Magdalena Sibylla Rieger – Es fragt mein Herz: Wo gehst Du hin?

1. Es fragt mein Herz: Wo gehst Du hin?
Mein Jesu, sag‘ es mir!
[: Ich folge Dir in meinem Sinn:]
Und lasse nicht von Dir.

2. Ach nimm mich mit, verlass mich nicht
Bei Dir nur will ich sein.
[: Ich sitz‘ im Finstern, ohne Licht,:]
Wenn Du mich läss’st allein.

3. Jedoch getrost! Mein Heiland spricht:
„Ich gehe nur voraus!
[: Schau, über dich, im Himmelslicht : ]
Bereit‘ Ich dir ein Haus.

4. „Bei meinem Vater ewiglich,
Der manche Wohnung hat,
[: Bereit‘ Ich gnädig dort für dich :]
Auch eine Ruhestatt.

5. „Gedulde dich die kleine Zeit;
Wird dir’s indessen bang,
[: Und musst du fühlen Kreuz und Leid :]
Getrost! es währt nicht lang.“

6. Drum, Jesu, geh‘ ich trostesvoll
Hienieden aus und ein,
[: Weil dort ein ewig Leben soll : ]
Mir vorbehalten sein.

Martin Moller – Ach Gott, wie manches Herzeleid

Ach Gott, wie manches Herzeleid
Begegnet mir zu dieser Zeit!
Der schmale Weg ist Trübsal voll,
Den ich zum Himmel wandeln soll.
Wie schwer doch lässt sich Fleisch und Blut
Bezwingen zu dem ewgen Gut!

2. Wo soll ich mich denn wenden hin?
Zu dir, Herr Jesu! steht mein Sinn.
Bei dir mein Herz Trost, Hilf und Rat
Allzeit gewiss gefunden hat;
Niemand jemals verlassen ist,
Der getraut hat auf Jesum Christ.

3. Du bist der große Wundermann,
Das zeigt dein Amt und dein Person.
Welch Wunderding hat man erfahrn,
Dass du, mein Gott, bist Mensch geborn,
Und führest uns durch deinen Tod
Ganz wunderlich aus aller Not.

4. Jesu, mein Herr und Gott allein,
Wie süß ist mir der Name dein!
Es kann kein Trauern sein so schwer,
Dein süßer Nam erfreut vielmehr;
Kein Elend mag so bitter sein,
Dein süßer Trost der linderts fein.

5. Ob mir gleich Leib und Seel verschmacht,
So weißt du, Herr, dass ichs nicht acht:
Wenn ich dich hab, so hab ich wohl,
Was ewig mich erfreuen soll.
Dein bin ich ja mit Leib und Seel:
Was kann mir tun Sünd, Tod und Höll?

6. Kein besser Treu auf Erden ist,
Denn nur bei dir, Herr Jesu Christ!
Ich weiß, dass du mich nicht verlässt,
Dein Wahrheit bleibt mir ewig fest;
Du bist mein rechter, treuer Hirt,
Der mich ewig behüten wird.

7. Jesu, mein Freud, mein Ehr und Ruhm,
Meins Herzens Schatz und mein Reichtum:
Ich kanns doch ja nicht zeigen an,
Wie hoch dein Nam erfreuen kann:
Wer Glaub und Lieb im Herzen hat,
Der wirds erfahren mit der Tat.

8. Drum hab ichs oft und viel geredt:
Wenn ich an dir nicht Freude hätt,
So wollt ich den Tod wünschen her,
Ja, dass ich nicht geboren wär;
Denn, wer dich nicht im Herzen hat,
Der ist fürwahr lebendig tot!

9. Jesu, du edler Bräutgam wert,
Mein höchste Zierd auf Dieser Erd!
An dir allein ich mich ergötz
Weit über alle güldne Schätz;
So oft ich nur gedenk an dich,
All mein Gemüt erfreuet sich.

10. Wenn ich mein Hoffnung stell zu dir,
So fühl ich Freud und Trost in mir;
Wenn ich in Nöten bet und sing,
So wird mein Herz recht guter Ding;
Dein Geist bezeugt, dass solches frei
Des ewgen Lebens Vorschmack sei.

11. Drum will ich, weil ich lebe noch,
Das Kreuz dir fröhlich tragen nach:
Mein Gott, mach mich dazu bereit;
Es dient zum Besten allezeit.
Hilf mir mein Sach recht greifen an,
Dass ich mein Lauf vollenden kann.

12. Hilf mir auch zwingen Fleisch und Blut,
Vor Sünd und Schanden mich behüt;
Erhalt mein Herz im Glauben rein,
So leb und sterb ich dir allein;
Jesu, mein Trost, hör mein Begehr:
O mein Heiland, wär ich bei dir!

Friedrich Konrad Hiller – O Jerusalem, du schöne

O Jerusalem, du schöne,
Da man Gott beständig ehrt
Und das himmlische Getöne:
Heilig, heilig, heilig! hört,
Ach wann komm‘ ich doch einmal
Hin zu deiner Bürger Zahl?

2. Muss ich nicht in Pilgerhütten
Unter strengem Kampf und Streit,
Da so mancher Christ gelitten,
Führen meine Lebenszeit?
Da oft wird die beste Kraft
Durch die Tränen weggerafft.

3. Ach wie wünsch‘ ich dich zu schauen,
Jesu, liebster Seelenfreund,
Dort auf deinen Salemsauen,
Wo man nicht mehr klagt und weint,
Sondern in dem höchsten Licht
Schauet Gottes Angesicht!

4. Komm doch, führe mich mit Freuden
Aus der Fremde hartem Stand;
Hol mich heim nach vielen Leiden
In das rechte Vaterland,
Wo dein Lebenswasser quillt,
Das den Durst auf ewig stillt!

5. O der auserwählten Stätte
Voller Wonne, voller Zier!
Ach, daß ich doch Flügel hätte,
Mich zu schwingen bald von hier
Nach der neuerbauten Stadt,
Welche Gott zur Sonne hat!

6. Soll ich aber länger bleiben
Auf dem ungestümen Meer,
Wo mich Wind und Wellen treiben
Durch so mancherlei Beschwer:
Ach so lass in Kreuz und Pein
Hoffnung meinen Anker sein!

7. Alsdann werd‘ ich nicht ertrinken:
Christus ist mein Arm und Schild,
Und sein Schifflein kann nicht sinken,
Wär‘ das Meer auch noch so wild;
Obgleich Mast und Segel bricht,
Lässt doch Gott die Seinen nicht!