Herman, Nikolaus – Ein Bergreihen von Bescheidenheit und Sanftmuth.

Wer schnurrt und purrt allzeit im Haus,
Der richt damit sehr wenig aus.
Ein freundlich Wort mehr Frommen schafft,
Weib, Kind und Gsind es williger macht.

2. Im Regiment gehts auch so zu:
Wer sanft regiert, pflanzt Fried und Ruh.
Der allzeit schnarcht und fährt mit Gwalt,
Derselb hat ausregieret bald.

3. Ein Lehrer, der stets scharrt und pocht,
Der schafft beim Volk sehr wenig Frucht.
Braucht er kein Glimpf und sanften Muth,
Der Kirchen er viel Schaden thut.

4. Sanftmuth ein schöne Tugend ist,
Der sich selbs rühmt der Herre Christ;
Sanftmuth von ihm der lernen soll,
Wer will regiern und lehren wohl.

5. Sein besser Würz ist, denn das Salz,
Doch braucht man Honig, Zucker und Schmalz,
Wenn man ein Speis soll machen gut,
Übrig Salz Alles verderben thut.

6. Wer allzuscharf ein Waffen schleift,
Der lähmt sich selbst, so er drein greift.
Denn gar zu scharf macht Scharten viel,
Auch bricht, was Gwalt schnell biegen will.

7. Ein Maaß zu allen Ding ist gut.
Wohl dem, ders Mittel treffen thut;
Man sagt, zu viel sei ungesund,
Wers Maaß hält, der ist ein Ausbund.

8. Strafen hat auch sein Maaß und Ziel,
Wer allzeit poltern und schelten will,
Und allen Unflath regt und rührt,
Mit Schaden der lehrt und regiert.

9. Der oben aus und nirgend an,
Verfügt gar manchen theuren Mann;
Fahr schön, thu gmach und säuberlich,
So schaffst du Nutz bei männiglich.

10. Wer nicht bisweil durch d‘ Finger sieht,
Hört und hört nicht Alls, was geschieht,
Derselb oft Übel ärger macht,
Gmein, Fried und Nutz nicht wohl betracht.

11. Wer schlechts will mit dem Kopf hindurch,
Der gibt sich in groß Gfahr und Sorg,
Daß er sich nicht selber renn ab,
Und darnach Spott zum Schaden hab.

12. Wer Alls zu Pölzen(Pfeilen) drehen will,
Drei Kegel treffen alle Spiel,
Dem fehlts oft um ein Baurenschuh,
Ein Narr ists, der will sein zu klug.

13. O wie selig ist diese Stadt,
Die Lehrer und Regenten hat,
Die Glimpf und Ernst bequemer Zeit
Brauchen mit aller Bscheidenheit.

14. Wer sich selbs lehret und regiert,
Ein Ehrenkranz der billig führt,
Wer aber ist nur ein Webstein,
Des Ruhm und Preis ist gring und klein.

Herman, Nikolaus – Ein geistliches Lied wider die Sicherheit und von des Teufels List und Geschwindigkeit.

Man kann es auch singen im Ton:
Kommt her zu mir rc.
Oder: Ich hab mein Sach zu Gott rc

Wer steht, der schau, daß er nicht fall,
Der Teufel thut uns allzumal
Mit seinen Stricken stellen.
Vertrau nur Niemand auf sein Macht,
Und hab sein Sach in guter Acht,
Der Feind wird ihn sonst fällen.

2. Hilf Gott, wie ist sein Macht so groß,
Dagegen sind wir nackt und bloß,
Sein könn wir uns nicht wehren,
Wo du, Herr, nicht mit deiner Macht
Dich selbst in deines Geistes Kraft
Mit Hilf zu uns wirst kehren.

3. Er setzt uns so gar gwaltig zu,
Kein Stund lässt er uns Fried noch Ruh,
Kein Anstand will er machen.
O Herr Gott, Vater, steh uns bei,
Und mit dein Engeln bei uns sei,
Ah, laß sie für uns machen.

4. In Sünd und Schand er uns bald bringt,
Wo dein Hand nur ein Kleins verhängt,
In das Sieb er uns setzet.
Er rädert uns und panzerfeigt 1(mit einem Stück vom Panzer die Geschirre reinigen, mit harten Worten züchtigen)
Und stift Jammer und Herzenleid,
Leib und Seel er verletzet.

5. Sein Pfeil sind scharf,
sein List sind schwind,
Welt, Fleisch und Blut, sein Hofgesind
Mit ihm wider uns kämpfen.
Drum bittn wir dich, o heilger Geist,
An deiner Gnad liegt uns am meist,
Hilf uns die Feinde dämpfen.

6. Hast du doch, o Herr Christ, sein Macht
Zerstöret durch deins Todes Kraft
Und hast den Sieg behalten.
Den theil uns mit, o Gottes Lamm,
Stärk uns damit in unserm Kampf.
Du wollest unser walten.

7. Einst, da ich mit dem Teufel rang,
Da er mir macht fast weh und bang,
Mußt ich das Liedlein singen.
Gott half, der Böswicht schaffet nicht,
Denn mein Herr Christ hat ihn gericht,
Drum wollts ihm nicht gelingen.

8. Drum dank ich dir, Herr Jesu Christ,
Daß du mein Trost und Beistand bist
In allen meinen Nöthen.
Hilf mir forthin zu aller Zeit
In solchem Kampf und harten Streit
Den alten Adam tödten.

Amen.

Herman, Nikolaus – Ein christliches Lied, zu stärken den Glauben in Anfechtung.

Meim Lieben Gott ergeb ich mich
Gänzlich, weil er so väterlich
Allzeit gegen mir sich erzeigt,
Und zu helfen ist so geneigt.

2. Sein Hilf beut er mir selber an,
Und spricht: Ich will dich nicht verlan;
Ruf in der Noth getrost zu mir,
Mein Sohn Christus soll helfen dir.

3. Ach Gott, wie ist mein Glaub so schwach,
So will das Fleisch auch nicht hernach,
Dem Geist wills nicht sein unterthan,
Es will nur schlechts den Holzweg gahn.

4. Zweifeln betrübt mir oft mein Herz,
Das Gsetz erregt in mir viel Schmerz
Es treibt und mahnt ohn Unterlaß,
Jetzt forderts dies, bald forderts das.

5. Nun sind mein Kräft gar viel zu schwach,
Dem guten Willn zu setzen nach.
Ich bin leider zu sehr verderbt,
Die bösen Lüst hab ich ererbt.

6. Ah, wie ists doch so schwere Pein,
Nichts haben und viel schuldig sein;
Und da auch gar kein Hoffnung ist,
Daß man mög zahlen eine Frist.

7. Herr Gott, mein Schuld bekenn ich dir,
Vater, ins Gricht geh nicht mit mir.
Ich will dir setzen ein Vorstand,
Jesum dein Sohn, meinen Heiland.

8. O Vater, nimm den Bürgen an,
Denn er allein bezahlen kann,
Mit seim Ghorsam und großen Gduld,
Was Adam und wir han verschuldt.

9. Auf ihn setz ich mein Heil und Trost,
Der mich mit seim Blut hat erlost;
Ich weiß kein andre Grechtigkeit,
Vater, denn dein Barmherzigkeit,

10. Die mir dein Sohn Christ hat erworbn,
Da er für mich am Kreuz gestorbn.
Sein Opfer wöllst du sehen an,
Und mich seins Tods genießen lan;

11. Daß ich durch ihn der Sünden frei
In beim Reich sein Miterbe sei,
Und dir mit dem himmlischen Heer
Allzeit finge Lob, Preis und Ehr.

Amen.

Herman, Nikolaus – Ein tröstliches Lied wider die Haus- u. Bauchsorge.

Aus dem Evangelio und Psalmen.
Im Ton: Wo Gott, der Herr, nicht bei uns 26.
Oder: Nun freut euch rc.

Ach Gott, wie gehts doch immer zu,
Daß uns so heftig plaget
Die Bauchsorg und lässt uns kein Ruh,
So uns Gott gleich zusaget,
Daß er woll unser Vater sein,
Und uns wie seine Kindelein
An Leib und Seel versorgen.

2. Wie ist doch unser Glaub so schwach,
Wie daß wir Gott nicht trauen?
Warum denkn wir seim Wort nicht nach,
Und so kränklich drauf bauen?
Weil sichs befindet in der That,
Was er jemals verheißen hat,
Daß er solchs reichlich leiste.

3. Philippi Rechnung immerdar
Im Herzen uns aufsteigen,
Viel und Wenig will sich nicht gar
Mit einander vergleichen.
Wir sehn nur, was im Vorrath ist,
Und gläuben nicht, daß Jesus Christ
Aus wenig viel könn machen.

4. Wenn wir wissen kein Steig noch Steg,
Und kümmern uns nur sehre,
Da weiß Gott hunderttausend Weg,
Wie er uns speis und nähre.
Er kann wohl speisen ohn das Brot,
Allein durchs Wort in Hungersnoth,
Und die Seinen erhalten.

5. Speist er doch vierzig ganze Jahr
Israel in der Wüsten,
Da weder Korn noch Weizen war,
Die Fels sie tränken mußten.
Eliä brachten Fleisch und Brot
Die Raben, daß er litt kein Noth,
Gott lässt die Sein nicht leiden.

6. Ah, Niemands will ihm gnügen lan
An dem, das Gott bescheret.
Der Mammon plaget jedermann,
Und Sorg, wie er sich nähret.
Drum bildt uns für die Vögelein
Der Herr Christ, die ohn Sorge sein,
Und leiden doch kein Mangel.

7. Desgleich die Blümlein auf dem Feld
Arbeiten nicht, noch spinnen,
Und haben weder Gut noch Geld,
Und können keins gewinnen;
Noch sein sie also hübsch gekleidt,
Daß mit aller seinr Herrlichkeit
Salomon ihn nicht gleichet.

8. So wir erstlich mit ganzem Fleiß
Nach Gottes Reich nur trachten,
Wahrlich, er würd uns gleicherweis
Des Leibs Nothdurft verschaffen,
Auf daß wir hätten Hüll und Füll,
Denn er allzeit versorgen will,
Die auf sein Güt vertrauen.

9. David, der König und Prophet
In seinen Psalmen saget,
Am siebenunddreißigsten es steht:
Ich bin alt und betaget,
Noch hab ich das erfahren nie,
Daß der Gerechten Kinder je
An Bettelstab sind kommen.

Psalm 33 und 34.

10. Des Herren Aug siehet auf die,
So auf sein Güt vertrauen,
Und in der Theurung nährt er sie,
Wenn sie steif auf ihn bauen;
Denn hie sollen kein Mängel han,
Die ihn fürchten und rufen an,
Er will stets für sie sorgen.

11. Drum wolln wir dir, o Herre Sott,
Alle die Sorg heimstellen,
In aller Leibs und Seelennoth
Rufen zu dir wir wollen.
Wenn uns die Bauchsorg ja anficht,
Herr Christ, laß sie uns kümmern nicht,
Daß wir kleinmüthig werden.

12. Der Glaub stimmt gar nicht überein
Mit der schnöden Bauchsorge.
Auf Gottes Hand hofft er allein,
Spricht nicht: Was essn wir morgen?
Er thut, was ihm befohlen ist,
Und lässt die Sorg dem Herrn Christ,
Der halts Alls in sein Händen.

13. Stärk unsern Glauben, o Herr Christ,
Laß uns die Sorg nicht plagen.
Hilf uns, daß wir zu aller Frist
Deim Reich erstlich nachjagen;
Daß wir nicht, wie ein Heide thut,
Stets trachten nach dem zeitlich Gut
Und das ewige verscherzen.

Amen.

Herman, Nikolaus – Von angefangenem Gehorsam und neuem Leben.

Aus dem 15. Psalm.

Wer durch den Glauben ist gerecht,
Der muß nicht sein der Sünden Knecht.
Wer wohnen will in Gottes Haus,
Muß die alte Haut ziehen aus.

2. Dem Fleisch muß er sein Willn nicht lan,
Ein neues Leben fangen an.
Den alten Adam muß er tödten,
Und zum Ghorsam zwingen und nöthen.

3. Sein böse Lust die soll er dämpfen,
Und mit dem Geist darwider kämpfen,
Damit er sterb der Sünden ab,
Und sich zu bessern Willens hab.

4. Denn wer will sein ein rechter Christ,
Der mach seinen Beruf gewiß
Laß die Sünd in ihm herrschen nicht,
Wie er sich in der Tauf verpflicht.

5. Ein Christ geht ohn Wandel her,
Recht zu thun ist ad sein Begehr,
Und ob man ihm was Args zumißt,
Tausend Zeugen sein Gwissen ist.

6. Er tröstet sich seiner Unschuld,
Bös überwindt er mit Geduld,
Von Herzen er die Wahrheit liebt,
Mit Lügen er Niemand betrübt.

7. Sein Zung den nächsten nicht verletzt,
Die Leute nicht zusammen hetzt,
Kein Schmähwort geht aus seinem Mund,
Was er redt, geht von Herzensgrund.

8. Der Gottlosen er gar nichts acht,
Kein Bund, noch Freundschaft mit ihn macht,
Sondern ehrt und liebt allezeit
Die frommen, gottfürchtigen Leut.

9. Was er zusagt mit seinem Mund,
Hält er stets fest zu aller Stund;
Ja, ja und Nein ist sein Bescheid,
Als ob er schwür ein theuren Eid.

10. Sein Geld er nicht auf Wucher giebt,
Schnöder Gewinn ihm nicht geliebt.
Schlimme Vortheil und schwinde List
Fleucht er, dieweil er ist ein Christ.

11. Auch braucht er gar kein böse Ränk,
Läßt sich nicht stechen mit Geschenk,
Daß er dem Unschuldign sein Sach
Jemands zu Gfalln zu Wasser mach.

12. Wer also lebt, handelt und thut,
Und traut allein auf Christus Blut,
Der wird wohl bleiben ohne Leid,
Hier zeitlich, und in Ewigkeit.

Herman, Nikolaus – Von ungefärbter christlicher Liebe des Nächsten.

Ein wahrer Glaub Gotts Zoren stillt,
Daraus ein schönes Brünnlein quillt:
Die brüderliche Lieb genannt,
Dabei ein Christ recht wird erkannt.

2. Christus sie selbst das Zeichen nennt,
Dabei man sein Jünger erkennt.
In Niemands Herz man sehen kann,
An Werken wird erkannt ein Mann.

3. Ja, bei der Lieb man spüret frei,
Wer ein rechtschaffner Bruder sei.
Mit dem Herzen gläubt man an Gott,
Die Lieb fleißt sich seiner Gebot.

4. Die Lieb nimmt sich des Nächsten an,
Sie hilft und dienet Jedermann.
Gutwillig ist sie allezeit,
Sie lehrt, sie straft, sie gibt und leiht.

5. Die Lieb verhebt keim ihr Wohlthat,
Wem sie dient und geholfen hat;
Denn was sie thut, thut sie aus Pflicht,
Und thut sie viel, halb thut sies nicht.

6. Sie weiß, daß sie mehr schuldig ist,
Zu thun, und ihr noch viel gebrist(gebricht).
Drum rühmt sie nicht ihr Gütigkeit,
Sie hindert kein Undankbarkeit.

7. Obgleich ihr Viel erkennen nicht,
Was ihn oftmal zu gut geschicht,
Daran eim Christen wenig leit;
Die Lieb ist sein Schnur und Richtscheid.

8. Ein Christ seim nächsten hilft aus Noth,
Thut solchs zu Ehren seinem Gott,
Welcher von ihm solchs fordern thut,
Dank man ihm drum, so ists wohl gut.

9. Wo nicht, so kümmerts ihn nicht sehr,
Denn er sucht nicht sein Ruhm und Ehr.
Was sein rechte Hand reichet dar,
Deß wird die linke nicht gewahr.

10. Wer seim Nächsten dient auf Gewinn,
Der hat sein Lohn und Ruhm schon hin;
Denn solche auch Jüdn und Heiden thun,
Die nicht wissen von Gottes Sohn.

11. Den Lohn solln wir im Himmelreich
Warten, da wills Gott machen gleich,
Und Alls zahlen bei Carols Gwicht,
Was in seim Namen hie geschicht.

12. Wie Gott lässt scheinen seine Sonn,
Und regnen über Bös und Fromm,
So solln wir nicht allein dem Freund
Dienen, sondern auch unserm Feind.

13. Die Lieb ist langmüthig, freundlich,
Sie eifert nicht, noch blähet sich.
Gläubt, hofft, verträgt Alls mit Geduld,
Verzeiht gutwillig alle Schuld.

14. Sie wird nicht müd, fährt immerfort,
Kein sauern Blick, kein bitter Wort
Sie schießen lässt, nichts Args sie denkt,
Lügen und Unrecht sehr sie kränkt.

15. Dem Nächsten hält sie viel zu gut,
Ihrs Rechts sich oft verzeihen thut.
Sie bleibt standhaft in Ernst und Schimpf.
In böser Sach braucht sie ein Glimpf.

16. Sie kann verschweigen und verhörn,
Beschönt, was sie nicht kann erwehrn,
Gott geb, was man sag oder singt,
Zum Besten deut‘ sie alle Ding.

17. Darum die Lieb das Fürnehmst ist
Darauf sich fleißen soll ein Christ,
Dem Gsetz allein die Lieb gnug thut,
Dem Nächsten thut sie alles Guts.

18. O Herr Christ, deck zu unser Sünd,
Und solche Lieb in uns anzünd,
Daß wir mit Lust dem Nächsten thun,
Wie du uns thust, o Gottes Sohn.

Amen.