Setze dich, mein Geist, ein wenig
Und beschau‘ dies Wunder groß,
Wie dein Gott und Ehrenkönig
Hängt am Kreuze nackt und bloß.
Schau die Liebe, Die ihn triebe
Zu dir aus des Vaters Schoß.
Ob dich Jesus liebt von Herzen,
Kannst du hier am Kreuze sehn.
Schau, wie alle Höllenschmerzen
Ihm bis in die Seele gehn,
Fluch und Schrecken Ihn bedecken.
Höre doch sein Klag’getön.
Seine Seel‘, von Gott verlassen,
Ist betrübt bis in den Tod;
Und sein Leib hängt gleichermaßen
Voller Blut und Wunden rot;
Alle Kräfte, Alle Säfte
Sind erschöpft in höchster Not.
Dies sind meiner Sünden Früchte,
Die, mein Heiland, ängsten dich.
Dieser Leiden schwer Gewichte
Sollt‘ zum Abgrund drücken mich.
Diese Nöthen, Die dich töten,
Sollt‘ ich fühlen ewiglich.
Doch du hast für mich besieget
Sünde, Tod und Höllenmacht;
Du hast. Gottes Recht genüget,
Seinen Willen ganz vollbracht,
Und mir eben Zu dem Leben
Durch dein Sterben Bahn gemacht.
Ach, ich Sündenwurm der Erden,
Jesu, stirbst du mir zu gut?
Soll dein Feind erlöst werden
Durch dein eigen Herzensblut?
Ich muss schweigen Und mich beugeu
Für dies unverdiente Gut.
Seel‘ und Leben, Leib und Glieder
Gibst du Alles für mich hin;
Sollt‘ ich dir nicht schenken wieder
Alles, was ich hab‘ und bin?
Ich bin deine Ganz alleine,
Dir verschreib ich Herz und Sinn.
Dir will ich durch deine Gnade
Bleiben bis im Tod getreu;
Alle Leiden, Schand und Schade
Sollen wich nicht machen schen.
Deinen Willen Zu erfüllen,
Meiner Seele Weise sei.
Tränk‘ mit deinem Blut mich Armen,
Es zerbricht der Sünden Kraft;
Es kann bald mein Herz erwarmen
Und ein neues Leben schafft.
Ach, durchfließe, Ach, durchsüße
Mich mit deinem Lebenssaft.
Zeuch durch deines Todes Kräfte
Mich in deinen Tod hinein;
Lass mein Fleisch und sein Geschäfte
Mit dir angenagelt sein.
Dass mein Wille Sanft und stille,
Und die Liebe werde rein.
Lass in allen Leidenswegen
Deine Leiden stärken mich,
Dass mein Leiden mir zum Segon
Mag gedeihen stetiglich,
Dass mein Herze Auch im Schmerze
Ohne Wanken liebe dich.
Wenn mich schrecken meine Sünden,
Wenn mich Satans List ansicht,
Wenn ich Kraft und Gnad‘ kann finden,
Woll’st du mich verlassen nicht.
Lass dein Sterbeit Mich erwerben
Trost im Tod‘ und im Gericht.
Jesu, nun ich will ergeben
Meinen Geist in deine Hand;
Lass mich dir alleine leben,
Bis ich nach dem Leidensstand
Bei dir wohne In der Krone,
Dich beschau‘ im Vaterland.