Zinzendorf, Nikolaus von – Christi Blut und Gerechtigkeit

1. Christi Blut und Gerechtigkeit,
das ist mein Schmuck und Ehrenkleid,
damit will ich vor Gott bestehn,
wenn ich zum Himmel werd eingehn.

2. Drum soll auch dieses Blut allein
mein Trost und meine Hoffnung sein.
Ich bau im Leben und im Tod
allein auf Jesu Wunden rot.

3. Solang ich noch hienieden bin,
so ist und bleibet das mein Sinn:
Ich will die Gnad in Jesu Blut
bezeugen mit getrostem Mut.

4. Gelobet seist du, Jesu Christ,
daß du ein Mensch geboren bist
und hast für mich und alle Welt
bezahlt ein ewig Lösegeld.

5. Du Ehrenkönig Jesu Christ,
des Vaters ein’ger Sohn du bist;
erbarme dich der ganzen Welt
und segne, was sich zu dir hält.

Zwick, Johannes – DEr von dem gsatz gefryet war

Ein ander gsang, wie sich Christus dem gsatz underworffen und uns fry gemachet hat.

DEr von dem gsatz gefryet war
und ledig aller sünden,
Hat sich doch underworffen gar
mit andern Adams kinden.

Dahär ouch wir yetz fry vom gsatz
unnd dem nit underworffen,
Dann Christus der ist unser schatz,
uff den wir sicher hoffen.

Das Gottes kind hat ouch sin blut
vergossen zwar gar junge,
Damit uns sölichs käm zu gut
und unns das gsatz nit zwunge.

Wä nun der sun ledig erkennt,
der ist vom gsatz entrunnen,
Darumb wirdt Christus Jesus gnennt,
ders himmelrych hatt gwunnen.

Doch sind wir drumb nit also fry,
das bsünd fry sölte blyben
Und sünden nit mer unrecht sy,
ouch allen mutwill tryben.

Der Herr spricht ja: Din Gott ich bin,
doch solt ufrichtig wandlen;
Din volle gnüge wil ich syn,
doch solt du redlich handlen.

Ach Gott, dz leer uns recht verston,
din geist wölls hertz bescheiden,
Das wir vom bösen mögind lon
und dsünd selbs willig meiden.

Unnd werffind hin der vorhut lüst,
zum opffer dir ergeben,
Ouch syend durch din gnad gerüst,
nach dinem willen zläben.

Speratus, Paul – Es ist das Heil uns kommen her

1. Es ist das Heil uns kommen her
Von Gnad‘ und lauter Güten;
Die Werk‘ die helfen nimmermehr,
Sie mögen nicht behüten.
Der Glaub‘ sieht Jesum Christum an,
Der hat g’nug für uns all‘ gethan,
Er ist der Mittler worden.

2. Was Gott im G’setz geboten hat,
Da man es nicht kunnt‘ halten,
Erhub sich Zorn und große Noth,
Für Gott so mannigfalte.
Vom Fleisch wollt‘ nicht heraus der Geist,
Vom G’setz erfordert allermeist,
Es war mit uns verloren.

3. Es war ein falscher Wahn dabey,
Gott hätt‘ sein G’setz drum geben,
Als ob wir mögten selber frey
Nach seinem Willen leben;
So ist es nur ein Spiegel zart,
Der uns zeigt an die sündig‘ Art,
In unserm Fleisch verborgen.

4. Nicht müglich war, dieselbig‘ Art
Aus eignen Kräften lassen;
Wiewol es oft versuchet ward,
Doch mehr sich Sünd‘ ohn‘ Maaßen:
Denn Gleißnerswerk Gott hoch verdammt,
Und je dem Fleisch der Sünde Schand‘
Allzeit war angeboren.

5. Noch mußt‘ das G’setz erfüllet seyn;
Sonst wär’n wir all‘ verdorben.
Darum schickt Gott sein’n Sohn herein,
Der selber Mensch ist worden;
Das ganz‘ Gesetz hat er erfüllt,
Damit sein’s Vaters Zorn gestillt,
Der über uns gieng alle.

6. Und wenn es nu erfüllet ist
Durch den, der es kunnt‘ halten:
So letne itzt ein frommer Christ
Des Glaubens recht Gestalte;
Nicht mehr, denn: „Lieber Herre mein!
Dein Tod wird mir das Leben seyn;
Du hast für mich bezahlet.“

7. Daran ich keinen Zweifel trag;
Dein Wort kann nicht betrügen.
Nu sagst du, daß kein Mensch verzag‘;
Das wirst du nimmer lügen:
„Wer gläubt an mich und wird getauft,
Demselben ist der Himm’l erkauft,
Daß er nicht wird verloren.“

8. Er ist gerecht für Gott allein,
Der diesen Glauben fasset;
Der Glaub‘ giebt uns von ihm den Schein,
So er die Werk‘ nicht lasset.
Mit Gott der Glaub‘ ist wohl daran;
Dem Nächsten wird die Lieb‘ Guts thun,
Bist du aus Gott geboren.

9. Es wird die Sünd‘ durchs G’setz erkannt,
Und schlägt das G’wissen nieder:
Das Evangeli kommt zu Hand,
Und stärkt den Sünder wieder;
Es spricht: „Nur kreuch zum Kreuz herzu!
Im G’setz ist weder Rast noch Ruh‘
Mit allen seinen Werken.“

10. Die Werk‘ die kommen g’wißlich her
Aus einem rechten Glauben;
Wenn das nicht rechter Glaube wär‘,
Wollt’st ihn der Werk‘ berauben.
Doch macht allein der Glaub‘ gerecht;
Die Werk‘ die sind des Nächsten Knecht,
Dabey wir’n Glauben merken.

11. Die Hoffnung wart’t der rechten Zeit,
Was Gottes Wort‘ zusagen;
Wenn das geschehen soll zu Freud‘,
Stetzt Gott kein g’wisse Tagen.
Er weiß wohl, wenn’s am besten ist,
Und braucht an uns kein‘ arge List;
Das soll’n wir ihm vertrauen.

12. Ob sich’s anließ‘, als wollt‘ er nicht,
Laß dich es nicht erschrecken;
Denn wo er ist am besten mit,
Da will er’s nicht entdecken.
Sein Wort laß dir gewisse seyn,
Und ob dein Herz spräch‘ lauter Nein,
So laß doch dir nicht grauen.

13. Sey Lob und Ehr‘ mit hohem Preis
Um dieser Gutthat willen,
Gott Vater, Sohn, heyligem Geist!
Der woll‘ mit Gnad‘ erfüllen,
Was er in uns ang’fangen hat,
Zu Ehren seiner Maiestat,
Daß heilig werd‘ sein Name.

14. Sein Reich zukomm, sein Will auf Erd‘
G’scheh wie im Himmelsthrone;
Das täglich Brodt noch heut‘ uns werd‘;
Woll‘ unser Schuld verschonen,
Als wir auch unsern Schuldnern thun;
Laß uns nicht in Versuchung stehn;
Lös‘ uns vom Uebel. Amen!

Rambach – Anthologie christlicher Gesänge aus der neueren Zeit

Mathesius, Johann – Abram glaubt dem verheißnen Christ

Ein Christlich lied von der rechtfertigung, Genesis XV.

(„Das tröstliche De profundis, welches ist der CXXX. Psalm Davids. Sampt Predigten von der Rechtfertigung rc. Gepredigt im Joachimsthal, durch den alten Mathesium rc. Nürnberg M.D.LXV,“ in 4°, Blatt ee ii. In der 7ten Strophe hat die erste ausgabe von 1565 das letzte Wort han nicht, in der zweiten von 1571 steht es.)

Abram glaubt dem verheißnen Christ,
drumb er gerecht gezelet ist,
Also gefelt Gott jeder man,
der Christum im wort nimmet.

Die zugerechnet gerechtigkeyt
ist der bekerten seligkeyt,
Wer kent und trawt Gots grechtem Knecht,
den nimpt Gott an und schetzt jhn grecht.

Auß gnad umb Christi bitt und todt
sindt wir versönt mit unserm Gott,
Er helt uns grecht auß lieb und trew,
durch seinen Geyst schafft er uns new.

Durch eygen werck wirdt niemand grecht,
wir alle sindt der sünden Knecht,
Verkaufft umb sonst in ewigen Todt,
durchs Gsetz besteht kein mensch für Gott.

Ein hertz von rew und leyd gekrenckt,
mit Christi Blut und Geyst besprengt,
Vol glauben und gutem vorsatz,
ist Gott der angenembste Schatz.

Drumb wer wil fried und leben han,
mit freydigkeit für Gott bestan,
Recht beten, frölich schlaffen ein,
bewarn Glauben, halts gwissen reyn!

Der glaub allein macht fromm und grecht,
die schulding werck sinds nechsten Knecht.
Sie preysen Gott und zeygen an,
das wir den rechten glauben han.

Bey reyner lehr erhalt uns, HERR,
glaub, lieb, gedult, zucht in uns mehr,
Komm bald zum Gricht, HErr Jesu Christ,
auff erd kein trew, fried, lieb mehr ist!

Wackernagel – Das deutsche Kirchenlied von Martin Luther bis auf Nicolaus Herman und Ambrosius Blaurer

Luise Henriette von Brandenburg – Ich will von meiner Missethat

1) Ich will von meiner Missethat
Zum Herren mich bekehren;
Du wollest selbst mir Hülf und Rath,
Hierzu, o Gott, bescheeren,
Und Deines guten Geistes Kraft,
Der neue Herzen in uns schafft,
Aus Gnaden mir gewähren!

2) Natürlich kann ein Mensch doch nicht
Sein Elend selbst empfinden:
Er ist ohn‘ Deines Geistes Licht
Blind, taub und todt in Sünden.
Verkehrt ist Will‘, Verstand und Thun:
Des großen Jammers komm‘ mich nun,
O Vater, zu entbinden!

3) Klopf‘ durch Erkenntniß bei mir an,
Und führ‘ mir wohl zu Sinnen,
Was Böses ich für dir gethan, –
Du kannst mein Herz gewinnen, –
Daß ich aus Kummer und Beschwer‘
Laß über meine Wange her
Viel heiße Thränen rinnen!

4) Wie hast Du doch auf mich gewandt
Dein Reichthum Deiner Gnaden!
Mein Leben dank ich Deiner Hand;
Du hast mich überladen
Mit Ruh‘, Gesundheit, Ehr‘ und Brod, –
Du machst, daß mir noch keine Noth
Bis hierher können schaden.

5) Hast auch in Christo mich erwählt
Tief aus der Höllen Fluthen,
Daß niemals mir es hat gefehlt
An irgend einem Guten.
Und daß ich ja Dein eigen sey,
Hast Du mich auch aus großer Treu
Gestäubt mit Vater-Ruthen.

6) Gegeben zu genießen?
Schenk aber ich Gehorsam dir?
Das zeuget mein Gewissen,
Mein Herz, in welchem Nichts gesund,
Das tausend Sünden-Würmer wund
Bis auf den Tod gebissen.

7) Die Thorheit meiner jungen Jahr,
Und alle schnöden Sachen
Verklagen mich so offenbar:
Was soll ich Armer machen?
Sie stellen, Herr, mir für’s Gesicht
Dein unerträglich Zorngericht
Und Deiner Höllen Rachen.

8) Ich habe meiner Gräuel Qual,
Und schäm‘, sie zu bekennen;
Es ist weder Maaß noch Zahl,
Ich weiß sie nicht zu nennen.
Und ist keiner doch so klein,
Um welchen Willen nicht allein
Ich ewig müsse brennen.

9) Bisher hab ich in Sicherheit
Fein unbesorgt geschlafen,
Gesagt: es hat noch lange Zeit,
Gott pflegt nicht bald zu strafen,
Er fähret nicht mit unsrer Schuld
So strenge fort; es hat Geduld
Der Herr mit seinen Schafen.

10) Dies Alles jetzt zugleich erwacht,
Mein Herz will mir zerspringen,
Ich sehe Deines Zornes Macht,
Dein Feuer auf mich dringen.
Du regest wider mich zugleich
Des Todes und der Höllen Reich,
Die wollen mich verschlingen.

11) Die mich verfolgt, die große Noth,
Fährt schnell ohn‘ Zaum und Zügel.
Wo flieh ich hin? Du Morgenroth,
Ertheil mir deine Flügel!
Verbirg mich wo, du fernes Meer,
Stürzt hoch herab, fallt auf mich her,
Ihr Klippen, Thürm‘ und Hügel!

12) Ach nur umsonst! und könnt ich auch
Bis in den Himmel steigen,
Und wieder in der Höllen Bauch
Mich zu verkriechen neigen:
Dein Auge dringt durch Alles sich,
Du wirst da meine Schand‘ und mich
Der lichten Sonnen zeigen!

13) Herr Jesu, nimm mich zu dir ein,
Ich flieh in Deine Wunden,
Die Du, o Heiland, wegen mein
Am Kreuze hast empfunden,
Als unter Aller Sünden Müh‘,
Dir o Du Gotteslamm, ward sie
Zu tragen aufgebunden.

14) Wasch mich durch Deinen Todesschweiß
Und purpurrothes Leiden,
Und laß mich sauber seyn und weiß,
Durch Deiner Unschuld Leiden!
Von wegen Deines Kreuzes Last
Erquick‘, was du zermalmet hast,
Mit Deines Trostes Freuden.

15) So angethan, will ich mich hin
Vor Deinen Vater machen;
Ich weiß, er lenket seinen Sinn,
Und schaffet Rath mir Schwachen.
Er weiß, was Fleisches Lust und Welt
Und Satan uns für Netze stellt,
Die uns zu stürzen, wachen.

16) Wie werd‘ ich mich mein Lebenlang
Für solcher Plage scheuen?
Durch Deines guten Geistes Zwang,
Den Du mir wollst verleihen;
Der mir vor aller Sünden List,
Und dem, was Dir zuwider ist,
Helf ewig mich befreien.

Hiller, Philipp Friedrich – Außer Christo thut man Sünde

Mel.: O Jerusalem, du schöne.

1.
Außer Christo thut man Sünde; Christus ist zur Heiligung.
Wenn ich Mängel an mir finde, Dient’s mir doch zur Förderung;
Weil ich glaubig in Ihm bin, Bin ich heilig auch durch Ihn.

2.
Werke, die wie Wunder scheinen, Sind doch außer Ihm nicht groß;
Aber die veracht’tsten kleinen Haben doch in Ihm ein Loos.
Uns’re Mängel deckest Du, Jesu, mit der Liebe zu.

3.
Dieses ist mein Wunsch auf Erden: Laß mich nur in Dir allein,
Was ich thu’, erfunden werden, So wird Alles heilig sein.
Denn der Vater machte Dich Auch zur Heiligung für mich.

4.
Vater, Dir gebührt die Ehre; Jesu, Dir gebührt der Ruhm;
Was ich außer Christo wäre, Wär’ ich noch im Heidenthum.
Vater, stell’ im Himmel Dir Mich in Jesu heilig für!

Hiller, Philipp Friedrich – Christus ist uns zur Erlösung

Mel.: Ach, was sind wir ohne Jesu.

1.
Christus ist uns zur Erlösung Von dem Vater selbst gemacht.
Das hat Adam in Entblößung Und die Schlange nicht gedacht.
Aber Christus hat durch Wunden Ewige Erlösung funden.

2.
Die wir aus den Ketten kommen, Sind nun wie die Träumende.
Wir, ein Raub dem Tod genommen? Wir, ein Brand vom Feuersee?
Daß es wahr, und wie’s geschehen, Kann man glauben, nicht verstehen.

3.
Freier Mund, du sollst voll Lachen, Zunge, du voll Rühmens sein.
Stimmt, das Rühmen groß zu machen, Mit dem Ruhm der Andern ein.
In dem Himmel wird er größer: Jesus Christus sei Erlöser.

Gerhardt, Paul – Ist Gott für mich, so trete

1. Ist Gott für mich, so trete
Gleich alles wider mich,
Sooft ich ruf‘ und bete,
Weicht alles hinter sich.
Hab‘ ich das Haupt zum Freunde
Und bin geliebt bei Gott,
Was kann mir tun der Feinde
Und Widersacher Rott‘?

2. Nun weiß und glaub‘ ich feste,
Ich rühm’s auch ohne Scheu,
Daß Gott der Höchst‘ und Beste,
Mein Freund und Vater sei,
Und daß in allen Fällen
Er mir zur Rechten steh‘
Und dämpfe Sturm und Wellen
Und was mir bringet Weh.

3. Der Grund, da ich mich gründe,
Ist Christus und sein Blut,
Das machet, dass ich finde
Das ew’ge wahre Gut.
An mir und meinem Leben
Ist nichts auf dieser Erd‘;
Was Christus mir gegeben,
Das ist der Liebe wert.

4. Mein Jesus ist mein‘ Ehre,
Mein Glanz und helles Licht.
Wenn der nicht in mir wäre,
So dürft‘ und könnt‘ ich nicht
Vor Gottes Augen stehen
Und vor dem strengen Sitz;
Ich müsste stracks vergehen
Wie Wachs in Feuershitz‘.

5. Mein Jesus hat gelöschet,
Was mit sich führt den Tod;
Der ist’s, der mich rein wäschet,
Macht schneeweiß, was ist rot.
In ihm kann ich mich freuen,
Hab‘ einen Heldenmut,
Darf kein Gerichte scheuen,
Wie sonst ein Sünder tut.

6. Nichts, nichts kann mich verdammen.
Nichts nimmet mir mein Herz!
Die Höll‘ und ihre Flammen,
Die sind mir nur ein Scherz.
Kein Urteil mich erschrecket,
Kein Unheil mich betrübt,
Weil mich mit Flügeln decket
Mein Heiland, der mich liebt.

7. Sein Geist wohnt mir im Herzen,
Regieret meinen Sinn,
Vertreibt mir Sorg‘ und Schmerzen,
Nimmt allen Kummer hin,
Gibt Segen und Gedeihen
Dem, was er in mir schafft,
Hilft mir das Abba schreien,
Aus aller meiner Kraft.

8. Und wenn an meinem Orte
Sich Furcht und Schwachheit find’t,
So seufzt und spricht er Worte,
Die unausprechlich sind
Mir zwar und meinem Munde,
Gott aber wohl bewußt,
Der an des Herzens Grunde
Ersiehet seine Lust.

9. Sein Geist spricht meinem Geiste
Manch süßes Trostwort zu,
Wie Gott dem Hilfe leiste,
Der bei ihm suchet Ruh‘,
Und wie er hab‘ erbauet
Ein‘ edle, neue Stadt,
Da Aug‘ und Herze schauet,
Was er geglaubet hat.

10. Da ist mein Teil, mein Erbe
Mir prächtig zugericht’t;
Wenn ich gleich fall‘ und sterbe,
Fällt doch mein Himmel nicht.
Muß ich auch gleich hier feuchten
Mit Tränen meine Zeit,
Mein Jesus und sein Leuchten
Durchsüßet alles Leid.

11. Wer sich mit dem verbindet,
Den Satan fleucht und haßt,
Der wird verfolgt und findet
Ein‘ harte, schwere Last
Zu leiden und zu tragen,
Gerät in Hohn und Spott,
Das Kreuz und alle Plagen,
Die sind sein täglich Brot.

12. Das ist mir nicht verborgen,
Doch bin ich unverzagt.
Dich will ich lassen sorgen,
Dem ich mich zugesagt,
Es koste Leib und Leben
Und alles, was ich hab‘;
An dir will ich fest kleben
Und nimmer lassen ab.

13. Die Welt, die mag zerbrechen,
Du stehst mir ewiglich,
Kein Brennen, Hauen, Stechen
Soll trennen mich und dich,
Kein Hungern und kein Dürsten,
Kein‘ Armut, keine Pein,
Kein Zorn der großen Fürsten
Soll mir ein‘ Hind’rung sein.

14. Kein Engel, keine Freuden,
Kein Thron, kein‘ Herrlichkeit,
Kein Lieben und kein Leiden,
Kein‘ Angst und Herzeleid,
Was man nur kann erdenken,
Es sei klein oder groß,
Der keines soll mich lenken
Aus deinem Arm und Schoß.

15. Mein Herze geht in Sprüngen
Und kann nicht traurig sein,
Ist voller Freud’und Singen,
Sieht lauter Sonnenschein.
Die Sonne, die mir lachet,
Ist mein Herr Jesus Christ;
Das, was mich singen machet,
Ist, was im Himmel ist.

Gellert, Christian Fürchtegott – Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken

1. Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken,
mich in das Meer der Liebe zu versenken,
die dich bewog, von aller Schuld des Bösen
uns zu erlösen.

2. Vereint mit Gott, ein Mensch gleich uns auf Erden
und bis zum Tod am Kreuz gehorsam werden,
an unsrer Statt gemartert und zerschlagen,
die Sünde tragen.

3. welch wundervoll hochheiliges Geschäfte!
Sinn ich ihm nach, so zagen meine Kräfte,
mein Herz erbebt; ich seh und ich empfinde
den Fluch der Sünde.

4. Gott ist gerecht, ein Rächer alles Bösen;
Gott ist die Lieb und läßt die Welt erlösen.
Dies kann mein Geist mit Schrecken und Entzücken
am Kreuz erblicken.

5. Seh ich dein Kreuz den Klugen dieser Erden
ein Ärgernis und eine Torheit werden:
so sei’s doch mir, trotz allen frechen Spottes,
die Weisheit Gottes.

6. Es schlägt den Stolz und mein Verdienst darnieder,
es stürzt mich tief, und es erhebt mich wieder,
lehrt mich mein Glück, macht mich aus Gottes Feinde
zu Gottes Freunde.

7. Da du dich selbst für mich dahingegeben,
wie könnt ich noch nach meinem Willen leben?
Und nicht vielmehr, weil ich dir angehöre,
zu deiner Ehre.

8. Ich will nicht Haß mit gleichem Haß vergelten,
wenn man mich schilt, nicht rächend wiederschelten,
du Heiliger, du Herr und Haupt der Glieder,
schaltst auch nicht wieder.

9. Unendlich Glück! Du littest uns zugute.
Ich bin versöhnt in deinem teuren Blute.
Du hast mein Heil, da du für mich gestorben,
am Kreuz erworben.

10. Wenn endlich, Herr, mich meine Sünden kränken,
so laß dein Kreuz mir wieder Ruhe schenken.
Dein Kreuz, dies sei, wenn ich den Tod einst leide,
mir Fried und Freude.

Weitere Texte des Autoren in der Glaubensstimme

Clausnitzer, Tobias – Herr Jesu, deine Angst und Pein

1. Herr Jesu, deine Angst und Pein
und dein betrübtes Leiden
lass mir vor Augen allzeit sein,
die Sünde zu vermeiden.
Lass mich an deine große Not
und deinen herben, bittren Tod,
solang ich lebe, denken.

2. Du hast verlassen deinen Thron,
bist in das Elend gangen,
ertrugest Schläge, Spott und Hohn,
musstest am Kreuze hangen,
auf dass du für uns schaffest Rat
und unsre schwere Missetat
bei Gott versöhnen möchtest.

3. Drum will ich jetzt in Dankbarkeit
von Herzen dir lobsingen,
und wenn du zu der Seligkeit
mich wirst hinkünftig bringen,
so will ich daselbst noch viel mehr
mitsamt dem ganzen Himmelsheer
dich ewig dafür loben.