Zinzendorf, Nikolaus Ludwig Graf von – Christi Blut und Gerechtigkeit

Christi Blut und Gerechtigkeit,
Das ist mein Schmuck und Ehrenkleid;
Damit will ich vor Gott bestehn,
Wenn ich zum Himmel werd‘ eingehn.

Denn tret‘ ich gleich mit vor’s Gericht,
Es kommt zu keiner Klage nicht;
Das macht, ich bin schon absolvirt,
Und meine Schuld ist abgeführt.

Die Rechnung hängt am Kreuzes holz,
Da siehet sie des Teufels Stolz;
Die Nägel, die das Lamm verwund’t,
Zerrissen ganz den alten Bund.

Wenn er nun noch so hart und schwer
Mit meinem Blut geschrieben wär‘,
So ist’s nun völlig aus damit,
Und ich bin aller Ford’rung quitt.

Ich weiß, der Teufel glaubt’s zuvor,
Daß er uns so durch’s Recht verlor,
Und alle die gefangnen Leut‘
Mit der höchsten Gerechtigkeit.

Nun, das heilig – unschuld’ge Lamm,
Das an dem rauhen Kreuzesstamm
Für meine Seel‘ gestorben ist,
Erkenn‘ ich für den HErrn und Christ.

Ich glaube, daß Sein theures Blut
Das allerunschätzbarste Gut,
Und daß es Gottes Schätze füllt,
Und ewig in dem Himmel gilt.

Nun soll auch Alles Zeuge sein,
Wie ich will in den Himmel ein.
Ihr lieben Engel allzumal,
Hört’s auch mit an in’s Himmels Saal.

Und wär‘ ich durch des HErrn Verdienst
Auch noch so treu in Seinem Dienst,
Gewänn’s auch allem Bösen ab,
Sündigte nicht mehr bis zum Grab:

So will ich, wenn ich zu euch komm‘,
Nicht denken mehr an gut noch fromm,
Sondern: Da kommt ein Sünder her,
Der gern für’s Losgeld selig wär‘.

Da singt der Vater Abraham
Mit allen Heiligen dem Lamm;
Und sieht man in ihr Buch hinein,
So steht’s, daß sie auch Sünder sei’n.

Wird dann die Frage vorgebracht:
Was hast du in der Welt gemacht?
So sprech‘ ich: ich dank’s meinem HErrn,
Konnt ich was Gut’s thun, that ich’s gern.

Und weil ich wußte, daß Sein Blut
Die Sünd‘ wegschwemmt mit einer Flut,
Und daß man nicht muß will’gen ein,
Ließ ich mir’s eine Freude sein.

Wenn nun kam eine böse Lust,
So dankt‘ ich Gott, daß ich nicht mußt‘;
Ich sprach zur Lust, zum Stolz und Geiz:
„Dafür hing unser HErr am Kreuz!“

Da macht‘ ich keinen Disputat,
Sondern das war der kürz’ste Rath:
Ich klagt es meinem HErrn so bloß,
Dann wurd‘ ich’s immer wieder los.

Da werden alle Heil’gen sich
Mit mir erfreuen inniglich,
und preisen unsern Schmerzensmann;
Dann stimm‘ ich auch mit ihnen an:

„Dem Lamm gebühret Alles gar,
Weil es für uns geschlachtet war:
Es hat die Sünde weggebracht,
Hat uns Gott angenehm gemacht!“

Nun, weil ich noch im Leben bin,
So steht mein ganzes Herz dahin,
Daß ich dem Volk der Christenheit
Drauf helfen will zu aller Zeit,

Daß unser hochgeliebter Gott
Mit Seines Kindes Blut und Tod
Uns also hoch geliebet hat,
Daß es kein Mensch faßt in der That.

Gelobet seist Du, Jesus Christ,
Daß Du ein Mensch geboren bist.
Und hast für mich und alle Welt
Bezahlt ein ewig Lösegeld.

Ach, hilf’s uns nun auch predigen,
Und aus der Grub‘ erledigen, (Zach. 11,9.)
Was nur aus Deiner blut’gen Füll‘,
Als Sünder, Gnade nehmen will!

Du Ehrenkönig, Jesu Christ!
Gott Vaters ein’ger Sohn Du bist:
Erbarme Dich der ganzen Welt,
Und segne, was sich zu Dir hält!

Ich will nach meiner Gnadenwahl
Hier fleißig seh’n in’s Wundenmaal,
Und droben prangen in dem Kleid
Dein’s Blutes und Gerechtigkeit.

(Auf St. Eustachius 1738.)
/aktualisiert 20.3.2022/

Friedhelm Traub – In des Erlösers Wunden

Wo kann mein Herz gesunden,
wo wird mein Schade gut?
In des Erlösers Wunden,
Heil ist in Jesu Blut!

Wo find‘ in dunklen Stunden
ich Licht und frohen Mut?
In des Erlösers Wunden,
Trost ist in Jesu Blut!

Wo wird ein Ort gefunden,
an dem man sich er ruht?
In des Erlösers Wunden,
Ruh‘ ist in Jesu Blut!

Wo bleib‘ ich eng verbunden
mit ihm, dem höchsten Gut?
In des Erlösers Wunden,
Kraft ist in Jesu Blut!

Und wo wird überwunden
des Feindes Grimm und Wut?
In des Erlösers Wunden,
Sieg ist in Jesu Blut!

Johann Olearius – Herr Jesu Christ, dein teures Blut

1. Herr Jesu Christ, dein teures Blut
Ist meiner Seele höchstes Gut,
Das stärkst, das labt, das macht allein
Mein Herz von allen Sünden rein.

2. Dein Blut, mein Schmuck, mein Ehrenkleid,
Dein Unschuld und Gerechtigkeit
Macht, daß ich kann vor Gott bestehn
Und zu der Himmelsfreud eingehn.

3. O Jesu Christe, Gottes Sohn,
Mein Trost, mein Heil, mein Gnadenthron,
Dein teures Blut, dein Lebenssaft,
Gibt mir stets neue Lebenskraft.

4. Herr Jesu, in der letzten Not,
Wenn mich schreckt Teufel, Höll und Tod,
So laß ja dies mein Labsal sein:
Dein Blut macht mich von Sünden rein.

Quelle: Hymns of the 1912 Lutheran Hymnal for Church, School and Home Evangelical Lutheran Synod of Wisconsin and other States

Unbekannt – Fünf Brünnlein sind

1. Fünf Brünnlein sind,
Daraus mir rinnt
Fried, Freud, Heil, Trost und Lehen;
In Angst und Not
Bis in den Tod
Solche mir Labsal geben.

2. Der Quell du bist,
Herr Jesu Christ,
Die Brünnlein deine Wunden,
Daraus ich mich
Lab inniglich
In heißen Kreuzesstunden.

3. Laß mir stets sein
Das Leiden dein
Ein Regel, Riegel, Speigel,
Daß ich nach dir
Mein Fleisch regier
Und laß ihm nicht den Zügel.

4. O Gottes Lamm,
O Liebesflamm,
O meiner Seelen Freude,
Nimm hin die Sünd,
Das Herz entzünd,
Daß mich von dir nichts scheide.

5. So werde ich
Recht seliglich
Den Lebenslauf vollbringen
Und fröhlich hier,
O Gott, mit dir
Das Vollbracht gläubig singen.

Quelle: Hymns of the 1912 Lutheran Hymnal for Church, School and Home Evangelical Lutheran Synod of Wisconsin and other States

Prätorius, Joachim – Kein Tröpflein Blut

Kein Tröpflein Blut war dir zu theuer,
du gabst es willig für mich her;
o daß von deinem Liebesfeuer
mein ganzes Herz entzündet wär‘!
Ach laß den Eindruck deiner Leiden
und deiner bittern Todespein
mir stets, bis Leib und Seele scheiden,
im Herzen unauslöschlich seyn!

Sammlung auserlesener Lieder von der erlösenden Liebe
herausgegeben von
Johannes Goßner.
Dritte Auflage.
Leipzig,
bei Karl Tauchnitz.
1825.

David Hollaz – Es glänzen Immanuels blutige Wunden,

Es glänzen Immanuels blutige Wunden,
es glänzet des Bräutigams goldene Fluth!
darinnen wird’s Siegel des Lebens gefunden!
Den Weg zu der Gnade nur bahnet dies Blut.
O Freude für Sünder!
Blut macht sie zu Kinder;
die erst durch Gesetze des Tod’s sollen sterben,
die machet die Gnade zu göttlichen Erben.

Die Krone und Zierde der seligen Seelen
im Himmel bestehet im blutigen Glanz:
die Gnade geöffneter blutigen Höhlen,
die schenket den Sündern das Himmelreich ganz.
O Freude auf Erden!
was will denn dort werden?
Gibt dieß Blut den Sündern schon hier Seligkeiten;
denkt an das Gejauchze der ewigen Freuden!

Herz denn, ihr Sünder! ihr dürfts nicht bezahlen;
umsonst und aus Gnaden ist alles gethan!
Kommt, laßt eure Herzen mit Blute bemalen,
und zieht diesen Purpur im Glauben frisch an!
Zur Buße bequemen,
im Glauben Gnade nehmen,
das ist eures Jesu begierigster Wille!
Kommt, nehmet, so habt ihr die Fülle!

Glorwürdigster Jesu! Blutsbräut’gam der Frommen!
Gerechtigkeit bist du dem, der sich bekehrt,
laß jeden zu diesem Heilsbrunnen bald kommen,
der sich noch in eigenen Wirken verzehrt!
O Jesu! verkläre
dein Blut! ach! gewähre
uns unsere Bitte für all‘ deine Kinder.
Erhör uns für alle gebeugete Sünder!

So schütte vom Himmel den blutigen Regen
auf deine verderbten Geschöpfte herab;
wir bücken uns nieder, wir bitten um Segen,
daß unser so dürres Holf wieder sich lab‘.
Ach! komm und besprenge
Sünder die Menge
dein theures vollgültiges Gottesblut nieder:
So jauchzet die Erde, der Himmel schallt wieder.

Zinzendorf, Nikolaus Ludwig Graf von – Eh der Mensch sich wie erstorben

1.) Eh‘ der Mensch sich, wie erstorben,
Voller Elend liegen sieht
Und zu dem, der ihn erworben
Durch sein Blut, im Glauben flieht,
Hilft ihm nichts zum Seligwerden,
Was er auch je Gutes tut:
Denn im Himmel und auf Erden
Gilt allein des Lammes Blut.

2.) In des Lammes Blut alleine
Stehet die Gerechtigkeit.
Diese heißt der Glaube seine.
Dann erfüllt uns Fried‘ und Freud‘,
Und wir haben sel’ge Stunden,
Seel‘ und Leib und Geist erfährt
Solchen Trost aus Jesu Wunden,
Welcher unaufhörlich währt.

Gerhardt, Paul – Ich grüße dich, du frömmster Mann

1. Ich grüße dich, du frömmster Mann,
Der herzlich gern vergibet.
Wie herzlich weh wird dir getan,
Wie wird dein Leib betrübet!
Es grüßet dich mein ganzer Geist,
Du meines Heilands Seite,
Du edler Quell, aus welchem fleußt
Das Blut, das so viel Leute
Von ihren Sünden wäschet.

2. Ich mach, Herr Jesu, mich zu dir,
Ach halt mir’s ja zugute,
Und laß mich suchen Trost für mir
In deiner Wunden Blute.
Du werte Wunde, sei gegrüßt,
Du weites Tor der Gnaden,
Daraus sich Blut und Wasser gießt,
Und da all unsern Schaden
Kann abgeholfen werden.

3. Du reuchst mir süßer als der Wein
Und heilst die Gift der Schlangen,
Du flößest mir das Leben ein
Und stillst des Dursts Verlangen.
Eröffne dich, du liebe Wund,
Und laß mein Herze trinken;
Ist’s müglich, laß mich gar zu Grund
In dir gehn und versinken,
So werd ich mich recht laben.

4. Mein Mund streckt sich mit aller Kraft,
Damit er dich berühre
Und ich den teuren Lebessaft
Im Mark und Beinen spüre.
Ach wie so süße bist du doch,
Herr Jesu, meinem Herzen!
Wer dich recht liebt, dem wird das Joch
Der bittern Todesschmerzen
Gleich als wie lauter Zucker.

5. Verbirge mich und schleuß mich ein
In deiner Seiten Höhle!
Hier laß mich still und sicher sein,
Hier wärme meine Seele,
Wann mich der kalte Tod befällt;
Nach mir und meinem Geiste stellt,
So laß in deiner Treue
Mich dann fein ruhig bleiben