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Schlagwort: Psalter

Burkard Waldis – Psal. CIII. Benedic anima mea.

Burkard Waldis – Psal. CIII. Benedic anima mea.

MEin seel lobt Got zu aller frist,
was in mir ist
seinn heylgen namen ehret!
Mein seel lobt Gott zu aller frist
und nit vergißt
was zu seim lob gehöret!
Der uns groß gut auch täglich thut,
vns hertzlich liebt, all sünd vergibt,
Heylet all vnsern schaden
auß güt vnd lauter gnaden.

Der mein leben vom todt erlößt,
mich täglich tröst,
mit gnad und guten krönet,
Der meinen mund stedts frölich macht
mit freuden lacht
und all meins thuns verschonet;
Er macht mich jung und frisch zum sprung,
er schaffet recht dem armen knecht,
Den die Gottlosen neiden,
und alln, die unrecht leiden.

Er hat sein wege wissen lon
des Amrams son,
Israel seine sitten;
Der HERR ist von hertzen gnedig
und barmhertzig,
von gduld vnd grosser güten!
Vnsr missethat in vngenad
er nicht gedenckt, die Sünd vns schenckt,
Zorn will er nicht behalten,
die gnade leßt Er walten.

Nach vnsern Sünden vns nit richt,
handelt auch nicht
wie wirs haben verdienet;
Die missethat auch nicht vergilt,
nach größ der schuld
mit gnaden vns versünet,
Im himel weit, auff erden breyt
leßt walten gnad an rechtes stadt
Vbr alle, so jn forchten
vnd seinem willn gehorchen.

So weit da ist der Morgenstern
vom Abend fern,
wirfst von vns vnser sünde,
Wie ein Vatter mitleiden tregt,
keinn zorn erregt
vbr seine lieben kinde,
Der maß auch Gott mitleiden hat,
erbarmet sich so vetterlich
Vbr all, die jn belieben,
er wil sie nicht betrüben.

Dann Er kennt wol das schwach geschlecht
vnd sein gemecht,
daß wir sein schlam vnd erden;
Des menschen leben ist wie staub,
wie graß vnd laub,
grünt, wies wolt etwas werden:
Wann der windt weht vnd drüber geht,
bald sichs verstelt, zu boden felt,
Verschwindt in einer stunden,
sein statt wirt nimmer funden.

Abr sein gnad wert von Ewigkeyt
zu Ewigkeyt
vbr all, so jm vertrawen,
Sein grechtigkeyt zu kindes kind,
die seinen bund
halten vnd auff jn bawen,
Den glauben han,
gedencken dran
vnd seinen willn auch gern erfülln,
Nach seinen gebotten leben,
die Er jn hat gegeben.

Der HERR hat seinen stul bereyt
im himel weit,
sein reich herscht vber alle;
Auff erd man auch sein wort verkündt
mit vollem mund
reichlich mit großem schalle.
Die Engel schon seinn willen thun,
manch starcker held sein wort vermelt,
Daß Euangelion leren,
all welt sein stimm muß hören.

Lobet den HERRN sein diener gar,
jr heere schar,
die jr thut seinen willen!
Lobet den HERRN all seine werck,
all krafft vnd sterck,
die seinn befehl erfüllen!
An allem ort erkling sein wort
in seinr herrschaft mit aller krafft,
Für all sein thewre gaben
mein seel den HERRN sol loben!

Quelle: Quelle in der Glaubensstimme

Burkard Waldis – Psal. CXVI. Dilexi quoniam exau.

Burkard Waldis – Psal. CXVI. Dilexi quoniam exau.

DAs ist mir lieb vnd bin getröst,
daß mich der Herr hat jetz erlößt,
erhört mein bitlich flehen!
Drumb wil ich jm auch sagen danck,
jn anruffen mein leben lang,
sein lob nicht lan zergehen.
Ich war vmbgeben mit dem todt,
ich kam in jamer vnd in not,
Die angst hat mich recht troffen,
die helle stünd mir offen.

Abr ich rieff bald von hertzen an
des HERREN Namen lobesan,
sprach: HERR, mein seel errette!
Der HERR ist gnedig vnd gerecht,
barmhertzig vber seinen knecht,
hilfft, wann ich fleissig bette.
Der HERR erzeyget gnad vnd gut,
die einfaltigen gern behüt,
Ja wann ich lig darnider,
so tröstet Er mich wider!

Mein seel, hab nun einn guten mut,
weil dir der HERR vil gutes thut
vnd hilfft dir auß den nöten!
Von meinen augen wischt die thren,
reißt ab mein seel von allen den,
die sie dachten zu tödten,
Helt meinen fuß, daß er nicht gleit
für jm wil ich wandlen all zeit,
Vnd mich zu den begeben,
die bei jm Ewig leben.

Wie mein glaub ist im hertzen gethan,
also redt auch mein mund dauon,
drumb mich die feinde trutzen!
In meinem zagen sprach ich bald:
von menschen hülff ich gar nichts halt,
sie können mich nicht schützen,
Abr Gott der Herr ist selb der Man,
dem ichs nimmer vergelten kan
Sein wolthat gunst vnd liebe,
die er an mir thut üben!

Drumb ich den kelch des bittern trancks
jrs trawens, trutzens, jrs vndancks
mit freud zu mir wil nemen,
Vnd mich des HERREN Namens ehr,
seins worts der gnaden immer mehr
zu predigen nicht schemen
Vor all seim volck frei offenbar,
seinr heylgen todt, weyß ich fürwar,
Ist werdt uor jm gehalten,
der HERR wil jr stedts walten.

Ich bin dein knecht, O HERRE fron,
dein knecht vnd deiner maget son,
du hast mein band zerrissen!
Drumb ich dir opffer lob vnd danck,
deinn Namen wil mein leben lang
zu predign sein geflissen!
Dem HERRN ich mein gelübd bezal
zu Jerusalem in seinr Saal
Das Haleluia singen,
Der HERR leßt mirs gelingen!

Quelle: Quelle in der Glaubensstimme

Burkard Waldis – Psalm CXLV. Exaltabo te Deus.

Burkard Waldis – Psalm CXLV. Exaltabo te Deus.

DEin lob will ich erheben,
Herr Gott, du König lobesam,
Vnd dir die Ehre geben,
geheilget werd dein trewer nam!
Es muß dein lob erschallen
allzeit vnd immerdar,
Zu thun nach deinem gfallen,
vor Adams kindern allen
dein gnad werd offenbar.

Groß löblich ist der HERRE,
vnaußsprechlich sein grosse gut!
Kinds kind sol man sie lehren,
dein eygen werck dich preisen thut,
Ich red von deinen wundern,
herrlichen schönen pracht,
Dein grosse that besondern
schafft, daß wir vns verwundern,
erzeln sie tag vnd nacht.

Daß mann dein güte preise
vnd rhüme dein gerechtigkeyt,
Die du alln thust beweisen,
gedult, gnad vnd barmhertzigkeyt.
Gut bistu, HERR, alleyne,
erbarmst dich all deinr werck,
Des danckt dir in gemeyne
dein heylge Kirche reyne,
rhümen sich deiner sterck.

Dein Reich ist hoch zu preisen,
drinn du den Sündern gnedig bist;
Deinn gwalt jn thust beweisen,
die vnderm Creutz verborgen ist.
Das leßstu, HERR, verkünden
auff erd alln menschen kind,
Daß du vns hast entbunden
vom Teuffel, todt vnd sünden,
bei dir man gnade findt.

Dein reich von end zu ende
in Ewigkeyt wert dein herrschafft,
Dein gwalt mag niergend wenden,
groß ist deins Köngreichs pracht vnd krafft,
All, die auß schwachheyt fallen,
erheltstu durch dein gnad,
Das zschlagen vnd zerschallen
hebst auff nach deim gefallen,
daß jn die Sünd nicht schad.

All augen auff dich sehen,
gibst jn jr speiß zu seiner zeit,
On dich kan nichts geschehen,
dein handt füllt alles nah vnd weit.
Wann du außgeust deinn segen
vbr alles, was hie lebt,
Thut sichs in freuden regen,
vermehren und bewegen,
gar hoch dein lob erhebt.

Der HERR ist grecht, auffrichtig
in allem, das Er redt vnd thut,
Gar ernst, tapffer vnd wichtig,
sein werck sind heylig vnd gantz gut.
All, die recht zu jm schreien,
mit ernst jn ruffen an,
Den wil Er gnad verleihen,
auß allem vnglück freihen,
in nöten bey jn stan.

Was die frommen begeren,
das thut der HERR zu aller frist,
Ir bitt wil Er geweren,
mit hülff vnd trost stedts bei jn ist,
All, die den HERREN lieben,
die sind gantz wol behüt,
Ja wer sie thut betrüben,
gewalt an jn wil üben,
der wirt bald außgerütt.

Drumb wil ich jn stedts loben,
sein ehr verkünden sol mein mundt
Für seine grosse gaben,
die Er thut allen menschen kundt.
Alls fleysch vnd menschen samen
sagen jm preiß vnd ehr,
Zu singen seinem Namen
wöllen wir vns nicht schamen
ewig vnd jmmermehr!

Quelle: Quelle in der Glaubensstimme

Johann Freder – Der CXI Psalm

Johann Freder – Der CXI Psalm

VAn gantzem herten dancket Got,
gy framen Christen alle,
Vor sine gauen vnd woldat
vnd lauet en mit schalle
In disser Christlicken gemein,
dem Herrn gehört dat loff allein
vp erden vnd im Hemmel.

Idt sinth seer groth des Herrn werck,
wol dem, de se betrachtet,
Heb acht darup vnd se wol merck!
de erer flitich achtet,
Hefft ydel lust vnnd fröwde daran,
ock groten ricken trost daruan
vnd moth sick erer wundren.

Wat Godt vorordnet, wat he duth,
all wercke sinder hende
Synt löflick, herlick, schön vnd gudt;
all empte vnd alle stende
Synt Gades Recht vnnd Rechticheit,
de ewichlick blifft vnd besteit,
se synt syn werck vnd stiffte.

Doch bauen alles vs, dat he
hefft vns tho gute vnd framen,
De güdige Barmhertige Herr,
de Mischeit angenamen,
Vp dat he vns vth ewiger nodt
van Sünden, Düuel, Hell vnd Dodt
möcht lösen vnd erredden.

Dat ys vorwar ein grote güde
vnnd wunder bauen wunder,
Dat he so dorch syn düre Bloth
erlöst vns armen Sünder,
Ock solcker groten wunderdath
he vnder vns gestifftet hath
ein leeflick schon gedechtniß.

He gifft syn egen Flesch vnd blodt
warhafftich vns tho ethen,
Der Seel thor spise, tho trost vnd gude,
darby schaltu doch weten,
Dat solck spise sy gegeuen
den, de in Gades früchten leeuen,
de em vortruwen vnd glöuen.

he hefft gemaket mit vns ein Bundt,
ein Testament der gnaden,
Dat vns Dodt, Düuel, hell vnd sünd
nichts aueral schal schaden:
Eer desse Bundt nicht scholde bestan,
möste Hemmel vnd de Erd vorgan,
he ewichlick daran gedencket.

Dat he den Düuel vnd den Dodt
also hefft können twingen,
Dat synt geweldige stercke dadt,
de leth he prysen, singen,
Vorkündigen ock wieth vnd breit
in sinder gantzen Christenheit
dorch sines wordes Predigt.

Wy Heiden, vörhen affgewant
van Gades Rick vnd gnaden,
Nu synt Godt lof ock wol bekant,
he hefft vns ock geladen
Tho sinem groten Auentmal,
vnd schölen in des Hemmels Sael
mit eme ewich leeuen.

De Herr vns ock ein Crutz uplecht,
dat deit he vns thom besten,
Vp dat he vns so brenge to recht
vnd help vns doch thom besten:
Wes men geduldich im elend:
dat Crutz ein werck is siner hend,
dat rechte Christen maket.

De Ogen der Barmherticheit
Godt tho sinem Volcke wendet
Vnnd helpet em vth allem leidt,
erlösinge he en sendet,
De thogesechte tröstlick Bund
wert vphören tho nener stundt,
he ewichlick wert bliuen.

Ock hefft vns vörgeschreuen Godt,
wo wy hyr schölen leeuen,
Vnd vörgestellet sine gehodt,
darna wy schöelen streuen;
Allein men in den Baden sindt,
wat rechte gude wercke synt,
darmit men Godt kan denen.

Jümmer vnd ewichlick erhölt
Godt syn wort vnd sine wercke:
All dauent der ergrimmeten welt,
all ere, macht vnd stercke,
Ock düuel vnd der hellen port
wert nicht vmbstöten Gades wort,
Godt wert jdt wol voruechten.

Groth ys de Here vnse Godtm
sine wercke synt vnertellick,
Den namen hefft he mit der dadt,
he herlick ys vnd hillich:
Densuluen waren Godt vnd Herrn
schalt fürchten, denen vnd ehren,
dat ys der wißheit anfang.

In Gades willen her jnher ghan,
dat ys eine fyne klockheit,
Vnd Gades willen recht vorstan,
dat ys de höchste wißheit!
Idt sy gelauet vnd gepriset
Godt Vader, Son vnd hillige Geist,
syn loff blifft ewich, Amen.

Quelle: Quellangabe Glaubensstimme

Johann Freder – Der LXXIX Psalm.

Johann Freder – Der LXXIX Psalm.

ACh Herr, mit diner hülp erschin,
redt vns an Lyff vnd Seele!
Geuallen sint int Erue dyn
der viende syn seer veele,
Vor en dyn Gades deenst vnd wordt
gelastert wert an mennigem ort
vnd jemmerlick vorstöret.

Ock ys dynes Volckes vnschuldich Bloth
offtmals so veel vorgaten,
Dat idt gelick als ein waterfloth
hefft allenthaluen geflaten;
So mennich Christ ys hengericht,
de doch thom Dode gaff orsake nicht,
der vele synt nicht begrauen!

De Lycham diner Hilligen werdt
synt worden Vögel spyse
Vnd van den deerten im Lande vortert:
Ach Godt, dine macht bewise!
Help doch vnd tröst vns, leue Gott,
de wy synt worden hon vnd spodt
den, de vmb vns her wanen!

Ach Herr, wo lang wiltu so gar
so hart ein vnmoth vaten?
Wiltu beweget syn jümmerdar,
dyn thorn nicht vallen laten?
Sehe an dine arme Christenheit,
gedenck an dine barmherticheit
vnd straff vns doch mith maten!

Schüdt vp dine viende dinen grimb,
de dy wol können nennen
Vnd rhömen dy mit groter stim,
im grunde äuerst nicht kennen!
Störte ock mit diner geweldigen handt
de Ricken, de dy don wedderstand
vnd dinen namen schenden!

Se freten vp den Christenheit,
se dauen, wöten, morden,
Vorwösten Kercken, Landt vnd Lüde,
wy synt seer dünne worden.
Gedenck nicht vnser missedadt,
de solck straffe wol vordenet hat,
erbarm dy vnser balde!

Tho vörderen dines Namens Ehre
help vns vth dessen nöden,
Du truwe Heilant, stuer vnd wher
der viende gruwsam wöten!
Erredde vns, Got, vth aller noth,
vorgiff vns vnse missedat
vmb dines namens willen!

Idt drynen bittern gifftigen spott
de wedder dyn Wort stryden,
Se seggen: Wor ys nu ere Gott?
wo kanstu, Herr, dat lyden!
Holdt en ere lasterent nicht tho gudt
vnnd wrecke diner hilligen Blodt,
des so veel ys vorgaten!

Dat süchtent der gefangen, Herr,
lath dy ock gan tho herte,
Tröste se in eren engsten swehr
vnd hele ere smerten!
Na dinem groten Arm vnd Gewaldt
dyn arme huepken ock erholde,
dat se men willen slachten!

Se lasteren grüwlich dinen Söhn,
Christ, unsen leuen Heren:
Ach Godt, nu lenger nicht vorschon,
erem lasteren woldestu wheren!
Vorgeldt en, Herr, veleuoldichlick,
dat se so smelick lasteren dick,
dewile se darin vorharren!

Ach Godt, help vns vnd vorlath vns nicht,
tröst vns in allem leide!
Vp dy steit vnse thouorsicht,
wy synt Schape diner weide,
Dyn Erff vnd Volck, du vnse Herr!
dyn groten Namen rhom vnd Ehr
lath vns ock Ewich prysen.

Quelle

Waldis, Burckardt – Psalm 11

Waldis, Burckardt – Psalm 11

Ein trost psalm, daß Got seiner Kirchen feind stürtzen vnd sein häufflin retten wölle.

1. In Gott allein setz ich meinn trost
vnd wil mich jm vertrawen,
Hat mich vom Todt auß gnad erloßt,
auff sein Wort wil ich schawen.
Wes ist dann dschult,
daß jr mich wolt
von solcher leer ab dringen,
Vnd sprecht, mir sol
sein gholffen wol,
durch menschē leer gelingen
von Gottes wort zu bringen.

2. Gleich wie der schütz seinn bogen spennt
vnd scheußt die scharpffen pfeile,
Dermaß auch menschen leer zertrennt
alls gut in kurtzer eile:
Den rechten grund
wöln sie zu stund
durch menschen tand verkeren,
Sprechen ‚der schlecht,
der frumm vnd grecht,
was solt vns der guts leren?
wir wöln sein wort nicht hören.

3. Gott aber sitzt im himel hoch,
dem sie so widersprechen:
Die mißthat gibt Er keynem nach,
er wirts gar schwerlich rechen:
Sein augen zwar
sehn alles klar,
prüfen der menschen kindern;
Wer jm recht thut,
der hats auch gut,
die bösen wirt er hindern,
irn freuel zuuermindern.

4. Ein wetter groß mit donnerplitz
wirt er lan auff sie regnen,
Ir lohn ist schwefel, fewr vnd hitz,
den frummen gibt dagegen,
Die jr angsicht
han dahin gricht,
daß sie sein Wort belieben
Vnd dem nachtracht
beid tag vnd nacht,
sich stets darinn zu üben,
die läßt er nit betrüben.

5. Des danckn wir dir, O Herre Got,
du wöllest vnser walten,
Behüten für der bösen rott,
vnd an deim wort erhalten,
Die rechte lehr
zu deiner ehr
vor diser welt bekennen,
Kein wasser, fewr
noch abenthewr
von dir nimmer abtrennen,
wie wir vns nach dir nennen.

Waldis, Burckardt – Psalm 12

Waldis, Burckardt – Psalm 12

Ein gebet psalm, wider die falschen lerer vnd feind, daß Got durch sein Euangelion allem irthumb vnd jamer wehren wölle.

1. Hilff, HERR, sich drein in solcher fahr,
erbarm dich deinr gemeine!
Wie sehr nimpt ab die Christlich schar,
dein heufflin wirt gar kleine,
Es ist dein Wort verachtet sehr,
man predigt eitel vnnütz ler
vnd‘ den menschen kinden.

2. Sie reden all auß falschem mund
mit vneynigem hertzen,
Ir ler steht loß, hat keinen grund,
den gwissen macht sie schmertzen,
Mit Fegfewr, Ablaß, Meß vnd Bann
die gantze welt verfüret han,
das laß dich, HERR, erbarmen.

3. Du, HERR, rott auß all heuchelei,
steur den trutzigen zungen
Die vns durch list vnd Tyrannei
von deinem wort gedrungen:
Sie sprechen stolz vnd vnuerschampt
›wir haben recht vnd das Leer Ampt,
es darff vns niemand wehren.‹

4. Weil dann das elend heufflin klein
veracht ist vnd zerstöret,
So wirdt Got selber Richter sein,
ir klag hat Er erhöret,
Sein Wort läßt leren frisch getrost,
das vns von jrem strick erlost
vnd tröstet die gewissen.

5. Das silber, offt durchs feur bewert,
wirt lauter vnd gantz reyne,
Des gleich veruolgt man hie auff erd
Gots wort vnd sein Gemeyne:
Im Creutz beweist das Wort sein krafft,
das grossen nutz bein leuten schafft,
leucht hell in allen landen.

6. Dabei wölstu vns, Herre Gott,
in einfalt reyn behüten
Vor dieser verfürischen Rott,
für jrer list vnd wüten:
Dann wo der Gotloß hauff regiert,
da wirt dein volck genarrt, verfürt
in ein Abgöttisch wesen.

7. Got Vatter, Son, Heiligem geist,
im einfaltigen wesen,
Der vns sein wort hie glauben heyßt
all die Er hat erlesen,
Von Ewigkeyt jm außerwelt,
auß gnad für kinder hat gezelt,
dem sei lob, preiß vnd Ehre.

Waldis, Burckardt – Psalm 13

Waldis, Burckardt – Psalm 13

Gebetpsalm wider schwermütigkeyt des geists, daß Gott trösten vnd helffen wölle.

1. Ach, HERR, wie lang wiltu ietz mein
so gar vnd gantz vergessen?
Verbirgst das frölich antlitz dein,
weil mich vnfäl besessen?
Wie lang sol sich
ängsten teglich
mein seel vnd hertz verschmachten?
Wie lang sol doch
der feind mir nach
stellen vnd gar verachten
vnd vber mich erheben?

2. Ach, HERR, schaw doch auff mein elend,
wölst mein gebet erhören,
Dein gnedig ohren zu mir wend,
dein antlitz zu mir keren,
Mein angesicht
laß trawren nicht
vnd halt mein augen offen,
Daß mich die not
nit senck inn todt,
für leyd nit werd entschloffen,
HERR, schaff, daß ich mög leben.

3. Ach, hilff mir, HERR, machs nit zu lang,
daß meine feind nit bochen,
Sprechen ›wie wirt jm ietz so bang!
wir haben vns gerochen.‹
Wann ich on sig
darnider lig,
als hetstu mein vergessen,
Dann werden sie
jmmer vnd ie
hoffertig vnd vermessen
sprechen, jn sei gelungen.

4. Ich aber hoff auff deine gnad
vnd weyß, du hilffest gerne.
Mein hertz sich des gefrewet hat,
dein trost ist mir nit ferne,
Darumb sol dir
all zeit von mir
so lang ich leb auff erden,
Weil deine güt
wol an mir thut,
dein ehr verbreytet werden
vnd ewig lob gesungen.

Waldis, Burckardt – Psalm 15

Waldis, Burckardt – Psalm 15

Ermanung zur gerechtigkeyt, daß Gott seiner Kirchen glider ewiglich erhalten wölle.

1. Welchs mensch sich hat
im glauben Got
gar vnd gantz vbergeben,
Der seh wol zu,
daß er recht thu,
nach Gottes willn zu leben,
Durch welche werck
auff Gottes berg
er mög erhalten bleiben,
vnd merck gar wol
was wir jm hie fürschreiben.

2. Wer einher geht
vnd wol besteht
für Gott mit gutem gwissen,
Von hertzen schlecht,
gantz frumb vnd grecht,
ist stehts dazu geflissen
Daß er in güt
mit rechtem gmüt
die warheyt red von hertzen,
on argelist,
on heuchelei vnd schmertzen.

3. Wer des verschönt,
daß er nit hönt
seinn nechsten hinder rücken,
In nit beleugt,
auch nit betreugt
mit hinderlist vnd tücken,
Wer seine zung
gegn alt vnd jung
zum besten weyß zu zwingen
vnd schickt sich recht
in allen seinen dingen.

4. Wer nit groß acht
gotlosen pracht
vnd sich nit an sie keret,
Sondern geht fort
nach gottes wort,
die Gotsförchtigen ehret,
Wer seinen eyd
mit gutem bscheyd
seim nechsten schwert mit trewen
vnd helts jm gwiß,
den wirt es nimmer rewen.

5. Wer nit sein gut
auff wucher thut,
daß er auff vorteyl dencke,
Hat stets gedult
mit der vnschuld,
nimpt vber sie kein geschencke,
Wer darnach streb,
daß er so leb
wie wir jm hie für schreiben,
wird hie vnd dort
ewig erhalten bleiben.

6. Das hilff vns, HERR,
durch deine ehr,
wölst vnser immer walten,
Wir an deim wort
beid hie vnd dort
selig werden erhalten.
Dich, Vatter fron,
vnd deinen Son
wöllen wir Ewig loben,
dein Heilger geist
wöll vns mit gnad begaben.

Waldis, Burckardt – Psalm 16

Waldis, Burckardt – Psalm 16

Ein weissagung vom leiden vnd aufferstehung Christi.

1. Hort zu, jr Christen alle sandt,
von Gott wil ich ietz singen,
Wie er Christ, seinen son, hat gsandt,
seinn willen zu volbringen:
Für die so er jm außerkorn
hat er gesetzt sein leben,
sich in den Todt gegeben,
Daß sie würden auffs new geborn,
die heiligen auff erden
vnnd die hie selig werden.

2. Er spricht ›die jrem eygen thun
vnd menschen werck nach trachten,
Daß sie da durch kommen zur suhn,
wann sie jr opffer schlachten,
Ich wil verwerffen jre gab,
jrs namens nimmer gdencken,
den meinen wil ich schencken
Das Erb, welchs ich erworben hab
durch mein leiden vnd blute
den glaubigen zu gute.

3. Drumb wirt der HERR durch mich gepreist,
der mich auch vnderrichtet,
Sein götlich hülff allzeit beweist,
sein recht hand für mich sichtet.
Vor jm bin ich auch immerdar,
des frew ich mich von hertzen,
erlöst von todes schmertzen,
Hinfürter hats mit mir kein fahr,
fürn feinden werd wol bleiben
die sich wölln an mich reiben.

4. Das grab meinn leib nicht halten mag,
das Er solt drinn verwesen,
Wird aufferstehn am dritten tag
vnd von dem tod genesen,
Gen himel farn in herligkeit
mit grosser freud vnd wonne
vil klarer dann die Sonne,
Zur rechten Gots in Ewigkeyt
in menschlicher gestalte
durch Götlich krafft vnd gwalte.‹

5. Das gib, HERR, durch dein gnade groß,
daß wir im rechten glauben
Dort werden deine haußgenoß,
da vns kein feind mag rauben,
Da du all freud vnd herligkeyt
vnd das Ewige leben
den glaubigen wirst geben,
Dein heilige dreifaltigkeyt
in deinem thron dort oben
wir Ewig preisn vnd loben.