Zinzendorf, Nikolaus Ludwig Graf von – Henoch’s Leben. (Vor seinen Augen schweben)

Vor Seinen Augen schweben,
Ist wahre Seligkeit.
Ein unverrücktes Leben
In der Verborgenheit;
Nichts können und Nichts wissen,
Nichts wollen und Nichts thun,
Als Jesu folgen müssen,
Das heißt in Frieden ruh’n.

Man steht von seinem Schlafe
In Christi Freundschaft auf;
Man fürchtet keine Strafe
Im ganzen Lebenslauf;
Man ißt und trinkt in Liebe,
Man hungerte wohl auch;
Man hält im Gnadentriebe
Beständig einen Brauch.

Wann man den Tag vollendet,
So legt man sich zur Ruh;
Von Christo unverwendet
Thut man die Sinne zu,
Und wünschet selbst den Träumen,
Wenn’s ja geträumt soll sein,
Nichts andres einzuräumen,
Als Christi Wiederschein.

Man geht in einer Fassung
Dahin bei Tag und Nacht,
Und ist auf die Verlassung
Der ganzen Welt bedacht:
Man hört und sieht und fühlet,
Hört, sieht und fühlt doch nicht,
Und wenn uns Schmerz durchwühlet,
Hat man doch Freudenlicht.

Gewiß, wer erst die Sünde
In Christi Blut ertränkt,
Und dann, gleich einem Kinde,
Ihm unverrückt anhängt:
Der wird auch heilig handeln,
Und kann bald anders nicht; (1. Joh. 3,8.)
HErr Jesu, lehr‘ uns wandeln
In Deiner Augen Licht!

(1731.)

Arndt, Ernst Moritz – In allen meinen Thaten.

(Paul Flemming und ich.)

In allen meinen Thaten
Laß ich den Höchsten rathen,
Der alles kann und hat;
Er muß zu allen Dingen
Soll’s anders wohl gelingen,
Selbst geben seinen Rath und That.

Was Menschen nicht verstehen,
Das herrscht in Himmelshöhen
Als Weisheit Huld und Macht.
Die Drei sind treue Wächter
Der irdischen Geschlechter,
Und halten Gottes fromme Wacht.

Er hat in jenen Höhen
Mir mein Geschick ersehen,
Dahin geht all mein Schau’n;
Sei’s helle, sei es trübe,
Ich will auf seine Liebe,
Die unergründlich reiche bau’n.

Sei, liebe Seele, seine
Und traue dem alleine,
Der dich geschaffen hat.
Er leite dich in Gnaden,
Als gingst auf Erdenpfaden
Du schon den hellen Himmelspfad.

Arndt, Ernst Moritz – Muth der Christenseele.

Harre, harre, Christenseele,
Harre todesmuthig aus,
Meilen nicht und Mühen zähle
Froher kommst du so nach Haus;
Frisch geschritten! frisch gestritten!
Bald erscheinet dir sein Schein.
Wie nach Millionen Schritten,
Wie wird süß die Ruhe sein!

Ist doch Einer vorgeschritten,
Der die besten Wege weiß,
Der die Fahnen aus der Mitten
Hebt der Schlachten schwer und heiß,
Der dir zeigt nach blutgem Streite
Immergrünen Siegeskranz,
Daß du strebest in die Weite
Fröhlich fort, als ging’s zum Tanz.

Harre aus! dein Heiland lebet,
Deine Hoffnung blühet grün,
Und die Kreuzesfahne schwebet
Siegreich über Erdenmüh’n.
Fröhlich drum und todesmuthig
Harre, Christenseele, aus!
Sey dein Kampf auch schwer und blutig,
Hell und herrlich steht dein Haus.

Haus der Christen hoch auf Sternen,
Wo die Geisterreigen stehn,
Wo die Nähen all und Fernen,
Wo die Meilen gar vergehn,
Wo man alle Erdenstraßen,
Allen Erdenstreit vergißt
Und nicht mehr nach Sonnenmaaßen
Die Unendlichkeit ermißt.

Haus der Christen, Haus der Sterne
Welche Wonne! welcher Glanz!
Harre, Seele, dulde gerne,
Fest im Aug den Siegeskranz.
Hoch den Blick zur höchsten Höhe!
Bad‘ ihn froh in Morgenroth!
Und zur Lust wird jedes Wehe
Und zum Leben wird der Tod.

Ehrenfried Liebich – Dich, Jesu, laß ich ewig nicht

Dich, Jesu, laß ich ewig nicht;
Dir bleibt mein Herz ergeben.
Du kennst dieß Herz, das redlich spricht:
Nur Einem will ich leben.
Du, Herr, allein,
Du sollst es sein;
Du sollst mein Trost auf Erden,
Mein Glück im Himmel werden!

Dich, Jesu, laß ich ewig nicht;
Ich halte dich im Glauben.
Nichts kann mir meine Zuversicht
Und deine Gnade rauben.
Der Gnadenbund
Hat festen Grund:
Die deiner sich nicht schämen,
Die kann dir Niemand nehmen.

Dich, Jesu, laß ich ewig nicht;
Aus göttlichem Erbarmen
Gingst du für Sünder in’s Gericht,
Und bittest für mich Armen.
Aus Dankbarkein
Will ich erfreut,
Um deines Leidens willen,
Die Pflicht der Treu‘ erfüllen.

Dich, Jesu, laß ich ewig nicht;
Du stärkest mich von oben;
Auf dich steht meine Zuversicht,
Wenn Stürme um mich toben.
Ich flieh‘ zu dir;
Du eilst zu mir.
Wenn mich die Feinde hassen,
Wirst du mich nicht verlassen.

Dich, Jesu, laß ich ewig nicht;
Dich, Gottes größte Gabe;
Ich weiß, daß mir kein Gut gebricht,
Herr, wenn ich dich nur habe.
Behalte, Welt,
Was dir gefällt,
Wornach die Eiteln streben;
Ich will nur Jesu leben!

Dich, Jesu, laß ich ewig nicht;
Nichts soll mich von dir scheiden;
Es bleibet jedes Christen Pflicht,
Mit seinem Herrn zu leiden.
Doch all‘ mein Leid
Währt kurze Zeit;
Bald ist es überstanden,
Und Ruh‘ ist dann vorhanden.

Dich, Jesu, laß ich ewig nicht;
Nie soll mein Glaube wanken,
Und wenn des Leibes Hütte bricht,
Sterb‘ ich mit dem Gedanken:
Mein Freund ist mein,
Und ich bin sein;
Er ist mein Schutz und Tröster;
Und ich bin sein Erlöster.

Dich, Jesu, laß ich ewig nicht;
Hier will ich dir vertrauen;
Dort hoff‘ ich, dich von Angesicht
zu Angesicht zu schauen.
Dort werd‘ ich dein
Mich ewig freu’n,
Und ewig deinen Namen,
Erlöser! preisen. Amen.

Simon Dach – Kein Christ sol ihm die rechnung machen,

Kein Christ sol ihm die rechnung machen,
Daß lauter sonnenschein
Hie umb ihn werde seyn
Und er nur schertzen müss‘ und lachen;
Wir haben keinen rosen-garten
Hie zu gewarten.

Wer dort mit Christo hofft zu erben,
Gedenck‘ auch für und für
In dieser welt allhier
Mit ihm zu leiden und zu sterben.
Hie wird, was Gott uns dort erkohren,
Durch creutz gebohren.

Was muste Christus selbst ausstehen!
Er muste ja durch noht
Und jämmerlichen tod
Zu seiner herrligkeit eingehen.
Und du vermeinst mit recht zu klagen
In bösen tagen?

Der wein muß erst gekältert werden,
Eh‘ als sein süsser safft
Das trauren von uns rafft;
Der weitzen, so uns stärckt auff erden,
Kömpt durch das mahlen und durch bitze
Uns erst zu nütze.

Gold, silber und viel ander wesen
Muß auch durchs feuer gehn,
Eh‘ als es kan bestehn;
Ein krancker, wil er recht genesen,
Wird über den artzney-geträncken
Sich nicht viel kräncken.

Wer hat den sieges-krantz getragen,
Der nicht vom übermuth
Der feind‘ in schweiß und blut
Und kummer hat gewusst zu sagen?
Wer wird das ziel im wette-rennen
Ohn‘ staub erkennen?

Ist noch so viel uns wiederfahren,
So ist doch dieses leid
Nicht wehrt der herrligkeit,
Die Gott an uns wil offenbaren,
Weil sie nach diesen kurtzen zähren
Sol ewig wehren.

Anna Schieber – Laß schaffen mich

Laß schaffen mich, so lang es Tag,
auf deinem Feld mit Hack und Spaten.
Gib, daß ich froh mich regen mag,
und laß die Frucht für dich geraten.

Im Schweiß und Mühe laß mich nicht
am Übermaß vorzeit ermatten.
Und wenn die Mittagssonne sticht,
birg mich in deeinen kühlen Schatten.

Das Licht, das aus der Heimat winkt,
laß mich zur Dämmerstunde sehen.
Und laß mich, wenn die Sonne sinkt,
an deiner Hand nach Hause gehen.

Amen.

Franz Härter – Heimat meiner Liebe

Heimat meiner Liebe,
Ziel der heil’gen Triebe,
Ort der sel’gen Ruh,
wo mein Jesus weilet,
Friedensstadt, es eilet
dir mein Sehnen zu.
Herr wie lang
werd ich noch bang
an die Erdennot gebunden
zählen Tag und Stunden!

Doch ich geh so träge
auf dem Lebenswege
meinem Jesum nach,
dankend halb, halb zagend,
nach dem Ausgang fragend
und mit manchem Ach!
O wie schwer
ward mir bisher,
ganz mir abzusagen
und mein Kreuz zu tragen!

Lehr mich stiller gehen,
treuer auf dich sehen,
den ich oft betrübt!
Jesu, voll Erbarmen,
hast du ja mich Armen
je und je geliebt!
Lauter Güt‘
ist’s, die mich zieht
hin zum Ziel der heil’gen Triebe,
Jesu, meine Liebe.

Gottlieb August Astmann – Mache meine inn’ren Sinnen

Mache meine inn’ren Sinnen

Von der Decke Mosis frei,

Daß sie einzuseh’n beginnen,

Wie dein Wort so herrlich sei!

Ach, daß ich die köstlichen Güter verstände,

Ach, daß ich die köstliche Perle doch fände,

Die heimlich im Worte der Seligkeit liegt,

Die den, der sie findet, so herrlich vergnügt!

 

  1. Du bist, Jesu, in dem Worte

Selbst die Perle, selbst das Licht,

Wenn dein Glanz aus Zions Pforte,

Durch dies Wort in mir anbricht.

Ach, möcht‘ ich Dich, Jesu, doch in der Schrift sehen!

So würde der Morgenstern in mir aufgehen;

Wie lange soll dieser vortreffliche Schein

Der Seele im Finstern verborgen noch sein?

 

  1. Ach, so öff’ne doch die Quelle,

Die aus deinem Worte fließt,

Die sich lieblich, klar und helle

Aus dem Paradies ergießt!

Ach, konntest Du ehmals die Jünger erwecken,

Die Wunder des Wortes im Geiste zu schmecken,

So schenke mir, Jesu, doch eben das Licht!

Weil mir’s noch am innern Verständniß gebricht.

 

  1. Jesu, laß es mir gelingen,

Daß ich Deines Wortes Lust

Heute möge noch besingen,

Lege mich an deine Brust!

So kann ich die herrlichen, göttlichen Lehren,

Aus deinem Wort innerlich immerdar hören,

Bis daß ich dereinst mit verkläretem Sinn

In Zion, im Lichte der Herrlichkeit bin.

Ernst Gottlieb Woltersdorf – Rüstung des Christen.

Ephes. 6, 10-18.

 

Der Du mich vom Tod erkauft,

Mir das Heil erstritten,

Mich in deinen Tod getauft,

Herr, vernimm mein Bitten!

Schenke mir,

Herr, in Dir

Glaubensmuth zum Kriegen,

Gottesmacht zum Siegen!

 

  1. Lege mir die Rüstung an,

Die Gott selbst bereitet,

Daß ich sicher stehen kann,

Wenn der Arge streitet.

Dessen List

Mächtig ist,

Uns mit tausend Tücken

Teuflisch zu berücken.

 

  1. Herr, es gilt mein Vaterland,

Meine Kron‘, mein Erbe!

Blut hast Du daran gewandt,

Daß ich nicht verderbe,

Und auch ich

Muß durch Dich

Vollen Sieg erreichen,

Keinem Feinde weichen.

 

  1. D’rum, so laß mich wachend stehn,

Gib den Augen Klarheit,

Um recht frei zum Kampf zu gehn,

Gürte mich mit Wahrheit!

Redlichkeit

In dem Streit

Sieget nach Verlangen,

Falschheit wird gefangen.

 

  1. Laß mich mit Gerechtigkeit

Meine Brust bedecken;

Dieses Panzers Sicherheit

Trotzet allem Schrecken.

Satan flieht,

Wenn er sieht

In des Kampfes Hitze

Dieser Rüstung Blitze.

 

 

  1. In dem Evangelio

Deines Friedens wandeln,

Macht die Seele frei und froh,

Lehrt sie kindlich handeln.

Himmelsruh‘

Lehrest Du,

Lehrst uns, sicher gehen,

In Dir fest zu stehen.

 

  1. Ueber Alles decke mich

Mit des Glaubens Schilde!

Mein Vertrauen geh‘ auf Dich

In dem Marterbilde.

Herr, dein Tod

Wehrt der Noth!

Pfeile, die sonst zünden,

Müssen hier verschwinden.

 

  1. Droht dem Haupte die Gefahr,

Gib den Helm des Lebens!

So stell ich mich freudig dar,

Und sie droht vergebens.

Hoffnung weiß

Ihren Preis;

Nimmer kann ich sterben,

Alles werd‘ ich erben!

 

  1. Endlich gib des Geistes Schwert

Meinen Glaubenshänden!

Gottes Worte sind bewährt,

Die den Streit bald enden,

So werd‘ ich,

Herr, durch Dich

Satans Macht entrinnen,

und den Sieg gewinnen!

 

  1. Wecke mich in Fried‘ und Streit

Zum Gebet und Flehen!

Sprich auch, wenn der Glaube schreit:

„Ja, es soll geschehen!“

Herr, nimm wahr

Deiner Schar,

Aller, die noch kriegen,

Bis zum letztem Siegen!

Gerhardt, Paul – Mein Gott, ich habe mir

  1. Mein Gott, ich habe mir
    Gar fest gesetzet für,
    Ich will mich fleißig hüten,
    Wenn meine Feinde wüten,
    Daß, wenn ich ja was spreche,
    Ich dein Gesetz nicht breche.
  2. Wenn mein Geblüt entbrennet,
    So hab ich mich gewöhnt,
    Vor deinen Stuhl zu treten,
    Laß Herz und Zunge beten;
    Herr, zeige deinem Knechte,
    Zu tun nach deinem Rechte.
  3. Herr, lehre mich doch wohl
    Bedenken, daß ich soll
    Einmal von dieser Erden
    Hinweg geraffet werden,
    Und daß mir deine Hände
    Gesetzet Zeit und Ende.
  4. Die Tage meiner Zeit
    Sind eine Hand nur breit,
    Und wenn man dies mein Bleiben
    Soll recht und wohl beschreiben,
    So ists ein Nichts und bleibet
    Ein Stäublein, das zerstäubet.
  5. Ach, wie so gar nichts wert
    Sind Menschen auf der Erd,
    Die doch so sicher leben
    Und gar nicht Acht drauf geben,
    Daß all ihr Tun und Glücke
    Verschwind im Augenblicke.
  6. sie gehen in der Welt
    Und suchen Gut und Geld,
    Der Schatten einen Schemen!
    Und können nichts mitnehmen,
    Wann nach der Menschen Weise
    Sie tun des Todes Reise.
  7. Sie schlafen ohne Ruh,
    Arbeiten immerzu,
    sind Tag und Nacht geflissen,
    Und können doch nicht wissen,
    Wer, wenn sie niederliegen,
    Ihr Erbe werde kriegen.
  8. Nun, Herr, wo soll ich hin?
    Wer tröstet meinen Sinn?
    Ich komm an deine Pforten,
    Der du mit Werk und Warten
    Erfreuest, die dich scheuen
    Und dein allein sich freuen.
  9. Wann sich mein Feind erregt
    Und mir viel Dampfs anlegt,
    So will ich stille schweigen,
    Mein Herz zur Ruhe neigen:
    Du Richter aller Sachen,
    Du kannst und wirsts wohl machen.
  10. Wenn du dein Hand ausstreckst,
    Des Menschen Herz erschreckst,
    Wenn du die Sünd heimsuchest,
    Den Sünder schiltst und fluchest:
    So geht in einer Stunde
    All Herrlichkeit zugrunde.
  11. Der schönen Jugend Kranz,
    Der roten Wangen Glanz
    Wird wie ein Kleid verzehret,
    So hier der Matten nähret.
    Ach, wie gar nichts im Leben
    Sind die auf Erden schweben!
  12. Du aber, du mein Hort,
    Du bleibet fort und fort
    Mein Helfer, sieht mein Sehnen,
    Mein Angst und heiße Tränen,
    Erhöret meine Bitte,
    Wenn ich mein Herz ausschütte.
  13. Drum ruhet mein Gemüt
    Allein auf deiner Güt;
    Ich laß dein Herze sorgen,
    Als deme nicht verborgen,
    Wie Meiner Feinde Tücke
    Du treiben sollst zurücke.
  14. Ich bin dein Knecht und Kind,
    Dein Erb und Hausgesind,
    Dein Pilgrim und dein Bürger,
    Der, wenn der Menschenwürger
    Mein Leben mir genommen,
    Zu dir gewiß wird kommen.
  15. Zur Weit muß ich hinaus,
    Der Himmel ist mein Haus,
    Da in den Engelscharen
    Mein Eltern und Vorfahren,
    Auch Schwestern, Freund und Brüder
    Jetzt singen ihre Lieder.
  16. Hie ist nur Qual und Pein,
    Dort, dort wird Freude sein!
    Dahin, wenn es dein Wille,
    Ich fröhlich, sanft und stille
    Aus diesen Jammerjahren
    Zur Ruhe will abfahren.