Eher, Loff vnd Danckk gesecht.

Des tröst ick my, O Bybel werdt,
dat du nu byst vördüdschet wol,
Dath nicht allein de Hochgelerdt
dyner söticheit geneten schal.
Godt erst vnd lest geue synen Geist,
dath wy syn Wordt lhern recht vörstaen,
dath idt vns vhör vp rechte Baen
mit synem glantz, dath wy nicht erre ghan.

Quelle

Vespasius, Hermann – Zart schöne Junckfruw, gedenck vnd schow

ZArt schöne Junckfruw, gedenck vnd schow,
dat sick dyn leue in steder öue
na Christo seer do krencken;
Neen row lath dick, so lange dath sick
syne ögelyn syn mit gnaden schyn
jegen dy fründtlick doen wencken;
Alß denn hefft dicch gantz kkrefftichlich
syne leue vnd gunst beseten:
darum schow an, wat he dy ghan,
dyner werdt he nicht vörgheten.

Dyn Roter Mundt tho aller stundt
heb wol in hoedt, denn idt nicht goedt
so alle tydt tho schertzen;
Idt is jo recht, dat Christus secht:
vele goder wordt ghan jümmer vordt
vth einem reinen Harten.
Keer wedder bald, vnde dy endtholvt
veel schertz vnd der glyken:
och, schöne Junckfruw, vp CHRIstum trüw
vnde do van ehm nicht wyken!

Dyn leue, segg ick, an ehm nich brick,
efft dn schön Gewaldt hedst mannichfualdt
vnd kundst vele böses schaffen!
Heb goedt gebeer, bewar dyn Eher,
so heffstu loff in aller proff
vnd werdt dy Nemandt straffen.
Ergryff dyn gern Christ dynem HERR
vnd syner leue geuangen,
tho aller stundt van Harten grundt
drag stetz na ehm vörlangen.

Quelle

Vespasius, Hermann – Ein frölick Gesanck eines gelöuigen Christen

WEer myner Sünd ock noch so veel,
dennoch ick nicht vörtzagen wil,
Christ wil ick lathen wolden:
De alle Sünd wech nimpt vnd dricht,
den wil ikck lathen wolden.

Syn tröstlick Wordt heb ick gehördt,
darmedt hefft he myn Herdt gerört:
wol gelöuet an synen Söne,
de werdt vörlaren werden nicht,
schal hebben der fröuwden Krone.

Idt trure, wol dar truren wil,
myn Hert vpspringt vör fröuden veel,
neen leydt nach my nicht rören,
Neen Vnual my affwenden schal
van Christo, mynem HEREN.

O Jesu Christ, myn HER vnd Godt,
dy trüwen helpt allein vth nodt,
help mynem swanken gelouen,
So kan my ock de bitter Dodt
vth dyner Handt nicht rouen.

Frisch vnd frölick,, myn leue Seel!
dy is beschert dat ewygh Heyll,
dyn Vyendt syndt all gedempett!
Den strydt de nicht vörlesen kan,
de im Gelouen kempet.

Danck sy dy Godt in ewicheit,
O Vader der barmherticheit,
sampt Christo, mynem HEREN!
Dyn loff ick all tydt prysen wil,
dynen Namen stedes eheren. Amen

Quelle

Knaust, Heinrich – ICh weiß mir ein feins schöns Kindelein

ICh weiß mir ein feins schöns Kindelein,
hat mir mein hertz besessen,
Es kan mir ein hertz liebs bildlin sein,
ich kan sein nicht vergessen!
Es gefellt mir auß der massen wol,
sein weiß vnd berd
ist goldes werd,
sein Nam zeigt an, was es thun soll.

Sein Vatter hat mir zugesagt,
es soll mein Heiland werden,
Hat mir mein trawriges hertz erfrewt,
meins Jammers bin ich gnesen.
Die Sünd vergeht durch diß geburt,
dauon wird grecht,
Herr Gott, dein Knecht
vnnd alle Welt mit frewd berürt.

Du ausserweltes Kindelein,
halt mich in deiner hute!
Laß mich deinn armen diener sein,
beweiß mir deine güte!
Zu dir ich schrei stets offt vnd viel
auß Hertzen bgir:
mein höchste zier,
Herr Christ, setz mir ein gnedigs ziel!

Quelle

Tauler, Johannes – Eyn cantilene der selen, die von lieben gewunt ist.

GOt der ist so wunnigklich,
so wer jn liebt der ist freudenreich,
der sint jn zu allen stunden.

O edel sele, halt dich frey,
bezwinge deyn vsser sinne,
Vnd nempt deyns selbs mit fleysse war,
was dir allermeist sy inne:
Dz dreib auß mit aller macht,
als lieb als dir deyn got ye wart,
ob du jn begerst befinden.

GOt der ist so wunnigklich,
so wer jn liebt der ist freudenreich,
der sint jn zu allen stunden.

O edel sele, won in dir
vnd halt dich frey mit fleisse,
Wan freyheitt ist so theur schatz,
sie macht den geyst so reiche.
So wer den schatz sol befinden,
der muß frembder mynnen vrlob geben,
so mach ers woll erlingen.

GOt der ist so wunnigklich,
so wer jn liebt der ist freudenreich,
der sint jn zu allen stunden.

Gots mynne die ist so zart,
sie leest sich dem nit finden,
Dem frembde mynne besessen hat,
der gewint jr nummer kunde.
Got wilt die seel alleine han,
der wilt er auch sich selber gen,
das sie jn sol befinden.

GOt der ist so wunnigklich,
so wer jn liebt der ist freudenreich,
der sint jn zu allen stunden.

Eya, keert euch in den spegell klar
vnd sehet, wie er euch meynet,
Da solt jr finden offenbar,
wie jr jm syt vereynet,
Ach senckt euch in den diefen grunt
des tages me dan tausent stunt,
so wirt euch seyner kunt.

GOt der ist so wunnigklich,
so wer jn liebt der ist freudenreich,
der sint jn zu allen stunden.

So wer den spegel duck ansehett,
der vintt da hertzen wunne,
Vnd wirt ouch menger sorgen quyt,
da gebertt sich ware mynne.
Die wunnigklich dreifelicheit
die luchtet in der inwendigkeyt
vnd senckt sich in zu grunde.

GOt der ist so wunnigklich,
so wer jn liebt der ist freudenreich,
der sint jn zu allen stunden.

Der grundt, der da ist nameloß
vnd ist auch bloß von beilden,
Da wirt der geist auch formeloß,
ob in der gotheit milde.
Och der minneliche blick,
da wird der geist so inn gestickt,
das er seyns selbst geet vnden.

GOt der ist so wunnigklich,
so wer jn liebt der ist freudenreich,
der sint jn zu allen stunden. Amen.

Quelle

unbekannt – De Hymnus, Vexilla regis Prodeunt.

DEs Köninges bannern ghan herör,
de frucht des Crützes sweuet hoch her,
An dem de Schepper alles flesches
gehangen hefft ynn snöder wise.

Am suluen dartho seer vorwundt
mit einem scharpen spher thor negenden stundt,
Syne syde gaff water vnde blot
thor vordelginge der Helschen gloth.

Dat Dauid sang, ward do vorfült
mit lauesengen vm geiste gar milde,
Tho den minschen seggende also:
Godt herschet am holte aldar.

Des Crützes holdt getziret ys,
mit purpuren des Köninges Christ,
Als ein gantz gudt vtherwelt stamm,
de solcke ledtmate dragen kan.

Darane ys vtgerecket de heil,
dat lohn, vor welcker de werlt was veil,
Der sünde börden he vp sick nam,
der Helle roeff he herlick wan.

Solck Crütze billick tho lauen ys,
daran me Gades heimelicheit list,
Dar anne ligt aller Christen trost,
wente Godt vorbüt alle frömde lust.

Danck sy dy, Godt dreueldichlick,
all wat leuet priset darumme dick,
Dat du doch des frönen Crützes Dod
vnd heffst erlöst vth ewiger nodt. Amen.

Quelle

Weisse, Michael – Von der Heyligen Dreyfaltigkeyt

O göttliche Dreyfaltigkeyt
inn eyniger selbstendigkeyt,
O Gott inn der Himlischen rhu,
wie wunderlich erscheynestu!

Du schuffest den mensch rein vnd gut
vnd zirest jn nach deinem mut,
Zu deinem bild formirest jn
vnd machest einen Bund mit jm.

Da nu der mensch sampt seiner frucht
der sünden halben war verflucht,
Liessestu, Vater, deinen Son
für jn auff erden busse thun.

Da diser, sein ampt außgericht,
erschein vor deinem angesicht,
Bat er, das du vns allermeist
trösten woltest mit deinem Geyst.

Du warest seiner beth bereit,
begabest menschlich alberkeit,
Richtest dein außerwelten zu,
das sie kömen zu seiner ruh.

Nu gibestu die seligkeit
aus gnad vnd aus barmhertzigkeit
Durch Christi verdinst inn der gab
deines geystes von oben hrab.

Die drey werck vnsrer seligkeyt
preysen dich, o Dreyfaltigkeyt,
Die du nach personen genant
vnd doch nur ein Gott wirst erkant.

Die seel hat edler gaben drey,
vernunfft, willen, gedechtnis frey:
Die weyl sie wird dein bild genant
wirstu gar feyn an jr erkant.

Die sonne, so ausbündig gut,
hat jr werck, das sie mechtig thut,
Sie leuchtet, wermet vnd gibt krafft,
deutet do mit dein aygenschafft!

O liecht Heilig Dreyfaltigkeyt!
erleucht all vnser tunckelheyt,
Erwerm vnser seel, gib krafft,
so wechst dein wort inn vollem safft!

Schein vns mit gnad von deinem thron
vnd enttzünd vns inn deinem Son
Durch des heyligen Geystes kunst
mit deiner allerbesten brunst!

Dir, Got vater, vnd deinem Son,
Aus dir geborn jm höchsten thron,
Des gleichen dem heiligen Geyst,
sey lob vnd preyß inn ewigkeyt. Amen.

Quelle

Weisse, Michael – Christus, der vns selig macht

CHristus, der vns selig macht,
kein böß hat begangen,
Der ward für vns inn der nacht
als ein Dieb gefangen,
Gefürt für Gottlose leut
vnd felschlich verklaget,
verlacht, verhönt vnd verspeyt,
wie denn die Schriefft saget.

Inn der ersten tages stund
ward er vnbescheyden
Als ein Mörder dargestelt
Pilato dem Heyden,
Der jn vnschuldig befand
one sach des Todes,
jn der halben von sich sandt
zum König Herodes.

Vmb drey ward der Gottes Son
mit Geysseln geschmissen
Vnd sein haupt mit einer Kron
von Dörnern zerrissen,
Gekleydet zu hon vnd spot
ward er sehr geschlagen,
vnd das Creutz zu seinem tod
mus er selbest tragen.

Vmb sechs ward er nackt vnd bloß
an das creutz geschlagen,
An dem er sein blut vergoß,
bettet mit weeklagen;
Die zuseher spotten sein,
auch die bey jm hiengen,
biß die Sonn auch jren scheyn
entzog solchen dingen.

Jesus schrey zur neundten stund,
klaget sich verlassen;
Bald ward Gall inn seinen mund
mit Essig gelassen;
Da gab er auff seinen Geyst,
vnd die erd erbebet,
des Tempels vorhang zerreyß
vnd manch Felß zerklübet.

Da man het zur Vesper zeyt
die schechher zerbrochen,
Ward Jesus inn seine seyt
mit eim Sper gestochen,
Darauß blut vnd wasser rhan,
die Schriefft zu erfüllen,
wie Johannes zeyget an,
nur vmb vnsert willen.

Da der tag sein ende namm,
der abent war kommen,
Ward Jesus vons Creutzes stamm
durch Joseph genommen,
Herrlich nach Jüdischer art
inn ein Grab geleget,
alda mit hüttern verwart,
wie Mattheus zeyget.

O hilff, Christe, Gottes Son,
durch dein bitter leyden,
Das wir stetz dir vnterthan
all vntugent meyden,
Deinen tod vnd sein vrsach
fruchtbarlich bedencken,
dafür, wiewol arm vnd schwach,
dir danckopffer schencken. Amen.

Quelle

Weisse, Michael – Von der Menschwerdung Christi.

Veni redemptor gentium.

VOn Adam her so lange zeyt
war vnser fleysch vermaledeyt,
Seel vnd geyst biß jnn todt verwundt,
am gantzen menschen nichts gesundtt.

Vns het vmbfangen grosse not,
vber vns herrschet sünd vnd todt,
Wir suncken in der hellen grund,
vnd war niemand, der helffen kundt.

Gott sah auff aller menschen stet
nach einem, der seinn willen thet,
Er sucht einn Man nach seinem mut,
fand aber nichts, den fleysch vnd blut.

Denn die rechtschaffne heyligkeyt,
wirdigkeyt vnd gerechtigkeyt
Hetten sie in Adam verlorn,
auß welchem sie waren geborn.

Als er so groß sichtumb erkant
vnd keinen Artzt noch helffer fandt,
Dacht er an seine grosse lieb
vnd wie sein Wort warhafftig blieb.

Sprach, Ich wil barmhertzigkeyt thun,
für die welt geben meinen Sun,
Das er jr Artzt vnd Heyland sey,
sie gesund mach vnd benedey.

Er schwür ein Eyd dem Abraham,
auch dem Dauid von seinem stamm,
Verhieß jn zu geben den Sun
vnd durch jn der Welt hülffe thun.

Er thets auch den Propheten kund
vnd breytets auß durch jren mund,
Dauon Künig vnd fromme leut
sein warteten vor langer zeyt.

Ob sie wol, wie jr hertz begert,
des leyblich nicht wurden gewert,
Doch hetten sie im glauben trost,
das sie solten werden erlöst.

Da aber kamm die rechte zeit,
von welcher Jacob propheceyt,
Las er jm ein Jungkfraw auß,
eim Mann vertrewt von Dauids hauß.

In der wirckt er mit seiner krafft,
schuff vom blut jrer Jungkfrawschafft
Das rein vnd benedeyte kind,
bey dem man gnad vnd warheyt findt.

O Christe, benedeyte frucht,
entpfangen rein in aller zucht,
Gebenedey vnd mach vns frey,
sey vnser heyl, trost vnd ertzney!

Quelle

Freder, Johann – Nu ys de angeneme tydt

NU ys de angeneme tydt,
de dach des Heyls vor ogen steith!
ein Christen dar tho trachte,
Dath he vorgeues nicht de gnad
entfange vnd sick ewich schad,
syn sake hebbe in achte!

Wy möten alle vp de vahrt
vnd Christo werden apenbart,
wenn he sitt dat Gerichte,
Dar wert entfangen yederman
na synem arbeidt ock syn lohn,
dat holdt vor neen gedichte!

Ein Boem, de nicht drecht früchte gut,
wert affgehouwen thor vüres gloedt,
darinne tho vorderuen:
Darum lat ernstlick Bote dar syn,
bekere recht dat herte dyn,
so du Gades Ryck wilt eruen!

Idt werden kamen nicht tho gelick
alle de in dat Hemmelryck,
de seggen Here Here,
Sunder de gern den willen don
des Vaders in des Hemmels thron
tho synem loff vnd ehre.

Dat Licht moth lüchten hell vnde klar
vor allen Lüden apenbar:
de Geloue moth sick bewysen,
Dat se de guden wercke seen,
de ane vordreet van du gescheen
vnd Godt den Vader prysen.

De Jesum Christum angehören
sick laten nicht dat fleesch voruören,
syn willen tho vullbringen:
Im Geist se wandern vnde her gan,
de böß begert ant Crutz slan,
de lüste se bedwingen.

Du most dy stellen nicht gelick
der werlt, des Düuels Brudt vnd Ryck,
sonder vorandert werden,
Vornyet moth syn dyn gemödt,
ydt möthen in dy syn gedödt
de ledemadt vp Erden.

O Godt, dorch Christum dynen Sön
giff dynen Geist! de moth ydt don!
lat en dat in vns wercken!
Dorch en de herten recht bekeer,
im leeuendt vns regeer vnde vör,
mit trost vnde hülp vns stercke!

Dy sy, Godt Vader, loff vnd ehr
vnde dy, O Christe, leue Herr,
dy benedyede Samen,
Vnde dy, O hillige Geist, tho gelick,
vp Erden alse im Hemmelryck
tho ewigen tyden, Amen!

Quelle