Gerhard Tersteegen – Ach, dass ich in mir selbst muss stehen

Ach, dass ich in mir selbst muss stehen,
Und wollt‘ so gern doch aus mir gehen!
Ich wohne gar nicht gut in mir,
Herr, zeuch mich, dass ich komm‘ zu dir.

Mein Geist, der lebt, als im Gedränge,
Am fremden Ort, so wüst und enge;
Bei dir, in dir, mein Gott allein,
Da ist es weit, da muss ich sein.

Es hält mich fest, das böse Eigen:
Könnt ich mich selbst doch übersteigen,
Dass ich ganz lauter, frei und bloß,
Nur wohnen möcht in deinem Schoß!

Ich find‘ mich selbst, wo ich mich kehre.
Ach möcht ich doch also, mein Herre,
Wo ich mich kehr, wo ich mich wend‘,
Nur finden dich, mein Element!

Ach, möcht‘ ich ganz erhaben stehen,
Und nichts, als dich allein, ansehen,
So würd‘ ich bald geheiligt sein,
Und all‘ mein Tun wär‘ licht und rein.

Mein lang‘ bedrängter Geist, der würde
Befreit von aller Qual und Bürde,
Ganz munter, still und innig froh,
In süßer Unschuld leben so.

Eröffne dich, du Friedenspforte,
Ich schrei und wart nach deinem Worte.
Ach, führ mich aus mir selber aus,
Mein Geist gehört in dir zu Haus.