Gerhard Tersteegen – Beruf’ne Seelen, schlafet nicht (Wachet und betet)

Beruf’ne Seelen, schlafet nicht,
Zur Ewigkeit steht aufgericht’t.
Wir wandeln nur im Schatten hier,
Was träumen wir,
Und zärteln unser träges Tier?

Legt ab die Last, und was euch hält,
Lust, Gunst und Umgang dieser Welt,
Geht aus Natur und Eigenheit.
Seid stets bereit;
Der Bräut’gam kommt, er ist nicht weit.

Wir wollen ihm entgegen geh’n,
Und, was hier stehet, lassen steh’n.
Nehmt seinen Ruf im Geiste wahr,
Hier wird er gar
Den reinen Herzen offenbar.

Bleibt eingekehrt, da man’s geneußt,
Und betet immerdar im Geist,
Dass man euch Zeit und Kraft nicht stehl‘;
Ach, sammelt Öl,
Jetzt, jetzt, damit euch’s dann nicht fehl‘.

Nun, ganz für Gott! dort gilt kein Schein;
Herr, flöß‘ uns Öl der Liebe ein,
Zu uns’res Lebens Treibgewicht
Und Seelenlicht,
Das auch im Tod verlösche nicht.

O Jesu, weck uns selber auf
Zum innig muntern Pilgerlauf:
Hilf wachen, beten, sterben nun,
Und nirgend’s ruh’n,
Bis du uns findest also tun.

Gerhard Tersteegen – Von allen Dingen ab (Pilgerlied)

Von allen Dingen ab,
Die nicht mitgeh’n durchs Grab,
Soll meine Seel‘ sich wenden,
Herr, gürte meine Lenden;
Lass mich hinfort auf Erden
Zum wahren Fremdling werden.

Die Welt hat nichts an mir,
Und ich hab‘ nichts allhier
Zu hoffen, zu genießen.
Ich will die Augen schließen:
Ein ewig wahres Wesen,
Kein Traum lässt mich genesen.

Ich tu‘ Verzicht darauf,
Was sonst im Pilgerlauf
Sich mir anpreisen würde,
Es ist nur eine Bürde;
Ich lass sie Andern stehen,
Ich kann also nicht gehen.

Ich bin ein Wandersmann,
Was geht’s den Fremdling an?
Ich reise gern mit Frieden,
Frei, bloß und abgeschieden:
Geld, Ehre, Lust, Vergnügen,
Ich lass euch alle liegen.

Ich kehr von dem auch ab,
Was ich zur Not noch hab‘;
Was mein ist, ist nicht meine,
Gott ist mein Gut alleine,
Mein Teil, mein Trost, mein Leben.
Was such ich noch daneben?

Weg, Herzleid, weg Betrug!
Mein Gott, du bist mir g’nug;
Man hat’s in dir alleine
So wesentlich, so reine,
So ruhig, so inwendig,
Man hat’s in dir beständig.

Mein Ausgang völlig sei,
So wird der Eingang frei,
So komm‘ ich in die Weite,
Und mich in dir ausbreite,
Daheim im Vaterlande.
Zerreiß denn meine Bande.

Verbirg‘ mich tief bei dir,
Dass ich recht einsam hier,
Und dir gemeinsam lebe,
Dir frei und fest anklebe,
Mein Liebstes nirgend schone,
Und stets im Geist nur wohne.

Nun, hin zur Ewigkeit,
Durchs fremde Land der Zeit!
Halt fest, mein treuer Leiter;
Aus mir und Allem weiter
Dein Schäflein heimwärts trage,
Mit dir allein ich’s wage.

Gerhard Tersteegen – Ach, könnt ich stille sein

Ach, könnt ich stille sein,
Und sanfte schlafen ein,
Mein Gott, in deinem Frieden!
Drück mir die Augen zu,
So sinkt mein Geist zur Ruh‘,
Von allem abgeschieden.

Ach, dass ich stille wär;
Das Aug‘ schaut hin und her
Und die Gedanken rasen;
Vernunft, die will sich spreiten,
Die Sinne gar ausgleiten,
Der Will‘ ist nicht gelassen.

So wacker, so zerstreut
Ist meine Sinnlichkeit,
So quäl‘ ich mich beständig:
Es schlafe die Natur;
Mein Herze wache nur,
Dir, meinem Gott, inwendig,

Dem, was sich draußen regt,
Ganz fremd und unbewegt,
Als wär‘ ich nicht im Leben;
Nur dir allein bekannt,
Dir innig zugewandt,
Und leidentlich ergeben.

Geh‘ Welt, und Freude such!
Ich hab‘ hier Freude g’nug;
Ich darf nicht betteln gehen.
Man schelte mich für dumm,
Für traurig und für stumm;
Ich lass mein Herz nicht sehen.

So heimlich und so bloß
Da stillest du mich Müden;
Kriech ich in deinen Schoß;
Da lieg‘ ich wohl verwahrt,
In deiner Gegenwart,
Und schlafe ganz mit Frieden.

Gerhard Tersteegen – Ach, dass ich in mir selbst muss stehen

Ach, dass ich in mir selbst muss stehen,
Und wollt‘ so gern doch aus mir gehen!
Ich wohne gar nicht gut in mir,
Herr, zeuch mich, dass ich komm‘ zu dir.

Mein Geist, der lebt, als im Gedränge,
Am fremden Ort, so wüst und enge;
Bei dir, in dir, mein Gott allein,
Da ist es weit, da muss ich sein.

Es hält mich fest, das böse Eigen:
Könnt ich mich selbst doch übersteigen,
Dass ich ganz lauter, frei und bloß,
Nur wohnen möcht in deinem Schoß!

Ich find‘ mich selbst, wo ich mich kehre.
Ach möcht ich doch also, mein Herre,
Wo ich mich kehr, wo ich mich wend‘,
Nur finden dich, mein Element!

Ach, möcht‘ ich ganz erhaben stehen,
Und nichts, als dich allein, ansehen,
So würd‘ ich bald geheiligt sein,
Und all‘ mein Tun wär‘ licht und rein.

Mein lang‘ bedrängter Geist, der würde
Befreit von aller Qual und Bürde,
Ganz munter, still und innig froh,
In süßer Unschuld leben so.

Eröffne dich, du Friedenspforte,
Ich schrei und wart nach deinem Worte.
Ach, führ mich aus mir selber aus,
Mein Geist gehört in dir zu Haus.

Gerhard Tersteegen – Setze dich, mein Geist, ein wenig (Jesus am Kreuz)

Setze dich, mein Geist, ein wenig
Und beschau‘ dies Wunder groß,
Wie dein Gott und Ehrenkönig
Hängt am Kreuze nackt und bloß.
Schau die Liebe, Die ihn triebe
Zu dir aus des Vaters Schoß.

Ob dich Jesus liebt von Herzen,
Kannst du hier am Kreuze sehn.
Schau, wie alle Höllenschmerzen
Ihm bis in die Seele gehn,
Fluch und Schrecken Ihn bedecken.
Höre doch sein Klag’getön.

Seine Seel‘, von Gott verlassen,
Ist betrübt bis in den Tod;
Und sein Leib hängt gleichermaßen
Voller Blut und Wunden rot;
Alle Kräfte, Alle Säfte
Sind erschöpft in höchster Not.

Dies sind meiner Sünden Früchte,
Die, mein Heiland, ängsten dich.
Dieser Leiden schwer Gewichte
Sollt‘ zum Abgrund drücken mich.
Diese Nöthen, Die dich töten,
Sollt‘ ich fühlen ewiglich.

Doch du hast für mich besieget
Sünde, Tod und Höllenmacht;
Du hast. Gottes Recht genüget,
Seinen Willen ganz vollbracht,
Und mir eben Zu dem Leben
Durch dein Sterben Bahn gemacht.

Ach, ich Sündenwurm der Erden,
Jesu, stirbst du mir zu gut?
Soll dein Feind erlöst werden
Durch dein eigen Herzensblut?
Ich muss schweigen Und mich beugeu
Für dies unverdiente Gut.

Seel‘ und Leben, Leib und Glieder
Gibst du Alles für mich hin;
Sollt‘ ich dir nicht schenken wieder
Alles, was ich hab‘ und bin?
Ich bin deine Ganz alleine,
Dir verschreib ich Herz und Sinn.

Dir will ich durch deine Gnade
Bleiben bis im Tod getreu;
Alle Leiden, Schand und Schade
Sollen wich nicht machen schen.
Deinen Willen Zu erfüllen,
Meiner Seele Weise sei.

Tränk‘ mit deinem Blut mich Armen,
Es zerbricht der Sünden Kraft;
Es kann bald mein Herz erwarmen
Und ein neues Leben schafft.
Ach, durchfließe, Ach, durchsüße
Mich mit deinem Lebenssaft.

Zeuch durch deines Todes Kräfte
Mich in deinen Tod hinein;
Lass mein Fleisch und sein Geschäfte
Mit dir angenagelt sein.
Dass mein Wille Sanft und stille,
Und die Liebe werde rein.

Lass in allen Leidenswegen
Deine Leiden stärken mich,
Dass mein Leiden mir zum Segon
Mag gedeihen stetiglich,
Dass mein Herze Auch im Schmerze
Ohne Wanken liebe dich.

Wenn mich schrecken meine Sünden,
Wenn mich Satans List ansicht,
Wenn ich Kraft und Gnad‘ kann finden,
Woll’st du mich verlassen nicht.
Lass dein Sterbeit Mich erwerben
Trost im Tod‘ und im Gericht.

Jesu, nun ich will ergeben
Meinen Geist in deine Hand;
Lass mich dir alleine leben,
Bis ich nach dem Leidensstand
Bei dir wohne In der Krone,
Dich beschau‘ im Vaterland.

 

Gerhard Tersteegen – Die Leiden des Herrn.

1. Fußwaschung.

Du Bild der Demut und der Güte,
Willst du ein Kuecht der Sünder sein?
Ei, wasche doch auch mein Gemüte
Und meinen ganzen Wandel rein.
Lass mich zu aller Menschen Füßen
Mich, als den Mind’sten, bücken gern;
Im Dienst des Nächsten überfließen
Und mich in Liebe ganz verzehr’n.

2. Abendmahl.

O Jesu, willst du mir auch geben
Dein paradisisch Fleisch und Blut,
Das mir bereitet ist zum Leben,
Da du gestorben mir zu gut?
Komm, gib mir denn dich selbst zur Speise,
Halt stets dein Abendmahl mit mir;
Erquick und stärk‘ mich auf der Reise,
Mein mattes Herz verschmachtet schier.

3. Hohepriesterliches Gebet.

Mein Hoherpriester, dessen Beten
Der Vater allezeit erhört,
Du woll’st mich stets also vertreten,
Bis ich in Eins vollendet werd‘;
So lang‘ ich leb‘ und schweb‘ auf Erden,
Dein armes, schwaches Kind bewahr.
Lass mich mit dir ganz Eines werden,
Und in dir mit der Frommen Schar.

4. Gethsemane.

Ach liebster Heiland, du musst zagen,
Du bist betrübt bis in den Tod.
Ich seh‘ der Sünden Last dich tragen,
Ich selber mach dir diese Not.
O Herr, mit dir in Trauern leben,
Ist besser, als viel eitle Freud‘,
Dein Zittern lass‘ mir Kräfte geben
Und Trost in aller Traurigkeit.

Ich sehe dich, mein Jesu, liegen,
Der Leidenskelch dich sehr erschreckt,
Doch kannst du dich so sanfte schmiegen,
Weil dir des Vaters Wille schmeckt;
Hilf mir in meinem Leiden beten,
Dass ich mich beug‘ und traue dir.
Gib, dass mein Will in allen Nöthen
In deinem Willen sich verlier‘.

Ich danke, Jesu, deiner Liebe,
Der du gerungen mit dem Tod,
Da dich die Angst zum Beten triebe,
Und schwitztest Blut in höchster Not.
Mach‘ mich in meinem Kampf beständig,
Ach, stärke meinen blöden Mut!
Ja, bete selbst in mir inwendig,
So kann ich kämpfen bis aufs Blut.

5. Gefangennehmung.

Den Feinden gehst du, Herr, entgegen,
Du küssest den Verräter noch;
Ein Wörtchen kann sie niederlegen,
Und läss’st dich willig greifen doch.
Gib, dass ich auch dein Kreuz mit Freuden
Dir täglich willig trage nach;
Und auch das Werkzeug meiner Leiden
In Liebe gern umfassen mag.

Du läss’st dich binden und dich zwingen,
Unschuldig, doch in sanftem Sinn,
Du läss’st dich führen, schlagen, drängen,
Du stilles Lamm, zur Schlachtbank hin.
Ach, mach mich dir auch so gelassen,
Ach, bind‘ und führ‘ mich ewiglich.
Gib, dass ich schweige gleichermaßen,
Wenn and’re Menschen plagen mich.

6. Hannas.

Man fragt dich aus als den Verräter;
Ich war der tückisch, böse Knecht.
Man schlägt dich als den Übeltäter,
Doch war dein Tun und Reden recht.
Herr, prüf‘ und siehe, wie ich’s meine;
Gib, dass ich ganz aufrichtig leb‘,
Und, wär‘ mein Tun auch noch so reine,
Doch nie dem Bösen widerstreb‘.

7. Petrus.

Es hat dein Leiden, Herr, vermehret,
Dass Petrus noch verrleugnet dich;
Dein holder Anblick ihn bekehret,
Drum weinet er so bitterlich.

Ach, mach mich weis‘ und treu in Allen,
Dass ich an deine Kraft mich halt‘;
Und wenn ich möcht aus Schwachheit fallen,
Dein Anblick mich erneue bald.

8. Das geistliche Gericht.

Auf falsche Anklag‘ du nur schweigest,
Die Läst’rer trägst du in Geduld,
Und da du von der Wahrheit zeugest,
Wirst du verdammet ohne Schuld.
Ich bin, wenn du nach Recht willst richten,
Des Todes und der Hölle wert;
Drum muss ich schweigen, mich mit nichten
Erzürnen, was mir widerfährt.

Du wirst verspottet und verspeiet,
Man schlägt dein göttlich Angesicht,
Damit ich möchte sein befreiet
Von Spott und Pein in dem Gericht;
Hilf, dass ich alle Schand‘ und Plagen
Nicht fürchte, noch mich räche gar;
Die mich auf einen Backen schlagen,
Den andern ihnen biete dar.

9. Das weltliche Gericht.

Man führt dich vor Gericht unschuldig,
Und, ob man dich verleumdet gleich,
Schweigst du doch still und bist geduldig,
Weil du kein irdisch Königreich.
Gib, dass ich auch der Welt absage,
Und such‘, was himmlisch ist, allein;
Dass ich getrost an jenem Tage
Vor deinem Richterthron mag sein.

Du wirst geschleppet und gejaget
Mit Schanden durch die Stadt herum,
Gleichwie ein albrer Narr geplaget,
Gefragt, verklagt, bist dennoch stumm.
Gib, dass ich auch in Schmach und Leide
Mich so gelassen geb‘ dahin;
Viel Wort‘ und Ruhm bei Menschen meide,
Und gern für nichts geachtet bin.

Den Lebensfürsten man verstößet,
Und um den bösen Mörder schrei’t;
Gar schändlich wirst du, Herr, entblößet,
Man geißelt dich mit Grausamkeit.
Ach, lass mich Allem ganz absagen,
Und stets erwählen dich allein.
Willst du mit deiner Zuchtrut‘ schlagen,
So mache mich wur still und klein.

Man krönt dich mit der Dornenkrone,
Man beuget sich aus Spott vor dir.
Nun sitz’st du auf dem höchsten Throne,
Ich beug‘ mich auch im Geist allhier;
Ich grüße dich, mein Herzenskönig;
Mein Herz sei dir ein Königreich;
Trag‘ ich die Dornenkron‘ ein wenig,
So werd‘ ich dir auch droben gleich.

Verspottet und zerkraht, verspeiet,
Wirst du zum Schauspiel hingestellt;
Den Heiland Jeder verabscheuet,
Weil Keinem die Gestalt gefällt.
Du schlechter Jesu bist mir lieber,
Als aller Hoheit falscher Schein;
Dir will ich folgen, sollt‘ ich drüber
Ein Schauspiel aller Menschen sein.

10. Verurteilung.

Du musst das Todesurteil hören,
Doch weiß man deine. Unschuld wohl.
Dein Stilleschweigen kann mich lehren,
Wie ich mich schuldig halten soll.
Wirst du, mein Richter, mir vergeben,
So acht‘ ich Menschenurteil nicht.
Mein alter Mensch, der soll nicht leben,
Mein Geist ihm auch sein Urteil spricht.

Dein Kreuz musst du, o Jesu, tragen,
Mit zween Mördern durch die Stadt;
Man hat dich wohl dazu geschlagen,
Da du so ganz erschöpft und matt.
Lass mich mein Kreuz auch willig nehmen,
Und dir, mein Heiland, tragen nach.
Ich will mich deiner Schmach nicht schämen,
Doch trage mit, weil ich so schwach.

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11. Kreuzigung.

Mit Gallentrank wirst du getränket,
An’s Kreuz genagelt jämmerlich;
Für die, so grausam dich gehenket,
Du bittest noch so gnädiglich.
Lass mich den Leidenskelch nicht scheuen,
Mit dir an’s Kreuz mich bind‘ allhier,
Dass sich mein Herz nicht mög‘ erfreuen
In ein’gen Dingen außer dir.

Du hängst verschmäht am Schädelorte,
Versprichst dem Mörder Gnad‘ und Ruh;
Du redest trostesvolle Worte
Der Mutter und dem Jünger zu..
Nun bist du in dein Reich gekommen,
Herr Jesu, ach, gedenke mein.
Gib, dass ich mög‘ mit allen Frommen
In deiner Lieb‘ vereinigt sein.

12. Der Tod Jesu.

Du schwebst in höchster Not verlassen,
Da du mir Gnad‘ und Heil erwirbst.
Als wenn du wolltest mich umfassen,
So neigest du das Haupt und stirbst.
Mach‘ meinen Eigenwillen neigen
Und mit dir sinken in den Tod.
Ich schenk mich ewig dir zu eigen,
Verlass‘ mich nicht in meiner Not.

Du läss’st dir öffnen deine Seite,
Woraus uus Blut und Wasser fleußt;
Der Glaube saugt, und auch noch heute
Viel Gnad‘ uud Leben draus geneußt;
So steht mir denn dein Herz nun offen,
O Jesu, zeuch mich tief hinein.
Du hast auch mir mein Herz getroffen,
Ich muss mit dir ein Herze sein.

13. Grablegung.

Du wirst gesalbet und bewunden,
Und in ein neues Grab gelegt.
Ich hab auch dir eiu Grab gefunden,
Doch ist es alt und kalt und schlecht.
Komm aber in mein Herz nur liegen,
So wird es wieder schön und neu.
Gib, dass ich allem Weltvergnügen
Als tot und ganz begraben sei.

Gerhard Tersteegen – Nun lobet alle Gottes Sohn

Nun lobet alle Gottes Sohn,
Der die Erlösung funden;
Beugt eure Knie vor seinem Thron,
Sein Blut hat überwunden.
Preis, Lob, Ehr, Dank, Kraft, Weisheit, Macht
Sei dem erwürgten Lamm gebracht.

Es war uns Gottes Licht und Gnad‘
Und Leben hart verriegelt;
Sein tiefer Sinn, sein Wunderrat
Wohl siebenfach versiegelt.
Kein Mensch, kein Engel öffnen kann,
Das Lämmlein tut’s, drum lobe man.

Die höchsten Geister allzumal
Nun dir die Knie beugen.
Der Engel Millionen Zahl
Dir göttlich‘ Ehr‘ erzeigen;
Ja, alle Kreatur dir schreit:
Lob, Ehr‘, Preis, Macht, in Ewigkeit.

Die Patriarchen erster Zeit,
Den lang‘ Verlangten grüßen;
Und die Propheten sind erfreut,
Dass sie’s nun mitgenießen.
Auch die Apostel singen dir
Hosanna, mit uns Kindern hier.

Der Märt’rer Kron von Golde glänzt,
Sie bringen dir die Palmen;
Die Jungfrau’n, weiß und schön gekränzt,
Dir singen Hochzeitspsalmen;
Sie rufen wie aus Einem Mund:
Das hat des Lammes Blut gekonnt!

Die Väter aus der Wüstenei
Mit reichen Garben kommen;
Die Kreuzesträger mancherlei;
Wer zählt die andern Frommen?
Sie schreiben deinem Blute zu
Den tapfern Sieg, die ew’ge Ruh.

Nun, dein erkauftes Volk allhie
Spricht: Halleluja, Amen!
Wir beugen jekt schon uns’re Knie
In deinem Blut und Namen;
Bis du uns bringst zusammen dort,
Aus allem Volk, Geschlecht und Ort.

Was wird das sein; wie werden wir
Von ew’ger Gnade sagen!
Wie uns dein Wunderführen hier
Gesucht, erlös’t, getragen;-
Da jeder seine Harfe bringt,
Und sein besond’res Loblied singt.

Magdalena Sibylla Rieger – Mein Jesu! lehr‘ mich beten!

Mein Jesu! lehr‘ mich beten!
Zeig‘, wie ich andachtsvoll
Vor Gott, den Vater, treten
Und mit ihm reden soll!
Du siehst mein Unvermögen;
Du kennest Fleisch und Blut,
Das gegen Gottes Segen
Oft lau und fremde tut.

Was beten sei, das lehre
Mich durch den Heilgen Geist!
Gib, dass ich nichts begehre,
Was Er nicht fordern heißt!
Zünd‘ heil’ge Lust und Liebe
In meinem Innern an,
Dass ich aus reinem Triebe
Mein Herz Dir bringen kann!

Wenn nun in deinem Namen,
O Herr, ich bitt‘ und fleh‘,
So sprich dazu dein Amen
Und gieb, dass es gescheh‘!
Sei Du vor deinem Vater,
Wie mir dein Wort verspricht,
Mein Mittler und Berater
Und meine Zuversicht!

Behüt‘ und stärk‘ den Glauben,
Dass er, wenn diese Welt
Ihn feindlich mir will rauben,
Den vollen Sieg behält!
In Dir darf froh ich hoffen,
Mein Bitten sei gewährt,
Zeig mir den Himmel offen,
Nach dem mein Herz begehrt! Amen.

Magdalena Sibylla Rieger – Höchster aller Namen

Höchster aller Namen,
Die vor Menschen kamen!
Jesu, Gottes Sohn!
Herr im Himmel droben,
Den die Engel loben
An des Vaters Thron!
Heiland! Du,
Der Menschen Ruh‘,
Der Du alle Seelen lenkest
Und auch mein gedenkest!

Du sollst hier auf Erden
Hoch geehret werden
Auch von mir mit Lust;
Komm‘ mir jetzt entgegen!
Wohn‘ mit deinem Segen,
Herr, in meiner Brust!
Du gabst Dich
Dahin für mich;
Ich will Dich mit heil’gen Trieben
Ewig dafür lieben.

Dich will ich nicht lassen,
Will Dich fest umfassen,
Bis Du ganz mir bleibst;
Bis Du voll Erbarmen
Auch mich Kranken, Armen
Dir selbst einverleibst.
Lasse mich
Nie ohne Dich!
Halte meinen Geist aufs Beste,
Treuer Heiland, feste!

Dir will ich mein Leben
Ganz zum Opfer geben,
Alles, was ich bin.
Gib, dass ich begehre,
Was auf deine Ehre
Freudig zielet hin!
Lass hinfort
Nach deinem Wort
Mich mein Tun und Lassen messen
Und Dich nie vergessen!

Hilfst Du meiner Seele,
Wenn ich Schwacher fehle,
Dann geht’s seliglich
Und ich kann gedeihen;
Auch die Engel freuen
Sich dann über mich,
Und ich werd‘
Schon auf der Erd‘
In des Himmels Vorhof stehen,
Licht und Wonne sehen.

Endlich, Dir willkommen,
Werd‘ ich aufgenommen
In das ew’ge Licht,
Nach der Engel Weisen
Immer Dich zu preisen,
Herr, von Angesicht.
O wie klar
Und wunderbar
Werd‘ ich dann mir zum Entzücken,
Jesu, Dich erblicken! Amen.

Magdalena Sibylla Rieger – Durchs Kreuz führt Gott die Seinen

Durchs Kreuz führt Gott die Seinen
dem Himmelreiche zu;
nach Klagen und nach Weinen
folgt Freude, Trost und Ruh,
So wird der Glaube klar,
so muss er überwinden,
muss rein sich lassen finden
bei Trübsal und Gefahr.

Nur durch ein kleines Streiten,
durch kurze Probezeit
will Gott uns hier bereiten
zur ew’gen Herrlichkeit.
Wir dürfen hier beherzt
den Finger Gottes merken;
er wird uns gründen, stärken
durch Alles, was uns schmerzt.

Drum freu‘ ich mich von Herzen,
wenn auch mich Leiden drückt;
es sind gesunde Schmerzen,
die deine Hand mir schickt.
Ich weiß, du läuterst nur,
du prüfest meine Nieren
und willst dein Werk vollführen
an deiner Kreatur.

Am Ende wird sich’s finden,
was du an mir getan.
Du hilfst mir überwinden,
nimmst mich mit Ehren an.
Ja, hier schon in der Welt
wirst du mein Herz erquicken
und manche Stund‘ ihm schicken,
darin es Sabbat hält.