Herman, Nikolaus – Ein Gebet und Danksagung vor dem Essen.

Alle die Augen warten, Berr, auf dich,
Und auf deine Güte verlassen sich;
zu rechter Zeit gibst ihn ihr Speis,
Und nährest sie mit allem Fleiß.

2. Die Blümlein schmückst du auf den Felden,
Die Bäumelein kleidest in Wälden,
Es ist kein Tier, das Hungers stirbt;
Alls du erhältst, dass nichts verdirbt.

3. Wenn in der Luft die Vögelein singen,
Die Heuschrecklein im Gras hrumspringen,
Ihr Speis sie finden allezeit
Durch deine Güt und Mildigkeit.

4. Wenn zu dir schreien die jungen Räblein,
Ihr Nahrung schaffst du ihn ins Nest hinein,
Deins gleichen man kein Vater findt,
Der also sorgt für seine Kind.

5. Wie sollst du denn unser vergessen;
Dass wir an Kleidern und Essen
Sollten Abbruch und Mangel han,
Die im Glauben dich rufen an?

6. O Herr, du wollest gebenebeien
Die Speis, dass sie uns gedeihen,
Segen uns, Herr, und deine Gab,
Dass Leib und Seel sich wohl gehab.

7. Und speis auch unser Seel mit Himmelbrot,
Das uns erhalt für den ewigen Tod,
Auf dass wir nach der bösen Zeit
Mit dir leben in Ewigkeit. Amen.

Herman, Nikolaus – Ein ander Brautlieb, aus dem Evangelio von der Hochzeit zu Kana in Galiläa.

Da auf Erden ging Christ, der Herr,
Tät er dem Ehstand große Ehr.
Zu Kana er geladen war
Auf ein Hochzeit, da kam er dar.

2. Sein erst Zeichen wollt er dartun,
Dass man den Stand sollt halten schön,
Aus Wasser macht er guten Wein,
Dass Jedermann konnt fröhlich sein.

3. Damit er uns anzeigen will,
Ob Ehleut müssen leiden viel,
So woll er sie doch nicht verlan,
Im Kreuz solln sie Trost von ihm han.

4. Wes Ehstand soll geraten wohl,
Christum zur Hochzeit laden soll;
Der kann Ehleuten all ihr Leid
Wenden in eitel Wonn und Freud.

5. So merk nun wohl ein frommer Christ,
Der zur Hochzeit geladen ist,
Dass er züchtig und bscheiden sei,
Denn Christus ist selbst auch dabei. –

6. Der uns kein ehrliche Freud wehrt,
Wenn der Leib nur nicht wird beschwert,
Mag man mit Ehrn wohl fröhlich sein,
Essen und trinken guten Wein.

7. Herr Christ, bewahr den ehlichen Stand
Mitten im Kreuz für Sünd und Schand.
Erhalt bei Zucht und Ehrbarkeit
Dein liebe Braut, die Christenheit.

Amen.

Herman, Nikolaus – Ein Abendreihen vom Herrn Christo, für christliche Jungfräulein, vorzusingen.

1. Ihr Schwesterlein, ihr Schwesterlein,
Ihr allerliebsten Gespielen mein,
Wir wolln singen ein Abendreihn
Von unserm Herren Jesulein.

2. Ein wahrer Gott, ein wahrer Gott
Ist er, und hilft aus aller Not.
Er ist Gotts eigen Söhnelein
Und Marien der Jungfrau rein.

3. Von Ewigkeit, von Ewigkeit
Wahrhaftig ist seine Gottheit.
Er ist der gbenedeite Sam,
Adam verheißn und Abraham.

4. Ein Kindlein klein, ein Kindlein klein,
Von seiner werten Mutter rein
Ist er geborn ohn alles Leid,
Heilig, ohn Sünd ist sein Menschheit.

5. Der Schlangen Gift, der Schlangen Gift
Tät ihm kein Schadn, verletzt ihn nicht,
Der heilge Geist wirkt solches gut
Mit dem keuschen Mariä Blut.

6. Des wundert sich, des wundert sich
Die Natur und verstund es nicht.
All Engel sahen dran ihr Lust,
Dass ein Kind säugt der Jungfraun Brust.

7. Maria zart, Maria zart,
Kein seligers Weib geboren ward.
Sie hat geborn ein Söhnelein
Den Herrn aller Engelein.

8. Des Teufels List, des Teufels List
Durch ihren Sohn zerstöret ist.
Sein Tyrannei, Lügen und Mord
Hat überwunden Gottes Wort.

9. O Gottes Lamm, o Gottes Lamm,
Wir müssten doch all sein verdammt,
Wenns ohn dein Tod und Opfer wär,
Drum singn wir dir Lob, Preis und Ehr.

10. Behüt uns Herr, behüt uns Herr,
Für Irrthum und für falscher Lehr,
Wehr und steur aller Gleißnerei,
Betrügerei und Tyrannei.

11. Dein heilger Geist, dein heilger Geist
Allzeit uns helf und Beistand leist,
Auf dass wir nach dem Willen dein
Leben und fromme Christen sein.

12. Für Krieg und Blut, für Krieg und Blut
Behüt uns, o du höchstes Gut.
Den lieben Kornbau uns bewahr,
Dass kein Teurung werd dieses Jahr.

13. Für Feuersnot, für Feuersnot
Schütz unser Stadt, o lieber Gott.
Auch pflanz in uns christliche Lieb,
All unsre Schuld und Sünd vergib.

14. Auch unser Stadt, auch unser Stadt,
Die ganze Gmein, ein ehrbarn Rat,
Die Kirch und Schul, das Bergwerk fein,
Lass dir, o Herr, befohlen sein.

15. Ein seligs End, ein seligs End,
Gib uns, mit Gnad dich zu uns wend,
Und hilf uns in der letzten Not
Durch dein Wunden und bittern Tod.

16. Bewahr auch, Herr, bewahr auch Herr,
Aller Jungfrauen Zucht und Ehr.
Behüt ihr Kränzlein für Unfall,
Wünscht euch der Herman allzumal.

Amen.

Herman, Nikolaus – Der Morgensegen.

Im Ton: Wo Gott nicht gibt zum Haus rc.

Die helle Sonn leucht jetzt Herfür,
Fröhlich vom Schlaf aufstehen wir.
Gottlob, der uns heint diese Nacht
Behüt hat für des Teufels Macht.

2. Herr Christ, den Tag uns auch behüt
Für Sünd und Schand durch deine Güt,
Lass deine lieben Engelein
Unser Hüter und Wächter sein;

3. Dass unser Herz in Ghorsam leb,
Deim Wort und Willn nicht widerstreb,
Dass wir dich stets für Augen han
In allem, das wir heben an.

4. Lass unser Wert geraten wohl,
Was ein Jeder ausrichten soll,
Dass unser Arbeit, Müh und Fleiß,
Gereich zu beim Lob, Ehe und Preis.

Amen.

Herman, Nikolaus – Der Abendsegen.

In demselben Ton (Im Ton: Wo Gott nicht gibt zum Haus rc. ).

Hinunter ist der Sonnen Schein,
Die finstre Nacht bricht stark herein.
Leucht uns, Herr Christ, du wahres Licht,
Lass uns im Finstern tappen nicht.

2. Dir sei Dank, dass du uns den Tag
Für Schaden, Fahr und mancher Plag
Durch deine Engel hast behüt
Aus Gnad und väterlicher Güt.

3. Womit wir han erzürnet dich,
Dasselb verzeih uns gnädiglich,
Und rechn es unser Seel nicht zu,
Lass uns schlafen mit Fried und Ruh.

4. Durch dein Engel die Wach bestell,
Dass uns der böse Feind nicht fäll.
Für Schrecken, Gspenst und Feuersnot,
Behüt uns heut, o lieber Sott.

Amen.

Herman, Nikolaus – Der 91. Psalm

welchen David gesungen, nachdem ihn Gott erhalten hat in dem großen Sterben, da in den drei Tagen siebenzigtausend Menschen sturben in Israel.

Im Ton: Ach Gott vom Himmel rc.
Oder: Nun freut Euch rc.

Wer bei Gott Schutz und Hilfe sucht,
Wenn er sein Rut‘ aussendet,
Und hat zu ihm all sein Zuflucht,
Mit Buß sich zu ihm wendet:
Der ruft getrost in seiner Not:
Du bist mein Burg, o Herr mein Gott,
Du wirst mich nicht verlassen.

2. Du rettesat mich vons Jägers Strick,
Kein Pestilenz mir schadet.
Unter‘ dein Flügel ich mich tück,
Wenn die Seuch zu mir nahet.
Dein Wahrheit ist mein Schild und Spieß,
Dein Wort macht mich keck und gewiss
Drum laß ich mich nicht schrecken.

3. Kein Graun des Nachts, kein Pfeil am Tag,
Die der Teufel lässt fliegen,
Mir schaden kann, kein Seuch noch Plag
Des Feinds wird mir obsiegen.
Ob viel Tausend auf beider Seit
Um mich fallen, nicht mir dran leit,
Der Tod kann mich nicht treffen.

4. Mit Lust mein Augen werden sehn,
Wie Gott den Lohn wird geben,
Und vergelten den Gottlosen,
Die seim Wort widerstreben.
Mein Haus aber zufrieden bleibt,
Alls Unglück mein Gott davon treibt,
Kein Plag dazu mag kommen.

5. Sein Engeln er befohlen hat:
Tragt ihn auf euren Händen.
Wo er auf seinen Wegen gaht,
Das Bös von ihm tat wenden,
Damit sein Füß an keinen Stein
Anstoß, mit Treuen ich ihn mein,
Lasst ihm nichts Args begegnen.

6. Wenn er auf Schlangen und Drachen steht,
Kein Leid ihm widerfähret.
Durch Pestilenz er sicher geht,
Und bleibt auch unversehret.
Gleichwie Aaron in seinem Amt,
Wehr ich der Seuch mit meiner Hand,
Dass sie zu ihm nicht nahe.

7. Wenn ihn gleich die Plag samt dem Tod
Ergreift und wolln ihn fressen,
Im größten Kampf und höchster Not
Kann ich sein nicht vergessen.
Wenn er gleich gar darnieder leit,
Helf ich ihm auf zu rechter Zeit,
Sobald er mich anrufet.

8. Wenn all sein Leib für Krankheit hitzt,
Und er jetzt will verschmachten,
In Todeskampf für Ängsten schwitzt,
Sein Heil will ich betrachten.
Ich will sein Kraft und Labsal sein,
Und ihn erquicken in der Pein,
Bei ihm bin ich in Nöten.

9. Sein Unschuld mach ich offenbar,
Dass man sein Ehr stets preise.
Sein Leben frist ich manches Jahr,
Mein Heiland ich ihm weise.
Von hin fährt er mit Fried und Freud;
Ein End hat all sein Dürftigkeit,
Sein Seel will ich bewahren.

Herman, Nikolaus – Der 103. Psalm Davids.

Nun lob mein Seel dein Herrn und Gott,
Von ganzem Herzn ihn preise.
Gedenk mit Fleiß aller Wohltat,
Die er dir hat beweiset.
All dein Sünd hat er dir geschenkt,
Dein Missetat er nicht gedenkt,
Und heilt all dein Gebrechen.

2. Dein Leben rett er allezeit,
Allen Unfall er wehret.
Mit Gnad, Güt und Barmherzigkeit
Krönet er dich und ehret.
Herz, Mut und Sinn ist Freuden voll,
Das Gwissen gehab sich fein wohl,
Mein Mund sein Wohltat preiset.

3. Wie ein Adler verjünget sich,
Und kriegt spannen Gefieder,
So hat er neugeboren dich
Durchs Wort und sein Geist wieder
Der Herr schafft Grechtigkeit und Gricht,
Die Elenden verlässt er nicht,
Die Unrecht müssen leiden.

4. Sein Zorn währt nur ein kleine Zeit,
Sein Grimm sich gar bald leget.
Er schont menschlicher Gbrechlichkeit,
Unser Schwachheit er träget.
Er ist barmherzig und gütig,
Gnädig, geduldig, langmütig,
Die Sünder nicht bald strafet.

5. Wie ein Vater meint seine Kind
Und ihn als Guts erzeiget,
So ist Gott gegen uns gesinnt,
Sein Herz zu uns geneiget.
Wer ihn fürcht, traut und rufet an,
Den kann und will er nicht verlan1verlassen;
Denn wir sind sein Geschöpfe.

6. Er weiß, dass wir sind Asch und Staub,
Und wie Gras auf dem Felde.
Ein Mensch fällt ab, gleichwie das Laub
Von Blumen in den Wälden.
Sein Gnad aber währt ewiglich,
Der sollen alzeit trösten sich,
Die nach seim Willen wandeln.

7. Mosen hat er sein Weg bericht,
Unds Gsetz lassen aufschreiben,
Auf dass Israel irret nicht,
Und bei seim Wort möcht bleiben.
Sein Wunder macht er ihn bekannt,
Da er sie mit gwaltiger Hand
Vom Pharao erlöset.

8. Im Himmel hoch sein Regiment
Führt er mit Gwalt und Ehren.
Ihm ghorchen alle Element,
Sein Macht kann Niemand wehren.
So lobt den Herrn, ihr Engelein,
Die ihr ausricht den Willen sein
Und sein Wort weit ausbreitet.

9. Ihr Heerscharen, lobt euren Gott,
Die ihr tut nach seim Gfallen,
Und richt mit Fleiß aus sein Gebot,
Lobt seine Werk mit Schalle.
Und du, mein allerliebste Seel,
Preis Gott, und sein Wohltat erzähl,
Rühm sie von ganzem Herzen.

Amen.

Herman, Nikolaus – Ein geistlich Lied für die Kinder, darin sie bitten für die Wohlfahrt gemeiner Stadt, und Aufnehmung des Bergwerks.

Im Ton: Erhalt uns rc.

Herr, segen unser Kirch und Schul,
Das Regiment und den Ratstuhl,
Das Bergwerk, Knappschaft samt der Gmein,
Denn bei dir suchn wir Hülf allein.

2. Weil du ein Kirch in der Wüstnei
Dir sammlest, und mit mancherlei
Gaben sie schmückest und hast geziert,
Und hie dein Geist im Wort regiert,

3. So kehr zu uns dein Angesicht,
Verlass dein armes Häuflein nicht,
Lass uns nicht stecken in der Not,
Gib uns auch unser täglichs Brot.

4. Mit Gnad sieh unser Bergwerk an,
Weil wir sonst hie kein Nahrung han,
Denn du kannst bald Glanz1 eine Art Erz, nicht reichhaltig. , Kies2eine von Schwefel und Arsenik durchsetzte Eisenerde. und Querz3Mathesius erklärt Quarz oder Querz als Quad-Erz, eine taube und leere Bergart oder Erzerde.
Durch dein Güt wandeln in gut Erz.

5. Wenn du auftust dein milde Hand,
Aller Mangel ist bald gewandt,
Gold, Silber, Erz und all Metall
Sind doch dein Gaben allzumal.

6. Du kannst bald tun ein Klüftlein4eine kleine Ader, die das Gesteine zerteilt. auf
Und Erz geben ein ganzen Hauf,
Dein Hand zu geben hat kein Maß,
Du wirkst noch stets ohn Unterlaß.

7. Drum wend zu uns dein Vaterherz,
Und bscher uns nach deim Willn gut Erz,
Auch hilf, dass wir solchs brauchen wohl,
Wie ein christlicher Bergmann soll;

8. Dass fürnehmlich dadurch dein Ehr
Gefördert werd, und reine Lehr
Erhalten in der Kirch und Schul,
Fried, Gricht und Recht bei dem Ratstuhl;

Gebet.

Auch dass versorgt werd das Spital,
Und Hausarmen in diesem Tal,
So wolln wir, Herr, mit ganzem Fleiß
Dir singen stets Lob, Ehr und Preis.

Amen.

Herman, Nikolaus – Ein Brautlied.

Gott schuf Adam grecht, fromm und weis,
Und setzet ihn ins Paradeis,
Und nahm im Schlaf aus seinem Leib
Ein Ripp, und baut ihm draus ein Weib;

2. Dass sie ihm hülf, menschlich Geschlecht
Mehren und Leibesfrüchte brächt,
Welche Gott sollten immerdar
Loben mit aller Engel Schar.

3. Da Adam von dem Schlaf erwacht
Und Evam sah, sein Herz ihm lacht.
Er sprach: Das ist mein Fleisch und Bein,
Die meim Herzen gefällt allein.

4. Da gab sie ihm Gott an sein Hand,
Setzt damit ein den ehlichen Stand,
Vater und Mutter wird ein Mann
Lassen, und seim Weib hangen an.

5. Voller List aber war die Schlang,
Eva das Wort Gottes abdrang,
Dass sie übertrat sein Gebot,
Und führt uns in Höll, Sünd und Tod.

6. Adam kam um sein Grechtigkeit,
Verstand, Ehr, Gwalt und Herrlichkeit,
Fiel in Zittern, Zagen und Furcht,
Drum dass er seim Weib hat gehorcht.

7. Des Vaters Herz jammert der Fall,
Da tät sein Sohn ihm ein Fußfall,
Und den gefallnen Adam verbat,
Drum Gott sein Straf gelindert hat.

8. Der Herr Gott zu der Schlange sprach:
Verflucht seist du dein Lebetag;
Dein Kopf soll dir des Weibes Sam
Zertreten, und dich feinden an.

9. Und du Weib sollt Kinder gebäen
Mit Schmerz und Weh auf dieser Erdn
Auch sollt du unterworfen sein
Mit Gehorsam dem Manne Dein.

10. Adam, weil du gehorchet hast
Deim Weib, und mein Gebot verlasst,
Sollst du im Schweiß essen dein Brot
Und dich nähren mit Angst und Not.

11. Adam und Eva ins Elend
Aus dem Garten mussten behend;
Geschlossen wurd für ihn die Tür,
Den Cherub stellet Gott dafür.

12. Dieweil aber nun kommen ist
Des Weibs Same, der Herre Christ,
Steht uns offen des Himmels Tor,
Und ist nicht mehr gesperrt, wie vor.

13. Er hat ihm seine Liebe Braut,
Die Kirch in dem Glauben vertraut,
Macht und sein große Lieb bekannt
Durch die Lieb im ehlichen Stand.

14. Wie ein Bräutgam sein herze Braut
Lieber hat, denn sein eigne Haut,
So liebt Christus auch sein Gemein,
Denn sie ist auch sein Fleisch und Bein.

15. Der woll all christlich Eheleut,
Auch die man hat vertrauet heut,
In rechter Lieb bis an ihr End
Erhalten in diesem Elend.

Amen.