Gerhardt, Paul – Hört an, ihr Völker, hört doch an

1. Hört an, ihr Völker, hört doch an,
Hört alle, die ihr lebet,
Arm reich, Herr, Diener, Frau und Mann
Und was auf Erden schwebet:
Mein Mund soll reden von Verstand
Und rechte Weisheit lehren;
Wir wollen, was mein Herz ersand,
Ein fein Gedichte hören
Und spielen auf der Harfen.

2. Was sollt ich fürchten meinen Feind
In meinen bösen Tagen,
Da mich, ders böse mit mir meint,
Umgibt mit vielen Plagen,
Wann mich mein Untertreter drückt
Mit seinen Missetaten
Und sich, weil ihm Tun geglückt
Und alles wohl geraten,
Erhebet, pocht und prahlet?

3. Was hilft ihm all Hab und Gut,
Wann sich der Tod herfindet?
Da gilt kein Geld, kein hoher Mut,
All Hilf und Rat verschwindet.
Und wenn auch gleich sein Bruder wollt
Ihm an die Seite treten,
Doch kann ihn weder rotes Gold
Noch Bruders Blut erbeten,
Er muß dem Tod herhalten.

4.Der Tod ist gar ein teuer Mann,
Fragt nichts nach gutem Willen;
Wann einer gleich gibt, was er kann,
Noch läßt er sich nicht stillen.
Und sieht er auch schon manchem zu,
Läßt ihn viel Jahr erlangen,
Doch bricht er endlich solche Ruh,
Er kommt einmal gegangen
Und holt die alten Greisen.

5. Denn solche Weisen müssen doch
Sowohl als wie die Narren
Sich lassen in des Grabes Loch
Verschenken und verscharren;
Da kommt denn, was sie an sich bracht,
In andrer Leute Hände,
Und also gehet ihre Pracht
Und Herrlichkeit zu Ende,
Viel anders als sie wünschen.

6. Dies ist ihr Herz, das ist ihr Sinn,
Daß ihr Haus ewig bleibe,
Ihr und Würd auch immerhin
Sich wohl und mehr erkleibe;
Noch dennoch aber können sie
Nichts überall erhalten,
Sie müssen fort und wie ein Vieh
Hinunter und erkalten.
Das ist ein töricht Wesen.

7. Doch gleichwohl wird es hoch gerühmt
Mit Lippen der Nachkommen
Und gar nicht, wie es sich geziemt,
Zur Beßrung angenommen.
Sie liegen in der Höllen Grund
In einem bösen Schlafe,
Der Tod, der nagt sie wie ein Hund
Und wie ein Wollf die Schafe,
Die keine Hilfe haben.

8. Die Bösen und des Todes Beut
Und müssen Marter leiden,
Die Frommen wird der HErr mit Freud
Im Himmelreich weiden.
Der Trotz der unverschämten Rott
Muß brechen und vergehen,
Wer aber treu bleibt seinem GOtt,
Der soll dort ewig stehen
Im Chor der auserwählten.

9. Darum, mein allerliebstes Kind,
Laß dich nicht irre machen,
Ob einer reich wird und mit Sünd
Erlangt viel treue Sachen;
Denn wenn er stirbt, bleibt alles hier,
Er kann nichts mit sich nehmen.
Sein Herrlichkeit, sein Ehr und Zier
Verscwindet wie ein Schemen
Und will ihm nicht nachfolgen.

10. Die Welt liebt ihren Kot und Stank,
Hält viel von schnöden Dingen.
Und also gehn sie auch den Gang,
Den ihre Väter gingen,
Und sehen hinfort nimmermehr
Das Licht, das uns ernähret:
Kurz: Wann ein Mensch hat Würd und Ehr
Und ist nicht fromm, so fähret
Er wie ein Vieh von hinnen.

Gerhardt, Paul – Hörst du hier die Ewigkeit

1. Hörst du hier die Ewigkeit,
Der du Schuld mit Schulden häufest
Und auf schnöden Wegen läufest
Wie ein toller Hengst im Streit?
Wird das Ewig dich nicht wecken:
Wird dich ewige Pein erschrecken.

2. Fürchte dich vor Gottes Grimm
Und vermeide Tritte,
Wende deines Lebens Schritte
Von den bösen Wegen um:
Sonsten wird, mit ewigen Nagen,
Ewiges Feur und Wurm dich plagen.

3. Werde fromm und lebe recht,
Diene dem, der dich erschaffen,
Mit des Lichts und Glaubens Waffen
Als ein treuer kluger Knecht:
Also wird vorm ewigen Leide
Dich befrein die ewige Freude.

Gerhardt, Paul – Herr, was hast du im Sinn

1. HErr, was hast du im Sinn?
Wo denkt dein Eifer hin?
Von was für neuen Plagen
Soll uns der Himmel sagen?
Was soll uns armen Leuten
Der neue Stern bedeuten?

2. Die Zeichen in der Höh
Erwecken Ach und Weh,
Es hats in nächten Jahren
Die ganze Welt erfahren:
Die brennenden Kometen.
Sind traurige Propheten.

3. Sie brennen in der Luft,
Und unsers Herzens Kluft
Ist blind und kalt zum Guten,
Erkennet nicht die Ruten,
Die uns zu unsern Wunden
Des Höchsten Hand gebunden.

4. Kein Mensche hört fast mehr,
was Gottes Geist uns lehr
In seinen heilgen Worten:
Drum muß an so viel Orten
Von großem Zorn und Dräuen
Das Sternenland selbst schreien.

5. Die Welt hält keine Zucht,
Der Glaub ist in der Flucht,
Die Treu ist hart gebunden,
Die Wahrheit ist verschwunden,
Barmherzig sein und lieben,
Das sieht man selten üben.

6. Daher wächst Gottes Grimm
Und dringt mit Ungetüm
Aus seines Eifers Kammer
Und will mit großem Jammer,
Wo wir uns nicht bekehren,
Uns allesamt verheeren.

7. Und das will der Prophet,
Der in der Luft da steht,
Uns, die wir sicher leben,
Klar zu verstehen geben
Mit seinem hellen Lichte
und klarem Angesichte.

8. Sein ist gar geschwind.
Ach GOtt laß unsre Sünd
Uns nicht geschwind anrücken
Und eilends unterdrücken;
Laß uns der Strafen Haufen
Nicht plötzlich überlaufen!

9. Sein Strahl ist breit und lang,
Macht uns fast angst und bang,
Ach, Jesu, hilf uns allen,
Auf daß nicht auf uns fallen
die hochbetrübten Zahlen
Der letzten Zornesschalen.

10. Erhalt uns unsern HErrn,
Den schönen edlen Stern,
Laß uns sein Licht beleuchten,
Laß seinen Tau uns feuchten,
Daß wir uns seiner freuen
Und unter ihm gedeihen.

11. Laß auch noch immerfort
Dein Liebes wertes Wort
In unserm Land und Grenzen
Schön rein und heile glänzen:
Wenn dein Wort uns nur blicket
So sind wir gnug erquicket.

12. Gedenk an deine Güt
Und Laß doch dein Gemüt
Erweichen von uns Armen!
Regier uns mit Erbarmen,
Damit die bösen Zeichen
Ein gutes End erreichen.

Gerhardt, Paul – Herr Lindholtz legt sich hin

1. Herr Lindholtz legt hin und schläft in Gottes Namen,
Weiß nichts mehr von dem Leid, von dem großen Gramen,
Das jetzt die Welt durchstreicht. Sein Grabmal deckt ihn zu;
Der Himmel ist sein Sitz, Die Erdgruft seine Ruh.

2. O schweigt, o schweigt und ruht, ihr hochgeliebten Seinen!
Wer in der Freude lebt, den darf man nicht beweinen.
Wir schweben in der See, der Sturm trübt unsern Sinn:
Her Lindholtz ist im Port. GOtt helf uns allen hin.

Gerhardt, Paul – Herr Jesu, meine Liebe

1. HErr Jesu, meine Liebe,
Ich hätte nimmer Ruh und Rast,
Wo nicht fest in mir bleibe
Was du für mich geleistet hast;
Es müßt in meinen Sünden,
Die sich sehr hoch erhöhn,
All meine Kraft verschwinden
Und wie ein Rauch vergehn,
Wenn sich mein Herz nicht hielte
Zu dir und deinem Tod,
Und ich nicht stets mich kühlte
An deines Leidens Not.

2. Nun weißt du meine Plagen
Und Satans, meines Feindes, List
Wenn meinen Geist zu nagen,
Er emsig und bemühet ist,
Da hat er tausend Künste,
Von die mich abzuziehen:
Bald treibt er mir die Dünste
Des Zweifels in den Sinn,
Bald nimmt er mir dein Meinen
Und Wallen aus der Acht
Und lrhrt mich ganz verneinen,
Was du doch fest gemacht.

3. Solch Unheil abzuweisen,
Hast du, HErr, deinen Tisch gesetzt,
Da lässest du mich speisen,
So daß sich Mark und Bein ergetzt.
Du reichst mir zu genießen
Dein teuers Fleisch und Blut
Und lässest Worte fließen,
Da all mein Herz auf ruht.
Komm, spricht du, komm und nahe
Dich ungescheut zu mir,
Was ich dir geb, empfahe
Und nimms getrost zu dir.

4. Hier ist beim Brot vorhanden
Mein Leib, der dargegeben wird
Zum Tod – und Kreuzesbanden
Für dich, der sich von mir verirrt.
Beim Wein ist, was geflossen
Zu Tilgung deiner Schuld,
Mein Blut, das ich vergossen
In Sanftmut und Geduld.
Nimms beides mit dabei,
Wie fromm im Herzensgrunde
Ich, dein Erlöser, sei.

5. HErr, ich will dein gedenken,
So lang ich Luft und Leben hab,
Und bis man mich wird senken
An meinem End ins finstre Grab.
Ich sehe dein Verlangen
Nach meinem ewgen Heil,
Am Holz bist du gehangen
Und hast so manchen Pfeil
Der Trübsal lassen dringen
In dein unschuldigs Herz,
Auf daß ich möcht entspringen
Des Todes Pein und Schmerz

6. So hast du auch befohlen,
Daß, was den Glauben stärken kann,
Ich bei dir solle hollen,
Und soll doch ja nicht zweifeln dran,
Du habst für alle Sünden,
Die in der ganzen Welt
Bei Menschen je zu finden,
Ein völligs Lösegeld
Und Opfer, das bestehet
Vor dem, der alles trägt,
In dem auch alles gehet,
Bezahlet und erlegt.

7. Und daß ja mein Gedanke,
Der voller Falschheit und Betrug,
Nicht im geringsten wanke,
Als wär es dir nicht Ernst genug:
So neigst du dein Gemüte
Zusamt der rechten Hand
Und gibst mit großer Güte
Mit das hochwerte Pfand
Zu essen und zu trinken.
Ist das nicht Trost und Licht
Dem, der sich läßt bedünken,
Du wollest seiner nicht?

8. Ach HErr, du willst uns alle,
Das sagt uns unser Herze zu,
Die, so der Feind zu Falle
Gebracht, rufst du zu deiner Ruh.
Ach hilf, HErr, hilf uns eilen
Zu dir, der jederzeit
Uns allesamt zu heilen
Geneigt ist und bereit!
Gib Lust und heilges Dürsten
Nach deinem Abendmahl,
Und dort mach uns zu Fürsten
Im gülden Himmelssaal.

Gerhardt, Paul – Herr, ich will gar gerne bleiben

1. HErr, ich will gar gerne bleiben,
Wie ich bin, dein armer Hund,
Will auch anders nicht beschreiben
Mich und meines Herzens Grund.
Denn ich fühle, was ich sei:
Alles Böse wohnt mir bei,
Ich bin aller Schand ergeben,
Unrein ist ganzes Leben.

2. Hündisch ist mein Zorn und Eifer,
Hündisch ist mein Neid und Haß,
Hündisch ist mein Zank und Geifer,
Hundisch ist mein Raub und Fraß;
Ja, wenn ich mich recht genau,
Als ich billig soll, beschau,
Halt ich mich in vielen Sachen
Ärger als die Hund es machen.

3. Ich will auch nich mehr begehren,
Als mir zukommt und gebührt,
Wollst mir nur das Recht gewähren,
Das ein Hund im Hause führt!
Deine Heilgen, die sich dir
Hier ergeben für und für,
Mögen oben an der Spitzen
Deiner Himmelstafel sitzen.

4. Deine Kinder, die dich ehren
Und in voller Tugend stehn,
Mögen sich von Wollust nähren
Und im Erbe sich erhölen,
Das du Ihnen in dem Licht
Deines Saals hast zugericht´t,
Ich will, wenn ich nur kann liegen
Unterm Tisch, mir lassen gnügen.

5. Ich will ins Verborgne kriechen,
Da die Nacht den Tag verhüllt,
Und hin nach der Erden riechen,
Suchen was den Hunger stillt;
Ich will mir den Brosamlein,
Die ich finde, friedlich sein
Und mich freuen über allen,
Was die HErren lassen fallen.

6. Murren will ich auch und bellen,
Aber gleichwohl weiter nicht,
Als nur wenn in Sündenfällen
Dir von mir ein Schimpf geschicht,
Wenn mein Fleisch mich übereilt
Und zur Buße, die uns heilt,
Sich viel träger als zur Sünden
Und zur Bosheit lässet finden.

7. Dennoch will ohn alles Heucheln,
Das so fest sonst in uns steckt,
Ich dir auch hinwieder schmeicheln,
Wenn ich deinen Zorn erweckt
Und du meinen Übermut
Strafest mit der scharfen Rut.
Ach HErr, schone, will ich sprechen,
Laß mein Wort dein Herze brechen!

8. Mache mich zum wackern Hüter,
Dessen Augen offen sein,
Wenn das schönste deiner Güter,
Deine Kinder, schlafen ein.
Wenn das Haus zu Bette geht
Und der Dieb mit Listen steht
Nach des Nächsten Gut und Gelde,
Ei, so gib, daß ich ihn melde!

Gerhardt, Paul – Herr, höre, was mein Mund

1. HErr, höre, was mein Mund
aus innerm Herzensgrund
ohn alle Falschheit spricht,
Wend, HErr, dein Angesicht,
Vernimm meine Bitte!

2. Ich bitte nicht um Gut,
das auf der Welt beruht,
Auch endlich mt der Welt
bricht und zu Boden fällt
Und mag gar nicht retten.

3. Der Schatz, den ich begehr,
ist deine Gnad, o HErr,
Die Gnade, die dein Sohn,
mein Heil und Gnadenthron,
Mir sterbend erworben.

4. Du bist rein und gerecht,
Ich bin ein böser Knecht,
ich bib in Sündentot,
Du bist der fromme GOtt,
der Sünde vergibet.

5. Laß deine Frömmigkeit
sein meinen Trost und Freud,
Laß über meine Schuld
dein edle Lieb und Huld
sich reichlich ergießen.

6. Betrachte, wer ich bin,
im Huf fahr ich dahin,
zerbrechlich wie ein Glas.
Vergänglich wie ein Gras,
ein Wind kann mich fällen.

7. Willst du nichts sehen an
als was ein Mensch getan,
So wird kein Menschenkind
von wegen seiner Sünd
im Himmel bestehen.

8. Sieh an, wie Jesus Christ
für mich gegeben ist,
Der hat, was ich nicht kann,
Erfüllt und genug getan
in Leben und im Leiden.

9. Du liebest Reu und Schmerz,
schau her, hier ist mein Herz,
Das seine Sünd erkennt
und wie ein Feuer brennt
vor Angst, Leid und Sorgen.

10. Ich lechze wie ein Land,
dem deine milde Hand
Den Regen lang entfleucht,
bis Saft und Kraft entweicht
und alles verdorret.

11. Gleich wie auch auf der Heid
ein Hirsch begehrlich schreit
nach frischem Wasserquell,
So ruf ich laut und hell
nach dir, o mein Leben.

12. Erquicke mein Gebein,
Gießt Trost undLobsal ein
und sprich mir freundlich zu,
Daß meine Seele ruh
im Schloß deiner Liebe.

13. Gib mir getrosten Mut,
wenn meiner Sünden Flut
aufsteiget in die Höh,
Ersäuf all Angst und Weh
im Meer deiner Gnaden.

14. Treib weg den bösen Feind,
der mich zu stürzen meint,
Du bist mein Hirt, und ich
will bleiben ewiglich
ein Schaf deiner Weide.

15. So lang auf dieser Erd
ich Atem holen werd,
O HErr, so will ich dein
und seines Willens sein
gehorsamer Diener.

16. Ich will dir dankbar sein,
Doch ist mein Können klein,
allein in deiner Kraft,
Die Tin und Wollen schafft,
steht all mein Vermögen.

17. Drum sende deine Geist,
der deinen Kindern weist
den Weg, der dir gefällt:
Wer den bewahrt und hält,
wird nimmermehr fehlen.

18. Ich richte mich nach dir,
du sollst mir gehen für.
Du sollst mir schließen auf
die Bahn im Tugendlauf,
Ich will treulich folgen.

19. Und wann des Himmels Pfort
Ich werd ergreifen dort,
So will im Engelheer
Ich ewig deiner Ehr
in Freuden lobsingen.

Gerhardt, Paul – Herr Gott, du bist ja für und für

Aus dem 90. Psalm Davids

1. Herr Gott, du bist ja für und für
Die Zuflucht deiner Herde.
Du bist gewesen, eh allhier
Gelegt der Grund zur Erde;
Und da noch kein Berg war bereit,
Da warst du in der Ewigkeit,
O Anfang aller Dinge!

2. Du läßt die Menschen in das Tor
Des Todes häufig wandern
Und sprichst: Kommt wieder, Menschen, vor
Und folget jenen andern.
Denn dir sind, Höchster, tausend Jahr
Als wie ein Tag, der gestern war
Und nunmehr ist vergangen.

3. Du läßt das schnöde Menschenheer
Wie einen Strom verfließen
Und wie die Schifflein auf dem Meer
Bei gutem Wind hinschießen:
Gleich wie ein Schlaf und Traum bei Nacht,
Der, wann der Mensch vom Schlaf erwacht,
Entfallen und vergessen.

4. Wir sind ein Kraut, das bald verdorrt,
Ein Gras, das itzt aufgehet,
Wird aber schnell von seinem Ort
Entflühtet und verwehet.
So ist ein Mensch: Heut blühet er
Und morgen, wann ihm ungefähr
Ein Wind rührt, liegt er nieder.

5. Das macht, Herr, deines Zornes Grimm,
Daß wir so bald verschwinden.
Dein Eifer stößt und wirft uns üm
Von wegen unsrer Sünden.
Die Sünden stellest du für dich,
Davon brennt und entrüstet sich
Dein allzeit reines Herze.

6. Das ist das Feur, das uns versehrt
Das Mark in allen Beinen.
Daher kämmt’s, daß der Tod verzehrt
Die Großen und die Kleinen.
Drum fahren unsre Tage hin
Wie ein Geschwätze durch den Sinn,
Wann wir die Zeit vertreiben.

7. Wie lang hält doch dies Leben aus?
Gar selten sieb’nzig Jahre.
Wann’s hoch kömmt, werden achtzig draus,
Und wenn man alle Ware,
Die hier gewonnen, nimmt zu Hauf,
Ist’s lauter Müh von Jugend auf
Und lauter Angst gewesen.

8. Wir rennen, laufen, sorgen viel,
Und eh wir’s uns versehen,
Da kämmt der Tod, steckt uns das Ziel,
Und da ist’s dann geschehen:
Wir fliehen eilend und behend,
Und ist doch niemand, der sein End
Und Gottes Zorn bedenke.

9. Lehr uns bedenken, frommer Gott,
Das Elend dieser Erden,
Auf daß wir, wann wir an den Tod
Gedenken, klüger werden!
Ach kehre wieder, kehr uns zu
Dein Angesicht und steh in Kuh
Mit deinen bösen Knechten!

10. Erfüll uns früh mit deiner Gnad
Am Leib und an der Seelen,
So wollen wir dir früh und spat
Dein Lob mit Dank erzählen.
Erfreu uns, o du höchste Freud,
Und gib uns wieder gute Zeit
Nach so viel bösen Tagen!

11. Bisher hat’s lauter Kreuz geschneit,
Laß nun die Sonne scheinen:
Bescher uns Freude nach dem Leid
Und Lachen nach dem Weinen!
Laß deiner Werke süßen Schein,
Herr, deinen Knechten kundbar sein
Und dein Ehr ihren Kindern!

12. Bleib unser Gott und treuer Freund,
Halt uns auf festen Fuße;
Und wenn wir etwa irrig seind,
So gib, daß sich mit Buße
Das Herze wieder zu dir wend;
Auch fördre das Tun unser Händ
Und segne alle unsre Werke!

Gerhardt, Paul – Ich will mit Danken kommen

1. Ich will mit Danken kommen
In den gemeinen Rat
Der rechten wahren Frommen,
Die Gottes Rat und Tat
Mit süßem Lob erhöhn;
Zu denen will ich treten,
Und soll mein Dank und Beten
Von ganzem Herzen gehn.

2. Groß ist der Herr und mächtig,
Groß ist auch, was er macht.
Wer aufmerkt und andächig
Nimmt seine Werk in Acht,
Hat eitel Lust daran.
Was seine Weisheit setzet
Und ordnet, das ergetzet
Und ist sehr wohl getan.

3. Sein Heil und große Güte
Steht fest und unbewegt,
Damit auch dem Gemüte,
Das uns im Herzen schlägt,
Dieselb nicht entweich,
Hat er zum Glaubenszunder
Ein Denkmal seiner Wunder
Gesetzt in seinem Reich.

4. Gott ist voll Gnad und Gaben,
Gibt Speis aus milder Hand,
Die Steinen wohl zu laben,
Die ihm allein bekannt:
Denkt stets an seinen Bund,
Gibt denen, die er weiden
Will mit dem Gut der Heiden,
All seine Taten kund.

5. Das Wirken seiner Hände
Und was er uns gebeut,
Das hat ein gutes Ende,
Bringt reichen Trost und Freud
Und Wahrheit, die nicht treugt.
Gott leitet seine Knechte
In dem rechtschaffnen Rechte,
Das sich zum Leben neigt.

6. Sein Herz läßt ihm nicht reuen,
Was uns sein Mund verspricht,
Gibt redlich und mit treuen,
Was unser Unglück bricht;
Ist freudig, unverzagt,
Uns alle zu erlösen
Vom Kreuz und allem Bösen,
Das seine Kinder plagt.

7. Sein Wort ist wohl gegründet,
Sein Mund ist rein und klar,
Wozu er sich verbindet,
Das macht er fest und wahr
Und ist ihm gar nicht schwer.
Sein Name, den er führet,
Ist heilig und gezieret
Mit großer Pracht und Ehr.

8. Die Furcht des Herren gibet
Den ersten besten Grund
Zur Weisheit, die Gott liebet
Und rühmt mit seinem Mund.
O, Wie klug ist der Sinn,
Der diesen Weg verstehet
Und fleißig darauf gehet!
Des Lob fällt nimmer hin.

Gerhardt, Paul – Ich will erhöhen immerfort

1. Ich will erhöhen immerfort
Und preisen meiner Seelen Hort,
Ich will ihn herzlich ehren.
Wer Gott liebt, stimme mit mir ein,
Laß alle, die betrübet sein,
Ein Freudenliedlein hören.

2.Gott ist ein Gott, der reichlich tröst´t,
Wer ihn nur sucht, der wird erlöst,
Ich hab es selbest erfahren:
Sobald ein Ach im Himmel klingt,
Kommt Heil und was uns Freude bringt
Vom Himmel ab gefahren.

3. Der starken Engel Kampanie
Zieht fröhlich an, macht dort und hier
Sich selbst zum Wall und Mauern,
Da weicht und fleucht die böse Rott,
Der Satan wird zu Hohn und Spott,
Kein Unglück kann da dauern.

4. Ach, was ist das für Süßigkeit!
Ach, schmecket alle, die ihr seid
Mit Sinnen wohl begabet!
Kein Honig ist mehr auf der Erd
Hinfort des süßen Namens wert;
Gott ists, der uns recht labet.

5. O seligs Herz, o seligs Haus,
Das alle Lust strömt von sich aus
Und diese Lust beliebet!
All andre Schönheit wird verrückt,
Der aber bleibet stets geschmückt,
Wer sich nur Gott ergibet.

6. Der Könige Gut, der Fürsten Geld
Ist Kot und bleibet im der Welt,
Wann die Besitzer sterben.
Wie oft verarmt ein reicher Mann!
Wer Gott vertraut, bleib reich und kann
Die ewgen Schätz ererben.

7. Kommt her, ihr Kinder, hört mir zu!
Ich will euch zeigen, wie ihr Ruh
Und Wohlfahrt könnt erjagen:
Ergebet euch und euren Sinn
Zu Gottes Wohlgefallen hin
In allen euren Tagen!

8. Bewahrt die Zung! Habt solchen Mut,
Der Zank, und was zum Zanken tut,
Nicht reget, sondern stillet:
so werden eure Tage sein
Mit stillem Fried und süßem Schein
Des Segens überfüllet.

9. Laß ab vom Bösen, fleuch die Sünd,
O Mensch, und halt dich als ein Kind
Des Vaters in der Höhe!
Du wirsts erfahren in der Tat,
Wie’s dem, der ihm gefolget hat,
So herzlich wohl ergehe.

10. Den Frommen ist Gott wiederfromm
Und machet, daß geschlossen komm
Auf uns all sein Gedeihen:
Sein Aug ist unser Sonnenlicht,
Sein Ohr ist Tag und Nacht gericht,
Zu hören unser Schreien.

11. Zwar, wer Gott dient, muß leiden viel,
Doch hat sein Leiden Maß und Zeit,
Gott hilft ihm aus dem allen;
Er sorgt für alle seine Bein,
Er hebt sie auf und legt sie ein,
Kein einzges muß verfallen.

12. Gott sieht ins Herz und weiß gar wohl,
Was uns macht Angst und Sorgen voll,
Kein Tränklein fällt vergebens.
Er zählt sie all und legt darvor
Uns treulich bei im Himmelschor
All Ehr des ewgen Lebens.