Herman, Nikolaus – Ein geistlich Lied, darin man bittet um ein seliges Stündlein

Aus dem Spruch Augustini: Turbabor, sed non perturbabor,
Quia vulnerum Christi recordabor.

Im Ton: Wie von der Sündflut,
Oder: Es ist das Heil uns kommen her.

Wenn mein Stündlein fürhanden ist
Und soll hinfahrn mein Straße,
So gleit du mich, Herr Jesu Christ,
Mit Hilf mich nicht verlasse.
Mein Seel an meinem letzten End
Befehl ich dir in deine Händ,
Du wollst sie mir bewahren.

2. Mein Sünd mich werden kränken sehr,
Mein Gwissen wird mich nagen.
Denn ihr sind viel, wie Sand am Meer,
Doch will ich nicht verzagen;
Gedenken will ich an dein Tod,
Herr Jesu, und dein Wunden rot,
Die werden mich erhalten:

3. Ich bin ein Glied an deinem Leib;
Des tröst ich mich von Herzen.
Von dir ich ungescheiden bleib
In Todes Nöten und Schmerzen.
Wenn ich gleich sterb, so sterb ich dir,
Ein ewigs Leben hast du mir
Mit deinem Tod erworben.

4. Weil du vom Tod erstanden bist,
Werd ich im Grab nicht bleiben.
Mein höchster Trost dein Auffahrt ist,
Todsfurcht kann sie vertreiben;
Denn wo du bist, da komm ich hin,
Dass ich stets bei dir leb und bin;
Drum fahr ich hin mit Freuden.

Amen.

Herman, Nikolaus – Ein Lied von St. Dorotea, welches ist eine Unterweisung eines christlichen Jungfräuleins.

Im Ton: In Doroteae festo gaudete.
Fecit filiae suae Doroteae.

Es war ein gottfürchtiges
Und christliche Jungfräulein,
Gotts Wort und Katechismus,
Kat sie gelernet fein,
Ihr Name Dorotea
Ist weit und breit bekannt,
Nach ihrem Vater und Mutter
Wurd sie also genannt.

2. Auf Deutsch ein Gottesgabe
Die Dorotea heißt,
Die hoch vom Himmel hrabe1herab
Beschert der heilge Geist.
Oft bringt ein guter Name
Ein gute Art mit sich,
Wenns Kind von gutem Samen
Gezeuget wird ehrlich.

3. Mit Fleiß in ihrer Jugend
Sie zu der Predigt ging,
Christliche Zucht und Tugend
Liebt sie vor allen Ding,
Hielt ihre Eltern in Ehren,
Dazu fein lieb und wert,
Folgt treulich ihren Lehren,
Tät, was ihr Herz begehrt.

4. Schamhaftig und fein stille
Hielt sie sich allezeit,
Und lebt nach Gottes Wille,
Acht keiner Üppigkeit.
Armen war sie geneiget,
Und dienet ihn mit Fleiß;
Ihr Hilf sie ihn erzeiget,
Gott zu Lob, Ehr und Preis.

5. Weh tats dem alten Drachen,
Und konnt es leiden nicht,
Speit Feuer aus seim Rachen,
Verfolgung er anricht.
Das Mägdlein wollt man zwingen
Zu der Abgötterei,
Dem Feind wollts nicht gelingen,
Christum bekannt sie frei.

6. Mit Worten süß und sauer
Man sie bereden wollt,
Sie stund fest wie ein Mauer
Und im Feuer das Gold.
Kein Marter, Pein noch Schmerzen
Von Christo sie abwandt,
Mit ihrem Mund und Herzen
Den Glauben sie bekannt.

7. Als der Feind nichts konnt schaffen,
Wurd er töricht und toll,
Desgleich die Baalspfaffen,
Wurden der Teufel voll.
Ein Urteil wurd gefället,
Verdient hätt sie den Tod;
Ritterlich sie sich stellet
Und schrie ernstlich zu Gott:

8. Herr Christ, in deine Hände
Mein Seel befehl ich dir,
Sicher mir ein seligs Ende,
Mit deim Geist steh bei mir.
Deinem Namen zu Ehren
Wie ein Christ sterb ich heut,
Ach, hilf, dass sich bekehren
Die armen, blinden Leut.

9. Theophilum, den Kanzler,
Die Jungfrau jammert sehr,
Er sprach: Schon doch dein selber,
Verlass die falsche Lehr,
Und frist dein junges Leben.
Drauf Dorotea spricht:
Ein bessres wird mir geben
Christus, drum tu ichs nicht.

10. Ins schöne Paradeise
Komm ich nach meinem Tod,
Gott zu Lob, Ehr und Preise
Stehn da viel Röslein rot.
Draus wird mir Christ, mein Herre
Machen ein Ehrenkranz.
Der Tod liebt mir viel mehre,
Denn so ich ging zum Tanz.

11. Theophilus die Rede
Hielt für ein lautern Spott.
Mein liebe Dorotea,
Wenn du kommst zu deim Gott,
Schick mir auch Äpfel und Röslein
Aus seinem Garten,
Ja, sprach sie, das soll wahr sein,
Du sollt ihr warten.

12. Als nun das schöne Jungfräulein
Durchs Schwert gerichtet war,
Da kam ein feines Knäbelein,
Mit einem Körblein dar,
Und sprach: Sieh hin, Theophile,
Da nimm die Röselein,
Die schickt dir Dorotea
Aus Christus Gärtelein.

13. Sie lebt in Freud und Wonne,
Ein End hat all ihr Leid,
Leucht wie die helle Sonne
In ewiger Seligkeit.
Theophilus entsatzt sich
Über die Wunder groß,
Und sprach: Herzlich erfreuts mich,
Meins Irrtums bin ich los.

14. Bald fing er an zu preisen
Christum, den wahren Gott,
Und ließ sich unterweisen
In des Herren Gebot;
Die heilge Tauf empfinge
Und sich ein Christen nannt,
Fröhlich zur Marter ginge,
Und Christum frei bekannt.

15. Gleichwie ein fruchtbar Regen
Ist der Märtyrer Blut,
Viel Frucht durch Gottes Segen
Reichlich er bringen tut.
Durchs Kreuz die Kirch zunimmet
Und wächst ohn Unterlass.
Durch Tod zum Leben dringet,
Wer herzlich gläubet das.

Herman, Nikolaus – Von St. Laurentio.

Im Ton, wie man pflegt zu singen am St. Michaelistag von den lieben Engeln,
oder: Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn.

Jesus zu seinen Jüngern sprach:
So mir jemand will folgen nach,
Sein Kreuz er auf sich fasse,
Und folg mir nach geduldiglich,
Viel guter Tag erwäg er sich
Und der Welt Freud verlasse.

2. Vater, Mutter, Mann, Weib und Kind,
Auch sein Leben schlag er in Wind,
Und sich nur drein ergebe,
Hie wird er han viel Angst und Not,
Bis ihn auflöst der zeitlich Tod,
Und er dort mit mir lebe.

3. Solche wusst der heilg St. Lorenz wohl,
Ein Mann des heilgen Geistes voll,
Und ein frommer Levite,
Christum liebt er für alle Ding.
Da sein Bischof in Kerker ging,
Schrie er: Ach, nimm mich mite.

4. St. Six sprach: Lorenz, lieber Sohn,
Jetzt will ich dich hinter mir lan,
Die Schätz zuvor ausspende
Der Kirchen, geh von Haus zu Haus,
Teil sie den armen Christen aus.
St. Lorenz tats behende.

5. Da ers mit Fleiß hat ausgericht,
Und man Sixtum führt für Gericht,
St. Lorenz auf ihn schrire1schrie:
Nimm mich mit, lieber Vater mein,
Die Schätz sehr wohl verwahret sein,
Lass mich nur gehn mit dire.

6. Sobald er nur der Schätz gedacht,
gfänglich man ihm zum Kaiser bracht,
Mit Ernst er ihn befraget:
Hast du die Schätz in deiner Gwalt?
Sag, wo sie sein, gib mit sie bald. r
Darauf St. Lorenz saget:

7. Ja, so lass mir Frist nur zween Tag,
Auf dass ich sie versammlen mag,
Und sie zu dir herbringe.
All blindn und tauben Krüppl er nahm,
Mit Stummen, Höckrichten und Lahm
Zum Kaiser er zuginge.

8. Und sprach: Das sind der Kirchen Schätz,
Die nehmen zu und wachsen stets,
Den hab ichs als gegeben.
Wer solchen reicht sein milde Hand,
Den wird Christus im Vaterland
Rühmen im ewigen Leben.

9. Decius gar für Zorn entbrannt
Und flugs hin nach dem Henker sandt,
Ließ ihn martern gar sehre,
Er sollt die Götter beten an,
St. Lorenz sprach: Das werd ich lan,
Christo gebührt all Ehre.

10. Dein Götter sind nur Holz und Stein,
Mein Christum bet ich an allein,
Der Alles hat erschaffen;
Er ist allein der lebend Gott,
Dein Götzen sind blind, taub und tot,
Verführer sein dein Pfaffen.

11. Zum Kohlfeuer ging er getrost,
Da wurd er auf ein eisern Rost
Gebunden und gebraten.
Er sprach: Kaiser, ein kleine Zeit
Brat ich, du wirst in Ewigkeit
Brennen, und die dirs raten.

12. Und sprach: Komm her, Kaiser, und friss.
Mein halber Leib gebraten ist,
Lass mich einmal umkehren.
Das halbe Teil lass kochen dir,
Und kühl dein Mütlein wohl mit mir,
Gott wird dir kürzlich wehren.

13. Der Kaiser wurd drüber schamrot;
Danach St. Lorenz schrie zu Gott,
Und danket ihm von Herzen,
Dass er ihn durch seins Geistes Kraft
Gestärkt und würdig hat gemacht,
Zu leiden seine Schmerzen.

14. Christo befahl er in sein Händ
Sein Geist und nahm ein seligs End,
Beschloss also sein Leben;
Gar viel ein Bessers hat ihm dort
Der Herr Christ laut seim göttlich Wort
Davor im Himmel geben.

15. O wie ein herrlichs Ansehn hat
Für Gott der Auserwählten Tod,
Die bei Christo fest stehen,
Und um seintwillen Leib und Gut
Wagen und vergießen ihr Blut,
Vom Tod ins Leben sie gehen.

Amen.

Herman, Nikolaus – Ein Gesang, darin man bittet, dass Gott christliche Schulen und Lehrer erhalten wolle.

Herr Christe, der du selbst bestellst
Kirchen, Schulen und sie erhältst,
Wir bitten sich durch deine Güt,
Au christliche Schulen behüt.

2. Erhalt alle fromme Studenten,
Ihr Präceptores und Regenten,
Die sie schützen und helfen mehrn,
Und die in Schulen treulich lehrn;

3. Die Schulen geben Schirm und Platz,
Schützen dein Wort, den höchsten Schatz,
Und deiner Kirchen Herberg geben,
Den zahls hie und in jenem Leben.

4. Der Satan ist von Herzen Feind
Schulen, die recht bestellet sind.
Drum setzt er ihn so heftig zu,
Und lässt ihn gar kein Fried noch Ruh.

5. Jetzt erregt er viel Widerdürst,
Die sehr nach Ruhm und Ehre dürst,
Sie bringen viel Dings auf die Bahn,
Davon sich ärgert mancher Mann.

6. Zerstör des Teufels Lüst und Tück
Treib sein bösen Anschlag zurück.
Falschen Lehrern steut1steure und wehr,
Und erhalt uns bei reiner Lehr;

7. Auf dass die armen Schülerlein,
Die dir, Herr Christ, geeignet sein,
Durch böse Lehr und falsche Schrift
Auch nicht möchten werden vergift.

8. Denn sie sind dein Pfropfreiselein,
Die auf dich, Herr, geetzlet2eingepflanzt sein.
Frost, Schnee und Wind wollst davon treiben
Dass sie in dir mögen bekleiben3bleiben.

9. Behüt die lieben Bienelein
Mit ihren klein Bienstöckelein,
Dass sie die Wespen und Homaus
Samt den Hummeln nicht treiben aus.

10. Gib ihn gute Blümlein zur Speis,
Dass sie Honig wirken mit Fleiß,
Und mach aus ihrem Wachs ein Licht,
Das kein Papst mög auslöschen nicht.

11. Selige Werkzeug mach aus ihn,
Dass sie ihr Pfund brauchen mit Gwinn,
Und dass sie treu Haushalter sein,
Und wohl fürstehn deiner Gemein.

12. Gib dein Geist Schülern und Lehrern,
Das sie dein Reich hie helfen mehren,
Und dein heilger Name durch sie
Ewig gepreist werd dort und hie.

Amen.

Herman, Nikolaus – Ein Gesang, wenn man am Tage Gregorii die jungen Schüler in die Schul zu holen pflegte.

Kommt mit uns, lieben Kinderlein,
Werd gottselige Schülerlein.
In unser Schul wolln wir euch führn,
Gotts Wort sollt ihr darin studiern;

2. Wie ihr zu Christo kommen sollt,
Den ihr habt in der Tauf geholt.
Lernen sollt ihr in euer Jugend
Gottsfurcht, gut Künst, Zucht, Ehr und Tugend.

3. Eur Jugend ist Gott angenehm,
Denn zum studiern ist sie bequem,
Und was man euch jetzt bildet ein,
Das lernt ihr und behalt es fein.

4. Christus will durch der Säugling Mund
Gepreiset sein zu aller Stund,
Und dass sie in der ersten Blüt
Erkennen lern sein Gnad und Güt.

5. Herzlich lieb ihm die Kinder sind,
Denn er auch war ein kleines Kind.
Drum befiehlt er sein Engelein,
Dass sie müssen ihr Wächter sein.

6. Er gibt Schulmeister, die sie lehrn,
Eltern und Freund, die sie ernährn,
Und heißt die liebe Obrigkeit
Sie beschützen für allem Leid.

7. Durch uns lässt er jetzt fordern euch,
Gleichwie er selbst ruft zu seim Reich
Sein Jüngr und führt sie in die Schul,
Befahl ihn Wort und Predigtstuhl.

8. Der heilge Prophet Samuel
Und groß Regent in Israel
Von seiner Mutter auch so wurd
Zum Eli in die Schul geführt.

9. Wer in Christus Schul kommen will,
Der geb sich drein, dass er leid viel,
Und in ein sauren Apfel beiß,
Undank einnehm für Müh und Fleiß.

10. Ob ihr das bittere Kräutelein
Müsst mit Elisa Schülerlein
Kosten, so macht doch Christus süß
Durchs Wort und Geist all saur Gemüs.

11. Denn er verheißt euch großen Lohn,
Im Himmel ein unverwelkte Kron,
Bei ihm und seinen Engelein
Sollt ihr himmlische Kaiser sein.

12. Durch sein Geist will er gute Künst
Aus Gnad euch mitteilen umsonst,
Werd ihn treulich rufen an,
Und euren Fleiß wenden daran.

13. Sein Wort sollt ihr ihm helfen mehrn,
Mit schreiben, lesen, predign und lehrn,
Und sollt ihm zuführen sein Braut,
Die Kirch im Glauben ihm vertraut.

14. Darum so komm, du junges Blut,
Weil dich dein Herr Christ fordern tut,
Und will dich zu seim Werkzeug han,
Greifs in seim Namen fröhlich an.

15. Denn wir wolln euch ganz väterlich
Unterweisen und gütiglich,
Drum kommt, ihr lieben Kinderlein,
Werd gottselige Schülerlein.

Amen.

Herman, Nikolaus – Das Gratias

Danksagung nach dem Essen.

Danket dem Herrn heut und allezeit,
Denn groß ist sein Güt und Mildigkeit.
Alles Fleisch er speist und erhält,
Denn sein Geschöpf ihm wohlgefällt.

2. Wenn über uns sein Angesicht nur leucht,
Der Regen und Tau die Erd befeucht,
Alsdann wächst alles, Laub und Gras,
Sein Wert treibt er ohn Unterlass.

3. Sobald der Herr auftut sin milde Hand,
So wächst die Füll‘ in allem Land,
Dass sich des freuet Jedermann,
Kein Mensch, noch Vieh darf Mangel han.

4. Er hat kein Lust an eim starken Held,
Kein Macht und Pracht ihm wohlgefällt,
Ihm liebt, dass man ihn fürcht und traut,
Wer auf ihn hofft, hat wohl gebaut.

5. Billig wird er von uns gepreiset,
Dass er uns so reichlich speiset,
O Vater, für dein Gütigkeit
Sagn wir dir Dank in Ewigkeit.

Amen.