Herman, Nikolaus – Ein Lied aus dem 56. oder 14. Psalm

darin man bitt um schön Wetter oder einen seligen Regen und für die Früchte auf dem Felde rc.

Für die Kirche im Joachimsthal.

Gott, Vater, der du deine Sonn
Lasst scheinen über Bös und Fromm,
Und der ganzen Welt damit leuchtst,
Mit Regn und Tau die Erd befeuchtst,

2. Die Berg machst du von oben nass,
Und lässt drauf wachsen Laub und Gras,
In Gäng1(Gang ist eine Erzader.) und Flötz2(Flötz oder Fletz ist eine eben hinweglaufende Bergart.) gut Erz du legst,
Fried, Schutz und Recht du selber hegst.

3. Du gibst auch reichlich Brot und Wein,
Dass Menschen Herz kann fröhlich sein;
Du deckst auch unser Sünde zu,
Dein Wort bringt uns Trost, Fried und Ruh.

4. So bitt wir nun, dein Gnad und Güt,
Im Wort und Fried uns stets behüt;
Die Frücht der Erden uns bewahr
Und gib uns heur ein reiches Jahr.

5. Ein fruchtbar Wetter uns bescher,
Dem Hagl und Ungewitter wehr,
Schnee, Regen, Wind und Sonnenschein
Allzeit deim Wort gehorsam sein.

6. Heuschreckn und Raupen sind dein Rut,
Alls was Schaden an Früchten tut;
Solch Unziefer, Herr, du vertreib,
Dass dein Gab unbeschädigt bleib.

7. Denk, dass wir arme Würmelein
Dein Gschöpf, Erbgut und Kinder sein,
Und warten auf dein milde Hand,
Uns aus beim Wort und Werk bekannt.

pro serenitate. (Um gut Wetter.)

8. Die liebe Sonn uns scheinen lass,
Heiß wachsen Erz, Brot, Kraut und Gras,
Dass Leut und Vieh ihr Nahrung hab,
Und dich kennen aus deiner Gab.

pro pluvia tempestiva. (um Regen.)

9. Durch Christ, dein Sohn, hör unser Bitt,
Teil uns ein seligen Regen mit,
Und krön das Jahr aus deiner Hand,
Mit dein Fußtappen düng das Land.

10 Den Herrn von Sion dich man nennt,
In aller Welt dein Güt man kennt,
Hörst unser Bitt und hilfst allein,
Gib Gnad, dass wir dir dankbar sein.

Amen.

Herman, Nikolaus – Der 3. Psalm Davids.

Ach Gott, wie viel sind meiner Feind,
Die sich wider mich setzen.
All ihr Anschläg gerichtet seind,
Dass sie mein Seel verletzen.
Ihr viel sagen, kein Hilf bei Gott
Darf er warten in seiner Not;
Es ist um ihn geschehen.

2. Aber Herr Gott, du bist mein Schild,
Und setzest mich zu Ehren.
Mein Haupt du selbst aufrichten willt,
Und meinen Feinden wehren.
Denn alsobald ich zu dir schrei,
So hörst du mich, und stehst mir bei,
Von deim heiligen Berge.

3. Mit Ruh schlaf ich die ganze Nacht,
Bis an den hellen Morgen.
Denn mein Gott selber bei mir wacht,
Damit ich schlaf ohn Sorgen;
Wenn ich denn Morgens früh aufsteh.
Fröhlich an mein Arbeit ich geh,
Und lass Gott immer walten.

4. Wenn gleich ein ganz Heer um mich leit,
Und nach meim Leben trachtet;
Wenn ich mit Hunderttausend streit,
Ihr Stärk mein Seel nichts achtet.
Gott hilft, dass Keines siegen mag,
Er gibt ihn selbst ein Backenschlag,
Und ihre Zähn zerschmettert.

5. Drum wer will Schutz und Hilfe han,
Und für seim Feind bestehen,
Der schrei zu Gott und ruf ihn an,
So wirds ihm glücklich gehen.
Sein Volk bei ihm den Segen sucht,
Und hat zum Herrn all sein Zuflucht;
Denn er allein kann helfen.